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Paper ParadisePaper Paradise

Paper Paradise

Die Sehnsucht

Paperback
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Paper Paradise — Inhalt

Seit Hartley den attraktiven, reichen und wilden Easton Royal kennengelernt hat, ist in ihrem Leben nichts mehr, wie es war. Sie schwebt auf Wolke sieben – doch an jeder Ecke lauern neidische Feinde. Als der schreckliche Unfall geschieht, bei dem Eastons Bruder lebensgefährlich verletzt wird, stellt das ihre neue Liebe auf eine harte Probe. Und als Hartley infolge des Unfalls auch noch ihr Gedächtnis verliert, kann sie niemandem mehr vertrauen. Sie spürt zwar die starke Anziehungskraft, die von dem sexy Royal mit den strahlend blauen Augen ausgeht, doch kann sie sich wirklich auf den wilden, unbändigen Easton verlassen und sich ein zweites Mal in ihn verlieben?

€ 12,99 [D], € 13,40 [A]
Erschienen am 03.07.2018
Übersetzt von: Franzi Berg
368 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06117-9
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.06.2018
Übersetzt von: Franzi Berg
368 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97954-2

Leseprobe zu »Paper Paradise«

1. Kapitel

EASTON

Alle schreien durcheinander.

Stünde ich nicht unter Schock – und wäre ich nicht besoffener als besoffen –, könnte ich vielleicht einzelne Stimmen herausfiltern, sie bestimmten Personen zuordnen und so die bissigen Kommentare und wütenden Anschuldigungen verstehen, die herumgebrüllt werden.

Aber gerade klingt es wie eine nicht enden wollende Woge von Geräuschen. Eine Symphonie aus Hass, Sorge und Angst.

»… Schuld Ihres Sohnes!«

»Von wegen!«

»… Anzeige …«

»Easton.«

Ich verberge mein Gesicht in den Händen, reibe meine Augen an der [...]

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1. Kapitel

EASTON

Alle schreien durcheinander.

Stünde ich nicht unter Schock – und wäre ich nicht besoffener als besoffen –, könnte ich vielleicht einzelne Stimmen herausfiltern, sie bestimmten Personen zuordnen und so die bissigen Kommentare und wütenden Anschuldigungen verstehen, die herumgebrüllt werden.

Aber gerade klingt es wie eine nicht enden wollende Woge von Geräuschen. Eine Symphonie aus Hass, Sorge und Angst.

»… Schuld Ihres Sohnes!«

»Von wegen!«

»… Anzeige …«

»Easton.«

Ich verberge mein Gesicht in den Händen, reibe meine Augen an der schwieligen Innenseite.

»… selbst hier? … sollten in Handschellen abgeführt werden, Sie verdammter Hurensohn … reine Schikane …«

»… sehen, wie Sie das versuchen … keine Angst vor Ihnen, Callum Royal. Ich bin der Staatsanwalt …«

»Assistent des Staatsanwalts.«

»Easton.«

Meine Augen sind trocken und jucken. Ich bin mir sicher, dass sie blutunterlaufen sind. Das sind sie immer, wenn ich besoffen bin.

»Easton.«

Jemand berührt mich an der Schulter, eine Stimme löst sich aus dem Gewirr. Ich hebe den Kopf und sehe meine Stiefschwester vor mir, die mich besorgt mit ihren blauen Augen betrachtet.

»Du hast dich seit drei Stunden nicht bewegt. Sprich mit mir«, fleht Ella leise. »Sag mir, dass alles okay ist.«

Okay? Wie soll denn alles okay sein? Hast du nicht mitbekommen, was passiert ist, verdammt? Wir sind in einem privaten Wartezimmer im Bayview General Hospital – die Royals müssen selbstverständlich nicht in die normale Notaufnahme, die nur dem gewöhnlichen Fußvolk zugemutet wird. Wir bekommen überall eine Sonderbehandlung, auch im Krankenhaus. Als mein Bruder Reed letztes Jahr niedergestochen wurde, brachte man ihn sofort in den OP, als wäre er der Präsident höchstpersönlich. Zweifellos musste dafür jemand anderes warten, der sicher viel dringender unters Skalpell gemusst hätte. Aber Callum Royals Name kann viel bewirken in diesem Bundesstaat. Quatsch, Staat. Im ganzen Land. Alle kennen meinen Vater. Alle fürchten ihn.

»… Strafanzeige gegen Ihren Sohn …«

»Ihre verdammte Tochter ist verantwortlich für …«

»Easton«, sagt Ella noch einmal.

Ich ignoriere sie. Im Moment existiert sie nicht in meiner Welt. Weder Ella noch Dad noch John Wright. Nicht mal mein Bruder Sawyer, der gerade erst zu uns gestoßen ist, nachdem ihm ein paar Stiche an der Schläfe verpasst wurden. Superkrasser Autounfall, und Sawyer kommt mit ’ner Schramme davon.

Während sein Zwillingsbruder …

Tja, was?

Keine Ahnung. Wir haben noch nichts Neues von Sebastian gehört, seit wir angekommen sind. Er wurde, blutüberströmt wie er war, auf einer Trage weggefahren, und seine Angehörigen wurden in dieses Zimmer hier verfrachtet, um die Nachricht abzuwarten, ob er lebt oder nicht.

»Wenn mein Sohn stirbt, wird Ihre Tochter dafür büßen.«

»Sind Sie sicher, dass er überhaupt Ihr Sohn ist?«

»Sie gottverdammtes Arschloch!«

»Was denn? Ich habe den Eindruck, Sie bräuchten für all Ihre Söhne DNA-Tests. Warum leiern Sie die nicht gleich an? Wir sind ja schließlich in einem Krankenhaus. Sollte ja ein Leichtes sein, eben ein bisschen Blut abzuzapfen und zu testen, welcher Ihrer Jungs nun ein Royal ist und welcher zur O’Halloran-Brut gehört.«

»Dad! HALT DEN MUND!«

Hartleys qualvoller Ton fährt mir wie ein Messer ins Herz. Mag sein, dass die anderen für mich gerade nicht existieren. Sie schon. Sie sitzt seit drei Stunden in einer Ecke dieses Wartezimmers. Genau wie ich hat sie keinen Ton gesagt. Bis jetzt. Jetzt ist sie auf den Beinen, ihre grauen Augen glühen vor Wut, ihre Stimme ist hoch und anklagend, während sie sich auf ihren Vater stürzt.

Ich habe keine Ahnung, warum John Wright überhaupt hier ist. Er kann seine Tochter nicht leiden. Er hat Hartley auf ein Internat geschickt. Er hat ihr verboten, wieder zu Hause einzuziehen, als sie nach Bayview zurückgekehrt ist. Er hat sie heute Abend angeschrien, hat ihr gesagt, sie gehöre nicht mehr zur Familie, hat damit gedroht, ihre kleine Schwester wegzuschicken.

Aber kaum hatten die Rettungswagen Hartley, die Zwillinge und die Freundin der Zwillinge abtransportiert, war Mr Wright der Erste, der sich ebenfalls auf den Weg Richtung Krankenhaus gemacht hat. Vielleicht will er ja verhindern, dass Hartley rumerzählt, was für ein jämmerliches Stück Scheiße er ist.

»Warum bist du überhaupt hier?« Hartley schreit meinen Gedanken laut raus. »Ich wurde nicht verletzt! Mir geht’s gut! Ich brauche dich hier nicht, und ich will dich hier nicht.«

Wright brüllt irgendwas zurück, aber ich achte nicht darauf. Ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, Hartley zu beobachten. Seit ihr Wagen vor dem Haus ihres Vaters mit dem Range Rover der Zwillinge zusammengeprallt ist, hat sie permanent behauptet, es gehe ihr gut. Nicht mir gegenüber, selbstverständlich – sie hat nicht einmal in meine Richtung geschaut. Aber das kann ich ihr nicht vorwerfen.

Ich bin für all das hier verantwortlich. Ich habe an diesem Abend ihr Leben zerstört. Mein Handeln hat sie dazu veranlasst, genau in dem Moment in ihr Auto zu steigen, in dem meine Brüder um die Kurve gerast kamen. Wäre sie nicht so aufgebracht gewesen, vielleicht hätte sie den Wagen eher gesehen. Vielleicht wäre Sebastian dann … nicht tot? Noch am Leben?

Verdammt, warum erfahren wir hier denn nichts?

Hartley beharrt darauf, dass sie nicht verletzt ist, und die Sanis scheinen da ihrer Meinung zu sein, denn sie haben sie direkt nach der Untersuchung herkommen lassen. Aber gerade gefällt sie mir gar nicht. Sie schwankt. Atmet hektisch. Außerdem ist sie blasser als die weiße Wand hinter ihr, was einen echt schockierenden Kontrast zu ihrem schwarzen Haar bewirkt. Dabei ist da kein einziger Tropfen Blut an ihr. Keiner. Was mich total erleichtert, Sebastian war schließlich überströmt davon.

Galle steigt mir die Kehle hoch, als der Unfallort vor meinem geistigen Auge aufblitzt. Splitter der zerbrochenen Windschutzscheibe auf dem Bürgersteig. Sebastians regloser Körper. Die rote Pfütze. Laurens Schreie. Zum Glück waren die Donovans schon hier und haben Lauren mitgenommen. Das Mädel hat die ganze Zeit über nicht zu schreien aufgehört.

»Hartley«, höre ich Ellas leise Stimme. Klar, dass meiner Stiefschwester Hartleys bleicher Zustand nicht entgangen ist. »Komm, setz dich. Du siehst gar nicht gut aus. Sawyer, hol Hartley etwas zu trinken.«

Mein Bruder verschwindet ohne ein Wort. Er gleicht einem Zombie, seit sein Zwilling weggerollt wurde.

»Mir geht’s gut!«, speit Hartley aus und schüttelt Ellas kleine Hand von ihrem Arm ab. Dann wendet sie sich direkt wieder an ihren Vater, immer noch wacklig auf den Beinen. »Du bist der Grund dafür, dass Sebastian Royal verletzt wurde!«

Wrights Kinnlade klappt runter. »Wie kannst du es wagen, mir zu unterstellen –«

»Unterstellen?«, unterbricht sie ihn wütend. »Ich unterstelle rein gar nichts! Das ist ein Fakt! Easton wäre heute gar nicht bei dir aufgetaucht, wenn du nicht damit gedroht hättest, meine Schwester wegzuschicken! Ich wäre ihm nicht gefolgt, wenn er nicht zu dir gefahren wäre!«

Aber dann ist es doch meine Schuld, will ich einwerfen, aber ich bin so k. o. und vor allem ein zu verdammter Feigling, um überhaupt was zu sagen. Dabei stimmt es. Das alles ist meine Schuld. Der Unfall geht auf meine Kappe, nicht auf die von Hartleys Dad.

Hartley schwankt wieder, und diesmal zögert Ella nicht – sie greift nach Hartleys Oberarm und schiebt sie zu einem Stuhl.

»Hinsetzen«, befiehlt sie.

Derweil liefern mein Vater und Hartleys Dad sich wieder ein Blickduell. Ich habe meinen Dad noch nie so wütend erlebt.

»Diesmal werden Sie sich nicht freikaufen können, Royal.«

»Ihre Tochter saß am Steuer, Wright. Sie kann sich glücklich schätzen, wenn sie ihren nächsten Geburtstag nicht in der JVA verbringen muss.«

»Wenn jemand in den Knast wandert, dann ja wohl Ihr Sohn. Wo, verdammt noch mal, alle Ihre Söhne hingehören.«

»Fangen Sie bloß nicht an, mir zu drohen, Wright. Ein Anruf, und der Bürgermeister ist in fünf Minuten hier.«

»Der Bürgermeister? Sie glauben doch nicht im Ernst, dass dieser Mikropenis die Eier hat, mich zu feuern? Ich habe mehr Prozesse in diesem gottverdammten Bayview gewonnen als je ein Staatsanwalt zuvor. Die Bürger würden ihn hinrichten und Sie …«

Zum ersten Mal seit drei Stunden finde ich meine Stimme wieder.

»Hartley«, sage ich heiser.

Mr Wright unterbricht sich mitten im Satz. Er fährt zu mir herum, Dolche im Blick. »Sprich nicht mit meiner Tochter! Hast du mich verstanden, du kleiner Bastard! Du sagst kein Wort zu ihr!«

Ich ignoriere ihn. Sehe nichts als Hartleys blasses Gesicht.

»Es tut mir leid«, flüstere ich. »Das ist alles meine Schuld. Ich hab den Unfall verursacht.«

Ihre Augen werden groß.

»Du sagst kein Wort zu ihr!« Schockierenderweise kam das jetzt von meinem Vater, nicht von ihrem.

»Callum«, entfährt es Ella, die so erstaunt aussieht, wie ich mich fühle.

»Nein«, dröhnt er, seine royalblauen Augen fixieren mich. »Kein Wort, Easton. Hier steht eine Strafanzeige im Raum. Und er«, Dad schaut John Wright an, als wäre er die fleischgewordene Erscheinungsform des Ebolavirus, »ist der stellvertretende Staatsanwalt. Du verlierst kein weiteres Wort über den Unfall, solange keiner unserer Anwälte anwesend ist.«

»Typisch Royal«, höhnt Wright. »Alle decken sich gegenseitig.«

»Ihre Tochter hat den Wagen meiner Söhne gerammt«, zischt Dad zurück. »Sie ist die einzige Verantwortliche.«

Hartley stößt ein Wimmern aus. Ella seufzt und streichelt ihre Schulter.

»Du bist nicht verantwortlich«, versichere ich Hartley und ignoriere alle anderen. Als wären wir allein hier im Wartezimmer. Ich und dieses Mädchen. Das erste Mädchen, mit dem ich je Zeit verbringen wollte, ohne dabei nackt zu sein. Ein Mädchen, mit dem ich befreundet bin. Ein Mädchen, mit dem ich mehr als nur befreundet sein wollte.

Und meinetwegen bekommt sie den Zorn meines Vaters zu spüren. Und fühlt sich schuldig für einen Unfall, der nicht mal passiert wäre, gäbe es mich nicht. Mein Bruder Reed hat sich selbst immer den Zerstörer genannt. Er dachte, dass er die Leben all derer zerstört, die er liebt.

Reed hat sich geirrt. Ich bin der, der immer alles kaputt macht.

»Keine Sorge, wir gehen«, brummt Wright.

Ich verspanne mich, als er auf Hartley zuhält.

Ella legt ihr schützend den Arm um die Schulter, aber mein Dad schüttelt barsch den Kopf.

»Lass sie gehen«, blafft er. »Der Bastard hat recht – sie haben hier nichts verloren.«

Panik steigt mir in die Kehle. Ich will nicht, dass Hartley geht. Und ganz besonders nicht mit ihrem Vater. Gott weiß, was der mit ihr anstellt.

Hartley ist da offenbar meiner Meinung, denn sie weicht ihrem Vater aus, als er sie packen will. Gleichzeitig schüttelt sie Ellas Arm ab. »Mit dir gehe ich nirgendwo hin!«

»Dir bleibt keine andere Wahl«, zischt er. »Ich bin immer noch dein Erziehungsberechtigter, ob es dir nun gefällt oder nicht.«

»Nein!« Hartley Stimme klingt wie ein Donnerschlag. »Ich komme nicht mit!« Sie fährt zu meinem Vater herum. »Hören Sie gut zu, mein Vater ist ein …«

Sie spricht den Satz nicht zu Ende, weil sie nach vorn fällt und auf den Boden knallt. Das Geräusch, das ihr Kopf macht, als er auf die Fliesen donnert, werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen.

Hundert Hände scheinen sich nach ihr auszustrecken, doch ich bin als Erster an ihrer Seite. »Hartley!«, rufe ich und rüttle an ihrer Schulter. »Hartley!«

»Beweg sie bloß nicht«, befiehlt mein Dad und versucht mich wegzudrängen.

Ich weiche ihm aus, lasse sie aber los. Ich lege mich neben sie auf den Boden, sodass mein Gesicht auf einer Höhe mit ihrem ist. »Hartley. Hart. Ich bin’s. Mach die Augen auf. Ich bin hier.«

Ihre Lider zucken nicht mal.

»Finger weg von ihr, du Dreckskerl!«, schreit ihr Vater.

»Easton.« In Ellas Ton schwingt Entsetzen mit, sie deutet auf Hartleys Kopf, unter dem ein kleines Blutrinnsal hervorkriecht. Mir ist nach Kotzen zumute, und das liegt nicht nur an dem Alkohol, der mir durch die Adern schießt.

»O mein Gott«, keucht Ella. »Ihr Kopf. Sie ist viel zu heftig aufgeschlagen.«

Ich schlucke meine Angst runter. »Ist okay. Alles wird gut.« Ich wende mich an Dad. »Hol einen Arzt! Sie ist verletzt!«

Jemand greift nach meiner Schulter. »Finger weg von meiner Tochter, hab ich gesagt!«

»Nein, Sie lassen die Finger von ihr!«, fauche ich Hartleys Vater an.

Plötzlich ist Bewegung hinter mir. Schritte. Mehr Rufe. Diesmal lasse ich mich aus dem Weg drängen. Es ist wie eine Wiederholung der Horrorshow mit Sebastian. Hartley auf einer Trage, Ärzte und Schwestern zischen sich Befehle zu, während sie Hartley wegschieben.

Ich starre hinter ihr her. Wie betäubt. Und fassungslos.

Was ist da gerade passiert?

»O mein Gott«, sagt Ella noch einmal.

Meine Beine wollen mich nicht mehr tragen. Ich sinke auf den nächstbesten Stuhl und ringe nach Luft. Was. Ist. Da. Gerade. Passiert?

War Hartley die ganze Zeit verletzt und hat einfach nichts gesagt? Oder war es ihr nicht bewusst? Die Sanis haben doch nichts gefunden, verdammt.

»Sie haben gesagt, sie ist okay«, krächze ich. »Sie wurde nicht mal stationär aufgenommen.«

»Sie kommt schon wieder auf die Beine«, versichert Ella mir, aber ihr Ton verrät, dass sie selbst nicht so ganz daran glaubt. Wir haben beide das Blut gesehen und das dunkelviolette Hämatom, das sich an ihrer Schläfe bildete. Dazu ihr schlaffer Mund.

Scheiße, ich muss brechen.

Ich muss Ella meine Achtung aussprechen – sie springt nicht mal beiseite, als ich mich vorbeuge und ihr auf die Schuhe kotze. Sie streichelt mir über den Kopf und streicht mir die Haare aus der Stirn. »Alles gut, East«, murmelt sie. »Callum, hol ihm was zu trinken. Keine Ahnung, wo Sawyer abgeblieben ist, der müsste eigentlich längst mit dem Wasser zurück sein. Und Sie …«, ich nehme an, Ella spricht mit Mr Wright, »Sie gehen jetzt besser. Sie können auch woanders auf Neuigkeiten über Hartleys Zustand warten.«

»Nur zu gern«, sagt Hartleys Vater angewidert.

Ich weiß, wann er weg ist, weil sofort die Spannung im Raum nachlässt.

»Sie kommt wieder auf die Beine«, sagt Ella noch mal. »Und Sebastian auch. Alle kommen wieder auf die Beine, East.«

Statt mich ermutigt zu fühlen, übergebe ich mich noch einmal.

Ich höre, wie sie zu sich selbst sagt: »Himmel, Reed, würdest du bitte endlich mal hier erscheinen.«

Schon geht das Geduldspiel wieder von vorn los. Ich trinke Wasser. Mein Dad und Sawyer sitzen schweigend da. Ella schlingt die Arme um Reed, als er schließlich auftaucht. Er musste den ganzen Weg vom College herfahren und sieht entsprechend geschafft aus. Wer könnte es ihm verübeln, es ist drei Uhr nachts. Wir alle sind geschafft.

Wir erfahren zunächst etwas von Sebastian. Seine Kopfverletzung ist Anlass zu größter Sorge. Er hat eine Hirnschwellung, aber noch können die Ärzte nicht sagen, wie gravierend sie ist.

Mein ältester Bruder, Gideon, trifft kurz nach Reed ein. Gerade rechtzeitig, um die Neuigkeiten über Sebs Gehirn mitzukriegen. Gid übergibt sich in den Abfalleimer in der Ecke des Wartezimmers, aber im Gegensatz zu mir ist er vermutlich nicht betrunken.

Stunden später erscheint ein anderer Arzt im Türrahmen. Dieser hatte nichts mit Seb zu tun, und sein Unbehagen ist nicht zu übersehen, während er sich im Raum umblickt.

Ich stehe taumelnd auf. Hartley. Diesmal geht es um Hartley.

 

2. Kapitel

HARTLEY

Ein grelles Licht, das in mein Gesicht scheint, weckt mich. Ich blinzle müde, versuche etwas zwischen den weißen Punkten zu erkennen, die vor meinen Augen tanzen.

»Da ist sie ja. Dornröschen ist aufgewacht. Wie geht es dir?« Das Licht funkelt erneut. Ich will es mit der Hand verscheuchen und werde fast ohnmächtig von dem Schmerz, der mich bei der Bewegung durchfährt.

»So gut, ja?«, fragt die Stimme. »Geben wir ihr noch mal dreißig Milligramm Toradol, aber achten Sie auf eventuelle Blutungen.«

»Jawohl.«

»Super.« Zwei metallische Gegenstände schlagen gegeneinander und lassen mich zusammenzucken.

Was ist passiert? Warum habe ich so krasse Schmerzen, dass mir selbst die Zähne wehtun? Hatte ich einen Unfall?

»Bleib liegen.« Eine Hand drückt mich auf etwas Weiches – eine Matratze. »Nicht aufsetzen.«

Ein mechanisches Summen, und schon hebt sich das Kopfteil meines Betts. Ich bekomme endlich eins meiner Augen auf und erahne durch die Wimpern ein Bettgitter, den Saum eines weißen Kittels, dann einen schwarzen Schemen.

»Was ist passiert?«, krächze ich.

»Du hattest einen Autounfall«, sagt der schwarze Schemen neben mir. »Als der Airbag auslöste, sind ein paar Rippen an deiner linken Seite gebrochen. Außerdem ist dein Trommelfell gerissen. Die resultierende vestibuläre Störung und die Dyspnoe – da ist Atemnot – verursachten eine Ohnmacht, durch die du heftig auf den Kopf geknallt bist. Du hast eine Gehirnerschütterung und ein leichtes Hirntrauma.«

»Hirntrauma?«

Ich hebe langsam die Hand zur Brust, zucke dabei permanent vor Schmerz zusammen, bis ich es schaffe, sie mir aufs Herz zu legen. Ich keuche. Das tut weh. Ich lege den Arm langsam wieder neben mir ab.

»Es schlägt noch, falls du dir da Sorgen machst.« Wieder die erste Stimme. Das muss der Arzt sein. »Kleine Menschen wie du sollten so weit vom Lenkrad entfernt sitzen wie möglich. Ein auslösender Airbag hat eine ähnliche Wucht wie ein Lkw.«

Ich lasse die schweren Lider wieder zufallen und versuche mich zu erinnern, aber da ist nichts. Mein Kopf fühlt sich gleichzeitig voll und leer an.

»Kannst du mir sagen, welcher Tag heute ist?«

Tag … Ich sage sie nacheinander in Gedanken auf. Montag, Dienstag, Mittwoch – keiner scheint mir der richtige zu sein. »Wie lange … ich hier?«, bringe ich heraus. Meine Kehle fühlt sich rau an, aber ich kann mir nicht erklären, wie das mit einem Unfall zusammenhängen soll.

»Hier«, sagt die weibliche Stimme und schiebt mir einen Strohhalm zwischen die Lippen. »Wasser.«

Das Wasser ist ein wahrer Segen, ich trinke, bis der Strohhalm außer Reichweite genommen wird.

»Das reicht erst mal. Wir wollen ja nicht, dass dir schlecht wird.«

Schlecht? Von Wasser? Ich lecke mir über die trockenen Lippen, finde aber nicht die nötige Energie, um zu widersprechen. Sacke zurück ins Kissen.

»Du bist seit drei Tagen hier. Wie wäre es mit einem kleinen Spiel?«, schlägt der Arzt vor. »Kannst du mir sagen, wie alt du bist?«

Das ist leicht. »Vierzehn.«

»Hmmm.« Die Schwester und er wechseln einen Blick, den ich nicht deuten kann. Bin ich zu jung für die Medikamente, die sie mir geben?

»Verrätst du uns deinen Namen?«

»Klar.« Ich öffne den Mund, um zu antworten, aber plötzlich ist mein Kopf leer. Ich schließe die Augen, versuche es noch mal. Nichts. Ein einziges, riesiges Nichts. Panisch schaue ich zum Arzt. »Ich kann mich nicht …« Ich schlucke und schüttle einmal heftig den Kopf. »Ich heiße …«

»Mach dir keine Gedanken.« Er lächelt, als wäre es keine große Sache, dass ich mich nicht an meinen eigenen Namen erinnern kann. »Geben Sie ihr noch einmal Morphin und Benzo. Und rufen Sie mich, wenn sie das nächste Mal zu sich kommt.«

»Wird gemacht, Herr Doktor.«

»Aber ich – warten Sie«, sage ich, doch die Schritte entfernen sich schon.

»Sssch, alles wird gut. Dein Körper braucht noch Ruhe«, sagt die Schwester und drückt mich mit der Hand aufs Bett.

»Ich muss doch wissen – ich muss doch fragen«, verbessere ich mich.

»Mach dir keine Sorgen, wir sind alle noch da, wenn du das nächste Mal wach wirst. Versprochen.«

Weil es viel zu wehtut, mich zu bewegen, lasse ich mich davon beruhigen. Außerdem hat sie recht, entscheide ich. Der Arzt wird hier sein, denn dies ist ein Krankenhaus, und dort arbeiten Ärzte. Warum ich hier bin, wie ich hier gelandet bin – all das kann warten. Morphium und Benzo, was immer das ist, klingen gut. Ich werde mehr Fragen stellen, wenn ich wieder wach bin.

Aber ich schlafe nicht gut. Ich höre Geräusche und Stimmen – hoch, tief, besorgt, wütend. Ich runzle die Stirn und versuche den besorgten Stimmen zu sagen, dass es mir gut geht. Ich höre ständig einen einzigen Namen – Hartley, Hartley, Hartley.

»Wird sie sich wieder erholen?«, fragt eine tiefe männliche Stimme. Es ist die Stimme, die immer wieder diesen Namen wiederholt hat – Hartley. Ist das meiner?

Ich neige mich zu der Stimme wie eine Blüte zur Sonne.

»Alles deutet darauf hin. Warum versuchen Sie nicht ein bisschen zu schlafen? Wenn Sie sich nicht ausruhen, stecken Sie bald im selben Bett wie sie.«

»Das hoffe ich ja«, erwidert die erste Stimme.

Der Arzt lacht. »Das ist definitiv die richtige Einstellung.«

»Das heißt, ich darf noch bleiben?«

»Nein, ich setze Sie trotzdem vor die Tür.«

Geh nicht, flehe ich, aber die Stimmen hören nicht auf mich, und schon bald bin ich wieder allein in der dunklen, erstickenden Stille.

 

3. Kapitel

EASTON

Der Maria-Royal-Flügel des Bayview General Hospitals ähnelt einer Leichenhalle. Jeder in diesem vornehmen Wartezimmer sitzt eingehüllt in seinen persönlichen Trauernebel. Die dunkle Wolke droht mich komplett zu verschlucken.

»Ich geh mal frische Luft schnappen«, murmle ich an Reed gewandt.

Seine Augen werden schmal. »Mach bloß keine Dummheiten.«

»Du meinst, wie mein Kind in eine Krankenhausabteilung zu stecken, die nach einer Mutter benannt wurde, die Selbstmord begangen hat?«, spotte ich.

Ella, die neben meinem Bruder sitzt, seufzt frustriert. »Wohin hättest du Seb denn gebracht?«

»Überallhin, nur nicht hierher!« Ich kann nicht fassen, dass die beiden die schlechten Schwingungen hier nicht mitkriegen. Nichts Gutes ist uns in diesem Krankenhaus je passiert. Unsere Mom ist hier gestorben. Seb wacht nicht aus dem Koma auf, und meine Freundin hat sich fast den Schädel eingeschlagen.

Die beiden bedenken mich mit einem fragenden Blick und schauen dann einander an, um sich in einer ihrer wortlosen Unterhaltungen zu verlieren. Sie sind jetzt seit über einem Jahr zusammen, offenbar haben ihre Zyklen sich synchronisiert oder so ein Scheiß. Selbstverständlich muss ich mit keinem von ihnen schlafen, um zu wissen, dass es um mich geht. Ella telegrafiert, dass sie fürchtet, ich könnte durchdrehen. Reed versichert ihr, dass ich nichts tun werde, was die Familie in Verlegenheit bringen könnte. Als sie wegschaut, wirft er mir einen finsteren Blick zu, der nur seine vorherige Warnung unterstreicht, dass ich bloß nicht den Kopf verlieren soll.

Ich verlasse das Trauerzimmer, die schwere Automatiktür schließt sich hinter mir. Dann wandere ich durch einen der zwei weißen, breiten Marmorflure dieses Krankenhausflügels, der mit Dads Blutgeld bezahlt wurde. Hier ist es still, ganz im Gegensatz zur Notaufnahme im Erdgeschoss, wo Kinder schreien, Erwachsene husten und ständig Bewegung herrscht.

Hier gleiten Gummisohlen lautlos über den Boden, während makellos gekleidetes Personal in den Zimmern verschwindet, um nach ihren wohlhabenden Patienten zu sehen. Immerhin ist es möglich, dass ein neuer Krankenhausflügel in einem der Betten liegt, da kümmert man sich doch lieber gleich umso aufopfernder. Die Matratzen sind besser, die Laken exquisiter, die Krankenhaushemden vom Designer. Assistenzärzte werden nur geduldet, wenn sie von einem vollwertigen Arzt begleitet werden. Selbstverständlich kostet es, in einer dieser VIP-Suiten unterzukommen. Hartley ist nur deshalb hier, weil ich einen Mörderaufstand angekündigt habe, sollte sie zur restlichen Patientenschar gesteckt werden. Dad gefällt das gar nicht. Er findet es gleichbedeutend mit einem Schuldeingeständnis, aber ich habe damit gedroht, direkt zur Presse zu gehen und zu behaupten, dass sowieso alles meine Schuld war. Also sagte er, er würde eine Woche zahlen, nicht mehr. Dagegen werde ich kämpfen, sollte sie länger bleiben müssen, aber darum kümmere ich mich erst, wenn es so weit ist. Eine Krise nach der anderen.

Ich entdecke meinen Bruder Sawyer, der vor einem Papierkorb zusammengesackt ist.

»Alles in Ordnung? Willst du was trinken? Essen?«

Er schaut mich aus leeren Augen an. »Ich hab meinen Becher weggeworfen.«

Heißt das, er hat Durst? Der Kerl sieht aus wie der Tod auf Latschen. Wenn Seb nicht bald zu sich kommt, ist der nächste Royal, der hier eingeliefert wird, Sawyer, nicht ich.

»Was hattest du denn?«, frage ich und schiele in den Abfalleimer. Darin liegen ein paar Fast-Food-Verpackungen, die braunen Pappschachteln des VIP-Delikatessenwagens. Außerdem ein paar Energydrinks. »War es Gatorade?«, rate ich. »Ich hol dir ein neues.«

»Ich hab keinen Durst«, murmelt Sawyer.

»Hey, einfach raus damit. Sag mir, was du brauchst.« Wenn er es denn selbst weiß. Er klingt wie im Delirium.

»Nichts.« Er kommt auf die Beine.

Ich eile an seine Seite und lege ihm eine Hand auf die Schulter. »Sag mir, was du brauchst.«

Sawyer schlägt meine Hand weg. »Fass mich nicht an«, faucht er mich in einem plötzlichen Wutausbruch an. »Seb wäre gar nicht erst da drin, wenn du nicht wärst.«

Ich will protestieren, dabei hat er ja recht. »Stimmt«, sage ich mit einem Kloß im Hals.

Sawyers Gesichtsausdruck wird immer verkniffener. Er beißt die Zähne zusammen, damit seine Lippen nicht anfangen zu zittern, aber das ist mein kleiner Bruder. Ich weiß einfach, wenn er kurz davor ist, in Tränen auszubrechen. Deshalb reiße ich ihn an mich, halte ihn fest, obwohl er sich wehrt.

»Es tut mir leid.«

Jetzt klammert er sich an mein T-Shirt, als wäre es eine Rettungsleine. »Seb wird das überstehen, oder?«

»Aber so was von.« Ich klopfe meinem Bruder auf den Rücken. »Der kommt wieder zu sich, und dann macht er sich darüber lustig, dass wir hier geheult haben.«

Sawyer kann dazu nichts sagen. Seine Gefühle schnüren ihm die Kehle zu. Er klammert sich eine geschlagene Minute an mich, dann schiebt er mich weg. »Ich setz mich zu ihm ans Bett«, sagt er, den Blick zur Wand gerichtet.

Seb ist derjenige der Zwillinge, der Tierjunge rettet und das Emoji mit den Herzchenaugen inflationär benutzt, Sawyer ist eher der Macho. Der, der nicht so viel redet. Der, der seine Gefühle nicht so gern zeigt. Aber ohne seinen Zwillingsbruder ist Sawyer allein und verängstigt.

Ich drücke seine Schulter und lasse ihn gehen. Die Zwillinge müssen zusammen sein. Wenn jemand Seb aus seinem Koma holen kann, dann Sawyer.

Ich steuere das Ende des zweiten Flurs an, wo Hartleys Zimmer liegt. Eine der fast unhörbaren Schwestern begrüßt mich an der Tür. »Tut mir leid«, sagt sie. »Keine Besucher.«

Sie zeigt auf einen digitalen Bildschirm rechts von der Tür, auf dem das Wort »privat« blinkt.

»Ich gehöre zur Familie, Susan«, lese ich von ihrem Namensschild ab. Schwester Susan bin ich bisher noch nicht begegnet.

»Mir war nicht bewusst, dass Ms Wright Brüder hat.« Sie bedenkt mich mit einem Blick, der mir sagt, dass sie meinen Bullshit durchschaut, weil sie weiß, wer ich bin.

Aber aufgeben liegt nicht in meiner Natur. Ich setze ein gewinnendes Lächeln auf. »Cousin. Ich bin gerade eingeflogen.«

»Tut mir leid, Mr Royal. Keine Besucher.«

Ertappt. »Hören Sie, Hartley ist meine Freundin. Ich muss sie sehen. Für was für einen Arsch wird sie mich halten, wenn ich sie nicht mal besuche? Das wird sie verletzen, und wir müssen ihr ja nicht noch mehr aufbürden als eh schon, oder?« Ich merke, dass Schwester Susan weich wird. »Sie will mich sicher auch sehen.«

»Ms Wright braucht Ruhe.«

»Ich bleibe auch nicht lange«, verspreche ich. Als sie nicht sofort einlenkt, fahre ich das schwere Geschütz auf. »Mein Vater möchte ein Update. Callum Royal? Sie können einen Blick auf die Einlieferungsakte werfen. Da finden Sie seinen Namen.«

»Aber Sie sind nicht Callum Royal«, betont sie.

»Ich bin sein Sohn und von ihm bevollmächtigt.« Ich hätte von Dad verlangen sollen, dass er mich auf jedes nötige Formular setzt, damit ich kommen und gehen kann, wann ich will. Gerade versuche ich zum ersten Mal, ohne ihn zu Hartley zu kommen. Offenbar habe ich die Wirkung seines Namens unterschätzt. Dabei hätte es mir klar sein müssen. Diesen Teil des Krankenhauses gäbe es ohne sein Geld einfach nicht.

Schwester Susan legt die Stirn zwar in Falten, tritt aber trotzdem beiseite. Hat halt doch Vorteile, wenn der eigene Nachname draußen am Gebäude steht.

»Überanstrengen Sie sie nicht«, sagt sie. Mit einem letzten warnenden Blick geht sie.

Ich warte ab, bis sie um die Ecke gebogen ist, bevor ich hineingehe. Ja, ich will, dass Hartley sich ausruht, aber sie kann ja ungestört weiterschlafen, wenn ich sie mit eigenen Augen gesehen und mich davon überzeugt habe, dass alles so weit in Ordnung ist.

Leise umrunde ich das Sofa und die Sessel der Sitzecke dieser Suite. Genau wie Seb schläft sie. Im Gegensatz zu Seb war sie jedoch bereits mehrfach bei Bewusstsein. Der Arzt meinte zu Dad, bevor er heute zur Arbeit aufgebrochen ist, dass sie schätzungsweise heute oder spätestens morgen wieder ganz zu sich kommen wird.

Ich ziehe einen der schweren Stühle ans Bett, nehme ihre Hand und achte darauf, dass der Fingermonitor dabei nicht verrutscht. Sie hier so reglos auf dem Bett liegen zu sehen, mit all den Schläuchen und Drähten, die sich von ihren Armen zu Infusionsbeuteln und Maschinen schlängeln, macht mir das Herz schwer. Am liebsten würde ich die Zeit, die Welt zurückdrehen, bis wir wieder bei ihr in der Wohnung sitzen und ich sie nach ihrem harten Arbeitstag mit dem Burrito füttere, den ich unterwegs für sie gekauft habe.

»Hallo, Dornröschen.« Ich streichle mit dem Daumen über ihre weiche Hand. »Wenn du so dringend blaumachen wolltest, hättest du doch was sagen können. Dann wären wir einfach nicht zur Schule gegangen oder hätten ein Attest gefälscht.«

Sie zuckt nicht mal. Ich werfe einen Blick auf den Monitor über ihrem Kopf, ohne wirklich zu wissen, wonach ich suche. Ihr Zimmer ist geringfügig weniger Furcht einflößend als Sebs. Er trägt eine Sauerstoffmaske, und das Klacken der Maschine, wenn sie sich aufzieht, um den nächsten Atemzug für ihn zu holen, ist beängstigender als die Musik im schlimmsten Horrorfilm.

Ich will, dass Hart aufwacht, damit sie meine Hand halten kann. Ich wische mir mit der freien Hand übers Gesicht und zwinge mich, positiv zu denken.

»Bevor du aufgetaucht bist, hätte ich am liebsten das ganze letzte Schuljahr ausgelassen, aber jetzt bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe. Wir werden eine Menge Spaß haben. Wie wäre es mit einem Ausflug nach Saint-Tropez an Thanksgiving? Hier wird es so kalt, und ich habe keinen Bock auf Mantel und Stiefel. Und über Weihnachten könnten wir nach Andermatt in die Alpen fliegen. Wenn du Ski fahren möchtest, bleiben wir aber in Verbier. Die Pisten da sind echt der Hammer, aber vielleicht willst du lieber nach Sankt Moritz?« Ich erinnere mich dunkel daran, dass ein paar der Astor-Mädels sich gar nicht mehr eingekriegt haben, nachdem sie einmal dort shoppen waren.

Sie antwortet nicht. Vielleicht fährt sie ja überhaupt nicht gern Ski. Mir wird bewusst, dass wir, vor dem Unfall, noch gar nicht wirklich damit angefangen hatten, uns gegenseitig kennenzulernen. Es gibt so viel, was ich nicht weiß über Hartley.

»Wir könnten auch nach Rio fliegen. Die Neujahrsfeiern dort sind fantastisch. Pash war da mal vor ein paar Jahren und hat erzählt, das ist wie ein Rave mit zwei Millionen Teilnehmern.«

Andererseits. Vielleicht hat sie mit ihrer Kopfverletzung ja gar keinen Bock auf Party. Fuck, Easton, du bist so ein Idiot. »Oder wir bleiben hier. Wir könnten deine Wohnung renovieren. Oder eine ganz neue Bleibe für dich und deine kleine Schwester Dylan suchen, wenn du sie davon überzeugen kannst, mit dir zusammenzuziehen. Was meinst du?«

Nicht mal ein Wimpernzucken. Angst überkommt mich. Ich halte das nicht aus. Seb und Hartley sind bewusstlos. Das ist doch nicht fair. Die Hand, die ihre hält, fängt an zu zittern. Ich habe das Gefühl, ich stehe an einer Felskante, die mir langsam unter den Füßen wegbricht. Der Abgrund lockt mich, verspricht mir dunklen Frieden nach dem freien Fall.

Ich lasse das Kinn auf die Brust sinken und kaue auf dem Kragen meines T-Shirts herum, um meine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen. Ich weiß haargenau, wie verzweifelt und verloren sich Sawyer fühlen muss. Hartley ist zu einem Zeitpunkt aufgetaucht, als es mir abgrundtief schlecht ging. Sie hat mich zum Lachen gebracht. Sie hat mir die Zuversicht gegeben, dass es für mich eine Zukunft jenseits vom Saufen, Feiern und Vögeln gibt. Und jetzt ist ihre Zukunft dahin.

Sie kommt schon wieder auf die Beine. Jetzt reiß dich mal zusammen. Dein T-Shirt vollzurotzen ändert auch nichts.

Ich hole tief Luft und presse mir ihre Hand gegen die Lippen. »Alles wird gut, Babe.« Ich sage das, um mir und ihr gleichermaßen Mut zu machen. »Alles wird gut, Hart.«

Das muss es einfach – ihret- und meinetwegen.

 

4. Kapitel

HARTLEY

Heart. Heart. Wie Herz. Das Wort schwirrt mir durch den Kopf. Irgendwas mit meinem Herzen. Nein. Hart. Hartley! Ich schlage die Augen auf und krächze. »Hartley. Ich heiße Hartley Wright.«

»Fleißbienchen für das hübsche Mädchen in Blau«, sagt eine bekannte Stimme.

Ich drehe den Kopf zur Seite, wo der Arzt steht. Wir lächeln uns an – ich, weil er hier ist, ganz wie er versprochen hat, und er, weil seine Patientin aufgewacht ist und ihren Namen wieder weiß.

Der Becher mit Wasser und Strohhalm wird mir von Susan vors Gesicht gehalten, wie ihr Namensschild verrät, einer etwas rundlicheren Schwester, die dem Arzt gerade mal bis zur Brusttasche reicht.

»Danke«, sage ich. Diesmal wird mir der Becher jedoch nicht weggenommen, weshalb ich ihn glatt leere. Ein Surren setzt ein, als Susan das Kopfteil des Bettes elektronisch anhebt, um mich in eine sitzende Position zu bringen.

»Weißt du, wo du bist?«, fragt der Arzt und leuchtet mir wieder in die Augen. Auf seinem Namensschild steht J. Joshi.

»Krankenhaus.« Das ist geraten, aber wenn ich von Arzt und Schwester und dem hässlichen blauen Hemd mit den rosa Blümchen ausgehe, das mir über den Schultern hängt, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich richtigliege.

»Und in welchem?«

»Gibt es in Bayview mehr als eins?« Wunderbar. Ich weiß sogar, wo ich bin. Erleichtert lehne ich mich zurück. Jetzt verstehe ich die Leere in meinem Kopf nach meinem ersten Aufwachen. Ich war so schwer verletzt, dass ich in ein Krankenhaus gebracht werden musste, deshalb war ich auch so verwirrt.

Er klopft mit der Faust gegen das hölzerne Fußende. »Zwei von drei ist nicht übel.«

»Was ist denn passiert?« Habe ich die Frage schon mal gestellt? Sie kommt mir so bekannt vor. Aber selbst wenn, eine Antwort hab ich nicht bekommen. Zumindest keine, an die ich mich erinnern könnte. Wenn ich die Augen schließe und mich darauf konzentriere, wie ich hergekommen bin, sehe ich nichts als Dunkelheit. Mir tut alles weh, ich muss also in einen Unfall verwickelt gewesen sein. Hat mich ein Lkw gerammt? Bin ich aus dem zweiten Stock gefallen? Wurde ich beim Einkaufen niedergeschlagen?

»Du hattest einen Autounfall«, sagt der Arzt. »Deine körperlichen Verletzungen heilen gut, aber unsere Unterhaltungen in den kurzen Phasen, in denen du bei Bewusstsein warst, legen nahe, dass du unter einer traumainduzierten retrograden Amnesie leidest, zu der es durch deinen Sturz hier im Krankenhaus kam.«

»Moment, langsam.« Das waren eine ganze Menge Wörter, die er mir da gerade um die Ohren gepfeffert hat.

»Du leidest an Amnesie, die –«

»Also an Gedächtnisverlust?«, unterbreche ich ihn. »Das gibt’s wirklich?«

»Das gibt’s wirklich«, bestätigt Doc Joshi mit einem Lächeln.

»Und was bedeutet das?«

»Im Wesentlichen, dass all deine persönlichen Erinnerungen – also dein erster Tag im Kindergarten, dein erster Kuss oder dein erster Streit mit deinem Freund – vermutlich nie wiederkehren werden.«

Mir fällt die Kinnlade runter. Das muss ein Scherz sein. »Es kann sein, dass meine Erinnerung nie zurückkommt? Das ist wirklich möglich?« Ich schaue mich nach einer Kamera um, nach einem Vorhang, hinter dem jemand hervorspringen und »Überraschung!« rufen kann. Aber da ist keiner. Im Zimmer ist niemand außer Susan, Doc und mir.

»Leider ja. Aber du bist ja noch jung, da sollte das nicht zu gravierend sein.«

Mein Blick saust zu Dr. Joshi. »Nicht zu gravierend?« Hysterie blubbert meine Kehle hinauf. »Ich kann mich an nichts erinnern.«

»So fühlt sich das jetzt vielleicht an, in Wirklichkeit erinnerst du dich aber an eine ganze Menge. Was wir so beobachten konnten – während du schliefst und bei unserer Unterhaltung gerade –, deutet stark darauf hin, dass dein prozedurales Gedächtnis noch intakt ist. Das heißt, motorische Fähigkeiten, die du einmal gelernt hast, sind noch da. Genauso anderes Erlerntes wie das Sprechen. Ein paar dieser Fähigkeiten werden dir nicht mehr bewusst sein, bis du sie ausprobierst. Nur als Beispiel: Du wirst nicht mehr wissen, wie man Fahrrad fährt, bis du auf eins steigst. Das Wichtigste ist, dass du schon in wenigen Wochen wieder ganz die Alte sein wirst, wenn du dich nur gut ausruhst und erholst.«

»Ganz die Alte?«, wiederhole ich dumpf. Wie soll das denn gehen, wenn ich keine Erinnerungen mehr habe?

»Ja, konzentriere dich nicht auf das Negative.« Er schreibt etwas in meine Akte, bevor er sie Schwester Susan reicht. »Und jetzt kommen wir zum schwierigsten Teil deines Genesungsprozesses.«

»Wie gut, dass ich schon liege, wenn die Nachricht, dass ich mein gesamtes Gedächtnis verloren habe, noch nicht einmal der schwierigste Teil war.« Ich weiß, ich sollte nicht sarkastisch werden, aber das ist einfach echt scheißhart zu schlucken.

Doc Joshi grinst. »Schön, deinen Sinn für Humor hast du offenbar nicht verloren.« Das Grinsen erstirbt. »Es ist sehr gut möglich, dass ganz persönliche Erinnerungen wiederkommen. Trotzdem muss ich dazu mahnen, offen zu sein, wenn du dich mit anderen austauschst. Ihre Erinnerungen an Ereignisse werden anders sein als deine. Kannst du mir folgen?«

»Nein.« Die Wahrheit ist die Wahrheit. Das ergibt doch alles keinen Sinn. Wieso weiß ich meinen Namen, kann mich aber nicht an den Unfall erinnern? Wieso weiß ich, was ein Krankenhaus ist oder dass das, was in meinen Arm läuft, Infusion heißt oder dass harmonische Reihen bis ins Unendliche divergieren, aber nichts mehr über meinen ersten Kuss?

Der Arzt klopft an das Bettgitter, damit ich mich wieder auf ihn konzentriere.

»Bin ich Arzt?«, fragt er.

»Ja.«

»Warum?«

»Weil Sie einen weißen Kittel tragen. Außerdem haben Sie dieses Ding da« – Stethoskop spuckt mein Verstand glücklicherweise aus – »um den Hals, und Sie sprechen wie einer.«

»Und wenn Susan diesen Kittel trüge und das Stethoskop, würdest du dann nicht sie für die Ärztin halten?«

Ich drehe den Kopf, damit ich die Schwester sehen kann. Susan lächelt und hält sich die Hände wie einen Rahmen ums Gesicht. Ich ziehe ihr gedanklich den Kittel an und lege ihr das Stethoskop um den Hals, und dann nehme ich sie als genau das wahr, als das er sie beschrieben hat: eine Ärztin.

»Siehst du, Wahrheit ist ein Konzept, das auf individuellen Annahmen beruht. Hättest du Susan auf dem Flur getroffen, hättest du sie vielleicht für eine Ärztin gehalten, dabei ist sie in Wirklichkeit eine unserer besten Krankenschwestern. Was deine Mutter noch darüber weiß, als du dir ein Kleid deiner Schwester geliehen hast, wird sich von dem unterscheiden, an was deine Schwester sich erinnert. Wenn du dich mit deinem Freund gestritten hast, wird in seiner Erinnerung vielleicht jemand anderes den Streit angefangen haben als in deiner eigenen.

Ich habe deine Familie und Freunde darüber informiert, dass sie möglichst nicht mit dir über Episoden deines Lebens sprechen sollen, bis feststeht, ob die fragliche Erinnerung wirklich vollständig verloren ist. Ich werde einen entsprechenden Schrieb für deine Schule verfassen, und du solltest deine Mitschüler darüber in Kenntnis setzen. Wenn sie dir etwas über deine Vergangenheit erzählen, kann das deine Erinnerungen beeinträchtigen oder sogar überschreiben.«

Mir wird ganz kalt, während die Warnung des Arztes sackt. Diese ganze »Jede Geschichte hat zwei Seiten«-Sache bekommt eine ziemlich beängstigende Dimension.

»Das gefällt mir gar nicht«, sage ich.

»Das glaube ich gern. Mir würde es auch nicht gefallen.«

Dann muss ich mich eben einfach selbst erinnern, beschließe ich. Das ist die Lösung. »Wie lang wird es dauern, bis die Erinnerungen von selbst zurückkehren?«

Kann ich mich so lange verstecken?

»Tage, Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre. Das Gehirn ist ein ziemliches Mysterium selbst für Ärzte und Wissenschaftler. Es tut mir leid, ich wünschte, ich hätte eine bessere Antwort. Das Gute ist, wie ich vorhin schon sagte, dass du außer ein paar gebrochenen Rippen keinerlei körperliche Schäden davongetragen hast.«

Die Schwester hält eine kleine Ampulle in der Hand, zieht eine Spritze mit dem Inhalt auf. Ich betrachte sie und die Nadel mit mildem Unbehagen.

»Können Sie mir etwas geben, das mir meine Erinnerungen zurückbringt?«

»Tun wir.« Sie tippt gegen die Nadel.

»Erzählen Sie mir wenigstens grob, was passiert ist?«, flehe ich. »Habe ich jemanden verletzt?« Das ist nämlich das eigentlich Wichtige. »War noch jemand im Auto? Ein Familienmitglied?« Ich versuche mir meine Familie vorzustellen, es kommen aber nur ein paar unklare Bilder. Ein paar Schatten. Wie viele sind es? Ein, zwei … drei? Der Arzt sprach von einer Mutter, einer älteren Schwester, was mich zur Jüngsten machen würde, vorausgesetzt, meine Familie besteht aus vier Personen. Vielleicht ist meine Mutter aber auch geschieden, und ich habe zwei Geschwister? Wieso weiß ich das nicht? Blut rauscht mir durch den Kopf. Ein stechender Schmerz meldet sich hinter meinen Augen. Diese Ungewissheit wird mich noch umbringen.

»Sie waren allein unterwegs. Drei Jugendliche waren in dem anderen Wagen«, sagt Doc Joshi. »Zwei sind unverletzt, der dritte schwebt jedoch in Lebensgefahr.«

»O Gott«, stöhne ich. Das ist ja schrecklich. »Wer? Und was hat er? War es meine Schuld? Warum erinnere ich mich nicht daran?«

»Dein Verstand will dich schützen. Traumapatienten erleben das oft.« Er tätschelt meine Hand, bevor er geht. »Ich mache mir keine Sorgen, und das solltest du auch nicht.«

Mir keine Sorgen machen? Ich habe buchstäblich den Verstand verloren.

»Bist du bereit für Besuch?«, fragt die Schwester, als der Arzt weg ist. Sie spritzt das Mittel in den Infusionsbeutel am Haken neben meinem Bett.

»Ich weiß nicht genau, ob …«

»Ist sie wach?«, fragt eine Stimme an der Tür.

»Deine Freundin wartet schon seit Stunden, um dich zu sehen. Darf ich sie hereinlassen?«, fragt Schwester Susan.

Mein erster Impuls ist abzulehnen. Ich fühle mich wie der Tod. Alles tut weh, selbst meine Zehen. Die Vorstellung, zu lächeln und so zu tun, als wäre alles in Ordnung, erscheint mir wenig reizvoll.

Schlimmer noch, jede Form von Umgang mit Freunden und Familie könnte meine Erinnerungen beeinflussen, ihre zu meinen machen. Ich habe einen Teil von mir verloren. Und wenn ich mich nicht abgrenze, werde ich vielleicht nie wieder ganz die Alte.

Aber ich will mich nicht komplett abschotten. Kein Wissen ist schlimmer als Halbwissen.

»Ja.« Ich kann mir ja alles zusammenpuzzeln. Das, was mir erzählt wird, vergleichen und aus mehreren Richtungen beleuchten. Wenn etwas von mehr als einer Quelle bestätigt wird, dann ist es die Wahrheit. Mit den körperlichen Schmerzen komme ich klar; es ist die Ungewissheit, die an mir nagt. Ich nicke und wiederhole: »Ja.«

»Sie ist wach, aber sei bitte behutsam mit ihr«, ruft die Schwester.

Ich beobachte ein Mädchen mit glänzendem, langem, blondem Haar, das sich meinem Bett nähert. Ich erkenne sie nicht. Enttäuscht lasse ich meine Schultern sinken. Wenn sie seit Stunden wartet, muss sie eine enge Freundin sein. Weshalb erinnere ich mich dann nicht an sie? Denk nach, Hartley, denk nach!, befehle ich mir selbst.

Der Arzt hat gesagt, dass möglicherweise nicht alle Erinnerungen zurückkommen, aber damit kann er doch nicht gemeint haben, dass ich die Menschen vergesse, die mir etwas bedeuten, oder? Ist das überhaupt möglich? Müssten die Menschen, die ich liebe, nicht so tief in mein Herz geritzt sein, dass ich mich immer an sie erinnern werde?

Ich durchforste die Dunkelheit in meinem Kopf in der Hoffnung, einen Namen zu finden. Mit wem bin ich eng befreundet? Das Bild einer hübschen Rotblonden mit einer Menge Sommersprossen im Gesicht taucht auf. Kayleen. Kayleen O’Grady. Mit dem Namen rollt eine Collage von Bildern durch meinen Kopf – wir warten nach der Schule zusammen im Park; spionieren einem Jungen nach; verbringen eine Nacht in einem Zimmer mit Fußballdeko; gehen zusammen zum Musikunterricht. Überrascht zucke ich mit der Hand. Musikunterricht? Plötzlich sehe ich mich selbst mit einer Geige. Ich habe Geige gespielt? Danach muss ich Kayleen mal fragen.

»Dann komm mal her«, sage ich und blende aus, wie weh jede Bewegung tut. Mir doch egal, ob das wehtut. Mein Gedächtnis wird zurückkommen. Doc Joshi hat doch keine Ahnung. Ich lächle breit und strecke den Arm aus, um Kayleen die Hand zu geben.

Sie ignoriert die Geste und bleibt vielleicht anderthalb Meter vorm Bett stehen, als wäre ich ansteckend. Auch aus dieser Entfernung kann ich erkennen, dass sie dem Mädchen aus meiner Erinnerung nicht im Geringsten ähnelt. Ihr Gesicht ist ovaler. Ihre Augenbrauen scharf gezogen. Ihr Haar ist hellblond und ihr Gesicht sommersprossenfrei. Kayleen könnte sich natürlich die Haare gefärbt haben, aber ihr Gesicht kann sich unmöglich von niedlich mit Sommersprossen zu dieser unfreundlichen, kühlen Fassade gewandelt haben.

Und dann ihre Klamotten … Kayleen ist eher so ein Mädel mit Jeans plus übergroßes Flanellhemd. Die vor mir trägt einen knielangen, cremefarbenen Faltenrock mit schwarzen und roten Streifen. Dazu eine cremefarbene Bluse mit Spitze an Kragen und Bündchen. An den Füßen hat sie ein paar feine Ballerinas mit glänzenden schwarzen Kappen, auf denen zwei ineinander verschränkte CCs prangen. Ihre Haare hat sie seitlich mit einer Spange zusammengefasst, auf der dieselben verschränkten Buchstaben zu erkennen sind, nur sind diese mit Strasssteinen besetzt – oder, wer weiß, vielleicht sind es Diamanten?

Sie sieht aus wie eine Werbeanzeige in einem teuren Magazin.

Ich lege die Stirn in Falten und lasse die verschmähte Hand aufs Bett fallen. »Du bist gar nicht Kayleen.« Ich mache die Augen schmal. Sie kommt mir vage bekannt vor. »Bist du … Felicity?«

Über Erin Watt

Biografie

Erin Watt ist das Pseudonym zweier amerikanischer Bestsellerautorinnen, die ihre Begeisterung für großartige Bücher und ihre Schreibsucht verbindet. Beide sind sehr erfolgreiche Autorinnen in den Bereichen Young und New Adult. Die »Paper«-Serie um die Protagonistin Ella war ihr erstes gemeinsames...

Weitere Titel der Serie »Paper-Reihe«

Ella Harpers Leben verändert sich schlagartig, als der Multimillionär Callum Royal behauptet, ihr Vormund zu sein. Aus ihrem ärmlichen Leben kommt Ella in eine Welt voller Luxus. Die Familie mit den fünf attraktiven Brüdern hat einige Geheimnisse zu verbergen. In den ersten drei Bänden der PAPER-Reihe stehen vor allem Reed und seine Beziehung zu Ella im Mittelpunkt. Doch auch die vier anderen Royal-Söhne haben ein kompliziertes Leben, eine düstere Vergangenheit und immer wieder Pech in der Liebe.

Pressestimmen

kielfeder-blog.de

»Ich habe Paper Paradise wieder in wenigen Stunden verschlungen, so wie auch alle anderen Bücher der Paper-Reihe.«

romantischeseiten.de

»Ein krönender und würdiger Abschluss für die Royal Reihe, die ich wirklich jedem New Adult Fan empfehlen kann.«

herzimbuch.jimdofree.com

»Eine absolute Leseempfehlung meinerseits! (…)Taucht in die Welt der Royals ein! Es wird einer Reise voller Intrigen und Dramen, aber auch voller prickelnder Spannung!«

buecher-seiten-zu-anderen-welten.blogspot.com

»Eine spannende, amüsante und nervenaufreibende Fortsetzung.«

buchversum.wordpress.com

»Leidenschaftlich, sexy und voller Gefühl.«

booksfairies.wordpress.com

»Die Autorin hat mit den Büchern wieder ganze Arbeit geleistet und einen wunderschönen Abschluss der gesamten Paper-Reihe geschrieben. Es war spannend, nervenzerreißend, emotional und romantisch.«

Fragen und Antworten zu Erin Watt
Sie haben Fragen zum Autor? Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.

Kommentare zum Buch

bewegende Fortsetzung und spannendes Finale in Einem
Sarahs Büchertraum am 16.07.2018

Sie ist sein Herz. Er ist ihre Sonne. Doch nach dem schrecklichen Unfall, in dem Hartley und Eastons Brüder verwickelt sind, ist nichts mehr wie es war … Die Familie der Royals kämpft um das Leben von Sebastian, nur Easton ist hin- und hergerissen zwischen seinem Verlangen nach Hartley und seiner Pflicht gegenüber der Familie. Erschwerend hinzu kommt, dass Hartley bei dem Unfall ihr Gedächtnis verloren hat. Jeder Mensch, jedes Wort – alles scheint ihr unbekannt. Einzig zu Easton spürt sie eine Verbindung, die ihr Hoffnung schenkt. Wie kann sie dem launenhaften Easton Royal ihr Vertrauen schenken, ohne dabei selbst unterzugehen?   Mit „Paper Paradise – Die Sehnsucht“ endet sowohl die Liebesgeschichte von Easton Royal und Hartley Wright als auch die Paper-Reihe von Erin Watt.   Das Cover ist schlicht und schön und gliedert sich somit perfekt in die Reihe ein. Der Klappentext weckt die Neugierde, wie die Story um Easton und Hartley weitergeht. Und nach dem Cliffhanger in „Paper Passion – Das Begehren“ und der beinah unerträglichen Wartezeit, bin ich froh diese Wissenslücke nun endlich schließen zu können!   Der Schreibstil ist locker und leicht. Abwechselnd taucht man hier wieder in die Perspektiven von Easton und Hartley ein.   Der fünfte Band der Reihe setzt unmittelbar an das verstörende Ende vom Vorgänger an. Ich war sofort wieder von der Story gefangen, vor allem aufgrund der mitreißenden Ereignisse – Hin- und Hergerissen zwischen Hoffen und Bangen! Und konnte das Buch nicht aus der Hand legen!   Wild, wilder – Easton Royal. Noch immer ist Easton unbeständig in seinem Verhalten. Gefangen zwischen Sucht, Verlangen, Zweifel und der Suche nach seinem eigenen Weg. Langsam jedoch lernt Easton Verantwortung zu übernehmen und wirkt auch in seinem Handeln und Denken reifer.   Hartley ist lieb und nett, und somit eigentlich das Gegenteil von Easton. War sie mir in „Paper Passion“ schon ein Mysterium, stellt sie hier aufgrund ihres fehlenden Gedächtnis ein noch größeres dar. Sie ist verzweifelt und orientierungslos und muss erst ihren Weg finden.   „Paper Paradise“ ist bewegend und packend. Die schwerwiegenden Folgen des Unfalls sind berührend und ergreifend! Ich war hin- und hergerissen zwischen der Verzweiflung, die Hartley aufgrund ihres Gedächtnisverlusts empfindet und der Ungewissheit, wie es Sebastian Royal ergeht. Gänsehautmomente, Tränen der Hoffnung und Zweifel … ein einziges Gefühlschaos in einer bewegenden Fortsetzung und dem spannenden Ende der Paper-Saga.! 5 von 5 Sterne   Ich danke dem Piper Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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