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Elsässer Machenschaften (Jules-Gabin-Reihe 6) Elsässer Machenschaften (Jules-Gabin-Reihe 6) - eBook-Ausgabe

Jean Jacques Laurent
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Ein Fall für Major Jules Gabin

— Ein wunderbarer Wohlfühl-Krimi aus Frankreich

„Die Lebensweise und das gute Essen und Trinken der Region Elsass stehen im Vordergrund und wecken im Leser ohne Zweifel die Lust auf eine Reise dorthin.“ - Passauer Neue Presse

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Elsässer Machenschaften (Jules-Gabin-Reihe 6) — Inhalt

Flammkuchen, Wein und ein Mord
Beim Fahrradfahren in den Weinbergen um Colmar wird Major Jules Gabin Zeuge eines Autounfalls: Vor seinen Augen verunglückt der Klatschkolumnist Yves Morel tödlich. Der herbeigerufene Feuerwehrchef Claude erkennt Hinweise auf Manipulation am Auto, und prompt ist Jules wieder in eine Mordermittlung verstrickt. Die heißeste Spur führt in den berühmten Storchenpark Colmars und direkt zur neuen Parkbesitzerin, der Influencerin Chloé. Die berühmte YouTuberin scheint etwas zu verbergen. Versuchte sie, Yves Morel aus dem Weg zu räumen, weil er ihr Geheimnis kannte?

Major Jules Gabin ermittelt:
Band 1: Elsässer Erbschaften
Band 2: Elsässer Sünden
Band 3: Elsässer Versuchungen
Band 4: Elsässer Verfehlungen
Band 5: Elsässer Intrigen
Band 6: Elsässer Machenschaften

Alle Bände sind in sich abgeschlossene Fälle und können unabhängig voneinander gelesen werden.

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 31.03.2022
368 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-31749-8
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€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 31.03.2022
304 Seiten
EAN 978-3-492-60110-8
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Leseprobe zu „Elsässer Machenschaften (Jules-Gabin-Reihe 6)“

EINS


Schweiß rann Jules Gabin über die Stirn, während er in die Pedale trat. Am liebsten hätte er Helm und Trikot von sich geworfen, so sehr heizte ihm die Frühsommersonne ein. Fast mehr noch brachte ihn allerdings das Tempo in Wallung, das Joanna mit ihrem Rennrad vorgab. Einen knappen Meter vor ihm folgte sie ohne sichtliche Anstrengung den steilen Windungen des von Weinbergen begrenzten Sträßchens.

Ein wenig kratzte es ja schon an seinem Ego, dass seine Freundin so schnell war. Immerhin hatte er sie erst auf die Idee gebracht, es mit dem Rennradsport [...]

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EINS


Schweiß rann Jules Gabin über die Stirn, während er in die Pedale trat. Am liebsten hätte er Helm und Trikot von sich geworfen, so sehr heizte ihm die Frühsommersonne ein. Fast mehr noch brachte ihn allerdings das Tempo in Wallung, das Joanna mit ihrem Rennrad vorgab. Einen knappen Meter vor ihm folgte sie ohne sichtliche Anstrengung den steilen Windungen des von Weinbergen begrenzten Sträßchens.

Ein wenig kratzte es ja schon an seinem Ego, dass seine Freundin so schnell war. Immerhin hatte er sie erst auf die Idee gebracht, es mit dem Rennradsport zu versuchen, damals, kurz nachdem sie sich kennengelernt hatten. Das lag nun vier Jahre zurück, inzwischen war ihm die ehrgeizige Joanna in Kondition und Technik ebenbürtig – mindestens. Sie schien den Kraftakt locker wegzustecken und gab in ihrem sportlichen Radlerdress noch dazu eine gute Figur ab.

Je weiter sie sich in Richtung der Vogesen vorarbeiteten, desto steiler wurden die Hänge der Weinberge, die sie in jungem Grün umgaben. Joanna hielt an ihrem ambitionierten Tempo fest, wohingegen Jules jeden erkämpften Höhenmeter schmerzlich in den Waden spürte. Er sehnte sich nach einer Trinkpause.

Ein Geräusch riss ihn aus seiner Konzentration, das laute Dröhnen eines auf Hochtouren getriebenen Motors. Jules blickte auf und sah ein metallicblaues Cabriolet, das mit hoher Geschwindigkeit auf sie zuraste. Da hatte es offenbar jemand noch eiliger als Joanna, dachte Jules und beobachtete, wie der sportliche Wagen über die enge Piste schoss und halsbrecherisch die Kurven schnitt.

Joanna, die ebenfalls aufmerksam geworden war, drosselte das Tempo und drückte sich mit ihrem Rad dicht an den Fahrbahnrand. Jules tat es ihr gleich, um dem viel zu schnell fahrenden Cabrio auszuweichen. Doch das entgegenkommende Auto nahm fast die ganze Straße ein. Der Abstand würde nicht reichen, erkannte Jules und lenkte sein Rennrad in einen kleinen Graben. Joanna tat glücklicherweise das Gleiche, denn schon im nächsten Moment jagte der Wagen röhrend an ihnen vorbei. Die Reifen schlitterten über den spröden Asphalt, Schotter prasselte gegen das Bodenblech.

„Ein Wahnsinniger!“, rief Jules, als er sich wieder aus der Deckung wagte.

„Dieser Wahnsinnige heißt Yves Morel“, entgegnete Joanna, die sich ebenfalls aufgerappelt hatte und sich das Gras von den Beinen klopfte. „Ich habe ihn an seiner blonden Tolle erkannt. Er ist Klatschkolumnist beim Journal d’Alsace in Colmar.“

„Ein rasender Reporter, wie er im Buche steht.“ Jules sah fassungslos zu, wie sich das Cabrio in einem Höllentempo entfernte. Das Aufheulen des Motors war deutlich zu hören, als es dem Fahrer vor einer Kurve mit viel Verve gelang, den Wagen abzufangen, indem er das Steuer herumriss und das Cabrio mit kurzen Gasstößen wieder in Fahrtrichtung zwang. An Morel war offenbar ein Formel-1-Pilot verloren gegangen.

Doch dann veränderte sich urplötzlich etwas: Der Reporter schien die Kontrolle über das entfesselte Gefährt verloren zu haben. Kreischend schleuderte das Auto mit atemberaubender Geschwindigkeit in die nächste Kehre und durchbrach mit brachialer Gewalt eine Reihe von Randsteinen. Der Ausläufer eines nahen Weinbergs wirkte wie ein Katapult und ließ das Gefährt unversehens abheben. Für die Dauer eines Wimpernschlags schwebte das Cabrio in der Luft. Dann überschlug sich der Wagen, krachte rücklings gegen eine Schichtsteinmauer und zerbarst unter dem infernalischen Lärm sich verbiegenden und reißenden Blechs.

Das alles hatte nur wenige Sekunden gedauert, dann herrschte Stille. Eine unheilvolle Stille. Jules musste sich zwingen, den Blick von dem dampfenden Wrack loszureißen. Er wandte sich Joanna zu, die mit ungläubig aufgerissenem Mund dastand.

„Das darf doch nicht wahr sein!“, rief er und tastete sein Trikot nach dem Handy ab. „Ich verständige sofort die Kollegen.“

„Wir müssen da hin. Vielleicht können wir noch helfen“, erwiderte Joanna mit dünner Stimme. Der Schreck stand ihr ins Gesicht geschrieben.

„Ja, gleich“, sagte Jules und zog das Rad aus dem Graben, während er mit der anderen Hand die Nummer des Notrufs eintippte. In kurzen Worten gab er den Unfallort durch und nannte seinen Namen.

Die abschüssige Strecke schafften sie in wenigen Minuten. Während sie auf das völlig demolierte Cabriolet zufuhren, telefonierte Jules ein weiteres Mal. Er rief die Freiwillige Feuerwehr von Rebenheim an, denn wenn er sich nicht irrte, war der kleine Weinort die nächstgelegene Siedlung. Zum Glück erreichte er gleich den Richtigen, Feuerwehrkommandant Claude, ein guter Freund aus Jules’ Rebenheimer Jahren. Noch einmal schilderte er, was sich zugetragen hatte, und Claude sicherte ihm zu, sofort seine Leute zusammenzutrommeln.

Sie erreichten den Unfallort und ahnten schon, dass jede Hilfe zu spät kam. Jules lehnte sein Rad gegen die Mauer und näherte sich dem Cabriolet, das nur noch ein Klumpen dampfenden Blechs war. Die Aufprallgeschwindigkeit musste dermaßen hoch gewesen sein, dass die Struktur des Wagens vollständig zerstört worden war. Jules kniete sich neben das auf dem Dach liegende Wrack und versuchte, in den Innenraum zu spähen.

Auch Joanna näherte sich dem Wagen, zaghaft und mit kleinen Schritten. „Kannst du ihn sehen?“ Sie nahm den Helm ab, Jules registrierte beiläufig ihr kurzes hellblondes Haar, den blassen Teint und die ausdrucksvollen blauen Augen, die nun voller Sorge waren.

Er beugte sich noch tiefer hinunter. Nun entdeckte er den Fahrer, eingequetscht zwischen Türholm, Sitz und Lenksäule. Über der Brust lag der erschlaffte Airbag. Morel hatte auf der Stirn eine klaffende Wunde und auch im Bereich der Brust mehrere tiefe Schnittwunden. Schlimmer jedoch wog, dass der Hals unnatürlich zur Seite gebogen war. Genickbruch, erkannte Jules. Das Todesurteil für den rasenden Reporter.


ZWEI


Die Sanitäter meinten es gut, als sie Joanna eine Thermodecke aus goldglänzender Folie über die Schultern legten. Offenbar gingen sie davon aus, dass sie als Zeugin eines so grausamen Unfalls unter Schock stand.

Doch Joanna wehrte die Bemühungen ab. „Danke, nicht nötig“, sagte sie knapp und wandte sich stattdessen an zwei Uniformierte, die soeben einem der blau-weißen Fahrzeuge der Police municipale entstiegen waren. Einer war klein und dünn und zeigte eine besorgte Miene, der andere groß und kräftig, er sah so aus, als wollte er umgehend das Kommando übernehmen.

„Mein Name ist Joanna Laffargue, juge d’instruction“, stellte sie sich vor. Kaum hatte sie sich als Untersuchungsrichterin zu erkennen gegeben, sank der beleibte Stadtpolizist etwas in sich zusammen und nahm eine geradezu unterwürfige Haltung ein. Es wirkte fast, als wollte er sich verbeugen.

„Major Jules Gabin von der Gendarmerie in Colmar“, stellte sich nun auch Jules vor, woraufhin die beiden Polizisten wohl am liebsten wieder in ihr Auto gesprungen und davongebraust wären.

„Ähm … ja … also …“, stammelte der Kräftige, während sein kleinerer Kollege hinter ihm Schutz suchte.

„Nur zu“, sagte Jules in beruhigendem Tonfall, „machen Sie Ihre Arbeit, und sperren Sie die Straße. Die Rebenheimer Feuerwehr habe ich bereits verständigt. Für das Unfallprotokoll stehen wir später gern zur Verfügung.“

Während die Polizisten Warnbaken und Flatterbänder aus dem Kofferraum holten, trat Joanna beiseite, um einen rot lackierten Rüstwagen durchzulassen, dessen laut knatternder alter Diesel rußigen Qualm ausstieß. Jules hatte ihr erzählt, dass sich Feuerwehrchef Claude mit einer angejahrten Wagenflotte herumplagen musste. Aber dass die Fahrzeuge so betagt waren …

Sie sah zu, wie Jules seinen alten Bekannten begrüßte. Obwohl Claude nicht wirklich alt war, sie schätzte ihn auf um die dreißig. Ein hochgewachsener, durchtrainierter Kerl mit flachsblondem Bürstenhaarschnitt, ein echter Hingucker. Doch Joannas Vorliebe ging in eine andere Richtung. Ihr Jules mochte nicht ganz so groß und muskulös sein, dafür liebte sie sein schwarzes Wuschelhaar, den braunen Teint und die dunklen Augen, in denen sie so gern versank. Da verzieh sie ihm sogar seine etwas unstete Art und dass sie oft nicht so genau wusste, woran sie bei ihm war.

„Bonjour, Joanna.“ Claude, der in der dunkelblauen Uniform der pompiers steckte und unterm Arm einen blank polierten Helm trug, begrüßte nun auch sie, traditionell mit Küsschen auf beide Wangen. „Kein schöner Anlass, um sich mal wiederzusehen.“ Er nickte zu dem Wrack hinüber, an dem sich seine Männer bereits zu schaffen machten. „Wie es aussieht, müssen wir den Toten mithilfe des Rettungsspreizers aus den Trümmern befreien. Es ist Yves Morel, nicht wahr?“

„Kanntest du ihn auch?“, erkundigte sich Jules erstaunt, offenbar wunderte er sich, dass ihm dieser Name bisher nicht untergekommen war. Joanna hätte ihm den Grund sagen können: Weil er nie die Lokalzeitung las, sondern immer nur auf seinem Smartphone herumdaddelte.

„Ich kenne seine Kolumne im Journal“, antwortete Claude. „Man muss ja schließlich wissen, wer in Colmars feinen Kreisen mit wem verkehrt.“

„Muss man das wirklich?“, entgegnete Jules. Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Unfallwagen und ging ein paar Schritte darauf zu. Dann begann er, mit suchenden Blicken um das Wrack herumzulaufen. Joanna fragte sich, was er zu finden hoffte. Es handelte sich doch um einen Unfall? Das war sicher sehr, sehr tragisch, aber kein Grund, gleich das Ermitteln anzufangen. Andererseits kannte sie Jules inzwischen lange genug, um zu wissen, dass er nicht anders konnte, als seinem Instinkt zu folgen. Was soll’s, dachte sie. An unbeschwertes Freizeitvergnügen war nach dem, was sie erlebt hatten, an diesem Sonntag ohnehin nicht mehr zu denken.

„Morel muss einen Affenzahn draufgehabt haben“, sagte Claude mit Blick auf das zerrissene Blech der Karosserie. „Wundert mich, dass er nicht früher abgebremst hat. Er musste doch wissen, wie tückisch eng die Kurven hier sind.“

„Die Bremslichter habe ich aufleuchten sehen“, warf Joanna ein. Sie erinnerte sich noch gut an die Sekunden vor dem Aufprall. „Aber da war es wahrscheinlich schon zu spät.“

„Na, dann wollen wir mal.“ Claude nickte ihr zu und ging, um seinen kleinen Trupp zu unterstützen.

Joanna, die das emsige Treiben ein wenig ratlos betrachtete, kam sich überflüssig vor. Gern hätte sie sich nützlich gemacht, aber sie wusste nicht, wie.

Jules hatte seine Suche beendet, er kam auf sie zu und hielt eine stark in Mitleidenschaft gezogene Tasche in der Hand, die er offenbar vom Boden aufgelesen hatte. Er streckte sie ihr entgegen.

„Schau dir das an“, sagte er, „die muss durch den Aufprall aus dem Wagen geschleudert worden sein. Ich nehme an, sie lag auf dem Beifahrersitz.“

„Seine Arbeitstasche“, mutmaßte Joanna. „Die steht seinen Hinterbliebenen zu.“

„Ja“, sagte Jules und legte die Hand auf den Verschluss. „Das Schloss ist gebrochen. Mal sehen, was sich darin befindet.“ Er schlug die Lasche zurück.

„Du kannst doch nicht einfach …“ Joannas Protest fiel halbherzig aus, denn auch sie wollte wissen, mit welcher Story der Reporter zuletzt befasst gewesen war. Vielleicht erklärte das seine Eile.

„Ein Block, Stifte, ein Handy mit gesprungenem Display und hier sogar ein Fahrtenbuch“, zählte Jules auf, während er die Tasche durchsuchte. „Nanu, was haben wir denn da?“ Er hielt ihr einen schmalen Faltprospekt hin, auf dessen Vorderseite zwei Störche abgebildet waren. Dabei verzog er das Gesicht. „Meine Lieblingsvögel.“

Joanna wusste zwar, dass Jules Störche nicht ausstehen konnte, hatte aber nie verstanden, weshalb. Immerhin galten die eleganten Stelzvögel als eine Art Aushängeschild der Region. Sie nahm ihm den Prospekt ab und schlug ihn auf. „Werbung für den Storchenpark Colmar“, sagte sie und legte die Stirn in Falten.

„Seit wann interessiert sich ein Gesellschaftsreporter fürs Federvieh?“ Jules war seine Abneigung gegen diese Vogelgattung deutlich anzusehen.

Da konnte Joanna bloß spekulieren: „Möglich, dass er hin und wieder Aufträge in anderen Ressorts übernehmen musste, zum Beispiel, wenn die Kollegen der Lokalredaktion keine Kapazitäten mehr hatten?“

„Möglich, ja …“ Jules wirkte nicht überzeugt. Wieder glitten seine Blicke suchend hin und her.

„Was ist denn bloß los?“, wollte Joanna wissen, die sich nun von Jules’ Unruhe anstecken ließ.

„Irgendetwas stimmt da nicht“, antwortete er, ohne sie anzusehen. „So wie Morel gefahren ist – als wäre der Teufel hinter ihm her …“

Claude, der neben seinen Leuten vor der Frontpartie des zerstörten Autos stand, machte ihnen ein Zeichen, woraufhin Jules sich sofort in Bewegung setzte.

Auf der Stirn des stattlichen Feuerwehrkommandanten hatte sich eine steile Furche gebildet, woraus Joanna schloss, dass er etwas entdeckt haben musste. Sie wollte nun nichts mehr verpassen und trat neben die Feuerwehrleute.

Tatsächlich schob Claude seine Hand in die gestauchten Eingeweide des Motorraums, förderte ein Schlauchende aus festem schwarzem Kunststoff zutage und erklärte knapp: „Die Bremsleitung. Sie ist beschädigt.“

Während Jules sich vorbeugte und den Schlauch musterte, erkundigte sich Joanna: „Kann das durch den Aufprall passiert sein?“

„Nein“, antwortete Claude mit fester Überzeugung. „Ihr wisst ja, dass ich jede freie Minute unter unseren Einsatzwagen verbringe, weil es an der Oldtimerflotte unentwegt etwas zu richten gibt. Auch wenn ich kein Mechaniker bin, kann ich euch versichern, dass hier manipuliert wurde.“ Er hielt das Schlauchende höher. „Seht her: ein gerader, glatter Schnitt, so wie man ihn nur mit einem Teppichmesser oder einer ähnlich scharfen Klinge hinbekommt. Der Schlauch wurde etwa bis zur Hälfte sauber durchschnitten, sodass die Leitung leckte, die Bremse jedoch nicht sofort versagte. Wäre der Schlauch durch den Unfall geplatzt, müssten die Ränder ausgefranst und ungleichmäßig sein. Wie man sieht, ist das hier nicht der Fall.“

Joanna blieb skeptisch. „Dennoch könnte es sich rein theoretisch auch um einen technischen Defekt handeln, oder?“

„Wohl kaum“, meinte Claude. „Wir haben es mit einer Zweikreisbremse zu tun. Um einen totalen Bremsverlust zu bewirken, müssen beide Kreise unterbrochen sein, und genau das scheint hier passiert zu sein, denn ich habe noch einen weiteren Schnitt entdeckt.“

„Ich habe so etwas geahnt“, sagte Jules leise und nachdenklich.

„Aber wieso?“ Joanna konnte immer noch nicht recht glauben, dass sie es womöglich mit einem Verbrechen zu tun hatten. Dann besann sie sich und schaltete vom Freizeit- in den Arbeitsmodus. „Wenn ihr euch beide sicher seid, dann sollten wir ab sofort den Vorschriften entsprechend handeln. Das Wrack muss von der Kriminaltechnik untersucht werden. Am besten, ihr rührt jetzt nichts mehr an, Claude.“

Jules verstand den Wink und nahm sein Smartphone zur Hand. „Ich gebe den Kollegen Bescheid und fordere die Spurensicherung an.“ An Claude gerichtet wiederholte er Joannas Anweisung: „Ihr lasst eure Arbeit vorerst ruhen.“

„Selbstverständlich“, erwiderte Claude.

„Kannst du sagen, seit wann die Leitung beschädigt gewesen ist?“, erkundigte sich Joanna. „Ist es möglich, über einen längeren Zeitraum mit einem solchen Schaden herumzufahren?“

„Die Schnittstellen sehen frisch aus“, antwortete Claude. „Da recht viel Druck auf der Leitung ist, muss die Bremswirkung schon zu Beginn der Fahrt nachgelassen haben und war dann sehr bald komplett weg.“ Er zog eine Stabtaschenlampe aus seiner Gürtelschlaufe und beleuchtete damit den Boden unterhalb des Wracks. „Wenn sich noch eine nennenswerte Menge an Bremsflüssigkeit im System befunden hätte, würden wir jetzt in einer Pfütze aus bernsteinfarbener, zäher Suppe stehen. Aber ich sehe keinen einzigen Tropfen. Die Bremswirkung muss zuletzt also gleich null gewesen sein. Der Fahrer konnte das Pedal bis aufs Blech treten, und es tat sich rein gar nichts mehr.“

„Wie steht es mit der Handbremse?“, wollte Joanna wissen. „Hätte Morel sich damit retten können?“

„Klar, die Handbremse ziehen und gleichzeitig runterschalten, um die Motorbremse zu nutzen, ist eine Möglichkeit, wenn einem die Zeit dafür bleibt – und wenn man in einem solchen Moment daran denkt“, erwiderte Claude.

„Ich weiß, was du meinst.“ Joanna fuhr sich grübelnd mit der Hand ums Kinn. „Dann sollten wir als Erstes versuchen herauszufinden, woher Morel kam und wer Gelegenheit hatte, an seinem Wagen herumzuschrauben.“

„Herumzuschnipseln trifft es wohl besser“, merkte Jules an und fügte mit einem Seufzen hinzu: „Tja, so wie es aussieht, haben wir einen neuen Fall.“

Bedauernd stimmte Joanna zu. „Ich hätte mir unser Wochenende wirklich anders vorgestellt“, sagte sie.

Jean Jacques Laurent

Über Jean Jacques Laurent

Biografie

Jean Jacques Laurent ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der bereits zahlreiche Kriminalromane verfasst hat. Mehrmals im Jahr reist er zu seiner Familie ins Elsass, wo er Land und Leute studiert und die gute Küche genießt. Immer mit einem Gläschen Weißwein dazu, denn im Gegensatz zu...

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