Gela Allmann im Interview über ihren Sturz in die Tiefe
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Gela Allmann

Sturz in die Tiefe - One Step

Donnerstag, 05. Oktober 2017 von Gela Allmann


»Ich will mein Leben zurück!«

Eben noch steht Gela Allmann für ein Fotoshooting auf einem Berg in Island – kurz darauf ist sie von ihrem Leben als Sportlerin und Model weiter entfernt als je zuvor. Nach einem quälend langen Sturz 800 Meter über Felsen und Eis gleicht ihr Körper einem Trümmerhaufen.

Doch sie hat überlebt und begibt sich mit überwältigendem Kampfeswillen auf einen zähen, schmerzhaften Weg: von der völligen Bewegungslosigkeit im Krankenbett, kleinen Etappenzielen während der Reha bis zum ersten Berggipfel nach dem Unfall. Im Interview berichtet sie, wie ihr nach dem Schicksalsschlag ein Neuanfang gelingt.


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Sturz in die TiefeSturz in die Tiefe

Wie ich 800 Meter fiel und mich zurück ins Leben kämpfte

Eben noch steht Gela Allmann für ein Fotoshooting auf einem Berg in Island – kurz darauf scheint ihr Leben als Sportlerin und Model zu Ende zu sein. Nach einem quälend langen Sturz 800 Meter über Felsen und Eis gleicht ihr Körper einem Trümmerhaufen. Doch sie hat überlebt und begibt sich mit überwältigendem Kampfeswillen auf einen zähen, schmerzhaften Weg: von der völligen Bewegungslosigkeit im Krankenbett, kleinen Etappenzielen während der Reha bis zum ersten Berggipfel nach dem Unfall. Ergreifend berichtet sie, wie ihr nach dem Schicksalsschlag ein Neuanfang gelingt.
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Gebrochene Flügel

Schmetterlinge haben etwas Wunderbares an sich. Sie wirken unendlich frei, anmutig und zufrieden, wie sie so durch die Lüfte schweben. Mein Freund hat mich immer mit einem Schmetterling verglichen, auch jetzt behauptet er noch, dass ich ein Schmetterling sei. Nur eben einer mit gebrochenen Flügeln. Wichtig sei vor allem, dass die Flügel noch dran sind, dann könne ich eines Tages auch wieder fliegen. Es braucht nur Zeit. Irgendwann werde ich noch leichter und glücklicher als alle anderen durch die Lüfte flattern, weil ich zu schätzen weiß, wie schön das Fliegen ist!

Meine Freunde schreiben mir aus Deutschland, dass ich eine Kämpferin sei. Alle glauben an mich, und das ist meine Motivation! Meine Krankenschwester hier in Island nennt mich sogar Superwoman, weil meine Muskeln trotz der langen Sauerstoffunterversorgung die Venentransplantation überlebt haben und ich selbst im Krankenbett, sagt sie, noch eine immense Kraft ausstrahle. Meine Eltern und Verwandten sind in Gedanken bei mir. Sie sind einfach nur unfassbar dankbar, dass es mich noch gibt.

Unterm Strich weiß ich, dass ich die Herausforderung meines Lebens vor mir habe und es unsagbar hart werden wird. Aber es geht im Leben nicht darum, dass man möglichst nie auf die Schnauze fällt. Es geht darum, immer wieder mit erhobenem Haupt aufzustehen. Und ich bin dazu bereit.

Die Uhr tickt leise, aber unaufhörlich vor sich hin und gibt mir ihren Rhythmus vor. Ich bin ans Bett gefesselt und muss warten, dass mein Körper sich erholt. Ich atme tief ein, schließe die Augen. Meine Lunge füllt sich mit Luft. Ich lebe! Ich atme aus und öffne meine Augen. Zwar sauge ich nicht die klare und energiegeladene Luft ein, die es für mich nur auf einem Berggipfel gibt, aber in Gedanken sehe ich mich wieder dort oben stehen. Ich spüre, wie mit jedem Atemzug das Leben durch meinen Körper fließt und mir Kraft gibt für meinen langen Weg.

Ich schaue nach rechts zu meinem Freund Marcel. Er erwidert meinen Blick mit einem Lächeln. Ich weiß, dass er mich unterstützen wird, dass ich zu hundert Prozent auf ihn zählen kann. Auf ihn, auf meine Familie, auf meine Freunde. Aus diesem Wissen ziehe ich meine ganze Kraft. Ich bin nicht allein. Ich werde kämpfen, für jeden Einzelnen von ihnen und für mich selbst – so lange, bis ich wieder die Alte bin.

Verdammt noch mal! Ich bin so weit weg von meinem Leben, dabei war ich eben noch so nah dran wie nie zuvor.

 

 

Der Sturz

Die Sonne strahlt auf uns herab. Alles, was man sehen kann, ist das Blau des Himmels und das Glitzern des weißen Schnees. Ich sauge gierig die frische Luft ein, während sich unsere kleine Dreiergruppe dem Berggipfel nähert. Die Skifelle gleiten auf dem harten Schnee rhythmisch dahin, nur noch wenige Meter trennen uns vom höchsten Punkt und vom Ausblick über die prächtige Fjordlandschaft. Wir sind auf Island, weit im Norden dieser außergewöhnlichen Insel.

Ich ziehe das Tempo weiter an, beflügelt wie ein kleines Kind, das neugierig die Welt entdecken will. Es ist ein perfekter Tag im April 2014. Die meisten Skitourenfotos, die wir heute schießen wollen, haben wir eigentlich schon im Kasten. Der Redakteur, der Fotograf und ich bilden ein eingespieltes Team, und die Landschaft ist atemberaubend. Ich empfinde es als unglaubliches Privileg, hier als Sportmodel arbeiten zu dürfen.

Nach einem letzten Schritt stoße ich mich mit den Stöcken auf das Gipfelplateau. Als wir am Morgen losmarschiert sind, lag das gesamte Tal noch in einer Nebelsuppe. Dann hat sich der Dunst langsam zurückgezogen, mittlerweile ist die Luft klar und der Fernblick überwältigend.

Der Fjord schlängelt sich durch die verschneiten Bergkuppen, und die Sonne lässt das Wasser funkeln. Der Himmel spiegelt sich im tiefen Blau des Fjords. Überall sieht man schneebedeckte Hänge, die zu Tourenabenteuern und fantastischen Abfahrten einladen. Für einen skibegeisterten Menschen wie mich eine paradiesische Aussicht.

 

Da wir alle das beste Ergebnis abliefern wollen, entscheiden wir uns nach einer entspannten Brotzeit am Gipfel, noch ein Stück weit nach Norden zu laufen, um die letzten Fotos zu schießen, mit den Skiern auf dem Rücken. Dabei entfernen wir uns etwa dreihundert Meter von unserer Aufstiegsroute und machen ein paar Aufnahmen am Grat, der bereits zur Mittagszeit in der Sonne liegt. Im Hintergrund glitzern die Wellen des Atlantiks.

Die Skier sind sicher auf den Rucksack geschnallt. Meine zwei Stöcke in der Hand, setze ich einen Fuß vorsichtig mit der Schuhspitze weiter rechts in den Steilhang. Bevor ich den zweiten sicher platzieren kann, rutsche ich weg. Der Hang ist hier viel vereister, als er es beim Aufstieg auf der Südseite gewesen ist, und das habe ich nicht bedacht. Mein Schuh findet in dem betonharten Schnee überhaupt keinen Grip. Ungebremst schlittere ich den etwa vierzig Grad steilen Hang hinunter. Zunächst denke ich mir nicht viel dabei. Ich bewahre die Ruhe und versuche in Bauchlage zu bleiben, die Füße voraus. Es wird sicherlich bald eine flachere Stelle kommen oder ein Fels, an dem ich mich mit den Beinen stoppen kann.

Ein Eispickel wäre in dieser Situation ideal, aber nun gut, so ein Sturz ist natürlich kein Wunschkonzert. Bevor ich richtig begreife, wie mir geschieht, nehme ich immer mehr Fahrt auf. Es fällt mir zunehmend schwer, meine Gedanken zu sortieren. Dann kommt der ersehnte Felsen, aber ich habe nicht den Hauch einer Chance, mich daran zu halten. Im Gegenteil, mein Körper verliert das Gleichgewicht, ich beginne mich zu überschlagen und spüre, wie mein rechtes Knie beim Aufprall bricht. Der Unterschenkel fliegt meinem Gesicht entgegen, als wäre er nicht mehr fest mit meinem Körper verbunden. Panik überfällt mich, während ich weiter über Schnee, Eis und Fels bergab schieße. Für einen kurzen Moment kann ich mich noch einmal in Position bringen, aber schon bei der nächsten Eis- oder Felskante überschlage ich mich erneut und verliere vollends die Kontrolle über meinen Körper. Wieder rast mir das rechte Knie entgegen und prallt mit voller Wucht gegen meine linke Schulter. Ich registriere, dass auch diese nun gebrochen ist. Mein linker Arm ist unnatürlich verdreht und schleudert mir mehrmals ins Gesicht. Dann liege ich auf dem Rücken und sause mit dem Kopf voraus bergab. Mit weit aufgerissenen Augen sehe ich die Felsen auf mich zurasen. Blitzartig durchfährt mich der Gedanke, dass ich ja gar keinen Helm trage, aber bei normalen Skitouren ist das auch nicht üblich. Gleichzeitig spüre ich, wie mein Hintern und meine Hüfte von der Reibung brennen – die Hose ist mir fast bis in die Kniekehlen hinuntergerutscht. Der Schnee und das Eis reißen meine Haut auf. Ich werde schneller und schneller.


Wie kam es zu Ihrem schrecklichen Unfall?

Ich war als Model für ein Skitouren-Fotoshooting auf Island unterwegs. Es war ein wundervoller Tag, an dem wir bei strahlendem Sonnenschein Bilder auf einem Berg machten, umgeben von der wunderschönen Fjordlandschaft. Wir entschlossen uns, auf einem nordseitig ausgerichteten Hang noch ein paar Aufstiegsbilder mit den Skiern auf dem Rücken zu schießen, als ich bei einem falschen Schritt wegrutschte und 800 Höhenmeter über Eis, Schnee und Felsen nach unten stürzte.
 

Welche Verletzungen haben Sie davongetragen?

Die größte Baustelle stellte sicher mein rechtes Bein dar. Bei einem Aufprall gegen einen Felsen schlug mir der Fuß ins Gesicht. Das Resultat: ein Trümmerbruch im Schienbeinkopf, alle Bänder rund um das Knie ab, etliche Meniskuseinrisse, ein hochgradiger Knorpelschaden, dazu ein abgerissener Bewegungsnerv und eine durchtrennte Hauptversorgungsarterie sowie einige Muskelabrisse. Im linken Bein rissen beim Absturz »nur« zwei Bänder im Knie, und der Meniskus wurde ebenfalls beschädigt. Dazu kamen ein Trümmerbruch der linken Schulter, ein Nasenbeinbruch sowie Prellungen und großflächige Hautabschürfungen am ganzen Körper.
 

Wie veränderte der Unfall Ihre Psyche?

Ich hatte zunächst mit Sicherheit ein schlimmes Trauma, da ich den kompletten Unfall und auch die lange Zeit bis zur Notoperation im Krankenhaus von Reykjavík bei vollem Bewusstsein miterleben musste. Durch psychologische Betreuung während der ersten Monate nach dem Unfall habe ich es jedoch geschafft, die Bilder in meinem Kopf unter Kontrolle zu bringen. Auch das Schreiben meines Buches hat mir maßgeblich bei der Verarbeitung geholfen. Stehe ich heute in einem steilen, vereisten Hang, kann es aber durchaus passieren, dass ich panisch werde und sich die sonst so gut verschlossene Tür zu den Momenten voller Todesangst wieder öffnet. Dann bin ich buchstäblich von jetzt auf gleich wie von Angst gelähmt und stehe zitternd im Hang.

Was ist nach dem Unfall für Sie das Schlimmste gewesen?

Für mich war es anfangs nicht leicht zu akzeptieren, dass meine körperliche Unversehrtheit von nun an der Vergangenheit angehören und ich lange Zeit auf Hilfe angewiesen sein würde. Meine Machtlosigkeit und Bewegungsunfähigkeit zu akzeptieren und die Hilfe anderer anzunehmen war eine sehr große Lehre für mich.
 

Wie haben Sie sich während der Operationen und Rehas motiviert weiterzukämpfen, auch wenn es mal nicht so gut lief?

Für mich als Sportlerin war es nie eine Option, dass mein Zustand so bleiben wird. Es fällt mir nicht schwer, mich immer wieder zu pushen. Natürlich sind Rückschläge vor allem dann sehr hart, wenn man eh schon geschwächt ist und wenn man diese noch nicht mal selbst in der Hand hat. Da sind auch bei mir viele Tränen geflossen, aber davon darf man sich nicht entmutigen lassen. Ich wusste immer, dass meine Freunde und Familie bedingungslos hinter mir stehen. Auch für sie wollte ich immer stark sein und weiterkämpfen. Ich bin glücklich, dass ich zudem eine Leidenschaft wie den Bergsport habe, der mich immer wieder antreibt und motiviert.
 

Wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Immer noch gehe ich dreimal pro Woche zum Reha-Training und zweimal pro Woche zur Physiotherapie. Die Behandlungen und die Stabilitäts- und Rumpfübungen sind für mich essenziell, um den Auswirkungen meiner Fehlbelastungen durch mein aktuelles Gangbild auf meinen kompletten Bewegungsapparat bestmöglich entgegenzuwirken. Auch gilt es immer noch, mein rechtes Bein muskulär aufzubauen und durch spezielle Geräte das Wachstum des beschädigten Nervs zu stimulieren.

Natürlich stehen auch regelmäßige Besuche beim Orthopäden, Neurologen und Neurochirurgen auf der Tagesordnung. In meiner freien Zeit trainiere ich außerdem meine Ausdauer und Beinmuskulatur beim Bergaufgehen, Skitouren, Langlaufen oder Biken draußen in der Natur. Hier kann ich vor allem für meine Psyche Kraft tanken, die darf man nämlich auf keinen Fall vergessen. Darüber hinaus freue ich mich, dass ich mittlerweile sogar wieder für Shootings, Moderationen und Motivationsvorträge engagiert werde.
 

Warum und für wen haben Sie das Buch geschrieben?

Das Buch war meine ganz persönliche Form der Traumabewältigung. Sobald ich meine rechte Hand wieder halbwegs bewegen konnte, habe ich meine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle tagtäglich aufgeschrieben. Dass daraus tatsächlich mal ein Buch werden könnte, habe ich zunächst nicht gedacht. Das hat sich eher von allein ergeben, nachdem ich gemerkt habe, dass meine Geschichte andere Menschen interessiert.

Mir hat die Vorstellung gefallen, damit nicht nur mir, sondern auch anderen zu helfen, die selbst gerade eine harte Zeit durchmachen und etwas positiven Spirit gut gebrauchen können. Die Botschaft meines Buches lautet deshalb: Es lohnt sich immer, für seine Träume und Ziele zu kämpfen. Ich bin mir sicher, dass man sein Schicksal immer ein Stück weit selbst in der Hand hat und mit einer positiven Einstellung und dem Glauben an sich selbst enorm viel erreichen kann!


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