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Das Papiermädchen

Roman

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Das Papiermädchen — Inhalt

Der Schriftsteller Tom Boyd hat geschafft, wovon viele träumen: Er lebt in Malibu, fährt einen Sportwagen und liebt eine berühmte Pianistin. Doch als die ihn verlässt, stürzt er in eine tiefe Krise. Obwohl seine Fans sehnsüchtig darauf warten, sieht Tom sich außerstande, einen neuen Roman zu schreiben. Da taucht eines Abends eine hübsche junge Frau bei ihm auf. Sie behauptet, Billie zu sein, eine seiner Figuren. Sie sei versehentlich aus dem Buch gefallen. Tom traut seinen Ohren nicht. Aber ehe er sichs versieht, überredet Billie ihn, mit ihr eine abenteuerliche Reise anzutreten, die in Mexiko beginnt und bis nach Paris führen wird.

Erschienen am 02.11.2017
Übersetzer: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
496 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-30856-4
Erschienen am 02.11.2017
Übersetzer: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
480 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97863-7

Leseprobe zu »Das Papiermädchen«

Vorwort

Sich für das Leben eines Autors zu interessieren,

weil man dessen Bücher liebt,

ist genauso absurd, wie sich für Gänse zu interessieren,

weil man gern Gänseleber isst.

Margaret Atwood

 

Die »Angel Trilogy« fasziniert Amerika

Die aussichtslose Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau und ihrem Schutzengel ist die literarische Sensation des Jahres. Die Entschlüsselung eines Phänomens.

Bei Doubleday, einem amerikanischen Verlag, hatte niemand wirklich damit gerechnet. Und trotzdem ist der erste Roman eines dreiunddreißigjährigen Unbekannten, Tom [...]

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Vorwort

Sich für das Leben eines Autors zu interessieren,

weil man dessen Bücher liebt,

ist genauso absurd, wie sich für Gänse zu interessieren,

weil man gern Gänseleber isst.

Margaret Atwood

 

Die »Angel Trilogy« fasziniert Amerika

Die aussichtslose Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau und ihrem Schutzengel ist die literarische Sensation des Jahres. Die Entschlüsselung eines Phänomens.

Bei Doubleday, einem amerikanischen Verlag, hatte niemand wirklich damit gerechnet. Und trotzdem ist der erste Roman eines dreiunddreißigjährigen Unbekannten, Tom Boyd, bei einer Erstauflage von nur zehntausend Exemplaren innerhalb von zehn Monaten zu einem der absoluten Bestseller des Jahres geworden. Der Roman In the Company of Angels, erster Band einer geplanten Trilogie, stand achtundzwanzig Wochen an der Spitze der Bestsellerlisten. Mit über drei Millionen verkauften Exemplaren in den USA soll der Roman jetzt in über vierzig Sprachen übersetzt werden.

Zwischen Romanze und Fantasy angesiedelt, beschreibt der in Los Angeles spielende Roman die Geschichte einer unmöglichen Liebe zwischen Dalilah, einer jungen Medizinstudentin, und Raphael, ihrem Schutzengel, der seit Kindertagen über sie wacht. Aber hinter dieser übernatürlichen Rahmenhandlung geht es um so sensible Themen wie Inzest, Vergewaltigung, Organspende und Wahnsinn.

Ähnlich wie bei Harry Potter oder der Twilight-Serie, hat In the Company of Angels schnell eine Leserschaft für diesen an Mythen reichen Roman gefunden. Seine leidenschaftlichsten Fans bilden eine echte »Community« mit einem eigenen Kodex und vielfältigen Theorien. Im Internet existieren bereits Hunderte von Sites, die Tom Boyds fiktionalen Charakteren gewidmet sind. Der ruhige und unprätentiöse Autor ist ein junger Lehrer aus dem Arbeiterviertel MacArthur Park in Los Angeles. Bevor er diesen unerwarteten Erfolg hatte, lehrte Boyd schwierigen Teenagern Englische Literatur in demselben Gymnasium, auf dem er selbst fünfzehn Jahre zuvor die Schulbank gedrückt hatte.

Nach dem Erfolg seines ersten Romans gab Boyd den Lehrberuf auf und unterschrieb einen Vertrag bei Doubleday für die beiden folgenden Titel der Trilogie – und erhielt zwei Millionen Dollar. 

*

Die französische Pianistin Aurore Valancourt erhält den hoch dotierten Avery Fisher Prize

Am Samstag erhielt die berühmte einunddreißigjährige Pianistin den Avery Fisher Prize. Diese mit fünfundsiebzigtausend Dollar dotierte Auszeichnung wird alljährlich einem Musiker oder einer Musikerin für seine oder ihre herausragende Leistung im Bereich der klassischen Musik verliehen.

Die am 7. Juli 1977 in Paris geborene Aurore Valancourt gilt als eine der herausragendsten Musikerinnen ihrer Generation.

Eine Klaviervirtuosin

Ausgebildet am Curtis Institute of Philadelphia, wird sie 1997 vom Dirigenten André Grévin entdeckt, der sie zu einer Tournee unter seiner Leitung einlädt. Eine Anerkennung, die ihr die Tore zu einer internationalen Karriere öffnet. In der Folge tritt sie regelmäßig mit einigen der führenden Orchester der Welt auf, ist aber durch den Elitismus des Systems schnell ernüchtert. Ohne Vorwarnung zieht sie sich im Januar 2003 aus der Klassikszene zurück. Sie unternimmt eine zweijährige Weltreise mit dem Motorrad, die im indischen Sawai Madhopur endet. Hier verbringt sie mehrere Monate, umgeben von den Seen und Bergen des nahe gelegenen Nationalparks.

2005 lässt sie sich in Manhattan nieder und findet den Weg in die Musikszene und die Aufnahmestudios zurück, engagiert sich aber gleichzeitig auch aktiv als Umweltschützerin. Das steigert das Medieninteresse und ihren Bekanntheitsgrad nicht nur bei Musikfreunden.

Sie macht sich ihr gutes Aussehen zunutze und posiert für mehrere Modemagazine (Glamourfotos für Vanity Fair, andere, etwas spärlicher bekleidet, für Sports Illustrated . . .) und wird zur Werbeträgerin einer großen Damenwäsche-Marke. Dank dieser Verträge ist sie die bestbezahlte Musikerin der Welt.

Ein atypischer und umstrittener Star

Trotz ihres jungen Alters ist Valancourts Spiel technisch perfekt, auch wenn man ihr gelegentlich vorwirft, es sei nicht emotional genug, besonders bei der Interpretation der Stücke ihres romantischen Repertoires.

Indem sie mit Nachdruck auf ihre Freiheit und Unabhängigkeit pocht, wird sie zum »Albtraum« für Konzertorganisatoren: Sie ist berühmt für Absagen in letzter Minute und ihre Divaallüren.

Auch im Privatleben verhält sie sich nicht anders. Diese ewige Junggesellin gibt vor, nicht an einer festen Bindung interessiert zu sein, und konzentriert sich auf den Augenblick, was ihre Eroberungen zwangsläufig vervielfacht. Ihre Liebschaften mit Berühmtheiten aus dem Showbusiness machen aus ihr die einzige klassische Musikerin, über die regelmäßig in der Regenbogenpresse berichtet wird, was die Puristen der Klaviermusik nicht unbedingt schätzen . . . 

*

Der Autor der »Angel Trilogy« spendet 500 000 Dollar für eine Schule in L. A.

Tom Boyd, dessen zweiter Roman an der Spitze der Bestsellerlisten steht, spendet, wie die Schulleitung bekannt gibt, der Harvest-Highschool von Los Angeles eine halbe Million Dollar. Als Teenager besuchte Boyd diese Schule, die im sozialen Brennpunkt des MacArthur-Park-Viertels liegt. Selbst Lehrer geworden, unterrichtete er Literatur, bevor er sich aufgrund des Erfolgs seines Romans aus dem Schuldienst zurückzog.

Auf Nachfrage unserer Zeitung wollte er diese Information nicht bestätigen. Der äußerst pressescheue Romancier soll, wie es heißt, bereits am dritten Band seiner Trilogie arbeiten. 

*

Die schöne Aurora wieder Single!

Das Unglück des einen ist das Glück des anderen. Mit einunddreißig Jahren hat sich Aurora, Pianistin und Topmodel, von ihrem Freund, dem spanischen Tennisspieler Javier Santos, getrennt, mit dem sie eine mehrmonatige Liaison hatte.

Der Tennisstar erholt sich gerade nach seiner eindrucksvollen Leistung in Roland-Garros und Wimbledon bei einem wohlverdienten Kurzurlaub mit Freunden auf Ibiza. Was seine ehemalige Herzensdame betrifft, so dürfte sie nicht lange Single bleiben. 

*

Die »Angel Trilogy« bald im Kino

Columbia Pictures hat soeben die Filmrechte an Tom Boyds Fantasy-Romanze »Angel Trilogy« erworben.

Millionen von Lesern haben In the Company of Angels und The Memory of Angels, die ersten beiden Bände der Trilogie, geradezu verschlungen.

Die Arbeit am Drehbuch für die Verfilmung des ersten Bandes soll bald beginnen. 

*

Betreff: Heilung

Datum: 12. September 2008

An: thomas.boyd2@gmail.com

Hallo, Mr Boyd. Ich wollte Ihnen schon seit Langem schreiben. Ich heiße Patricia, bin 31 Jahre alt und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Ich habe den Mann, den ich liebte und mit dem ich eine Familie gegründet habe, bis zu seinem letzten Atemzug begleitet. Er litt an einer neurologischen Krankheit, die ihn nach und nach all seiner Kräfte beraubte. Diese Phase meines Lebens hat mich mehr verletzt, als ich mir eingestehen will. Unsere Geschichte war so kurz . . . In den Monaten nach dem Tod meines Mannes habe ich Ihre Bücher entdeckt.

Ich habe mich in Ihre Geschichten geflüchtet und bin in Harmonie mit mir selbst daraus hervorgegangen. In Ihren Romanen haben die Personen oft die Chance, ihr Schicksal zu verändern, ihre Vergangenheit und ihre Fehler zu korrigieren. Ich selbst hoffe, das Glück zu haben, noch einmal zu lieben und geliebt zu werden.

Danke dafür, dass Sie mir geholfen haben, mich mit meinem Leben zu versöhnen. 

*

Aurore Valancourt: Wirklich talentiert oder medienwirksame Hochstaplerin?

Die Menge drängte sich gestern Abend vor dem Théâtre des Champs-Élysées.

Das Medienimage der jungen und brillanten Musikerin erregt weiterhin Neugier.

Auf dem Programm stand Beethovens 5. Klavierkonzert, gefolgt von Schuberts Impromptus. Eine vielversprechende Auswahl, die jedoch nicht die Erwartungen erfüllte.

Trotz einer einwandfreien Technik mangelte es dem Spiel an Seele und Poesie. Scheuen wir uns nicht, es offen zu sagen – Aurore Valancourt ist eher ein Produkt des Marketings als jene hochbegabte und geniale Pianistin, als die sie die Medien feiern. Ohne ihre attraktive Erscheinung und ohne ihr Engelsgesicht wäre sie nur eine gewöhnliche Musikerin, denn das »Valancourt-Phänomen« beruht auf nichts anderem als auf einer gut geölten Maschinerie, die eine durchschnittliche Interpretin in einen internationalen Star verwandelt hat.

Und das Traurigste an alledem ist, dass ihre musikalische Unreife das voreingenommene Publikum nicht davon abgehalten hat, ihre Darbietung mit Standing Ovations zu bedenken. 

*

Betreff: Außergewöhnliche Bücher

Datum: 22. Oktober 2008

An: thomas.boyd2@gmail.com

Hallo, Mr Boyd. Ich heiße Myra und bin 14 Jahre alt. Ich komme aus der Vorstadt, wie es in den Zeitungen so schön heißt. Ich gehe in die MacArthur Parc School und habe Ihren Vortrag gehört, den Sie in meiner Schule gehalten haben. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich eines Tages für Romane interessieren könnte. Und doch haben mich Ihre Geschichten begeistert. Ich habe gespart, um mir Ihr zweites Buch kaufen zu können. Aber da ich nicht genug Geld hatte, war ich mehrmals bei Barnes & Noble, bis ich es ausgelesen hatte.

Ich wollte mich einfach nur bedanken. 

*

Aurore und Tom verliebt beim Konzert der Kings of Leon?

Die Kings of Leon spielten Samstagnacht im Los Angeles Forum vor vollem Haus. Unter den Fans, die der Rockgruppe aus Nashville applaudierten, wurden auch die Pianistin Aurore Valancourt und der Schriftsteller Tom Boyd gesichtet, die sich sehr nahe zu sein schienen. Arm in Arm tauschten sie verliebte Blicke und tuschelten. Kurz, diese beiden sind sehr viel mehr als Freunde. Die Fotos sprechen für sich. Urteilen Sie selbst . . . 

*

Aurore Valancourt und Tom Boyd zusammen beim JoggingDer Wunsch, schlank zu bleiben, oder verliebtes Techtelmechtel? Aurore Valancourt und Tom Boyd haben jedenfalls eine lange Strecke Seite an Seite durch den noch verschneiten Central Park zurückgelegt. [. . .] 

*

Aurore Valancourt und Tom Boyd suchen eine Wohnung in Manhattan 

*

Das neue Buch von Tom Boyd wird vor Jahresende erscheinen

Der Verlag Doubleday kündigte gestern an, dass der letzte Band von Tom Boyds Saga im kommenden Herbst erscheint. Gute Nachrichten für die begeisterten Fans des Autors.

Der letzte Band der Angel-Trilogie – er trägt den Titel Mix-Up in Heaven – dürfte einer der großen Erfolge des Jahres werden. 

*

Tom sucht den perfekten Ring für Aurore

Der Schriftsteller hat drei Stunden bei Tiffany in New York verbracht auf der Suche nach dem perfekten Ring für die Frau, mit der er seit einigen Monaten liiert ist.

Eine Verkäuferin erzählt: »Er schien sehr verliebt zu sein und sehr bemüht, den Ring zu finden, der seine Freundin glücklich machen würde.« 

*

Betreff: Erinnerung an eine Liebe

Datum: 9. Mai 2009

An: thomas.boyd2@gmail.com

Dear Mr Boyd,

zunächst entschuldige ich mich für meine Schreibfehler. Ich bin Russin, und mein Englisch ist nicht perfekt. Ihr Roman wurde mir von einem Mann geschenkt, den ich in Paris kennengelernt und sehr geliebt habe. Als er mir das Buch übergab, hat er nur gesagt: »Lies, und du wirst verstehen.« Dieser Mann (er heißt Martin) und ich sind heute nicht mehr zusammen, aber Ihre Geschichte erinnert mich an unsere Beziehung, die mich erfüllt und glücklich gemacht hat. Wenn ich Ihre Bücher lese, kann ich der Wirklichkeit entfliehen. Mit dieser Mail möchte ich mich bedanken und wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrem Privatleben.

Svetlana 

*

Aurore Valancourt und Tom Boyd streiten sich in einem Restaurant 

*

Ist Aurore Valancourt Tom Boyd »untreu«? 

*

Aurore Valancourt und Tom Boyd: Das Ende einer Liebesgeschichte

Die berühmte Pianistin, die seit mehreren Monaten mit dem Schriftsteller Tom Boyd sehr glücklich gewesen zu sein schien, wurde letzte Woche in Begleitung von James Bugliari, dem Drummer der Rockgruppe The Sphinx, gesehen. 

*

Sicher haben Sie dieses Video schon gesehen . . . Es gehörte lange zu den meist aufgerufenen Clips auf YouTube und Dailymotion und erhielt unzählige Kommentare – die meisten spöttisch, andere aber auch mitfühlend.

Der Ort? Die Royal Albert Hall in London. Das Event? Die Proms, eine der berühmtesten Konzertreihen klassischer Musik, direkt übertragen von der BBC.

Am Anfang des Videos sieht man Aurore Valancourt die Bühne betreten, bejubelt von ihren Fans, die sich unter der prächtigen viktorianischen Kuppel von ihren Sitzen erhoben haben. In ihrem schwarzen Kleid, lediglich eine schlichte Perlenkette als Schmuck, begrüßt sie das Orchester, setzt sich an den Flügel und spielt die ersten Takte von Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54.

Während der ersten fünf Minuten lauscht das Publikum gebannt, ist betört von der Musik. Zunächst ungestüm, wird die Phrasierung freier, sanft wie ein Traum, bis . . .

. . . bis ein Mann, ungeachtet der Sicherheitsbarrieren, auf die Bühne klettert und auf die Pianistin zugeht.

»Aurore!«

Die junge Frau zuckt zusammen und stößt einen erstickten Schrei aus.

Während das Orchester abrupt aufhört zu spielen, tauchen zwei Leibwächter auf, die den Eindringling ergreifen und zu Boden drücken.

»Aurore!«, ruft er noch einmal.

Die Pianistin, die sich wieder gefasst zu haben scheint, erhebt sich und bedeutet den beiden Bodyguards, den Unruhestifter loszulassen. Nach einem Moment der Verwirrung herrscht jetzt eine befremdliche Stille im Saal.

Der Mann steht auf und steckt, um wenigstens den Anschein von Haltung zu wahren, das Hemd zurück in seine Hose. Seine Augen sind gerötet von Alkohol und Schlafmangel.

Er ist weder ein Terrorist noch ein Erleuchteter.

Nur ein verliebter Mann.

Nur ein unglücklicher Mann.

Tom nähert sich Aurore und macht ihr eine ungeschickte Liebeserklärung in der irrwitzigen Hoffnung, damit die Glut im Blick der noch immer Geliebten wieder entfachen zu können.

Doch Aurore, unfähig, ihre Verlegenheit zu verbergen oder seinem Blick standzuhalten, unterbricht ihn: »Es ist aus, Tom.«

Als Zeichen des Unverständnisses hebt er die Arme.

»Es ist aus«, murmelt sie und senkt die Augen.

*

Der Autor der Angel-Trilogie wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet

Am Freitag wurde der Bestsellerautor, der alkoholisiert mit 150 km/h über eine Straße mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h raste, von der Polizei festgenommen.

Statt sich reumütig zu zeigen, soll Boyd mehrere Polizeibeamte beleidigt und gedroht haben, für ihre Entlassung zu sorgen. Er wurde in Handschellen abgeführt und in eine Ausnüchterungszelle gesperrt. Boyd hatte 1,6 Promille Blutalkohol, die Promille-Obergrenze in Kalifornien liegt bei 0,8 Promille.

Wenige Stunden später wieder freigelassen, ließ er über seinen Agenten Milo Lombardo eine Entschuldigung verlesen. »Ich habe mich wie einer der letzten Idioten aufgeführt und mit meinem unverantwortlichen Verhalten nicht nur mein Leben, sondern auch das anderer gefährdet.« 

*

Das Erscheinen des letzten Bandes der Angel Trilogy verzögert sich

Der Verlag Doubleday hat soeben angekündigt, dass Tom Boyds neuer Roman erst nächsten Sommer erscheint. Die Leser müssen sich also noch acht Monate gedulden, um zu erfahren, wie die Erfolgssaga ausgeht.

Die Verzögerung, so heißt es, sei auf den angeschlagenen Zustand des Autors zurückzuführen, der nach einer schmerzvollen Trennung an einer Depression leide.

Diese Version wird aber von Boyds Agenten Milo Lombardo vehement zurückgewiesen: »Tom leidet keinesfalls unter einer Schreibblockade! Er arbeitet täglich äußerst hart, um seinen Lesern einen bestmöglichen Roman liefern zu können. Das kann jeder verstehen.«

Diese Erklärung scheint allerdings nicht alle Fans zu überzeugen! Innerhalb von einer Woche wurden die Büros von Doubleday mit Protestschreiben überschüttet. Es wurde sogar eine Petition ins Internet gestellt, in der verlangt wird, Tom Boyd möge seinen Verpflichtungen nachkommen. 

*

Betreff: Grüße aus Südkorea

Datum: 21. Dezember 2009

An: thomas.boyd2@gmail.com

Dear Mr Boyd. Ich werde Ihnen nicht mein Leben erzählen. Ich möchte Sie nur wissen lassen, dass ich unlängst wegen einer schlimmen Depression in einer psychiatrischen Klinik war. Ich habe sogar mehrmals versucht, meinem Leben ein Ende zu setzen. Während dieses Klinikaufenthalts hat mich eine Krankenschwester dazu überredet, eines Ihrer Bücher zu lesen. Ich hatte natürlich schon von Ihnen gehört – es ist kaum möglich, das Cover Ihrer Bücher in der Subway, im Bus oder auf den Caféterrassen zu übersehen. Doch bisher war ich der Meinung, Ihre Geschichten wären nichts für mich. Das war ein Irrtum. Ich weiß, das Leben ist nicht wie in einem Roman, doch ich habe in Ihren Plots und Ihren Hauptpersonen diesen kleinen, so wichtigen Hoffnungsschimmer gefunden.

Dafür danke ich Ihnen.

Yunjin Buym 

*

Tom Boyd in Paris verhaftet

Der Bestseller-Autor wurde letzten Montag am Pariser Airport Charles-de-Gaulle festgenommen, nachdem er sich mit dem Kellner einer Cafeteria geprügelt hatte, der ihn wegen seines angetrunkenen Zustands nicht bedienen wollte. Boyd wurde in Polizeigewahrsam genommen. Nach einer Befragung hat die Staatsanwaltschaft das Prozessdatum auf Ende Januar festgelegt. Boyd muss sich vor der Strafkammer von Bobigny wegen Störung der öffentlichen Ordnung, mutwilliger Beschädigung, Beleidigung und Körperverletzung verantworten. 

*

Betreff: Ihre treueste Leserin in Serbien

Datum: 25. Dezember 2009

An: thomas.boyd2@gmail.com

Dear Mr Boyd. Zum ersten Mal wende ich mich an jemanden, den ich nur über seine Bücher kenne!

Ich lehre Literatur in einem kleinen Dorf im Süden von Serbien, wo es weder Buchhandlungen noch Bibliotheken gibt. Erlauben Sie mir, Ihnen an diesem 25. Dezember frohe Weihnachten zu wünschen. Die Dunkelheit senkt sich über die verschneite Landschaft. Ich hoffe, dass Sie eines Tages unser Land besuchen . . . und warum dann nicht auch mein Dorf Rickanovica!

Danke für all diese Träume.

Herzlich,

Mirka

PS: Ich möchte Ihnen auch sagen, dass ich kein Wort von dem glaube, was in den Zeitungen und im Internet über Ihr Privatleben erzählt wird. 

*

Der Abstieg des Tom Boyd

Gestern Abend gegen 23 Uhr geriet der Bestsellerautor aus noch unbekanntem Grund mit einem Gast des Freeze, einer Szenebar in Beverly Hills, aneinander. Die Auseinandersetzung der beiden Männer endete in einer handfesten Schlägerei. Die Polizei, die schnell zur Stelle war, nahm den jungen Boyd fest, nachdem sie zehn Gramm Crystal Meth bei ihm gefunden hatte.

Boyd wurde wegen Drogenbesitzes verurteilt, auf Bewährung freigelassen, wird sich aber demnächst vor dem Obersten Gerichtshof von Los Angeles verantworten müssen.

Eines steht fest: Diesmal wird er einen guten Anwalt brauchen, um nicht im Knast zu landen. 

*

Betreff: Jemand Nettes

Datum: 3. März 2010

An: thomas.boyd2@gmail.com

Ich möchte mich Ihnen vorstellen: Ich heiße Eddy, bin 19  Jahre alt und bereite mich gerade auf meine Prüfung zum Konditor in Stains, einem Vorort von Paris, vor. Meine Schulzeit habe ich wegen meines schlechten Umgangs und meiner Vorliebe für Gras total versaut.

Aber vor einem Jahr ist ein tolles Mädchen in mein Leben getreten, und um sie nicht zu verlieren, habe ich beschlossen, mit dem ganzen Quatsch aufzuhören. Ich habe mich wieder ans Lernen gemacht, und mit ihr lerne ich nicht nur, sondern fange auch an zu verstehen. Unter den Büchern, die sie mir empfohlen hat, sind Ihre meine Favoriten: Sie bringen meine besten Seiten zum Vorschein.

Jetzt warte ich ungeduldig auf Ihre nächste Geschichte, doch mir gefällt überhaupt nicht, was in den Medien über Sie zu lesen ist. In Ihren Romanen sind meine liebsten Charaktere diejenigen, die es verstehen, sich selbst und ihren Werten treu zu bleiben. Wenn also etwas wahr am Inhalt Ihrer Bücher ist, dann geben Sie acht auf sich, Mister Boyd, und verlieren Sie sich nicht in Alkohol oder Drogen.

Und werden Sie kein Loser, so wie ich einer war . . .

Mit den besten Wünschen,

Eddy

 

1 Das Haus am Meer

Eine Frau, die nicht dumm ist, versucht,

wenn sie ein Bruchstück von einem Menschen trifft,

früher oder später, es zu retten. Das gelingt ihr manchmal.

Aber eine Frau, die nicht dumm ist, verwandelt,

wenn sie einen gesunden Mann findet,

ihn früher oder später in ein Bruchstück.

Das gelingt ihr immer.

Cesare Pavese

 

»Mach auf, Tom!«

Der Schrei verlor sich im Wind und blieb ohne Antwort.

»Tom, ich bin’s, Milo. Ich weiß, dass du da bist. Komm aus deiner Höhle, verdammt noch mal!«

Malibu

Los Angeles County, KALIFORNIEN

Ein Haus am Strand

Seit mehr als fünf Minuten stand Milo Lombardo jetzt schon auf der Terrasse des Hauses seines besten Freundes und trommelte mit den Fäusten gegen die Fensterläden.

»Mach auf, Tom, oder ich breche die Tür auf! Ich bin stark genug, wie du weißt!«

Milo, in elegantem Anzug, maßgeschneidertem Hemd und mit modischer Sonnenbrille, schien äußerst schlecht gelaunt.

Er hatte zunächst geglaubt, die Zeit würde Toms Wunden heilen, doch statt sich allmählich aufzulösen, hatte sich die Krise, die er durchmachte, nur noch verschlimmert. Während der letzten sechs Monate hatte der Autor das Haus kaum mehr verlassen und sich in seinem goldenen Käfig verbarrikadiert, ohne auf das Klingeln seines Handys oder das seiner Sprechanlage zu achten.

»Ich sage es noch einmal, Tom: Lass mich jetzt endlich rein!«

Jeden Abend hämmerte er an die Tür der Luxusresidenz, erhielt aber keine andere Antwort als die Beschwerden der verärgerten Nachbarn oder die unausweichliche Intervention der Security Guards, die über die Ruhe und Sicherheit in der Nobelenklave Malibu Colony wachten.

Dieses Mal aber hatte er genug vom Warten: Er musste handeln, bevor es zu spät war.

»Okay, du hast es nicht anders gewollt!«, drohte er wütend, legte sein Jackett ab und griff nach dem Brecheisen, das ihm Carole, eine Freundin aus Kindertagen, die inzwischen als Detective beim Los Angeles Police Department arbeitete, besorgt hatte.

Milo warf einen Blick hinter sich. Der Strand aus feinem Sand schlummerte unter der frühherbstlichen Sonne. An seinem Saum reihten sich die Luxusvillen auf, gleichsam vereint in demselben Bestreben, Ungebetenen den Zutritt zu versperren. Großindustrielle und Manager der Entertainment-Branche hatten hier ihr Domizil gewählt. Ganz zu schweigen von Filmstars wie Tom Hanks, Sean Penn, Leonardo DiCaprio, Jennifer Aniston, die alle ihren Besitz hier hatten.

Geblendet vom Sonnenlicht, blinzelte Milo. Etwa fünfzig Meter entfernt saß auf seinem Hochsitz ein gebräunter Adonis in Shorts, ein Lifeguard, der mit seinem Fernglas wie hypnotisiert die Surferinnen beobachtete, die sich dem Spiel der mächtigen Wellen des Pazifiks hingaben.

Nachdem er sicher war, freie Hand zu haben, machte sich Milo ans Werk.

Er schob das gebogene Ende des Brecheisens unter den Rahmen des Fensterladens und drückte den Griff mit aller Gewalt nach unten, bis die Holzlatten zersplitterten.

Hat man das Recht, seine Freunde vor sich selbst zu schützen?, fragte er sich und drang in das Haus ein.

Dieser Moment moralischer Zweifel aber war nur von kurzer Dauer. Einmal abgesehen von Carole, hatte Milo immer nur einen einzigen Freund auf dieser Welt gehabt, und er war zu allem bereit, um ihn seinen Kummer vergessen zu lassen und ihm neue Lebensfreude zu geben.

*

»Tom?«

Die Luft in dem dämmerigen Erdgeschoss war stickig und roch nach Verdorbenem. Schmutziges Geschirr stapelte sich in der Küchenspüle, und im Wohnzimmer sah es aus wie nach einem schweren Einbruch: umgestoßene Möbel, Kleidungsstücke waren am Boden verteilt, Gläser und Teller zerbrochen. Milo stieg über Pizzaschachteln, leere Aluschalen von Fertiggerichten, Bierflaschen und öffnete die Fenster, um Licht und frische Luft hereinzulassen.

Das in L-Form gebaute Haus besaß zwei Stockwerke und ein unterirdisches Schwimmbad. Trotz der Unordnung strahlte es mit seinen Möbeln aus Ahornholz, dem honigfarbenen Parkett und der Fülle an natürlichem Licht eine friedliche Atmosphäre aus. Die Einrichtung war eine Mischung aus Vintage- und Designmöbeln und vereinte modernes Mobiliar mit klassischem, das aus einer Zeit stammte, zu der Malibu noch ein Strand für Surfer und nicht der Rückzugsort von Milliardären war.

Tom lag zusammengerollt auf seinem Sofa. Ein Angst einflößender Anblick: blass, mit struppigem Haar, das Gesicht halb verborgen unter einem Bart à la Robinson Crusoe – so hatte er nichts mit den Fotos auf der Rückseite seiner Romane gemein.

»Los, los, auf!«, rief Milo.

Er trat ans Sofa. Auf dem Couchtisch lagen mehrere zerknüllte Rezepte von Dr. Sophia Schnabel, der »Psychiaterin der Stars«, deren Praxis in Beverly Hills einen Großteil des örtlichen Jetsets mit mehr oder weniger legalen Psychopharmaka versorgte.

»Wach auf, Tom!«, brüllte Milo fast und kniete neben seinem Freund nieder.

Misstrauisch beäugte er die Etiketten auf den Tablettenröhrchen, die am Boden und auf dem Tisch verstreut lagen: Vicodin, Valium, Xanax, Zoloft, Stilnox. Eine höllische Mischung an Schmerzkillern, Beruhigungsmitteln, Antidepressiva und Schlaftabletten. Der tödliche Cocktail des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

»Verdammt!«

Voller Panik, weil er eine Medikamentenvergiftung befürchtete, packte er Tom bei den Schultern und schüttelte ihn, um ihn aus seinem künstlichen Schlaf zu reißen.

Nach einer Weile schlug der Schriftsteller schließlich die Augen auf.

»Was, zum Teufel, tust du hier?«, murmelte er.

Guillaume Musso

Über Guillaume Musso

Biographie

Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren und kam bereits im Alter von zehn Jahren mit der Literatur in Berührung, als er einen guten Teil der Ferien in der von seiner Mutter geleiteten Stadtbibliothek verbrachte. Da die USA ihn von klein auf faszinierten, verbrachte er mit 19 Jahren mehrere...

Kommentare zum Buch

Echte Freundschaft
walli am 27.11.2017

Der Autor Tom Boyd hat zwei äußerst erfolgreiche Romane geschrieben. Er ist auf der Höhe seines Schaffens als seine Verlobte sich von ihm trennt. Eine Trennung, die Tom nicht verwindet. Alles, was so schön war, wandelt sich ins Negative. Tom, der Liebling aller, ist plötzlich der, der um sich schlägt, der mit Alkohol und Tabletten erwischt wird. Sein bester Freund und Agent Milo hat dann in der Finanzkrise zu hoch gepokert und das ganze Vermögen der beiden Freunde verloren. Durch einen dummen Zufall wird die Schmuckausgabe vom Toms zweiten Roman nur bis zur Hälfte gedruckt, der Rest der Seiten ist weiß. Tom ist wirklich am Boden. Da steht auf einmal Billie vor seiner Tür, die behauptet, aus seinem Buch gefallen zu sein.   So ein Quatsch, denkt nicht nur Tom. „Und sie fiel..“ so ungefähr genau vor seine Füße. Aber sie ist überzeugend diese Billie, sie kennt die Person aus dem Roman, sie kennt, die kleinen Dinge des Lebens, die nicht im Roman auftauchen. Kann es also sein? Und der Deal ist, wenn Tom ihr hilft ins Buch zurückzukommen, hilft sie ihm die Liebe seiner Ex-Verlobten wieder zu erlangen. Das ist der Deal und der reicht immerhin, um sich von Los Angeles auf den Weg nach Mexico zu machen.   Ein Buch, das fasziniert, aber das auch Unglauben auslöst. Man zweifelt, man überlegt, wenn man doch ein so guter Freund ist wie Milo, was hätte man selbst getan. Man kommt auf eine Idee, und man denkt sich, ja wenn es so und so wäre, dann könnte noch viel mehr aus der Geschichte werden. Der Roman zeichnet eine kleine Odyssee nach, auf deren Weg mal viel Mitgefühl für die fein und vielschichtig gezeichneten Charaktere empfindet. Würde nicht immer dieser Unglaube an einem nagen, der Zweifel, die Erwartung, das Tom nach einem bestimmten Ereignis aufwacht und alles war nur der Bewusstlosigkeit geschuldet und seine Situation ist genauso bescheiden wie zuvor.   Zum guten Schluss entwickelt der Autor einen wirklich raffinierten Dreh, der einen schließlich doch für das Buch einnimmt und einem den Glauben an den Autor und dessen Stärke, tolle Geschichten erfinden zu können, wiedergibt.

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