David Lagercrantz über Alan Turing
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David Lagercrantz

David Lagercrantz über seine Faszination für das Genie Alan Turing

Donnerstag, 10. Dezember 2015 von Piper Verlag


Alan Turing antwortete David Lagercrantz auf die Frage eines Journalisten, welcher Person der Weltgeschichte er am liebsten begegnen würde. Im Nachwort zu „Der Sündenfall von Wilmslow“ erklärt er seine Faszination für dieses berühmte Genie und wie ihn die originalen Ermittlungsakten zu seinem Ermittler Leonard Corell inspirierten.

Ich war jung, kleidete mich schwarz und wollte um jeden Preis intellektuell werden, und deshalb bewunderte ich natürlich Ludwig Wittgenstein, den Urtyp des großen Denkers.

Ich war verhext von seiner Lebensgeschichte und seiner Kompromisslosigkeit, aber seine Philosophie sprach mich nie an, obwohl ich das natürlich nicht zugab, und vielleicht verhielt ich mich zu Wittgenstein wie zu meinen Hardrockgruppen einige Jahre zuvor. Ich mochte sie nicht, fand es aber angesagt, so zu tun, als ob, doch am Ende begehrte ich gegen die Autoritäten auf. Mit der ganzen Arroganz der Jugend erklärte ich, der große Philosoph gehe mich nichts an, und diese Worte ebneten den Weg für mein Interesse an Alan Turing. Turing war in Wittgensteins Biografie eine Fußnote.

Die beiden hatten 1939 über die Bedeutung von Widersprüchen in logischen Systemen diskutiert, und auch das klang eher nach einer akademischen Haarspalterei, doch dann entdeckte ich in einem Nebensatz, Turings Arbeit mit Paradoxen habe zum modernen Computer geführt, und das erschien mir bemerkenswert. Wie konnte ein kleines abstraktes Problem, das dermaßen isoliert zu sein schien, etwas so Bedeutendes und Handfestes erschaffen? Ich versuchte, mich einzulesen, doch es gelang mir nicht, die Dinge richtig zu verstehen, noch war ich übermäßig fasziniert. Die Computer waren zu jener Zeit ja auch noch nicht so großartig – es war weit vor dem Internet –, und ich gab auf. Mein Leben nahm eine neue Richtung. Ich studierte Journalismus und verbrachte einige Jahre mit Dummheiten. (Nun ja, nicht nur Dummheiten.) Aber es dauerte, bis ich die Möglichkeit bekam, mich wieder den Grübeleien der Studienjahre zuzuwenden. Auf dem Höhepunkt des IT-Booms begann ich eine Biografie des Erfinders Håkan Lans. Es wurde ein spannendes Projekt, aber am Anfang war es lähmend langweilig.

Ich pflügte mich durch Patentanmeldungen, und die ganze grässliche Juristenprosa stand mir bis zum Hals. Ich kam auf die Idee, das Buch zu retten, indem ich auch die Geschichte des Computers erzählte. (Jedermann sprach damals von der gesegneten Zukunft des Computers, doch nur wenige interessierten sich dafür, wie alles angefangen hatte.) Dabei stieß ich erneut auf den Namen Alan Turing, und diesmal las ich mich gründlicher ein und war gefesselt, nicht nur von seinem Denken und von der Entschlüsselung der Codes in Bletchley, sondern vom Ergreifenden in seiner ganzen Gestalt, seinem Stottern und seiner gehemmten Persönlichkeit.

Dennoch reifte die Idee, einen Roman über ihn zu schreiben, nur langsam, und im Nachhinein denke ich, dass die alte klassische Frage „Welcher historischen Person würdest du am liebsten begegnen?“ ein auslösender Faktor war. Ein junger Journalist aus Umeå stellte sie mir, und ich behandelte sie mit einem gewissen Ernst. Wen wollte ich treffen? Irgendeine Größe der Geschichte und dastehen und vor ihrer Majestät erzittern? Nein, es wäre natürlich besser, mit ein wenig Licht aus der Zukunft zu kommen, und dann würde einer der in ihrer Gegenwart Verkannten, aber später Berühmten doch gut passen, wie Kafka oder warum nicht Van Gogh. Ich entschied mich für Turing und sagte, ich wolle an einem der letzten düsteren Tage seines Lebens in Wilmslow an seine Tür klopfen und etwas Freundliches sagen, das ein Lächeln in seinem Gesicht aufleuchten ließe. Diese Szene blieb in mir haften, und ich begann mit Recherchen zu diesem Thema.

Ich fand bedauerlich wenig über sein Innenleben. Im Unterschied zu so vielen Autoren hatte er seine Gefühle nicht in langen Briefen verströmt. Er blieb eine schwer zu greifende Gestalt, und wie um Himmels willen sollte ich seine Mathematik in einem Roman ausbreiten? Ich konnte kaum in seinen Kopf eindringen. Nein, ich benötigte einen Doktor Watson, der ihn von außen sah und Turings Ideen auf sein eigenes Niveau übertrug, aber wer sollte das sein, ein Freund, ein Liebhaber?

Lange kam ich nicht weiter und erwog, mich etwas Einfacherem zuzuwenden, aber eines Abends landete ich im Internet im Turing Digital Archive, und dort fand ich die polizeiliche Ermittlung, die nach seinem Tod durchgeführt wurde, eine miserable Ermittlung, schlecht geschrieben und allem Anschein nach rein routinemäßig durchgeführt. Ich stellte fest, dass ein gewisser Kriminalinspektor Cottrell sie verfasst hatte. Es war der Herbst 2005, und an einem jener Tage ging ich am Skeppsbron in Stockholm entlang, ohne dem Buch auch nur einen Gedanken zu widmen. Da kam mir die Idee: Selbstverständlich musste der Polizeibeamte mein Held sein, nicht gerade Cottrell, sondern eine gewitztere, hungrigere Person, die ein Geheimnis ahnte, ja, die begriff, dass sich hinter dem, was wie der einfache Selbstmord eines verurteilten Homosexuellen aussah, in Wahrheit etwas viel Größeres verbarg.

Das Buch musste ganz einfach mit dem Ende beginnen, mit Turings Tod, und mit dem Polizisten, der ihn im Bett neben dem halben Apfel findet. Ich sah ein, dass die Geschichte dann nicht nur ein klassischer Bildungsroman sein konnte. Wie ein Kriminalroman würde sie auch von dem Rätsel vorangetrieben werden können, das Turings Leben umgab, und ich würde Möglichkeiten erhalten, die Klischees des Kalten Krieges von innen heraus zu hinterfragen und ein wenig mit den Schablonen des Spionageromans zu spielen.

 

In meinem Corell schuf ich eine Art Spiegelgestalt zu Turing, eine Figur, die Züge von mir selbst annehmen konnte, genauso wie einige weitere fiktive Gestalten, Farley, Vicky, Fredric Krause und Pippard. Doch dann war da der Mathematiker selbst. Alle ihn betreffenden Fakten versuchte ich korrekt zu beschreiben, und ich rang mit seinen Theoremen und Gedanken, weiß Gott, und natürlich fuhr ich nach England. Auch da war Herbst, und herrje, wie ich mich sofort in Cambridge verliebte! Die Stadt umbrauste mich wie eine Oper, und ich ging umher und dachte an Alan Turing, schlenderte durch das Torgewölbe vom King’s College, an der Kapelle vorbei, stieg eine Treppe hinauf zum Lesesaal des Archivs. Selbstverständlich gab ich mir Mühe, weltgewandt auszusehen, doch ich fühlte mich winzig und schrieb auf kleine weiße Zettel, welche Dokumente ich einsehen wollte. Dann wartete ich in der ein wenig feierlichen Stille. Als mein kleiner Kasten hereingebracht wurde, nahm ich seine alten Briefe in die Hand und roch an ihnen, als erwartete ich, jenen Bittermandelgestank wahrzunehmen, aber vor allem erinnere ich mich daran, wie ein Umschlag mit etwas Hartem herausfiel. Ich hatte diesen Umschlag nicht bestellt und öffnete ihn ein wenig geistesabwesend. Darin lag ein schöner englischer Teelöffel, und ich wog ihn eine Weile in der Hand: Was ist das hier?

 

Es war ein Löffel, den Alan Turing in einer jener Nächte in seiner Hobbywerkstatt in Wilmslow vergoldet hatte, und es versetzte mir einen Stoß. Hatte auch er diesen Löffel in der Hand gehalten? Ich verspürte eine Lust, ihn in meine Tasche gleiten zu lassen, fragte mich jedoch stattdessen, warum er hier im King’s College gelandet war. Hätte ein so feines Stück nicht an einen Erben gehen müssen?

Es zeigte sich, dass Sara Ethel, Turings Mutter, ihn als eine Einlassung in der Debatte um den Tod ihres Sohns dorthin geschickt hatte. Alans Freunde und die Polizei sowie der Untersuchungsrichter Mr Ferns – der wirklich gesagt hatte, dass ein impulsgesteuertes Handeln typisch sei für das Verhalten eines Mannes dieser Art – waren ja alle überzeugt, dass es sich um Selbstmord handelte, und das empörte Mrs Turing. In ihrer Welt konnte sich der Sohn unmöglich das Leben genommen haben, und ihr bester Beweis dafür war der Löffel.

 

Der Löffel war mit dem Gold einer alten Uhr vergoldet worden, und zur Durchführung einer solchen Prozedur ist Zyankali erforderlich. Alan musste ganz einfach unvorsichtig gewesen sein, meinte sie, und das klang wohl ein wenig wie der klassische Versuch einer Mutter, den Schmerz der Trauer zu mildern. Aber es brachte mich dazu nachzudenken, und ich ging erneut die Umstände seines Todes durch. Es war leicht, der Mutter darin recht zu geben, dass die ganze Prozedur seltsam umständlich gewesen zu sein schien. Wenn Alan Turing sich nur das Leben nehmen wollte, warum hängte er dann Stromleitungen an die Decke und kochte einen ganzen Kessel Zyanid auf der Heizplatte?

Natürlich wusste ich auch, dass der Mutter und den Freunden entscheidende Informationen nicht zugänglich waren. Keiner von ihnen hatte eine Ahnung davon, auf welch extrem sensiblen Kenntnissen Turing saß und wie ängstlich er vom Nachrichtendienst überwacht wurde. Die Geheimhaltung aus der Kriegszeit war in den 1980er-Jahren noch kaum gelockert worden, als schon Konspirationstheorien zu florieren begannen, dass er aus dem Weg geräumt worden sei. Konnten diese verzwickten Umstände Anzeichen für einen Mord sein?

 

Diese Frage war eine wunderbare Versuchung für einen Autor, der sein Buch in der Art eines Kriminalromans einzuleiten gedachte. Ein Mörder, eine Verkörperung des ganzen britischen Argwohns und Verfolgungswahns während des Kalten Krieges, würde natürlich leicht diesen Platz ausfüllen, ja, eine Weile machte ich mir Sorgen, die Leute könnten enttäuscht sein, falls ich keine derartige Figur aus dem Hut zaubern konnte, wenn am Ende des Buchs die Fäden verknüpft werden. (Es heißt ja zuweilen, dass gewisse Genres einen Pakt mit dem Leser schließen.)

Aber nein, je mehr ich darüber las, desto weniger glaubte ich daran und desto weniger Lust bekam ich, den Gedanken auch nur zu denken. Hier war beispielsweise der alte, richtige Polizist Cottrell trotz allem eine Hilfe, weil er so deutlich geschrieben hatte, die Gesichtszüge des Toten seien ergeben und resigniert gewesen. Nein, ich tendierte mehr und mehr zu der Theorie von Andrew Hodges, Turing habe seinen Tod so arrangiert, damit die Mutter glauben konnte, es habe sich um ein Unglück gehandelt, ein Experiment mit Elektrizität und Zyanid, das schiefgegangen sei; vor allem fand ich, dass ein Mörder im traditionellen Sinn – besonders einer, an den ich nicht glaubte – der Geschichte ihre Stärke nehmen würde.

 

Dass Alan Turing faktisch an den Rand der Verzweiflung getrieben worden war, bewies die Schwere der Übergriffe gegen ihn, und ich war froh, als Lotta Olsson in ihrer feinen Rezension in Dagens Nyheter schrieb, dass „Mord nicht notwendigerweise von dem begangen wird, der den vergifteten Apfel in der Hand hält“.

Dahinter kann sich eine ganze schuldige Mitwelt befinden.

 

In meinem Roman versuchte ich, Turings wesentlichste Gedanken zu popularisieren, doch natürlich fand nicht alles Eingang in das Buch, und jetzt im Nachhinein ist es vor allem eine seiner Zeilen, die sich bei mir festgesetzt hat: „Wir dürfen hoffen, dass Maschinen eines Tages in allen intellektuellen Bereichen mit dem Menschen konkurrieren können.“ Dies schrieb er im Jahre 1950, und sicher, vielleicht kann man darauf hoffen, auf jeden Fall, wenn man ein in neuen Bahnen denkender einsamer Sonderling in Wilmslow ist, aber dennoch … wenn Maschinen mit uns wetteifern können, können sie uns wohl auch überholen, und was geschieht dann?

Ja, rein logisch gesehen sollten sie dann auch etwas erschaffen können, was intelligenter ist als sie selbst, oder zumindest über die Fähigkeit verfügen, kleine Verbesserungen an ihrer Konstruktion vorzunehmen, und diese neuen Updates sollten ja ihrerseits sich selbst weiterentwickeln können, nicht wahr, und bald stehen wir Menschen da und sind für die neueste Maschine nicht interessanter als kleine weiße Mäuse.

 

Ich erinnere mich, dass ich diesen Gedanken zuerst mit Håkan Lans diskutierte und dass er ihn daraufhin als ein Argument gegen die Möglichkeiten der Forschung zur Künstlichen Intelligenz verwendete. Die Konsequenzen eines Computers, der schlauer ist als wir, sind schwindelerregend, ja nahezu paradoxal.

Aber damals kannte ich die umfassende Forschung nicht, die auf diesem Feld schon stattfindet, und auch die Besorgnis nicht, die real existiert, keineswegs nur bei von Matrix und Terminator faszinierten Narren. Das Mooresche Gesetz – dass sich die Kapazität des Computers alle zwei Jahre zu verdoppeln scheint – sowie die Erfahrung, dass die technischen Paradigmenwechsel immer dichter aufeinandergefolgt sind, ja die Tatsache als Ganzes, dass wir uns in einer zunehmend beschleunigten Entwicklungsspirale befinden, haben dazu geführt, dass viele herausragende Theoretiker wie Bill Joy, einer der Gründer von Sun Microsystem, es verhängnisvoll ahnungslos findet, den Gedanken einfach abzutun, wir könnten eines schönen Tages von der Technik überholt werden.

 

Jack Good, Freund und Kollege von Turing in Bletchley Park und später Berater von Stanley Kubrick bei 2001: Odyssee im Weltraum (Sie wissen, mit dem Supercomputer HAL), hat es sehr hübsch formuliert: „Die ultraintelligente Maschine ist die letzte Erfindung, die der Mensch zu machen braucht!“ Danach bleibt nur noch eine Entwicklung jenseits unserer Kontrolle, eine „technologische Singularität“, um den derzeit geläufigen Terminus zu benutzen. (Schlagen Sie den Ausdruck bei Wikipedia nach, und lesen Sie, was zum Beispiel der Physiker Stephen Hawking dazu sagt.)

Es lohnt sich, über das Szenario nachzudenken, und sei es nur, um seine Perspektiven zu erweitern und einen Schritt weiter zu denken. Aber was mich besonders verwundert – vor allem, nachdem ich Douglas Hofstadters Life and Legacy of a great Thinker gelesen habe –, ist, dass Turing selbst nichts hierüber schreibt, obwohl er doch glaubte, Computer könnten schon in unserer Zeit seinen Turing-Test bestehen.

 

Meinte er wirklich, dass die Maschinen danach durch eine Art mystischen Prozess in der Entwicklung innehalten würden, oder dachte er, ein wenig wie Håkan Lans, dass das menschliche Gehirn aufgrund eines ihm innewohnenden Gesetzes nichts Klügeres als es selbst zu schaffen vermag, nicht einmal, wenn tausend und abertausend Hirne zu diesem Zweck zusammenarbeiten? Nein, das kann ich nicht glauben, nicht von Alan Turing, der auch davon sprach, wie das Einfache, Seelenlose, unabhängig davon, ob es sich um Neuronen oder um Elektronik handelt, in einer komplexen, vielleicht quantenmechanischen Struktur etwas unerhört Ausgeklügeltes zu bilden vermag. Nun kann man sich natürlich wie der Philosoph und Erfinder Ray Kurzweil eine gute Welt mit ultraintelligenten Maschinen vorstellen, eine Zukunft, in der unser Gehirn mit Nanotechnik verlinkt ist und in der die Computer ihren Schöpfer ehren und ihm helfen, ein reicheres, vollkommeneres Leben zu führen.

 

Außerdem ist es ja möglich zu denken, dass der Mensch, ebenso gut wie etwas anderes, nur ein Glied auf dem Weg der Evolution zu etwas Größerem werden kann. Warum nicht die Maschinen übernehmen lassen? Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Turing erlebte, konnte ja kaum als besonders gute Reklame für die menschliche Vernunft gelten. Nein, nein, das klingt nicht wie mein Alan. Ich erinnere mich an mein Erstaunen darüber, wie er in der Beschreibung seines Turing-Tests betonte, dass wir die Maschinen nicht diskriminieren dürfen.

Steckt darin möglicherweise auch die Hoffnung, dass die Maschinen eines Tages uns nicht diskriminieren würden?

 

Während ich dies schreibe, im Herbst 2009, stecke ich tief in einem anderen Roman, aber ständig werde ich an Alan Turing erinnert, ja, oft kommt er mir vor wie ein lieber alter Freund aus der Vergangenheit, und zuweilen bringt er mich dazu, mitten in einem Gedanken an etwas ganz anderes zu lächeln. Kürzlich erhielt ich eine Mail. Hast du dies hier gesehen, schrieb ein Freund, und ich las, während meine Augen sich mit Tränen füllten und der ganze Abend sich aufhellte. Sie wissen, Alan Turing starb unbemerkt. Nicht einmal ein Begräbnis wurde abgehalten, und die Zeitungen brachten nur Randnotizen. Er verschwand aus der Geschichte, und als in den späten 1970er-Jahren das erste Buch über Bletchley Park erschien, wurde er nur als Name einer Maschine erwähnt.

Als ich meinen eigenen Roman begann, saß er zwar als Statue im Sackville Park in Manchester, und eine Reihe von Gelehrten hatte sich mit seinen Gedanken beschäftigt. Dennoch schien er auf merkwürdige Art vergessen zu sein. Nicht einmal der Bibliothekar in Wilmslow wusste, wer er war, äußerst wenige gebildete Schweden hatten von ihm gehört, und nie sah ich Homosexuelle, die ihn als Helden und Märtyrer feierten. Doch eine Veränderung bahnte sich an.

 

In England forderte eine Anzahl tonangebender Persönlichkeiten, darunter Richard Dawkins, Ian McEwan und Stephen Fry, dass die Regierung Alan eine postume Entschuldigung aussprechen solle, und am 11. September 2009 kam sie wirklich, gegen jede Wahrscheinlichkeit. Fünfundfünfzig Jahre nach Alan Turings Tod erklärte Premierminister Gordon Brown feierlich, und darauf erhebe ich mein Glas:

„Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass ohne seinen hervorragenden Einsatz der Zweite Weltkrieg anders hätte aussehen können. Er war wirklich eine jener Persönlichkeiten, die wir hervorheben können, deren einzigartiger Beitrag uns half, das Kriegsgeschehen zu wenden. Im Licht unserer großen Dankbarkeit erscheint es noch entsetzlicher, dass er so unmenschlich behandelt wurde … Im Namen der britischen Regierung und all derer, die dank Alans Arbeit in Freiheit leben, bin ich stolz, sagen zu können: Es tut uns leid, du hattest so viel Besseres verdient!“

 

David Lagercrantz


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Roman

David Lagercrantz machte als Autor von Stieg Larssons Millennium-Serie Furore – der Roman „Der Sündenfall von Wilmslow“, eine perfekte Mischung aus Kriminalroman und Zeitgeschichte, war sein internationaler Durchbruch als Schriftsteller: England 1954, ein toter Mathematiker, ein mit Zyankali versetzter Apfel – alles deutet auf Selbstmord hin. Oder hat der Tod des weltbekannten Alan Turing doch etwas mit seiner Arbeit für den Geheimdienst zu tun? Detective Sergeant Leonard Corell setzt die Teile eines Puzzles zusammen, das vielleicht eines der am besten gehüteten Geheimnisse des Kriegs offenbart.
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