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Als die Welt zerbrach

John Boyne
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Roman

„Der irische Autor führt die im neuen Buch 92-jährige Frau auf eindringliche, fesselnde Weise in einen Konflikt unserer Zeit.“ - Berliner Zeitung

Alle Pressestimmen (10)

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Als die Welt zerbrach — Inhalt

Die lang erwartete Fortsetzung des Weltbestsellers „Der Junge im gestreiften Pyjama“
1946. Drei Jahre nach dem katastrophalen Ereignis, das ihre Familie zerriss, fliehen eine Mutter und ihre Tochter von Polen nach Paris. Blind vor Sorge und Schuldgefühlen ahnen sie nicht, wie schwer es ist, der Vergangenheit zu entkommen.

Fast achtzig Jahre später führt Gretel Fernsby in ihrem Londoner Villenviertel ein ruhiges Leben, Welten entfernt von der traumatischen Kindheit. Als eine junge Familie in die Wohnung unter ihr zieht, hofft sie, dass die eingespielte Hausgemeinschaft nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Doch der neunjährige Henry weckt Erinnerungen, denen sie sich nicht stellen will.

Gretel steht plötzlich vor der Wahl zwischen ihrer eigenen und Henrys Sicherheit. Gewinnt die Verantwortung, oder macht sie sich mitschuldig, wie damals? Wenn sie jetzt eingreift, riskiert sie, Geheimnisse preiszugeben, die sie ein Leben lang gehütet hat …

Psychologisch höchstpräzise erzählt John Boyne davon, wie sich eine nicht eingestandene Schuld zu einer zerstörerischen Kraft entwickelt, die mit jedem verstreichenden Lebensjahr schwerer wiegt.

€ 24,00 [D], € 24,70 [A]
Erschienen am 27.10.2022
Übersetzt von: Michael Schickenberg, Nicolai von Schweder-Schreiner
416 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-492-07197-0
Download Cover
€ 19,99 [D], € 19,99 [A]
Erschienen am 27.10.2022
Übersetzt von: Michael Schickenberg, Nicolai von Schweder-Schreiner
400 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-60304-1
Download Cover
„Boynes Buch ist sowohl Geschichtsstunde als auch die fesselnde Biografie einer Frau, die exemplarisch für so viele Menschen einer Generation in Deutschland steht, die es bald nicht mehr gibt.“
Madame

Leseprobe zu „Als die Welt zerbrach“

Teil 1

Die Tochter des Teufels

London 2022/Paris 1946


1

Wenn jeder Mensch, wie Voltaire behauptet, die Schuld an all dem Guten trägt, das er nicht getan hat, dann habe ich fast ein Leben lang damit verbracht, mich selbst davon zu überzeugen, dass ich keine Schuld an all dem Schlechten trage. Dies zu tun war eine angenehme Art, die Jahrzehnte der selbst auferlegten Verbannung aus der Vergangenheit zu ertragen und mich als Opfer historischer Amnesie zu betrachten, freigesprochen von Mittäterschaft, von keiner Verantwortung belastet.

Die letzte Episode meines [...]

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Teil 1

Die Tochter des Teufels

London 2022/Paris 1946


1

Wenn jeder Mensch, wie Voltaire behauptet, die Schuld an all dem Guten trägt, das er nicht getan hat, dann habe ich fast ein Leben lang damit verbracht, mich selbst davon zu überzeugen, dass ich keine Schuld an all dem Schlechten trage. Dies zu tun war eine angenehme Art, die Jahrzehnte der selbst auferlegten Verbannung aus der Vergangenheit zu ertragen und mich als Opfer historischer Amnesie zu betrachten, freigesprochen von Mittäterschaft, von keiner Verantwortung belastet.

Die letzte Episode meines Lebens beginnt und endet jedoch ganz trivial mit einem Teppichmesser. Meines war ein paar Tage zuvor kaputtgegangen, und da ich ein solches Werkzeug in der Küche für nützlich hielt, stattete ich dem Haushaltswarenladen um die Ecke einen Besuch ab und kaufte ein neues. Bei meiner Rückkehr fand ich den Brief eines Maklers vor, der mich und alle anderen Bewohner von Winterville Court höflich darüber informierte, dass die Wohnung im Erdgeschoss – jene unter meiner – demnächst verkauft werde. Mr Richardson, der vorherige Eigentümer von Apartment eins, hatte gut dreißig Jahre dort gelebt und war kurz vor Weihnachten gestorben. Seitdem stand die Wohnung leer. Seine Tochter lebte als Logopädin in New York und hatte meines Wissens nicht vor, nach London zurückzukehren, weshalb ich mich bereits mit der Vorstellung abgefunden hatte, mich demnächst in der Lobby mit einem fremden Menschen unterhalten zu müssen, womöglich sogar Interesse an seinem oder ihrem Leben zu heucheln und Details über mein eigenes preiszugeben.

Mr Richardson und ich hatten das perfekte nachbarschaftliche Verhältnis gepflegt, schließlich hatten wir seit 2008 kein einziges Wort mehr miteinander gewechselt. In den ersten Jahren nach seinem Einzug hatten wir uns eigentlich gut verstanden, und er war gelegentlich zu uns heraufgekommen, um mit meinem inzwischen verstorbenen Mann Edgar eine Partie Schach zu spielen, aber irgendwie hatten er und ich es nie bis zum Du geschafft. Er redete mich mit „Mrs Fernsby“ an, ich nannte ihn „Mr Richardson“. Das letzte Mal, dass ich seine Wohnung betreten hatte, war vier Monate nach Edgars Tod gewesen, als ich eine Einladung zum Abendessen von ihm angenommen hatte. Allerdings entpuppte sich diese als amouröser Annäherungsversuch, den ich zurückwies. Er nahm mir die Ablehnung übel, und wir wurden zu Fremden, soweit das eben möglich ist für zwei Menschen, die im selben Haus wohnen.

Unser Haus im Stadtteil Mayfair wird offiziell als „Mehrfamilienhaus“ geführt, aber das ist in etwa so, als würde man Windsor Castle als den Wochenendbungalow der Queen bezeichnen. Jede der Wohnungen in unserem Gebäude – es gibt insgesamt fünf, eine im Erdgeschoss und je zwei in den beiden Etagen darüber – erstreckt sich über einhundertvierzig Quadratmeter allerfeinster Londoner Wohnlage, hat drei Schlafzimmer, zweieinhalb Bäder und einen Blick über den Hyde Park, der den Kaufpreis auf zwei bis drei Millionen Pfund treibt, wie ich aus sicherer Quelle weiß. Einige Jahre nach unserer Hochzeit hatte Edgar überraschend eine beträchtliche Summe Geld von einer unverheirateten Tante geerbt, und obwohl er es vorgezogen hätte, in eine ruhigere Gegend außerhalb Londons zu ziehen, war ich nach einigen im Stillen eingeholten Erkundigungen zu dem Entschluss gekommen, unbedingt in Mayfair wohnen zu wollen – und nicht bloß in Mayfair, sondern genau in diesem Haus, sofern möglich. Aus Geldgründen hatte dies lange unwahrscheinlich geschienen, aber dann, eines Tages, wie ein Deus ex Machina, war Tante Belinda von uns gegangen, und alles änderte sich. Ich hatte Edgar immer erklären wollen, warum ich so versessen darauf war, hier zu wohnen, aber irgendwie tat ich es nie. Heute bereue ich das.

Mein Mann war ein Kindernarr, aber ich wollte höchstens eins, und so kam 1961 unser Sohn Caden zur Welt. Seit einigen Jahren, in denen der Wert der Wohnung stetig gestiegen ist, ermutigt mich Caden dazu, sie doch zu verkaufen und mir etwas Kleineres in einem weniger exklusiven Stadtteil zu suchen. Er tut das vermutlich, weil er fürchtet, dass ich hundert werden könnte, und weil er einen Teil seines Erbes gern jetzt schon hätte, solange er noch jung genug ist und ihn genießen kann. Er war dreimal verheiratet und ist jetzt zum vierten Mal verlobt, allerdings habe ich es aufgegeben, mich mit den Frauen in seinem Leben näher zu beschäftigen. Kaum hat man sie kennengelernt, so mein Eindruck, werden sie entsorgt, und ein moderneres Modell wird installiert, dessen Marotten man erst zeitaufwendig herausfinden muss, fast wie bei einer neuen Waschmaschine oder einem Fernseher. Als Kind ist Caden mit seinen Freunden ähnlich skrupellos umgesprungen. Wir telefonieren regelmäßig, und er besucht mich alle zwei Wochen zum Abendessen, aber unser Verhältnis ist kompliziert und leidet teilweise unter dem Schaden, den es durch meine einjährige Abwesenheit genommen hat, als er neun war. Um ehrlich zu sein, bin ich einfach kein Kindertyp, und besonders kleine Jungen finde ich schwierig.

Bei meinen potenziellen neuen Nachbarn war meine Sorge nicht so sehr, dass sie Lärm machen könnten – die Wohnungen sind trotz einiger Schwachstellen hier und da sehr gut gedämmt, außerdem habe ich mich über die Jahre an die Palette seltsamer Geräusche gewöhnt, die durch Mr Richardsons Decke zu mir nach oben gedrungen sind –, aber ich hasste die Aussicht, dass mein geordnetes Leben aus dem Tritt geraten könnte. Am liebsten wäre mir jemand gewesen, der sich für die über ihm wohnende Frau gar nicht interessierte. Ein kranker alter Mensch vielleicht, der fast nie das Haus verließ und zu dem jeden Morgen der Pflegedienst kam. Oder eine junge Karrierefrau, die freitagnachmittags ins Wochenendhaus verschwand, sonntags erst spät wiederkam und ihre Zeit ansonsten im Büro oder Fitnessstudio verbrachte. Im Haus hatte kurzzeitig das Gerücht kursiert, dass ein bekannter Popmusiker, der in den Achtzigerjahren den Höhepunkt seiner Karriere erlebt hatte, die Wohnung als möglichen Alterssitz ins Auge gefasst hätte, aber glücklicherweise wurde daraus nichts.

Jedes Mal, wenn der Makler draußen hielt und Kunden ins Haus führte, um ihnen die Wohnung zu zeigen, zuckten meine Vorhänge, und ich machte mir Notizen zu meinen möglichen Nachbarn. Unter den Interessenten waren: ein vielversprechendes Ehepaar Anfang siebzig mit leisen Stimmen, das Händchen haltend fragte – ich lauschte im Treppenhaus –, ob denn Tiere im Haus erlaubt seien, und enttäuscht wirkte, als die Antwort Nein lautete; zwei Homosexuelle um die dreißig, garantiert unverschämt reich, jedenfalls nach ihrer zerfetzten Kleidung und dem insgesamt ungepflegten Eindruck zu schließen, die aber erklärten, dass der Space vermutlich etwas klein für sie sei und sein Narrativ sie nicht anspreche; und eine junge Frau mit schlichtem Gesicht, die nichts über ihre Absichten verlauten ließ, außer dass jemand namens Steven die hohen Decken sicher toll fände. Natürlich hoffte ich auf die beiden Schwulen – Schwule sind gute Nachbarn und Nachwuchs ist bei ihnen unwahrscheinlich –, doch sie zeigten sich von allen leider am wenigsten begeistert.

Nach ein paar Wochen schließlich brachte der Makler keine Interessenten mehr vorbei, die Anzeige verschwand aus dem Internet, und ich nahm an, dass man sich einig geworden war. Ob es mir gefiel oder nicht, eines Morgens würde ich aufwachen, vor dem Haus einen Umzugswagen sehen, und jemand oder eine Gruppe von Jemands würde einen Schlüssel ins Haustürschloss stecken, um die Wohnung unter mir zu beziehen.

Oh, wie ich die Vorstellung hasste!


2

Mutter und ich flohen Anfang 1946 aus Deutschland, nur wenige Monate nach Kriegsende, ein Zug brachte uns aus den Trümmern von Berlin nach Paris. Ich war fünfzehn, wusste wenig vom Leben und tat mich immer noch schwer damit, dass die Achsenmächte besiegt worden waren. Vater hatte immer mit solch einer Überzeugung von der genetischen Vorherrschaft unserer Rasse und dem unvergleichlichen strategischen Talent des Führers gesprochen, dass der Sieg stets eine Gewissheit gewesen war. Und doch hatten wir aus irgendeinem Grund verloren.

Die mehr als tausend Kilometer weite Reise quer über den Kontinent stimmte nicht gerade optimistisch für die Zukunft. Die Städte, durch die wir kamen, waren gezeichnet von der Zerstörung der letzten Jahre. In den Gesichtern der Leute auf den Bahnhöfen und in den Waggons sah ich keine Freude über das Ende des Kriegs, sondern bloß seine Wunden. Überall spürte man Erschöpfung und die zunehmende Einsicht, dass Europa nicht einfach in den Zustand von 1938 zurückkehren konnte, sondern vollständig neu aufgebaut werden musste, genau wie der Lebensmut seiner Einwohner.

Die Stadt meiner Geburt lag fast vollständig in Schutt und Asche, und vier unserer Eroberer teilten nun die Beute unter sich auf. Zu unserem Schutz hatten wir uns in den Kellern der wenigen wahren Getreuen versteckt, deren Häuser noch standen, bis man uns die gefälschten Papiere beschafft hatte, die uns die sichere Ausreise aus Deutschland ermöglichten. In unseren Pässen stand nun der Name Guéymard, dessen Aussprache ich immer wieder übte, damit es so französisch wie möglich klang. Mutter musste ich ab sofort Nathalie nennen, nach meiner Großmutter, ich aber blieb Gretel.

Täglich kamen neue Details über die Vorgänge in den Lagern ans Licht, und Vaters Name wurde zum Inbegriff von Verbrechen abscheulichster Natur. Obwohl niemand behauptete, wir seien genauso schuldig wie er, glaubte Mutter, es würde uns ins Unglück stürzen, sollten wir uns den Behörden stellen. Ich stimmte ihr zu, weil auch ich Angst hatte, aber der Gedanke, man könnte mich zur Mittäterin an den Gräueltaten erklären, schockierte mich. Es stimmte, dass ich seit meinem zehnten Geburtstag Mitglied im Jungmädelbund gewesen war – wie aber auch jedes andere Mädchen in Deutschland. Es war schließlich Pflicht, genau wie der Eintritt ins Deutsche Jungvolk es für alle zehnjährigen Jungen gewesen war. Allerdings hatten mich weit mehr als die Parteiideologie die regelmäßigen Freizeitaktivitäten mit meinen Freundinnen interessiert. Und nach unserem Umzug an jenen anderen Ort hatte ich mich nur ein einziges Mal auf der anderen Seite des Zauns aufgehalten, an dem Tag, als mein Vater mich mit ins Lager genommen hatte, um mir seine Arbeit zu zeigen. Ich redete mir ein, nur Zuschauerin gewesen zu sein, nichts weiter, dass mein Gewissen rein sei, aber die Frage nach meiner Mitschuld an den Taten, deren Zeugin ich geworden war, ließ mich nicht los.

Als unser Zug Frankreich erreichte, machte ich mir plötzlich Sorgen, dass unser Akzent uns verraten könnte. Die kürzlich befreiten Bürger von Paris waren, so rechnete ich mir aus, nach ihrer beschämend raschen Kapitulation 1940 sicher nicht gut auf Menschen zu sprechen, die redeten wie wir. Meine Sorge erwies sich als begründet, denn bei der Zimmersuche wies man uns in fünf verschiedenen Pensionen einfach ab, und das, obwohl wir mehr als genug Geld für einen längeren Aufenthalt vorweisen konnten. Erst als sich eine Frau an der Place Vendôme gnädig zeigte und uns die Adresse einer nahe gelegenen Unterkunft mitteilte, deren Vermieterin keine Fragen stelle, fanden wir Unterschlupf. Ohne sie wären wir vermutlich die wohlhabendsten Obdachlosen der ganzen Stadt geworden.

Das Zimmer, das wir mieteten, lag im östlichen Teil der Île de la Cité. In jenen frühen Tagen blieb ich am liebsten in der Nähe und beschränkte mich darauf, in endlosen Schleifen die kurze Strecke vom Pont de Sully bis zum Pont Neuf abzuspazieren, stets ängstlich darauf bedacht, keine der Brücken zu überqueren, die mich auf unbekanntes Terrain geführt hätten. Ab und zu dachte ich an meinen Bruder, der so gern Forscher geworden wäre, und daran, mit wie viel Freude er die unbekannten Straßen durchstreift hätte, aber wie immer in solchen Momenten schob ich die Erinnerung an ihn rasch beiseite.

Mutter und ich lebten schon seit zwei Monaten auf der Île, als ich endlich den Mut aufbrachte, mich zum Jardin du Luxembourg zu wagen. Beim Anblick der Pflanzenpracht hatte ich das Gefühl, im Paradies gelandet zu sein. Was für ein Unterschied, dachte ich, zu unserer Ankunft an jenem anderen Ort, wo uns die trostlose Ödnis fast erdrückt hatte. Hier atmete man den Duft des Lebens; dort erstickte man am Gestank des Todes. Wie benommen ging ich vom Palais zur Fontaine Médicis und von dort in Richtung des zentralen Bassins, wandte mich allerdings ab, als ich eine Bande kleiner Jungen sah, die Holzboote ins Wasser setzten und sie von der leichten Brise zu ihren Kameraden auf der anderen Seite treiben ließen. Ihr Lachen und aufgeregtes Geplapper klangen nach der bedrückenden Stille der Not, an die ich mich gewöhnt hatte wie eine verstörende Musik. Es schien unfassbar, wie ein und derselbe Kontinent solche Extreme von Schönheit und Hässlichkeit in sich vereinen konnte.

Eines Nachmittags, als ich auf einer Bank neben dem Boulodrome Schutz vor der Sonne suchte, überwältigten mich plötzlich Trauer und Schuldgefühle, und mir liefen die Tränen übers Gesicht. Ein hübscher Junge, vielleicht zwei Jahre älter als ich, blieb mit besorgter Miene vor mir stehen und fragte, was los sei. Ich sah auf und spürte sofort ein leises Sehnen in mir, wünschte mir, er würde mich in die Arme schließen oder mir erlauben, meinen Kopf an seine Schulter zu lehnen. Doch als ich antwortete, fiel ich zurück in alte Sprachmuster, mein deutscher Akzent überwältigte mein Französisch, und der Junge wich einen Schritt zurück, offene Verachtung im Gesicht, ehe er all seiner Wut auf mich und meinesgleichen freien Lauf ließ und mir heftig ins Gesicht spuckte. Dann marschierte er davon. Seltsamerweise minderte seine Tat meine Sehnsucht nach Berührung keineswegs, sondern verstärkte sie noch. Nachdem ich mir die Wangen abgewischt hatte, rannte ich ihm nach, packte ihn am Arm und bot ihm an, mit mir ins Dickicht der Bäume zu gehen, wo er mit mir machen dürfe, was immer er wolle.

„Du darfst mir wehtun, wenn du willst“, flüsterte ich und stellte mir mit geschlossenen Augen vor, wie er mich hart ohrfeigte, mir die Faust in den Magen stieß, mir die Nase brach.

„Warum willst du das?“, fragte er, in seiner Stimme eine Unschuld, an die man angesichts seiner Schönheit kaum glauben mochte.

„Damit ich spüre, dass ich am Leben bin.“

Er wirkte erregt und angewidert zugleich und blickte sich nach möglichen Zuschauern um, ehe er zu dem Wäldchen hinübersah, auf das ich gezeigt hatte. Kurz fuhr er sich mit der Zunge über die Lippen und betrachtete die Rundung meiner Brüste, aber als ich nach seiner Hand griff, empfand er dies offensichtlich als Beleidigung und nannte mich eine Putain. Dann rannte er aus dem Park und verschwand in der Rue Guynemer.

Bei gutem Wetter lief ich schon frühmorgens durch die Straßen und kehrte erst in unsere Wohnung zurück, wenn Mutter schon zu betrunken war, um mich nach meinem Tag zu fragen. Die Eleganz, die ihr in ihrem früheren Leben zu eigen gewesen war, verblasste mittlerweile. Aber sie war immer noch eine attraktive Frau, und ich fragte mich, ob sie sich insgeheim nach einem neuen Mann sehnte, jemandem, der für uns beide sorgen könnte. Allerdings wirkte es auf mich nicht so, als wäre sie auf Liebe oder auch nur Gesellschaft aus, eher schien sie mit ihren Gedanken allein bleiben zu wollen, während sie von Bar zu Bar zog. Wenn sie trank, wurde sie still. Sie saß mit ihrer Weinflasche stets in einer düsteren Ecke und kratzte an unsichtbaren Kerben im Holz der Tischplatte herum, immer darauf bedacht, auf keinen Fall eine Szene zu machen, wegen der man sie hätte hinauswerfen können. Einmal kreuzten sich unsere Wege, als gerade die Sonne über dem Bois de Boulogne unterging. Sie schwankte auf mich zu, griff meinen Arm und fragte mich nach der Uhrzeit, wobei sie gar nicht zu bemerken schien, dass sie mit ihrer eigenen Tochter sprach. Als ich antwortete, lächelte sie erleichtert, da die Bars noch ein paar Stunden offen sein würden, und ging dann in Richtung der verführerisch hellen Lichter weiter, die auf der Île funkelten. Ob sie wohl merken würde, fragte ich mich, wenn ich plötzlich aus ihrem Leben verschwände?

Wir schliefen im selben Bett, und ich hasste es, neben ihr aufzuwachen und ihren stinkenden Atem zu riechen, eine widerliche Mischung aus Alkohol und Schlaf. Sobald sie die Augen öffnete, setzte sie sich kurz verwirrt auf. Dann kehrten die Erinnerungen zurück, sie schloss die Augen wieder und ließ sich, wenn es ihr gelang, erneut in den Zustand der Besinnungslosigkeit hinabgleiten. Wenn sie das unsägliche Tageslicht schließlich nicht länger ignorieren konnte und sich unter der Decke hervorquälen musste, wusch sie sich flüchtig im Waschbecken, zog sich ein Kleid über und ging aus dem Haus, glücklich, den neuen Tag genau so zu verleben wie den davor und den davor und den davor.

Unser Geld und unsere Wertsachen bewahrte sie in einem alten Ranzen hinten im Schrank auf, und ich musste mitansehen, wie unser kleines Vermögen langsam schwand. Eigentlich ging es uns gut – dafür hatten die wahren Getreuen gesorgt –, aber Mutter weigerte sich, mehr Geld für unsere Unterbringung auszugeben, und schüttelte somit jedes Mal den Kopf, wenn ich vorschlug, dass wir uns eine eigene kleine Wohnung in einem günstigeren Stadtteil suchen sollten. Es schien, als folgte sie in ihrem Leben jetzt einem einfachen Plan: sich die Albträume wegzutrinken. Solange sie ein Bett zum Schlafen und eine Flasche Wein hatte, war ihr der Rest egal. Was für ein Unterschied zu der Frau, in deren Arme ich mich in meinen ersten Lebensjahren so gern geworfen hatte, jene bezaubernde Dame der gehobenen Gesellschaft, die wie ein Filmstar stets die angesagteste Frisur und die feinsten Kleider trug.

Diese beiden Frauen hätten verschiedener nicht sein können. Sie hätten sich gegenseitig verachtet.


3

Jeden Dienstagmorgen überquere ich den Hausflur, um meine Nachbarin Heidi Hargrave zu besuchen, die in Apartment drei wohnt. Heidi wird im Dezember neunundsechzig, am Tag von Mariä Empfängnis, was ein reichlich ironisches Datum ist, da sie ihre leiblichen Eltern nie kennengelernt hat und sofort nach der Geburt adoptiert wurde. Heidi ist die einzige Bewohnerin von Winterville Court, die ihr gesamtes Leben hier verbracht hat. Von der Entbindungsstation kam sie direkt nach Mayfair, wo der Hyde Park für sie in ihrer Kindheit ein einziger großer Spielplatz war. Als Teenagerin wurde sie schwanger, heiratete aber nie, und nach dem Tod ihrer Adoptiveltern erbte sie ihr Vermögen.

Obwohl dreiundzwanzig Jahre jünger als ich, ist sie weit weniger fit, und das körperlich wie geistig. Sie hat dreißig Jahre lang am Londoner Marathon teilgenommen, bis sie mit dem Laufen aufhören musste, weil sie am linken Fuß eine schmerzhafte Läuferferse entwickelte, wegen der sie noch heute nachts eine Schiene trägt und regelmäßig Kortisonspritzen bekommt. Ein schwerer Schlag für eine so aktive Frau, und ich frage mich, ob dies zu dem schleichenden Verfall ihrer geistigen Kräfte beigetragen hat. Schließlich stand sie zuvor voll im Leben und war eine hoch angesehene Augenärztin, aber jetzt neigt sie im Gespräch zum Abschweifen. Ihr Zustand ist Gott sei Dank nicht so schlimm wie bei Demenz oder Alzheimer, aber sie agiert mitunter etwas wirr, vergisst, worüber wir gerade eigentlich reden, verwechselt Namen und Orte oder springt so abrupt zum nächsten Thema, dass man kaum mitkommt.

An diesem Dienstagmorgen blätterte sie gerade einige alte Fotoalben durch, als ich kam, und ich hoffte, sie nicht zusammen mit ihr ansehen zu müssen. Ich selbst besitze keine solchen Alben, und ich habe auch nie recht verstanden, warum Menschen sich die Wohnung mit Familienbildern vollstellen. Bei mir stehen nur zwei: ein silbergerahmtes Foto von Edgar und mir, aufgenommen an unserem Hochzeitstag, und ein Bild von Caden bei seinem Abschluss an der Uni. Und auch diese beiden habe ich wohlgemerkt nicht aus emotionalen Gründen aufgestellt, sondern weil man es so von mir erwartet.

Davon abgesehen versteckt sich in einem Fach meines Kleiderschranks ganz hinten eine antike Seugnot-Schmuckschatulle aus Obstholz mit polierten Messingkanten und funktionierendem Schloss, die ich 1946 auf einem Markt in Montparnasse gekauft habe. Ich bewahre ein einziges Foto darin auf, und obwohl ich es mir seit mehr als fünfundsiebzig Jahren nicht angeschaut habe, glaube ich mich gut an das Bild zu erinnern. Ich bin darauf zwölf Jahre alt, und meine Augen sind zum Fotografen gerichtet, mit dem ich nach Kräften kokettiere, denn hinter der Kamera steht Kurt, den Finger auf dem Auslöser, den Blick auf mich geheftet, während ich versuche, meine Leidenschaft für ihn zu verbergen. Er steht ganz aufrecht da, in Uniform, und ich bin hin und weg von seiner schlanken, muskulösen Statur, den blonden Haaren und blassblauen Augen. Ich spüre sein zögerliches Interesse und bin wild entschlossen, es anzufachen.

„Schau mal, Gretel“, sagte Heidi und zeigte mir das Bild eines intelligent aussehenden Mannes am Strand, die Hände in die Hüften gestemmt, im Mund lässig eine Holzpfeife. „Das ist Billy Sprat. Tänzer und russischer Spion.“

„Ach ja?“, sagte ich und schenkte uns Tee ein. Ich fragte mich, ob diese Geschichte wohl ihrer Fantasie entsprungen war – vielleicht hatte sie gestern Abend einen alten James-Bond-Film gesehen und war im Agentenfieber –, allerdings konnte es angesichts der Zeit, aus der das Foto stammte, durchaus der Wahrheit entsprechen. Damals scheint es in England vor russischen Spionen nur so gewimmelt zu haben.

„Billy war ein Freund von meinem Vater. Sie haben ihn dabei erwischt, wie er dem KGB Informationen verkauft hat“, fügte sie aufgeregt hinzu. „Der Geheimdienst wollte ihn schon hochnehmen, aber Billy hat gemerkt, dass seine Tarnung aufgeflogen war, und ist nach Moskau abgehauen. Aufregend, nicht wahr?“

„O ja“, stimmte ich zu. „Und wie.“

„Man hätte darauf bestehen sollen, dass er sich hier vor Gericht verantwortet. Es gibt nichts Schlimmeres als Verbrecher, die ohne Strafe davonkommen.“

Ich erwiderte nichts und sah zum Kaminsims, auf dem eine eckige Uhr aus glänzendem Messing stand, daneben ein paar kleine Porzellanfiguren, die Heidi zu ihren Schätzen zählte.

„Mochtest du die Russen früher?“, fragte sie und nippte an ihrer Tasse. „In den Sechzigern fand ich ja, dass die Idee vom brüderlichen Teilen was hatte. Aber als sie dann angefangen haben, ihre Atomraketen in unsere Richtung zu drehen, fand ich die Sache nicht mehr so toll. Einen weiteren Krieg braucht ja wohl keiner, oder?“

„Ich halte mich aus der Politik raus“, antwortete ich und strich Butter auf zwei warme Scones, von denen ich eins Heidi gab. „Ich habe gesehen, was Krieg mit den Menschen macht.“

„Stimmt, du warst ja damals schon auf der Welt.“

„In den Sechzigern?“, fragte ich. „Ja. Du aber auch, Heidi.“

„Nein, ich meinte, davor. Im Krieg. Im … Wie heißt der noch?“

„Im Zweiten Weltkrieg.“

„Genau.“

„Ja.“ Wir hatten uns schon öfter über den Krieg unterhalten, sogar sehr oft, aber ich hatte selten im Detail aus meiner Vergangenheit erzählt, und wenn doch einmal, waren die Sachen meist erfunden. „Aber ich war damals noch ein Mädchen.“

Heidi legte das Album beiseite und drehte sich mit einem schelmischen Blitzen in den Augen zu mir. „Irgendwas Neues von unten?“

Ich schüttelte den Kopf. In Momenten wie diesem war ich froh über ihre plötzlichen Themensprünge.

„Noch nicht“, sagte ich und wischte mir mit einer Serviette die Krümel vom Mund. „Im Süden nichts Neues.“

„Da werden doch wohl keine Farbigen einziehen?“, fragte sie, worauf ich die Stirn runzelte. Heidis zunehmende Verwirrung äußert sich bisweilen auf verstörende Weise darin, dass sie Ausdrücke verwendet, die mittlerweile zu Recht als unangemessen gelten und die sie im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte wohl nie benutzt hätte. Ich vermute, es ist die Sprache ihrer Jugend, die sich in den sich langsam auflösenden Teilen ihres Gehirns breitmacht. Es ist erstaunlich: Sie kann nicht enden wollende Geschichten aus ihrer Kindheit erzählen, aber sobald man sie fragt, was sie letzten Mittwoch gemacht hat, senkt sich der Nebel.

„Es könnten alle möglichen Leute einziehen“, erwiderte ich. „Wir werden es erst wissen, wenn sie da sind.“

„Viele Jahre hat ein wunderbarer Mann da gewohnt.“ Sie strahlte jetzt. „Ein Historiker. Er hat an der University of London gelehrt.“

„Nein, Heidi, das ist Edgar, den du meinst. Mein Mann. Er hat zusammen mit mir gleich gegenüber gewohnt.“

„Ach ja.“ Sie zwinkerte mir zu, als teilten wir ein Geheimnis. „Du hast recht. So ein Gentleman. Und immer elegant gekleidet. Ich habe ihn nie ohne Hemd und Krawatte gesehen, glaube ich.“

Ich musste lächeln. Es stimmte, dass Edgar stets sehr viel Wert auf sein Äußeres gelegt und sich selbst an Feiertagen nur ungern „leger“ angezogen hatte. Wegen seines Menjoubärtchens hatten manche behauptet, er sähe aus wie Clark Gable. Ein durchaus gerechtfertigter Vergleich.

„Ich wollte ihn mal küssen“, fuhr sie mit Blick zum Fenster fort, und an der Art, wie sie es sagte, merkte ich, dass sie vergessen hatte, mit wem sie sprach. „Natürlich war er deutlich älter als ich, aber das war mir egal. Er hatte eh kein Interesse. Hat mich abblitzen lassen. Weil er seine Frau liebe, wie er gesagt hat.“

„Ach wirklich?“, sagte ich leise und stellte mir die Szene vor. Es überraschte mich nicht, dass Edgar sich nie die Mühe gemacht hatte, mir von dem Zwischenfall zu erzählen.

„Er hat mich sehr höflich zurückgewiesen, und ich war ihm dankbar dafür. Mein Verhalten war ganz und gar schamlos.“

„Hat Oberon dich diese Woche eigentlich schon besucht?“ Jetzt war es an mir, das Thema zu wechseln. Oberon ist Heidis Enkel. Er ist um die dreißig, attraktiv, aber mit diesem lächerlichen Namen gestraft. (Heidis Tochter, die vor ein paar Jahren tragischerweise an Krebs gestorben ist, hatte eine Leidenschaft für Shakespeare.) Er arbeitet nicht weit von hier bei Selfridges, wo er irgendein hohes Tier ist, soweit ich weiß, und geht sehr lieb mit seiner Großmutter um. Allerdings irritiert es mich sehr, dass er in meiner Anwesenheit jedes Mal fast schreit und die Silben überdeutlich artikuliert, als wäre ich taub. Dabei bin ich keineswegs taub. Tatsächlich ist bei mir fast alles völlig in Ordnung, was angesichts meines fortgeschrittenen Alters gleichermaßen überraschend und beunruhigend ist.

„Er kommt morgen Abend“, antwortete sie. „Mit seiner Freundin. Es gibt Neuigkeiten, sagt er.“

„Vielleicht wollen sie heiraten“, mutmaßte ich.

„Vielleicht“, stimmte sie nickend zu. „Das hoffe ich. Es ist an der Zeit, dass er zur Ruhe kommt. Wie dein Caden.“

Ich hob eine Augenbraue. Caden war schon so oft zur Ruhe gekommen, dass er zu den entspanntesten Männern Englands hätte zählen müssen, aber ich beschloss, sie nicht mit dem recht unverbindlichen Bindungsverhalten meines Sohnes zu belästigen.

„Wenn du was hörst, gibst du mir Bescheid, ja?“, sagte sie zu mir gebeugt, und mein Gehirn hangelte sich zurück durchs Gespräch, auf der Suche nach der Stelle, an der sie jetzt ihr Lager aufgeschlagen hatte, zumindest bis auf Weiteres.

„Wenn ich was höre, Liebes?“, fragte ich.

„Wenn du was über die neuen Nachbarn hörst. Wir könnten eine Party für sie schmeißen.“

„Ich glaube nicht, dass sie das gut fänden.“

„Oder wenigstens einen Kuchen für sie backen.“

„Das scheint mir angemessener.“

„Was ist mit Juden?“, fragte sie nach einer ausgedehnten Pause. „Es gab Zeiten, da durften in Häusern wie diesem hier keine Juden einziehen. Aber mir ist das gleich. Ich bin allen gegenüber offen. Wenn ich ehrlich bin, fand ich Juden immer sehr freundlich. Überraschend fröhlich, wenn man mal bedenkt, was die alles durchgemacht haben.“

Ich erwiderte nichts. Als ihr kurz darauf die Augen zufielen, nahm ich ihr die Tasse aus der Hand und wusch das Geschirr ab. Ehe ich ging und die Tür hinter mir zuzog, gab ich ihr noch einen zarten Kuss auf die Stirn. Im Hausflur sah ich kurz die Treppe hinunter zu der Wohnung unter meiner. Noch war sie still wie ein Grab.

John Boyne

Über John Boyne

Biografie

John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“, der...

Medien zu „Als die Welt zerbrach“
Pressestimmen
Madame

„Boynes Buch ist sowohl Geschichtsstunde als auch die fesselnde Biografie einer Frau, die exemplarisch für so viele Menschen einer Generation in Deutschland steht, die es bald nicht mehr gibt.“

Die Presse

„›Als die Welt Zerbrach‹ ragt aus der Flut der jährlich erscheinenden Romane heraus. Das Buch ist nicht nur eine fantastische Lektüre, sondern auch ein Mahnmal für die Pflicht der Erinnerung an Ereignisse, die immer mehr Menschen lieber vergessen würden.“

Trend Premium

„Ein raffiniertes Spiel mit unerwartetem Ausgang.“

Berliner Zeitung

„Der irische Autor führt die im neuen Buch 92-jährige Frau auf eindringliche, fesselnde Weise in einen Konflikt unserer Zeit.“

Infoscreen

„Die Fortsetzung bewegt ebenso.“

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

„Das ist wieder ein sehr spannendes, sehr geschichtliches Buch von John Boyne.“

the_last.chapter

„Eine sehr bewegende und fesselnde Geschichte, für mich ein Jahreshighlight!“

stadtmagazinkoeln.de

„Sehr mitreißend.“

Bremer Nachrichten

„›Als die Welt zerbrach‹ ist ein lesenswertes Buch, das in Erinnerung bleibt.“

rbb Kultur „Der Morgen“

„Der Roman, in dem mosaiksteinhaft ein Leben bilanziert wird, wandelt sich am Ende noch rasant zum Krimi.“

Kommentare zum Buch
Prägende Geschichte zu Kriegszeiten
Gluttonfor_books_ am 06.11.2022

In der Fortsetzung des Klassikers "Der Junge im gestreiften Pyjama" wird die Geschichte von Gretel erzählt, der älteren Schwester der Familie. Gretel hat den Holocaust und die Nachkriegszeit überlebt. In ihrer Erzählung nimmt sie uns, den Leser/die Leserin, auf ihre einzelnen Lebensetappen die sie beschritten hat mit und wechselt dabei kapitelweise von früheren Ereignissen zu dem heutigen Zeitpunkt. Gretel erweist sich dabei als scharfsinnige und überaus feinfühlige Erzählerstimme, die gerade durch emotionale Gedankengänge an die Geschichte fesselt. Die Schuldfrage, wie viel Verantwortung an den damaligen Massenmorden und Verbreitung der NS-Ideologie, ein junges Mädchen tatsächlich hat, lässt sich auch nach Ende des Buches nicht einstimmig beantworten. Die eigene Meinung dazu muss sich jeder selber bilden, aber um eine Schuldzuweisung geht es in erster Linie auch nicht. Der Entwicklungsraum von Gretel, ausgehenden von einem naiven jungen Mädchen zur einer reflektierenden älteren Dame, die ihre Vergangenheit nie abschütteln konnte, wird auf eine emotionale, aufwüllende Weise erzählt, sodass ich das Buch kaum aus den Händen legen mochte und konnte. Gerade die Entwicklung der letzten Ergeignisse im Buch geben der Geschichte noch einen guten und sehr spannenden Abschluss.   "Als die Welt zerbrach" ist keine leichte Lektüre und sie hallt mir auch noch Tage nach der Beendigung des Buches nach. Eine klare Leseempfehlung für alle, die ein Buch mit mehr Tiefgang lesen wollen. 5 von 5 Sternen gibt es von mir.

Beklemmende, tiefgründige, deutsche Lebensgeschichte
Karola Dahl am 12.10.2022

Es geht um die Verarbeitung all der schlimmen Untaten an jenem anderen Ort auf der anderen Seite des Zauns, einem unmenschlichen Kapitel deutscher Geschichte und dem Problem mit der Schuld und Trauerbewältigung nach dem Ende des 2. Weltkriegs für all die Familienmitglieder, deren Vater im Naziregime in gehobener Position für die Vernichtung der Juden mit verantwortlich waren. Am Schicksal von Gretel liest man von der scheinbar ewigen Schande, die an dem gleichen Familiennamen klebt, wohl über weitere Generationen hinaus, wo ihr Vater Kommandant eines Konzentrationslagers in Polen, noch dazu des berüchtigtsten überhaupt war. Wie angewidert, abgestoßen und beschämt sich Gretel mit wechselnden Identitäten gefühlt hat auf ihrer Flucht und ständigen Angst vor Aufdeckung ihrer zurück liegenden Familiengeschichte wird einfühlsam mit trefflich ausgewählter Wortwahl beschrieben. Bis zum Schluss fühlt sich Gretel definitiv verantwortlich für den Tod ihres Bruders. Und so fragt sich die Tochter des Teufels: Wie soll ich das wiedergutmachen?

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