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Nacht der Hunde (Lucy-Clayburn-Reihe 3)

Paul Finch
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Thriller

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Nacht der Hunde (Lucy-Clayburn-Reihe 3) — Inhalt

Eine Razzia bei illegalen Hundekämpfen wird für Lucy Clayburn fast zum Erfolg, wäre da nicht ein Unbekannter, dem die Flucht in einem schwarzen Van gelingt. Während Lucy weiter ermittelt, landet eine Vermisstenmeldung auf ihrem Schreibtisch. Und es ist nicht die erste. Unbescholtene Bürgerinnen und Bürger sind von einem Tag auf den anderen wie vom Erdboden verschluckt, man findet keine Leichen. Bei den Ermittlungen muss Lucy sich nicht nur mit ihrem Vater und seinem mächtigen Syndikat auseinandersetzen, der schwarze Van scheint sie zudem zu verfolgen. Hängen die Fälle etwa zusammen? Doch wie findet man Vermisste, wenn es keine Spuren gibt?

€ 10,00 [D], € 10,30 [A]
Erschienen am 30.09.2021
Übersetzt von: Bärbel Arnold, Velten Arnold
544 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31558-6
Download Cover
€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 29.07.2021
Übersetzt von: Bärbel Arnold, Velten Arnold
512 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-99575-7
Download Cover

Leseprobe zu „Nacht der Hunde (Lucy-Clayburn-Reihe 3)“

Prolog

Hollinbrook in Crowley war eine absolut typische Vorortsiedlung.
Nicht wohlhabend, aber die Gärten waren gepflegt, die Rasenflächen sauber, wenn nicht gar übertrieben penibel gemäht. Die Autos auf den Zufahrten waren überwiegend Familienkutschen. Einige waren schon ein wenig ramponiert, und alle vermittelten den Eindruck, dass ihre Eigentümer nicht gerade reich waren, sondern eher mittlere Einkommen bezogen. Doch auch wenn Hollinbrook keine wohlhabende Siedlung war, vermittelte sie durchaus ein gewisses Gefühl von Sicherheit. Sie gehörte zwar zum [...]

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Prolog

Hollinbrook in Crowley war eine absolut typische Vorortsiedlung.
Nicht wohlhabend, aber die Gärten waren gepflegt, die Rasenflächen sauber, wenn nicht gar übertrieben penibel gemäht. Die Autos auf den Zufahrten waren überwiegend Familienkutschen. Einige waren schon ein wenig ramponiert, und alle vermittelten den Eindruck, dass ihre Eigentümer nicht gerade reich waren, sondern eher mittlere Einkommen bezogen. Doch auch wenn Hollinbrook keine wohlhabende Siedlung war, vermittelte sie durchaus ein gewisses Gefühl von Sicherheit. Sie gehörte zwar zum ausgedehnten Ballungsraum Greater Manchester, aber die Gegend war friedlich und ruhig, eher beschaulich. Die Kinder spielten hier unbeaufsichtigt, und Rentner wie Harry Hopkins führten ihren Hund zu einem spätabendlichen Gassigang aus, ohne befürchten zu müssen, dass ihnen womöglich etwas Schlimmes zustieß.
Nicht, dass Harry sich normalerweise um so etwas Gedanken machte. Als ehemaliger Grubenarbeiter war er in seinen jungen Jahren ein kräftiger Kerl gewesen, und auch wenn er inzwischen siebenundsiebzig war, wirkte er immer noch ziemlich robust und wie jemand, mit dem nicht zu spaßen war. Zu seiner Zeit hatte das Wort „schuften“ noch etwas bedeutet: Schweiß, Muskelkater, Schnitte und Schwielen an den Händen und einen von Kohlenstaub schwarz umhüllten Körper. Und nichts von alledem war Anlass zur Klage gewesen, denn das war dein Job gewesen, dein Leben, das, was du gemacht hattest, um etwas zu essen auf den Tisch zu bringen.
Inzwischen war ein Vierteljahrhundert vergangen, seitdem die Grube Hollinbrook geschlossen worden war, aber Harry war nicht das einzige Relikt aus diesen schweißtreibenden Tagen. Er wohnte immer noch an der Atkinson Row Nummer 8, der einzigen Reihe von Häusern, die Ende der 1990er-Jahre nicht plattgemacht worden war, als schließlich mit der Neubebauung des Brachlands begonnen worden war. Dass die Häuser an der Atkinson Row die Bulldozer überlebt hatten, lag unter anderem daran, dass sie in dem geplanten neuen Stadtbild keinesfalls fehl am Platz gewirkt hatten. Die Häuser waren mehr als zweckdienlich. Es handelte sich um die typischen kleinen Reihenhäuser mit zwei Zimmern unten und zwei oben, doch sie verfügten über solide Dächer, sichere Fundamente, und es gab keinen Hinweis auf etwaige durch den Bergbau verursachte Bodenabsenkungen. Dieser Tage waren die Häuser geradezu ansehnlich. Das Mauerwerk war neu verfugt und frisch gestrichen, die Abflussrohre und die Regenrinnen waren ebenfalls neu, und hinter jedem Haus gab es einen kleinen Garten statt wie früher einen winzigen Hof mit Außentoilette. In der Siedlung hießen sie immer noch die „Grubenhäuser“, obwohl Harry der einzige ehemalige Grubenarbeiter war, der noch dort wohnte. Seitdem Ada vor neun Jahren gestorben war, lebte er allein, doch mit den Blumenkästen unter den vorderen Fenstern und der kanariengelb lackierten Haustür war sein Haus von allen das ansprechendste.
Um kurz nach zehn abends zog Harry die hübsche Tür seines Hauses hinter sich zu und hörte, wie das Schloss einrastete. Milly, seine kleine Pekinesin, wartete geduldig. Sie war inzwischen dreizehn Jahre alt, wohlgenährt, hatte graues Fell an den Wangen und krumme Beinchen. Aber sie war ein liebevolles kleines Wesen und liebte nichts mehr als einen gemächlichen Spaziergang mit ihrem Herrchen. Harry knöpfte seinen Mantel zu, zog seinen Filzhut tiefer in die Stirn und streifte seine fingerlosen Handschuhe über. Es war September, und die glühende Augusthitze hatte merklich nachgelassen. Die Abende waren kühl, dazu blies auch noch eine frische Brise.
Die beiden setzten sich in Bewegung und trotteten die Straße entlang, wobei Milly trotz der barschen Ermahnungen ihres Herrchens an der Verankerung jeder einzelnen Straßenlaterne schnupperte und das Wasser aus den vereinzelten Pfützen schleckte, Hinterlassenschaften des nachmittäglichen Regenschauers. Am Ende der Straße bogen sie rechts ab und folgten ihrer üblichen Route.
Es war zwar noch nicht sehr spät, aber mitten in der Woche, weshalb alle Straßen, an denen sie entlanggingen, weitgehend verwaist waren: Candlemaker Avenue, Rotherwood Drive, Hornby Crescent, Billington Grove. Die Namen klangen regelrecht vorortmäßig und sahen auf jeden Fall so aus. Weitere gepflegte Vorgärten, Steingärten, Sträucher. Ganz anders als die engen, von Reihenhäusern gesäumten Straßen aus Harrys frühen Tagen. Doch er musste zugeben, dass die Dinge sich insgesamt eher zum Besseren geändert hatten. Es war einfach, mit feuchten Augen der Vergangenheit hinterherzuhängen, insbesondere dann, wenn man sie nicht erlebt hatte.
Hinter den meisten Fenstern waren die Vorhänge zugezogen, nur schwaches Lampenlicht fiel durch sie hindurch, doch hin und wieder kam er an einem geöffneten Fenster vorbei und hörte Musik oder etwas, das klang wie ein laufender Fernseher. Das war etwas, das sich Harrys Meinung nach nicht zum Besseren geändert hatte. All diese Geräte, die die Kinder in ihren Zimmern stehen hatten und sie zu Stubenhockern machten. Dabei sollten sie eigentlich draußen sein und herumtoben. Wobei er zu dieser späten Stunde natürlich keine herumtobenden Kinder zu sehen erwartet hätte.
Erst recht nicht angesichts dessen, dass da noch diese andere Sache war, die vermutlich dafür sorgte, dass sie lieber zu Hause blieben.
Der schwarze Transporter.
Instinktiv umfasste Harry die Hundeleine fester und zog Milly näher zu sich heran. Der alten Dame machte das nichts aus. Sie tollte auf ihre alten Tage ohnehin nicht mehr so herum wie früher.
Aber der schwarze Transporter.
Harry wusste nicht, ob es sich dabei um eine dieser sogenannten Großstadtlegenden handelte. Aber was auch immer dahintersteckte – er hatte erst vor Kurzem davon gehört, und zwar beim Buchmacher, vor zwei Wochen.
„Wenn du Milly ausführst, halt immer nach diesem schwarzen Ford Transit Ausschau. Er kurvt spätabends durch die Wohnsiedlungen. Keine Ahnung, was die Leute, die ihn fahren, im Schilde führen, aber du kannst davon ausgehen, dass es nichts Gutes ist.“
„Wenn du keine Ahnung hast, was sie im Schilde führen – woher weißt du dann, dass es nichts Gutes ist?“, hatte Harry verwirrt entgegnet.
Ein hilfloses Achselzucken. „Ich weiß es nicht, Harry. Die Leute sagen es.“
„Ach so. Dann muss es natürlich stimmen.“
Doch jetzt, da Harry nach zehn Uhr abends alleine auf den Straßen unterwegs war, musste er sich eingestehen, dass er die Sache nicht mehr so herablassend abtun konnte. Er war sicher, dass diese Geschichte mit dem schwarzen Transporter eine Legende war. Mein Gott, überall fuhren schwarze Transporter herum. Doch auch wenn einige Gegenden von Crowley, unter anderem die, durch die er gerade ging, im Laufe der vergangenen Jahre aufgehübscht worden waren, konnte er nicht bestreiten, dass das Leben insgesamt nicht mehr so beschaulich war wie einst. Nicht einmal im Einkaufsviertel, wo man überall Obdachlose sah. Das war natürlich traurig, aber es war auch ein Ärgernis. Die einen waren Psychos, die anderen drogensüchtig, und nahezu alle bettelten. So etwas hatte es während seiner Jugend nicht gegeben, obwohl damals alle viel ärmer gewesen waren als heute.
Auch dieses hohe Level an Kriminalität hatte es nicht gegeben. Harry hatte sich immer für einen hart gesottenen Burschen gehalten, aber an einem Freitag- oder Samstagabend würde er sich nicht mehr in die Nähe der Pubs im Stadtzentrum begeben, nicht mehr dieser Tage. Da zog er The Horseshoe am oberen Ende der Siedlung vor, selbst wenn der Laden in dem Ruf stand, eine Rentnerkneipe zu sein. Das war Harry egal. Alles war besser, als eine Flasche über den Kopf gezogen zu bekommen, weil man jemanden falsch angeguckt hatte, und wenn man dann am Boden lag, auch noch mit Tritten ins Gesicht traktiert zu werden. Und so ging es nicht nur im Stadtzentrum zu. In Crowley gab es jede Menge Wohnviertel, die genauso übel waren. Heruntergekommene Siedlungen wie Hatchwood Green zum Beispiel. In diesen Elendsvierteln war fast jeder arbeitslos, was für die Betroffenen natürlich nicht erfreulich war, aber Harrys Meinung nach auch nicht als Entschuldigung dafür herhalten konnte, dass Männer ihre Frauen schlugen oder auf den Eingangsstufen der Häuser Betrunkene herumsaßen und die Sandkästen auf den Spielplätzen mit weggeworfenen Kondomen und Spritzen übersät waren.
Harry wusste, dass all dies passierte, weil er Männer und Frauen in seinem Alter kannte, die das Pech hatten, in solchen Siedlungen zu wohnen, und sie ihm all das jedes Mal erzählten, wenn sie sich trafen. Aber selbst die Hollinbrook-Siedlung war nicht so sicher, wie sie vielleicht erscheinen mochte. Nicht mehr. Früher war sie einmal idyllisch gewesen, doch langsam und zunächst beinahe unmerklich hatten sich die Dinge geändert, als die Bösewichte auf die Siedlung aufmerksam geworden waren. Inzwischen gab es auch in Hollinbrook Einbrüche, und hin und wieder wurde ein Auto gestohlen. Es wurden Herumtreiber gesichtet, und angeblich waren sogar einige Haustiere verschwunden.
Während er über all das nachsann, hörte er auf einmal etwas, dass so klang wie das Stapfen von Lederstiefeln.
Er sah sich um und erhaschte den Blick auf jemanden, der im nächsten Augenblick aus seinem Sichtfeld verschwand.
Direkt vor ihm, auf der anderen Straßenseite.
Harry verlangsamte seinen Schritt.
Er blieb beinahe stehen, doch dann ging er zügig weiter und grummelte vor sich hin.
Wahrscheinlich hatten seine beunruhigenden Gedanken dafür gesorgt, dass seine Fantasie mit ihm durchgegangen war. Doch als er sich der Kreuzung Billington Grove/Bucks Lane näherte, hatte er tatsächlich den Eindruck, als ob dort gerade jemand um die Ecke zu seiner Linken gehuscht wäre.
Ist ja wohl keine große Sache, sagte er sich, es ist wohl nur jemand auf dem Nachhauseweg.
Aber danach hatte es eigentlich nicht ausgesehen. Es hatte eher so gewirkt, als habe ihn jemand beobachtet und sich dann schnell zurückgezogen, um nicht entdeckt zu werden. Als er die Kreuzung erreichte, blickte er nach links in die Bucks Lane, unsicher, was zu sehen er erwartete. Keineswegs überraschend sah er nichts und niemanden, auch wenn das nicht bedeuten musste, dass da niemand war, denn wer auch immer da womöglich war, konnte sich problemlos in einem der Vorgärten verborgen haben.
„Alter Schwede!“, murmelte er. „Jetzt lässt du dich doch tatsächlich von diesen albernen Geschichten einschüchtern.“
Er stapfte weiter und ließ die Kreuzung hinter sich, blickte sich jedoch nach hundert Metern noch einmal um, um sich zu vergewissern, dass ihm niemand folgte.
Da war niemand. Jedenfalls nicht in seiner Nähe. Aber war dieser kleine dunkle Umriss da hinten an der Kreuzung ein Mensch? Der da reglos stand? Und ihm hinterherstarrte?
Harry blinzelte. Vielleicht noch jemand, der seinen Hund ausführte? Das wäre nicht ungewöhnlich. Oder irgendein harmloser Anwohner, der vor seinem Haus stand und eine rauchte? Aber wenn es so war – warum interessierte dieser Jemand sich dann so für ihn?
Es sei denn, das war gar nicht der Fall. Oder da stand überhaupt niemand.
Harry war sich nicht ganz sicher. Vielleicht bildete er sich das alles nur ein. Sein schwindendes Sehvermögen und die unzulängliche Straßenbeleuchtung waren wahrscheinlich die Erklärung. Entschlossen zu zeigen, dass er in keiner Weise beunruhigt war, schlenderte er lässig weiter und bog links in die Tottington Road ein. Milly tapste neben ihm her. Dort war alles, wie es sein sollte. Auf den Zufahrten parkten Autos, auf den Rasenflächen vor den Häusern lagen verstreute Spielzeuge, hier und da standen ein paar Gartenmöbel. Eine typische Spätsommerszenerie.
Er warf einen Blick über die Schulter. Die Straße hinter ihm war verwaist.
Wie albern er doch war, wies er sich zurecht. Wenn das irgendein Idiot gewesen war, der auf ihn gewartet hatte, um ihn zu überfallen, hätte er das an der Kreuzung längst getan. Warum sollte er ihn verfolgen?
Harry bog rechts ab in die Langtree Brow und dann noch einmal rechts in ein schmales, von hohen Hecken gesäumtes Gässchen. Dort blieb er stehen, weil Milly sich hinhockte, um ihr Geschäft zu erledigen. Als sie fertig war, nahm er eine Tüte aus seiner Manteltasche, nahm den Kot damit auf und verknotete sie dann. Eher instinktiv als bewusst blickte er erneut hinter sich. Er war etwa in der Mitte des Gässchens, das etwa siebzig Meter lang war und in eine schmale Fußgängerbrücke überging, die über die Schienen der Eisbahnlinie zwischen Manchester und Southport führte. In dem Spalt zwischen den Hecken, wo das Gässchen in die Langtree Brow mündete, war niemand. Warum sollte auch jemand dort sein, dachte er.
Er ging weiter, schlug gegen die Kälte seinen Mantelkragen hoch und entsorgte die Hundetüte im nächsten Mülleimer. Milly schien bester Dinge. Sie schnupperte unter den Hecken, und nichts schien sie zu beunruhigen.
Sie überquerten gemeinsam die Fußgängerbrücke. Der Einschnitt, in dem die Schienen verliefen, zog sich als ein schwarzer Streifen unter ihnen dahin. Sie waren nun auf ihrem Rundgang an der Stelle, die am weitesten von ihrem Zuhause entfernt war, und Harry entschied sich zurückzugehen, da seine Beine müde wurden. Sie gingen in Richtung Süden die Rampton Road entlang, überquerten die Schienen erneut und gingen neben ihnen her. Die einzigen Geräusche waren Millys leises Schnaufen und das Stapfen von Harrys Ledersohlen auf dem nassen Bürgersteig. Hin und wieder säuselte eine Brise durch das Blattwerk in den Gärten, oder eine heulende Böe erfasste die Stromleitungen unten in dem Einschnitt.
In Momenten wie diesen fühlte man sich leicht einsam. Und verletzlich.
Er passierte zwei weitere Straßeneinmündungen zu seiner Rechten. Die erste führte in die Hopwood Lane, die zweite in die Delamere Avenue. Auch dort war niemand zu sehen, doch wie der Zufall es wollte, parkte auf der Delamere Avenue etwa auf halber Strecke der Straße rechts am Rand ein schwarzer Transporter.
Harry rang sich ein Kichern ab und sagte sich erneut, dass daran nichts Ungewöhnliches war. Er hatte den Transporter dort noch nie gesehen, und er war im Laufe des vergangenen Monats Dutzende Male an der Straßeneinmündung vorbeigegangen. Aber das musste nichts bedeuten.
Er bog nach links in die Rose Street und war nun schon auf bestem Weg nach Hause. Allerdings war dies immer der Abschnitt seiner abendlichen Runde, auf dem einem am ehesten ein wenig mulmig zumute werden konnte, denn während die Straße an der linken Seite von Häusern gesäumt wurde, befand sich an der rechten Seite der Hollister Park. Es war eigentlich kein richtiger Park, eher eine kleine Grünfläche, die die ursprünglichen Planer der Siedlung vorgesehen hatten, um den Kindern einen Ort zur Verfügung zu stellen, an dem sie sich aufhalten konnten. Es gab dort einen Spielplatz und große Rasenflächen zum Bolzen. Trotzdem war der Hollister Park nicht größer als vielleicht zwei Hektar, doch zu dieser späten Stunde wirkte er wie eine riesige, finstere Leere. Im Laufe des Sommers hatte es dort ein paarmal Probleme mit Teenagern gegeben, die sich spätabends in dem Park getroffen, sich betrunken und herumgegrölt hatten. Aber Anwohner hatten die Polizei herbeigerufen, und damit war die Sache erledigt gewesen.
Das bedeutete natürlich nicht, dass da nicht genau in diesem Moment jemand war, vielleicht gleich hinter der äußeren Reihe Bäume, die den Park säumten, und versuchte, heimlich und leise mit Harry Schritt zu halten. Wobei Harry keinen blassen Schimmer hatte, was irgendein Möchtegern-Straßenräuber sich davon versprechen könnte, ihn zu überfallen. Es war ja nicht etwa so, dass er größere Summen Geld mitnahm, wenn er seinen Hund ausführte, oder eine teure Uhr umhatte oder auch nur ein Handy bei sich trug, obwohl seine Tochter Janet ihm ständig in den Ohren lag, dass er sich eins zulegen sollte. Er ärgerte sich erneut über sich selbst, dass ihm solche Gedanken überhaupt durch den Kopf gingen. Das hier war die Siedlung, in der er zu Hause war, der Ort, an dem er sein ganzes Leben verbracht hatte. Er hatte erlebt, wie Familien hierher- und wieder weggezogen waren, er hatte erlebt, wie Häuser errichtet und wieder abgerissen worden waren, verdammt, er hatte sogar mit angesehen, wie die Grube eröffnet und wieder geschlossen worden war.
Und jetzt machte er sich in die Hose?
Trotzdem ging er auf die andere Straßenseite, damit er die feuchte, blattreiche Finsternis des Parks nicht mehr unmittelbar an seiner Seite hatte. Doch das war kein Zeichen dafür, dass er Angst hatte, sagte er sich. Es war einfach nur gesunder Menschenverstand. Dennoch war er erleichtert, als er das Ende der Straße erreichte und auf den Bradley Way bog. Als er sich erneut kurz umblickte und sah, dass sich am Rand des Parks ein paar Büsche bewegten, als ob sich jemand zwischen ihnen verbarg, rang er sich erneut ein Schmunzeln ab.
„Verdammter Wind“, murmelte er.
Es war wirklich windig. Das bildete er sich nicht ein.
Als er sich auf dem Bradley Way erneut umblickte, sah er gut zwanzig Meter hinter sich die Scheinwerfer eines langsam fahrenden Autos.
Er blieb abrupt stehen, und in dem Moment fuhr das Auto, ein großer Kombi, an den Randstein und blieb im Leerlauf. Harry setzte sich wieder in Bewegung, behielt den Wagen jedoch im Blick und lief gegen einen Laternenmast. Begleitet von leisen, abgehackt und rau klingenden Lauten – vielleicht war es gedämpftes Gelächter, aber in Wahrheit war es wahrscheinlich eine erneute Brise, die an den Zweigen der nassen Büsche rüttelte – eilte er weiter, bog nach rechts auf die Malvern Avenue und dann noch einmal nach rechts auf die Deerwood Close. Dort blieb er stehen, um kurz zu verschnaufen, und tupfte sich die Stirn mit einem Taschentuch ab.
Es war alles in Ordnung, sagte er sich. In zwei Minuten würde er zu Hause ein. Er war fast da.
Er sah hinab auf Milly, die den Hals reckte und neugierig zu ihm aufblickte.
Selbst seine Hündin fragte sich, was mit ihm los war.
Mit grimmigem Gesicht überquerte er die Straße, bog in die Lodge Lane und einige Minuten später am unteren Ende in die Atkinson Row. Er verspürte Erleichterung, als er keuchend den Bürgersteig entlangging und schließlich seine gelbe Haustür ansteuerte. Er steckte den Schlüssel ins Schloss, blickte sich noch ein letztes Mal zu allen Seiten um – nirgendwo war jemand in Sicht – und drehte ihn. Die Tür ging auf, und er ging hinein. Milly hüpfte neben ihm über die Schwelle. Eins stand fest: Beim Buchmacher würde er definitiv kein Wort darüber verlieren, dass er es während seines Spaziergangs mit Milly auf einmal auf unerklärliche Weise mit der Angst zu tun bekommen hatte.
Nein, „Angst“ war das falsche Wort. Er war nervös gewesen, das war alles. Ein kleines bisschen nervös. Und warum sollte er das auch nicht sein? Er war schließlich kein junger Bursche mehr. Und es passierten üble Dinge. Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, die abendliche Runde in Zukunft etwas früher zu drehen.
Harry schloss die Tür, verriegelte sie und legte die Sicherheitskette an. Dann nahm er Milly die Hundeleine ab. Sie trottete den Flur entlang und tapste ins Wohnzimmer, in dem das Licht brannte und der Fernseher lief.
Harry streifte sich die Handschuhe ab, nahm seinen Hut ab, zog sich den Mantel aus und legte alles am unteren Treppenabsatz über den Geländerpfosten. Währenddessen kam Milly wieder aus dem Wohnzimmer und steuerte die Küche an, in der es stockdunkel war.
„Was ist los, mein Mädchen? Hast du Durst?“ Harry folgte ihr und knipste das Licht an.
Seine Küche war wie immer makellos sauber. Das Geschirr war aufgeräumt, der Linoleumboden gefegt, die Arbeitsflächen glänzten. Nur die Tasse, die Harry neben den Wasserkocher gestellt hatte, bevor er aufgebrochen war, stand da und wartete auf ihn. Sie enthielt einen Teebeutel, eineinhalb Teelöffel Zucker und den Löffel, sodass er nur noch den Wasserkocher anstellen musste, was er auch tat.
Dann fiel ihm auf, dass Milly ihre Wasserschale nicht angerührt hatte.
Stattdessen stand sie mit steifem Rücken da und starrte die Hintertür an.
„Stört dich was, mein Mädchen?“, fragte er.
Er beugte sich über die Spüle und blickte aus dem Küchenfenster. Im Garten hinter dem Haus gab es eine Lampe, aber sie wurde über einen Bewegungsmelder gesteuert und war gegenwärtig ausgeschaltet. Das war ein gutes Zeichen, denn es bedeutete, dass niemand unbefugt sein Grundstück betreten hatte. Aber es bedeutete auch, dass er nichts erkennen konnte. Milly winselte und scharrte an der Tür.
„Da draußen ist nichts, mein Mädchen. Was hast du denn? Ist da eine Katze?“
Das konnte nicht sein. Denn wenn eine Katze im Garten wäre, wäre das Licht angegangen.
Harry beugte sich näher zum Fenster und strengte seine Augen an.
Im Licht der Straßenlampen, das über die Dächer der Häuser fiel, zeichnete sich schwach der Grundriss des Gartens ab. Er maß etwa fünfzehn mal zehn Meter und war somit nicht besonders groß. Abgesehen von einem Pfad aus Mosaikpflaster, der in der Mitte verlief, bestand er vor allem aus Rasen. Rechts, wo früher einmal der Kohlenbunker gewesen war, befand sich ein aus Backsteinen gemauertes Podium, das Harry eigenhändig errichtet hatte. Darauf standen Steinvasen mit Pflanzen. Die konnte er erkennen. Er konnte auch den Gartenschuppen sehen, der sich links neben der Hinterpforte befand und in dem gleichen Kanariengelb angestrichen war wie die Haustür, weshalb er gut zu erkennen war.
Doch jetzt, da er angestrengt nach draußen starrte, sah er noch etwas anderes.
Hinter der Gartenpforte zeichnete sich der obere Teil eines hohen Fahrzeugs ab.
Harry verspürte einen Anflug von Verwirrung. Als er aufgebrochen war, hatte der Wagen nicht dort gestanden.
Und dann stieg Ärger in ihm auf.
The Backs, wie die Gasse genannt wurde, war ein gerades Sträßchen, das hinter den Reihenhäusern an der Atkinson Row entlangführte. Sie diente als Zufahrt zu den Häusern. Sie war schmal, kopfsteingepflastert und kaum breit genug für Autos, was bedeutete, dass der Wagen, der dort abgestellt worden war, ein ziemlich großes Hindernis darstellte – und das unmittelbar hinter der Gartenpforte von Nummer 8. Harry war sich nicht einmal sicher, ob er genug Platz haben würde, dort rauszugehen. Er hatte keine Ahnung, wem der Wagen gehören mochte, aber er hegte den Verdacht, dass die Rodwells, das junge Paar, das im Haus nebenan wohnte, ein bisschen seltsam waren. Na gut, sie waren keine Asozialen – offenbar waren sie Lehrer –, aber sie hatten im Laufe des Sommers ziemlich oft laute Grillpartys veranstaltet, die bis in die frühen Morgenstunden gegangen waren, und hatten es nie für nötig gehalten, sich dafür zu entschuldigen. Auch wenn sie keine Grillpartys veranstalteten, gingen ihre Freunde ständig ein und aus und waren dabei ziemlich laut. Zweimal hatte er die Rodwells durch die Wand, die sich zwischen ihrem und seinem Schlafzimmer befand, miteinander streiten gehört. Es war also keineswegs unwahrscheinlich, dass sie selbst oder einer ihrer Bekannten den Wagen einfach gedankenlos so störend direkt vor seiner Gartenpforte geparkt hatten.
Mürrisch und alle Ängste vergessend, die ihm auf seiner Abendrunde zu schaffen gemacht hatten, schloss er die Hintertür auf und trat hinaus. Denn wenn man eines niemals tat, dann war dies, Harry Hopkins in seinem eigenen Zuhause herauszufordern. Das Gartenlicht ging an, und es bestand kein Zweifel mehr: Ein großes, dunkles Fahrzeug parkte direkt an der hinteren Mauer seines Gartens. Er stapfte den Pfad entlang, begleitet von Milly, die neugierig neben ihm hertrottete, schob den Riegel zur Seite, riss die Gartenpforte auf und sah sich einem Fahrzeug gegenüber, das im wahrsten Sinne des Wortes so groß war, dass es die ganze Gasse ausfüllte und blockierte. Die Rückseite des Wagens befand sich unmittelbar an der Pforte, nur gut einen Meter zu seiner Linken gab es noch einen minimalen Manövrierraum. Zwischen der Fahrerseite und der Gartenmauer gab es lediglich einen Spalt von dreißig Zentimetern, was bedeutete, dass er sich nur seitlich an ihm vorbeischieben konnte.
Doch nichts von alledem war so wichtig wie die Tatsache, um was für ein Fahrzeug es sich handelte.
Es war ein Transporter.
Ein schwarzer Ford Transit.
Auf Harrys Stirn bildeten sich Schweißperlen. Es dauerte einige Sekunden, bis er seine Sprache wiederfand.
„Okay“, grummelte er. „Na gut.“
Es war also kein Versehen, sondern eine Herausforderung. Aber es bestand kein Anlass, nervös zu werden. Er hatte für sich bereits geklärt, wer hier der Problemverursacher war: die Rodwells und ihre rücksichtslosen Freunde.
Zum Glück war er noch nicht in seine Pantoffeln geschlüpft, sondern hatte seine Straßenschuhe noch an, weshalb die vielen schmutzigen Pfützen, die da draußen wahrscheinlich entstanden waren, kein Problem darstellten. Er trat durch die Pforte, und da es bis zur Hinterseite des Transporters näher war als zur Vorderseite, schob er sich in diese Richtung den schmalen Spalt entlang. Aus irgendeinem Grund verharrte Milly in der Pforte. Doch davon nahm Harry kaum Notiz, denn je mehr er über die Rodwells und ihre flegelhaften, überheblichen Freunde nachdachte, desto mehr kam er in Wallung. Der Wagen stand natürlich nicht vor ihrer Pforte. Schließlich erreichte er die Rückseite des Transporters. Die beiden Hintertüren waren verschlossen, zweifellos verriegelt.
Er bog um die Rückseite des Wagens und steuerte die Beifahrerseite an. Da der Spalt zwischen dem Wagen und der gegenüberliegenden Mauer an dieser Seite etwas breiter war, kam er schneller voran, allerdings platschten seine Füße durch schlammige Pfützen. Als er die Vorderseite des Transporters erreichte, stellte er fest, dass die Fahrerkabine leer war. Wahrscheinlich waren die beiden vorderen Türen ebenfalls verriegelt, doch die Wärme, die von der Motorhaube aufstieg, verriet Harry, dass die verdammte Karre gerade erst abgestellt worden war.
Je genauer er den Wagen in Augenschein nahm, desto mehr erschien er ihm eher dunkelblau als schwarz, was ihn albernerweise erleichterte. Aber das machte den Wagen nicht etwa zu einem geringeren Ärgernis.
Von seinem Standort aus hatte er jetzt einen guten Blick auf die Rückseite des Hauses der Rodwells. Im hinteren Teil brannte kein Licht, aber sie konnten genauso gut vorne sein. Harry musste durch sein eigenes Haus zurückgehen, um dies zu überprüfen.
Er glitt erneut an der Beifahrerseite entlang, ging um die Hinterseite herum und steuerte die Gartenpforte an. Doch dann blieb er wie angewurzelt stehen. Die linke Hintertür des Transporters stand offen.
Harry war völlig baff.
Konnte das der Wind gewesen sein? Aber nein, das war ja absurd. Es gab hin und wieder Böen, aber die waren auf keinen Fall stark genug, um die Tür eines Autos zu öffnen, nicht einmal, wenn diese einen Spalt weit offen gelassen worden wäre, was bei dieser Tür ganz sicher nicht der Fall gewesen war.
War also gerade jemand ausgestiegen, der sich hinten im Laderaum befunden hatte?
Er warf einen Blick über seine Schulter. Die Gasse zog sich in einer geraden Linie bis zur Einmündung in die nächste Straße. Da war niemand.
„Was zum Teufel soll das?“, murmelte er.
Er beugte sich vor und steckte die Nase in den Laderaum des Transporters. Es war zu dunkel, um etwas erkennen zu können, doch er fragte sich, ob er da vielleicht ein leises Rascheln von Kleidung hörte.
„Ist hier jemand drin?“
Zwei in schwarzen Lederhandschuhen steckende Hände schossen aus der Dunkelheit hervor und packten ihn am Kragen seiner Strickjacke.
Er wurde mit enormer Kraft nach vorne gerissen und krachte mit beiden Kniescheiben gegen die hintere Stoßstange des Transporters. Der Stoff seines Hosenbeins blieb an einem gezackten Stück Metall hängen, sodass er festhing. Er breitete die Arme aus, umfasste mit einer Hand den Türrahmen, mit der anderen die geschlossene Hintertür, um sich mit aller Kraft festzuhalten. Als der Schock nachließ, begann er, Widerstand zu leisten. Er drückte sich nach hinten, doch die behandschuhten Hände waren kräftig und zerrten immer stärker an ihm. Sein Oberkörper wurde wieder nach vorne gezogen, seine Füße hoben vom Boden ab, der Stoff seiner Hose zerfetzte, das gezackte Metall grub sich in sein Fleisch.
Er schrie vor Schmerz auf. Eine der Hände ließ seinen Kragen los und verpasste ihm mit der flachen Hand einen Schlag auf den Mund. Im nächsten Moment krachte ein donnernder Schlag auf seinen Hinterkopf.
Vor seinen Augen drehte sich alles, seine Hände rutschten ab, und er sackte nach vorn. Irgendwo ertönte ein verzweifeltes Jaulen. War das Milly?
Wer auch immer ihm von hinten den Schlag verpasst hatte, umfasste jetzt Harrys Oberschenkel, hievte ihn gewaltsam hoch und schob ihn nach vorne in den Laderaum des Transporters. Gleichzeitig zog die Person, die bereits drinnen war, ihn weiter hinein.
Das Nächste, was Harry mitbekam, war, dass er in öliger Finsternis auf dem Bauch auf geripptem Metall lag, allerdings war er zu benommen, um sich irgendeinen Reim darauf machen zu können. Und als ob das noch nicht reichte, kniete auch noch jemand mitten auf seinem Rücken und drückte ihn mit seinem ganzen Gewicht nach unten. Das Jaulen war immer noch zu hören, doch dann verwandelte es sich in ein schrilles, entsetztes Schreien, und im nächsten Moment wurde ein Bündel aus Fell und Pfoten neben ihn geschleudert. Begleitet von einem nachhallenden Klong wurde die Tür zugeschlagen, und tiefe Finsternis senkte sich auf Harry hinab.
Sein Hinterkopf tat höllisch weh, heiße Flüssigkeit suppte durch sein schütteres Haar. Neben ihm winselte und knurrte Milly. Als er etwas zu sagen versuchte – absurderweise in dem Versuch, den Hund zu beruhigen –, brachte er nur ein von hervorquellendem Speichel begleitetes Gurgeln hervor. Die auf ihm sitzende Gestalt reagierte sofort. Das Knie, das sich wie ein Messer in die Mitte von Harrys Wirbelsäule bohrte, wanderte zu seinem Hinterkopf und presste ihn seitlich herunter, wodurch der entsetzliche, stechende Schmerz noch schlimmer wurde. Der alte Mann schrie laut, doch der Schrei wurde vom dröhnend zum Leben erwachenden Motor des Wagens übertönt, und im nächsten Moment wurde der Transporter beschleunigt und bretterte hin und her schlenkernd die Backs entlang.


Kapitel 1

Die Männer trafen an jenem Abend um kurz nach zehn ein. Zumindest ging Lucy davon aus, dass es nur Männer waren. Nach allem, was sie wusste, lag das nahe, auch wenn Lucy nicht so naiv war zu glauben, dass das Ausleben von gleichgültiger Grausamkeit ausschließlich eine Männerdomäne war. Doch die Sache, um die es bei diesem Einsatz ging, war nicht nur absolut widerwärtig, sondern zugleich auch so lächerlich machomäßig – sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass irgendeine der Straftäterinnen, die sie im Laufe der Jahre festgenommen hatte, freiwillig bei so etwas mitmachen würde.
„An alle Einheiten, es ist so weit“, sagte sie in ihr Funkgerät. „Aber niemand rührt sich. Warten Sie auf den Einsatzbefehl.“
Von ihrem Versteck in dem Wäldchen, unmittelbar hinter der Deckung bietenden ersten Baumreihe, hatte sie einen guten Blick auf den ausgefahrenen Weg, der zu dem Bauernhof führte. An der Stelle, an der der Weg in die Wellspring Lane mündete, hatte der Einlasser alle Hände voll damit zu tun, eine endlose Reihe von Autos und Transportern durchzulassen, die von Lucys Position aus in einer Entfernung von etwa siebzig Metern in einer langsamen Kolonne an ihr vorbeizogen. Sie hörte bereits das Jaulen und Kläffen der in den Kofferräumen eingesperrten Hunde.
Geraldson, der Inspektor der britischen Tierschutzvereinigung RSPCA, tupfte sich mit einem Taschentuch den Schweiß ab, der auf seiner Stirn glänzte. Er war jung und nervös.
„Ist ein schwarzer Transporter dabei?“, fragte er ungeduldig.
„Selbst wenn, muss es nicht zwingend der sein, mit dem die Haustiere entführt wurden“, erwiderte Lucy. „Das sind alles zahlende Gäste. Sie dürften ihre eigenen Tiere dabeihaben.“
„Wann schlagen wir zu?“
„Nicht, bevor es losgeht.“ Lucy, genau genommen Detective Constable Lucy Clayburn, starrte weiter durch ihr Nachtsichtfernglas, streckte jedoch die Hand aus und drückte ihm fest und, wie sie hoffte, beruhigend die Schulter. „Keine Sorge, wir haben alles unter Kontrolle.“
„Da dürften ein paar ziemlich üble Burschen dabei sein.“
„Deshalb unterstützt uns die Tactical Aid Unit. Sie besteht vor allem aus ehemaligen Soldaten. Die stehen auf ein bisschen Rabatz.“
Geraldson nickte und lächelte. Seine Augen glänzten feucht im Licht der Scheinwerfer weiterer Autos, die an ihrem Versteck vorbeirollten und sein Gesicht kurz erhellten.
Lucys Schätzung zufolge waren inzwischen etwa vierzehn Fahrzeuge auf dem Bauernhof eingetroffen. In jedem befand sich wahrscheinlich mehr als ein Hund. Somit waren es mindestens achtundzwanzig Tiere, und dazu kamen noch die, die sich bereits auf dem Anwesen befanden. Die Leute von der RSPCA gingen davon aus, dass es insgesamt zweiunddreißig Hunde waren, die sich einen Wettkampf nach dem K.-o.-System liefern würden. Die Mitglieder dieses Hundekampf-Rings freuten sich offenbar auf eine lange Nacht.
Die Fahrzeuge rollten auf den Hof und blieben wahllos irgendwo stehen. Eine an einem baufälligen Gebäude angebrachte nackte Glühbirne ging an, und in ihrem Lichtschein kam ein Mann aus dem Gebäude geschlendert. Er war untersetzt, hatte einen Bart und trug einen zerlumpten grünen Pullover und eine Khakihose. Die Türen der geparkten Autos gingen eine nach der anderen auf, und ihnen entstiegen Männer, in den meisten Fällen zwei, aber manchmal auch bis zu fünf. Wie der Typ, der aus dem Bauernhaus gekommen war und den Lucy bereits als Les Mahoney identifiziert hatte, trugen die meisten der Männer Outdoor-Kleidung: Khakihosen, Tarnanzüge und dergleichen, doch man sah auch ein paar Lederjacken und hier und da eine ölverschmierte Jeans.
„Du lieber Gott“, flüsterte Geraldson. „Das sind mehr, als ich erwartet hatte.“
„Mit denen kommen wir schon klar“, entgegnete Lucy.
Wenn man mit vielen zu tun hatte, waren in aller Regel einige dabei, die es lieber nicht darauf ankommen ließen, in irgendwelche Scherereien mit den Strafverfolgungsbehörden verwickelt zu werden, und die bei der erstbesten Gelegenheit das Weite suchten. In diesem Moment waren sie am leichtesten zu schnappen. Man brauchte sie nur einzeln aufzulesen. Doch wenn Lucy sich diese Kerle genauer ansah – sie stellte den Superzoom-Modus ihres Nachtsichtfernglases ein –, mochte es unter ihnen mindestens so viele Kämpfer wie Fluchtbereite geben. Sie sah rasierte Schädel, von Narben gezeichnete Gesichter und schäbige Tattoos und war ausnahmsweise einmal froh, dass die sechzig Beamten der Tactical Aid Unit ein Stück weiter die Wellspring Lane hinunter einsatzbereit auf einem Parkplatz in ihren Truppentransportern saßen.
Sie beobachtete, wie die Männer sich mit High Fives und ungestümen Umarmungen begrüßten und dann breitbeinig zu Mahoney stolzierten und ihm bündelweise Geldscheine in die Hand drückten, der Eintritt für die Veranstaltung.
Hinter ihr gesellte sich ein weiterer Polizist zu ihnen. Es war Police Constable Malcolm Peabody, der ihr früher einmal, als sie selber noch die Uniform getragen hatte, als Beamter auf Probe zugeteilt gewesen war. Er war immer noch recht jung, ein großer, hoch aufgeschossener Kerl mit kurzem rotem Haar, einem sommersprossigen Gesicht und Segelohren. Momentan trug er schwere Schutzkleidung und einen Helm. Das Visier war hochgeklappt, der Riemen spannte unter seinem Kinn.
„Laut Sergeant Frobisher sind alle in Position“, informierte er sie leise.
„Aller außer dir, Malcolm“, entgegnete Lucy und dachte, dass sie taugliche Kollegen wie Peabody nirgendwo anders sehen wollte als an vorderster Front, wenn es plötzlich losgehen sollte. „Für uns alle ist hier nicht genug Platz. Geh zurück zu deiner eigenen Spähposition, und halt dich bereit.“
Peabody nickte, zog den Kopf ein und schlüpfte durch den niedrigen, schmalen Zugang zu dem Observierungsposten wieder nach draußen.
Niemand von ihnen wusste, welchem Zweck der Unterstand ursprünglich einmal gedient hatte, möglicherweise der Beobachtung von Tieren. Aber an diesem Abend eignete er sich perfekt als Versteck zum Observieren: eine notdürftig zusammengezimmerte Holzbude mit einem flachen Dach, die ein Stück weit in den Boden gegraben worden war. Der Boden bestand aus nackter Erde, außen herum war die Bude von Pflanzen überwuchert, die jetzt, am Ende des Sommers, einen Teil der horizontalen Sichtöffnung verdeckten. Aber nur zum Teil, nicht komplett.
Innen war es hier so eng, dass dort gerade mal zwei Personen halbwegs bequem Platz fanden, aber sie hatten eine exzellente Sicht auf den Bauernhof, bis zu dem es von den Bäumen gut fünfzig Meter waren, und auf die offenen Weideflächen östlich des Hofs, auf denen sich zu dieser späten Stunde, abgesehen von zwei wiederkäuenden angeleinten Ponys, nichts regte.
Immer lauter werdendes Hundegebell zog Lucys Aufmerksamkeit wieder zu dem Bauernhof, wo gerade die Hintertüren der Fahrzeuge geöffnet und mit Maulkorb gesicherte, an Kettenhalsbändern angeleinte Hunde aus den Koffer- und Laderäumen gelassen wurden. Durch das Zoomobjektiv ihres Nachtsichtfernglases konnte sie auf dem hell erleuchteten Hofgelände erkennen, dass viele der Hunde von vergangenen Kämpfen so entsetzlich entstellt waren, dass ihre jeweilige Rasse nicht mehr zu identifizieren war, aber ihren schlanken, gedrungenen, muskulösen Körpern nach zu urteilen, vermutete sie, dass es sich um die altbekannten Kampfhunderassen handelte: Pitbulls, Staffordshire Bullterrier und dergleichen. Die dicken Maulkörbe und die mit Stahlnieten versehenen Ledergeschirre, die sie trugen, stützten diese Vermutung.
Lucy schüttelte den Kopf.
Mahoney überquerte jetzt den Hof, gefolgt von seinen Gästen, die allerdings darauf achteten, dass ihre vierbeinigen Begleiter einander nicht zu nahe kamen. Da die meisten dieser Tiere, wenn nicht gar alle, durch jahrelange brutale körperliche Misshandlungen darauf abgerichtet worden waren, andere Hunde zu hassen, sobald sie diese auch nur sahen, knurrten sie bereits, bäumten sich auf und mussten mit Gewalt zurückgehalten werden.
Geraldson blickte ebenfalls durch ein Fernglas.
„Was für Barbaren“, flüsterte er.
„Da bin ich ganz Ihrer Meinung, aber keine Sorge“, entgegnete Lucy. „Heute Abend werden sie selber erfahren, wie es ist, in Fesseln gelegt und eingesperrt zu werden.“
Auf der anderen Seite des Hofs, vielleicht gut fünfzig Meter von dem Bauernhaus entfernt, befand sich eine Ansammlung von Außengebäuden, die allesamt genauso heruntergekommen waren wie das Haupthaus. Das größte war eindeutig mal eine Scheune gewesen. Es war ein hässliches Bauwerk aus Backstein und Beton, doch das Dach war offenbar irgendwann eingestürzt, denn im Gegensatz zu dem verrotteten und verfallenen Rest des Gebäudes war es relativ neu und aus stabilen Wellblechplatten konstruiert.
Die Gäste sollen schließlich nicht nass werden, wenn es regnet, dachte Lucy.
Mahoney betrat die Scheune als Erster durch eine Seitentür. Im Inneren gingen Lichter an, dann kam er an der nach Osten hin ausgerichteten Seite wieder heraus und schob eine große zweiflügelige Holztür auf, durch die die Männer mit ihren Hunden ins Innere strömten. Es war schwer, genau zu sagen, was dann passierte, denn als die meisten Gäste mit ihren Hunden drinnen waren, konnte Lucy durch die offenen Türen nur die Umrisse von Menschen sehen, die in der Scheune wild umherliefen. Die Hunde knurrten und fauchten einander immer noch an.
Sie hielt sich ihr Funkgerät vor den Mund, gab jedoch noch keinen Einsatzbefehl. Fürs Erste verließ sie sich auf ihr Gehör. Wenn das Knurren und Fauchen in lautes Bellen überging, würde das bedeuten, dass den Hunden die Maulkörbe abgenommen worden waren, und wenn dann auch noch die Männer anfangen würden herumzubrüllen, würde der erste Kampf in vollem Gange sein.
Eine Person, die Lucy noch nie gesehen hatte, trat auf den Hof, höchstwahrscheinlich Mahoneys Frau, Mandy. Sie war eine schlampig aussehende, übergewichtige Frau, die Sandalen, eine zu enge Jeans und eine schlabberige, fast transparente Bluse aus indischer Baumwolle trug, die ihre nackten Hängebrüste kaum verhüllte. Ihr zotteliges graues Haar fiel ihr bis über die Schultern, und sie hatte ein pummeliges, schweineartiges Gesicht, das zusehends errötete, während sie angestrengt zwischen dem Bauernhaus und der Scheune hin- und herpendelte und sich mit Bierkisten abschleppte.
„Sollten wir nicht zuschlagen?“, fragte Geraldson leise.
„Nein“, stellte Lucy klar. „Wir warten noch.“
Sie beugte sich vor und schob beinahe den Kopf durch das Dickicht, das die Sichtöffnung verhüllte. Doch es nützte nichts. Sie konnte das Wäldchen, das sich rechts von dem Versteck erstreckte und das offene Weideland säumte, nicht erkennen. Sie musste sich einfach darauf verlassen, dass Sergeant Frobisher, der ihr vom Polizeibezirk zugewiesen worden war, dafür gesorgt hatte, dass alle gut verborgen, jedoch auch gut instruiert und einsatzbereit waren, um in dem Moment, in dem sie den Einsatzbefehl gab, aufzuspringen und zuzuschlagen. Es gab noch weitere Positionen, an denen Einsatzkräfte in Stellung lagen: hinter der Steinmauer, die die östliche Grenze der Ponykoppel bildete, etwa sechzig Meter von Lucys Position entfernt; und zwischen den Bäumen auf der westlichen Seite der Bauernhofgebäude, wobei die Einsatzkräfte sich ein Stück weit hatten zurückziehen müssen, weil der Wald dort ziemlich licht war und das Risiko somit groß, entdeckt zu werden. Also würde Frobishers Team als Erstes in Aktion treten müssen, und das ziemlich schnell.
Auf einmal ertönte im Inneren der Scheune ein ohrenbetäubendes Gebell. Geraldson sah Lucy an. Er war kreidebleich, eine frische Schweißperle rann ihm die Nase herunter. Sie hob die Hand, um ihn zu beruhigen, beugte sich jedoch näher an das Mikrofon ihres Funkgeräts heran. „Tactical Aid Unit, Clayburn, kommen.“
Statisches Rauschen knisterte, dann meldete sich Inspector Rick Crawley, der Leiter der Tactical Aid Unit. „Ich höre.“
„Es ist so weit, Sir. Riegeln Sie das Tor an der Wellspring Lane ab! Kommen.“
„Verstanden. Wird gemacht.“
Lucy sah Geraldson an, der mit zusammengekniffenen Lippen nickte und nichts sagte. Und dann brach in der alten Scheune Männergebrüll los, Anfeuerungsrufe ertönten, aber es wurde auch gelacht, aufgebracht, lautstark und ausgelassen. In das Gebell mischte sich ein neuer wilder, grässlicher Unterton.
„An alle Einheiten“, sagte Lucy in ihr Funkgerät. „Wir schlagen zu.“
Der acht Männer starke Greiftrupp von Sergeant Frobisher und Malcolm Peabody brach aus der Deckung hervor und stürmte über das Gras, im Dunkel der Nacht kaum zu erkennen und darauf bedacht, sich der Scheune unauffällig zu nähern. Außer dem Klicken der herunterklappenden Visiere und dem Schnappen der Automatik-Teleskopschlagstöcke, die ausgefahren wurden, war nichts zu hören.
Lucy wandte sich um, zog den Kopf ein und stapfte durch den niedrigen Zugang an der Rückseite des Verstecks auf den Zufahrtsweg dahinter. Dort standen im Schutz des Spätsommerdickichts einige Transporter der Tierschutzorganisation. Fahrer und Begleitpersonal standen zwischen den Wagen und schwiegen angespannt. Lucy gab ihnen ein Zeichen, bahnte sich einen Weg durch das Gestrüpp und trat hinaus auf das offene Gelände. Im Gegensatz zu den Beamten des Greiftrupps trug sie keine volle Körperschutzmontur, aber eine Stichschutzweste und an den empfindlichen Stellen Schutzpolster über ihrer Zivilkleidung.
Die Tierschützer folgten ihr. Sie trugen dicke Schutzhandschuhe, hatten Dosen mit Abwehrspray bei sich und Stangen, an denen Leinen zum Führen der Hunde befestigt waren. Derart gut ausgestattet folgten sie Lucy mit einem gewissen Sicherheitsabstand.
Von ihrer Position aus lag die Ponykoppel vor ihnen. Die Polizisten, die hinter der östlichen Begrenzungsmauer in Deckung gelegen hatten, stürmten bereits über die Koppel. Während Lucy den Bauernhof ansteuerte, kam Mandy Mahoney wieder in Sicht. Sie schleppte eine weitere Bierkiste, offenbar völlig unbeirrt von dem grausigen Radau, der aus der Scheune drang. Wie es aussah, schien sie von den vorrückenden Einsatzkräften nichts mitbekommen zu haben. Dann erweckten einige Scheinwerferpaare ihre Aufmerksamkeit. Am anderen Ende der Ponykoppel rollten drei große Fahrzeuge – die Truppentransporter der Technical Aid Unit – langsam die Wellspring Lane entlang und blieben vor dem Zufahrtstor des Bauernhofs stehen. Der Einlasser reagierte nur langsam, wahrscheinlich weil der Anblick der Transporter ihn total überraschte. Doch im nächsten Augenblick rannte er den Feldweg entlang und schrie heiser irgendetwas Zusammenhangloses.
Lucy schaltete ihr Megafon an und hielt es sich vor den Mund.
„Leslie Mahoney!“, rief sie. Ihre Stimme hallte über die dunkle Wiese. „Hier spricht Detective Constable Lucy Clayburn von der Kripo Crowley. Sie und Ihre Freunde sind allesamt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verhaftet. Das gesamte Gelände ist umstellt, Mahoney. Ich möchte, dass Sie alle auf der Stelle aus der Scheune kommen. Bringen Sie die Hunde mit, und halten Sie sie unter Kontrolle. Sorgen Sie dafür, dass sie alle angeleint sind und Maulkörbe tragen. Jedem, der sich widersetzt, wird außerdem Angriff auf Polizeibeamte und gewalttätiger Widerstand gegen eine Verhaftung zur Last gelegt. Jeder, der einen Hund einsetzt, um Widerstand zu leisten, hat eine Anzeige wegen versuchter schwerer Körperverletzung am Hals.“
Vierzig Meter vor ihr war Mandy wie erstarrt stehen geblieben und lauschte der Durchsage, die aus der Dunkelheit über den Hof dröhnte. Doch erst, als Frobishers Greiftrupp, der die Koppel völlig unbemerkt überquert hatte, ins Licht stürmte, reagierte sie, ließ die Bierkiste fallen und rannte irgendwie ulkig auf die Scheune zu. Einige der Männer in der Scheune, vermutlich die, die am nächsten am Haupttor standen, hatten die Durchsage ebenfalls gehört. Köpfe wurden kurz herausgestreckt und verschwanden wieder. In dem wilden Gebrüll schwang zusehends Panik mit, die schließlich in Hysterie umschlug. Sekunden später strömte ein konfuses Durcheinander von Menschen und Hunden aus der Scheune. Die Hunde jaulten verwirrt, sprangen und drängten nach vorne, die Männer zerrten an den Kettenleinen. Diejenigen, die keine Hunde halten mussten, rannten zu allen Seiten, aber es gab bereits keinen Fluchtweg mehr. Der Greiftrupp aus dem Wäldchen an der Westseite des Bauernhofs kam zwischen den heruntergekommenen Gebäuden in Sicht. Befehle wurden gerufen, Warnungen ausgestoßen. Weitere uniformierte Beamte kamen um die Hinterseite der Scheune herum.
Die Männer mit den Hunden stürmten zu ihren Autos, wo sie mit den ihnen entgegendrängenden Beamten aneinanderrasselten und es zu heftigen Zusammenstößen kam. Trotzdem wurden die Motoren einiger Autos gestartet, doch weil deren Fahrer alle gleichzeitig versuchten, über den Feldweg zu entkommen, prallten sie gegeneinander, wollten einander auszuweichen und kamen schließlich zum Stehen. Die Fahrer der beiden Wagen, die es geschafft hatten, sich an die Spitze des Chaos zu setzen, kamen nur einige Dutzend Meter weit, dann sahen sie den Truppentransporter der Polizei, der das Zufahrtstor blockierte, und eine ganze Phalanx von Beamten der Tactical Aid Unit, die genauso gut ausgerüstet und bewaffnet waren wie ihre Kollegen der örtlichen Polizei, jedoch irgendwie noch bedrohlicher und militärischer wirkten und auf dem Feldweg langsam auf sie zurückten. Die Fahrzeuge blieben stehen, und im nächsten Moment wurden Autotüren aufgerissen und die Fahrer und sonstigen Insassen von kräftigen Polizeibeamten herausgezerrt.
Als Lucy den Hof erreichte, ließ sie ihr Megafon sinken.
Überall wurden Verhaftungen vorgenommen. Es gab keinen ernsthaften gewalttätigen Widerstand, jedoch einige Rangeleien, bei denen brutal aussehende, fluchende Männer zu Boden gebracht und mit Handschellen gefesselt wurden. Einem musste mit dem Schlagstock ein Schlag in die Kniekehle verpasst werden, um ihn dazu zu bringen, sich zu fügen. Die Hunde wären ein Problem gewesen, vor allem, da einige von ihnen sich losgerissen hatten und wild hin und her jagten, doch sie trugen alle Maulkörbe, und auf Lucys Anweisung hin kamen jetzt die Tierschützer auf den Hof und kümmerten sich um sie.
„Gefangenentransporter vorfahren“, sagte Lucy in ihr Funkgerät. „Wir haben jede Menge Verhaftete.“
Einer der Verdächtigen, ein junger Kerl mit langem blondem Haar, der eine Jacke trug, die aussah wie ein Wolfspelz, unternahm einen halbwegs erfolgreichen Fluchtversuch. Er riss sich von dem Police Constable los, der ihn festhielt, stürmte auf das offene Gelände der Ponykoppel und steuerte die Wellspring Lane an, gab jedoch auf, als er sah, dass hinter den Truppentransportern weitere Polizeitransporter anhielten. Er wusste nicht, dass es Transporter der örtlichen Polizei waren, die gekommen waren, um die Verhafteten abzuholen, sondern hielt sie für eine weitere Verstärkung der Polizeikräfte, weshalb er stehen blieb, auf die Knie sank, die Arme hob und sich gefügig von den ihn verfolgenden Beamten abführen ließ.
Lucy befand sich nach wie vor inmitten des Geschehens, allerdings war das meiste vorüber. Überall wurden Rechtsbelehrungen ausgesprochen und die Erwiderungen, überwiegend Schimpfworte und einfallsreichere Obszönitäten, auf Diktafone aufgenommen, während die mit Handschellen gefesselten Männer im Polizeigriff zur Außenwand des Bauernhauses geführt wurden. Dort wurden sie jeweils von dem Beamten, der die Verhaftung vorgenommen hatte, festgehalten, während andere sie abtasteten und durchsuchten. Einer leistete mehr Widerstand als alle anderen. Er trat um sich und spuckte und kassierte dafür einen Rückhandschlag auf den Mund. Lucy machte sich deswegen keine Sorgen. Sie bezweifelte, dass es im Land irgendeinen Richter gab, der sich, wenn die Beweise erst einmal präsentiert worden wären, von lächerlichen Beschwerden über Polizeigewalt beeinflussen lassen würde.
Auf einen großen Teil dieser Beweise stieß Lucy sofort, als sie die Scheune betrat. Das Herzstück war eine speziell konstruierte Kampfarena. Sie war quadratisch, maß etwa zehn mal zehn Meter, war gut eineinhalb Meter tief ausgehoben und mit Backsteinen ummauert. In einer der Ecken war eine Stahlleiter angebracht, auf einem Stativ stand eine Kamera, die den Bereich überblickte. Neben der Kampfarena stand eine Kreidetafel, auf die Wettinformationen gekritzelt waren.
In der Arena befanden sich noch zwei Hunde. Einer von ihnen, ein American Pitbull Terrier, raste wild hin und her und sprang trotz des vielen Bluts, das ihm vom Kiefer und von den Wangen tropfte, immer wieder am Rand der Arena hoch, knurrte die Beamten an und versuchte, nach ihnen zu schnappen. Der andere, dessen Rasse nicht mehr zu bestimmen war, war nur noch ein bebender, keuchender, zerfleischter, von Wunden übersäter, blutbesudelter Fleischhaufen.
„Wir brauchen sofort einen der Tierärzte“, stellte Lucy über ihre Schulter an einen Police Constable gewandt klar. „Und jemanden, der sich um den anderen Hund kümmert und ihn in Schach hält, okay?“
Der Police Constable zog ab, und genau in dem Moment beugte sich Detective Constable Tessa Payne, eine junge schwarze Beamtin, die bisher ebenfalls die Uniform getragen hatte, jedoch zurzeit im Rahmen ihrer Ausbildung der Kripo Crowley zugewiesen war, durch eine Türöffnung, die die Scheune mit einem anderen Außengebäude verband. Wie Lucy trug sie nur leichte Schutzkleidung über ihrem Pullover und ihrer Jeans und war gerade dabei, sich ihre Schutzhandschuhe auszuziehen und diese durch Latexhandschuhe zu ersetzen.
„Lucy“, sagte sie, „ich glaube, Sie sollten mal einen Blick hier reinwerfen.“
„Muss ich mich dann übergeben?“, fragte Lucy.
„Nein, Sie dürften eher einen Freudentanz aufführen.“
Lucy ging durch die Türöffnung und landete in einem Raum, bei dem es sich im Wesentlichen um einen angebauten Schuppen handelte, der nur von einer einzigen nackten Glühbirne beleuchtet wurde. An den feuchten Wänden standen Regale, deren Bretter unter dem Gewicht grausiger Hundekampfutensilien ächzten. Sie sah jede Menge Maulkörbe und Hundegeschirre, stapelweise schmuddelige Zeitschriften aus zweiter Hand mit grotesken Fotos auf den Titelseiten, selbst aufgenommene DVDs, Erste-Hilfe-Sets für Tiere inklusive Klammergeräten für Wunden, tubenweise Sekundenkleber und einige „Breaking Sticks“, dicke, von Zahnabdrücken markierte Holzstäbe, die normalerweise verwendet wurden, um den Kiefer eines siegreichen Hundes zu öffnen, der sich in seinem Opfer verbissen hat.
„Perfekt“, sagte sie. „Absolut perfekt. Das muss alles in Beweissicherungsbeutel wandern und gekennzeichnet werden, Tessa.“
Detective Constable Payne nickte. In dem Moment wurde ihre Aufmerksamkeit vom Jaulen weiterer Hunde abgelenkt. Der angebaute Schuppen verfügte über einen eigenen Ausgang, bei dem es sich erneut nur um einen Türrahmen ohne Tür handelte. Sie gingen hindurch und landeten auf einem umzäunten Hof, auf dem es ein paar Waagen, ein Laufband und einen völlig verschmutzen, großen Glasbehälter gab, der bis zum Rand mit Wasser gefüllt war, das so verdreckt und grün war, dass es nahezu undurchsichtig war. Außerdem gab es eine Reihe von Gitterkäfigen, die jeweils mit einem grob zusammengezimmerten Hundezwinger verbunden waren. In jedem befand sich ein Hund, doch diese Tiere waren ganz anders als die, die sie bisher gesehen hatten. Sie waren extrem unterwürfig, lagen still mit angelegten Ohren da und musterten die Menschen vor ihren Käfigen voller Angst.
Und es war klar, warum.
Sie waren alle brutal entstellt, in vielen Fällen so übel zugerichtet und voller Bisswunden, dass in ihren Gesichtern überhaupt kein Fell mehr vorhanden war. Einigen war an ihren Backen so viel Fleisch weggebissen worden, dass ihre Zähne entblößt waren. Mindestens zwei hatten ein Auge verloren, die leeren Augenhöhlen waren notdürftig zugenäht worden. Lucy sah Ohren, die nur noch in Fetzen herabhingen, und Pfoten, von denen nur noch spärliche lederne Stümpfe übrig waren. Den Grund dafür, dass sie so übel zugerichtet waren, erkannte man schon an ihren Rassen, denn es handelte sich überwiegend um Mischlinge, und die anderen waren als Labradore, Spaniels und Retriever zu erkennen, also eher Vorort-Haustiere als Kampfhunde.
„Köderhunde“, stellte Lucy fest und ging an den Käfigen entlang.
„Sieht so aus, als wären all die entführten Haustiere, deren Besitzer Anzeige erstattet haben, hier gelandet“, sagte Payne, die hinter Lucy herging.
„Vielleicht.“
„Aber noch keine Spur von dem schwarzen Transporter.“
„Wir müssen weiter Ausschau danach halten.“
Für Lucy war der Einsatz von „Köderhunden“ einer der abscheulichsten Aspekte der ganzen Schande, die Hundekämpfe darstellten. Dass diese treuherzigen, unschuldigen Geschöpfe als Teil eines herzlosen Trainings für die Kampfhunde immer wieder in die Arena geworfen wurden, wo sie gnadenlos wieder und wieder von wilden Bestien attackiert wurden, die auf nichts anderes aus waren, als alles, was ihnen in die Quere kam, sinnlos zu töten, war nur schwer zu ertragen. Aber dass so etwas einstigen Haustieren passieren konnte, die vermeintlich liebevollen Tierhaltern entwendet und in diesem mysteriösen schwarzen Transporter entführt worden waren, von dem im Zusammenhang mit verschwundenen Haustieren wiederholt berichtet worden war, empfand sie als noch schauriger.
„Wir brauchen die Tierärzte noch mal“, sagte Lucy, woraufhin die jüngere Detective nickte und davoneilte.
„Hier drin werden wir sie jedenfalls nicht mehr brauchen“, meldete sich eine Stimme.
Lucy blickte sich um und sah Malcolm Peabody, der sich aus dem Eingang eines hässlichen Porenbetonsteingebäudes mit scheibenlosen Fenstern und einem durchhängenden Dach aus Teerpappe herausbeugte. Er hatte seinen Schutzhelm abgenommen und ihn sich unter den Arm geklemmt. Sein Haar war nass und stand stachelig ab, sein sommersprossiges Gesicht war in Schweiß gebadet. Normalerweise war er ein stets gut aufgelegter junger Kerl, der für seinen Job große Begeisterung aufbrachte, doch im Moment war sein Ausdruck grimmig und wütend, sein Gesicht blass und wächsern.
Mit einem äußerst mulmigen Gefühl folgte Lucy ihm in das Gebäude.
Im Licht der Taschenlampe war zu erkennen, dass es sich im Wesentlichen um einen Raum im Rohbau handelte. Die Wände waren unverputzt, der Betonboden uneben und mit unzähligen getrockneten Blutflecken übersät. Überall lagen Hundekadaver herum. Mindestens zehn und alle noch relativ frisch. Das schloss Lucy daraus, dass überall Fliegen summten und ein übler Gestank in der Luft lag. Sie musterte den Haufen verdreht daliegender Kadaver mit einer Haltung, die ein Außenstehender vielleicht als Gleichgültigkeit bezeichnet hätte, doch in Wahrheit war es kalte Professionalität. Es war nicht etwa so, dass der Anblick sie nicht berührte, aber mit ihren zwölf Dienstjahren auf dem Buckel war Lucy eine Veteranin, was diese Art von Grausamkeit anging, und sie wusste, dass es nur ihr Urteilsvermögen trüben würde, wenn sie solche Dinge emotional an sich heranließe.
Peabody, ein relativer Neuling in dem Geschäft, hatte sich nicht so unter Kontrolle.
„Das sind offenbar die, für die sie keine Verwendung mehr hatten“, sagte er und zeigte auf einen schweren Hammer, der an einem Lederriemen von einem Nagel herabhing. Der junge Polizist sah aus, als wäre ihm übel. „Und damit haben sie die Kreaturen von ihren Qualen erlöst.“
„Nicht berühren“, entgegnete Lucy. „Fass nichts an, bevor die Fotografen hier waren.“
Sie gingen wieder nach draußen an die frische Luft. Lucy winkte einen der uniformierten Beamten herbei und wies ihn an, an der Tür Wache zu stehen. Sie gingen zurück durch die Scheune und traten wieder hinaus auf den Hof. Die Verhafteten standen in einer Reihe. Sergeant Frobisher war gerade dabei, ihre Angaben und die Angaben der Beamten, die die Verhaftungen vorgenommen hatten, aufzunehmen, um sicherzustellen, dass es später auf der Wache im Gewahrsamstrakt keine Verwirrung geben würde. Die Gefangenentransporter fuhren einer nach dem anderen rückwärts vor, und die Hintertüren und die vergitterten Innentüren schwangen auf.
„Ihr seid alle geliefert!“, kreischte die stämmige Mandy Mahoney, als sie von zwei Polizistinnen in voller Schutzmontur im Polizeigriff zu einem bereitstehenden Streifenwagen geführt wurde. Da sie die einzige Frau unter den Verhafteten war, würde sie von den anderen getrennt auf die Wache gebracht werden. „Ihr Bullen steht alle auf der Abschussliste! Alle!“
Nicht weit hinter ihr wurde der noch dickere und noch ungepflegtere Les Mahoney abgeführt. Er stank nach Schweiß, grinste Lucy an und stellte ein Gebiss aus verfaulten Zähnen zur Schau.
„Tut mir leid, dass ich Ihr abendliches Unterhaltungsprogramm gestört habe, Mr. Mahoney“, sagte sie.
Er grinste unbeirrt weiter. „Leck mich, du halbe Portion von einer Bullenschlampe.“ Er würgte Speichel hoch und rotzte ihn ihr vor die Füße. „Und sag deinen stumpfen Schwuchtel-Kollegen, dass sie bloß keine Sauerei anrichten sollen, sonst verklage ich euch alle.“
„Nur zu“, konterte Peabody. „Sie wandern in den Knast, Freundchen.“
„Ach ja?“ Mahoney lachte wiehernd. „Super. Ein fünfmonatiger Urlaub kommt mir sehr gelegen. Du pickelgesichtiger Haufen Hundescheiße.“
Peabody wollte auf ihn losgehen, doch Lucy hielt ihn zurück.
„Schafft ihn mir aus den Augen“, sagte sie.
Mahoney lachte laut und dreist, als er weggeführt wurde.
Lucy schüttelte den Kopf. „Der letzte Charmeur der alten Schule, was?“
Peabody setzte einen finsteren Blick auf. „Aber leider hat er recht. Wir können uns glücklich schätzen, wenn er für das hier mehr aufgebrummt kriegt als eine Verwarnung. Wir sollten mit ihm an einen abgelegenen Ort fahren und ihm die Scheiße aus dem Leib prügeln. Nur für den Fall, dass er später auf freien Fuß gesetzt werden sollte.“
Lucy sah zu, wie die Beamten dem mit Handschellen gefesselten Mahoney in einen der Gefangenentransporter halfen. „Habe ich dich nicht davor gewarnt, das Ganze zu sehr an dich heranzulassen, Malcolm? Du wirst es nicht lange machen, wenn du zulässt, dass dir dieser Job zu sehr an die Nieren geht. Das da drinnen – das waren nur Hunde.“ Sie tätschelte ihm die Wange und ging weg. „Warte erst mal, bis du mit ansehen musst, dass so was Menschen angetan wird.“


Kapitel 2

In den ersten zehn Jahren ihres Polizistinnendaseins hatte Lucy Clayburn die Uniform getragen, doch mittlerweile war sie seit zwei Jahren Detective Constable bei der Kripo. Allerdings hatte sie während dieser Zeit ausschließlich in ihrem Heimatort Crowley gearbeitet, der, was die Zuständigkeitsbereiche der Greater Manchester Police anging, der legendären November Division zugeteilt war.
Die ehemalige Industriestadt, die dieser Tage eher einem postindustriellen Brachland glich, galt als eine Hochburg der Kriminalität, doch wahrscheinlich hatte sie diesen schlechten Ruf auch nicht mehr verdient als die anderen nordenglischen Städte, denen er anhaftete, wo Vollbeschäftigung der Vergangenheit angehörte und Alkohol und Drogen die Lücken füllten.
Der Job des Polizeibeamten brachte vor allem ein Problem mit sich, und zwar nicht nur an einem Ort wie Crowley, sondern eigentlich überall: Man wusste genau, was hinter der manchmal nur hauchdünnen Fassade der örtlichen Gemeinschaft vor sich ging. Und somit war sie an jenem Mittwoch, dem 12. September, nicht völlig überrascht, als sie sich in der Nacht die Liste der Verhafteten vornahm, die in den Zellen der Wache Robber’s Row warteten, dem Hauptquartier der November Division, und sah, dass sich unter ihnen auch Akademiker mit einem tadellosen Familienhintergrund befanden: ein hoher Beamter, ein Journalist der Lokalzeitung, ein Immobilienmakler und sogar ein Bankdirektor. Natürlich waren auch Schlägertypen dabei, all die üblichen Verdächtigen, aber einige gehörten in die Rubrik „seriös“ oder zumindest „nach außen hin seriös“. In einem gewissen Maß hätte sie das vielleicht erwarten sollen, denn ohne die üppigen Geldsummen, die bei Hundekämpfen flossen, gäbe es diese gar nicht, nicht einmal als illegale Veranstaltungen. Bei dem Ganzen ging es einzig und allein um das Wetten, und wenn man die dazu erforderliche Kohle nicht hatte, konnte man nicht mitmachen.
„Ziemlich beunruhigend, was?“, fragte Lucy, während sie die Datei auf dem Bildschirm von Sergeant Joe Cullens Computer herunterscrollte, dem diensthabenden Beamten im Gewahrsamstrakt der Wache Robber’s Row. „Viele dieser Typen geben sich wie Musterbürger. Sie sind so gut darin, den Eindruck eines normalen Bürgers zu erwecken, dass sie sich problemlos in jede Gesellschaft einfügen. Sie arbeiten leistungsorientiert und haben einträgliche Jobs. Sie geben sich sozial, haben Freunde und Familien. Doch tief in ihrem Innern sind sie so gestört, dass sie es genießen zuzusehen, wie unschuldige Tiere einander in Stücke reißen. Entweder das, oder sie sind so abgestumpft, dass es sie kaltlässt, solange sie beim Wetten ein paar Pfund einstreichen.“
„Es würde mich, ehrlich gesagt, nicht wundern, wenn das nur der Anfang ist und das dicke Ende noch nachkommt“, entgegnete Cullen. Er war ein bulliger Beamter der alten Schule mit einem grimmigen, vom Leben gezeichneten Gesicht und einem kurz geschorenen, dichten grauen Haarschopf. „Wenn sie sich auf so etwas einlassen – wozu sind sie dann noch in der Lage? Wie Sie gesagt haben: Die sind nicht normal.“
„Ist Mahoneys Anwalt schon da?“, fragte Lucy.
„Er will keinen“, erwiderte Cullen.
Sie zog die Augenbrauen hoch.
Cullen zuckte mit den Achseln. „Ich habe ihn zweimal gefragt, aber er besteht darauf, dass er keinen braucht. Wenn Sie mich fragen – er ist ein kleines arrogantes Arschloch.“

„Gut, Mr Mahoney“, sagte Lucy, „Ihnen ist klar, dass dies eine offizielle Vernehmung ist und Sie nach wie vor unter dem Verdacht stehen, eine Straftat begangen zu haben?“
Mahoney nickte. Er trug immer noch die abgerissene, abstoßende Kleidung, in der sie ihn verhaftet hatten, fläzte sich, nach Schweiß und Zigarettenrauch stinkend, auf dem Stuhl an der anderen Seite des Tischs im Verhörraum und grinste sie an.
Lucy krempelte die Ärmel ihres Pullovers hoch und legte los. „Für die Aufnahme: Wir befinden uns im Verhörraum 3 der Wache Robber’s Row. Ich bin Lucy Clayburn, bei mir ist Detective Constable Tessa Payne. Dies ist die Vernehmung von Leslie Mahoney. Die Vernehmung beginnt um“, sie sah auf die Uhr an der Wand, „23 Uhr 15.“ Sie musterte ihn aufmerksam. „Also, Mr Mahoney, wie war Ihr Tag?“
Mahoney lachte schallend. „Eine lustige Frage, das muss ich sagen.“
„Keine deftigen Flüche mehr?“
Er zuckte mit den Achseln. „Sie haben mich in einem schlechten Moment erwischt, das ist alles.“
„Der Moment, von dem Sie sprechen, war der Moment, in dem Sie heute Abend vor Ihrem Haus an der Wellspring Lane Nummer 39 verhaftet wurden. Ist das korrekt?“
„Ja, das ist korrekt.“
„Ich nehme an, Sie wissen auch, warum Sie verhaftet …“
„Sabbeln wir hier nicht dumm rum, Baby. Sie haben mich festgenommen, weil ich professionelle Hundekämpfe veranstalte.“
Lucy blieb gelassen. „Sie scheinen nicht übermäßig besorgt.“
„Sie haben doch einen guten Job gemacht, oder? Sie haben uns auf frischer Tat ertappt. Also, bevor wir dieses ganze langweilige Frage-und-Antwort-Spiel durchexerzieren – ja, ich habe Hunde darauf abgerichtet zu kämpfen. Ich habe Eintrittsgeld von den Besuchern kassiert. Ich habe Wetten auf das Ergebnis der Kämpfe zugelassen. Ich besitze geeignete Räumlichkeiten und Ausrüstung für die Durchführung von Hundekämpfen. Ich besitze Videos von Hundekämpfen und so weiter und so fort.“
Er grinste erneut und entblößte braune, faule Zähne. In seinem zotteligen Bart klebte Speichel.
„Woher bekommen Sie die Hunde?“, fragte Lucy.
„Ich besitze keine Hunde“, erwiderte Mahoney. „Ich organisiere nur die Kämpfe.“
„Ich rede nicht von den mehr als dreißig Kampfhunden, die wir auf Ihrem Anwesen eingesammelt haben“, stellte Lucy klar. „Wir müssen noch ermitteln, wer ihre Besitzer sind. Ich interessiere mich mehr für die siebzehn Hunde, die wir in Zwingern hinter Ihrer Scheune gefunden haben. Und für die dreizehn toten Hunde, die wir in dem Raum gefunden haben, der aussieht wie eine improvisierte Leichenhalle.“
„Sie reden von den Köderhunden.“ Mahoney musterte Payne, in deren Ausdruck sich Verachtung und Verwunderung mischten. „Überrascht, Darling?“, fragte er lachend. „Jede Wette, dass die meisten der armen Teufel, die Sie einbuchten, nicht so kooperationsbereit sind wie ich, stimmt’s?“
„Also, wo haben Sie die Hunde her?“, fragte Lucy erneut.
„Ich habe sie gekauft. Oder aus Tierheimen.“
„Also gehören sie Ihnen“, stellte Payne fest. „Obwohl Sie gerade noch gesagt haben, dass Sie keine Hunde besitzen.“
Mahoney wirkte erneut belustigt. „Also wirklich, Baby. Das sind doch keine richtigen Hunde. Es sind streunende Köter. Weiß der Geier, von wem sie stammten. Jeder einzelne von ihnen war eine jämmerliche Kreatur.“
„Als Sie mit ihnen fertig waren, ganz sicher“, erwiderte sie scharf.
Lucy sah sie von der Seite an. Tessa Payne war erst seit Kurzem bei der Kripo der Wache Robber’s Row, nachdem sie ihre Zeit als Polizistin in Uniform im Rahmen ihrer Ausbildung in der Wache Cotehill Crescent absolviert hatte. Sie war sportlich und fit – offenbar eine Top-Athletin –, hatte aber auch einen College-Abschluss und verfügte über jene Art von Einfühlungsvermögen, die man bei der Polizei nur selten fand. Im Moment wirkte sie ruhig, aber Lucy sah ihr an, dass sie Les Mahoney verabscheute.
„Falls Sie die toten Hunde meinen – denen habe ich einen Gefallen getan“, sagte Mahoney. „Normale Tierärzte tun doch genau das Gleiche. Sie befreien arme Kreaturen, die nicht mehr wieder zusammengeflickt werden können, von ihrem Elend.“
„Normale Tierärzte tun das in einer klinischen Umgebung“, stellte Payne klar. „Und auf humane Weise.“
Mahoney sah verdutzt aus. „Was könnte denn humaner sein als ein kurzer Schlag auf die Rübe?“
„Sie geben also zu, die dreizehn Hunde in dieser Baracke getötet zu haben?“, fragte Lucy.
„Na klar.“
„Hiermit?“ Sie legte den Hammer auf den Tisch zwischen ihnen. Er befand sich inzwischen in einem versiegelten Beweissicherungsbeutel.
„Jawohl.“ Mahoney machte sich nicht einmal die Mühe, sich den Hammer anzusehen. „Mit dem habe ich sie ins Jenseits befördert.“
„Dann bieten Sie also außer dem Fitnessstudio für Hunde – wir haben das Schwimmbecken und das Laufband gesehen – auch einen Service für die Vermittlung von Köderhunden? Ist es das, was Sie uns sagen wollen?“
„Korrekt.“
„Dann kommen also Kampfhundbesitzer zu Ihnen und bezahlen Sie dafür, dass Sie einen Ihrer Köderhunde in die Grube werfen, damit ihre Kampfhunde schön trainieren können.“
„So läuft es im Wesentlichen ab, ja.“
„Der andere Hund hat keine Chance, richtig?“, fragte Payne. „Sie können sich die Antwort sparen, wir haben das Resultat ja mit eigenen Augen gesehen.“
„Warum tun Sie eigentlich so, als ob Sie das etwas scheren würde?“ Der Verhaftete sah erneut belustigt aus. „Sie sind doch eine verdammte Bullenschlampe. Leuten die Scheiße aus dem Leib zu treten, ist Teil Ihrer Jobbeschreibung. Und das sind Menschen, nicht verfickte blöde Viecher. Hirnlose Mischlinge, die niemand haben will.“
„Also überführten Sie die Tiere in Ihren Besitz“, stellte Lucy fest. Sie blieb konzentriert bei der Sache. „Indem Sie sie kauften oder – verzeihen Sie, falls das ironisch klingt – sie retteten.“
„So ist es.“
„Haben Sie alle Hunde offiziell korrekt erworben?“, fragte Payne.
„Absolut. Mit Papieren und allem Drum und Dran.“
„Einige Hunde in Ihren Zwingern sahen ganz bestimmt nicht so aus, als ob sie jemals ein Tierheim von innen gesehen hätten“, sagte Lucy.
Mahoney tat so, als würde er nachdenken. „Kann sein, dass der eine oder andere reinrassige dabei war.“
„Woher haben Sie die?“, fragte sie.
„Das waren die, die ich gekauft habe. Die Besitzer konnten sich nicht mehr um sie kümmern, oder sie zogen weg, oder die Familie hat sich getrennt oder sonst irgendwas in der Art. Traurig, nicht wahr? Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, wenn die Kinder mit ansehen müssen, wie ihre Mum und ihr Dad sich voneinander trennen. Und dann wird ihnen auch noch ihr Haustier weggenommen. Aber wen schert das schon? Also wirklich. Wir reden von Haustieren. Von gefühlsduseligen, tuntenhaften Kreaturen. Von beschissenen Spielzeugen, die so tun, als wären sie Hunde.“
„Sie haben sie gekauft?“, hakte Lucy nach, um sich das nochmals bestätigen zu lassen.
„Ich sag’s gerne noch mal: Ich habe alle Papiere.“
Die sie, wenn es sie tatsächlich gab, zweifellos schnell finden würden, rief Lucy sich in Erinnerung. Denn sie hatte Mahoney nicht nur wegen der Ausrichtung von Hundekämpfen verhaftet, sondern auch unter Diebstahlverdacht, genauer gesagt, wegen des Verdachts, die verschwundenen Hunde gestohlen zu haben, was ihnen die Berechtigung gab, sein Gehöft gründlich zu durchsuchen. Genau in diesem Moment, in dem sie Mahoney verhörte, war Malcolm Peabody in Begleitung einiger Uniformierter immer noch an der Wellspring Lane und stellte das komplette Haus und Gelände auf den Kopf.
„Aber wissen Sie, was ich wirklich lustig finde?“, fragte Mahoney.
„Lustig?“, wiederholte Lucy.
Er beugte sich verschwörerisch vor. „Sie sind hier reingekommen und dachten: ›Dem Mistkerl werde ich eine Lektion erteilen. Er wird versuchen, sich rauszuwinden, aber wir haben ihn an den Eiern. Wir knöpfen ihn uns vor, dass ihm Hören und Sehen vergeht.‹ Aber ich habe nicht versucht, mich rauszuwinden, oder? Ich habe ausgepackt. Weil Sie und ich wissen, dass ich dafür im schlimmsten Fall sechs Monate kriege.“ Er grinste wieder und offenbarte erneut seinen Mund voller brauner, schaufelartiger Zähne. „Wie gesagt: Ich könnte einen kleinen Urlaub gebrauchen.“
Er lehnte sich zurück und grinste noch breiter.
„Jetzt hab ich Sie aber ziemlich übertölpelt, was? Und Sie dastehen lassen wie zwei hirntote Volltrottel. Denn Sie glauben, dass Sie mir ein paar Diebstähle anhängen können. Sie denken: ›Unsere einzige Chance, dieses Arschloch irgendwo hinzustecken, wo die Sonne nie scheint, ist zu beweisen, dass er sich einige dieser Hunde unrechtmäßig unter den Nagel gerissen hat, insbesondere diese reinrassigen Köter, die ein paar Cent wert sind.‹ Jede Wette, dass Sie in Ihrer Gesäßtasche eine Liste haben, auf der jede Menge verschwundene Hunde stehen. Hab ich recht? Ich habe die Geschichten auch gehört. Von Haustieren, die ihren Besitzern überall in Crowley gestohlen und von diesem unheilvollen schwarzen Transporter auf Nimmerwiedersehen weggeschafft wurden.“
Er bedachte Lucy mit einem langen, abschätzenden Blick.
„Ich frage mich, ob Sie schon überprüft haben, ob es sich auch nur bei einem einzigen der Hunde in meinen Zwingern um einen der verschwundenen Köter handelt. Oder gehen Sie einfach nur davon aus, dass es so ist? Wenn Letzteres der Fall sein sollte, haben Sie Pech gehabt.“ Er lachte erneut. „Und um Ihrer nächsten Frage zuvorzukommen: Nein, ich besitze keinen schwarzen Transporter. Ich besitze drei Fahrzeuge und habe für alle Papiere. Sparen Sie sich die Mühe, auf meinem Hof nach diesem geheimnisvollen schwarzen Transporter zu suchen, weil Sie sonst noch dümmer dastehen als sowieso schon.“

Detective Inspector Stan Beardmore, Lucys Vorgesetzter an der Wache Robber’s Row, war ein verträglicher Mann von Mitte fünfzig. Er war klein und untersetzt, hatte gepflegtes, schneeweißes Haar und die Angewohnheit, über seinen schicken Hemden und Krawatten schäbige Tweedjacketts zu tragen. Im Moment war er gerade etwas verblüfft.
„Ich verstehe nicht, wo das Problem ist“, sagte er. „Der Mistkerl hat doch alles zugegeben.“
„Das Problem ist, dass er recht hat“, entgegnete Lucy. Sie stand an der hinteren Seite des Dienstzimmers, das sich zwischen dem Gewahrsamstrakt und dem Empfangstresen der Wache befand, und zog einen Ausdruck aus der Gesäßtasche ihrer Jeans. „Ich habe hier eine lange Liste von Tieren, von denen wir nicht wissen, wo sie abgeblieben sind.“
„Mensch Lucy, das sind doch nur ein paar Hunde. Wir haben eine noch längere Liste mit Menschen, die als vermisst gemeldet wurden und um die wir uns aus Zeitmangel noch nicht kümmern konnten.“
„Das ist nicht der Punkt.“ Sie schüttelte den Kopf. „Wir haben genug gegen ihn in der Hand, um ihn wegen der Hundekämpfe dranzukriegen. Aber wenn wir ihm nicht auch einen ordentlichen Diebstahl zur Last legen können, kommt er mit einem blauen Auge davon und geht lachend nach Hause.“
„Er hatte doch auch ein paar reinrassige Hunde in seiner Sammlung, oder?“
„Ja, aber die habe ich schon überprüft, und keiner von ihnen steht auf der Liste der als verschwunden gemeldeten Hunde.“ Sie breitete den Ausdruck auf dem Schreibtisch aus und zeigte auf einen Bereich, den sie mit Kugelschreiber mit einem Quadrat umzeichnet hatte. Er enthielt ein paar Details und ein Schwarz-Weiß-Foto in schlechter Qualität von einem kleinen, flauschigen Hund. „Ich hatte gehofft, zumindest den hier zu finden. Petra. Ein pink gefärbter Zwergpudel. Die Hündin ist vor zwei Monaten aus einem hinteren Garten in Cotely Barn verschwunden. Ihre Besitzerin hat ausgesagt, am Abend ihres Verschwindens einen mysteriösen schwarzen Transporter in der Nähe ihres Hauses gesehen zu haben.“
Beardmore verdrehte die Augen.
„Die Sache ist die, dass Petra ihre Besitzerin 650 Pfund gekostet hat“, sagte Lucy.
„Und sie war definitiv nicht in Mahoneys Zwingern?“, fragte Beardmore.
„Ich glaube, wenn wir einen pink gefärbten Zwergpudel gefunden hätten, wüssten wir das.“
„Und was ist mit der Baracke, in der die Kadaver lagen?“
Lucy schüttelte mit finsterem Blick den Kopf. „Da war sie auch nicht. Aber da ist noch was. Als Petra verschwunden ist, trug sie ein mit Diamanten besetztes pinkfarbenes Lederhalsband, das allein zweitausend Pfund wert war. Ein absurd teures Utensil für einen Hund, ich weiß. Aber wenn wir Mahoney dafür drankriegen könnten, würde er zumindest ein paar zusätzliche Monate aufgebrummt kriegen.“
„Und wäre das den ganzen Aufwand wert? Damit er ein paar Monate mehr kriegt?“
Lucy schüttelte den Kopf. „Stan, wenn Sie da gewesen wären … Wenn Sie gesehen hätten, was wir gesehen haben.“
„Okay, ich weiß.“ Er sah frustriert aus. „Ich stimme Ihnen zu, es ist ein Riesenmist. So ein Dreckskerl wie Mahoney hat es verdient, die volle Härte des Gesetzes zu spüren. Wenn es nach mir ginge, würde er fünf Jahre einfahren. Aber wir machen die Gesetze nicht, Lucy. Wir setzen sie nur durch.“
„Ich brauche mehr. Zumindest dieses mit Diamanten besetzte Lederhalsband.“
„Entschuldigen Sie mich bitte, Detective Constable Clayburn“, meldete sich eine Stimme. „Da draußen ist jemand, der mit Ihnen sprechen will.“
Die Stimme gehörte Daisy Dobson, einer der zivilen Angestellten, die am Empfangstresen der Wache arbeitete. Sie war eine große Frau von klassischer Schönheit mit wirrem blondem Haar und einer permanent sauertöpfischen Miene. In ihrer schicken aquablauen Uniform hätte sie vielleicht trotzdem eine gute Figur gemacht, aber sie hatte die Angewohnheit, ständig schmatzend Kaugummi zu kauen. Sie stand ungeduldig da und wartete auf eine Antwort.
„Ist es was Wichtiges, Daisy?“, fragte Lucy. „Ich habe nämlich gerade einen ganzen Haufen von Verhafteten am Hals.“
Daisy kaute weiter, rührte sich jedoch nicht von der Stelle. „Ich weiß nicht, ob es wichtig ist.“
„Dann schicken Sie die Person weg“, schaltete sich Beardmore ein. „Wir haben zu tun.“
„Es ist eine Nonne“, sagte Daisy.
„Eine Nonne?“ Beardmore war vorübergehend sprachlos.
„Genau, Sir“, erwiderte Daisy. „Eine richtige Nonne. Im vollen Ornat.“
Beardmore fasste sich wieder. „Dann schicken Sie sie höflich weg. Wir haben nämlich trotzdem zu tun.“
„Ist schon gut“, schaltete sich Lucy ein, die wusste, wer die Besucherin wahrscheinlich war. Sie faltete den Ausdruck zusammen und steckte ihn wieder in ihre Gesäßtasche. „Ich kümmere mich um sie. Sie ist keine richtige Nonne. Aber sie war mal eine. Na ja, eher eine Schwester als eine Nonne. Inzwischen ist sie nichts von beidem, weil – ach, das ist eine lange Geschichte.“
Beardmores Gesicht war völlig ausdruckslos. „Reden wir von einer Verrückten?“
„Das ist das Problem“, entgegnete Lucy und steuerte die Tür an. „Bei Schwester Cassiopeia kann man sich da nie ganz sicher sein.“

Paul Finch

Über Paul Finch

Biografie

Paul Finch hat als Polizist und Journalist gearbeitet, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Neben zahlreichen Drehbüchern und Kurzgeschichten veröffentlichte er auch Horrorromane und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem British Fantasy Award und dem International Horror Guild...

Weitere Titel der Serie „Lucy-Clayburn-Reihe“

Lucy Clayburn ist Streifenpolizistin in Manchester, doch träumt sie davon, Kriminalpolizistin zu sein. Daher nimmt sie einen gefährlichen Undercover-Einsatz an, um ihr Fährigkeiten zu beweisen.
Pressestimmen
Südwest Presse

„Wie Finch all das miteinander verknüpft, ist schon ein Kunststück und ausnehmend spannend.“

wir-besprechens.de

„Nichts für schwache Nerven! Durchweg sehr spannend, fesselnd und mit Gänsehautgarantie! Bitte weiter so!“

magazin-koellefornia.com

„Beim Lesen merkt man sofort, das der Autor ein ehemaliger Polizist war. Er schreibt so authentisch und überzeugend, wie es nur ein Insider kann.“

Peter James

„Wunderbar dunkel, gespickt mit grimmigem Humor. Finch schreibt mit der authentischen Stimme eines ehemaligen Cops.“

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