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Tödliche Strömung (Deutsch-dänische Ermittlungen 2) Tödliche Strömung (Deutsch-dänische Ermittlungen 2) - eBook-Ausgabe

Anne-M. Keßel
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Kriminalroman

— Ein spannender Nordsee-Krimi mit einem starken Ermittlerinnen-Duo
Taschenbuch (12,00 €) E-Book (9,99 €)
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Tödliche Strömung (Deutsch-dänische Ermittlungen 2) — Inhalt

Das ungleiche Ermittlerinnenduo Nora und Connie in Höchstform! 

Nach Ermittlungen im Alleingang wurde die Dänin Connie Steenberg aufs Abstellgleis geschoben: Sie darf nur noch Cold Cases bearbeiten. Da entdeckt Connie zwei ungeklärte Mordfälle an der deutsch-dänischen Grenze: Die Opfer waren nackt und mit Runen-Schnittwunden verstümmelt.

Ein tödlicher Ritus?

Schon damals fiel der Verdacht auf die Neuheiden-Gemeinschaft, die in der Region ansässig ist. Connie bittet ihre deutsche Kollegin Nora Boysen, verdeckt zu ermitteln. Als dann eine dritte Tote mit ähnlichen Verletzungen aufgefunden wird, ist klar: Der Täter ist noch unter ihnen …

„Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite.“ SR3 über Anne-M. Keßels Debüt „Gefährliche Gischt“.

€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 28.03.2024
416 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31491-6
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€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 28.03.2024
416 Seiten
EAN 978-3-492-60586-1
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Leseprobe zu „Tödliche Strömung (Deutsch-dänische Ermittlungen 2)“

1
Drei Wochen zuvor

„Das kann unmöglich dein Ernst sein!“ Nora starrte Connie mit einer Mischung aus Entsetzen und Belustigung an. „Menschenopfer?! Das ist doch Blödsinn!“
Doch Connie zuckte nur vielsagend mit den Schultern, während sie einen großen Schluck aus ihrem Kaffeebecher nahm.
Nora schüttelte ungläubig den Kopf und ließ ihren Blick über den kleinen Hafen von Billersby schweifen. Alles war wie immer. Vertraut und friedlich. Am Pier schaukelten ein paar verwaiste Krabbenkutter, über deren hochgeklappte Baumkurren hinweg ein Schwarm kreischender Möwen [...]

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1
Drei Wochen zuvor

„Das kann unmöglich dein Ernst sein!“ Nora starrte Connie mit einer Mischung aus Entsetzen und Belustigung an. „Menschenopfer?! Das ist doch Blödsinn!“
Doch Connie zuckte nur vielsagend mit den Schultern, während sie einen großen Schluck aus ihrem Kaffeebecher nahm.
Nora schüttelte ungläubig den Kopf und ließ ihren Blick über den kleinen Hafen von Billersby schweifen. Alles war wie immer. Vertraut und friedlich. Am Pier schaukelten ein paar verwaiste Krabbenkutter, über deren hochgeklappte Baumkurren hinweg ein Schwarm kreischender Möwen flog. Menschen flanierten entspannt über die Hafenpromenade oder saßen vor dem Café Möwe, wo sie sich in der Sonne die hauseigenen Spezialitäten wie vegane Cupcakes und Vanilla-Chai schmecken ließen. Hank, der Tourismusbeauftragte von Billersby, wieselte geschäftig zwischen Laternenpfählen und Fahnenmasten hin und her, um dort werbewirksam seine Schilder mit den Events der nächsten Wochen anzubringen: das Konzert des Shantychors, die Nachtwattwanderung, die Krabbenpul-Meisterschaft und der Tanz zu Mittsommer. Die Hauptsaison stand vor der Tür. Bald würde Billersby von einer Vielzahl nordseebegeisterter Touristen bevölkert werden, von denen schon jetzt eine Traube an der leeren Anlegestelle der Marleen stand und auf die 17-Uhr-Fahrt wartete.
Unwillkürlich schaute Nora auf ihre Uhr. Wenn Niklas nicht bald kam, würde er die Abfahrt nicht pünktlich einhalten können und …
„Beeindruckend. Wirklich beeindruckend.“ Connies breites Grinsen versank in einem dänischen Plunderteilchen, das sie in einer Bäckertüte aus ihrer Jackentasche gezaubert hatte. „Du denkst nur noch permanent über Niklas und seine Versäumnisse nach“, fuhr sie kauend fort. „Aber du sprichst nicht mehr darüber. Respekt. Das muss eine unbändige Kraftanstrengung für dich sein.“
Connies Ironie zeigte Nora nur zu deutlich, dass die Dänin sie ertappt hatte. Doch bevor Nora etwas zu ihrer Verteidigung erwidern konnte, erklang das Tuckern eines Dieselmotors hinter der Mole.
Die Marleen fuhr in den Hafen ein. Zwischen den an Deck stehenden und sich gut gelaunt unterhaltenden Touristen konnte Nora im Steuerhäuschen die Silhouette ihres Bruders erkennen. Niklas hatte den alten Krabbenkutter ihres Vaters nach dessen Tod übernommen und sich nach einer kurzen – und überaus erfolglosen – Karriere als Krabbenfischer seit Kurzem auf Vergnügungsfahrten entlang der deutsch-dänischen Nordseeküste verlegt. Das Geschäft lief gut, und Nora hatte nach vielen Jahren der Sorge endlich das Gefühl, dass Niklas’ schwankendes Gemüt gefestigt und er in seinem Leben angekommen war.
Die Marleen fuhr eine elegante Kurve und legte schließlich an ihrem Liegeplatz an. Während sich die Touristen in beide Richtungen über den schmalen Holzsteg drängelten, sprang Niklas mit geübtem Schwung über die Reling auf die Hafenmauer. Dann entdeckte er Nora und Connie, die auf den Stufen vor der kleinen Polizeiwache saßen.
„Connie! Was machst du denn hier?“ Niklas umarmte Connie herzlich. „Das ist aber eine schöne Überraschung!“
„Hej, Niki!“ Connie wand sich sanft aus seiner Umarmung und ließ ihren Blick einmal von Niklas’ Scheitel bis zu seinen Sohlen wandern. Dann zog sie ihn mit einem Ruck zu sich heran und drückte ihn erneut, fest und innig. „Ich freue mich auch, dich zu sehen.“ Was war sie froh, dass es Niki wieder gut ging! Vor nicht allzu langer Zeit hatte er noch im Krankenhaus um sein Leben gekämpft. Und auch nachdem dieser Kampf gewonnen war, war da die schreckliche Sorge gewesen, ob er durch eine Sauerstoffmangelversorgung eventuell bleibende Hirnschäden davongetragen hatte. Glücklicherweise hatte sich diese Angst nicht bewahrheitet; von den anfänglichen motorischen und rhetorischen Einschränkungen war nichts zurückgeblieben. Er war wieder ganz der Alte: ein liebenswerter junger Mann voller Energie und Charme, den man einfach gernhaben musste.
„Jetzt sag schon: Was machst du hier?“ Niklas’ strahlend blaue Augen schauten Connie fragend an. Dann verdunkelte sich sein Blick. „O nein, ich hoffe, es ist nicht dienstlich. Ist etwas passiert? Etwas … Schlimmes?“
Nora schüttelte lachend den Kopf. „Keine Sorge. Connie kümmert sich seit Neuestem nur noch um Cold Cases. Fälle, die seeeeehr lange zurückliegen.“ Sie senkte ihre Stimme zu einem bedrohlichen Flüstern. „Sie ermittelt jetzt nämlich gegen Wikinger und Heiden.“
„Eben nicht, verdammt! So lange ist das alles noch gar nicht her, Nora. Es sind genau zwei Generationen. Zwei Generationen! Das passt perfekt in meine Theorie.“
„Deine Theorie ist absolut haarsträubend, Connie! Men-schen-op-fer! Ich bitte dich!“
„Nein, ich bitte dich, Nora! Und zwar um deine Hilfe! Aber du stempelst mich ja sofort als verrückt ab, anstatt mein Angebot eines kleinen Sonderurlaubs anzunehmen.“
„Das ist kein Urlaub. Das ist ein Undercover-Einsatz. Du willst, dass ich für dich den Maulwurf spiele.“
„Ja, aber doch nur, weil ich es nicht selbst machen kann. Weil mich diese Odinisten-Spinner jetzt schon kennen. Es ist doch nur für drei Wochen. Bis Mittsommer. Jetzt lass mich doch nicht so betteln!“
„Hä?“ Niklas’ Blick wanderte zwischen Connie und Nora hin und her, die sich in Rage geredet und seine Anwesenheit offenbar völlig vergessen hatten. „Ich verstehe nur Bahnhof. Wovon, um Himmels willen, redet ihr?“
Connie seufzte. „Ach, das ist eine längere Geschichte.“
„Für die wir jetzt keine Zeit haben. Es ist nämlich schon zehn nach fünf.“ Nora deutete auf die bereits auf dem Deck der Marleen stehenden Touristen.
„Shit!“ Niklas sprintete los, drehte sich aber mitten in der Bewegung noch einmal um. „Sehen wir uns später noch, Connie?“
„Das hängt ganz von deiner Schwester ab.“ Die Dänin rang theatralisch die Hände. „Ich werde Billersby nämlich erst wieder verlassen, wenn sie verspricht, mir zu helfen.“
„Oha. Na, dann such dir mal besser eine Übernachtungsmöglichkeit. Sie kann nämlich ein echter Sturkopf sein.“
„Ich auch.“ Connie grinste breit.
Niklas stieg in ihr Grinsen ein. „Schön, dich wiedergesehen zu haben! Mach’s gut, Connie!“ Dann machte er auf dem Absatz kehrt und lief zu seinem Kutter. Innerhalb weniger Sekunden schien sein betörender Charme den Unmut der Wartenden hinweggefegt zu haben, denn Nora und Connie konnten ein paar herzhafte Lacher herüberwehen hören. Dann legte die Marleen auch schon ab und tuckerte gemächlich aus dem Billersbyer Hafen hinaus.
Da schrillte durch das geöffnete Fenster das Telefon. Nora sprang auf und rannte in die Dienststelle hinein, kam aber schon nach wenigen Minuten zurück, ihre Uniformjacke über dem Arm. „Das war der Chef. Ich soll Feierabend machen und abschließen, er kommt heute nicht mehr rein. Er macht noch einen …“ Nora zupfte sich gespielt am Unterlid. „… Kontrollgang durch Börnsens neue Schnapsbrennerei.“
Nora drehte den Schlüssel im Schloss, zog ab und stieg die Stufen der kleinen Wache hinab. Connie hatte sich in der Zwischenzeit eine Zigarette angezündet und stieß genießerisch den Rauch aus.
„Nichts als Kaffee, Süßkram und Kippen.“ Nora schüttelte gespielt tadelnd den Kopf. „Wann hast du das letzte Mal etwas Richtiges gegessen?“
Connie überlegte. Selbst nach mehreren Sekunden intensiven Nachdenkens wollte es ihr partout nicht einfallen.
„Das dachte ich mir.“ Nora klatschte triumphierend in die Hände. „Dann gehen wir jetzt zu Menke und hoffen, dass er für uns kocht. Na los! Keine Widerrede!“

Menke war Noras bester Freund seit Ewigkeiten – und der begnadetste Hobbykoch, den sie kannte. Wäre er nicht in die Fußstapfen seines Onkels, des Wachleiters Joost Enders, getreten und ebenfalls Polizist auf der kleinen Wache in Billersby geworden, hätte er sicherlich die Chance auf eine Karriere als Küchenchef in erstklassigen Häusern gehabt, da war sich Nora sicher. Seine Liebe zu ausgewählten Zutaten und ihre leidenschaftliche Zubereitung schmeckte man in jedem noch so kleinen Bissen. Da konnte selbst Connie nicht widerstehen. Und so fanden sie sich kurz darauf in seiner kleinen Küche wieder, wo er sie mit Wein bewirtete und diverse Töpfe und Pfannen befeuerte.
„Also, deine Theorie ist, dass alle dreißig Jahre in diesem Wald mitten auf der deutsch-dänischen Grenze ein Mensch geopfert wird?“, fragte Menke ungläubig, während er das Fischfilet in zarte Streifen schnitt.
„Ja“, antwortete Connie. „Rainer Thun wurde vor genau sechzig Jahren ermordet. Und Kristoffer Kjær genau dreißig Jahre später. Das bedeutet: Ein Menschenopfer pro Generation!“
„Aber das kann doch auch einfach Zufall sein“, warf Nora ein. „Zwei Tote innerhalb von sechzig Jahren in diesem Gebiet, das kann durchaus vorkommen.“
Connie schüttelte energisch den Kopf. „Dafür gibt es bei beiden Morden viel zu viele Parallelen. Und außerdem habe ich dir doch schon erklärt, dass die Neuheiden in ihrem heiligen Hain durchaus auch …“
„Moment, Moment, Moment,“ unterbrach sie Menke. „Ich komm da nicht mehr mit.“ Er schob den Deckel auf den Topf, in dem bereits ein betörend duftender Gemüseeintopf vor sich hin köchelte, und setzte sich zu Connie und Nora an den Tisch. „Wir haben fünfzehn Minuten, bis alles gar ist. Also noch mal von vorn, damit ich das auch alles richtig verstehe. Es fing damit an, dass dich deine Chefin in die Cold-Case-Unit versetzt hat, richtig?“
Connie schnaufte verächtlich. Immer wenn sie an ihre verhasste Chefin Karen Nygaard denken musste, bekam sie schlagartig schlechte Laune. „Abgeschoben hat die alte Hexe mich. Ins Archiv der ungelösten Fälle. Da, wo der Staub zentimeterdick auf den Akten liegt und man bis zur Pensionierung vor Frust umkommt.“
„Und wieso hat sie dich dorthin abgeschoben?“
„Weil die Nygaard mich hasst.“ Connie nahm einen großen Schluck vom Wein, den Menke ihr eingeschenkt hatte. „Das ist ihre Rache.“
Connie und Karen Nygaard, ihre Chefin bei der Esbjerger Kriminalpolizei, hatten schon immer ein schwieriges Verhältnis gehabt. Denn die freiheitsliebende Connie war noch nie eine gewesen, die sich von Autoritäten etwas sagen ließ. Und Karen Nygaard hatte einfach nie verstanden, dass man Connies Instinkt vertrauen musste, anstatt ihn mit Dienst nach Vorschrift in die Schranken zu weisen.
Connies Alleingang im Fall eines tödlich verbrannten Bernsteinsuchers hatte ihre ohnehin schon angespannte Beziehung schließlich vollends zerstört. Ohne Ermittlungsbefugnis – und vor allem ohne Nygaards Kenntnis – hatte sich die damals suspendierte Connie in die Billersbyer Ermittlungen eingeklinkt. Connies langjährige Erfahrung als Kriminalpolizistin und ihre Vermittlungshilfe als Dänin waren zwar von unschätzbarem Wert bei den deutsch-dänischen Ermittlungen gewesen, hatten Karen Nygaard aber auch mit maximaler Peinlichkeit bloßgestellt.
Am liebsten hätte sie Connie in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Oder zumindest auf unabsehbare Zeit suspendiert. Hauptsache, die durchgeknallte Connie Steenberg war aus dem Verkehr gezogen. Doch da hatte ihr die dänische Öffentlichkeit einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Voller Genugtuung dachte Connie daran, wie eine der großen dänischen Tageszeitungen sie „die beste Ermittlerin Jütlands“ genannt und sich lauthals darüber beschwert hatte, dass sie aufgrund bürokratischer Kleinigkeiten nicht mehr ihrem Job nachgehen durfte – und das mit weiterhin hohen Bezügen, die ja immerhin von Steuergeldern finanziert wurden. Dass der Journalist, der den Artikel verfasst und damit den Stein erst ins Rollen gebracht hatte, ein alter Bekannter von Connie war, der ihr noch einen Gefallen schuldete, hatte bis heute niemand herausgefunden. Nicht einmal Kjell, Connies ehemaliger Partner, auf den sie große Stücke hielt.
Der Zeitungsartikel hatte Karen Nygaard so unter Druck gesetzt, dass sie gezwungen war, Connie eine neue Aufgabe zuzuweisen. Doch anstatt sie in den aktiven Dienst zurückzuholen, hatte die hinterlistige Schlange ihr eine „Sonderaufgabe“ zugeteilt, die „eine ganz besonders gute Spürnase“ und „jahrzehntelange Erfahrung als erfolgreiche Ermittlerin“ voraussetze: die ungelösten Altfälle im Archiv. Eine perfekte Möglichkeit, unliebsame Mitarbeiter kaltzustellen. In der Tristesse aus fensterlosen Kellerräumen, jahrzehntealtem Staub und vergilbtem Papier hatte sich schon so mancher verloren – und anschließend um seine vorzeitige Pensionierung gebeten.
Doch Connie wäre nicht Connie, wenn sie nicht zumindest versucht hätte, das Beste daraus zu machen. Also verschaffte sie sich einen Überblick über den meterdicken Aktenberg, bewertete neu und sortierte aus, las sich durch jedes noch so kleine Detail – und stieß so schließlich auf die beiden Mordfälle an Rainer Thun und Kristoffer Kjær, in denen sie auffällige Parallelen erkannte.
„Die Ähnlichkeiten sind doch offensichtlich! In beiden Fällen lagen die Mordopfer im Tönsburger Wäldchen, den Stærkt Bånd für sich als Kraftort und heiligen Hain reklamiert. Beide Morde geschahen an Mittsommer. Und beide Toten hatten Runen in ihre nackte Haut eingeritzt. Ich meine: Runen! Krasser geht’s ja kaum. Das sind doch eklatante Indizien!“
„Aber die Opfer haben nichts gemeinsam, außer dass sie Männer sind. Rainer Thun war Deutscher, Anfang fünfzig, Hilfsarbeiter auf einem Schweinemastbetrieb in der Nähe. Kristoffer Kjær war Däne, erst Ende zwanzig und noch Student. Außerdem wurde Rainer Thun erstochen, Kristoffer Kjær hingegen wahrscheinlich erschlagen“, wagte Nora einzuwerfen.
„Aber beide Männer starben exakt im Abstand von dreißig Jahren! Was ziemlich treffsicher der allgemein anerkannte Zeitraum für eine menschliche Generation ist!“ Connie zückte ihr Smartphone und begann, durch ihre gesammelten Internet-Recherchen zu scrollen. „Menschenopfer kamen bei den Germanen zwar sehr selten vor, aber sie kamen vor! Und zwar meistens zu rituellen Anlässen. Menschenopfer waren die höchstmögliche Opfergabe, um den Schutz der Götter zu erbitten. Und in einigen wenigen Gruppen war es üblich, ein Menschenopfer pro Generation zu erbringen. Versteht ihr? Ein Menschenopfer pro Generation! Und Stærkt Bånd gibt es seit über siebzig Jahren im Tönsburger Wäldchen. Genau da, wo Rainer Thun und Kristoffer Kjær ermordet wurden. Leute, ich bitte euch: Das kann doch alles kein Zufall sein!“
„Wer oder was war jetzt noch mal Stærkt Bånd?“, fragte Menke, während er aufstand und die Fischfiletstücke in den Topf gleiten ließ.
„Das ist eine Religionsgemeinschaft germanischer Neuheiden. Stærkt Bånd ist dänisch und heißt so viel wie starkes Band oder starke Verbindung.“
„Und was genau sind germanische Neuheiden?“, hakte Menke weiter nach.
„So nennen sich Leute, die wieder an die alten Götter glauben. Also weg von Jesus, zurück zu Odin.“
Menke zog fragend eine Augenbraue hoch. „Echt? Das ist wieder im Kommen? Ich dachte, der moderne Mensch glaubt nur noch an die Wissenschaft.“
Connie zuckte mit den Schultern. „Das Heidentum erfährt seit einiger Zeit wieder einen Aufschwung. Besonders in den nordischen Ländern, in Island, Schweden und Dänemark. Allein bei Stærkt Bånd gibt es fast fünfzig Leute, die wieder im Einklang mit Odin, Thor und Co. leben. Und es werden wohl von Jahr zu Jahr mehr! Das schreiben sie zumindest auf ihrer Homepage. Das ist echt ein bunter Haufen: Dänen und Deutsche. Schwarze und Weiße. Heteros und Homos. Junge und Alte. Akademiker, Handwerker und Arbeitslose. Jeder ist da willkommen. Denn es zählt nur, dass …“ Connie hob ihr Handy vor die Augen und begann, von der Webpage zu zitieren: „… alle in ihren gemeinsamen Wurzeln vereint sind, im Glauben an die alten Götter und die Gesamtheit des Kosmos, an die allumfassende Liebe zur Natur und die Macht der Ahnen.“ Es war nicht schwer, aus Connies Tonfall eine gewisse Abschätzigkeit herauszuhören.
„Ich dachte immer, ein Heide ist jemand, der keine Götter hat. Also quasi gottlos ist.“ Zu Noras Überraschung wirkte Menke ernsthaft interessiert. „Aber das scheint ja eher umgekehrt zu sein, oder?“
„Korrekt!“ Connie hatte Menkes Interesse ebenfalls registriert und war hocherfreut, ihn weiter an ihren Erkenntnissen teilhaben zu lassen. „Mit Atheismus hat das nichts zu tun. Im Gegenteil. Das Heidentum orientiert sich am vorchristlichen Götterkosmos, und der ist wirklich riesig! Er bezieht antike, keltische, germanische und slawische, aber auch andere, außereuropäische polytheistische Glaubensrichtungen mit ein. Im Grunde sind das alle Götter und Göttinnen, die man so kannte, bevor das Christentum mit seinem einzigen Gott daherkam und alles plattgemacht hat. Und jetzt, zweitausend Jahre später, setzt eine neuzeitliche Rückbesinnung auf ebendiese unterdrückte, ja quasi ausgemerzte Naturreligion wieder ein. Stærkt Bånd ist da übrigens ein absoluter Vorreiter. Die haben sich schon vor über siebzig Jahren gegründet. Und seit der Gründung haben sie im grænse lund, also im Grenzwäldchen, ihren heiligen Hain.“
Sie tippte auf ihrem Handy herum und rief eine Karte auf. „Der Wald liegt direkt auf der deutsch-dänischen Grenze, ist also im wahrsten Wortsinn eine grüne Grenze. Die beiden Dörfer, die auf deutscher und dänischer Seite daran angrenzen, sind sich sogar so sehr verbunden, dass sie im Grunde gleich heißen. Südlich vom Wald, auf deutschem Gebiet, liegt Tönsburg. Nördlich, in Dänemark, Tønsborg. Die Einwohner beider Dörfer waren sich schon immer sehr nah, die grüne Grenze, also der Wald, war da eher ein verbindendes als ein trennendes Element.“
„Und bei dieser Heiden-Community, bei Stærkt Bånd, willst du jetzt Nora als Undercover-Spitzel einschleusen? Weil du glaubst, dass die zeitnah wieder einen Menschen opfern wollen?“ Menkes religionstheoretisches Interesse war ermittlungstaktischer Skepsis gewichen.
Connie seufzte. „Ich würde es ja selbst tun, aber ich habe in den letzten Wochen mehrmals mit denen vor Ort gesprochen, als ich die alten Zeugenaussagen überprüft habe. Die kennen mich jetzt. Und in drei Wochen ist schon Mittsommer! Exakt dreißig Jahre nach Kristoffer Kjærs Ermordung und sechzig Jahre nach dem Mord an Rainer Thun.“
Connie wandte sich direkt an Nora. „Was hast du denn schon zu verlieren? Wenn nichts passiert: umso besser. Aber wenn etwas passiert, dann müssen wir uns wenigstens nicht vorwerfen, die Zeichen nicht erkannt und nichts unternommen zu haben.“
„Ach, Connie.“ Nora seufzte. „Deine Theorie klingt schon sehr abenteuerlich.“
„Ja, vielleicht. Aber wie erklärst du dir, dass diese beiden Mordfälle seit Jahrzehnten nicht aufgeklärt werden konnten? Die Kollegen haben damals in alle Richtungen ermittelt. Und nichts gefunden. Es gab einen Tatverdächtigen im Fall von Rainer Thun. Svend Hansen, einer der Gründer von Stærkt Bånd. Aber der ist kurz darauf verstorben. Ob Suizid oder Unfall konnte nie geklärt werden. Wie dem auch sei, das war’s dann. Verdächtiger tot, Aktendeckel zu. Und bei Kristoffer Kjær ging man von einem Raubmord aus, da seine leere Brieftasche neben der Leiche gefunden wurde. Aber wenn du mich fragst, war das nur vorgeschoben. Einfacher kann man ja kein Motiv konstruieren. Schwerer als die leere Brieftasche wiegen doch all die anderen Indizien: der Ort, die eingeritzte Rune, die Mittsommernacht.“ Connie schlug vor Aufregung mit der flachen Hand auf den Tisch. „Das war dieses heidnische Opferritual, ganz sicher! Aber die von Stærkt Bånd haben sich natürlich alle gegenseitig Alibis gegeben. Von außen kommt man an die einfach nicht ran.“
„Nun ja, mal abgesehen von diesem Heiden-Thema könnte das tatsächlich eine Chance für dich sein.“ Menke schenkte Nora einen liebevollen Blick. „Für eine richtig schöne Auszeit. Wann hast du dir das letzte Mal Urlaub genommen? Zusammen mit den Überstunden, die du angehäuft hast, kannst du dir das locker leisten. Joost und ich kriegen das schon hin. Die Wache wird ohne dich nicht im Chaos versinken, Nora.“ Sie wollte Einspruch erheben, als Menke schon weitersprach: „Und was Wotan betrifft, der ist doch bei Flint bestens aufgehoben. Und im Notfall springt bestimmt Niklas ein. Du siehst: Alles in Ordnung. Also mach das!“
„Das klingt ja fast, als wolltest du mich loswerden“, echauffierte sich Nora gespielt über Menkes Vorschlag.
„Du weißt, dass das Gegenteil der Fall ist.“ Menke bedachte sie wieder mit diesem warmen, liebevollen Blick, der besagte, dass er ihr die Welt zu Füßen legen wollte, würde sie nur endlich seine Gefühle erwidern. Nora schluckte trocken. Das hatte sie nicht provozieren wollen …
Doch Menke fing sich schnell wieder und fuhr fort: „Ich meine nur, dass es dir vielleicht guttäte, mal wieder aus Billersby rauszukommen. Was anderes zu sehen, zu erleben. Raus aus dem Trott.“
Connie erhob ihr Weinglas und prostete Menke zu. „Zwei zu eins. Du bist überstimmt, Nora.“
Auch Nora griff nach ihrem Glas und trank es in einem Zug leer. „Es ist meine Entscheidung“, raunte sie, als sie das Glas hart auf der Tischplatte abstellte. „Und ich sage dir, Connie, du verrennst dich da in etwas.“
„Und ich sage dir, dass bei dieser Heiden-Geschichte mein Bauchgefühl anspringt. Und das hat mich noch nie getrogen.“
„Apropos Bauchgefühl.“ Menke öffnete den Topfdeckel und schnupperte prüfend. Dann ging ein Strahlen über sein Gesicht. „Das Essen ist fertig.“

Auch wenn sie sich bemühten, über andere Themen zu reden, so kam das Gespräch während des gemeinsamen Abendessens doch unweigerlich immer wieder auf die Neuheiden und Connies Menschenopfer-Theorie. Und selbst als Nora und Connie sich längst von Menke verabschiedet hatten und durch die abendlich ausgestorbenen Kopfsteinpflaster-Gassen von Billersby spazierten, drehte sich immer noch alles um das Thema.
„Jetzt bin ich doch fast ein bisschen neugierig geworden“, musste Nora zugeben. „Würde mich ja schon interessieren, was moderne Menschen dazu treibt, wieder an alte nordische Götter zu glauben. Ich würde dieses Phänomen gerne verstehen.“
„Na also!“, triumphierte Connie. „Und außerdem willst du doch nicht, dass zwei Mörder ungestraft davonkommen.“
Noras Gerechtigkeitsempfinden schlug sofort an. „Natürlich nicht!“
„Dann hilf mir, diese Mordfälle aufzuklären!“, flehte Connie.
„Na ja, zumindest im Fall von Rainer Thun ist der Mörder mit großer Wahrscheinlichkeit bereits verstorben“, gab Nora zu bedenken. „Oder sehr, sehr alt.“
„Das ist doch egal! Es geht darum, Rainer Thun und Kristoffer Kjær Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Zu verstehen, warum sie sterben mussten. Was damals wirklich passiert ist.“
„Das weißt du doch längst“, feixte Nora. „Das waren Menschenopfer. Sagt dir doch dein Bauchgefühl.“
„Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das irgendwie mit diesen Heiden zusammenhängt. Aber wie genau …“ Connie zuckte mit den Schultern.
Sie waren an Connies Auto angekommen, das in der Nähe der Polizeiwache geparkt war.
„Na gut, ich kann dich ja nicht zwingen.“ Connie wirkte auf einmal sehr betreten. „Aber es war schön, dich wiedergesehen zu haben. Mach’s gut.“ Sie nahm Nora in den Arm und drückte sie herzlich, dann stieg sie in ihren Wagen. Gerade als sie den Motor starten wollte, klopfte Nora an ihr Fenster.
„Warum ausgerechnet ich?“, fragte sie, nachdem Connie die Scheibe heruntergefahren hatte. „Warum fragst du nicht deinen Kollegen Kjell? Oder irgendeinen anderen Bekannten? Wieso kommst du extra den ganzen weiten Weg nach Billersby, um mich zu fragen, ob ich dir helfe?“
Connie schwieg. Sie holte kurz Luft, als wollte sie antworten, aber dann kam doch kein Wort aus ihrem Mund, und sie blieb einfach stumm. Sie sank ein wenig tiefer in ihren Sitz und ließ unbewusst Kopf und Schultern hängen. Und da ging Nora ein Licht auf.
„Du hast niemand anders, den du fragen kannst!“
Nora war von der Erkenntnis gleichermaßen überrascht wie schockiert. „Du hast keine Freunde. Niemanden, den du um so einen Freundschaftsdienst bitten könntest. Nur mich!“
Treffer. Versenkt.
„Nun mach mal halblang“, murmelte Connie. Doch Nora hatte voll ins Schwarze getroffen.
Während Connie noch fieberhaft überlegte, was sie auf diese sehr schmerzhafte, aber auch sehr zutreffende Analyse erwidern könnte, hatte sie Nora unbewusst genau damit längst auf ihre Seite gezogen. Denn egal, wie absurd Connies Theorie auch klang und wie fremd Nora diese nordisch-germanische Götterwelt war, so würde sie doch niemals eine Freundin im Stich lassen, die sie um Hilfe bat.
Denn genau das war Connie für Nora: eine Freundin!


2
Gegenwart

„Oh“, raunte der junge Polizist, der mit seiner unreinen Haut und der um seinen langen, dürren Körper schlotternden Uniform wie ein verkleideter Teenager aussah. Mit einer Mischung aus Faszination und Ekel betrachtete er die nackte Leiche, über die der Strahl seiner Taschenlampe wanderte.
„Das ist ein Fall für die Kollegen von der Kriminalpolizei, oder?“
Er schaute fragend zu seiner Kollegin hinab, die ihm nur bis zur Brust reichte; eine Frau von Anfang fünfzig, die im Gegensatz zu ihm ihre Uniform vollständig ausfüllte. Sie starrte ebenfalls den entstellten toten Körper an, der bäuchlings über dem Baumstumpf vor ihr lag.
„Hier scheint mir keine natürliche Todesursache vorzuliegen“, erkannte sie scharfsinnig. „Also muss ermittelt werden! Thorsten hat recht: Kriminalpolizei!“
In die Augen des großen Jungen trat ein eigentümlicher Glanz. „Spurensicherung. Kriminaltechnik. Rechtsmedizin“, flüsterte er fasziniert. „Das ganz große Besteck.“
„Aber das habe ich Ihnen doch vorhin schon alles am Telefon gesagt!“ Nora war fassungslos. „Das hätten Sie doch alles längst veranlassen können!“ Sie konnte ihre Verärgerung über Polizeiobermeisterin Claudia Beck und Polizeimeisteranwärter Thorsten Becker, die ihr im schwachen Schein ihrer Taschenlampen und mit bestialischem – sicherlich der unchristlich frühen Morgenstunde geschuldeten – Mundgeruch gegenüberstanden, beim besten Willen nicht verbergen.
„Also entschuldigen Sie mal bitte!“ Beck warf ihr einen strafenden Blick zu. „Sie haben gelallt am Telefon. Gelallt!“
Wie zur Bestätigung des desolaten Telefoneindrucks wanderte ihr Blick an Noras einstmals weißem, nun deutlich verdrecktem Sommerkleid bis zu ihren nackten Füßen hinab. „Ist doch klar, dass wir da nicht sofort die Einsatzleitstelle alarmieren, sondern uns erst einmal selbst ein Bild von der Lage machen.“
„Außerdem ist heute Mittsommernacht“, sprang ihr Becker zur Seite. „Haben Sie eine Ahnung, was wir da für Anrufe bekommen? Nackte Menschen, die im Mondschein tanzen, und solche Sachen. Da ist leider ganz viel Unsinn dabei. Das müssen wir ja erst einmal sondieren.“
Nora holte tief Luft und versuchte, ruhig zu bleiben. „Ja, gut, aber jetzt haben Sie sich ja davon überzeugt, dass es sich hier nicht um einen beschwipsten Telefonstreich handelt. Wollen Sie dann bitte alles Weitere in die Wege leiten?“
Beck und Becker schauten erst sich an, dann die Leiche, dann wieder sich. Doch bevor sie zu einer weiteren Zeitlupen-Reaktion fähig waren, ging Nora schon ungeduldig dazwischen. „Ich schlage vor, Kollege Becker und ich sperren jetzt das Waldgebiet um den Leichnam großräumig ab, und Sie, Kollegin Beck, alarmieren die Leitstelle in Flensburg.“ Ihre Stimme vibrierte vor Ungeduld.
Allein die Anfahrt der beiden Kollegen von der nächstgelegenen Polizeistation in Büllum hatte fast dreißig Minuten gedauert. Die Tatort-Spezialisten aus Flensburg würden mindestens eine Stunde brauchen, wenn nicht länger. Und bis erst einmal alle aus den Betten geklingelt und abfahrbereit waren, verging ja auch noch Zeit. Zeit, in der wertvolle Spuren verloren gehen konnten. Zeit, die nur demjenigen nützte, der verantwortlich für diesen schrecklich zerschundenen Leichnam war.
„Was ist das für ein Zeichen?“
Thorsten Becker legte den Kopf schief und kniff konzentriert die Augen zusammen. Der Lichtkegel seiner Taschenlampe ruhte auf den tiefen Schnitten im Rückenfleisch des Leichnams. „Soll das eine Rune sein?“
„Das hier ist doch das Tönsburger Wäldchen“, schaltete sich Claudia Beck ein. „Wir kriegen immer wieder Beschwerden rein über so eine Heidengruppe, die hier ihren Hokuspokus veranstaltet. Irgendwelche Rituale. Opferzeremonien.“ Sie schaute Nora streng an. „Gehören Sie da etwa auch dazu?“
„Das tut nichts zur Sache!“ Nora wurde laut. „Wir müssen jetzt endlich mit dem Erstzugriff beginnen! Tatortsicherung. Zeugensuche. Wir haben keine Zeit zu ver…“
„Gehören Sie auch dazu?“ Claudia Becks Stimme hatte einen überraschend scharfen Ton angenommen. Wie ein Raubtier seine Beute fixierte sie den kleinen holzgeschnitzten Thorshammer, den Nora an einer dünnen Lederkordel um den Hals trug.
Eilig zog Nora den Kragen ihres Kleides zusammen und bedeckte den Anhänger. „Ja. Also nein! Nicht so richtig. Nur ein bisschen. Ach, das ist kompliziert!“
„Aha. Kann ich mal bitte Ihren Dienstausweis sehen?“ Claudia Beck streckte fordernd die Hand aus. „Sie hatten sich vorhin am Telefon ja als Kollegin ausgegeben.“ Der Argwohn in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
Mit abschätzigem Blick beugte sie sich leicht zu Nora vor und schnupperte. Nora wurde schlagartig bewusst, dass sie mit dem verdreckten Kleid, den nackten Füßen und den zerzausten Haaren wie eine irre Vogelscheuche aussehen musste – und dass sie höchstwahrscheinlich auch von einem leichten Hauch süßlichen Alkohols umweht wurde.
„Meinen Dienstausweis habe ich nicht dabei.“ Nora zog verzweifelt den Stoff ihres taschenlosen Sommerkleids auseinander. Innerlich schalt sie sich eine Idiotin. Als sie nach dem schauerlichen Fund so schnell wie möglich zurück zum Festplatz gerannt war, hatte sie nur ihr Handy aus der dort liegenden Jacke gezogen und war sofort wieder zurückgerannt.
Nora stutzte. Jetzt erst wurde ihr bewusst, dass niemandem ihre Aufgeregtheit aufgefallen war. Die kleine Festgesellschaft war bereits zerstreut gewesen, aber selbst von den wenigen, die noch ums Feuer herumgesessen hatten, hatte sie niemand angesprochen.
Und Mats war auch nicht mehr da gewesen!
Ein Stechen breitete sich in ihrem Magen aus. Vorhin war Nora viel zu aufgeregt gewesen, um das zu realisieren. Aber jetzt, da das Adrenalin langsam abebbte, wurde ihr sein grußloser Abgang bewusst. Wieso war er einfach so abgehauen? Nach ihrem Kuss …
„Also kein Dienstausweis?“, riss Beck sie aus ihren Gedanken. Bevor Nora etwas antworten konnte, vibrierte ihr Handy. Teil mal deinen Standort, stand im Display. Connie!
Dass sie da nicht selbst draufgekommen war. Es hatte ewig gedauert, Beck und Becker in ihrem Streifenwagen durch den kaum befahrbaren Wald bis zum Fundort der Leiche zu lotsen. Die Hälfte der Zeit war sicherlich dafür draufgegangen …
Aber war Connie jetzt schon am Tönsburger Wäldchen angekommen? So früh hatte Nora noch gar nicht mit ihr gerechnet. Zwar hatte sie sofort nach dem Notruf auch Connie über ihren Leichenfund informiert, aber vom dänischen Esbjerg, wo Connie wohnte, bis hinunter zum Grenzwäldchen waren es fast neunzig Kilometer. Nora zog die Brauen hoch. Ein Blick auf die Uhranzeige ihres Handys verriet ihr, dass Connie – deren Fahrstil wahlweise dem eines Rennfahrers oder einer gesengten Sau glich – mit einer neuen Bestzeit hergerast sein musste.
„Gleich kommt eine Kollegin der dänischen Kriminalpolizei, die kann Ihnen meine Identität bestätigen“, sagte Nora, während sie im Handy eilig ihren Standort freigab. „Aber ganz egal, ob Sie mir glauben oder nicht …“ Nora hob den Blick vom Display und schaute Beck und Becker herausfordernd an. „Sie sehen doch, dass es hier etwas zu tun gibt, oder?“ Sie deutete unmerklich zu dem Leichnam hinüber.
„Ich hol mal das Flatterband“, raunte Becker und bahnte sich seinen Weg durch das Unterholz zum Streifenwagen, der abseits auf einem nur schwer befahrbaren Waldweg stand.
„Und ich informiere Flensburg“, sagte Claudia Beck und walzte ihm eilig hinterher. Die Kegel ihrer Taschenlampen schnitten wie nervöse Laserschwerter durch die Nacht und ließen Nora schließlich im Dunkeln zurück. Der Vollmond hatte sich längst hinter ein Wolkenband verzogen, nur das Display ihres Handys spendete noch ein wenig Licht.
Nora fröstelte. Es war, als würde sich die Kälte des Leichnams in unsichtbaren Ringen ausbreiten und durch ihre Fußsohlen in sie hineinkriechen. Von der lauen Sommernacht spürte sie schon lange nichts mehr.
Nora konnte das Gesicht des Toten nicht erkennen, denn es zeigte zu Boden und wurde von langen blonden Haaren umflossen. Eine Frau? Auch das schmale Kreuz und die breiteren Hüften ließen darauf schließen. Der linke Arm hing schlaff zur Erde hinab, der rechte hingegen war angewinkelt und schien unter dem Leichnam eingeklemmt zu sein. Eine merkwürdige Pose. Und was war die Todesursache? Waren die Schnitte auf dem Rücken wirklich tief genug, dass ein erwachsener Mensch daran verblutete? Oder würde der Rechtsmediziner, sobald er eintraf und den Leichnam umdrehte, irgendwo ein Einschussloch finden?
Das Knistern von Plastik ließ Nora aufblicken. In der Dunkelheit meinte sie die schlaksige Silhouette von Becker zu erkennen, der Flatterband zwischen den Bäumen verspannte. Von Beck hingegen fehlte jede Spur. Die saß bestimmt im Streifenwagen und rapportierte nach Flensburg.
Wieder wanderte Noras Blick über den zerschundenen Rücken. Insgeheim stimmte sie Becker zu. Es war offensichtlich, dass hier nicht in wilder Aggression unkontrolliert irgendetwas ins Fleisch geschlitzt, sondern ein ganz bestimmtes Muster geschaffen worden war. Ein Symbol. Aber was für eins? Nora hatte diese Anordnung gerader Linien noch nie zuvor gesehen. Sie zählte insgesamt acht Schnitte. Ein großes X, durch dessen Schnittpunkt sich ein senkrechter Strich zog. Diese Senkrechte ragte weit über das X hinaus, und von ihrer Spitze liefen rechts und links Schnitte hinab, die sich mit den X-Schenkeln verbanden. Diese Schnitte zogen sich noch weiter hinunter. Es wirkte beinahe wie ein Haus, das allerdings nur aus senkrechten und diagonalen Strichen bestand, ohne Horizontalen. Auf dem „Dach“ des merkwürdigen Symbols ging ein loser Strich ab, der sich im Nichts verlor. Nora war sich jedoch nicht sicher, ob das so gewollt war, denn dieser Schnitt hatte die Spitze nicht exakt getroffen. Vielleicht war der Schnitt auch versehentlich abgerutscht?
Bestanden Runen nicht aus weniger Strichen?
Unwillkürlich drehte Nora sich in die Richtung, wo einige Hundert Meter tiefer im Wald der Festplatz lag. Das Feuer war mittlerweile sicherlich verloschen, und selbst die Hartnäckigsten hatten bestimmt schon den Heimweg angetreten. Das große Mittsommerblót, das gemeinsame Opferritual zum längsten Tag des Jahres, an dem Nora vor wenigen Stunden noch selbst teilgenommen hatte, war vorbei. Hatte Connie mit ihrer irrwitzigen Theorie etwa recht behalten? Konnte es wirklich sein, dass einer von Stærkt Bånd für den Tod dieses Menschen verantwortlich war?
Nein! Nein, das konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen! Sie war von den Mitgliedern der heidnischen Religionsgemeinschaft so freundlich aufgenommen worden; in den letzten drei Wochen hatte sie so viel über deren Glauben, der das Leben in den Mittelpunkt stellte, gelernt. Keines ihrer Vorurteile hatte sich bestätigt. Die nordisch-germanischen Götter und Kulte waren in den letzten Jahrzehnten zwar oftmals für rechtes oder völkisches Gedankengut missbraucht worden; aber zumindest bei Stærkt Bånd war Nora weder Neonazis noch sonstigen Arier-Spinnern begegnet, die sich allen anderen „Rassen“ überlegen fühlten und die nordische Symbolik nur dazu gebrauchten, um Angst und Hass zu verbreiten. Im Gegenteil! Die Mitglieder von Stærkt Bånd lebten ein friedliches Miteinander, voller Offenheit und Toleranz. Jeder war willkommen, alle waren gleich. Es gab keine Hierarchien, niemand wurde ausgeschlossen. Es ging um eine naturverbundene Spiritualität, und ja, zugegeben, auch eine etwas gewöhnungsbedürftige Mystik. Nora tat sich durchaus schwer damit, an unsichtbare Elementarwesen zu glauben, an Kobolde und Faune, die angeblich überall in der Natur hockten und die Menschen wieder mit der Schöpfung verbinden oder zu ihren Ahnenwurzeln zurückführen sollten. Aber ob man nun an diese Wichtel glaubte oder nicht, allen Glaubensmitgliedern war gemein, dass sie die Natur bewusster wahrnahmen und sich ihr gegenüber verantwortungsvoller benahmen.
Und bei den Blóts, also den Opferzeremonien, denen Nora in den letzten Wochen beigewohnt hatte, wurden auch keine Tiere abgeschlachtet. Geopfert wurden Lebensmittel wie selbst gebackenes Brot, Salzgebäck, Früchte oder Gemüse. Connies Theorie mit den Menschenopfern kam Nora jetzt noch absurder vor als noch vor drei Wochen in Billersby.
Shit! Sie war überhaupt nicht mehr objektiv! Sie steckte schon viel zu tief drin! Aber ihr Auftrag in den letzten drei Wochen war gewesen, die Wahrscheinlichkeit eines Menschenopfers für diese Nacht in Erfahrung zu bringen. Und dafür hatte es kein einziges Anzeichen gegeben! Nichts!
Meine Güte, ein Menschenopfer – das war doch völlig absurd!
Und doch lag jetzt ein toter Mensch vor ihr …
Eine neue, unangenehme Geräuschkulisse drängte sich in ihr Bewusstsein und ließ Nora aufhorchen. Einerseits war es totenstill; kein Windhauch ging, und selbst das Rauschen des Meeres erschien so gedämpft, dass es kaum mehr wahrzunehmen war. Andererseits knackte und raschelte es überall um sie herum.
Wahrscheinlich nur kleine, nachtaktive Tiere, versuchte sie sich zu beruhigen. Doch längst hatte Nora eine merkwürdige Unruhe befallen. Das Gefühl, nicht allein zu sein. Beobachtet zu werden. Und das bezog sich nicht auf die Mäuse, die um sie herum durchs Dickicht huschten, oder das Käuzchen, das sehr wahrscheinlich auf einem Ast saß und auf sie hinabstarrte.
Wie um der geisterhaften Atmosphäre etwas entgegenzusetzen, hob Nora ihr Handy. Das Blitzlicht zuckte durch den Wald, als sie ein Foto von dem Schnittmuster auf dem Leichenrücken machte. Gerade wollte sie den Browser öffnen und nach dem Zeichen googeln, als Claudia Beck energisch auf sie zugestapft kam.
„Hey! Was soll denn das? Keine Fotos! Dazu sind Sie nicht befugt!“
Nora riss sich den Arm vor die Augen, da Beck ihr strafend mit der Taschenlampe ins Gesicht strahlte, und wollte gerade dazu ansetzen, dass sie als Polizeibeamtin sehr wohl befugt war, Fotos zu machen, als sie von Motorlärm abgelenkt wurde. In einiger Entfernung tasteten sich Scheinwerfer durch das Dunkel des Waldes. Connie kam!
Das Auto hielt. Grellweißes Fernlicht flammte auf, dessen scharfe Schneise den Wald zerschnitt. Eine Wagentür knallte. Und dann bewegte sich aus dem Gleißen heraus eine grotesk große Schattensilhouette mit wehendem Mantel zwischen den schwarzen Baumstämmen auf sie zu.
„Wer ist das?“, fragte Becker ehrfürchtig, der sich mittlerweile zu Nora und Beck gesellt hatte.
„Cornelia Steenberg, Politikommissær. Kriminal efterforskningsafdeling Esbjerg“, hallte Connies lautes Dänisch durch den Wald, während sie sich unter dem Flatterband hindurchbückte, zielstrebig auf sie zuschritt und dabei die Lederhülle mit ihrem Dienstausweis hochhielt. Alles um sie herum verstummte schlagartig. Selbst die Mäuse und Käuze schienen bei Connies energischem Auftreten innezuhalten. Nora musste grinsen – doch da sie in Claudia Becks wohlgenährtem Schatten stand, sah es niemand.
„Beck mein Name. Polizeiobermeisterin“, stellte Beck sich vor. Dann deutete sie auf ihren jungen Kollegen. „Und das ist …“
Doch Connie unterbrach sie mit einer wegwerfenden Handbewegung. „POK Boysen und ich übernehmen ab hier. Vielen Dank für eure Hilfe. Und jetzt stellt euch bitte hinter die Absperrung.“ Connie deutete zum Flatterband hinüber.
Beck blieb der Mund offen stehen, Becker blinzelte irritiert. Nora wusste nicht, was Beck und Becker mehr verletzte: Connies Dänen-typisches Geduze oder die Degradierung hinter die Tatortabsperrung. Fast taten ihr die beiden uniformierten Kollegen ein wenig leid.
„POK Boysen?“, raunte Becker fragend. „Polizeioberkommissarin?“ Er blickte Nora an, die freundlich nickte. Damit war nun auch unter den anwesenden deutschen Polizeibeamten geklärt, wer die meisten Sterne auf den Schulterklappen trug. Claudia Beck hingegen störte sich an einem anderen Detail. „Dänisch?“, fragte sie scharf. „Wieso denn dänisch? Wieso ermittelt denn jetzt die dänische Kriminalpolizei im deutschen Teil des Tönsburger Wäldchens?“
„Mach dir darum mal keine Sorgen. Ich kläre das gleich mit den Kollegen von der deutschen Kriminalpolizei.“ Connies strahlendes Lächeln, mit dem sie Beck und Becker bedachte, verfehlte leider seine Wirkung. Denn selbst wenn Connie versuchte, freundlich zu sein, brach doch immer ihre leichte Überheblichkeit durch. Nora nahm sich vor, ihr das in einem ruhigen Moment mal zu sagen. Aber von einem ruhigen Moment waren sie gerade meilenweit entfernt. Denn kaum dass sich Beck und Becker widerwillig hinter ihre eigene Absperrung begeben hatten und außer Hörweite waren, packte Connie Nora fest am Arm.
„Nora, was weißt du hierüber?“ Sie nickte zur Leiche hinüber.
„Nichts!“ Nora riss sich aus Connies Klammergriff los und starrte sie entgeistert an. „Gar nichts! Das hätte ich dir doch gesagt!“
Irritiert stellte Nora fest, dass Connie stark nach Holzbrand roch. Aber noch irritierender fand sie die für Connie völlig untypische Aufgeregtheit.
„Du hast also in den letzten drei Wochen bei den Odinisten nichts mitbekommen? Keine Andeutung? Keine doppeldeutige Bemerkung? Keinen Hinweis auf einen Generationenritus? Nichts?!?“
„Nein! Die haben kein einziges Wort über Menschenopfer verloren.“
Und doch lag vor ihnen ein toter Mensch im heiligen Hain einer germanischen Neuheiden-Gemeinschaft mit einer blutigen Rune im Rücken.
„Du schätzt Stærkt Bånd völlig falsch ein“, rechtfertigte Nora sich weiter. „Das sind total friedfertige Menschen. Keine ganzkörpertätowierten Berserker, die Blutopfer vollziehen.“
Galt das auch für Lasse? Shit!
„Das da …“ Connie zeigte auf den Baumstumpf, über dem der Tote lag. „… ist exakt die Stelle, an der auch Rainer Thun und Kristoffer Kjær tot aufgefunden wurden. Verstehst du das, Nora? Exakt dieselbe Stelle! Der identische Baum! Vor sechzig Jahren stand hier noch eine Esche, an den Stamm war Rainer Thun gefesselt. Die Esche ist dann später gefällt worden, sodass Kristoffer Kjær über dem Stumpf lag. Beide hatten Runen in den Leib geritzt, beide starben in der Mittsommernacht.“ Selbst in der Dunkelheit konnte Nora Connies stechenden Blick spüren. „Glaubst du immer noch, dass das Zufall ist?“

Die Farbe des Himmels veränderte sich. In das Schwarz der Nacht mischte sich ein silbriger Schein. Der Morgen dämmerte. Die kürzeste Nacht des Jahres war vorüber.
Nora und Connie standen in pietätvollem Abstand zur Leiche und hielten Totenwache.
„Sieht irgendwie aus wie das Haus vom Nikolaus.“ Connie starrte auf das Foto auf Noras Handy. „Nur ohne die Querbalken. Und mit einer Art Fähnchen auf dem Dach.“
„Auf jeden Fall sieht diese Rune völlig anders aus als bei den beiden anderen Toten“, erwiderte Nora.
Connie zog das Foto größer und betrachtete es in maximaler Auflösung. „Sag mal, findest du auch, dass diese Schnitte irgendwie ungleichmäßig wirken?“ Connie gab Nora das Handy zurück, die Stirn immer noch nachdenklich gerunzelt. „So zittrig. Als ob das Messer von einer ungeübten Hand geführt worden wäre.“
„Das ist mir auch schon aufgefallen. Vielleicht kann uns das die Rechtsmedizin erklären.“ Nora schaute auf ihr Handy. Drei Uhr vierundzwanzig. Seit knapp zwei Stunden warteten sie sowie Beck und Becker auf die Kollegen aus Flensburg. Aus Connies Auto hatte sie sich eines der insgesamt vier Paar Wechselschuhe nehmen dürfen, die Connie neben einem Biwakzelt und einer Notfalltasche mit diversen Outdoor-Survival-Utensilien immer in ihrem Kofferraum mit sich führte. Die Sneaker waren zwar drei Nummern zu groß, aber wenigstens spürte Nora langsam ihre Zehen wieder.
Im Wald begann sich morgendliche Betriebsamkeit zu regen. Die ersten Vogelstimmen wurden laut und lösten mit ihrem frühen Zwitschern das Käuzchen ab. Claudia Beck gähnte hinter vorgehaltener Hand.
Auf einmal zischte Becker so scharf durch den Wald, dass Connie, Nora und Beck erschrocken zusammenzuckten. „Psssssssssssssst!“
Reflexartig hielten alle die Luft an.
„Habt ihr das auch gerade gehört?“
Becker schloss die Augen, legte eine Hand an die Ohrmuschel und neigte seinen Kopf konzentriert zur Seite. Alle lauschten angestrengt. In der Ferne rauschte das Meer. In den Baumkronen säuselte der Wind. Das Flatterband knisterte leise. Sonst … nichts! Connie und Nora wechselten einen fragenden Blick, auch Claudia Beck schien ratlos.
„Was denn?“, flüsterte sie nach ein paar langen Sekunden.
„Ach, nichts.“ Becker öffnete wieder die Augen und schüttelte leicht den Kopf. „Ich habe mich bestimmt verhört.“ Müde wischte er sich über das Gesicht.
Dankbar registrierte er, dass niemand weiter nachfragte. Wie hätte er auch sonst glaubhaft erklären können, dass er ganz sicher das Gackern eines Huhns gehört hatte?

Anne-M. Keßel

Über Anne-M. Keßel

Biografie

Anne-M. Keßel arbeitet als Drehbuchautorin. 2018 war sie für den Thriller „Nackt. Das Netz vergisst nie“ für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Bestes Buch“ nominiert. Der Krimi „Gefährliche Gischt“ ist ihr Romandebüt.

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