Andreas Brandhorst über »Das Arkonadia-Rätsel«


 

 

 

Andreas Brandhorst stellt sich im Interview seinen Lesern vor und lässt die Figuren aus seinem neuen Roman »Das Arkonadia-Rätsel« zu Wort kommen.

©Lutz Weil

Wie sieht die erste Stunde Ihres Tages aus?
Die erste Stunde meines (Arbeits-) Tages verbringe ich normalerweise damit, E-Mails und Mitteilungen zu beantworten, die mich über meine Webseite oder Facebook erreichen. Ich beantworte jede Mail und jede Messenger-Anfrage.

Hören Sie Musik beim Arbeiten? Wenn ja, welche?
Am liebsten höre ich Heavy Metal, aber auch, je nach Laune, Techno und Hardstyle. Wenn ich in einer ganz besonderen Stimmung bin, kann es manchmal auch klassische Musik sein.

Welche drei Bücher haben Sie am meisten beeinflusst?
Ich bin nicht in dem Sinne von Büchern beeinflusst worden, aber wenn die Frage lautet, welche Bücher mich besonders beeindruckt haben: »Hyperion« von Dan Simmons im fantastischen Bereich sowie »Stoner« von John Williams und »Das schönste Wort der Welt« von Margaret Mazzantini (der italienische Orginaltitel Venuto al mondo, »Zur Welt gekommen«, ist viel besser und trifft den Kern des Buches) in der allgemeinen Literatur. Jedes dieser drei Bücher ist auf seine eigene Art und Weise ein Meisterwerk.


Was hat Sie dazu bewegt das zu tun, was Sie heute tun?

Ich habe schon immer schreiben wollen. Meine ersten Geschichten schrieb ich, als ich gerade schreiben gelernt hatte, mit sieben oder acht Jahren. Es liegt mir im Blut.


Ich habe zu Hause den allerersten Roman zum deutschen Rollenspiel »Das schwarze Auge« – er heißt »Das eherne Schwert«, stammt aus dem Jahr 1985. Als DSA-Fan war ich begeistert, als ich festgestellt habe, dass das von Ihnen ist. Wie kamen Sie dazu?

Ich kannte Werner Fuchs, der das Rollenspiel »Das Schwarze Auge« herausbrachte, und als die Idee zu einer Romanreihe um DSA entstand, machte Werner mir das Angebot, den ersten Roman zu schreiben. Ich habe das Angebot damals sehr gern angenommen, und das Ergebnis ist »Das eherne Schwert«.

Warum haben Sie sich entschieden, Science-Fiction zu schreiben?
Science Fiction ist die größte aller Bühnen, auf der praktisch alles geschehen kann. Sie ist so groß wie das Universum und setzt der Kreativität keine Grenzen. Die Science Fiction gibt mir als Autor die größtmögliche Freiheit. Aber ich schreibe nicht nur SF, sondern auch Gegenwartsliteratur wie zum Beispiel »Das Erwachen« (im Herbst 2017 in der Belletristik-Reihe von Piper) und »Schutzengel« (Herbst 2018 bei Piper-Belletristik). Beides hat seinen Reiz.

Gibt es auch Science-Fiction-Geschichten, die Sie inspirieren? Haben Sie Vorbilder?
Nein, ich habe keine Vorbilder in der Art von: Ich möchte gern so schreiben wie der Autor X in seinem Roman Y. Es gibt SF-Romane, die mich stark beeindruckt haben, zum Beispiel – wie schon erwähnt – »Hyperion« von Dan Simmons oder »Dune (Der Wüstenplanet)« von Frank Herbert. Aber ich bin auch von anderen Romanen beeindruckt, und viele von ihnen gehören zur allgemeinen Literatur. Inspirationen erwachsen aus all dem, was man liest, hört und sieht.


Wie holen Sie sich Ideen für neue Welten, die Technik, die Rassen?
Da gibt es kein Geheimrezept. Ideen fallen nicht auf einen herab, oft sind es zarte Pflänzchen, die gehegt und gepflegt werden müssen. Nachdenken kann nicht schaden. :) Die besten Ideen habe ich beim täglichen Laufen, wenn der Körper arbeitet und der Geist frei ist. Dann können die Gedanken die Richtung einschlagen, die sie wollen, mit manchmal sehr überraschenden Ergebnissen.

Sind Sie ein Autor, der eine Botschaft verbreiten möchte?
Nein. Ich möchte niemanden belehren und es nicht einmal versuchen. Trotzdem enthält jeder Roman eine Botschaft, ein zentrales Thema, das mir am Herzen liegt.

Was für eine Zukunft würden Sie gerne erleben?
Meine eigene. :)

Nach »Omni«, spielt auch Ihr aktueller Roman »Das Arkonadia-Rätsel« im Omniversum. Können Sie kurz skizzieren, um was es geht?

Es geht um Omni, einen Bund von mächtigen Völkern, der in der Milchstraße über die Entwicklung von Leben und Zivilisationen wacht. Und es geht um den fernen Planeten Arkonadia, auf dem es alle 453 zu einem Phänomen kommt, das technologischen Stillstand und Chaos bewirkt. Jasper und Jasmin, bereits bekannt aus dem Roman »Omni«, erhalten von Omni den Auftrag, das Rätsel von Arkonadia zu lösen, und dabei stoßen sie auf ein Geheimnis, das eine Milliarde Jahre alt ist und auch Omni betrifft …

Zu Ihren Protagonisten Jasper, Jasmin, Zirzo, General Tailos und Samantha. Würden Sie diese kurz vorstellen?
Jasper und Jasmin sind Vater und Tochter, zwei Menschen, die das Angebot erhielten, als Reisende in die Dienste von Omni zu treten, eines Bunds von Superzivilisationen, der über das Leben in der Milchstraße wacht. Sie sind beauftragt, das Rätsel von Arkonadia zu lösen. Zirzo ist ein alter, kranker Werkzeugmacher auf dem Planeten Arkonadia, der beste seiner Zunft. General Tailos von den Jannaschi verlangt von ihm die Herstellung eines ganz bestimmten Werkzeugs, mit dem sein Sohn zum Regenten werden soll, zum Alleinherrscher über Arkonadia. Samantha ist eine auf Arkonadia verschollene menschliche Frau, die ebenfalls in den Diensten von Omni steht, aber viel älter ist als Jasper und Jasmin, nämlich zehntausend Jahre.


Übergeben wir das Wort an die wahren Helden – die Figuren aus Ihrem Roman


Jasper und Jasmin, fangen wir doch mit Ihnen an. Sie sind ja als Vater-Tochter-Gespann für Omni unterwegs. Wie kam es dazu, dass Sie als Menschen bei dem Bund der Superzivilisationen mitmachen?

Jasper: Aurelius, den wir auf der alten Erde begraben haben, hat uns gewissermaßen als seine Nachfolger ausgewählt. Noch sind wir nur auf Probe bei Omni; wir müssen uns bewähren. Die physische Anpassung haben wir bereits hinter uns. Wir altern nicht mehr und genießen relative Unsterblichkeit. Wir nehmen keine Nahrung mehr zu uns und ernähren uns von Kontinua-Energie. Und wir haben kein Geschlecht mehr, wir sind weder Mann noch Frau, nur noch Menschen. Aber wenn wir den hohen Anforderungen von Omni nicht genügen und uns die Superzivilisationen aus ihren Diensten entlassen, werden die Veränderungen rückgängig gemacht. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir bei Omni bleiben könnten. Dann hätten wir im Lauf der kommenden Jahrtausende Gelegenheit, viele Wunder der Galaxis kennenzulernen.

Jasmin: Ich war ein wenig skeptisch, als wir die Entscheidung trafen, Aurelius' Nachfolge anzutreten. Und um ganz ehrlich zu sein: Ich bin es noch immer, ein bisschen. Ich möchte Omnis Macht endlich nutzen können, um anderen Lebensformen und Zivilisationen konkret zu helfen. Hoffentlich bekommen wir bald Gelegenheit dazu!

Damit Sie die Arbeit für Omni leisten können, mussten Ihre Körper modifiziert werden. Was genau wurde da mit Ihnen gemacht? Und wie fühlt es für sich für Sie an? Erleben Sie da einen Verlust Ihrer Menschlichkeit?

Jasper: Unser Stoffwechselsystem wurde verändert, was Magen und Darm überflüssig machte. Wir nehmen keine Nahrung mehr auf, sondern Kontinua-Energie, die uns am Leben erhält. Wir altern auch nicht mehr. Rein theoretisch könnten wir ewig leben.

Jasmin: Rein theoretisch, Vater, aber zwischen Theorie und Praxis gibt es wie immer einen großen Unterschied. Wir können sterben, zum Beispiel bei einem Unfall oder durch Gewaltanwendung. Übrigens fehlt uns nach der Behandlung auch etwas, nämlich die Geschlechtsteile. Wir sind vor allem Menschen, weniger Mann und Frau.

Buchblock »Das Arkonadia-Rätsel«


Als Reisende in einem riesigen Universum kommen Sie mit den verschiedensten Völkern und Rassen in Kontakt. Gewöhnt man sich da irgendwann daran? Oder ist das immer wieder neu und aufregend?
Jasper: Wie kann man sich an etwas gewöhnen, das immer anders und neu ist? :)
Jasmin:
Mein Vater hat recht: Es gibt unzählige Wunder in der Galaxis, und wir sind immer wieder aufs Neue fasziniert.

Wie ist es für Sie als Vater und Tochter so lange zusammen auf Mission zu sein?

Jasper: Manchmal vergessen wir, Vater und Tochter zu sein. Oft sind wir vor allem gute Freunde.

Jasmin: Es kommt euch vor, dass wir uns streiten, und ja, ich kann ziemlich dickköpfig sein. Aber wir kriegen uns schnell wieder ein. Immerhin sind wir bei Omni die einzigen Menschen weit und breit.

Zirzo, Sie genießen auf Arkonadia einen ausgezeichneten Ruf als sogenannter Werkzeugmacher. Können Sie bitte kurz erklären, was Sie da genau machen und warum dieser Beruf so wichtig ist?

Zirzo: Ich baue Werkzeuge für den Zugang zum Nerox, das alle 453 bei uns erscheint. Wer hineingelangt, kann große Macht erringen und zum Regenten über den ganzen Planeten Arkonadia werden. Meine Werkzeuge, Schlüssel für das Nerox, sind die besten!

Sie sind ja ein sehr hingebungsvoller Künstler. Wie erhalten Sie Ihre Inspirationen?

Zirzo: Es ist eine Gabe, es liegt mir im Blut. Wenn ich Werkzeuge anfertige, scheinen sich meine Finger von ganz allein zu bewegen.

Haben Sie noch eine Vision, die Sie unbedingt umsetzen möchten?

Zirzo: Ja, ich möchte meine grüne Figur beenden, ein Werkzeug ganz besonderer Art. Davon träume ich seit vielen, vielen Jahren.

General Tailos, Sie nehmen in »Das Arkonadia-Rätsel« ja eher die Rolle des Antagonisten ein. Sehen Sie das auch so?

Tailos: Was heißt hier Antagonist? (Bewegt den Nasenrüssel). Ich bin Tailos, General der Jannaschi.

Was haben Sie sich von Zirzos Werkzeug versprochen? Was wollten Sie erreichen?

Tailos: Zirzos Werkzeug, das beste auf ganz Arkonadia, wird meinem tapferen Sohn Lotin Zugang zum Nerox verschaffen und ihm helfen, zum Weltregenten zu werden. Jawohl, wir sprechen hier von meinem Sohn!

General, wenn Sie an unsere Erdenpolitik denken – gibt es da jemanden, den Sie als Vorbild bezeichnen würden?

Tailos: Ein Vorbild? Auf Ihrer Erde? Ha! Welche Generäle Sie dort auch haben mögen – sie sollten sich ein Vorbild an mir nehmen!

Samantha, Sie haben sich in der Milchstraße ja schon einige Zeit umgesehen. Was hat Sie auf Ihrer Reise am meisten fasziniert?

Samantha: Das Leben, in allen seinen Formen. Wie es aus unbelebter Materie wächst, sich entfaltet, entwickelt und nach Höherem strebt. Das ist es, was mich immer wieder fasziniert: die Kraft des Lebens

Sie haben so viele Zivilisationen gesehen. Gibt es etwas, was alle gemeinsam haben?

Samantha: Jede dieser Zivilisationen ist einzigartig, mit einer einzigartigen, individuellen Geschichte, die erforscht und verstanden werden will. Wenn Zivilisationen etwas gemeinsam haben, so ist vielleicht der Wunsch, zu lernen und in einem wilden, gefährlichen Kosmos zu überleben.

Ein sehr wichtiges Thema momentan ist die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Wie erleben Sie das? Ist das angesichts so vieler verschiedener Welten noch ein Thema?

Samantha: Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein Thema bei Ihnen? Na so was. Wie rückständig! Dort, wo ich herkomme, ist nicht nur die Gleichberechtigung von Mann und Frau, sondern auch die Gleichberechtigung aller intelligenten Lebensformen, seit langer, langer Zeit eine Selbstverständlichkeit.

Wenn Sie noch einen Tag zu leben hätten, was würden Sie tun?

Samantha: Ihn leben, so gut wie möglich, mit offenen Augen.

 

Vielen Dank für das Interview!



Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, zählt zu den erfolgreichsten Science-Fiction-Autoren unserer Zeit. Mit dem »Kantaki«-Zyklus gelang ihm der Durchbruch. Seither sind spektakuläre Zukunftsvisionen zu seinem Markenzeichen geworden. Mehrfach wurde sein Werk mit den bedeutendsten Preisen des Genres ausgezeichnet. Andreas Brandhorst hat viele Jahre in Italien gelebt und ist inzwischen in seine alte Heimat in Norddeutschland zurückgekehrt.

Mehr Informationen finden Sie unter:
Web: https://andreasbrandhorst.de/
Facebook: https://www.facebook.com/andreas.brandhorst.autor

Buchblog: Am Dienstag, 04. Juli 2017 von Piper Verlag

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