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Diamonds For Love – Voller HingabeDiamonds For Love – Voller Hingabe

Diamonds For Love – Voller Hingabe

Roman

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Diamonds For Love – Voller Hingabe — Inhalt

Diamanten sind für die Ewigkeit. Und die Liebe?

Sebastian Bennett kann in fünf Sekunden sagen, was eine Frau von ihm will: seine Kreditkarte oder den Eintritt in die bessere Gesellschaft. Als CEO des führenden Schmuckherstellers in den Vereinigten Staaten gehört er zu den begehrenswertesten Junggesellen San Franciscos. Doch dann begegnet er Ava Lindt. Sie ist unverschämt attraktiv, charmant, intelligent – und ihr Lächeln ist unbezahlbar. Alles könnte so einfach sein, wäre sie nicht als neue Marketingreferentin für die nächste Schmuckkollektion verantwortlich und damit off limits. Doch Sebastian will sie, um jeden Preis.

»Diese Reihe ist unglaublich sexy und romantisch!« Geneva Lee, Autorin der Royals-Serie

Erschienen am 01.02.2018
Übersetzer: Vanessa Lamatsch
320 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-492-31161-8
Erschienen am 01.02.2018
Übersetzer: Vanessa Lamatsch
304 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97869-9

Leseprobe zu »Diamonds For Love – Voller Hingabe«

1 Sebastian

»Das ist eine geniale Idee«, meint Logan, während ich den Kaufvertrag unterzeichne. In drei Wochen feiern unsere Eltern ihren sechsunddreißigsten Hochzeitstag und ich habe das perfekte Geschenk.

»Es wird sie umhauen«, sage ich und nicke meinem Bruder zu. Ich übergebe die Papiere an meinen Assistenten, erhebe mich von meinem Stuhl und tigere im Büro auf und ab, um mir die Beine zu vertreten. Aus dem sechsten Stock des Gebäudes habe ich einen fantastischen Blick über San Francisco. Der größte Vorteil, CEO meiner eigenen Firma zu sein, liegt [...]

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1 Sebastian

»Das ist eine geniale Idee«, meint Logan, während ich den Kaufvertrag unterzeichne. In drei Wochen feiern unsere Eltern ihren sechsunddreißigsten Hochzeitstag und ich habe das perfekte Geschenk.

»Es wird sie umhauen«, sage ich und nicke meinem Bruder zu. Ich übergebe die Papiere an meinen Assistenten, erhebe mich von meinem Stuhl und tigere im Büro auf und ab, um mir die Beine zu vertreten. Aus dem sechsten Stock des Gebäudes habe ich einen fantastischen Blick über San Francisco. Der größte Vorteil, CEO meiner eigenen Firma zu sein, liegt darin, dass mir das beste Büro zusteht. Der zweite Vorteil liegt darin, dass niemand es wagt, mir zu widersprechen. Ab und zu wird das auch langweilig, aber meine Familie ist immer da, um mich zu erden und daran zu erinnern, dass sie meinem Titel keine große Bedeutung beimessen.

»Und? Wie oft hat Mom dich gefragt, ob du ein Date mitbringst?«, fragt Logan, als er sich im Stuhl vor meinem Schreibtisch zurücklehnt.

»Neun Mal.« Ein breites Grinsen erscheint auf meinem Gesicht. »Dich?«

Er stößt einen anerkennenden Pfiff aus und legt die ineinander verschränkten Hände auf dem Kopf ab. »Nur vier Mal. Da kann ich wohl von Glück reden.«

»Sie gibt nicht auf, hm?« Mit einem Kopfschütteln betrachte ich das Familienfoto auf meinem Schreibtisch. Dad sieht Mom darauf mit einem sehnsüchtigen Blick an. Und meine Mom quittiert den Blick mit einem Lächeln. Meine Eltern sind schon so lange glücklich miteinander verheiratet und haben zusammen neun Kinder großgezogen. Und sie sind davon überzeugt, dass wir in ihre Fußstapfen treten müssen. Alle. Bisher hat es sich jedoch als einfacher herausgestellt, aus dem Nichts heraus ein Geschäftsimperium aufzubauen, als das zu finden, was meine Eltern für das größte Glück dieser Welt halten.

»Nein, Mom gibt nicht auf. Und ich fürchte, Pippa entwickelt sich zu Moms rechter Hand. Sie nennt uns tatsächlich San Franciscos begehrenswerteste Junggesellen.«

Ich schnaube und stopfe die Hände in die Hosentaschen. Ich befürchte, dass bald jeder verdammte Artikel, der über Bennett Enterprises erscheint, die begehrenswertesten Junggesellen erwähnt. Und dieser fragwürdige Titel wird mit Sicherheit den Effekt haben, Frauen anzuziehen wie Licht die Motten. Allerdings die falsche Art von Frauen – überwiegend geldgierige und solche, die gesellschaftlich aufsteigen wollen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Frau getroffen habe, die nicht auf eines der beiden Dinge aus war.

»Pippa hat mir letzte Woche ein Date mit einem heißen Feger aufgedrängt«, fährt Logan fort. »Doch der heiße Feger hat sich als ziemlich dummes Püppchen entpuppt. Das Abendessen war so langweilig, dass ich mich am liebsten im Wasserglas ertränkt hätte.«

Mein Bruder klingt ruhig, doch sein Blick wird hart, als er unsere Schwester erwähnt. Pippas Verkupplungsversuche sind nämlich ihre Art, mit dem eigenen Unglück in Sachen Liebe umzugehen. Sie ist das einzige Bennett-Kind, das bislang mutig genug war, zu heiraten. Doch leider ist auch sie an den Falschen geraten. Im Moment steckt sie mitten in der Scheidung, und ich würde ihren Ex, diesen Mistkerl, am liebsten verprügeln.

»Zurück zum Geschenk für Mom und Dad. Willst du ihnen jetzt schon davon erzählen oder willst du bis zur Party warten?«

»Lass uns warten.« Ich wackle mit den Augenbrauen. »Du weißt schon, dem dramatischen Effekt zuliebe.«

Vor dreizehn Jahren bat ich meine Eltern um einen großen Gefallen. Ich wollte, dass sie die Ranch verkauften, auf der meine Geschwister und ich aufgewachsen sind. Ich brauchte Startkapital, um meine Firma, Bennett Enterprises, zu gründen. Sie überlegten nicht lange, sondern stimmten sofort zu. Sie fanden, ich hätte alles gut durchdacht, und vertrauten mir blind.

Und ihr Vertrauen zahlte sich aus. Bennett Enterprises ist in den letzten Jahren zu einer der erfolgreichsten Firmen für hochwertigen Schmuck geworden. Das Startkapital habe ich meinen Eltern schon lange zurückgezahlt. Trotzdem bin ich mir bewusst, dass es kein besseres Geschenk gibt, als ihnen nun nach all den Jahren die Farm zurückzugeben, auf der wir viele Jahre unseres Lebens verbracht haben. Mein Vater hatte sie mit seinen eigenen Händen errichtet. Und als ich neulich durch Zufall herausgefunden hatte, dass sie zum Verkauf stand, gab ich mein Angebot ab – und bekam den Zuschlag. Ich kann es kaum erwarten, meinen anderen Geschwistern davon zu erzählen.

»Sebastian«, unterbricht mich mein Assistent, als er den Kopf zur Tür hereinsteckt. »Ava Lindt ist da. Soll ich sie hereinführen?«

»Ja, bring sie rein.« Ich wende mich meinem Bruder zu. »Lass uns unsere neue Marketingreferentin kennenlernen.«

Kaum hat mein Assistent das Büro verlassen, sagt Logan: »Ich wette, Mom wird dich noch zweimal damit nerven, dass du ein Date mit zur Party bringen sollst.«

»Darauf wette ich nicht«, antworte ich. »Denn dass sie das tut, ist zu einhundert Prozent sicher.«

 

2 Ava

Ich betrete das Büro mit hocherhobenem Kopf und schiebe mir eine blonde Strähne aus dem Gesicht. Mein marineblaues Kostüm passt perfekt an diesen Ort. Die zwei Männer im Raum begrüßen mich mit einem Lächeln.

Oh verdammt.

Ich habe schon Fotos von den Bennett-Brüdern gesehen, aber ich war bislang davon überzeugt, dass sie ihr phänomenales Aussehen Photoshop verdanken. Doch ich habe mich geirrt: Sie sind auch in Wirklichkeit zwei sehr unverschämt gut aussehende Männer.

Einer von ihnen kommt auf mich zu und streckt mir die Hand entgegen. »Ava, ich bin Logan. Toll, dass du da bist.«

»Schön, dich kennenzulernen. Ich freue mich, hier zu sein.«

Ich schüttele ihm fest die Hand, weil ich weiß, dass der erste Eindruck zählt. Logan ist ungefähr ein Meter achtzig groß, trägt dunkles Haar und hat strahlend blaue Augen. »Und das ist mein Bruder und unser CEO, Sebastian.«

Ich wende meinen Blick. Sebastian füllt den gesamten Raum mit seiner Präsenz. Er ist ein paar Zentimeter größer als Logan und seine Augen sind so dunkel wie sein Haar. Davon abgesehen ähneln sich die Brüder: hohe Wangenknochen, breite Schultern. Trotzdem, irgendetwas an Sebastian macht es mir unmöglich, den Blick von ihm abzuwenden. Er kommt auf mich zu.

»Willkommen bei Bennett Enterprises, Ava«, sagt er.

Gott, sogar seine Stimme ist sexy. Er streckt mir die Hand hin. Ich schüttele sie, ohne nachzudenken. Seine Berührung ist wie ein Magnet, zieht mich an und jagt meinen Puls in die Höhe. Ich schlucke schwer, als Sebastian meine Hand ein wenig zu lange festhält. Endlich lässt er los. Peinlicherweise stelle ich fest, dass meine Handfläche verschwitzt ist. So unauffällig wie möglich wische ich sie am Rock ab.

Nun, was den ersten Eindruck angeht, und wie man sich unvergesslich macht, weiß Sebastian, wie der Hase läuft. Als ich von seiner Geschichte erfuhr, war ich sofort fasziniert: Er hat sich von ganz unten hochgearbeitet, spendet einen großen Teil der Gewinne seiner Firma an gemeinnützige Organisationen, meidet aber selbst das Rampenlicht. Sebastian ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich.

Er bedeutet Logan und mir, uns in die Stühle vor dem Schreibtisch zu setzen, und lässt sich in den Sessel dahinter fallen. »Du wurdest uns wärmstens empfohlen.« Sebastian nickt mir zu. »Ich gehe davon aus, dass unsere nächste Marketingkampagne ein Erfolg wird.«

»Das wird sie«, versichere ich ihm.

Seine Lippen verziehen sich zu einem Lächeln, als amüsiere er sich innerlich. Ich winde mich unter seinem Blick, als er langsam von meinem Gesicht nach unten wandert, als wolle er mich sehr genau mustern. Ich nehme die Schultern zurück, um größer zu wirken und Selbstbewusstsein auszustrahlen.

»Wo liegt mein Büro?«

»Direkt neben meinem.« Sebastian deutet mit dem Daumen nach links. »Normalerweise nutzen wir den Raum für kleinere Sitzungen. Doch für die nächsten vier Monate gehört er dir.«

»Ich bin auf der anderen Seite, direkt daneben«, erklärt Logan. »Es ist gut, wenn du in unserer Nähe bist. Sebastian und ich nehmen regen Anteil an den Werbekampagnen.«

»Ganz am Anfang haben wir sogar unser eigenes Marketing gemacht«, fügt Sebastian hinzu. »Früher.«

»In Ordnung. Ich halte euch auf dem Laufenden.«

»Ich nehme gerne am ersten Treffen mit dem Marketingteam teil, um dafür zu sorgen, dass alle an einem Strang ziehen«, bietet Sebastian an.

»Toll«, antworte ich anerkennend. Gewöhnlich habe ich mit dem Boss der Firma nichts zu tun, sondern werde direkt in die Teams geschickt. Aber Sebastians Engagement beeindruckt mich.

»Bist du direkt aus Sydney gekommen?«, fragt Logan und bezieht sich damit auf den Ort meines letzten Auftrags. Ich arbeite meistens monateweise an Projekten.

Ich schüttele den Kopf. »Aus New York. Dort ist die Zentrale meiner Firma und ich schaue zwischen meinen Projekten immer wieder dort vorbei.«

»Hast du Lust auf eine kleine Führung durchs Unternehmen?«, schlägt Logan mit einem Blick auf seine Armbanduhr vor. »Währenddessen kann ich dir mehr über uns erzählen. Wir können nach unten in die Kreativabteilung gehen. Wenn wir uns beeilen, gönnen wir uns hinterher noch ein schnelles Mittagessen und ich schaffe es trotzdem noch zu meinem Nachmittagsmeeting. Außer du hast andere Pläne? Ich weiß, offiziell ist dein erster Arbeitstag erst morgen … aber es ist toll von dir, heute schon vorbeizuschauen.«

Ich genieße das Kompliment und erwidere es mit einem Lächeln. Es sind neben meiner normalen Arbeit diese kleinen Dinge, die dafür sorgen, dass Kunden mich in guter Erinnerung behalten. »Ich habe erst später etwas vor.«

Ich will gerade hinzufügen, dass eine Führung durch die Firma eine schöne Idee ist, als sich Sebastian einschaltet: »Ich führe sie herum.«

Logan wirft ihm einen verwirrten Blick zu. »Wieso?«

»Ich möchte nett zu unserer neuen externen Mitarbeiterin sein. Ist das ein Problem?«

»Du hast mit nett gewöhnlich nichts am Hut.« Logans Stimme klingt streng, doch seine Lippen verziehen sich zu einem Grinsen. »Ich bin der nette Bruder, schon vergessen?«

»Ach halt den Mund, Logan«, sagt Sebastian gutmütig.

Ich kann ein Grinsen kaum unterdrücken.

»Siehst du?«, fragt mich Logan, als hätte Sebastian gerade einen Beweis erbracht. »Das ist seine Vorstellung von nett.«

»Ich riskiere es«, antworte ich, angetan von der spielerischen Rivalität zwischen den Brüdern. Ich habe damit gerechnet, dass sie arrogant und kalt wären, aber sie beweisen mir gerade das Gegenteil. Ihre spielerische Art stellt eine angenehme Überraschung dar. Ich habe viel über die Bennett-Familie gelesen. Es gibt neun Geschwister und die meisten von ihnen sind in Sebastians Firma, Bennett Enterprises, eingebunden. Als Einzelkind kann ich mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie es ist, in einem so großen Clan aufzuwachsen – obwohl ich mir das immer gewünscht habe. Wahrscheinlich fühlt man sich niemals einsam.

Logan legt theatralisch die Hand übers Herz. »Du ziehst meinen Bruder mir vor? Ich bin tief getroffen.«

»Ich möchte nicht, dass du zu spät zu deinem Meeting kommst«, biete ich diplomatisch an. Doch in Wahrheit will ich mit Sebastian allein sein – auch wenn ich weiß, dass das nicht gerade schlau ist.

»Dann sehen wir uns später«, verkündet Logan, zwinkert mir zu und verschwindet.

Sobald er den Raum verlassen hat, beginnt die Luft förmlich zu knistern. Sebastian mustert mich intensiv und mit kaum verhohlener Neugier. Im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit zu stehen, versetzt meinen Körper in Alarmbereitschaft. Die Hitze breitet sich in mir aus, erfüllt mich, doch ich wende den Blick nicht ab.

Abrupt steht er auf. »Lass uns gehen. Willst du erst die Führung oder erst das Mittagessen?«

»Ich habe noch keinen Hunger, also zuerst die Führung. Ich bin schon sehr gespannt.«

Er nickt und präsentiert mir die spektakuläre Aussicht aus seinem Büro, dann wandern wir schweigend den Flur entlang. Als wir in einen leeren Aufzug steigen, legt er eine Hand an mein Kreuz. Die Berührung elektrisiert mich, schärft meine Sinne, bringt all meine Nerven zum Kribbeln.

Denk daran, Ava, er ist dein Chef. Reiß dich zusammen.

 

3 Ava

Allein mit Sebastian im Aufzug richte ich meinen Blick unverwandt auf den Boden. Sein männlicher Duft ist berauschend. Wir treten auf jedem Stockwerk kurz aus dem Lift und Sebastian erklärt, welche Abteilung wo arbeitet. Alles ist hier, abgesehen von der Produktion – die befindet sich in einem kleineren angrenzenden Gebäude.

»Wie kommt es, dass ihr auch die Produktion vor Ort habt?«, frage ich. »Die meisten Firmen lagern sie aus oder siedeln sie an einem Standort an, der billiger ist. Nicht San Francisco.«

Er lehnt sich zu mir und erklärt: »Wir haben keine großen Produktionsstraßen, also ist die Fabrik selbst ziemlich klein – eher eine Werkstatt. Dass die Produktion vor Ort ist, motiviert die Angestellten. Wann immer sie von ihrer alltäglichen Arbeit frustriert sind, müssen sie nur einen Ausflug nach nebenan machen. Dann können sie selbst sehen, dass es in ihrer Arbeit nicht nur um Zahlen geht. Sondern um Ästhetik und um ein wunderbares Produkt.«

Seine Begeisterung überrascht mich. Bei Geschäftsführern dreht sich gewöhnlich alles nur um den Profit, ohne dass die eigentlichen Produkte noch eine Rolle spielen. Allerdings hat Sebastian diese Firma ja selbst aufgebaut. Man nimmt ihm den leidenschaftlichen Unternehmer sofort ab. Und irgendetwas verrät mir, dass er in jeder Hinsicht leidenschaftlich ist.

Ich fluche innerlich. Ich kann Sebastian nicht auf diese Weise betrachten. Ich habe eine Klausel in meinem Vertrag, die persönliche Beziehungen am Arbeitsplatz strengstens verbietet. Mein Boss würde mich sofort feuern, wenn ich die Grenzen der Professionalität überschreite. Und das kann ich mir absolut nicht leisten. Ich spare für die Anzahlung einer eigenen Wohnung in New York, die ein halbes Vermögen kostet. Ich träume schon ewig von einem Apartment im Big Apple. In meiner Kindheit und Jugend machte sich Mom ständig Sorgen, wie sie die Miete bezahlen sollte, und hatte immer Angst, dass wir eines Tages obdachlos würden. Als sie noch lebte, kam mir die Vorstellung einer eigenen Wohnung wie ein sicherer Hafen vor. Ich wünschte, meine Mom könnte an dem Tag dabei sein, an dem ich endlich die Schlüssel zu meinem eigenen Apartment in der Hand halte.

Davon abgesehen spiele ich auf keinen Fall in derselben Liga wie Sebastian – mit seinem unglaublich guten Aussehen und seinem Reichtum. Er ist definitiv eine Klasse für sich.

Unser letzter Stopp ist das Erdgeschoss. Der Aufzug hält an und die Türen öffnen sich. Ich erblicke reines Chaos, das in krassem Kontrast zu der Ordnung in den oberen Stockwerken steht. Aber noch mehr ist anders. Wir betreten ein Großraumbüro. Außerdem tragen alle Mitarbeiter normale Straßenkleidung und eilen hektisch umher. Skizzen, Dosen mit Energydrinks und leere Pizzakartons stapeln sich auf den Schreibtischen.

»Das ist die Kreativabteilung«, verkündet Sebastian. Er hebt seine Stimme, um sich über den Hintergrundlärm von Stimmen, Druckern und Wahnsinn Gehör zu verschaffen. »Ich nenne die Etage auch unseren Spielplatz.«

»Brüderchen!«, ruft eine attraktive Blondine vom anderen Ende des Raums. Sie eilt in unsere Richtung und hält vor uns an. Sie trägt ein eng anliegendes grünes Kleid und hautfarbene Stilettos, die ich anerkennend mustere.

»Sie müssen Ava sein«, sagt sie. Ich antworte mit einem Nicken. »Ich bin Pippa.«

»Sie ist das Genie hinter allem«, wirft Sebastian lächelnd ein.

»Ooooh, mein süßer Bruder singt ein Loblied auf mich.«

Sebastian legt liebevoll einen Arm um seine Schwester. Für einen kurzen Moment tut sie so, als wollte sie ihn wegstoßen, doch dann erwidert sie die Geste. Ein Funken Eifersucht steigt in mir auf. Es muss wundervoll sein, Mitglied einer Familie zu sein, in der man sich so nahesteht.

»Ich wünschte, ich könnte mich länger um euch kümmern, aber ich habe noch eine Million Dinge zu erledigen. Ava, lass mich wissen, falls Sebastian dich nicht ordentlich behandelt. Dann trete ich ihm in den Hintern.«

»Bisher war er sehr nett«, erkläre ich. Sebastian grinst, als ich das Wort betone. »Er führt mich sogar zum Mittagessen aus.«

»Na dann, viel Spaß euch beiden.« Damit verschwindet sie in Richtung ihres Schreibtisches.

Während mein Blick Pippa und ihren atemberaubenden Stilettos folgt, wird mir klar, dass es im Raum plötzlich viel stiller geworden ist. Die meisten Leute sitzen mit einem Mal hinter ihren Schreibtischen und mustern ihren CEO verstohlen. Ich entdecke die Schmuckständer, die überall im Raum verteilt stehen. Darauf glitzern die verschiedensten Edelsteine, von ungeschliffenen Diamanten bis zu fertigen Ketten, Armbändern oder Ohrringen.

»Was für eine tolle Abteilung«, sage ich, als wir zwischen den Schreibtischen hindurchwandern. »Kann ich auch die Werkstätten sehen?«

»Das machen wir besser an einem anderen Tag, wenn wir noch etwas essen wollen.«

»Okay.«

Ich halte vor einem unbesetzten Schreibtisch an und zeige auf die Kette, die auf einem Ständer daneben hängt. »Dieser Rubin ist wunderschön.« Sebastian reagiert lediglich mit einem unangenehm berührten Nicken, aber ich beuge mich über den Schreibtisch, näher zu dem Schmuckstück, und spreche weiter. »Ich habe schon oft mit Konzernen zusammengearbeitet, die Luxusartikel herstellen oder vertreiben. Aber Diamanten und Edelsteine haben ihre ganz eigene Magie. Sie sind so unverdorben, so rein.«

Ich bemerke Sebastians Blick auf mir. In seinen Augen steht ein ungläubiger Ausdruck. »Sie sehen nicht so aus, wenn sie geschürft werden. Zuerst müssen sie geschliffen und poliert werden.«

Ich richte mich auf und zucke mit den Achseln. »Alles braucht Arbeit und Mühe, um zu glänzen.«

»Dem kann ich nur zustimmen.«

Er tritt direkt hinter mich. Seine Nähe macht es mir unmöglich, mich zu konzentrieren. In diesen wunderbaren Sekunden kann ich nur fühlen – und all die Dinge in mich aufnehmen, die er ausstrahlt: Macht, Männlichkeit und noch etwas, was ich nicht benennen kann. Vielleicht liegt es an seiner eindrucksvollen Erscheinung, doch ich fühle mich in seiner Nähe sicher.

»Rubine mag ich am liebsten«, fahre ich fort. »Als Kind war ich davon überzeugt, dass Feuer in ihnen brennt.«

»Damit bist du nicht allein. Es gibt uralte Legenden und Geschichten, nach denen Rubine Feuer enthalten.«

»Ein bisschen Feuer steckt in allem und jedem.«

Sebastian stößt scharf den Atem aus. Die Wärme an meinem Nacken lässt meine Knie weich werden, also drehe ich mich um. Böser Fehler. Ich beiße mir auf die Unterlippe und zwinge mich, den Blick abzuwenden.

Als wir zurück zum Aufzug gehen, frage ich: »Wieso sind alle hier unten so gestresst?«

»Wir präsentieren den internationalen Händlern in zwei Wochen unsere neue Kollektion.«

Mit einem Stirnrunzeln frage ich: »Bekommen die keine Kataloge?«

»Doch, klar. Aber sie zu einer Präsentation einzuladen, sorgt dafür, dass sie sich als etwas Besonderes fühlen. Außerdem stärkt es unsere Verhandlungsposition, wenn wir sie in unser Revier kommen lassen.«

»Sehr klug«, gebe ich zu.

»Es ist gut, dass du für die Präsentation hier bist. Sie ist bei Weitem nicht so groß wie unsere großen Schmuckschauen, dürfte dir aber trotzdem einen Eindruck von unserer Arbeit vermitteln.«

»Das ist toll.« Meine Aufgabe besteht darin, eine aggressivere Marketingkampagne für die neue Saison zu entwickeln, die ihren Höhepunkt in einer großen Schmuckschau finden soll. Diese Schauen sind so berühmt, dass sie oft mehr Presse anziehen als die großen Modeschauen.

»Die Präsentation wird dir bestimmt gefallen.« Der Lift fährt nur wenige Sekunden. Als sich die Türen wieder öffnen, treten wir in eine große Tiefgarage. »Der Schwerpunkt liegt auf Rubinen.«

»Wirst du auch da sein?« Ich achte darauf, genug Abstand zwischen uns zu halten, während ich neben ihm gehe.

»Ich war schon seit Jahren auf keiner Schau mehr. Weder auf den großen Schmuckschauen noch auf den kleineren Präsentationen für die Händler. Da treiben sich ständig Reporter herum. Wenn sie mich sehen, stürzen sie sich auf mich wie die Geier. Ich stehe nicht gern im Mittelpunkt.«

Das stimmt. Die Wirtschaftsmagazine präsentieren Bennett Enterprises regelmäßig als Beispiel für eine der erfolgreichsten amerikanischen Firmen. Ich habe gut recherchiert, bevor ich hergekommen bin, und alles gelesen, was je über die Firma geschrieben wurde. Sebastian überlässt Interviews und Porträts seinen Geschwistern. Doch er kann die Magazine nicht davon abhalten, ihn zu erwähnen.

»Ich meide die Öffentlichkeit. Glücklicherweise gefällt es meinen Brüdern ganz gut im Rampenlicht. Blake und Daniel genießen es besonders. Sie sind die Party-Bennetts«, erklärt er mit einem gut gelaunten Zwinkern.

Wir halten vor einem schwarzen Mercedes an und er öffnet die Beifahrertür für mich. Was für ein Gentleman.

»Wenn Logan also der nette Bennett ist und Blake und Daniel die Party-Bennetts, was für ein Bennett bist du?«

Der sexy Bennett, verkündet eine Stimme in meinem Kopf. Das ist allerdings den anderen Brüdern gegenüber nicht fair. Soweit ich in den Magazinen gesehen habe, sind sie alle ziemlich scharf. Aber ich bezweifle trotzdem, dass sie denselben Effekt auf mich haben wie Sebastian.

»Das musst du schon selbst herausfinden.«

»Ich habe noch keine Herausforderung gescheut.« Ich schiebe das Kinn vor.

Sebastian mustert mich intensiv. In seinen Augen scheint Feuer zu brennen. »Genauso wenig wie ich.«

O mein Gott, Sebastian Bennett flirtet mit mir. Und ich liebe es. Ich wage mich definitiv auf gefährliches Terrain.

 

4 Sebastian

»Wohin fahren wir?«, fragt Ava zehn Minuten später, als wir durch San Francisco fahren.

»Zu einem meiner Lieblingsrestaurants.«

»Ich hoffe, es ist nicht zu teuer.«

Ich blinzle. Diese Worte habe ich noch nie von einer Frau gehört. Gewöhnlich heißt es, je teurer, desto besser. Doch Ava Lindt überrascht mich schon zum zweiten Mal. Zum ersten Mal in der Kreativabteilung. Ich habe sie genau beobachtet, als sie den Rubin an der schlichten Kette gemustert hat. Üblicherweise betrachten Frauen solche Edelsteine voller Gier. Avas Miene allerdings zeigte nur echtes Interesse und Ehrfurcht.

»Das letzte Wort darüber, welcher Bruder ich bin, ist übrigens noch nicht gesprochen. Ich muss doch mein Bestes geben, dich zu beeindrucken.«

»Ich verstehe.« Sie lacht leise. Ich empfinde ihre Anwesenheit als sehr angenehm. Und es freut mich, dass ich der Grund für ihr Lachen bin. Welche Geräusche ich ihr wohl noch entlocken kann?

»Gibt es etwas, was du nicht isst?« Ich hoffe inständig, dass sie nicht zu den Frauen gehört, die fast nichts zu sich nehmen und sich nach einem halben Salat für satt erklären.

»Ich mag alles. Solange es gut schmeckt, bin ich für fast alles zu haben.«

Ich nicke zufrieden. Ava Lindt entpuppt sich immer mehr als die echteste Frau, die ich seit Jahren getroffen habe.

»Ist es noch weit?« Ava schlägt die Beine übereinander, sodass ihr Rock nach oben rutscht und ihren Schenkel ein wenig mehr enthüllt. Ich zwinge mich, den Blick wieder auf die Straße zu richten. Gleichzeitig stelle ich mir vor, was sich wohl unter ihrem strengen kleinen Kostüm versteckt. Ich drehe durch, so viel ist mal klar. Ich habe sie gerade erst getroffen und doch …

»Traust du mir nicht?«, necke ich sie.

»Na ja, ich habe dich gerade erst kennengelernt. Gibt es nicht dieses Sprichwort, dass man nicht zu Fremden ins Auto steigen soll?«

»Du weißt, dass ich der CEO bin, oder? Du benimmst dich, als würde das überhaupt keine Rolle spielen.«

»Und dir gefällt das.« Ihre Augen werden groß und ihr Mund formt ein perfektes wunderbares O.

»Stimmt«, gebe ich zu. »Die meisten Leute trauen sich in meiner Gegenwart kaum zu atmen.«

»Ich habe keine Angst vor dir.« Ihr wegwerfender Tonfall stört mich.

»Vielleicht solltest du das aber«, kontere ich. Seit sie mein Büro betreten hat, denke ich darüber nach, ihre wunderbare Haut zu berühren. Ich möchte ihre Haare beiseitestreichen und ihren Hals küssen, bis Ava in meinen Armen erzittert.

Ich umfasse das Lenkrad fester. Ich werde mich nicht mit einer Angestellten einlassen. Nun, streng genommen ist sie eine externe Mitarbeiterin, nicht meine Angestellte.

Spar dir die Haarspaltereien, Bennett … Die ganze Sache ist inakzeptabel.

 

Zehn Minuten später erreichen wir das Restaurant. Ich überlasse einem der Parkwächter den Wagen. Dies ist eines der besten Restaurants von San Francisco. Es könnte natürlich sein, dass ich voreingenommen bin, da der Laden einer meiner Schwestern gehört, aber die Kritiker stimmen mir zu. Das Restaurant liegt hoch in den Hügeln von San Francisco und bietet einen tollen Blick über die Stadt.

»Mr Bennett, willkommen«, begrüßt uns der Oberkellner. »Wir haben einen Ecktisch auf der Terrasse frei, mit der besten Aussicht.«

»Das ist ja wunderschön!«, ruft Ava, als sie sich setzt und über die Terrasse hinwegblickt.

Ich bestelle die Spezialität des Hauses für uns beide. Ava mustert mich durch zusammengekniffene Augen.

»Ich hätte selbst bestellen können«, erklärt sie, nachdem der Kellner verschwunden ist. Sie schiebt ihr Kinn vor und nimmt die schmalen Schultern zurück. Gott, sie ist entzückend, wenn sie sich aufregt.

»Ich kenne das Restaurant besser. Du wirst das Essen mögen.«

»Du bist herrisch.« Sie verschränkt die Arme vor der Brust. Obwohl sie relativ klein und zierlich gebaut ist, hat sie doch an allen richtigen Stellen Kurven.

Ich lehne mich leicht über den Tisch nach vorn. »Du hast ja keine Ahnung!«

Ein paar Sekunden später erscheint meine Schwester Alice am Tisch. »Sebastian, du hättest mir sagen müssen, dass du kommst.«

»Es war eine spontane Entscheidung. Alice, das ist Ava, unsere externe Marketingreferentin. Ava, Alice ist meine Schwester. Ihr gehört das Restaurant.« Von meinen drei Schwestern ähnelt Alice Mom am meisten. Sie hat denselben schlanken Körperbau und dasselbe hellbraune Haar.

»Es ist wunderschön hier«, sagt Ava.

Alice mustert uns abschätzend. Ich erwidere ihren Blick, reagiere aber nicht auf ihr fragendes Lächeln. Gleichzeitig ermahne ich mich, Ava während des Essens nicht zu offensichtlich mit den Augen zu verschlingen, sonst beginnt die Bennett-Gerüchteküche zu brodeln.

»Ich befinde mich gerade in einem Meeting mit einem potenziellen Partner. Wollte nur kurz Hallo sagen.«

Nachdem Alice gegangen ist, reden Ava und ich über dies und das, bis der Kellner unsere Getränke bringt. Nach einem Schluck von ihrer Limonade sagt sie: »Ich möchte mehr über die Firma und über dich erfahren.«

»Quetschst du jeden CEO aus, für den du arbeitest?«

Sie grinst. »Nein. CEOs sind gewöhnlich angeheuerte Manager. Du dagegen bist der Gründer, der Grundstein der Firma. Indem ich dich kennenlerne, kann ich besser verstehen, welche Werte für dein Unternehmen gelten. Die Basis einer guten Werbekampagne ist Authentizität. Ich habe online bereits alles gelesen, was es über die Firma zu lesen gibt. Ich weiß allerdings auch, dass die Presse Geschichten gern verdreht, je nach Artikelschwerpunkt. Und ich würde mir die Fakten gern direkt von der Quelle holen.«

Sie spricht mit solcher Leidenschaft, dass ich plötzlich fast von dem Verlangen überwältigt werde, mich über den Tisch zu lehnen und sie zu küssen.

»Also bin ich einfach eine Quelle?« Ich lächele. »So hat mich noch nie jemand bezeichnet. Zumindest nicht in meiner Gegenwart.«

Wir werden von dem Kellner unterbrochen, der unser Essen bringt.

»Oh, ist das ein Kalifornischer Taschenkrebs?« Ava lacht kehlig.

»Ja, ist es.«

»San Francisco ist berühmt dafür.«

»Ich weiß. Deswegen habe ich das Gericht bestellt. Ich dachte, du würdest so was vielleicht gern mal kosten.«

Mit einem Zwinkern stürzt sie sich aufs Essen. »Zurück zu dir als Quelle«, sagt sie nach einer Weile. »Du bist die Firma. Und du bist bei Weitem nicht so, wie ich befürchtet habe. Also …«

Ich bin die Neugier von Frauen gewohnt, allerdings eine andere Art von Neugier. Ich kann in fünf Sekunden sagen, was eine Frau von mir will: eine Eintrittskarte in die bessere Gesellschaft oder meine Kreditkarte.

Doch als ich Ava dabei beobachte, wie sie mich ansieht, entdecke ich echte Neugier. Ich lächele und lege die Gabel zur Seite. Ihre Argumentation ergibt Sinn. Doch es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass die Kampagne der Grund ist, warum ich darüber nachdenke, ihrer Bitte nachzugeben. Irgendetwas in ihren großen Augen sorgt dafür, dass ich mich ihr gegenüber öffnen will. Und das ist gefährlich. Wenn man sich öffnet, macht man sich verwundbar.

»Was willst du wissen?«, fragte ich.

»Wie hast du angefangen?«

Ich lehne mich in meinem Stuhl zurück und mustere sie. »Als ich klein war, besaßen meine Eltern eine Ranch. Sie hatten immer Geldprobleme. Neun Kinder großzuziehen, ist nicht einfach. Wir haben alle hart auf der Ranch gearbeitet, selbst die Kleinsten. Mit ungefähr vierzehn wurde mir klar, dass wir der Armut auf diese Art niemals entkommen würden. Meine Eltern kannten jedoch kein anderes Leben. Ich mache ihnen keine Vorwürfe. Sie sind wunderbare Menschen und haben sich die Finger wund gearbeitet. Aber es hat einfach nicht für mehr Wohlstand gereicht.«

»Du warst nicht auf dem College.«

»Nein. Ich musste arbeiten. Mit sechzehn habe ich die Ranch verlassen, um andere Jobs auszuprobieren. Irgendwann bin ich im Handel gelandet. Zuerst habe ich nichts allzu Teures verkauft, aber später habe ich mich auf Edelsteine konzentriert. Mit einundzwanzig habe ich bereits gutes Geld verdient, aber ich wollte mehr.«

»Und zwar?«

»Ich wollte meinen eigenen Edelsteinhandel und eine Schmuckfertigung. Ich habe mich mit meinen Eltern hingesetzt und sie gebeten, das Einzige aufzugeben, was sie damals besaßen – die Ranch –, und mir das Geld zu geben. Ich habe ihnen meinen Plan bis ins kleinste Detail erklärt. Und sie vertrauten mir. Innerhalb von fünf Tagen haben sie die Ranch zum Verkauf angeboten. Alle haben mich unterstützt.«

»Deine Familie klingt toll.« Ihre Augen wirken plötzlich leicht glasig, doch dann blinzelt sie und ihre Mundwinkel heben sich zu einem Lächeln. Der kurze Moment der Verletzlichkeit löst etwas in mir aus: den Drang, sie zu beschützen und davor zu bewahren, sich je wieder verletzlich fühlen zu müssen.

»Sie haben mir vollkommen vertraut. Das kann ich ihnen nie zurückgeben.«

»Das tust du doch schon. Du kümmerst dich um deine Familie.«

»Ich versuche es. Nachdem meine Eltern die Farm verkauft hatten, sind sie zum Bruder meines Vaters und seiner Familie gezogen, die auf einer benachbarten Ranch wohnten. Es war eine schwere Zeit, doch innerhalb von sechs Monaten hatte ich genug verdient, um ihnen finanziell unter die Arme zu greifen. Übrigens hat Logan mir dabei geholfen, die Firma aufzubauen. Er ist mindestens so sehr Inhaber des Unternehmens wie ich und bekommt dafür bei Weitem nicht genug Anerkennung. Die Medien stellen immer mich als einzigen Gründer dar.«

»Stimmt. Wahrscheinlich klingt das einfach besser. Ein Mann, der alle Widerstände überwunden hat und so.«

»Ja. Als die Firma und die Profite größer wurden, habe ich es so eingerichtet, dass meine Eltern sich nie wieder Sorgen um Geld machen mussten. Meine Geschwister waren alle auf dem College – auch Logan. Ich habe meine anderen Brüder und Schwestern in die Firma geholt, damit sie mir helfen. Das Unternehmen ist riesig und die meisten haben einen Arbeitsplatz für sich gefunden, der ihnen Spaß macht.«

»Wer arbeitet denn alles in der Firma?«

»Zwei hast du ja schon kennengelernt. Ich bin der Älteste, dann kommen Logan und Pippa. Du hast Alice getroffen. Sie hat entschieden, etwas anderes mit ihrem Leben anzufangen. Dann gibt es noch das erste Zwillingspaar, Christopher und Max. Max ist in London und Christopher in Hongkong, um unsere Präsenz auf den internationalen Märkten zu verbessern. Blake und Daniel, die anderen Zwillinge, wissen noch nicht genau, was sie tun wollen. Und unser Nesthäkchen, Summer, ist Malerin.«

»Wow. Ich bin beeindruckt. Blake und Daniel sind die Party-Bennetts, richtig?«

Ich ziehe eine Grimasse. Ich hätte das ihr gegenüber nicht erwähnen sollen. Die Leute hacken ständig auf Blake und Daniel herum. Ein paar der Frauen, mit denen ich ausgegangen bin, haben sogar angedeutet, dass ich den beiden das Geld streichen sollte. Aber sie gehören zur Familie und die Familie steht bei mir an erster Stelle. Immer.

»Ja. Die fangen sich schon noch«, meine ich ausweichend, weil ich keinerlei Bedürfnis verspüre, dass mir noch eine weitere Person erzählt, ich sollte endlich die Zügel in die Hand nehmen und meine Brüder zur Vernunft bringen.

»Na ja, jeder ist anders«, sagt Ava. »Solange sie niemandem wehtun, können sie ja tun, was auch immer ihnen gefällt.«

Ich weiß ihren unvoreingenommenen Tonfall zu schätzen. »Viele Leute betrachten Bennett Enterprises als einen Konzern. Ich sehe die Firma als Familienbetrieb. Sicher, sie ist ein großer Familienbetrieb. Aber das ist der Punkt: Ich bin nicht das Herz der Firma. Das ist meine gesamte Familie.«

Da ist er wieder, dieser verletzliche Ausdruck in ihren Augen. Und plötzlich wünsche ich mir nichts mehr, als ihn mit einem Kuss und einer Umarmung zu vertreiben, doch ich bleibe still sitzen.

»Also hast du das Unternehmen letztendlich aufgebaut, um zu gewährleisten, dass es deiner Familie gut geht … Sebastian, du bist der interessanteste Mann, den ich je getroffen habe.«

Die Ernsthaftigkeit ihrer Worte trifft mich unvorbereitet. Ich habe diesen Satz zwar schon oft von Frauen gehört, aber gewöhnlich immer dann, wenn ich ihnen ein teures Geschenk gemacht habe. Nicht, wenn ich über meine Familie rede.

»Ich kann die Präsentation in zwei Wochen kaum erwarten.« Avas Augen leuchten vor Aufregung.

»Vielleicht schaue ich diesmal auch vorbei.« Wenn ich ihre Neugier sehe, möchte ich dort sein, und sei es nur, um zu beobachten, wie sie alles in sich aufsaugt. »Hast du jetzt genug Material für deine Marketingkampagne?«

»Hier geht es nicht nur um die Kampagne. Du bist faszinierend. Ich könnte dir den ganzen Tag zuhören.«

»Vorsicht, du schmeichelst meinem Ego. Mir wurde gesagt, es wäre sowieso schon übertrieben groß.«

»Das stimmt wahrscheinlich. Aber du könntest zu den wenigen Männern gehören, die ihr Ego auch verdient haben.«

»Tatsächlich ist Logan derjenige mit dem übersteigerten Selbstbewusstsein. Er erzählt gern jedem, er wäre der nette Bennett. Glaub ihm nicht.«

Sie legt den Kopf leicht schräg. »Erzähl mir mehr.«

»Wir haben genug von mir geredet. Nun möchte ich etwas über dich erfahren.«

»Pffft. Meine Geschichte ist bei Weitem nicht so interessant wie deine.«

Ich beuge mich vor. »Ich finde dich interessant.«

Tatsächlich finde ich Ava sehr interessant. Ich lache leise, als mir einfällt, dass sich Logan bei seinem letzten Date so gelangweilt hat, dass er sich am liebsten im Wasserglas ertränkt hätte. Blake bezeichnet solche Dates als so langweilig, dass sich nichts mehr regt.

Nach der Beule in meiner Boxershorts gilt das absolut nicht für Ava. Sicher, es könnte auch etwas damit zu tun haben, dass sich ihre Brustwarzen unter der Bluse abzeichnen. Ich durfte einen kurzen Blick darauf werfen, als sie ihr Jackett aufgeknöpft hat. Mir vorzustellen, wie hart diese empfindlichen Spitzen sein müssen, treibt mich in den Wahnsinn. Ihre Reaktion auf mich zeigt mir, welchen Effekt ich auf sie habe. Eine wunderbare Röte breitet sich über ihren Hals nach oben aus, wenn sie mir zu lange in die Augen blickt. Ich lehne mich wieder zurück und frage: »Hast du Geschwister?«

»Nein, ich bin Einzelkind. Meine Mom ist gestorben, als ich auf dem College war.«

»Tut mir leid, das zu hören. Was ist mit deinem Dad?«

»Den habe ich nie kennengelernt. Er ist verschwunden, bevor ich geboren wurde.«

Ein Muskel an meinem Kinn beginnt zu zucken. Ich hasse solche Männer. Auf der Suche nach einem sicheren Thema sage ich: »Erzähl mir von New York.«

»Ich lebe dort seit meiner Geburt, aber in letzter Zeit habe ich nicht viel von der Stadt gesehen. Meine Aufträge führen mich ständig an andere Orte. Singapur, Sydney, San Francisco.« Sie hält inne und runzelt die Stirn. »Ich frage mich langsam, ob sie meine Klienten nach dem Anfangsbuchstaben der jeweiligen Städte aussuchen.«

»Reist du gern? Ich finde es anstrengend.«

»Ich liebe es. Ich arbeite viel, aber ich schaffe es immer, mir auch eine Menge Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Auch hier kann ich es kaum erwarten. Ob du es glaubst oder nicht, ich war noch nie in Kalifornien.«

»Ich kann dich herumführen.«

Meine Worte überraschen uns beide. Ich hatte seit Jahren keine Zeit mehr für so was. Genauer gesagt habe ich mir die Zeit nie genommen. Aber Avas Enthusiasmus ist ansteckend. Mir gefällt, wie sorglos ich mich in ihrer Umgebung fühle. So habe ich mich seit der Zeit auf der Ranch meiner Eltern nicht mehr gefühlt, bevor ich losgezogen bin, um mich um meine Familie zu kümmern.

Ein Lächeln erhellt ihr Gesicht. »Vielleicht nehme ich dich beim Wort.«

»Ich werde dafür sorgen, dass du es tust.«

 

Als wir das Restaurant verlassen, bemerke ich, dass sie ihren Nacken dehnt. »Du wirkst verspannt.«

»Ich habe das letzte Projekt in Sydney erst vor fünf Tagen beendet. Mein Boss hat mir keinen Urlaub genehmigt, sondern mich direkt hierhergeschickt.«

»Ich verspreche dir, dich in den ersten Tagen nicht zu hart ranzunehmen.«

Ihre Pupillen werden groß und ich schlucke schwer. Nun, man weiß, dass man sich auf gefährlichem Terrain befindet, wenn man aus Versehen sexuelle Anspielungen macht.

Der Parkdiener bringt das Auto. Als ich die Tür öffne, dringt mir die Frage über die Lippen: »Gehst du mit jemandem aus?«

»Streng genommen ist es dir überhaupt nicht gestattet, diese Frage zu stellen.«

»Natürlich darf ich das. Ich bin der interessanteste Mann, den du je getroffen hast. Ist das nicht eine direkte Einladung, in deine Privatsphäre einzudringen?«

Ihre Wangen brennen, als sie flüstert: »Nein, ich gehe mit niemandem aus.«

 

Ich fahre sie zu dem Gebäude, in dem die Firma ihr ein Langzeit-Apartment gemietet hat, und lade mich selbst mit nach oben ein. Ich traue meinen Augen kaum, als sie die Tür zu ihrer Suite öffnet.

»Wann bist du angekommen?«, frage ich.

»Heute Morgen.«

»Es sieht aus, als würdest du seit Monaten hier leben.« Überall stehen Fotos und kleine Erinnerungsstücke an ihre verschiedenen Reisen herum.

»Gefällt es dir?« Sie lächelt stolz.

»Es sieht aus wie ein Zuhause.« Der Raum ist warm, hell und farbenfroh, so wie Ava.

»Na ja, ich verbringe so viel Zeit mit Reisen, in Hotelzimmern oder Business-Apartments, dass ich mich bemühe, mich überall so schnell wie möglich häuslich einzurichten. So fühlt man sich weniger einsam.«

»Du musst nicht einsam sein. Es gibt mich und eine Million anderer Bennetts, die dir Gesellschaft leisten können. Meine Familie ist sehr freundlich«, füge ich hinzu, bevor ich mich davon abhalten kann. Ich sollte gehen, aber irgendetwas sorgt dafür, dass ich bleiben will. »Willst du mich nicht auf einen Drink einladen?«

Sie lacht. »Es ist früher Nachmittag und ich habe keine Drinks hier. Außerdem habe ich bereits Pläne für den restlichen Tag. Ich muss in einer halben Stunde aufbrechen.«

»Du wirfst mich raus?«, frage ich ungläubig. Ich mag diese Frau mit jeder Minute mehr.

»Das tue ich. Offiziell beginnt mein Auftrag erst morgen, also gehört der Rest des Tages mir. Ich erkunde die Stadt.« Sie presst ihre sinnlichen Lippen zusammen, bis sie eine schmale Linie bilden.

»Ich mag Frauen, die selbstbewusst genug sind, um Zeit mit sich selbst zu verbringen. Aber allein durch San Francisco zu wandern, ist nicht die beste aller Ideen. Du kennst die Stadt nicht.«

»Danke für deine Sorge, aber ich lebe in New York und habe schon einige gefährliche Städte besucht. Ich kann auf mich selbst aufpassen.«

Ich mache einen Rückzieher, wobei ich gegen die Gefühle kämpfen muss, die in mir aufsteigen: den Drang, sie zu beschützen, Verlangen und noch etwas anderes.

»Außerdem, musst du nicht arbeiten? Ich hatte gehört, du wärst ein Workaholic.«

Dieser Hinweis holt mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Ja, ich bin ein Workaholic. Aber diese Frau hat für ein paar Stunden dafür gesorgt, dass ich es vergessen habe.

Ich trete vor Ava und streiche ihr mit den Fingerspitzen sanft über die Wange. Es freut mich ungemein, zu sehen, wie ihre Pupillen groß werden und ein Zittern ihren Körper ergreift. »Genieß den Tag. Wir sehen uns morgen früh.«

Layla Hagen

Über Layla Hagen

Biografie

Layla Hagen ist das Pseudonym einer USA-Today-Bestsellerautorin. Sie lebt in Österreich, spricht fließend Englisch, Deutsch und Spanisch, und schreibt am liebsten prickelnde Liebesromane.

Medien zu »Diamonds For Love – Voller Hingabe«

Pressestimmen

romanticbookfan.de

»Sehr sympathische Protagonisten, vielversprechende Nebencharaktere und eine gefühlvolle Story haben mich gut unterhalten!«

bibliophiliehermine.blogspot.de

»Leyla Hagen hat einen tollen Schreibstil und erschafft erwachsene, kluge und gut durchdachte Charaktere und Geschichten ohne Dramaüberladung.«

bookalicious8.blogspot.de

»Auf jeden Fall eine Reihe, die ich weiterverfolgen werde, denn auch all die anderen Bennetts sind ziemlich vielversprechend. Wer mal wieder Lust auf einen ansprechenden, prickelnden Roman hat, dem kann ich Diamonds for Love nur wärmstens empfehlen.«

ilys-buecherblog.blogspot.de

»Mit ›Diamonds for Love - Voller Hingabe‹ ist der Autorin ein unterhaltsamer und prickelnder Reihenauftakt gelungen, den ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe.«

magischemomentefuermich.blogspot.de

»Es ist heiß, leidenschaftlich, dabei aber auch sehr abwechslungsreich. Ein rasanter und emotionaler Auftakt, der definitiv nach mehr verlangt.«

tjskleinebuecherwelt.blogspot.de

»Layla Hagen erzählt eine wunderschöne Liebesgeschichte mit Figuren, die zu tiefst von ihren ehemaligen Beziehungen verletzt und enttäuscht wurden.«

lovin-books.de

»Die Story (…) überzeugt mit unglaublich viel Herz, wundervollen Protagonisten und einem tollen Schreibstil.«

corinnasworldofbooks.de

»Mit ›Diamonds For Love – Voller Hingabe‹ schafft die Autorin einen fesselnden erotischen Auftakt, der mich mit jeder Seite mehr in den Bann von Sebastian und Ava gezogen hat.«

sylvia-steele.de

»Authentische Charaktere, eine Familie zum Verlieben, ein wunderbar flüssiger Schreibstil und gefühlvolle Momente konnten mich von diesem Roman überzeugen.«

Kommentare zum Buch

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