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Frisch hapeziert

Die Kolumnen

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Frisch hapeziert — Inhalt

Ob Prinz Philip, Lady Gaga, die Kanzlerin oder Til Schweiger – in Hape Kerkelings wöchentlicher Gala-Kolumne »Frisch hapeziert« ist jeder Promi mal Thema. Er schildert Backstage-Erlebnisse beim Comedy-Preis, macht sich seine Gedanken über VIPs im Weltraum, Royals in Trekking-Boots und den »Twittler« Donald Trump. Auch sich selbst nimmt der beliebte Entertainer nicht aus und plaudert aus dem Nähkästchen. Ganz privat geht es zu, wenn Hape die Wahlen beim Gläschen Weißweinschorle mit seiner zweitbesten Freundin Gudrun bespricht, über die »Ehe für alle« räsoniert, wir ihn in den Supermarkt begleiten oder er überlegt, ob er sich nicht zum Undercover-Butler im Buckingham-Palast umschulen lassen soll. Herrlich ehrlich und komisch zugleich – die Kolumnen von Hape Kerkeling, ein Muss für alle Fans!

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 03.07.2018
176 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-31434-3
€ 10,99 [D], € 10,99 [A]
Erschienen am 03.07.2018
176 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-99213-8

Leseprobe zu »Frisch hapeziert«

Vorwort

Liebe Leser,

kuckuck, der TV-Frührentner ist wieder da.

Einige schneidern nach ihrer Karriere als aktiver Fernsehkopf »Mode für Mollige« oder kochen Aprikosenmarmelade auf Ibiza ein und verscherbeln sie für teuer Geld im Internet. Andere wiederum lassen sich hauptberuflich von RTL 2 beim Austern-Futtern auf den Bahamas filmen oder werden Freizeit-Lama in Tirol. Das ist alles nix für mich.

So wurde ich für knapp ein Jahr zum Kolumnisten und durfte über Royals und Celebritys philosophieren. Meine Welt! Ich liebe gepflegten Tratsch. Solange nichts [...]

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Vorwort

Liebe Leser,

kuckuck, der TV-Frührentner ist wieder da.

Einige schneidern nach ihrer Karriere als aktiver Fernsehkopf »Mode für Mollige« oder kochen Aprikosenmarmelade auf Ibiza ein und verscherbeln sie für teuer Geld im Internet. Andere wiederum lassen sich hauptberuflich von RTL 2 beim Austern-Futtern auf den Bahamas filmen oder werden Freizeit-Lama in Tirol. Das ist alles nix für mich.

So wurde ich für knapp ein Jahr zum Kolumnisten und durfte über Royals und Celebritys philosophieren. Meine Welt! Ich liebe gepflegten Tratsch. Solange nichts Bösartiges in Umlauf gebracht wird.

Die GALA ist diesbezüglich eine Klasse für sich. Hier dichtet man nichts Unschönes dazu und wühlt auch nicht ungefragt in prominenten Mülltonnen herum. Das Erfinden von hanebüchenen Geschichten dem schnöden Absatz zuliebe finde ich uncharmant, um nicht zu sagen schmuddelig. Nix für mich.

Sporadisch durfte ich ja immer mal wieder den Kolumnisten oder Hofberichterstatter geben. So 2002 für den »Stern« bei der Hochzeit von Königin Máxima und König Willem-Alexander in Amsterdam – nachzulesen hier am Buchende in dem Kapitel »Traumhochzeit«. Oder 2013 als Reporter für den ORF bei deren Krönung. Unvergesslich oder »onvergetelijk«, wie der Holländer sagt. Darüber später mehr.

Gerne plaudere ich hier aus dem Nähkästchen meiner Erfahrungen mit Stars und Sternchen, welche meine Milchstraße gekreuzt haben. Doch bevor wir uns gemeinsam auf VIP-Höhenflüge begeben, sollten wir eine Frage noch flott klären: Was macht einen Promi zum echten Promi? Wer ist ein sogenannter A-Promi und wer nur ein »Adabei«? So nennt man im süddeutschen Sprachraum Anhängsel von Promis, wie beispielsweise ehemalige Fitnesstrainer, angelernte Diätassistentinnen oder Coiffeure. Der Schweizer spricht hier gerne von der geschnittenen »Cervelat-Prominenz«.

Tja, A- oder B-Promi: Wer soll da noch durchblicken? Es klingt ja auch so unschön. Wie ein anrüchiger B-Movie. Sprechen wir also lieber von Platin-, Gold-, Silber-, Bronze- und Nickel-Promis.

Ähnlich wie beim Adel gibt es auch in der Promi-Welt die höheren Würdenträger und die unteren Chargen. Wobei »Royalty« natürlich grundsätzlich immer über »Celebrity« steht. Sie schwebt fast unantastbar und ätherisch über allem. Hört man etwa heraus, dass ich heimlich Royalist bin? Nein, das ist gelogen. Ich verehre und vergöttere Monarchien. Das ist zwar unprofessionell, aber auch zutiefst menschlich. Herrje, ich verquatsche mich ja schon im Vorwort!? Mehr zu meiner Leidenschaft für gekrönte Häupter und zur Faszination der Royals gleich hier im Anschluss.

Zurück zu den Promi-Kategorien: Ganz unten steht im Prinzip der sogenannte »Reality-Star«. Aber – aufgepasst! – hier gibt es Ausnahmen. Sie sehen: Es ist gar nicht so einfach.

TV-Shows wie »Deutschland sucht den Superstar« oder »Big Brother« bringen inzwischen eine derartig hohe Anzahl von angeblich prominenten Personen hervor, dass eine etwas genauere Unterscheidung zwingend wurde. In jenen Formaten werden Nickel-Promis mit mattem Glanz am Fließband produziert. Sprich, Personen, deren Prominenz als sehr schnelllebig und deren Image als besonders ausgelutscht wahrgenommen wird.

Madonna, Lady Gaga, Elton John und Robbie Williams sind selbstverständlich Platin-Promis. Sie sind international bekannt und können enorme künstlerische Leistungen vorweisen. Man kann es nicht wegdiskutieren: Sie stehen oben auf der Hollywood-Hühnerleiter. Ihnen wird von Amts wegen Gehör geschenkt.

Wieso fällt mir bei Gold-Promis Thomas Gottschalk ein? Na, weil er einer ist. Er ist quasi ein nationaler Weltstar. So wie auch unser Herr Jauch, Iris Berben oder Senta Berger.

In der Nippel… sorry, Nickel-Abteilung rangieren schlussendlich alle, die quasi ein öffentliches Leben führen. Stichwort »Doku-Soap«. Wenn Sie sich die Frage stellen: »Warum ist diese Person überhaupt im Fernsehen?«, sind Sie im Nickel-Club gelandet. Welcome!

In Amerika allerdings haben sich die Verhältnisse schon umgekehrt. Die Reality-Stars Kardashian haben dort Hollywoodgrößen wie Brad Pitt und Angelina Jolie längst den Rang abgelaufen. In ihrer Selbstdarstellungskunst sind Kim und ihre Familie unübertroffen.

Auch wenn die Doku-Soap-Sternchen ein beneidenswertes Leben führen, wie es sich unsere Eltern dereinst immer für uns, die Kinder der Nachkriegskinder, gewünscht haben, nämlich frei von Not und Drangsal – in der Ausbeutung und im Ausschlachten ihres Images sind Kim und Family geradezu kriegerisch. Ganz nach dem Motto: Gossip sells. Klatsch verkauft. Deshalb berichten inzwischen nicht mehr nur Boulevardzeitungen, sondern auch seriöse Medien über all die Leute, die berühmt sind dafür, »irgendwie bekannt« zu sein.

Meinen allerersten Einsatz als Klatschreporter hatte ich übrigens im Februar des Wendejahres 1989.

Damals schickte mich mein Lieblingssender Radio Bremen für die Kult-Show »Extratour« zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises nach Köln.

Im strömenden Regen stehe ich dort auf dem klitschnassen roten Teppich und soll in einer Live-Schalte die Stars von Evelyn Hamann bis Willi Millowitsch keck interviewen. Aber wer sollte sich schon bei strömendem Regen auf triefender Auslegeware mit mir angeregt unterhalten wollen?

Deswegen erfinde ich an jenem Abend das »Fernsehen für Kurzentschlossene«. Samt Kamerateam stelle ich mich ins Trockene; direkt vor die Herrentoilette. Ich habe unverschämtes Glück. Die Toilettenfrau Gisela M. ist eine aufgeweckte Person und in Plauderlaune. So verhöre ich sie spontan.

Welcher Fernsehliebling wäscht sich die Hände, und vor allem: welcher nicht. Das ist tatsächlich nicht unkomisch. Meine erste bebilderte Kolumne. Die sympathische kölsche Klofrau hat mir so kurz vorm Mauerfall gewissermaßen zum Durchbruch verholfen.

Ein wichtiges Geheimnis aus der Promi-Welt habe ich bereits an jenem Abend lernen dürfen, und gerne teile ich es hier mit Ihnen: Alle Menschen sind gleich. Unterschiede bilden wir uns ein.

Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre meiner Kolumnen. Keine Sorge: Es geht hier nicht ums Koksen, Grapschen oder Schlimmeres. Es wird ganz nett. Machen Sie es sich also gemütlich. Jetzt wird frisch hapeziert!

 Ich drücke Sie!

Ihr Hape Kerkeling

 

Faszination Royals

Ehe es aber losgeht mit den Kolumnen, müssen wir vorab klären, warum wir Königs eigentlich so lieben und wie die genealogischen Verbindungen und Verstrickungen unter Europas Königshäusern sind.

Eins vorneweg: Alle Menschen sind natürlich gleich.

Doch machen wir uns bitte nichts vor, meine Lieben! Monarchien strahlen seit jeher etwas besonders Erhabenes aus. Genau deshalb sind blaublütige Fürsten auch gleicher als der Rest der Normalo-Menschheit. Also, Contenance!

Kein Wunder, dass unsere Vorfahren noch an »Gottkönige« glaubten. Ob in Ägypten, Rom oder China. Royalty, wie das schon klingt! Nach Diadem und dickem roten Teppich.

Der magische Glanz, die unkaputtbare Kontinuität und die bescheidene Zurückhaltung, die von Europas Fürstenhäusern ausgehen, faszinieren jedenfalls bis heute. Immer wieder. Das lässt sich auch zweifelsfrei anhand der Sensations-Einschaltquoten royaler Traumhochzeiten belegen.

Ob altgediente Monarchinnen wie Königin Silvia von Schweden oder junge Herzoginnen-Hüpfer wie Käthe Cambridge. Wir schauen gerne hin, hören zu, sind beeindruckt und bewundern die feinen Aristokratinnen still.

Im tiefsten Grunde unseres Herzens wünschen wir uns wohl sowieso alle, vom gutmütigen Augsburger-Puppenkisten-Herrscher König Alfons dem Viertel-vor-Zwölften mit Besonnenheit und Humor regiert zu werden. Insgeheim sind die meisten von uns doch gefühlte Royalisten. Und womit? Mit Recht.

Der Job von Königs ist allerdings unfassbar facettenreich und somit kompliziert. An jeder Ecke lauern protokollarische Fettnäpfchen. Die Klatschpresse ist zudem, in sehnsüchtiger Erwartung kleinster Fauxpas, bei jedem öffentlichen Auftritt immer mit am Ball.

Wie konnten die zehn regierenden Fürstenhäuser in Europa Kriege, Krisen und Revolutionen über die Jahrhunderte überstehen – und an der Macht bleiben?

Weltweit gibt es derzeit 44 Monarchien sowie den Vatikan. Der ist zwar nur so groß wie Silvio Berlusconis Ferienhaus auf Sardinien, aber auch die letzte absolute Monarchie in Europa. Klein, aber oho. Sage und schreibe ein Viertel der unabhängigen Staaten auf diesem Planeten sind Königreiche, Herzog- oder Fürstentümer.

Darunter so kuriose Nationen wie zum Beispiel der zwischen Spanien und Frankreich eingequetschte Pyrenäen-Zwergstaat Andorra. Dort regieren bis heute zwei Kofürsten. Der eine ist der Bischof der nordkatalonischen Stadt La Seu d’Urgell, der andere der französische Staatspräsident. Staaten gibt’s!

»Monos« sagt der Grieche, wenn er das Gegenteil von Stereo meint. »Archein« hingegen bedeutet herrschen. Nur wenn einer alleine alles wuppt, sprechen wir von einer Monarchie. Insofern ist Andorra streng genommen gar keine Monarchie, sondern eine Art Duett in Stereo!

In Europa haben wir es heute jedenfalls wahlweise mit der konstitutionellen oder der parlamentarischen Monarchie zu tun. Der Absolutismus ist – mal abgesehen vom Heiligen Stuhl in Rom – Geschichte.

Monaco und Liechtenstein sind konstitutionelle Monarchien. Der Herrscher darf hier zwar keine dicke Lippe riskieren, denn seine Macht ist durch die Verfassung begrenzt und geregelt; jedoch ist der Monarch auch der Chef der Regierung und bestimmt maßgeblich die Geschicke seines Landes mit. Die Volksvertreter haben da, gestalterisch gesehen, herzlich wenig zu melden.

Bei der parlamentarischen Monarchie hingegen darf der König der Regierung weder reinquatschen, noch kann er sie absetzen. Politisch hat der oberste Staatsdiener hier so gut wie nichts mehr zu sagen.

Belgien, Dänemark, die Niederlande, Schweden, Spanien, das Vereinigte Königreich sowie das Großherzogtum Luxemburg teilen diese Staatsform.

Der Monarch repräsentiert hier lächelnd, winkend und tapfer die Nation nach innen und außen. Je nach Persönlichkeit wirkt er mal mehr, mal weniger auf Volk und Gesellschaft ein.

Einzig Norwegen tanzt hier ein wenig aus der royalen Reihe. Das Land ist eine konstitutionelle Monarchie nach parlamentarischem Zuschnitt. König Harald genießt in seinem Osloer Palast ein µ mehr Beinfreiheit als seine Adelskollegen im Rest Europas.

Der Einfluss aller europäischen Monarchen ist jedoch trotz Beschränkung durch die jeweilige Verfassung nicht zu unterschätzen. Mal abgesehen von ihrer gesellschaftlichen Bedeutung.

Spanien, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein und Monaco werden übrigens von katholischen Fürstenhäusern regiert. Vielleicht versucht die Kurie hier hinter den Kulissen ab und zu ein bisschen zu soufflieren? Die fünf nordischen Monarchien hingegen sind protestantisch geprägt.

Monarchien haben sich überall dort erhalten, wo es in den vergangenen 150 Jahren relativ ruhig zuging, wie beispielsweise in Schweden oder Liechtenstein; und dort, wo die Landesfürsten im Zweiten Weltkrieg Nazideutschland mutig die Stirn boten.

So weigerte sich Königin Elizabeth – The Queen Mother – im Jahre 1940, mit ihren Töchtern Elizabeth und Margaret vom kriegsgebeutelten London ins sichere Kanada zu flüchten. Sie lehnte ab mit den Worten »Die Prinzessinnen gehen nicht ohne mich, ich gehe nicht ohne den König, und der König wird niemals gehen.«

König Christian X. von Dänemark, der Großvater der heutigen Königin Margrethe II., ritt demonstrativ jeden Morgen ohne seine Leibgarde durch die Straßen des besetzten Kopenhagens. Er wurde zum Symbol für den Freiheitsdrang der Dänen. Warum also hätten beispielsweise die Dänen die Monarchie jemals abschaffen sollen? Steht sie doch für die Unabhängigkeit ihrer Nation.

Auch in Großbritannien sprechen sich immer noch achtzig Prozent der Untertanen für die Beibehaltung der Monarchie aus. Gewissermaßen ist sie ja so etwas wie die natürliche europäische Staatsform. Nur die Schweiz hat als einzige Republik eine ähnlich lange Tradition.

Was der royale Spaß so kostet? Nun, für den Löwenanteil der Kosten kommen die Steuerzahler auf. Aber es wird ja auch aristokratisch was geboten für die Kohle! Kronen, Kutschen und Kastelle. What a show!

Deutschland hat keine besonders guten Erfahrungen mit seinem kriegshungrigen Kaiser gemacht. Sind die Deutschen trotzdem oder vielleicht gerade deshalb, aus Enttäuschung, die treuesten Anhänger der europäischen Königshäuser? Vermutlich hat es in dieser schnelllebigen Welt auch etwas Beruhigendes, eine einigermaßen heile Familie mit gelebter Tradition an der Spitze des Staates zu wissen.

Die zukünftigen Königinnen und Könige Europas sind heute noch Teenies oder gar Kinder. Estelle von Schweden, Ingrid von Norwegen, Christian von Dänemark, Elisabeth von Belgien, Leonor von Spanien, George von England oder Amalia der Niederlande.

Wir und unsere Nachkommen sehen, wie sie aufwachsen, sich entwickeln, sich verlieben, heiraten, Kinder kriegen, gekrönt werden, regieren und irgendwann, eines fernen Tages, die Erde wieder verlassen. Das schafft enormes Vertrauen und eine hohe Identifikation. Die Herrscherhäuser sind uns wie Kinder, Eltern und Großeltern.

Und im besten Fall spannt eine Königin wie Elizabeth II. von England mit ihrem Leben für uns eine Brücke über ein schwieriges Jahrhundert. God save the Queen.

Genealogische Grundlagen des Boulevards

Kriegen Sie jetzt bitte keinen Schreck, aber einmal muss es ja gesagt werden: Die sieben regierenden europäischen Königshäuser sind alle miteinander verwandt. Mal mehr, mal weniger eng.

Die Bernadottes in Schweden mit den Oranien-Nassaus in den Niederlanden. Die Bourbonen in Spanien mit den Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburgs in Dänemark. Die Sachsen-Coburgs-Gotha aus Belgien sind ihrerseits verwandt mit den Windsors in England, die wiederum eigentlich genauso heißen wie die Belgier. Der Familienname der englischen Könige wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg von Sachsen-Coburg-Gotha in den hippen Künstlernamen Windsor umgewandelt. Man hätte sich auch Harrod’s, Burberry, Landrover oder schlicht »The Beatles« nennen können. Die Windsors sprechen ja auch von sich selbst spaßeshalber gerne als »die Firma«. Wobei, streng genommen, Königin Elizabeth ja nach der Hochzeit mit Philip eigentlich Mrs. Schleswig-Holstein usw. heißen müsste?

Besonders kosmopolitisch geht es auf dem royalen Parkett in Oslo zu. Die Norweger gehören zwar ebenfalls zum Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, übrigens eine Nebenlinie des Hauses Oldenburg, sind mit allen aber noch enger verwandt als der ganze royale Rest Europas.

Denn bis 1905 gehörte Norwegen ja noch zu Schweden. Ein Enkel des damaligen dänischen Königs Christian IX. wurde schließlich Monarch in Norwegen. Erst seit 1991 regiert mit Harald V. ein waschechter und im Lande geborener Wikinger.

Kein Herrscherhaus stammt im Übrigen aus dem Land, welches es regiert. Die Schweden und die Spanier kamen ursprünglich mal aus Frankreich. Die Belgier, die Luxemburger, die Engländer, die Dänen und die Norweger stammen wegen ihrer oldenburgischen, nassauischen und sächsisch-coburgischen Ahnherren ursprünglich aus Deutschland. Die Niederländer setzen dem Ganzen als hessische Holländer aus der Provence die Krone auf.

Ja, und wie verwandt sind die denn nun alle genau miteinander?

Ein anschauliches Beispiel: Griechenland besitzt zwar seit 1974 keine Monarchie mehr, aber das ehemalige Herrscherhaus gehört wie die Dänen und Norweger zum Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Die Familie aus Athen ist heute eine Art familiäres Bindeglied zwischen allen modernen Fürstenhäusern.

Exkönigin Anne-Marie von Griechenland ist nicht nur die Schwester der amtierenden dänischen Königin Margrethe, sondern in Personalunion auch die Schwägerin der ehemaligen Königin von Spanien, Sophia, einer gebürtigen Prinzessin von Griechenland. Somit ist Anne-Marie auch die Tante des derzeitigen spanischen Königs Felipe. Allerdings ist Tante Anne-Marie auch eine Cousine des Schwedenkönigs Carl Gustav und angeheiratete Nichte von Queen Elizabeth. Der Großherzog von Luxemburg Henri und der König der Belgier Philippe, übrigens direkte Cousins, sind wiederum Großneffen der Griechin. Für den holländischen Herrscher Willem-Alexander ist sie eine Art Ur-Großcousine zweiten Grades. Können Sie mir noch folgen? Die meisten europäischen Monarchen stammen heute jedenfalls aus den Familien Schleswig-Holstein usw. und Sachsen-Coburg-Gotha.

Heute heiratet man allerdings nicht mehr wie früher untereinander Prinzen und Prinzessinnen, sondern der Trend geht bevorzugt zu den sogenannten »Bürgerlichen«. Die zukünftigen Königinnen in Europa sind ehemalige Werbefachfrauen oder PR-Strateginnen. Die kommenden Prinzgemahle waren mal Fitnesstrainer oder Banker. Mittlerweile darf man eben heiraten, wen man mag, und nicht, wen man muss. Das macht die Herrscherhäuser volksnäher. Dereinst waren langfristige Friedenssicherung und knallharter Machterhalt die Leitmotive für eine standesgemäße Heirat.

Vor allem die Dänen waren auf eine überaus kluge Heiratspolitik bedacht. Erfunden haben diese Hochzeitsdiplomatie allerdings weder die Dänen noch die Schweizer, sondern die glücklichen Österreicher. Der Wahlspruch der Habsburger lautete: Bella gerant alii! Tu, felix Austria, nube! Kriege mögen andere führen, Du, glückliches Österreich, heirate!

Und ab in die Flitterwochen, möchte man hinzufügen. Die Österreicher flitterten ab dem Mittelalter für einige Jahrhunderte durch und erweiterten so ihren Herrschaftsbereich und ihr Territorium konsequent. Kein Thron in Europa, auf dem nicht irgendein buckliger Verwandter der Wiener saß. Na, küss die Hände!

 

Als Großmutter des modernen Europas gilt allerdings Königin Victoria von England.

Her Majesty hatte sage und schreibe 40 Enkel und 88 Urenkel. Die Herrschaften wurden allesamt nolens volens in die nobelsten Familien des alten Kontinents verheiratet. Durch die Nachkommen aus diesen Verbindungen ist Victoria Urahnin für fast alle heutigen europäischen Monarchen. Das sollte der Friedenssicherung dienen. Bereits im Ersten Weltkrieg scheiterte diese Art der Familienpolitik aber kolossal. Die Front verlief quer durch die Sippe.

Königin Elizabeth II. von Großbritannien, König Harald V. von Norwegen, König Carl XVI. Gustaf von Schweden, König Felipe VI. von Spanien, Königin Margrethe II. von Dänemark, der ehemalige König von Griechenland Konstantin II. und der ehemalige König von Rumänien Michael I. sind alle direkte Nachfahren von Victoria.

Irgendwie müssen die Dänen im Jahre 1863 von dem drolligen Just married-Motto von Vicky Windsor Wind bekommen haben. Jedenfalls wurden im Frühjahr jenes Jahres von Schloss Amalienborg in Kopenhagen aus die ersten zarten und diplomatischen Bande in die britische Hauptstadt zum Buckingham-Palast geklöppelt. König Christian IX. von Dänemark war auch ein kluger Ehestifter und trägt deshalb bis heute den Ehrentitel »Schwiegervater Europas«.

Seine Tochter Prinzessin Alexandra wollte er zu gerne an der Seite des britischen Kronprinzen Edward sehen.

Der gute Christian verfolgte nach der Niederlage im Krieg gegen Preußen und Österreich im Jahre 1864, ähnlich wie Victoria, eine konsequente Neutralitäts- und Friedenspolitik. Die Gebiete Schleswig, Holstein und Lauenburg hatte er unwiderruflich an Preußen und Österreich abtreten müssen. Das war besonders schmerzhaft, da es sich bei dieser Region um das Stammland der Dynastie handelte.

König Christian begann nun also damit, engste Kontakte zu den anderen europäischen Herrscherhäusern zu knüpfen. Seine sechs Sprösslinge verkuppelte er so geschickt in die erlauchtesten Kreise des Hochadels. Und was für glänzende Partien die Dänen-Kinder da so machten! Jedes dieser eingefädelten Techtelmechtel war politisch höchst sinnvoll.

König Christian war somit der Vater der englischen Königin Alexandra, des griechischen Königs Georg, der russischen Zarin Maria Fjodorowna und Kronprinzessin Thyra von Hannover. Sein Sohn Kronprinz Frederik wurde zum Schwiegersohn des Königs von Schweden und Norwegen. Der jüngste Sohn Waldemar wurde zum Schwiegersohn des Prätendenten auf den französischen Thron. Oh, du glückliches Dänemark! Oder wie ging die zweite Zeile des Habsburger Mottos noch? Nam quae Mars aliis, dat tibi regna Venus! Denn was anderen der Mars, Herrschaft der Venus ist dir’s!

 

Warum ich Englands »Königspinguin« echt vermissen werde

Liebe Gala-Freunde, liebe Leserinnen,

 kann man als Kolumnist Lampenfieber haben? Ich schon!

Seien Sie ehrlich: Das Letzte, was Sie über mich gehört haben, war vermutlich, dass ich den Bundespräsidenten von der SPD für die CDU mitwählen durfte, ganz schön »moppelig« geworden bin und heimlich einen gewissen Nils oder Ole geheiratet haben soll. Ich bin aber auch spannend, gell? Mir schmeckt’s nun mal. Und die »Ehe« hat meinen Appetit nicht wirklich gezügelt.

Da sage ich kürzlich zu meiner zweitbesten Freundin Gudrun, als sie gerade an einem Gläschen Weißweinschorle nippt: »Gudrun! Ich möchte mich noch einmal neu erfinden. Siehst du mich eher als Extremsportler beim Iron Man oder als Abt eines buddhistischen Klosters am Titisee?« Die Antwort schießt nur so aus ihr heraus: »Du liebst Entertainment, stilvollen Klatsch und die Royals! Entweder du schulst um auf Undercover-Butler im Buckingham-Palast – oder du wirst Gala-Kolumnistin!«

Ja, sie hat »Kolumnistin« gesagt. Ohne mit der Wimper zu zucken. Erklärend sollte ich hier vielleicht anfügen: Gudrun ist eine beinharte Gendering-Aktivistin. Von ihr weiß ich, dass Gendering kein Stadtteil von München ist, sondern eine feministische Lebenseinstellung. Insofern ist ein Mann, der in eine Frauendomäne vordringt, in ihren Augen konsequent eine Kolumnistin. Bitte fühlen Sie, liebe Leserinnen, sich auch immer von meinem Gruß »Liebe Gala-Freunde« angesprochen.

Ein Mann in einer Frauendomäne – da bin ich doch schon bei der Königsdisziplin: Let’s talk royal!

Ich kann mich einfach nicht an den Gedanken gewöhnen, dass er, der so lange Schirmherr oder mindestens VIP-Mitglied von fast 800 Organisationen war, nach 65 Dienstjahren aufhören will. Seine königliche Hoheit Prinz Philip, der Gemahl der Queen, Extra-Ritter des nobelsten Ordens der Distel, nimmt keine offiziellen Termine mehr wahr. Zwar hat man im Moment den Eindruck, ihn häufiger denn je zu sehen, doch mit 96 wird er wirklich Rentner. Seine Frau geht aber weiter arbeiten. Sie hat schließlich vor Gott einen Eid darauf abgelegt, ihren Job das ganze Leben lang zu machen.

Was Philip betrifft: Vielleicht verleihen die Briten dem Prinzgemahl doch noch den Titel eines Königs? So als Goodie? Ich finde, er braucht das nicht. Ihm zu Ehren wurde längst der Prinz-Philip-Gletscher in der Antarktis benannt. Man hat ja fast den Eindruck, die Pinguine tragen extra für ihn Frack! Und auf der Pazifikinsel Tanna wird Philip gar als lebende Gottheit verehrt. Dem Mythos zufolge verließ einst der Sohn des Berggeistes die Insel, um jenseits des Meeres eine mächtige Frau zu ehelichen …

Eine Frage quält mich: Wer soll Philips Termine übernehmen? Die sehr schmalen Schultern von Herzogin Kate können ja nicht alles tragen, und Prinz Harry ist derzeit blind vor Liebe, da herrscht Stolpergefahr. Also: Wer ist weltgewandt und dazu noch geübt im Einweihen? Costa Cordalis!

Der gebürtige Grieche und gelernte Dschungelkönig hat sich bereits bei der Eröffnung unzähliger Möbelhäuser bewährt. Er ist zwar kein Gott, dafür tanzt er wie einer.

Um hier noch mal auf mein Premieren-Lampenfieber als Kolumnist zurückzukommen: Es kribbelt immer noch im Bauch. Doch jetzt ist es einfach ein wunderschönes Gefühl.

Ich drücke Sie!

Ihr Hape Kerkeling

Hape Kerkeling

Über Hape Kerkeling

Biografie

Hape (eigentlich Hans-Peter) Kerkeling, geboren 1964 in Recklinghausen, spricht Spanisch, Italienisch, Französisch, Englisch und Holländisch, was ihm bei der Verständigung auf dem Jakobsweg oft zugute kam.

Er arbeitet seit 1984 beim Fernsehen; berühmt wurde er mit der Rolle »Hannilein«....

Pressestimmen

Hellweger Anzeiger

»Ungewöhnlich: ehrlich und hochkomisch zugleich.«

Ruhr Nachrichten

»Seine wunderbar formulierten, niemals bösartigen aber oft herrlich-ironischen Beiträge legt der selbst ernannte ›TV-Frührentner‹ jetzt in Buchform vor. (…) Gute Laune garantiert.«

manustintenkleckse.blogspot.com

»Hochinteressant und lustig zu lesen (…).«

renewe.de

»›Frisch hapeziert‹ ist ein Muss für alle Hape-Liebhaber.«

Fragen und Antworten zu Hape Kerkeling
Sie haben Fragen zum Autor? Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.
Wo wurde Hape Kerkeling geboren?
Hape Kerkeling wurde in Recklinghausen geboren. Über seine Kindheit schreibt er in »Der Junge muss an die frische Luft.«
Inhaltsangabe

Vorwort             

Faszination Royals         

Genealogische Grundlagen des Boulevards    

Die Kolumnen

Warum ich Englands »Königspinguin«
echt vermissen werde                

Zwischen Zuckerschnuten und Scanner-Piep:
Der wahre Härtetest des Lebens           

Kommissar Zufall und
die fabelhafte Welt der Meryl Streep   

Viel Tamtam um Pam oder:
Warum Apfelsinen sexy machen           

So merkelte die Kanzlerin einen zweiten
Mauerfall aus. Und was Beatrix damit zu tun hat           

Warum Wimbledon auch für Sportmuffel
vergnüglich ist                 

Wenn Mütter (ihre Kinder)
auf echte Einhörner setzen       

Malediven, Adria, Langeoog – von Mücken
und anderen Tücken im Sommerurlaub oder:
Die fast perfekte Sommerfrische           

Kann bitte mal jemand bei Nino de Angelo
frischen Wind unter die Flügel pusten?              

Wenn der Wecker morgens wiehert: Auch bei
Traumjobs ist nicht alles Gold, was glänzt           

Bescheidene Turteltauben oder:
Ein romantischer Abend zu zweit
im rammelvollen Vergnügungspark? Läuft!       

Süßer die Glocken nie klingen – als zur Sommerzeit:
Von Weihnachtsferien im Sommer        

Ganz schön helle, diese VIP-Erfinder! Vielleicht
nehmen die sich mal den Fernseher vor? Oder:
Die Tücken der Technik              

Emotionales Sommergewitter: Trennung tut weh.
Aber Barbie und Ken zeigen uns,
wie man damit richtig umgeht                

Wahlkämpfchen jefällig, Schätzelein?
Über prominente Unterstützung im Wahlkampf           

Grau ist alle Theorie. Über den revolutionären
Graue-Haare-Trend im TV          

Na servus! Da sind sie ja wieder:
Auf der Wiesn ist Hochsaison der Adabeis!        

Spielen Sie auch so gern Länder-Quartett?
Slibowitz und Amore sind da immer Trumpf!    

TV-Köche werden immer abgebrühter:
Über die Nähe zwischen Küche und Kamera     

Krönchen und Trekking-Boots:
Wandern als royaler Trendsport            

Phuket pauschal oder:
Mein größtes Ferienerlebnis    

So nah beieinander liegen Lachen und Sex.
Über Backstage-Erlebnisse beim Comedypreis                

Wenn Königin Angela huldvoll winkt oder:
Die berühmtesten Balkone der Welt    

Forever young? Da haben auch wir Männer
ein paar hübsche Tricks              

»Bin ich drin?« Promis und die Blätter,
die die Welt bedeuten                

Ich glaub, mich tritt ein Pferd! Warum mein
Kater Atuba jetzt doch im Bett schläft oder:
Über die Haustiere der VIPs      

Ich tausch dich aus, Darling!
Über den Trend zur Lookalike-Liebe     

Schöner shoppen mit VIP-Werbeclips – vom
Feinkostsalat bis zum Kaltschaum-Kuschelsofa                

Ein Upgrade vom Standesamt? »Richtig«
verheiratet oder: Mein persönliches Highlight                

Neustart zu Neujahr? Das ist doch wie
schreiende Kinder in der Kirche …          

Gedrängel im Weltraum oder:
Stars in der Schwerelosigkeit    

Endlich wieder Dschungelcamp! Wunderbar,
wenn sich C-Promis zum Affen machen …          

Beatrix wird achtzig. Die echte.
Ob es da wohl wieder lecker Mittagessen gibt?              

Kamelle, Salsa und Bützchen:
Warum Karneval uns alle verbindet       

»Hape, du hier?« Mit Schneewittchen
auf Elton Johns Oscar-Party –
und wo Trophäen nach der Preisverleihung
landen                 

Douze Points von mir für den ESC! (Und warum
Uschi Blum nicht in Moskau gesungen hat)       

VIPs und ihre Doppelgänger: Double-Fun,
aber manchmal auch Double-Trouble   

Supertramp und Amanda Lear ausrangieren?
Ich werfe doch meine Jugend nicht in die Tonne!          

Wer die Wahl hat, bekommt Knackwürste
und Senf. Und einen neuen Bundespräsidenten            

Facebook-Fasten ist gar nicht so schwer.
Nur die australischen Mucki-Männer fehlen
mir jetzt ein bisschen   

Waschen, schneiden, Wischmopp drauf!
Mein Plädoyer für haarige Jugendsünden          

Limonen-Butter bei die teuren Fische!
Das Leben eines Promis ist süß und verführerisch          

Ich bin dann mal wieder weg.
Aber: Kein Abschied ist von Dauer         

Gudruns Bar     

Ein Loblied auf die deutsche Sprache oder:
Ich liebe mein Werkzeug!          

Traumhochzeit           

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