Lucy Clarke spricht über ihr neues Buch
Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich

Dienstag, 16. Dezember 2014 von


Lucy Clarke spricht über ihr neues Buch

Evas Mann stirbt bereits kurz nach Ihrer Hochzeit. Eva fühlt sich einsam und beschließt zur Familie ihres Mannes nach Tasmanien zu reisen. Doch was sie hier erfährt stellt ihr ganzes Wissen über ihren Ehemann in Frage ... Eine ergreifende Geschichte über Liebe und Verrat.

Lucy Clarke, die Autorin dieses berührenden Romans studierte englische Literatur an der Universität von Cardiff, bevor sie sich ganz ihrer Karriere als Schriftstellerin widmete. Bereits ihr erster Roman Die Landkarte der Liebe wurde in zehn Ländern veröffentlicht. Ihre Liebe zum Meer und zum Reisen spiegelt sich auch in ihrem neuen Roman wieder.
In einem Video erzählt uns Lucy von ihrem Buch, ihrer Inspiration, dem Schreiben und ihren Nachforschungen. Zu diesem Zeitpunkt ist sie bereits im siebten Monat schwanger und dazu möchten wir natürlich unsere herzlichen Glückwünsche aussprechen.


Hi, ich bin Lucy Clarke, die Autorin von Der Sommer, in dem es zu schneien begann.
Ich bin hier gerade in meinem Strandhäuschen in England, zusammen mit einem kleinen Gast, der mich im Moment überall hin begleitet, ich bin jetzt im siebten Monat schwanger.
Ich wollte ein paar Minuten damit verbringen, Euch ein bisschen was über das Buch zu erzählen und warum ich es geschrieben habe.
Die Geschichte handelt vom Leben einer Frau namens Eva, die Jackson, einen Mann aus Tasmanien, heiratet. Doch tragischerweise ertrinkt Jackson acht Monate nach der Hochzeit. Eva ist vollkommen am Boden zerstört und sie spürt, dass zu Hause in England, wo sie zusammen gelebt haben, niemand Jackson so gut kannte wie sie und dass sie ihre Trauer mit niemandem teilen kann.
Deshalb beschließt sie, nach Tasmanien zu reisen, um dort seine Familie kennenzulernen, die sie nie zuvor getroffen hat.
Doch dort entdeckt sie nach und nach verstörende Details über Jacksons Leben, die überhaupt nicht in das Bild des Menschen passen, der er vorgab zu sein.
Je länger sie in Tasmanien bleibt, desto mehr spürt sie, dass all ihre Erinnerungen an ihn zerbrechen und so bleibt sie mit der Frage zurück: Wer war der Mann, den sie geheiratet hat? Oder hat sie vielleicht einen ganz anderen Menschen geliebt?

Ich liebe das Meer und schwimme leidenschaftlich gern. Und wie ihr ja sehen könnt, spreche ich aus einem Strandhaus zu Euch. Ich liebe es einfach, über das Meer zu schreiben und Geschichten an der Küste spielen zu lassen. Deshalb war für mich einer der Teile des Schreibprozesses, der am meisten Spaß gemacht hat, meine zweite Reise nach Tasmanien. Als ich die grundlegenden Züge der Geschichte im Kopf hatte, habe ich vier Wochen dort verbracht. Ich habe Leute interviewt, Meeresbiologen, habe mir kleine Hütten angesehen, da Teile des Buches in einem Strandhaus spielen. Ich war tauchen, habe Austern geöffnet, habe Tintenfische gefangen und ausgenommen, ich habe so viele tolle Sachen gemacht, die mir unglaublich viel Spaß gemacht haben. Und das ist auch in das Setting des Buches mit eingeflossen.
Als ich dann nach England zurückkam und meine Recherche abgeschlossen hatte, habe ich angefangen, das Buch zu schreiben. Das hat etwa zwölf Monate gedauert, plus Überarbeitungszeit. Und ich verfasse das Meiste tatsächlich mit der Hand, das gibt mir die Freiheit, dort zu schreiben, wo immer ich will.
Dieser Platz hier, das Strandhaus, ist mein Lieblingsbüro. Hier verbringe ich meine Sommer, in den Wintern versuche ich zu reisen. England eignet sich nicht besonders gut fürs Strandleben im Winter.
Bevor ich gehe, zeige ich euch noch kurz den Ausblick: Das ist also meine Aussicht, es ist heute ein etwas diesiger, wolkiger Morgen, aber trotzdem wunderschön. Und aus dem Fenster auf der Rückseite sieht man noch mehr Wasser, das ist eine natürliche Lagune.
Für mich gibt es keinen besseren Ort zum Schreiben, als mit dem Meer zu beiden Seiten.


[Videotranskription]

Das ganze Video von Lucy Clarke finden Sie hier.


Blick ins Buch
Der Sommer, in dem es zu schneien begannDer Sommer, in dem es zu schneien begann

Roman

Eva wollte immer gemeinsam mit ihrem Mann dessen Heimat Tasmanien besuchen. Doch als Jackson nach einem Bootsausflug nicht mehr zurückkehrt, beschließt sie, allein dorthin zu reisen. Sie hofft, in dieser schweren Zeit bei seinen Verwandten Trost zu finden. Doch so bezaubernd die australische Insel ist, so abweisend verhält sich Jacksons Familie. Warum nur wollen sein Vater und sein Bruder partout nicht über ihn sprechen? Auf Eva warten schockierende Wahrheiten, die sie zu einem schicksalhaften Sommer in der Vergangenheit führen – dem Sommer, in dem es zu schneien begann.

Prolog

Jackson zieht sich die Mütze über die Ohren und wirft noch einen Blick auf Eva, die sich im Bett zusammengerollt hat, die Bettdecke unter das Kinn gestopft. Mit geschlossenen Augen murmelt sie schläfrig etwas vor sich hin. Geh nicht, soll das heißen.

Aber er muss gehen. Er kann nicht neben ihr liegen, wenn er sich so fühlt wie in diesem Moment. Seit Stunden liegt er schon wach, starrt in die leere Dunkelheit und zermartert sich das Gehirn, weil er an seine Entscheidungen und ihre Folgen denken muss. Er muss raus aus diesem Haus, muss den kalten Winterwind im Gesicht spüren.

Zuvor aber hebt er die Bettdecke noch einmal an, gerade genug, um Evas nackte Schulter freizulegen. Er berührt sie mit den Lippen und atmet den Duft der schlafwarmen Haut ein. Schließlich deckt er sie wieder zu, nimmt seine Angelausrüstung und geht.

Der Strand liegt menschenleer im Dämmerlicht. Es ist einer dieser englischen Tage, an die er sich immer noch nicht gewöhnt hat, weil es nie richtig hell wird und im Haus von morgens bis abends das Licht brennt. Er läuft in den Wind und lässt die Schultern kreisen, um sich warm zu halten.

Als er zu der Stelle kommt, wo sich die Felsen ins Meer hineinziehen, bleibt er stehen. Er beobachtet, wie die Wellen auf die Klippe zurollen und sich in einer Explosion von weißem Schaum brechen. Nach einer Abfolge besonders heftiger Wellen klettert er hinauf und eilt von einem Felsen zum nächsten, um das äußerste Ende der Formation zu erreichen. An dieser Stelle werden die Fische anbeißen, da die Strömung dort am stärksten ist. Die Leichtfüßigkeit verdankt er seiner Kindheit in Tasmanien, wo er barfuß über die Felsenkliffs gelaufen ist, um sich dann von oben herab ins Meer zu stürzen, jubelnd und kreischend, bis das Wasser ihn verschlang.

Bevor die nächsten Brecher heranrollen, hat er das Ende der Klippe erreicht. Die Felsen hinter ihm verschwinden im aufspritzenden Schaum. Starke Böen lösen Gischt von den Wellenrücken und durchsetzen die Luft mit Feuchtigkeit. Er dreht sich vom Wind weg, hockt sich hin und öffnet seinen Angelkasten. Verdammt, wenn er doch nur Handschuhe angezogen hätte. Hier draußen ist es schneidend kalt. Eisige Gischt spritzt ihm in den Nacken. Seine Finger sind so taub, dass er einen Köder fallen lässt und ihn zwischen den Felsen wieder herausfischen muss. Beim zweiten Versuch gelingt es ihm schließlich, den Köder auf dem Haken zu befestigen.

Dann wirft er die Leine aus. Die Bewegung, die etwas so Vertrautes und Beruhigendes hat, verfehlt an diesem Morgen ihre Wirkung, zu sehr ähneln seine Gedanken dem Meer, das trostlos unter dem wütenden Himmel brodelt. Als er auf dem Felsen steht und sein Körper allmählich vor Kälte erstarrt, beschleicht ihn das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis alles ans Licht kommt. Es ist, als würde er sich Schicht um Schicht häuten, bis nichts mehr zu sehen sein wird als die spitzen Knochen der Person, die er in Wahrheit ist.

Beim Vibrieren seines Handys schreckt er zusammen. Mit einer Hand hält er die Angel fest, während er mit der anderen in der Manteltasche kramt. Das wird Eva sein. Schnell schiebt er die finsteren, zerstörerischen Gedanken beiseite. Sein Gesicht entspannt sich, als er sich den Klang der schläfrigen Stimme vorstellt, mit der sie ihn bitten wird, ins Bett zurückzukommen.

Genau das wird er tun, denkt er, und alles andere einfach vergessen. Wenn er sich beeilt, kann er in zehn Minuten bei ihr sein. Er wird ins warme Bett zurückschlüpfen, sich an ihren zusammengerollten Körper schmiegen und begreifen, dass dies die Wirklichkeit ist.

Als er den Anruf annimmt, ist es allerdings nicht Evas Stimme, die er hört.

 

 

1

Als Eva das schützende Land verlässt, schlägt ihr erbarmungslos der Wind entgegen und bläst ihr die Haare aus dem Gesicht. Sie drückt die Thermoskanne mit dem Kaffee an die Brust. Sandwolken fegen die Küste entlang und treiben ein Knäuel aus Angelschnüren vor sich her.

Eine Frau kommt ihr entgegen. Der Wind presst den violetten Mantel in ihren Rücken, und ihr Gesicht verschwindet in der mit Pelz verkleideten Kapuze. Eva wünschte, sie hätte auch an eine Kopfbedeckung gedacht. Sie hatte ganz vergessen, wie rau das Klima an der Küste sein konnte. In London schützen die Gebäude vor den Unbilden des Wetters, das man ohnehin meist nur vom Fenster aus erlebt.

Jackson und sie waren gestern Abend zum Geburtstag ihrer Mutter nach Dorset gekommen. Der Aufbruch war hektisch gewesen. Eva war im Krankenhaus aufgehalten worden, weil sie noch einen Fötus dazu anregen musste, sich in die Schädellage zu drehen, hatte es aber trotzdem geschafft, das Geschenk für ihre Mutter einzupacken und das Geschirr vom Frühstück zu spülen. Jackson war noch später gekommen, erschöpft von einer Sitzung, die sich ewig hingezogen hatte. Die ganze Woche war so gewesen : Sie hatten zu verschiedenen Zeiten etwas Essbares in sich hineingestopft, hatten die Spannungen von der Arbeit mit heimgebracht und waren zu spät und zu erschöpft ins Bett gefallen, um sich noch unterhalten zu wollen. Jetzt genießt sie es, dass sie ein ganzes Wochenende haben, um einfach zur Ruhe zu kommen.

Vor ihr tauchen die Felsen auf, wo Jackson angeln wird, gewaltige, düstere Brocken, die direkt ins Meer hineinragen. Eva fragt sich, ob er schon etwas gefangen hat. Es hatte gerade erst zu dämmern angefangen, als sie gespürt hatte, wie die Matratze nachgibt und Jackson aus dem Bett schlüpft. Sie hatte gehört, wie er in seine Jeans steigt, einen Pullover überstreift und den Reißverschluss seines Mantels zuzieht. Dann hatte er sich über das Bett gebeugt und ihr einen Kuss auf die nackte Schulter gedrückt. Sie hatte die Augen gerade weit genug geöffnet, um sehen zu können, wie er zur Tür hinausgeht, die rote Mütze weit über die Ohren gezogen.

Direkt hinter den Felsen sieht sie ein Boot aufblitzen. Im nächsten Moment ist es schon wieder in einem Wellental verschwunden, und sie denkt, dass die Wetterverhältnisse zu schlecht sind, um aufs Meer hinauszufahren. Sie blinzelt in den Wind und sieht, wie das Boot von einer Welle wieder emporgehoben wird : ein orangefarbenes Rettungsboot. Sie fragt sich, ob es einen Unfall gegeben hat. Und kaum hat sie diesen Gedanken gefasst, spürt sie, wie sich ein gewisses Unbehagen in ihrem Körper ausbreitet.

In ihrer Kindheit, als ihr Vater noch gelebt hatte, waren sie im Sommer jeden Morgen zum Baden an diesen Strand gekommen. Ihr Vater war auf dem Rücken geschwommen und mit ausladenden Bewegungen seiner langen, knochigen Arme durch das Wasser gepflügt. Eva hatte diese Strandpartien geliebt. Das Wasser war ruhig gewesen, und die frühe Morgensonne hatte auf der Wasseroberfläche geglänzt. Heute hat das Meer etwas Dunkles, Abweisendes.

Sie sucht die Felsen nach Jackson ab, und der Wind treibt ihr die Tränen in die Augen. Er muss dort sein; an dieser Stelle angelt er immer, wenn sie bei ihrer Mutter sind. Im Moment wird das Einheitsgrau von Meer und Himmel allerdings nur von dem Rettungsboot durchbrochen. Obwohl sie sich sagt, dass es vielleicht nur ein Übungseinsatz ist, fängt sie an, sofort loszurennen.

Die Thermoskanne schlägt ihr gegen die Hüfte, ihre Stiefel wirbeln Sand auf, und sie atmet hektisch. Sie fühlt sich durch die vielen Kleidungsschichten eingeengt – die Jeans klemmt an den Knien, und die Mantelknöpfe drücken ihr aufs Brustbein.

Als sie die Stelle erreicht, wo die Klippe beginnt, steht schon ein Dutzend Leute dort herum. Sie mustert die Gruppe und lässt den Blick dann über die Felsen schweifen, wo die Wellen anbranden und weiße Gischt in den zerrissenen Himmel jagen. Schwerer Salzgeruch liegt in der Luft.

Von Jackson ist nichts zu sehen.

Eva eilt zu einem Mann, der fast in seiner Öljacke verschwindet. Der Wind zerzaust seine stahlgrauen Augenbrauen. » Wieso ist da ein Rettungsboot ? «, fragt sie und gibt sich Mühe, sich ihre Panik nicht anmerken zu lassen.

» Jemand wurde von den Felsen heruntergespült. «

» Wer ? «, fragt sie aufgeregt.

» Angeblich ein Fischer. «

Im ersten Moment ist sie erleichtert, weil sie weiß, dass ihr Mann kein Fischer ist : Er ist dreißig Jahre alt und arbeitet in der Marketingabteilung einer Getränkefirma. Dann aber hört sie den Mann sagen : » Offenbar ein junger Mann. Vielleicht hat er ja bessere Chancen, im eiskalten Wasser zu überleben. «

Eva fühlt die Luft aus ihren Lungen entweichen, als würde ihr jemand den Brustkorb eindrücken. Sie lässt die Thermoskanne fallen, holt ihr Handy aus der Tasche und reißt sich die Handschuhe von den Fingern. Die sind starr vor Kälte, aber sie dreht sich mit dem Rücken in den Wind und wählt Jacksons Nummer.

Das Handy ans Ohr gepresst, tritt sie auf der Stelle und wartet, dass er abnimmt.

» Hallo, hier ist Jackson «, meldet sich die Mailbox. Evas Herz stockt.

Nachdem sie das Handy wieder in die Tasche gesteckt hat, stolpert sie zu den Felsen hinüber. Ein großes, rotes Schild warnt : NICHT BETRETEN. LEBENSGEFAHR. Der Schal flattert hinter ihr her, als sie über die nassen Felsen klettert, den heulenden Wind in den Ohren. Ihr Atem geht stoßweise. Finstere Ahnungen quälen sie und verwirren ihr den Verstand. Sie sagt sich, dass sie sich ausschließlich darauf konzentrieren sollte, wo sie ihre Füße hinsetzt. Schritt für Schritt kämpft sie sich vorwärts.

Irgendetwas Farbiges erregt ihre Aufmerksamkeit. Vorsichtig steigt sie über die mit Seepocken verkrusteten Felsen, bis sie nahe genug ist, um es erkennen zu können.

Eingeklemmt zwischen zwei Felsen steht ein offener Angelkasten aus grünem Plastik. Eva erkennt ihn sofort : Sie hat ihn Jackson letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt, damit er die Köder und Gewichte, die sich in seiner Nachttischschublade angesammelt hatten, verstauen kann. Jetzt steht Salzwasser in den Fächern, in denen wie tote Fische zwei leuchtend blaue Köder treiben.

Mit ohrenbetäubendem Lärm bricht sich eine Welle an der Klippe. Eisige Gischt trifft auf Evas Wange. Sie fällt auf die Knie und klammert sich mit tauben Fingern an den Fels.

» Hallo ! «, ruft jemand. » Kommen Sie sofort zurück. «

Sie kann aber nicht zurück, sie kann sich nicht einmal umdrehen. Sie ist vollkommen erstarrt, und die Angst liegt ihr wie ein Bleiklumpen im Magen. Langsam sickert die Feuchtigkeit durch ihren Schal.

Sekunden später spürt sie den Druck einer Hand auf ihrer Schulter. Ein Polizist steht vor ihr, nimmt sie am Arm und will sie hochziehen. » Hier ist es zu gefährlich «, schreit er, um den Wind zu übertönen.

Sie schüttelt ihn ab. » Mein Mann ! « Sie stößt die Worte einzeln hervor. » Er war angeln ! Hier an dieser Stelle ! «

Der Polizist starrt auf sie hinab. An seinem Unterkiefer befindet sich eine Stelle mit dunklen Bartstoppeln, nicht größer als ein Daumenabdruck. Er muss sie übersehen haben, als er sich am Morgen rasiert hat. In seinen Gesichtszügen scheint sich Angst zu spiegeln, als er sagt : » Okay, okay. Lassen Sie uns an den Strand zurückkehren. «

Er packt sie am Arm und hilft ihr auf. Evas Beine zittern, als sie zusammen über die nassen Felsen klettern. Der Polizist blickt immer wieder über die Schulter und hält nach Wellen Ausschau.

Als sie den Strand erreichen, schaut er sie an. » Ihr Ehemann hat heute Morgen hier geangelt ? «

Sie nickt. » Sein Angelkasten … er steht auf den Felsen. «

Der Polizist schaut sie lange an, reglos. » Man hat uns vorhin gemeldet, dass ein Angler ins Meer gespült wurde. «

Ihre Stimme ist leise. » War er es ? «

» Das können wir noch nicht mit Sicherheit sagen. « Er verstummt. » Klingt aber fast so, als wäre es möglich, ja. «

Ihr Mund füllt sich mit Speichel, und sie dreht sich weg. Das graugrüne Meer scheint von mächtigen Strömungen beherrscht, als sie es nach Jackson absucht. » Wann ? «

» Vor ungefähr zwanzig Minuten. Ein Ehepaar hat angerufen. «

Sie dreht sich um und folgt seinem Blick zu einem Mann und einer Frau mittleren Alters, beide in dunkelblauen Parkas. Zu ihren Füßen liegt ein Golden Retriever. » Waren sie es ? Haben die beiden ihn gesehen ? «

Als er nickt, ist Eva schon auf dem Weg.

Der Hund wedelt aufgeregt mit dem Schwanz, als sie näher kommt. » Sie haben meinen Mann gesehen ! Er hat hier geangelt ! «

» Ihren Mann ? «, fragt die Frau, und ihr schmales Gesicht verdüstert sich. » Wir haben ihn gesehen, ja. Es tut mir leid … «

» Was ist denn passiert ? «

Die Frau fummelt an ihrem Schal herum, als sie sagt : » Wir haben ihn angeln sehen, als wir vorhin hier vorbeigekommen sind. « Sie wirft ihrem Ehemann einen Blick zu. » Du hast noch gesagt, dass das ziemlich gefährlich aussieht, bei diesem Wellengang, nicht wahr ? «

Er nickt. » Als wir dann kehrtgemacht haben und zurückkamen, sahen wir, dass er ins Meer gespült worden war. Er war im Wasser. «

»  Wir haben die Küstenwache angerufen «, fügt die Frau hinzu. » Wir haben versucht, ihn im Blick zu behalten, bis jemand kommt, aber … irgendwann haben wir ihn aus den Augen verloren. «

Sie müssen sich irren, denkt Eva, das kann nicht Jackson gewesen sein. » Der Mann, den Sie gesehen haben – was hatte er an ? «

»  Was er anhatte ? «, wiederholt die Frau. » Dunkle Sachen, glaube ich. Und eine Mütze «, sagt sie und tippt sich an den Hinterkopf. » Eine rote Mütze. «

Kommentare

1. Dieser Sommer veränderte ihr Leben
Schnuck59 am 30.04.2015

In dem Buch „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“ von Lucy Clarke wird deutlich, dass eine heile Welt von einer Sekunde zur nächsten zusammenbrechen kann.
Eva verliert nur wenige Monate nach ihrer Heirat ihren Mann Jackson durch einen tragischen Unfall. Sie beschließt in seine Heimat Tasmanien zu reisen um dort seine Verwandten kennenzulernen und mehr über seine Vergangenheit zu erfahren. Von Bruny Island ist sie verzaubert. Allerdings verhält sich die Familie abweisend ihr gegenüber. Dieser Sommer führt sie in die Vergangenheit. Wo endete die Wahrheit und wo begann die Lüge?
In dem Buch wird die Liebe der Autorin zum Meer und zum Reisen deutlich. Sie beschreibt Tasmanien sehr schön und eindrucksvoll. Bei Szenen im und unter Wasser ist es fast als wäre man dabei.
Die Handlung lebt von überraschenden Wendungen, bringt Trauer, Verlust, Hoffnung, Zweifel, Entdeckungen, Geheimnissen, Lügen, Emotionen, Freundschaft und Liebe. Der Schreibstil ist flüssig und die Charaktere sind gut beschrieben.
Die Gestaltung und die Farbgebung des Covers ist gut, ein Eyecatcher.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, Unterhaltung mit vielen Geheimnissen, mit Spannung bis zum Schluss.

Kommentieren Sie diesen Beitrag:

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtangaben und müssen ausgefüllt werden.