Andrea Sawatzkis autofiktionale Romane
Andrea Sawatzki begeistert als eine der bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands – und als Bestseller-Autorin! Ihre humorvollen Bundschuh-Romane rund um Familie, Alltag und Chaos wurden erfolgreich verfilmt. In ihren Romanen „Brunnenstraße“ und „Biarritz“ zeigt sie erneut ihre Vielseitigkeit: Mit feinem Gespür erzählt sie bewegende Geschichten über Familie, Herkunft und Neuanfang – mal humorvoll, mal berührend, immer authentisch.
Ganz nah beieinander - Schauspielen und Schreiben
Ein Gespräch mit Andrea Sawatzki
Sie sind eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands und sehr viel unterwegs. Gleichzeitig haben Sie in den vergangenen Jahren gleich sieben Romane geschrieben. Wie lassen sich die Schauspielerei und die Arbeit als Autorin miteinander verbinden?
Sehr gut! In den Filmen fülle ich meine Figuren mit Leben, beim Schreiben kann ich sogar noch weitergehen und die Menschen, die ich erfinde, ganz nach meinen Vorstellungen schaffen. Das heißt, Ich habe beim Schreiben alle Zügel in der Hand und kann meine Figuren durch alle nur erdenklichen Höhen und Tiefen schicken. Das macht mir großen Spaß … vor allem, weil ich die von mir erfundene Gundula in den Verfilmungen selbst spiele.
Wieviel verbindet Sie mit Ihrer herzerfrischend chaotischen Heldin Gundula?
Sie ist in mancherlei Hinsicht mein Alter Ego. Ich habe sie unter anderem erfunden, um meine eigenen Erfahrungen mit dem Älterwerden zu beschreiben. Außerdem meine zeitweilige Unfähigkeit, mich mit meinen Unzulänglichkeiten abzufinden, mich aus der Distanz zu betrachten und eventuell ein bisschen besser zu verstehen. Gundula treibt ja, genau wie mich selbst, die permanente Sorge um, dass ohne ihren direkten Beistand die gesamte Bundschuh-Familie dem Untergang geweiht ist (was im Falle der Bundschuhs eventuell sogar zutreffen würde).
Ich glaube, dass Frauen oftmals diesem fürchterlichen, selbstauferlegten Perfektionsanspruch entsprechen möchten und nicht selten daran zerbrechen. Das ist fatal. Und diese Botschaft möchte ich meinen Leserinnen auf humorvolle Weise nahebringen, ihnen sozusagen emphatisch einen Spiegel vorhalten und auch mal über sich selbst lachen zu können. Mir selbst jedenfalls hilft das sehr oft …
Sie schreiben seit einigen Jahren Ihre turbulenten Geschichten über die Familie Bundschuh. Sind Sie selbst ein Familienmensch?
Absolut. Es geht nichts über meine drei Männer! Wobei sich unsere Familie tatsächlich nur auf vier Personen und einen Hund beschränkt ...
Könnten Sie sich vorstellen, wie Gundula als Großfamilie mit Kindern, Eltern und Großeltern in einem Haus zu leben?
Wenn man allerdings mit einer gehörigen Portion Abenteuerlust und Humor an die Sache herangehen würde, könnte ich es mir durchaus vorstellen… da müsste ich aber erst mal unsere Söhne fragen …)))
Der letzte Roman der Serie erzählt von dem Umzug von Berlin aufs Land. Was hat Sie an dieser Konstellation gereizt?
Ich suche für meine Bundschuhs immer wieder Situationen, die sie völlig überfordern, und lasse sie dann aufeinander los. Dabei entwickeln meine Bundschuhs durchaus auch kriminelles Potential. Möglicherweise werde ich darauf in einem zukünftigen Bundschuh-Roman noch stärker eingehen, reizen würde mich das schon. In Woanders ist es auch nicht ruhiger lasse ich die Bundschuhs aufs Land ziehen, weil der Berliner Flughafen endlich eröffnet wird und das Haus im Rotkehlchenweg in der Einflugschneise liegt.
Da Gundula und Gerald ihre beiden Mütter und auch Rose und HaDi nicht ohne weiteres loswerden und sich kein bezahlbares Haus in ruhiger Lage für die Großfamilie finden lässt , kaufen sie einen Dreiseitenhof, den Gerald bei einer Zwangsversteigerung ergattert. Dieses Hof steht seit Jahren leer, keiner traut sich an dieses Haus ran, und im Lauf der Geschichte wird auch klar, warum. Familie Bundschuh jedoch ist erst mal stolz und glücklich, diese Immobilie für sich gefunden zu haben, denn alle erhoffen sich dort Ruhe und Frieden. Aber weil sich immer jeder selbst mitnimmt, wird daraus natürlich nichts ...
"Gundula ist ja aus mir selbst entstanden, und ich liebe es, sie einer neuen Chaossituation auszusetzen und zu gucken, was sie sich einfallen lässt, um da wieder heil rauszukommen."
In den Verfilmungen Ihrer Bücher um die Bundschuhs spielen Sie die Hauptrolle der Gundula selbst. Ist das ein Fluch oder ein Segen, wenn Sie sich wieder an den Schreibtisch setzen für einen neuen Roman?
Gundula ist ja aus mir selbst entstanden, und ich liebe es, sie einer neuen Chaossituation auszusetzen und zu gucken, was sie sich einfallen lässt, um da wieder heil rauszukommen. Aber auch der Rest der Familie ist mir inzwischen genauso nah ist wie die Gundel. Ich habe die alle ins Herz geschlossen und kenne sie bis in ihr Innerstes. Dadurch, dass meine phantastischen Schauspielkollegen die Familienmitglieder so treffend und begeistert zum Leben erwecken, sind mir auch meine literarischen Figuren näher. Ich höre den Klang ihrer Stimmen, sehe, wie sie sich bewegen, rieche ihr Parfum, weiß, was sie mögen und was nicht und kann ihnen dadurch immer neue Farbtupfer verpassen. Das finde ich großartig, das ist ein echtes Geschenk.

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