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Kant und das kleine rote KleidKant und das kleine rote Kleid

Kant und das kleine rote Kleid

Roman

Hardcover
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Kant und das kleine rote Kleid — Inhalt

In der Hoffnung auf ein besseres Leben verlässt eine junge Frau ihr Land und folgt ihrem Mann nach Paris. Aber ihre Träume erfüllen sich nicht in dieser glitzernden Stadt: Noch immer trägt sie eine Burka, ihr Mann bestimmt über sie, und sie ist einsam. Doch eines Tages entdeckt sie in einem Schaufenster ein bezauberndes rotes Kleid. Immer wieder geht sie daran vorbei, beseelt von dem Wunsch, es einmal zu tragen und sich frei zu fühlen. Wenig später fällt ihr ein Buch von Kant in die Hände. Sie versteckt es vor ihrem Mann und beginnt gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter, heimlich darin zu lesen. Allmählich spürt sie, wie nicht nur das Kleid, sondern auch Kants Worte in ihr eine leise Sehnsucht wecken – den Schleier zu lüften, der sie vom Leben trennt, und endlich den Horizont zu berühren, von dem sie bislang nur geträumt hat…

€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 01.09.2017
Übersetzt von: Hanna Klimesch
96 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-86612-432-5
€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 01.09.2017
Übersetzt von: Hanna Klimesch
96 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-97821-7

Leseprobe zu »Kant und das kleine rote Kleid«

1

 

Sie ist auch vorher schon daran vorbeigekommen, ohne es jedoch zu sehen.

Ohne es sehen zu wollen, um genau zu sein.

Sicherlich wegen des Schleiers, den sie trägt und durch den sie sich von den anderen unterscheidet. Am nächsten Tag ist sie noch einmal daran vorbeigegangen, und plötzlich vollzog sich eine erstaunliche Wandlung. Sie spürte, dass sie Sehnsucht danach empfand.

Die Sehnsucht ist für sie eine in Vergessenheit geratene Sache. Tage, Monate, Jahre des vollkommenen Schweigens haben sie unter sich begraben. Eine lächerliche Sehnsucht, dessen [...]

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1

 

Sie ist auch vorher schon daran vorbeigekommen, ohne es jedoch zu sehen.

Ohne es sehen zu wollen, um genau zu sein.

Sicherlich wegen des Schleiers, den sie trägt und durch den sie sich von den anderen unterscheidet. Am nächsten Tag ist sie noch einmal daran vorbeigegangen, und plötzlich vollzog sich eine erstaunliche Wandlung. Sie spürte, dass sie Sehnsucht danach empfand.

Die Sehnsucht ist für sie eine in Vergessenheit geratene Sache. Tage, Monate, Jahre des vollkommenen Schweigens haben sie unter sich begraben. Eine lächerliche Sehnsucht, dessen ist sie sich durchaus bewusst. Ihre Existenz ist eine Schande, weil sie in nichts Ehrbarem wurzelt.

Doch wie soll man unterscheiden, was ehrbar ist und was nicht?

Mit dreiunddreißig Jahren spürt sie Verlangen, ja zum allerersten Mal, wird ihr klar. Sie würde es tatsächlich so ausdrücken: Sie hat Lust auf dieses rote Kleid.

Es ist nicht nur Sehnsucht.

Und nicht nur das Kleid.

Aber allein die Tatsache, dass es rot ist, ist schon schlimm genug.

Schließlich fürchtet sie, verrückt geworden zu sein, und läuft nach Hause, in Sicherheit.

 

 

2

 

An diesem Abend kommt der Ehemann spät nach Hause, doch das Abendessen ist fertig. Und wartet auf ihn. Wie sie.

Ihre kleine Tochter ist schon im Bett.

Der Abend ist angespannt ruhig. Als ob der Himmel nach dem Sturm, wie flüchtig er auch gewesen sein mochte, nicht mehr zu seinem unbewegten Gesichtsausdruck zurückfinden würde.

Unbewegt und schweigend isst auch der Ehemann sein Abendessen, während er dem krächzenden Fernseher zuhört. Die kleine Tochter schläft nebenan. Und sie selbst macht kein Geräusch. Nichts und niemand macht mehr ein Geräusch.

Das Schweigen kommt ihr wie ein Beweis vor, und die junge Frau möchte ihn nicht wegwischen oder relativieren.

Der Beweis ist da.

Alles ist aufgeräumt an diesem Abend, der sich dem Ende zuneigt, und kein Wort deutet auf das Geschehene hin. Denn es ist sehr wohl etwas geschehen: Das ruhige Gesicht der jungen Frau trägt Spuren der Sehnsucht. Eine flüchtige Erinnerung, die im Traum der Nacht wachsen wird.

Doch erst einmal legt sich die junge Frau neben ihren Ehemann, der bereits schläft.

 

 

3

 

Beim Aufwachen ist die Sehnsucht noch immer da.

Gemeinsam mit der Nacht gehen nur die schlechten Träume und die schlechten Leidenschaften. Das waren die Worte ihrer Großmutter.

Die Sehnsucht nach einem roten Kleid ist eine schreckliche Sünde, wenn man von klein auf weiß, dass man auf die Welt gekommen ist, um ein schwarzes Kleid zu tragen, ein langes Kleid, das den ganzen Körper bedeckt, das Schwarz der Haare, ja selbst das Schwarz der Augen und was es auszudrücken vermag. Sich in schwarze Dunkelheit zu hüllen bedeutet, geschützt zu sein, geschützt vor dem Verlangen der Männer. Denn diese haben das Recht, Verlangen zu empfinden.

Was die Männer machen oder gerne machen würden, ist immer legitim.

Es ist die Aufgabe der Frauen, die Männer vor den Frauen zu schützen. Sie kennt die große Sünde der Frauen. Von wem und auf welchem Weg sie davon erfahren hat, ist einerlei – sie ist sich sicher, es schon immer gewusst zu haben, seit Menschengedenken, seit Anbeginn der Zeit. Wichtig ist lediglich zu wissen, dass es immer schon die große Sünde der Frau gewesen ist, den Mann zu verführen.

 

Deshalb muss man Frauen wie sie bis in alle Ewigkeit an ihre Schuld erinnern.

Indem man sie als Frau auslöscht, alles auslöscht, was das Verlangen des männlichen Geschlechts zusätzlich anfachen könnte. Denn das Böse ist und kann nur der Geruch des Weiblichen sein, betonten unablässig diejenigen, von denen sie umgeben war, damals, als die junge Frau noch ein kleines Mädchen war und bei ihrer Großmutter lebte.

 

 

4

 

Das kleine Mädchen, das noch keine junge Frau ist, weiß nicht, was eine Sünde ist. Doch man bringt es ihr bei, anstatt sie lesen und schreiben zu lehren.

Man bringt ihr vor allem bei, dass die Sünde viele Gesichter hat. Im Laufe der Jahre soll sie also lernen, die verschiedenen Formen und Facetten zu erkennen, um sich nicht in die Falle locken zu lassen. Dies lernt sie, anstatt die Schrift zu erlernen, deren vielfältige Zeichen dazu dienen, Wissen zu erweitern – was wiederum verführerisch und, wie alles Verführerische, mehr oder weniger teuflisch ist.

Es ist sinnvoller, ja geradezu unerlässlich, die Sünden zu kennen, die die Tradition lehrt. Gefährlich hingegen ist es, zu glauben, dass man selbst lernen kann, zwischen dem Guten und dem Bösen zu unterscheiden, wiederholten unablässig diejenigen, von denen sie umgeben war, damals, als die junge Frau noch ein kleines Mädchen war und bei ihrer Großmutter lebte.

Viel sinnvoller, als all diese Dinge zu lernen, die den Kopf der Frauen nur überfordern würden. Sie müssen nichts weiter lernen, als ihrem Ehemann zu gehorchen, fügten sie noch hinzu.

 

Und nach und nach verliert das kleine Mädchen die Unschuld, dank der es nicht einmal wusste, was eine ganz kleine Sünde ist.

 

Die junge Frau, die sie nun ist, hat gelernt, sich selbst zu vergessen, sie vergisst beinahe alles, was das kleine Mädchen von damals sich noch vorstellen konnte.

 

 

5

 

Als der Ehemann zur Arbeit und ihre kleine Tochter zur Schule aufgebrochen sind, geht die junge Frau zum Markt, bereitet das Essen vor und bemüht sich, dabei keinen Laut zu machen.

Den ganzen Tag über wacht sie geräuschlos über ihre Einsamkeit.

Dann, als sie einmal darüber nachdenkt, fällt ihr auf, dass diese Einsamkeit eigentlich nichts Neues ist, dass sie immer schon allein war, seit sie geheiratet hat.

Einsam sitzt sie neben dem Mann, der ihr Ehemann ist. Ein winziger, respektvoller Abstand hält sie auf Distanz, wobei sie diesen Respekt auch mit Gleichgültigkeit gleichsetzen könnte. Andere Frauen dagegen empfinden gewiss Abscheu oder Furcht.

Einsam steht sie neben ihrer kleinen Tochter, die beflissen ihre Hausaufgaben macht.

Einsam, weil ihre kleine Tochter inzwischen lesen und schreiben kann und durch den Spalt einer Tür hinaustritt in eine Welt, die sie nicht kennt.

 

Die Einsamkeit ist das Einzige, was der jungen Frau bleibt und was wirklich ihr gehört.

Ihre älteste Gewohnheit.

Ihre andere Gewohnheit ist, zum Fenster hinauszuschauen und zu träumen, wenn sie weiß, dass niemand da ist, um sie davon abzuhalten. Die Erlaubnis dazu gibt sie sich selbst.

Lamia Berrada-Berca

Über Lamia Berrada-Berca

Biografie

Das Motto Lamia Berrada-Bercas, der Tochter eines Marokkaners und einer Französin mit schottisch-afrikanischen Wurzeln, stammt von Cioran: »Wir wohnen nicht in einem Land, sondern in einer Sprache.« In ihren preisgekrönten Romanen erkundet sie neben den Gefühlswelten ihrer Figuren auch die...

Pressestimmen

dierabenmutti.de

»›Kant und das kleine rote Kleid‹, erzählt eine eindringliche und beeindruckende Geschichte, die sehr authentisch auf mich wirkt. Es regt definitiv zum Nachdenken an.«

n-tv.de

»Ein zarter, aber kraftvoller Protest für alle Frauen, die unter Schleiern verborgen werden.«

literaturblatt.ch

»›Kant und das rote Kleid‹ ist ein spezielles Buch. (…) Eine Geschichte, die viel Dramatik birgt, manchmall allzu sehr plakativ und reichlich konstruiert wirkt. Trotzdem lohnt sich die Lektüre, weil es einen Blick zeigt, der sonst verborgen bleibt.«

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