Nelson Mandela Steckbrief
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Nelson Mandela Lebenslauf

Dienstag, 17. Juli 2018 von Helge Hesse / Piper Verlag


Der Autor Helge Hesse beschreibt in seinem Buch »Mit Platon und Marylin im Zug«, wie Nelson Mandela und Frederik de Klerk, es gemeinsam geschafft haben, die Gewalt in Südafrika zu überwinden.

»Indem Nelson Mandela und Frederik de Klerk Schuld und Sühne nicht aufrechneten und trotz enormen Drucks durch die Gegner einer Aussöhnung nicht einknickten, zeigten sie, wie Gewalt überwunden werden kann.« Helge Hesse

Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Buch, wie es zur ersten Begegnung zwischen den beiden kam:

Die Anfänge Nelson Mandelas in der ANC

Der junge, hochgewachsene Jurastudent Nelson Mandela erregte bereits 1944, dem Jahr seines Eintritts, im African National Congress (ANC) Aufsehen. Er stammt aus einem einflussreichen Clan des Volkes der Xhosa. Eigentlich ist sein Vorname Rolihlahla, was wörtlich übersetzt »am Ast eines Baumes ziehen« heißt und sinngemäß »Unruhestifter« bedeutet. In der Missionsschule gab man ihm den Vornamen Nelson.

Noch im Jahr seines Eintritts in den ANC gehörte der 24-Jährige zu den Gründern der Jugendorganisation der Bewegung. Er war beeinflusst von Mahatma Gandhi, der zur Jahrhundertwende als junger Anwalt in Südafrika sein Konzept des gewaltlosen Widerstands entwickelt hatte.

Auch Mandela trat zunächst für den ausschließlich friedlichen Protest gegen das Apartheidregime ein. Als jedoch Polizisten 1960 beim Massaker von Sharpeville 69 Schwarze töteten, rief Mandela mit einigen Kameraden die Organisation Umkhonto we Sizwe (»Speer der Nation«) ins Leben, den bewaffneten Flügel des ANC. Ziel war es, Sabotageakte und Angriffe gegen Einrichtungen – nicht gegen Menschen – durchzuführen.

»Auch mit einer Umarmung kann man einen politischen Gegner
bewegungsunfähig machen.«


Nelson Mandela

Nelson Mandela im Gefängnis

Schon zuvor war Mandela mehrere Male verhaftet worden. Nun wurde er erneut festgesetzt, und 1964 verurteilte ihn ein Gericht mitsamt seinen Mitstreitern zu lebenslanger Haft.

»Dies ist die Insel. Hier werdet ihr sterben!«, riefen die Wärter, als Mandela und seine Kameraden in dem berüchtigten Gefängnis auf Robben Island 25 Kilometer vor der Küste vor Kapstadt eintrafen. 

Über 17 Jahre blieb er auf dem schmalen windumtosten Eiland, schlief in einer kalten kargen Zelle auf dem Boden und klopfte tagsüber Steine zu Kieseln. Er ließ sich nicht brechen, lehnte sich gegen Willkür auf, versuchte, in jeder Situation seine Würde zu bewahren, und blieb auch im Gefängnis ein Anführer. 

Ab 1982 verbrachte er weitere acht Jahre im Hochsicherheitsgefängnis Pollsmoor Prison, von dem er sagte, es habe »ein modernes Gesicht, aber ein primitives Herz «. Dort durfte er immerhin einen Garten anlegen und Gemüse ziehen.

1985 bot ihm Botha die Freilassung an, dafür sollte er auf den bewaffneten Kampf verzichten. Es war nicht das erste Angebot dieser Art. Erneut lehnte er ab. Seine Antwort ließ er von seiner Tochter Zindzi öffentlich auf einer Versammlung des ANC in Soweto verlesen: Er stimme seiner Freilassung
nicht zu, ließ er sie sagen, »solange ich, ihr, das Volk, nicht frei sind«. Freiheit sei unteilbar.

Schon Jahre vor der Begegnung im Tuynhuys hat die südafrikanische Regierung einen geheimen Gedankenaustausch mit Führern des ANC und anderen Vertretern der Opposition begonnen, auch mit Mandela. Der wird in seinem Gefängnis immer wieder von Regierungsvertretern aufgesucht. 

Man tauscht Argumente aus, lernt den anderen ein bisschen kennen und fasst sogar ein wenig Vertrauen. Richtige Verhandlungen aber will die Regierung erst dann aufnehmen, wenn der ANC offiziell auf den Einsatz von Gewalt verzichtet. Für Mandela aber ist die Androhung von Gewalt die letzte Option des Unterdrückten. Erst wenn alle politischen Gefangenen befreit und alle Repressionsmaßnahmen, wie das Verbot des ANC, aufgehoben seien, betont er wiederholt, sei er bereit, die Gewaltandrohung – die ein »Verhandlungspfand« sei – fallen zu lassen.

Mandela und der ANC sind überzeugt: Die Regierung ist zu Zugeständnissen bereit, will aber den Schwarzen nach wie vor das Recht vorenthalten, das Land zu regieren. So versuchen Regierungsvertreter in den losen Gesprächen mit Mandela unablässig auszutesten, wie möglichst viel vom Status quo bewahrt werden kann. Doch Zwischenlösungen sind für Mandela und den ANC nicht akzeptabel.

Free Nelson Mandela? Das erste Treffen mit de Klerk

Am Tag, als Frederik Willem de Klerk als neuer Premierminister der Republik Südafrika vereidigt wird, schreibt ihm Nelson Mandela in seinem Gefängnis einen Brief und bittet um ein Treffen. Es ist der 15. August 1989. Mandela ist nun seit 27 Jahren in Haft. Seine Gefangenschaft ist ihm in den letzten Jahren sehr viel komfortabler gemacht worden.

Seit Dezember 1988 ist er im Victor Verster Prison inhaftiert und lebt dort in einem Haus umgeben von Bäumen. Er darf seine Familie empfangen, und seine Wärter haben begonnen, inkognito Ausflüge mit ihm in die Umgebung zu unternehmen. Er fragt sich, ob man ihn auf die Freiheit vorbereiten will.

In seinem Brief teilt Mandela de Klerk mit, dass ihn dessen Antrittsrede beeindruckt habe, insbesondere das starke Gewicht, das de Klerk auf die Versöhnung gelegt hat. Doch er fügt hinzu, nun erwarte er auch Taten. Mandela regt Verhandlungen an, nennt aber als Voraussetzungen dafür die Freilassung aller politischen Gefangenen und die ungehinderte politische Handlungsfreiheit aller Organisationen und Personen. Auch der Ausnahmezustand solle aufgehoben werden und das Militär sich aus den Townships zurückziehen.

Am 10. Oktober 1989 lässt de Klerk tatsächlich mehrere bekannte Mitstreiter Mandelas frei, einige von ihnen waren lange Jahre seine Mithäftlinge auf Robben Island. Darunter ist Mandelas Gefährte Walter Sisulu, der einst zusammen mit ihm verurteilt worden war.

Wenige Wochen danach treffen sich Mandela und de Klerk zum ersten Mal. Am Morgen des 13. Dezember 1989 fährt man Mandela in einer Eskorte zum Tuynhuys, wie zuvor bei dem Treffen mit Botha unter strengster Geheimhaltung.

Er und de Klerk begegnen sich in dem gleichen Büro, in dem Mandela bereits mit dessen Vorgänger Teegetrunken hatte. Sie setzen sich und reden. Mandela fällt auf, dass de Klerk sehr intensiv und mit aufmerksamem Blick zuhört und dass er sich, bevor er antwortet, immer etwas Zeit nimmt. De Klerk lässt Mandela wissen, er sei überzeugt, sie hätten beide das gleiche Ziel, und er schlägt vor, die Regierung und der ANC sollten zusammenarbeiten, um die Apartheid zu überwinden.

Er sei bereit, mit Blick auf eine gewünschte Verständigung mit der schwarzen Bevölkerungsmehrheit, neue Wege zu finden. Dabei sei es wichtig, betont er, die Ängste unter den Weißen vor einer Dominanz der Schwarzen zu berücksichtigen und zu zerstreuen. Mandela ist beeindruckt von de Klerks nüchterner und uneitler Art, lässt sich das aber nicht anmerken.

Er wiederholt nun seine zuvor schon Botha vorgetragenen Forderungen, den ANC zu legalisieren und zudem ihn und seine Mitstreiter in die Freiheit zu entlassen. De Klerk erwidert, er werde über all das nachdenken, könne aber nichts versprechen. Mandela fährt zurück in sein Gefängnis, wohl wissend, dass an diesem Tag keines der Probleme des Landes gelöst worden ist. Doch neue Hoffnung keimt.

Zwei wichtige Männer der feindlichen Lager haben das Gefühl bekommen, dass sie das Wagnis eingehen können, dem anderen zu vertrauen.

Nelson Mandela Steckbrief

Das Leben von Nelson Mandela im Überblick.

1918:      Rolihlahla Mandela wird am 18. Juli in Mvezo in der Transkei geboren. Die Eltern sind Nosekeni Fanny und Nkosi Mphakanyiswa Gadla Mandela.

1925:     Der Junge besucht die Grundschule in der Nähe des Dorfes Qunu. Seine Leh­rerin gibt ihm den Namen »Nelson«.

1927:      Mandela wird nach dem Tod seines Vaters in die Obhut des Häuptlings Jongintaba Dalindyebo gegeben, des Regenten des Thembu-Volkes. Er lebt jetzt an dessen Regierungssitz Mqhekezweni, der provisorischen Hauptstadt von Thembuland, die auch »Der Große Platz« genannt wird.

1934:      Er unterzieht sich der traditionellen Beschneidungszeremonie, mit der er ins Mannesalter eingeführt wird, und besucht das Clarkebury Boarding Institute, eine Internatsschule in Engcobo.

1937:      Schulbesuch in Healdtown, dem Wesleyan College in Fort Beaufort.

1939:      Studienbeginn an der Universität von Fort Hare in der Stadt Alice, der einzigen Universität für Schwarze in Südafrika. Begegnung mit Oliver Tambo.

1940:     Exmatrikulation in Fort Hare wegen Beteiligung an einer Protestaktion.

1941:      Mandela flieht vor einer arrangierten Hochzeit und zieht nach Johannesburg, wo er in einer Goldmine als Nachtwächter arbeitet. Er lernt Walter Sisulu ken­nen, der ihm in der Anwaltskanzlei Witkin, Sidelsky & Eidelman einen Ausbildungsplatz vermittelt.

1942:     Fernstudium für den Grad eines Bachelor of Arts an der University of South Africa (UNISA). Informelle Teilnahme an Veranstaltungen des African National Congress (ANC).

1943:      Abschluss als B.A., Immatrikulation an der Universität von Witwatersrand für den Abschluss als LLB (Bachelor of Laws).

1944:     Mitgründer der ANC Youth League (ANCYL). Heirat mit Evelyn Ntoko Mase. Aus dieser Ehe gehen vier Kinder hervor: Thembekile (1945–1969), Makaziwe (geb. 1947), die im Alter von neun Monaten stirbt, Makgatho (1950–2005) und Makaziwe (geb. 1954).

1948:     Wahl zum nationalen Sekretär der ANCYL sowie in das ANC-Exekutivkomitee von Transvaal.

1951:      Wahl zum Präsidenten der ANCYL.

1952:     Wahl zum ANC-Präsidenten für die Provinz Transvaal und zum stellvertretenden ANC-Präsidenten. Offizieller Sprecher und Anführer der Missachtungskampagne, die am 26. Juni 1952 beginnt. Er wird mehrmals verhaftet und verbringt einige Tage im Gefängnis. Gemeinsam mit 19 weiteren Beschuldigten wird er nach den Bestimmungen des Suppression of Communism Act verurteilt. Das Urteil lautet auf neun Monate Gefängnis mit Zwangsarbeit, es wird jedoch auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zugleich erhält er das erste einer Reihe von Urteilen, mit denen er »gebannt wird«: Jegliche Art von politischer Tätigkeit ist ihm untersagt. Mit Oliver Tambo eröffnet er die Kanzlei Mandela und Tambo, die erste von Schwarzen betriebene Anwaltskanzlei Südafrikas.

1953:      Entwicklung des M-Plans für künftige Untergrundaktionen des ANC.

1955:     Beim Volkskongress in Kliptown wird die Freiheits-Charta verabschiedet. Mandela verfolgt das Geschehen gemeinsam mit anderen gebannten Mitstreitern heimlich vom Dach eines benachbarten Geschäftes aus.

1956:     Verhaftung und, gemeinsam mit 155 Mitgliedern der Congress Alliance, ­Anklage wegen Hochverrats. Der Prozess zieht sich viereinhalb Jahre lang hin.

1958:     Scheidung von Evelyn Mase. Heirat mit Nomzamo Winifred Madikizela, mit der er zwei Töchter hat: Zenani (1959) und Zindziswa (1960).

1960:     Die Regierung ruft nach dem Sharpeville-Massaker vom 21. März den Ausnahmezustand aus, und Mandela wird verhaftet. Der ANC und der PAC (Pan Africanist Congress) werden am 8. April verboten.

1961:      Freispruch im Hochverratsprozess am 29. März mit der Gruppe der letzten 30 Angeklagten. Die Anklage gegen alle übrigen Beschuldigten war zuvor bereits in verschiedenen Phasen des Verfahrens fallen gelassen worden. Im April geht Mandela in den Untergrund, er tritt auf dem All-in African Congress in Pietermaritzburg als Hauptredner auf und fordert einen Nationalkonvent, um für Südafrika eine neue Verfassung zu entwerfen. Umkhonto we Sizwe (MK), der bewaffnete Arm des ANC, wird im Juni gegründet, Mandela fungiert als Anführer, und tritt im Dezember mit einer Reihe von Bombenanschlägen erstmals öffentlich in Erscheinung.

1962:     Mandela verlässt im Januar Südafrika, um sich einer militärischen Ausbildung zu unterziehen und um Unterstützung für den ANC zu werben. Er verlässt das Land heimlich über Botsuana (damals Betschuanaland) und reist im Juli über dieses Nachbarland wieder ein. Militärische Ausbildung erfährt er in Äthiopien und in Marokko nahe der Grenze zu Algerien. Insgesamt besucht er zwölf afrikanische Staaten und verbringt auch zwei Wochen in London mit Oliver Tambo. Am 5. August wird er bei Howick in KwaZulu-Natal verhaftet und am 7. November wegen Anstiftung zum Streik und illegalen Verlassens des Landes zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

1963:      Mandela wird im Mai in das Gefängnis auf Robben Island verlegt, aber bereits nach zwei Wochen plötzlich ins Zentralgefängnis von Pretoria zurückgebracht. Die Polizei verhaftet bei einer Razzia auf der Liliesleaf-Farm in Rivonia am 11. Juli fast die gesamte Führungsspitzte des MK. Mandela wird im Oktober im sogenannten Rivonia-Prozess gemeinsam mit neun anderen Beschuldigten wegen Sabotage angeklagt. Die Anklage gegen James Kantor wird zurückgezogen, Rusty Bernstein wird freigesprochen.

1964:     Mandela, Walter Sisulu, Ahmed Kathrada, Govan Mbeki, Raymond Mhlaba, Denis Goldberg, Andrew Mlangeni und Elias Motsoaledi werden im Juni zu lebenslanger Haft verurteilt. Alle Verurteilten mit Ausnahme von Goldberg, der in Pretoria einsitzt, werden in das Gefängnis auf Robben Island gebracht.

1968:     Mandelas Mutter stirbt am 26. September. Seine Bitte, an ihrer Beerdigung teilnehmen zu dürfen, wird abgelehnt.

1969:     Mandelas ältester Sohn Madiba Thembekile (Thembi) kommt am 13. Juli bei einem Autounfall ums Leben. Mandelas Brief an die Gefängnisbehörde, in dem er um die Erlaubnis zur Teilnahme an der Beerdigung bittet, wird ignoriert.

1975:      Beginn der heimlichen Niederschrift der Autobiografie. Sisulu und Kathrada gehen das Manuskript durch und machen Vorschläge. Mac Maharaj und Laloo Chiba übertragen es in winzige Handschrift, und Chiba versteckt den Text in Maharajs Übungsheften. Maharaj schmuggelt ihn bei seiner Entlassung 1976 aus dem Gefängnis hinaus.

1982:     Mandela wird gemeinsam mit Walter Sisulu, Raymond Mhlaba, Andrew Mlangeni und Kathrada (der zu einem späteren Zeitpunkt hinzukommt) in das Hochsicherheitsgefängnis Pollsmoor bei Kapstadt verlegt. Im obersten Stockwerk eines Zellengebäudes teilen sie sich dort eine große Gemeinschaftszelle.

1984:     Ablehnung eines Angebots seines Neffen K.D. Matanzima, des Präsidenten des sogenannten unabhängigen Staates (oder: Bantustans) Transkei, das eine Entlassung in die Transkei vorsah.

1985:     Ablehnung eines Angebots des Staatspräsidenten P.W. Botha, das für einen öffent­lichen Verzicht auf Gewalt als politische Strategie die Freilassung vorsah. Mandelas Tochter Zindzi verliest die Ablehnungserklärung am 10. Februar bei einer Kundgebung in Soweto. Im November unterzieht sich Mandela im Volks Hospital in Kapstadt einer Prostataoperation. Justizminister Kobie Coetsee besucht ihn im Krankenhaus. Bei seiner Rückkehr ins Gefängnis wird er in Einzelhaft untergebracht. Beginn von Sondierungsgesprächen mit Regierungsmitgliedern über die Voraussetzungen für Verhandlungen mit dem ANC.

1988:     Ein zwölfstündiges Popkonzert zur Feier von Mandelas 70. Geburtstag im Londoner Wembley-Stadion wird vom Fernsehen in 67 Länder übertragen. Bei Mandela wird Tuberkulose festgestellt, er wird zunächst ins Tygerberg Hospital und dann in die Constantiaberg-Klinik eingewiesen. Bei seiner Entlassung aus dem Krankenhaus im Dezember wird er ins Victor-Verster-Gefängnis bei Paarl verlegt.

1989:     Abschluss mit dem LLB-Grad (Bachelor of Laws) an der University of South Africa.

1990:     Aufhebung des ANC-Verbots am 2. Februar. Mandela wird am 11. Februar aus der Haft entlassen.

1991:      Im Juli Wahl zum ANC-Präsidenten bei der ersten Jahreskonferenz des ANC in Südafrika seit dem Verbot von 1960.

1993:      Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis gemeinsam mit Staatspräsident F.W. de Klerk.

1994:     Mandela wählt zum ersten Mal in seinem Leben bei den ersten demokratischen Wahlen in Südafrika am 27. April. Am 9. Mai wird er zum ersten Präsidenten eines demokratischen Südafrika gewählt und am 10. Mai in Pretoria in sein Amt eingeführt. Die Autobiographie Der lange Weg zur Freiheit erscheint.

1996:     Scheidung von Winnie Mandela.

1998:     Heirat mit Graça Machel an seinem 80. Geburtstag.

1999:     Rückzug aus dem Amt des Staatspräsidenten nach einer Amtsperiode.

2001:     Bei Mandela wird Prostatakrebs diagnostiziert.

2004:     Ankündigung des Rückzugs aus dem öffentlichen Leben.

2005:     Makgatho, Mandelas zweitältester Sohn, stirbt im Januar. Mandela gibt öffentlich bekannt, dass sein Sohn an Aids gestorben sei.

2006:     Veröffentlichung von Mandela: Das autorisierte Porträt.

2007:     Teilnahme an der Einführung seines Enkels Mandla Mandela ins Häuptlings­amt beim traditionellen Stammesrat in Mvezo.      

2008:     90. Geburtstag. Aufruf an die jüngeren Generationen, den Kampf für soziale Gerechtigkeit fortzusetzen.

2009:     Mandelas Geburtstag, der 18. Juli, wird von den Vereinten Nationen zum Internationalen Nelson-Mandela-Tag erklärt. 

2010:     Die Urenkelin Zenani Mandela stirbt im Juni bei einem Autounfall.


Mit Platon und Marilyn im ZugMit Platon und Marilyn im Zug

Was uns die Begegnungen berühmter Persönlichkeiten über die großen Fragen des Lebens verraten

Was verrät uns die Freundschaft zwischen Machiavelli und Leonardo da Vinci über Macht? Was erfahren wir aus der tragischen Liebe zwischen Arthur Miller und Marilyn Monroe über unseren Hang zur Perfektion? Helge Hesse beschreibt 15 Begegnungen berühmter Persönlichkeiten, die ein Schlaglicht auf jeweils eine große Frage des Lebens werfen. Aristoteles und Platon, Winston Churchill und Charlie Chaplin, John Lennon und Yoko Ono – die sich kreuzenden Lebenswege dieser schillernden, oft schrulligen Persönlichkeiten inspirieren zum Nachzudenken, über Themen die uns beschäftigen – heute genauso wie damals.
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Vorwort

 

Als Ludwig Wittgenstein im Januar 1929 in Cambridge eintrifft, schreibt John Maynard Keynes an seine Frau: »Also gut, Gott ist angekommen. Ich traf ihn im 5-Uhr-15-Zug.« In den lapidaren Worten des berühmten Ökonomen steckt mehr als Ironie, denn in der langen und wechselvollen Freundschaft mit dem exzentrischen Philosophen schwang immer unausgesprochen die große Frage mit: Was soll der Mensch mit seinem Leben anfangen? Während der lebensfrohe Keynes auf praktische Weise die Welt besser machen wollte, suchte der asketische Wittgenstein nach einer endgültigen Antwort, die so vollkommen sein musste, als käme sie direkt von Gott.

Ob im Zug, im Kloster oder auf dem Schlachtfeld, in der Weltgeschichte kam es zu vielen ungewöhnlichen Begegnungen herausragender Persönlichkeiten. Sie waren nicht nur voller Leidenschaften, Abgründe und Hoffnungen, sondern es verdichteten sich in ihnen auch Fragen nach Sinn und Moral: Was zum Beispiel verrät uns die Begegnung von Machiavelli und Leonardo da Vinci über Macht? Entdecken wir in der Beziehung zwischen Arthur Miller und Marilyn Monroe nicht den tragischen Hang des modernen Menschen zur Perfektion? Solcherlei Gedanken spürt dieses Buch nach. In 15 historischen Begegnungen entfalten sich Geschichten, die davon erzählen, wie zwei Menschen bewusst oder unbewusst gemeinsam rätseln und nach Antworten tasten. Manche dieser Geschichten wurden bereits häufiger, allerdings aus anderen Perspektiven beschrieben, manche hingegen – wie die Beziehung von Keynes zu Wittgenstein – kaum. Sie alle werfen durch den Blickwinkel, den sie einnehmen, neue Schlaglichter auf besondere Menschen und führen auf spannende Gedankenwege. Daher reist dieses Buch nicht nur durch die Weltgeschichte, sondern zeigt auch, wie sehr sich die Welt und damit auch die Menschen verändern und wie dennoch die Fragen zu den Rätseln des Lebens die gleichen bleiben.

Selbstverständlich kann auch dieses Buch nicht mit endgültigen Antworten auf die vorgestellten Fragen dienen. Und vielleicht wird es sie niemals geben. Doch für alle Fragen gilt: Was sich über die Jahrhunderte immer wieder in die Herzen und Köpfe der Menschen drängt und uns in Aufregung und Spannung versetzt, hilft uns auch, das große wundervolle Durcheinander des Lebens zu begreifen, zu meistern und zu genießen.

 

 

1 PLATON UND ARISTOTELES: Ist die Welt nur der Abklatsch einer Idee?

 

»Aristoteles hat gegen mich ausgeschlagen, wie es junge Fohlen gegen ihre Mutter tun.« Platon

»Jeder erträgt diejenigen Kränkungen am schwersten, die den Gegenstand seiner Hauptleidenschaft treffen.« Aristoteles

 

Vom nahen Meer weht ein sanfter Wind durch die Bäume. Zweige biegen sich sacht, dünne Blätter rascheln leise. Im Hain am Rande Athens neigt sich der Tag. Auch ohne das Licht der Sonne wird die Nacht nicht allzu dunkel werden. Millionen Sterne funkeln am klaren Himmel. Niemand, der noch unterwegs ist, braucht eine Öllampe oder eine Fackel, um zu erkennen, wohin ihn sein nächster Schritt führt.

Zwei Männer, der eine ist alt, der andere jung, schlendern nebeneinanderher und sind in ein lebhaftes Gespräch vertieft. Der Ältere – Platon – könnte der Großvater des Jüngeren sein. Breit gebaut ist er. Er trägt ein einfaches Gewand und spricht mit dunkler, sanfter Stimme. Der Jüngere ist Aristoteles. Er hat seine schmale Statur in teuren Stoff gehüllt, und die Ringe an seinen Fingern glitzern im Abendlicht, während er gestikulierend auf seinen Begleiter einredet. Plötzlich fällt eine Olive zu Boden. Die beiden Männer halten inne, neigen ihre Köpfe, gehen ein paar Schritte nach hier und nach dort und suchen den Boden ab. Es ist eine der ersten Oliven dieses Jahres, deshalb sind sie zuversichtlich, gerade diese zu finden. Schließlich entdeckt Platon die Frucht und deutet drauf. Aristoteles hebt sie auf.

Die beiden Männer betrachten die Olive aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln. Platon fragt sich, was hinter allem Dasein steckt. Er sucht nach dem Verhältnis der Idee von einer Olive zu einer tatsächlichen Olive. Aristoteles aber treibt um, was eine Olive ausmacht und welchen Platz in der Natur sie hat. Während also Platon dem nachspürt, was hinter allen Dingen steckt, wirft Aristoteles seinen Blick auf das Wesen des Einzelnen, so wie er es erblickt und erfährt.

Was tatsächlich alles vor etwa 2400 Jahren zwischen Platon und seinem Schüler Aristoteles in der langen gemeinsamen Zeit in dem legendären Olivenhain am Rand des antiken Athens vor sich ging, wie kontrovers und leidenschaftlich ihre Gespräche verliefen, das wird man immer eher vermuten als wissen. Die biografische Quellenlage zu beiden ist trotz der umfangreichen Literatur enttäuschend dünn. Von den Büsten, die ihr Antlitz zeigen sollen, weiß der Betrachter nicht, die wievielte Kopie ihres wahren Gesichts sie zeigen. Auch die Werke der beiden Männer liegen weder komplett vor, noch ist man sich über die Abfolge ihres Entstehens einig. Was man über sie weiß, wurde oft Generationen nach ihrem Tod geschrieben und stützt sich nicht selten auf Mutmaßungen und manches wurde womöglich zudem blumig ausgeschmückt.

Platon kann man sich nach allem Überlieferten als einen aristokratischen Mann vorstellen, der ruhig und bescheiden auftritt. Er spricht leise, wie ein Biograf berichtet. Sein etwa 44 Jahre nach ihm geborener Schüler Aristoteles übernimmt, als hätte ein griechischer Dramatiker sich dies passend, aber wenig überraschend ausgedacht, die Rolle seines Gegenparts. Er blickt, wie es heißt, mit kleinen wachen Augen in die Welt. Um seinen Mund zieht sich ein spöttischer Zug, und wenn er spricht, lispelt er. Aristoteles ist zierlich und geht ein wenig gebeugt. Er trägt auffällig viel Schmuck und achtet überhaupt sehr auf seine Kleidung und ein gepflegtes Äußeres. Von seinen Mitschülern sondert er sich meist ab. Am liebsten zieht er sich zurück und liest.

Nach dieser Beschreibung ist es leicht, in Aristoteles einen zwar gescheiten, aber eitlen Kerl zu vermuten, der auf Fehler und Ungereimtheiten in der Rede seines Lehrers lauert und unablässig nach neuen Wahrheiten sucht: Hauptsache, es sind nicht die Platons. Tatsächlich ist dessen Seufzen überliefert, Aristoteles habe gegen ihn »ausgeschlagen, wie es junge Fohlen gegen ihre Mutter tun«. Weshalb er auch dazu riet, Aristoteles Zügel anzulegen.

Nicht nur ihr Alter, ihre Persönlichkeiten und ihre Rollen trennen Platon und Aristoteles. Auch die Herkunft. Platon stammt aus einer alten wohlhabenden und hoch angesehenen Athener Adelsfamilie. Viel von dem Respekt, der ihm entgegengebracht wird, verdankt er allein seiner Herkunft. Wie es in seiner Sippe üblich war, wollte Platon Politiker werden. Doch eines Tages, er war gerade 20 Jahre alt, sah er einen alten Mann umringt von jungen Männern. Der Mann hieß Sokrates, ein Steinmetz, der aber kaum in seinem Beruf arbeitete, sondern lieber jeden auf Athens Straßen in philosophische Gespräche verwickelte, über die Welt, über das Gute redete, über das, was der Mensch tun und lassen solle. Platon, der sich gerade mit Poesie beschäftigt hatte, wurde sofort in den Bann des verschroben auftretenden Mannes geschlagen, warf seine Gedichte weg und blieb viele Jahre sein Schüler. Platon erlebte in den nächsten Jahren mit, wie Sokrates die Philosophie in eine neue Richtung lenkte. Bisher hatte die »Liebe zur Weisheit« vor allem nach den Vorgängen der Natur gefragt. Sokrates jedoch stellte Fragen zum richtigen Handeln, zu den Sitten, dem Ethos und Werten und stieß die Menschen auf das Denken selbst. Er fragte nach dem Sinn des Lebens und nach den Grenzen der Erkenntnis.

Sokrates hatte noch Athens goldene Zeit erlebt. Er war Zeitzeuge einer Epoche, in der der Bildhauer Phidias auf der Akropolis den Parthenon schuf, in der der Dramatiker Aischylos die Kunst des Theaters in neue Höhen hob und der Staatsmann Perikles die Demokratie erweiterte. Sokrates wurde aber auch Zeuge, wie diese goldene Zeit endete: Athen verlor den Peloponnesischen Krieg gegen Sparta und kehrte erst nach einer Zeit des Terrors zur Demokratie zurück.

Die Atmosphäre in der Stadt aber blieb vergiftet und feindselig. Lange schon stießen sich einige Athener Bürger an Sokrates’ Art, alles zu hinterfragen. Sie klagten ihn an, und eine Bürgerversammlung verurteilte ihn zum Tode. Da Sokrates sich nicht gegen die Gesetze stellen wollte, ließ er alle Gelegenheiten zur Flucht verstreichen, trank den Schierlingsbecher und starb. Zuvor hatte er noch erklärt, mit seinem Tod sterbe die Wahrheit nicht.

Platon war vom Tod des Sokrates – in seinen Augen »der beste, verständigste und gerechteste seiner Zeitgenossen« – tief verstört. Er verließ Athen, bereiste den Mittelmeerraum und besuchte Philosophen und Herrscher. Viele Berichte über diese Reisen sind eher Legende als Wahrheit, etwa Platons zeitweise Gefangenschaft bei dem Tyrannen Dionysios, der ihn sogar auf einem Sklavenmarkt angeboten haben soll. Nach zwölf Jahren in der Fremde kehrte Platon im Jahr 387 v. Chr. nach Athen zurück. Er war mittlerweile um die 40 Jahre alt. Im Nordwesten seiner Heimatstadt unweit von seinem Haus kaufte er etwas Land, das an einen Hain grenzte, der den Athenern schon lange Zeit als Kultstätte diente. Anfangs hatte man hier der Stadtgöttin Athene gehuldigt. Seit einiger Zeit aber war der Hain dem mythischen Helden Akademos gewidmet. Zwischen den Bäumen standen einige Gebäude aus Stein, eher zweckmäßig als schmuck. Dort konnte man sich bei Sonne, Wind und Regen aufhalten, essen und Sport treiben.

Platon nutzte das erworbene Grundstück und sein Zuhause dazu, mit Gleichgesinnten über Philosophie und Wissenschaft zu reden. Rasch vertiefte sich der Austausch, und man begann, sich auf einige Formalien zu verständigen. So besprach man gemeinsam, welches Thema man als Nächstes erörtern wolle, und ging bald die Suche nach dem Wissen immer gezielter an. Unter den Teilnehmern bildeten sich Hierarchien, und wer sich auf einem bestimmten Gebiet besonders gut auskannte, wurde zum Lehrer der neu Hinzugekommenen. Alle aber verstanden sich als Gemeinschaft, niemand wurde aufgrund seiner Herkunft bevorzugt. Auch Frauen nahm man auf. An der Spitze stand Platon. Nicht nur, weil er mit seinem Geld die Schule ermöglichte, sondern weil er in Wissen und Autorität alle anderen überstrahlte. Nach und nach erwarb sich diese Schule im Hain des Akademos großes Ansehen weit über Athen hinaus. Ihr gewaltiger und nachhaltiger Einfluss auf die Geschichte des Geistes lässt sich mehr als zwei Jahrtausende später in dem Wort Akademie noch erahnen.

Platon selbst, als der große Ideengeber seiner Schule, schuf im Laufe seines Lebens ein kühnes, komplexes und atemberaubendes philosophisches Gedankengebäude. Darin gab er den ethischen Überlegungen seines Lehrers Sokrates ebenso ein Zuhause, wie er auch die alten Gedanken der Vorsokratiker bewahrte. Das alles ergänzte er mit seiner Ideenwelt. Viele seiner Schüler sahen dieses Gedankensystem schon als etwas, das nahe an die Idee einer vollkommenen Philosophie heranreicht. Ähnlich urteilten sogar noch Philosophen zweieinhalb Jahrtausende später, so zu Beginn des 20. Jahrhunderts der britische Denker Alfred North Whitehead, der die gesamte abendländische Philosophie »eine Reihe von Fußnoten zu Platon« nannte. Doch Philosophie zu betreiben bedeutet, nie ein Ende zu finden, vor allem aber niemals eine umfassende und endgültige Einigkeit erreichen zu können. Denn der Geist jedes Menschen ist begrenzt und kein Mensch sieht die Welt exakt so wie ein anderer. So ist auch kein Gedankengebäude vollkommen. Daher entstehen auch zu Platons Gedanken Gegenentwürfe, Ergänzungen und Weiterführungen. Dass dies in der Person seines Schülers Aristoteles so rasch, so umfangreich, so tiefsinnig und so radikal geschieht, ist ein besonderer Fall der Geistesgeschichte.

»Er wurde geboren, arbeitete und starb. Wenden wir uns also seinem Denken zu.« Mit diesen dürren Worten handelte Martin Heidegger zu Beginn einer Vorlesung das Leben des Aristoteles ab. Während der Grund für Heideggers fast rüde Knappheit sein ohnehin geringes Interesse an der Biografie eines Denkers war, trifft seine Aussage dennoch den Kern der Dinge: Außer einigen Lebensdaten weiß man reichlich wenig über Aristoteles. Wie Platon stammt auch er aus einer wohlhabenden Familie. Doch danach schwinden auch schon die Gemeinsamkeiten mit seinem Lehrer. Aristoteles ist weder Aristokrat noch genießt er in Athen als Zugezogener – als sogenannter Metöke – die vollen Bürgerrechte. Er stammt aus der Stadt Stageira im Osten der Halbinsel Chalkidiki, ist aber kein Niemand: Sein Vater war Leibarzt des Königs Amyntas III. von Makedonien.

Der junge Aristoteles wollte nach Athen. Für jeden wissensdurstigen und ehrgeizigen Griechen war das der Nabel der Welt. Der Vater unterstützte ihn in seinem Wunsch und gab großzügig das Geld für Reise, Ausbildung und Auskommen. Was Aristoteles in Athen anfangen sollte, dazu befragte man das Orakel von Delphi. Das riet zum Studium der Philosophie. So trat der 17-Jährige in die mittlerweile berühmte Schule im Hain des Akademos ein, an der Platon seit schon 20 Jahren lehrte. Das Band zwischen den beiden Männern muss eng gewesen sein, trotz aller späteren Debatten und Verletzungen. Allein schon die 20 Jahre, die Aristoteles in Platons Akademie blieb, zuletzt als einer ihrer wichtigsten Lehrer, spricht Bände. Wann der Zwist ausbrach, ist schwer herauszufinden. Fest steht, Aristoteles hat Platon zumindest gegen Ende von dessen Leben mehrfach widersprochen, und als dieser um 347 v. Chr. 80-jährig stirbt, tritt nicht Aristoteles die Nachfolge als Leiter der Schule an, sondern Platons Neffe Speusippos. Platon soll es so bestimmt haben. Speusippos ist zwar kein Dummkopf, kann aber Aristoteles an geistiger Brillanz nicht das Wasser reichen. Ein Beweggrund Platons mag gewesen sein, dass er, der immer das Erbe seines eigenen Lehrers Sokrates gepflegt hat, auch sein Werk gewahrt wissen will und ebendies von Aristoteles nicht erwartet. Wenn es so ist, hat er recht und irrt zugleich.

Sokrates, Platon und Aristoteles waren Leuchttürme der antiken griechischen Kultur. Die hat, gerade weil sie Leidenschaften, Ängste und Fragen aufgriff, die zeitlos zu gelten scheinen, an Einfluss kaum verloren. In den griechischen Sagen, Tragödien, Komödien, sogar in den Wettkämpfen ringen die Menschen mit den gleichen Nöten und Hoffnungen wie der Mensch der Moderne. Nahezu jede Dramaturgie, jeder menschliche Typus, jede Handlung, Kulisse, Ausstattung oder Bühne findet sich schon in dieser Welt. Auch Konflikte wie These und Antithese, Pol und Gegenpol sind antike griechische Gedanken. Sie sind zeitlos, weil jeder Überlegung, die ein »So ist es« umweht, irgendwann ein Gegengedanke entgegentritt. Auch Platon und seiner Lehre ergeht es so, und das prompt in Gestalt seines besten Schülers Aristoteles. Der sucht sich für seinen Gegenangriff ausgerechnet einen zentralen Punkt der Theorie seines Lehrers aus: die Ideenlehre.

Bekenntnisse

Mit einem Vorwort von Barack Obama

»Ein Archiv zu haben heißt ein Schatzhaus haben«, sagt Nelson Mandela. Erstmals macht der Vater der Regenbogen-Nation nun sein privates Archiv zugänglich: »Bekenntnisse« enthält die persönlichen Notizen, Tagebuchaufzeichnungen und Briefe aus über fünf Jahrzehnten seines Lebens. Darunter befinden sich nie veröffentlichte Dokumente wie die bewegenden Briefe an seine Frau Winnie aus der Zeit der Gefangenschaft auf Robben Island; die Korrespondenz mit den engsten Freunden; das Tagebuch, aus dem er nach dem Tod seines Sohnes Thembi die Kraft zum Weiterleben schöpfte; die Notizen und Betrachtungen, die er als erster schwarzer Präsident Südafrikas niederschrieb. Die privaten Schriften Mandelas erscheinen zeitgleich in 28 Ländern.
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