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Fünf Jahre stand das Leben der Anders-Geschwister still. Fünf Jahre, seit Polarlichter über ihrem Dorf zu sehen waren und ihr Vater spurlos verschwand. Seither ist Olive Anders eine Meisterin darin geworden, ihre Gefühle hinter fantastischen Geschichten zu verbergen. Doch dann erfährt sie etwas Ungeheuerliches und muss sich entscheiden: Will sie sich weiter vor der Realität verstecken oder endlich leben? Mit all dem Schmerz, aber auch all der Liebe, dem Glück und den unendlichen Möglichkeiten.
»Witzig, tiefgründig und wahnsinnig gut erzählt: ›Diesen Sommer springen wir‹ ist ein großes…
Fünf Jahre stand das Leben der Anders-Geschwister still. Fünf Jahre, seit Polarlichter über ihrem Dorf zu sehen waren und ihr Vater spurlos verschwand. Seither ist Olive Anders eine Meisterin darin geworden, ihre Gefühle hinter fantastischen Geschichten zu verbergen. Doch dann erfährt sie etwas Ungeheuerliches und muss sich entscheiden: Will sie sich weiter vor der Realität verstecken oder endlich leben? Mit all dem Schmerz, aber auch all der Liebe, dem Glück und den unendlichen Möglichkeiten.
„Witzig, tiefgründig und wahnsinnig gut erzählt: ›Diesen Sommer springen wir‹ ist ein großes Lesevergnügen!“ Elena Fischer
Leuchtend, ehrlich und schmerzhaft schön erzählt Alexandra Blöchl in „Diesen Sommer springen wir“ vom Erwachsenwerden und der überwältigende Kraft der ersten Liebe.
Sonntag, 7. Juli
Wir waren vier Kinder, und alle sahen wir gleich aus. Jedenfalls war es das, was die Leute im Dorf sich erzählten, genau so lange, bis ein anderer Aspekt unserer Familie sie mehr faszinierte. Es war ein Samstagabend im Hochsommer, als unser Vater verschwand. Eine sehr seltene, äußerst farbenprächtige Aurora borealis hatte sich über den Ort gespannt, alle hatten nach oben gesehen. Und dann, als die Blicke zurück auf den Boden glitten, noch ganz verwirrt von dem erstaunlichen Spektakel am Himmel, war er mit einem Mal weg gewesen. Vom Erdboden [...]

Aktuelle und persönliche Buchempfehlungen unserer Kolleg:innen: Neuerscheinungen aus dem Frühjahr, die uns nachhaltig begeistert haben.
weitere InfosAlle sprechen gerade von den Polarlichtern, die aufgrund des großen Sonnenflecks AR43666 auch bei uns zu sehen sind. In deinem Roman ist das spektakuläre Auftreten einer Aurora Borealis der Ausgangspunkt für eine unglaubliche Geschichte. Wieso ist das so? Und was passiert in deinem Roman, als die Aurora über dem kleinen Städtchen zu sehen ist?
Mir ist klar, dass sich das Auftreten von Polarlichtern ganz leicht naturwissenschaftlich erklären lässt – in meiner Vorstellung aber fühlen sie sich an wie Magie. Als ich mir die Geschichte zu „Diesen Sommer springen wir“ ausgedacht habe, hatte ich zuerst diese magische Polarlichtnacht vor Augen. Und dann, dass in so einer Nacht einfach alles passieren kann. Jeder sieht nur noch nach oben, und währenddessen verschwindet ein Mensch.
In deinem Roman steht dieser Satz, der mich umgeworfen hat: „Wäre mein Vater an einem Herzinfarkt gestorben, wären wir alle glücklich.“ Das sagt die 17-jährige Olive, fünf Jahre, nachdem ihr Vater plötzlich verschwunden ist. Was meint sie damit?
Wenn ein Mensch verschwindet, ohne eine Spur zu hinterlassen, wirft das jede Menge Fragen auf. Was ist mit ihm passiert? War es ein Verbrechen? Ein Unfall? Klingelt es irgendwann an der Tür, und der Vater steht wieder davor? Die Situation ist und bleibt ungewiss, über all die Jahre hinweg. Und Neugierde und Mitleid der Menschen um einen herum hören nie auf. Ich denke, Olive und ihre Geschwister wünschen sich nichts sehnlicher, als abzuschließen. Und das wäre sicherlich leichter gewesen, wäre ihr Vater auf, sagen wir, „natürlichem Weg“ verschwunden.
Was hat dich an diesem Thema interessiert?
Wie bei jeder Geschichte, in die ich mich verbeiße, haben mich auch hier am meisten die Figuren interessiert, insbesondere natürlich die der Ich-Erzählerin Olive. Was macht es mit einem Kind, das seiner Kindheit beraubt wird, noch dazu durch absolut unvorstellbare, unerklärliche Umstände? Olive ist eine starke Figur, die sich mit Sarkasmus und dicken, dicken Mauern um sich herum ins Erwachsenwerden boxt. Ich hatte sehr viel Spaß, ihre Sicht der Dinge aufzuschreiben.
Und was macht so ein einschneidendes Ereignis mit den restlichen Familienmitgliedern?
Im Falle dieser Geschichte ist das sehr unterschiedlich. Die Mutter fällt quasi in sich zusammen und bringt es nicht fertig, für ihre Kinder da zu sein – das ist für Olive und ihre Geschwister ein weiterer Schlag, den sie erst mal verwinden müssen. Es gilt, riesige Lücken im Gefüge zu füllen, und die vier Kinder straucheln dabei, genau das zu tun.
Trotz all des Kummers der Anders-Kinder bringt dein Roman die Leserin und den Leser immer wieder zum Lachen. Nicht über die Menschen, sondern mit ihnen. Wie wichtig ist dir Humor?
Sehr, sehr wichtig. In all meinen Büchern. Ich glaube, es geht gar nicht anders und hat sehr viel mit mir als Person zu tun. „Sie war stets bemüht, sich und andere nicht zu ernst zu nehmen.“ So etwas in der Art hätte ich gern im Zeugnis stehen.
Du warst Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung, bevor du erst Jugendbücher und dann Romane für Erwachsene geschrieben hast. Wieso hast du dich entscheiden, dem Journalismus den Rücken zu kehren? Was vermisst du? Und was ist als Schriftstellerin schöner?
Ich habe meine Ausbildung bei der SZ gemacht und lange als freie Journalistin dort gearbeitet, aber zuletzt war ich für eine Agentur tätig, die in einem hoffnungslos überfüllten Großraumbüro Online-Content produziert hat – und das vermisse ich gar nicht. Das Schreiben von Romanen gibt einem viel mehr Freiheiten als das journalistische Schreiben: die Möglichkeit, Fantasie spielen zu lassen, statt Fakten aufzulisten, ins Magische abzudriften, frech zu sein, humorvoll, verrückt. Ganz abgesehen davon, dass ich im Bademantel vor dem Rechner sitzen kann und niemandem dafür Rechenschaft abgeben muss, wie ich meinen Arbeitstag gestalte. Für mich ist die Schriftstellerei tatsächlich ein Traum.
Was macht für dich eine unbeschwerte Kindheit aus?
Sich zu einhundert Prozent sicher und geborgen zu fühlen (vermute ich mal, denn bei mir war es leider nicht so).
Was macht für dich einen schönen Sommer aus?
Vogelgezwitscher, arbeiten auf dem Balkon, Ausflüge, lange, helle Nächte.
Würdest du dich von einem Seil aus in einen blauen See oder die Isar schwingen?
Lieber nicht. Wie ich mich kenne, würde ich auf dem Gras landen und mir irgendein Band reißen.
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