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Geister der Vergangenheit (Die unglaublichen Fälle der Zoe Faust 2) Geister der Vergangenheit (Die unglaublichen Fälle der Zoe Faust 2) - eBook-Ausgabe

Gigi Pandian
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Roman

— Cosy Fantasy trifft auf Murder Mystery

„Diese Serie bietet so viel Abwechslung, (…) dass man sie einfach lieben muss!“ - StadtRadio Göttingen „Book's n' Rock's“

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Geister der Vergangenheit (Die unglaublichen Fälle der Zoe Faust 2) — Inhalt

Alchemistin Zoe Faust gönnt sich eine romantische Verabredung mit dem gut aussehenden Detective Max bei einer klassischen Zaubershow. Doch Bühnenzauberer sind offensichtlich nicht immer so harmlos, wie man denkt. Ein Mord im Veranstaltungsgebäude führt Zoe zu einer Reihe ungelöster Verbrechen − und zu einem Mysterium, das viel persönlicher ist, als Zoe ahnen konnte. Können sie und Max die Rätsel aus der Vergangenheit lösen und rechtzeitig ein uraltes Alchemiebuch entschlüsseln, um zu verhindern, dass ihr bester Freund, der Gargoyle Dorian, für immer versteinert bleibt?

*** Mit zauberhaften Rezeptideen in jedem Buch! ***

Die unglaublichen Fälle der Zoe Faust:
Band 1: Alchemistin wieder Willen
Band 2: Geister der Vergangenheit

€ 18,00 [D], € 18,50 [A]
Erschienen am 02.11.2023
Übersetzt von: Michaela Link
384 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-70772-5
Download Cover
€ 14,99 [D], € 14,99 [A]
Erschienen am 02.11.2023
Übersetzt von: Michaela Link
384 Seiten
EAN 978-3-492-60492-5
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Leseprobe zu „Geister der Vergangenheit (Die unglaublichen Fälle der Zoe Faust 2)“

1


Persephones und Prometheus’ Phantasmagoria:
Eine klassische Zaubershow in der modernen Welt.

 

Das riesige Plakat war im Stil der Anschläge für Bühnenmagie im viktorianischen Zeitalter gehalten. Zwei Gestalten standen einander zugewandt am linken und rechten Rand einer Bühne, die größere in Frack und Zylinder, die kleinere, koboldhafte in einem roten Teufelskostüm. Die größere Gestalt im Frack deutete mit einem Zauberstab nach oben auf eine ätherische, schwebende Figur. Der teuflische Mann hielt einen Feuerball in der Hand.

Lächelnd ging ich Hand in Hand [...]

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1


Persephones und Prometheus’ Phantasmagoria:
Eine klassische Zaubershow in der modernen Welt.

 

Das riesige Plakat war im Stil der Anschläge für Bühnenmagie im viktorianischen Zeitalter gehalten. Zwei Gestalten standen einander zugewandt am linken und rechten Rand einer Bühne, die größere in Frack und Zylinder, die kleinere, koboldhafte in einem roten Teufelskostüm. Die größere Gestalt im Frack deutete mit einem Zauberstab nach oben auf eine ätherische, schwebende Figur. Der teuflische Mann hielt einen Feuerball in der Hand.

Lächelnd ging ich Hand in Hand mit Max durchs Foyer des Theaters. Seit der viktorianischen Ära hatte sich manches verändert. Der Magier im Frack auf dem Plakat war eine Frau. Prometheus und Persephone waren ein Ehepaar und traten als Zauberkünstlerpaar gleichberechtigt auf.

Ihr Stil erinnerte mich stark an ein Plakat des Königs der Karten, Howard Thurston, und an den großen Charles Carter. Beide hatten mit ihrer Werbung und bei ihren Aufführungen mit Bildern von Geistern und Teufeln den Eindruck erwecken wollen, dass sie Magier waren und imstande, die Geisterwelt zu beherrschen. Das Ambiente fühlte sich beinahe an wie im nagelneuen Palais-Royal, einem Theater in Paris, auf dessen Bühne Jean Eugène Robert-Houdin 1845 seine genialen mechanischen Erfindungen und meisterhaften Taschenspielertricks gezeigt hatte. Wir befanden uns hier zwar in einem kleinen Theater in der Nähe des Mount Tabor in Portland, über hundertfünfzig Jahre später. Aber beim Anblick dieses Plakats fühlte ich mich in der Zeit zurückversetzt.

Und ich musste es schließlich wissen, denn ich hatte vor über einem Jahrhundert Robert-Houdins Aufführung besucht.

Nur dem äußeren Schein nach war ich eine junge Frau von Ende zwanzig mit trendig weiß gefärbtem Haar, und meinen Namen – Zoe Faust – habe ich auch nicht, wie ich andere gern glauben lasse, zu Ehren meiner Großmutter erhalten. In Wahrheit war ich, lange bevor ich vor drei Monaten ein heruntergekommenes Haus in Portland in Oregon gekauft hatte, in Salem in Massachusetts auf die Welt gekommen. Im Jahr 1676. Ein Schauder überlief mich, als mich eine Erinnerung an einen anderen Ort und eine andere Zeit überfiel. Lässig gekleidete Bewohner Oregons mit Handys in den Taschen verwandelten sich in förmlich gewandete Mitglieder der besseren Gesellschaft, die sich ein Leben lang an diese Vorstellung erinnern würden.

Atme, Zoe.

Ich ermahnte mich selbst, dass es kein enges Korsett war, das meine Atmung behinderte, sondern meine eigene Nervosität. Ich hatte gedacht, dass die Premiere heute Abend die perfekte Gelegenheit wäre, ein wenig Zeit mit Max zu verbringen, nachdem er fort gewesen war. Aber konnte ich mir in seiner Gesellschaft trauen? Ich durfte ihm die Wahrheit über meine Vergangenheit nicht offenbaren, so gern ich das auch getan hätte. Vielleicht war das hier eine furchtbar schlechte Idee gewesen.

Max zog mich zu der Frau hinüber, die die Eintrittskarten kontrollierte. Hinter uns hatte sich eine Schlange gebildet. Ich warf einen letzten Blick auf das vom Boden bis zur Decke reichende Plakat im Foyer. Obwohl es dem Maler wunderbar gelungen war, das geisterhafte Gefühl der ersten Phantasmagoria-Aufführungen einzufangen, bis hin zu künstlich vergilbten Rändern, gab es eine Ergänzung aus dem 21. Jahrhundert: Quer über den unteren Rand gezogen war ein grellgelber Streifen mit einer Warnung an die Theaterbesucher, dass jeder Versuch, die Aufführung mit Handys oder anderen Geräten aufzunehmen, mit einem Verweis aus dem Theater geahndet würde.

Ich hatte keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, ob dieser Besuch heute Abend hier ein Fehler war. Denn kurz nachdem wir unsere Plätze gefunden hatten, erlosch das Licht. Die dramatische Ouvertüre von Carl Orffs Carmina Burana ertönte aus den Lautsprechern in der Decke. Die Musik ließ den Geist der Ära aufscheinen, die heraufbeschworen werden sollte, obwohl sie erst in den 1930er-Jahren komponiert worden war. Ein Funke flammte in der hinteren Ecke der dunklen Bühne auf. Zuerst war er kaum wahrnehmbar, aber einen Moment später loderten Flammen auf der Bühne.

Eine Welle des Raunens und der unterdrückten Ausrufe wogte durch die Reihen des Theaters. Max riss den Kopf herum, vermutlich auf der Suche nach dem Feueralarm.

„Entspann dich“, flüsterte ich.

„Auf keinen Fall ist dieses kleine Theater für ein derartiges Feuer sicher genug“, flüsterte er zurück. „Wir müssen …“

„Es ist nur eine Illusion.“ Ich legte ihm eine Hand auf den Arm. „Versprochen.“

Max’ Reaktion überraschte mich nicht. Ganz gleich, ob er als Detective im Dienst war oder nicht, er fühlte sich immer für andere verantwortlich. Jetzt lehnte er sich wieder in seinem Sitz zurück und warf mir ein verlegenes Lächeln zu, bevor er seine Aufmerksamkeit erneut auf die Bühne richtete.

Die Flammen loderten in einer fortlaufenden Reihe auf, wie fallende Dominosteine. Aus dem winzigen Funken, der in einer Ecke der Bühne aufgeglommen war, wurde jetzt ein ausgewachsenes Feuer, das der Linie eines Seils folgte. Das Seil war kurz zuvor auf dem Boden der Bühne aufgetaucht. Dann rasten die Flammen auf einmal bis zur Decke, als würden sie gejagt, und sprangen auf ein herabhängendes Spinnennetz aus Seilen über. Die Flammen folgten dem gewebten Netz und zeichneten das kunstvolle Muster nach wie tollwütige Mäuse in einem Labyrinth.

Ich atmete tief ein und überzeugte mich davon, dass dies tatsächlich nur eine Illusion war. Ich roch kein Feuer. Rauch und Spiegel. Oder genauer gesagt: Glas und Lichter.

Als sich die falschen Flammen der Mitte des Netzes näherten, das über dem hinteren Teil der Bühne aufgespannt war, schwoll die Musik an und fand ihren Höhepunkt in einem kräftigen Zimbelschlag, sobald das Feuer die Mitte erreichte.

„Meine Damen und Herren“, ertönte eine körperlose Frauenstimme von irgendwo abseits der Bühne. „Diese Vorführung des Feuers ist das Werk des Prometheus. Aber keine Angst. Ich weiß, wie ich mit ihm umgehen muss.“

Die illusorischen Flammen erloschen so abrupt, als hätte sich eine Flutwelle über die Bühne ergossen. Ein kleiner Mann in einem leuchtend roten Frack und mit stacheligem, rotem Haar, das züngelnden Flammen ähnelte, betrat die leere Bühne.

„Persephone“, sagte er mit kräftigerer Stimme, als sein schmaler Körperbau es hätte vermuten lassen. „Du bist eine Spielverderberin.“ Er wandte sich dem Publikum zu, dann legte er eine Hand seitlich an den Mund, als wolle er beiseitesprechen, ohne auf der Bühne gehört zu werden. „Achten Sie gar nicht auf sie. Aber seien Sie auch nicht zu hart mit ihr. Ich wäre auch mürrisch, wenn ich in der Unterwelt leben müsste.“

Er wandte sich der Dunkelheit abseits der Bühne zu, aus der die Frauenstimme gekommen war. Ich wusste, dass er wollte, dass wir dort hinschauten, also schaute ich woanders hin, um herauszubekommen, was uns als Nächstes erwartete. Ich legte den Kopf in den Nacken und sah zu den Scheinwerfern über der Bühne auf. Und erstarrte.

Es war definitiv ein Fehler gewesen, heute Abend hierher zu kommen.

Prometheus wandte dem Publikum den Rücken zu, aber meine eigenen Blicke flogen zurück zu dem Laufsteg über der Bühne, und ich umklammerte die Armlehnen. Ich konnte nicht glauben, was ich da sah. Nein, falsch. Ich glaubte es absolut. Ich wollte es nicht glauben.

Max beugte sich zu mir und flüsterte mir ins Ohr: „Was ist los? Hast du dich geirrt, und das ist doch keine Illusion?“

Ich schüttelte den Kopf. „Ist nur meine Fantasie“, wisperte ich. Ich zwang mich, den Blick von dem Steg loszureißen. Wegzuschauen von Dorian. Es konnte sehr heikel werden, wenn ich Aufmerksamkeit auf den Eindringling lenkte.

Mein Freund stand im Schatten hoch über der Bühne und beobachtete die Vorstellung von oben wie Quasimodo oder das Phantom der Oper. Ihm fehlten zwar nicht die Mittel, um sich eine Eintrittskarte leisten zu können. Aber Dorian Robert-Houdin durfte sich in der Öffentlichkeit nicht zeigen. Er war ein Gargoyle und einst aus Stein gehauen worden. Vor über hundertfünfzig Jahren war er zum Leben erweckt worden, und zwar von Jean Eugène Robert-Houdin, dem „Vater der modernen Magie“. Der Mann hatte den Gargoyle nicht nur mechanisch zum Leben erweckt, sondern weit umfassender, als irgendjemandem klar war.

Was denkt Dorian sich nur dabei? Was, wenn ihn jemand sieht?

Ich verspürte einen überwältigenden Drang, ihn zu beschützen. Sollte ich eingreifen? Was konnte ich tun? Er und ich waren beide Außenseiter und Sonderlinge und mussten damit klarkommen, dass wir durch Alchemie unsterblich waren. Ich hatte versehentlich das größte Geheimnis der Alchemie entdeckt, das Elixier des Lebens, damals, an der Wende zum 18. Jahrhundert. Die folgenden Jahre waren erfüllt gewesen von qualvollem Schmerz wegen des Verlustes der Menschen, die ich geliebt hatte, aber mich hatte auch nicht zu überbietendes Glück über die Zeit erfüllt, die ich mit ihnen hatte verbringen dürfen. Im letzten Vierteljahr waren Max und Dorian schnell sehr wichtig für mich geworden. Wie konnte ich mit Dorian umgehen, ohne Max auf die Existenz eines lebendigen Gargoyles aufmerksam zu machen?

Ich sah mich im Theater um. Das Klopfen meines Herzens klang in meinen Ohren genauso laut wie die Zimbeln, die gerade eben erklungen waren. Mein Herzklopfen ließ ein ganz klein wenig nach, als mir klar wurde, dass niemand sonst den gut einen Meter großen Gargoyle bemerkt hatte, der das Geschehen von oben verfolgte. Aller Augen waren auf die Bühne gerichtet. Gott sei Dank fesselte die unterhaltsame Darbietung die Aufmerksamkeit des Publikums. Jedenfalls bisher. Prometheus sprach noch immer und setzte das leichtgängige Geplapper fort, das ein erfolgreicher Bühnenmagier unbedingt beherrschen muss. Im Hintergrund erklangen weiter die Carmina Burana, und ihre dramatischen Gesänge nährten auf effektive Weise die Spannung, aber die Lautstärke wurde zurückgenommen, wenn der Magier sprach.

Ich riss den Blick von Dorian los, als eine Frau in schwarzem Frack auftauchte. Sie verschränkte die Arme vor der Brust, zog eine mit Theaterschminke nachgezogene Augenbraue hoch und sah Prometheus an.

Mit ihren schwarzen, hochhackigen Lackschuhen, die im Scheinwerferlicht glänzten, war sie größer als eins achtzig. Statt des typischen Trikots oder Abendkleides, das man bei den meisten Frauen in einer Zaubervorführung auf der Bühne erwartete, trug sie einen figurbetont geschnittenen Frack, dessen Schöße ihr bis zu den Knien reichten. Ihre glänzend braunen Locken trug sie zu den akkurat gelegten Wellen frisiert, die in den 1920er-Jahren so populär gewesen waren, und ihre leuchtend rot geschminkten Lippen stachen aus ihrem blassen Gesicht hervor. Einem attraktiven Gesicht nach den damaligen Maßstäben. Sie wirkte selbstbewusst und unerschütterlich, aber mit ihrem Zylinder in den Händen gleichzeitig wie die fleischgewordene Eleganz.

„Ich bin Persephone“, erklang ihre klare Stimme. „Vielleicht haben Sie von mir gehört. Ich bin die Königin der Unterwelt. Aber keine Sorge. Ich bin auch die Göttin des Frühlingserwachens. Wir griechischen Götter sind schwer einzuordnen. Ich weiß. Da diese Woche Frühlingsanfang ist, werden Sie heute Abend eine wohlwollende Persephone erleben. Es ist Prometheus, vor dem Sie sich in Acht nehmen müssen. Aber ich werde Sie vor seiner Neigung zur Brandstiftung beschützen.“

„Sie dramatisiert ganz schön, nicht wahr?“, bemerkte Prometheus, der jetzt ins Scheinwerferlicht trat. Wenn es je ein Duo voller Gegensätze gegeben hatte, dann waren es die beiden Gestalten auf der Bühne. Während Persephone groß und mächtig erschien, war Prometheus ein Winzling von einem Mann. Wenn auch nicht zerbrechlich. Selbst von meinem Platz in den hinteren Reihen konnte ich erkennen, dass er den geschmeidigen Körper eines Akrobaten hatte. Das war gut. Das Publikum sollte ihn im Auge behalten, statt den Blick schweifen zu lassen – und statt nach oben zu schauen.

„Ich warne dich, Prometheus“, sagte Persephone. „Keine Feuerspiele für diese guten Leute heute Abend. Sie sind hergekommen, um sich eine klassische Zaubershow anzusehen. Ich werde sie mit meiner Taschenspielerkunst beeindrucken.“

Prometheus schnippte mit den Fingern. Ein Knacken ertönte, das weitaus lauter war als das Schnippen, und eine Flamme schoss aus seinen Fingerspitzen. Gleichzeitig wogten lodernde Flammen durch den Stängel einer eingetopften Fenchelpflanze weiter hinten auf der Bühne. Die Flammen züngelten nach oben.

Es war nur eine Frage der Zeit, bevor die Zuschauer im Publikum hochblickten und Dorian sahen.

Wenn er entdeckt wurde, würde er dann so klug sein, sich vollkommen reglos zu halten und so zu tun, als sei er ein steinerner Gargoyle, der zum Scherz dort platziert worden war? Oder würde er versuchen wegzulaufen? Ich hoffte, dass es nicht Letzteres sein würde. Dorian war nicht mehr das flinke Geschöpf, das er einst gewesen war. Sein Körper versteinerte langsam wieder. Dieser Abend war für mich eine seltene Pause von meinen Nachforschungen und Experimenten zu den Geheimnissen aus Non Degenera Alchemia – Nicht unwahre Alchemie –, dem Buch, von dem Dorian hoffte, dass es ihm das Leben retten konnte. Er hatte sich als blinder Passagier in einer Kiste von Frankreich herschicken lassen, nur um mich aufzusuchen, aber drei Monate meiner alchemistischen Arbeit hatten nur magere Resultate geliefert. Nach so vielen Jahrzehnten, in denen ich mein Talent verleugnet hatte, verleugnete mein Talent jetzt mich.

Ich hatte eine schnelle Lösung entdeckt, einen Aschetee, der seinen Verfall vorübergehend umkehrte. Aber es war mir nicht gelungen, eine dauerhafte Lösung zu finden, und meinen Freund erwartete ein Schicksal, das viel schlimmer war als der Tod. Schon bald würde Dorian hellwach sein, aber gefangen in einem reglosen, steinernen Körper – und ich wusste nicht, ob dieser Zustand umkehrbar sein würde.

Ich warf einen weiteren verstohlenen Blick auf den Gargoyle. Er hockte nicht mehr reglos da. Ich stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als ich sah, wie er sich zentimeterweise langsam über den Steg zur Seitenbühne hin vorarbeitete. Zumindest versuchte er es. Eine seiner Krallen verklemmte sich in dem metallenen Gitterwerk. Es war der Fuß, der ihm Probleme bereitete. Er zog mit beiden Händen an seinem Bein. Meine Brust schnürte sich zusammen, als ich sah, was passierte.

Dorian ruderte mit seinen krallenbewehrten Händen und verlor das Gleichgewicht. Ich umklammerte die Armlehne und erwartete, ihn vor über hundert Zuschauern auf die Bühne fallen zu sehen.



2


Auf der Bühne flackerten und wuchsen Prometheus’ illusorische Flammen. Hoch oben ruderte Dorian wild mit den Armen. Ich hielt den Atem an und suchte nach einer schnellen Möglichkeit, die Zuschauer abzulenken und daran zu hindern, den gut einen Meter großen Gargoyle zu bemerken, der auf die Bühne zu stürzen drohte.

Bevor ich handeln konnte, bekam Dorian eine metallene Stange zu fassen und hielt sich fest. Er stand vollkommen reglos da. Wenn jemand aufschaute, würde der Betreffende vermuten, dass er einfach ein steinerner Gargoyle war. Eine Steinmetzarbeit, die dem „Denker-Gargoyle“ auf Notre-Dame in Paris ähnelte, mit hinter seinen breiten Schultern gefalteten Flügeln und kleinen Hörnern, die aus seinem Kopf ragten. Eine solche Statue war zwar eine seltsame Wahl als Dekoration für einen Beleuchtungssteg, aber alle wussten, dass Theaterleute ein exzentrisches Völkchen waren, nicht wahr?

Ich schluckte hörbar. Wie konnte er überhaupt so dumm sein, hierher zu kommen? Dorian wusste, wie wichtig es war, sich nicht sehen zu lassen. Es war schwierig genug, seine Existenz geheim zu halten, auch ohne dass er über dem Publikum einer ausverkauften Vorstellung auftauchte.

Aber ich verstand seinen Impuls auch. Der Gargoyle hatte Heimweh. Er konnte der Verlockung einer Zaubershow nicht widerstehen, deren Plakate eine klassische Vorstellung annoncierten, die eher an die Belle Époque von Paris erinnerte als an die Dotcom-Ära von Las Vegas.

Persephone zeigte mit einem rot lackierten Fingernagel auf Prometheus. Die Flammen im Fenchel erloschen. Wie ein Phönix, der sich aus den Flammen erhebt, wenn er sich erneuert hat, spross aus Prometheus’ Kopf ein metallener Baum und bohrte sich durch sein stacheliges Haar mit den dunkelroten Spitzen. Der Baum reckte sich empor, und grüne Blätter tauchten daran auf.

„Was machst du da?“, stotterte Prometheus und hielt sich den Kopf, als würden ihm die Baumwurzeln Schmerzen bereiten, während die Metalläste weiter wuchsen. „Feuer soll Tod und Zerstörung bringen, nicht Erneuerung.“

„Hängt nicht alles miteinander zusammen?“, versetzte Persephone. „Dein Feuer hat die Erde genährt, damit dieser Baum daraus wachsen konnte. Das ist dein eigenes Werk.“

Prometheus stöhnte, während der mechanische Baum langsam, aber methodisch weiterwuchs, bis er dreißig Zentimeter hoch war. Prometheus schüttelte den Kopf, woraufhin einige der falschen Blätter auf den Bühnenboden fielen. Anstelle der Blätter wuchs eine Orange. Persephone ging mit flatternden Rockschößen ihres schwarzen Fracks über die Bühne, dann pflückte sie die Orange von dem jetzt circa sechzig Zentimeter hohen Baum, der auf dem Kopf ihres Partners prangte. Diese Illusion war eine, die Jean Eugène Robert-Houdin kreiert hatte – wie auch Dorian begriffen haben musste. Deshalb waren wir bei der Premiere hier anwesend. Ich wollte eine klassische Zaubervorstellung sehen wie die, die mir aus einer fernen Vergangenheit in Erinnerung geblieben waren, aus einer glücklichen Zeit, die viel zu kurz gewesen war. Ich konnte Dorian keinen Vorwurf daraus machen, dass er das Gleiche wollte, vor allem da der Gargoyle dem großen Magier näherstand als irgendjemand sonst.

Die Plakate hatten nicht zu viel versprochen. Die Spannung hier war viel subtiler als bei den meisten modernen Shows, die ich gesehen hatte, und sie baute sich langsam auf und fesselte unsere Aufmerksamkeit mit Erstaunlichem, statt sie mit Glamour zu fordern.

Natürlich konnte ich meinem Date nicht erzählen, dass ich den Bühnenzauber tatsächlich in der Ausführung seines Erfinders gesehen hatte, und zwar vor weit über einem Jahrhundert.

Vielleicht war es doch eine schlechte Idee gewesen, heute Abend herzukommen. Vielleicht war alles eine schreckliche Idee gewesen.

Doch darüber konnte ich mir jetzt nicht den Kopf zerbrechen. Ich hatte zu große Angst, jemand würde Dorian sehen. Ich spürte den warmen Druck des schweren, goldenen Medaillons, das ich an einer Kette um den Hals trug. Ich durfte nicht zulassen, dass das passierte. Nicht noch einmal.

Es waren Augenblicke wie dieser, in denen ich mir töricht vorkam, weil ich gedacht hatte, ich könnte hier in Portland ein normales Leben führen. Aber ich hatte es so satt, wegzulaufen. Es schien zu gut, um wahr zu sein, dass ich hier eine Gemeinschaft gefunden hatte, zu der ich gehörte. Genau wie die Begegnung mit einem Mann, dessen Talent als Kräutergärtner mit meinem konkurrieren konnte und der obendrein gut aussah und faszinierend war. Max Liu war aus demselben Grund gefährlich, aus dem er nicht gefährlich war. Gleichzeitig reizvoll und sicher. Ein rationaler Detective, der von seiner Großmutter, einer Kräuterhändlerin in China, unterrichtet worden war. Er war Anfang vierzig und ledig nach dem Tod seiner Frau vor Jahren. Ihr Verlust hatte dazu geführt, dass er sein Leben in der Gegenwart lebte, statt in der Vergangenheit, und seine Erfahrungen trieben ihn dazu, jedwede Gespräche über die Vergangenheit zu meiden. Das war einer der Gründe, warum es leicht war, Zeit mit ihm zu verbringen. Er drängte mich nicht, mich zu öffnen und von einer Vergangenheit zu erzählen, die er niemals verstehen würde, was ich auch sagen mochte.

Aber ich wusste, dass das mit Max und mir langfristig niemals funktionieren würde, denn selbst wenn er mich als die akzeptierte, die ich war, würde er weiter auf natürliche Weise altern, ich dagegen niemals. Doch ich konnte mir vorstellen, mich behaglich zusammen mit ihm im Leben einzurichten, mit ihm und den vielen Freunden, die ich hier in kurzer Zeit gefunden hatte.

Persephone scherzte mit den Zuschauern, während sie die Orange schälte, die sie von dem wundersamen Orangenbaum gepflückt hatte. Dies war keine so kunstvolle Illusion wie Robert-Houdins Original, aber das Publikum war wie gebannt. Persephone warf die geschälte Orange in das Publikum. Ein junger Mann, den ich kannte, fing die Frucht auf.

„Sie ist echt!“, rief er und hielt die Orange hoch.

Brixton, ein Nachbarsjunge, besuchte die Vorstellung zusammen mit seinen Freunden, und sie saßen mehrere Reihen vor Max und mir. Dorian hatte uns beide neugierig auf das klassische Zauberstück gemacht, und Brixton hatte Ethan und Veronica, seine Freunde, dazu überredet, die Vorstellung mit ihm zu besuchen.

Der vierzehnjährige Brixton war der einzige Mensch in Portland, der von meinem und Dorians Geheimnis wusste. Es war nicht absichtlich passiert, und ich hatte mir zu Anfang schreckliche Sorgen deswegen gemacht, bis Ereignisse in diesem Winter Brixtons Loyalität zementierten. Zuerst hatte er versucht, Ethan und Veronica davon zu überzeugen, dass er tatsächlich einen lebenden Gargoyle gesehen hatte, aber das lag lange hinter uns. Hoffte ich jedenfalls.

„Darf ich fragen“, sagte Persephone, „ob heute Abend jemand hier ist, der gern versuchen würde, vor Prometheus’ Trickserei zu fliehen? Ich kann Sie in die Unterwelt schicken, wo Sie in Sicherheit sein werden.“ Sie ging auf der Bühne auf und ab, und das Rampenlicht folgte ihren bedächtigen Schritten. „So früh am Abend sind die Geister nur stark genug, um einen von Ihnen zu tragen. Ich werde mein Bestes tun, um den Rest von Ihnen zu beschützen. Ein Freiwilliger?“

„Brixton meldet sich freiwillig!“, rief Ethan und hob Brixtons Arm für ihn hoch. Brixton riss den Arm zurück und funkelte Ethan an.

„Vielen Dank, meine jungen Freunde“, warf Prometheus ein, „aber ich muss in diesen modernen Zeiten bedauerlicherweise auf einem Freiwilligen bestehen, der mindestens achtzehn ist.“ Der mechanische Orangenbaum war inzwischen von seinem Kopf verschwunden. Ich konnte ihn nirgends sehen. Wir hatten alle Persephone unsere ganze Aufmerksamkeit geschenkt.

„Wie wär’s mit jemandem, der eher den achtzig nahe ist?“ Ein Spot folgte der Stimme und ruhte schließlich auf zwei älteren Männern. Ein bulliger Typ mit weißem Haar und buschigen, schwarzen Brauen grinste und zeigte auf seinen Freund, einen schmächtigen Übriggebliebenen der Hippiezeit in einem weißen, kragenlosen Hemd und mit langem, ebenfalls weißem Haar, das er zu einem Pferdeschwanz gebunden trug.

Persephone holte den kleineren der beiden Männer auf die Bühne und fragte ihn nach seinem Namen.

„Wallace“, stellte er sich mit einer Gelassenheit vor, die mir auf der dramatischen Bühne deplatziert erschien. „Wallace Mason.“ Er trug das Baumwollhemd, das in indischem Stil gehalten war, über verwaschenen Jeans und Sandalen. Während die meisten Zuschauer sich herausgeputzt hatten, wirkte er wie jemand, für den der bestickte Halsausschnitt seines Hemdes fein genug für jede Gelegenheit war.

Persephone setzte das unbeschwerte Geplauder mit dem Publikum fort, und der Scheinwerfer blieb auf sie gerichtet, während Prometheus den Mann vorbereitete. Eine Minute später flackerten die Scheinwerfer. Dabei stieg mir ein beißender Geruch in die Nase.

„Die Geister sind so weit“, verkündete Persephone. „Sie werden meinen Freund hier über den Äther in Sicherheit bringen.“ Sie hob die Arme, und Wallace Mason begann zu schweben. Sein weißes Haar löste sich aus seinem Pferdeschwanz und wallte über seine Schultern. Als seine Füße sich von der Bühne lösten, erschien über seiner Kleidung das Bild eines wallenden Abendkleides. Die Zuschauer lachten.

„Verzeihen Sie den Geistern“, bat Persephone. „Sie denken, dass Frauen es am ehesten wert sind, gerettet zu werden.“

Ich wusste, was da passierte. Im Lauf der Jahre hatte ich verschiedene Versionen der Illusion der schwebenden Dame gesehen. Sie alle verlangten, dass jemand – oder vielmehr sein Bild – hoch über der Bühne in der Luft hing. Bedauerlicherweise war es die Illusion, die fast sicher zu Dorians Entdeckung führen würde. Irgendeiner der Zuschauer musste ihn garantiert bemerken.

Im Theater herrschte plötzlich Dunkelheit. Es war nur noch die geisterhafte, schwebende Gestalt eines verwirrten Mannes sichtbar – und für jeden, der aufschaute, der schockierte Gargoyle über ihm.

Ein Raunen ging durch die Menge. Ich sah hinter mich, um herauszufinden, was die Menschen sich ansahen. Als ich den Blick wieder hob, war Dorian verschwunden.

Ich hielt links und rechts Ausschau nach dem Gargoyle. Da keine schwere, steinerne Skulptur auf die Bühne oder ins Publikum gekracht war, musste Dorian es geschafft haben, seinen Fuß zu befreien und in Sicherheit zu huschen. Ich hatte mir seine Anwesenheit hier doch nicht etwa eingebildet, oder?

Max legte mir eine Hand auf den Arm. „Keine Sorge“, flüsterte er. „Er wird schon nicht fallen.“

Ich erstarrte, aber dann begriff ich, dass Max nicht über den verschwundenen Gargoyle sprach, sondern über den Freiwilligen, der über der Bühne schwebte.

„Ich bin nur müde“, erwiderte ich ebenfalls flüsternd. Max wusste, wie hart ich in letzter Zeit arbeitete. Er glaubte, ich sei mit meinem Job beschäftigt und mit der Instandsetzung meines baufälligen Hauses, nicht jedoch damit, Dorian das Leben zu retten. Das Belügen der Menschen, die einem am nächsten stehen, ist ein Preis, den man für Unsterblichkeit zahlen muss.

Ich zwang mich, meine Schultern zu lockern. Sobald Max’ Aufmerksamkeit wieder auf der Illusion ruhte, schaute ich auf, zu der Stelle, wo ich kurz zuvor Dorian gesehen hatte. Es war nach wie vor kein Gargoyle da. Nur das geisterhafte Bild des Freiwilligen in einem auf seinen Körper projizierten Abendkleid. Wallace Masons schwebendes Bild erreichte den Steg – und verschwand in den Äther.

Wieder erlosch das Licht. Einen Moment später standen Prometheus und Persephone mitten auf der Bühne, den Freiwilligen zwischen sich. Die Magier ergriffen seine Hände und hoben die Arme über ihre Köpfe, und dann verbeugten sie sich tief. Ich klatschte begeistert in die Hände, und mein Applaus galt ebenso Dorians Flucht wie der Illusion.

Während der kurzen Pause entschuldigte ich mich, um die Toilette aufzusuchen, obwohl ich mich in Wahrheit davon überzeugen wollte, dass von Dorian nicht die kleinste Spur zu sehen war. Ich kannte ihn, daher wusste ich auch, an welchen Orten er sich gern versteckte. Dieses Theater hatte keinen Rang, daher ging ich in die angrenzende Gasse, sah ihn aber auch dort nicht. Schließlich raffte ich mein Kleid und kletterte über die Feuerleiter aufs Dach. Auch dort keine Spur von ihm. Ich hatte ihn immer noch nicht gefunden, als die Klänge von Akkordeonmusik durch die Luftschächte emporwehten und signalisierten, dass es Zeit war, auf unsere Plätze zurückzukehren. Wo ist Dorian? Ich erreichte meinen Platz genau in dem Moment, als das Licht ausging.

„Ich wünschte wirklich, du würdest dein Handy anlassen“, sagte Max leicht verärgert.

„Hast du die Zeichen in der Lobby nicht gesehen? Auf die Benutzung eines Handys hier steht die Todesstrafe.“

Das entlockte ihm zumindest ein Lächeln.

Während der restlichen Aufführung erzählten die Magier die Geschichte von Persephones Kräften als Göttin des Frühlingserwachens, die die Fähigkeit besaß, die Toten ins Leben zurückzuholen. Eine gute Geschichte ist eins der Geheimnisse einer erfolgreichen Zaubervorstellung. Illusionen sind lediglich Tricks, wenn sie keine Geschichte erzählen. Persephones und Prometheus’ Phantasmagoria war ein düsteres Märchen. Die Magier wussten, wie sie ihr Publikum dort hinführen konnten, wo sie es haben wollten. Ich wünschte, ich hätte mich entspannen und die Vorstellung genießen können.

Als die Bühne am Ende der Vorstellung im Dunkel versank, wandte ich mich Max zu und versuchte, mir auszudenken, wie ich mich entschuldigen konnte, um nach meinem Gargoyle zu suchen.

Max und ich hatten uns in diesem Winter kennengelernt, und zwar genau an dem Tag, an dem ich nach Portland gezogen war. Jetzt begann der Frühling, und Max hatte das Erblühen der ersten Blumen verpasst, während er außer Landes gewesen war, um in China den hundertsten Geburtstag seines Großvaters zu feiern. Vor einigen Wochen war er verändert zurückgekehrt und behauptete, er sei bei der Arbeit mit einem Fall beschäftigt gewesen. Ob das aber alles war, was dahintersteckte? Der Besuch dieser Zaubervorstellung war unser erstes Date seit über einem Monat. Aber wenn Dorian irgendwo in der Klemme steckte wegen seines unbeweglichen versteinerten Beins und es nicht nach Hause schaffen konnte …

„Wie wär’s, wenn ich uns bei mir eine Kanne Tee koche“, schlug Max vor. „Ich habe aus China einen Oolong-Tee mit einem Aroma mitgebracht, das die perfekteste Mischung aus Pfirsichen und Honig besitzt, die mir je begegnet ist.“

Die Wärme in seinen dunkelbraunen Augen, als er über eine seiner Leidenschaften sprach, ließ mich Dorian für einen Moment vergessen. Max’ glattes, schwarzes Haar fiel ihm schräg über Stirn und Brauen. Der leicht vernachlässigte Eindruck war sexy, aber passte nicht zu ihm. Was war in China passiert?

„Ich bin sehr müde“, antwortete ich. „Ich weiß, wir hatten noch keine große Chance, miteinander zu reden …“

„Ja, du warst während des halben Abends mit den Gedanken woanders.“

„Tut mir leid, Max. Ich …“

„Ist schon gut, Zoe“, unterbrach er mich mit einem Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. „Außerdem leide ich wegen eines Falls, an dem ich arbeite, ebenfalls an Schlafmangel.“

Ich schaute auf das grüne Seidenkleid hinab, das ich seit Jahren nicht mehr getragen hatte. Ich hatte es eigens für diesen Abend hervorgeholt, von dem ich mir gewünscht hatte, dass er etwas Besonderes werden sollte. Das Kleid war eins der wenigen, die nicht ruiniert worden waren, als während eines brutalen Wintersturms ein Teil meines Dachs eingestürzt war, und es war nur erhalten geblieben, weil es sich im Stauraum meines Airstream-Trailers befunden hatte. Der Stoff war lediglich ein wenig zerknittert von meiner Spritztour hinauf aufs Dach. Ich pflegte vorsichtig mit Kleidungsstücken umzugehen, eine Gewohnheit aus einer Zeit, als sie nicht so leicht zu ersetzen gewesen waren. Max hatte sich ebenfalls in Schale geworfen und trug einen eng geschnittenen, schwarzen Anzug und dazu die schwarz-weißen Budapester, die ich so liebte.

„Es soll am Wochenende schön werden“, murmelte ich. „Wie wär’s, wenn du morgen Nachmittag zu mir kommst? Wir könnten in meinem Garten grillen.“

Bei diesem Vorschlag verwandelte sich Max’ verschlossene Miene in ein echtes Lächeln.

Und so kam es, dass ich, statt mit einem Mann auszugehen, zu dem ich niemals ganz ehrlich sein konnte, wie sehr ich es mir auch wünschte, nach Hause in ein baufälliges Gebäude fuhr und dabei hoffte, dass ein Gargoyle mit einem siechen, versteinernden Körper auf mich wartete.

Gigi Pandian

Über Gigi Pandian

Biografie

Gigi Pandian ist USA Today-Bestsellerautorin und Mitbegründerin der Crime Writers of Color. Als Tochter zweier Kulturanthropologen aus New Mexico und der Südspitze Indiens hat sie ihre Kindheit auf Recherchereisen durch die ganze Welt verbracht. Heute lebt sie in Kalifornien. Ihre Mysteryromane...

Zauberhafte Rezeptidee

Nudelauflauf mit Cashewnuss-Creme

4 Portionen | Zubereitungszeit: 40 Minuten

Zutaten
Für die Pasta: 250 g kleine Nudeln, z. B. Coquilettes, Conchigliettes oder Fusilli
Für die Zwiebelmasse: • 1 mittelgroße gelbe Zwiebel, gewürfelt • 5 Knoblauchzehen, fein gewürfelt • 1 TL Olivenöl • ¼ TL Salz
Für die Soße: • 1 Tasse ungeröstete Cashewnüsse, über Nacht oder mindestens 4 Stunden in Wasser eingeweicht und abgetropft • 2 EL Tomatenmark • 1 TL Salz • ¼ TL schwarzer Pfeffer • 1 TL geräuchertes Paprikapulver • 1 TL Kurkuma • 1 EL heller Senf, gemahlen oder Paste • 1 EL Trockenhefe (wahlweise, sonst ¼ Tl Salz zusätzlich) • 1 EL Speisestärke • 1½ Tassen Wasser

Zubereitung
Ofen auf 190 °C vorheizen. Nudeln nach Anweisung auf der Verpackung kochen. In der Zwischenzeit die Zutaten der Zwiebelmasse in einer Pfanne oder Sauteuse anschwitzen, bis die Zwiebeln glasig und leicht gebräunt sind (ca. 10 Minuten). Vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Die Zutaten für die Soße mit der Hälfte der abgekühlten Zwiebelmasse im Mixer cremig pürieren. Pasta und Soße in einer großen Schüssel mischen. In eine Auflaufform füllen (falls rund, passt gut ein Durchmesser von 22 cm). Den Rest der Zwiebelmasse darauf verteilen für ein knuspriges Topping. 15 Minuten im vorgeheizten Ofen überbacken.

Variationen
Wenn die Soße noch cremiger werden soll, kann das mit weiteren Gemüsezutaten erreicht werden. Blumenkohl würde gut zu diesem Rezept passen. Während die Zwiebeln anschwitzen, einen kleinen Blumenkohl in Röschen brechen und diese 10 Minuten dämpfen. Gib den gedämpften Blumenkohl mit den Zutaten für die Soße in den Mixer. Falls kein knuspriges Zwiebel-Knoblauch-Topping gewünscht wird, eine kleinere Zwiebel verwenden und die ganze Zwiebelmasse mit der Soße pürieren.

Pressestimmen
StadtRadio Göttingen „Book's n' Rock's“

„Diese Serie bietet so viel Abwechslung, (…) dass man sie einfach lieben muss!“

phantastiknews.de

„Vergnüglich, unterhaltsam und interessant.“

Kommentare zum Buch
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