In sechs einfachen Schritten zum eigenen Roman
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Sonntag, 28. Juli 2013 von KATE LORD BROWN für GOOD HOUSEKEEPING


In sechs einfachen Schritten zum eigenen Roman

Wie oft haben Sie sich bei der Lektüre eines Buches schon gedacht, Sie könnten das besser? Vielleicht wollten Sie auch schon immer einmal einen Roman schreiben, hatten aber „nie die Zeit dazu“?


81% aller Menschen würden gerne ein Buch schreiben. Nur 10% tun es wirklich – das ist an sich schon eine Leistung. Falls Sie aber vorhaben, die nächste J. K. Rowling oder der nächste John Grisham zu werden: 98% der Manuskripte, die an Verlage und Agenten geschickt werden, werden abgelehnt. Wenn Sie davon träumen, Ihren Roman gedruckt zu sehen: Es gibt einfache Schritte, mit denen Sie die besten Chancen darauf haben, dass Ihr Text zu den 2% gehört, die letztlich veröffentlicht werden.

IDEEN
Inspirationen finden Sie überall. Die Idee zu einem Roman kann von einem Zeitungsartikel kommen, einem Gespräch, das Sie zufällig in einem Café mit angehört haben, oder einem uralten Familiengeheimnis. Sie suchen nach einer Idee, einem Konflikt, der nachklingt – etwas, worüber Sie schreiben müssen. Wenn Sie per Brainstorming auf eine Idee kommen wollen, versuchen Sie es mit Mind-Maps (z.B. auf der englischen Website www.tonybuzan.com). Sobald Sie ein paar Ideen grob skizziert haben, sollten Sie Ihre Geschichte zusammenfassen.

PERFEKTIONIEREN SIE IHRE ‚AUFZUGS-PRÄSENTATION’
Fassen Sie Ihre Idee in weniger als fünfzehn Worten zusammen, bevor Sie anfangen zu schreiben. Stellen Sie sich vor, Sie hätten den Verleger Ihrer Träume in einem Aufzug in eine Ecke gedrängt und nur wenige Sekunden, um ihm Ihre Idee zu verkaufen. Für „Das Haus der Tänzerin“ könnte das zum Beispiel lauten: „Parfümeurin erbt Haus in Spanien und stößt auf schockierende Familiengeheimnisse über den Bürgerkrieg.“

DIE STORY
Machen Sie aus diesem Satz einen Absatz, dann eine Seite. Schmücken Sie die Details aus, die wichtigsten Charaktere, den Konflikt. In diesem frühen Stadium kann Ihr Roman noch überall hinführen – Sie wollen eine spannende Handlung, starke Charaktere und ein deutliches Gefühl für den Ort und die Zeit, in denen das Buch spielt. Sehen wir uns das nacheinander an:

DIE HANDLUNG
... ist die Organisation einer Geschichte. Die Handlung spielt mit Kausalzusammenhängen und Geheimnissen, sie braucht Spannung auf jeder Seite. Es ist nie verkehrt, den Roman inmitten der Geschehnisse anfangen zu lassen, wenn Ihre Hauptfigur (der Protagonist) gerade dabei ist, etwas zu tun. Gestalten Sie das Anfangskapitel so packend, dass der Leser das Buch unbedingt kaufen will. Sie können immer noch in der Zeit zurückgehen und die Vorgeschichte später nachliefern.

Ein Roman bedeutet von Anfang bis Ende Krise – Sie fangen den Protagonisten in einem Schlüsselmoment seines Lebens ein. Aber Sie müssen das Tempo und die Spannungsführung der Geschichte variieren, um den Leser nicht zu langweilen. Der Erzählbogen sollte gestaltet sein wie eine Achterbahnfahrt. 

Wenn Sie Ihren ersten Roman schreiben, kann man mit dieser einfachen Formel für die Konstruktion der „Akte“ der Geschichte nicht falsch liegen:

  • Erster Akt: enthält 25% der Action, endet mit einer Überraschung/einem Schock
  • Zweiter Akt: enthält 50% der Action – in der Mitte des Buchs gibt es eine weitere Überraschung und eine zusätzliche Veränderung oder Konfrontation, die die Spannung am Ende dieses Akts bei 75 % aufbaut.
  • Dritter Akt: enthält die letzten 25% der Geschichte – die letzten Herausforderungen, die Konfrontation und die Auflösung.


CHARAKTERE
Sobald Sie eine Vorstellung von Ihrer Geschichte und der Handlungsführung haben, sollten Sie Ihre Figuren baldmöglichst besser kennenlernen als Ihre Familie und Ihre Freunde. Bevor ich anfange, schreibe ich ein Profil für jede Gestalt. Ihr Protagonist ist die Figur, die durch die Geschichte die meisten Veränderungen erfährt. Denken Sie sich einen Antagonisten aus (den Erzfeind des Protagonisten), der ihm ebenbürtig, aber sein Gegner ist.

Eine gute Geschichte braucht einen Protagonisten, der emotionale Tiefe besitzt und stimmig reagiert. Anders als Menschen im echten Leben, die unendlich komplex sind, haben Romanfiguren nur ein paar wenige treibende Eigenschaften und Fehler. Geben Sie ihrem Protagonisten ein klares Ziel. Ziele feuern die Action an: Action = Drama = Emotion. Damit Ihr Leser sich auf den Protagonisten einlässt, muss er neben ihm in der Achterbahn sitzen – und seine Ziele verstehen.

ORT UND ZEIT DER HANDLUNG
Ihre Wahrnehmung macht eine Geschichte einzigartig. Lassen Sie die gleiche Szenerie von zwei Schriftstellern beschreiben, und die beiden werden unterschiedliche Dinge festhalten. Wenn Sie Orte und Zeiten recherchieren müssen, sollen Sie sich immer die Frage stellen: Was würden Ihnen Ihre Sinne verraten? Was sehen, hören, riechen, schmecken, tasten Sie? Lernen Sie Ihre imaginäre Welt so gut kennen wie die Welt, in der Sie jetzt leben. Als Anfänger sind Sie vielleicht eher auf der sicheren Seite, wenn Sie darüber schreiben, „was Sie kennen“, aber mit der Zeit würde ich Ihnen raten, über das zu schreiben, „was Sie gerne kennen würden“. Eine der großen Freuden besteht darin, immer weiter zu lernen, immer weiter zu erkunden, immer weiter zu reisen.

Ein kommerzieller Roman hat mindestens 80.000 Wörter. Wenn Sie also drei Monate lang tausend Wörter am Tag schreiben, haben Sie eine erste Fassung. Das ist noch nicht der Zeitpunkt, um das Manuskript an einen Verlag oder einen Agenten zu schicken. Warten Sie ein paar Wochen, bis es sich gesetzt hat, und machen Sie sich mit etwas Abstand erneut daran. Jemand hat einmal gesagt: „Schreiben heißt immer wieder neu schreiben“. An diesem Punkt nehmen Sie sich das grobe Manuskript vor und kürzen alles heraus, was der Geschichte nichts bringt. Lektorieren Sie sich selbst – überprüfen Sie noch einmal die Fakten, die Rechtschreibung, die Grammatik. Seien Sie Ihr eigener Schauspieler – lesen Sie sich den Text laut vor, um zu sehen, ob die Dialoge natürlich klingen.

Schreiben Sie, was Sie lieben, und lieben Sie, was Sie schreiben, das ist der beste Rat, den ich jemals bekommen habe. Entdecken Sie die Geschichte, die Sie schreiben müssen. Dann bearbeiten Sie den Text, bis er nicht mehr besser werden kann. Dieser letzte Schritt gibt Ihnen die beste Chance, zu den 2% zu gehören, die vom Verlag angenommen werden. Außerdem ist es wichtig, dass Sie das Manuskript einem Agenten oder Verlag schicken, der Bücher wie das Ihre macht. Bieten Sie einen Krimi nicht einem Verlag an, der Liebesromane herausbringt, oder Science-Fiction einem Agenten, der sich auf Sachbücher spezialisiert hat. Schauen Sie am Ende eines Romans, der Ihnen gut gefallen hat, in der Danksagung des Autors nach, bei welcher Agentur er war, oder suchen Sie im Jahrbuch für Autoren nach Verlagen.

Noch ein letztes Geheimnis – der größte Unterschied zwischen den Menschen, die davon träumen, einen Roman zu schreiben, und denjenigen, die veröffentlich werden, besteht nicht allein im Talent. Vieles liegt an Disziplin und Entschlossenheit. Sie haben keine Zeit zu schreiben? Denken Sie noch einmal nach – stehen Sie eine Stunde früher auf, bevor Sie zur Arbeit gehen, oder schreiben Sie, wenn Ihre Kinder Mittagsschlaf machen (ich habe beides gemacht, es funktioniert). Die Vorstellung, einen ganzen Roman zu schreiben, ist eine Herausforderung, aber wenn Sie jeden Tag nur ein bisschen schreiben, summiert es sich. Wenn Sie wirklich ein Buch schreiben wollen, dann schaffen Sie das auch.

DIE FÜNF BESTEN SCHREIBTIPPS

  • Schreiben Sie jeden Tag. Tragen Sie immer ein Notizbuch bei sich, um Ideen festzuhalten, bevor sie sich verflüchtigen.
  • Lesen Sie jeden Tag – Bücher, die Sie inspirieren, Gattungen, die Sie mögen. Lernen Sie, was funktioniert.
  • Schließen Sie sich einer Schreibgruppe an – zu Hause oder im Internet.
  • Machen Sie sich eine Playlist für Ihre Geschichte – Musik befördert Ideen und Gefühle.
  • Schreiben Sie aus dem Herzen heraus – und nicht, was der Markt Ihrer Meinung nach verlangt.


DREI DER BESTEN BÜCHER ÜBER DAS SCHREIBEN

  • ‚Das Leben und das Schreiben’ von Stephen King
  • ‚Bird by Bird - Wort für Wort. Anleitungen zum Schreiben und Leben als Schriftsteller’ von Anne Lamott
  • ‚Schreiben in Cafés’ von Natalie Goldberg

Blick ins Buch
Das Haus der TänzerinDas Haus der Tänzerin

Roman

Die alte Villa in den Hügeln von Valencia ist für Emma der perfekte Rückzugsort: Der verwilderte Garten duftet nach Orangenblüten, die Leute im Dorf sind hilfsbereit und schon bald eröffnet die gelernte Parfümeurin einen Blumenladen. Doch warum vermachte ihre verstorbene Mutter ihr dieses Anwesen? Immer mehr fühlt sich Emma von der geheimnisvollen Vergangenheit des Hauses angezogen. Und dann entdeckt sie ein zugemauertes Zimmer ...
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London, 11. September 2001

 

Das Problem, Em, liegt darin, dass sie – also die Ärzte – gesagt haben, es wäre »ein Abschluss« für mich (was für ein schauderhaftes Wort), wenn ich dir einen Brief hinterlasse. Ich sagte: »Glauben Sie wirklich, ich kann die Erfahrung eines ganzen Lebens in einem einzigen Brief zusammenfassen? Kann ich alles, was ich meiner Tochter sagen will, auf ein paar wenige Seiten Papier bringen?« Ich kann es nicht. Du kennst mich. Ich habe doch nie aufgehört, weiterzuquasseln, mein Schatz.

 

Emma kam in diesem Moment ein Bild von Liberty in den Sinn – ihre Mutter am Küchentisch bei ihrer Großmutter Freya sitzend. Das musste Ende der Siebzigerjahre gewesen sein, denn vor der Morgensonne bildeten Libertys kastanienbraune, im Stil von Kate Bush gewellte Haare einen Heiligenschein, und im Radio lief Blondie. Beim Reden gestikulierte sie mit den Armen, und Freya konnte sich kaum halten vor Lachen. Emma hatte es sich im Hundekorb neben dem Ofen gemütlich gemacht und aß Toast, während sie mit Charles’ neuem Boxerwelpen kuschelte. Das hatte sie noch in Erinnerung – den charakteristischen Geruch von zu Hause, von frisch gebrühtem Kaffee, knusprigem Toast, den trockenen Keksgeruch des Hundes, während er an dem grünen Emailschild mit der Aufschrift »Head Girl« spielte, das an ihrem Wollpullover steckte. Manche Menschen erinnern sich anhand von Bildern oder Liedern, aber bei Emma war es stets der Duft. Liberty hatte ihr viel beigebracht, und schon als Kind erkannte sie instinktiv die harmonischen Noten des Duftakkords, der für sie »zu Hause« ausmachte.

»Emma, Liebes, nun steh doch auf«, hatte Freya damals gesagt. »Deine Schuluniform ist ganz voller Haare.« Emma erinnerte sich, wie warm der Hund war, an seinen zarten hellbraunen Bauch, der sich an ihre kleine Hände schmiegte. Sie erinnerte sich, wie Liberty sie gekitzelt hatte, bis sie beide kichernd auf dem Boden lagen, während der kleine Hund um sie herumsprang. Wenn ihre Mutter sie umarmte, atmete Emma den Duft ihres Parfums ein. Rosen – für sie roch Liberty immer wie ein Rosengarten in voller Blüte; warm, sonnendurchflutet, ein reines soliflore.

 

Du merkst gleich, ich habe es ein wenig übertrieben. Ich habe dir eine ganze Schachtel Briefe zurückgelassen, für jede Gelegenheit, die mir nur einfällt, einen. Und mein letztes Notizbuch habe ich dazugelegt. Ich würde mich freuen, wenn du da weitermachst, wo ich aufgehört habe, Em. Versprich mir, dass du es weiterführst. Benutze es. Fülle es mit wundervollen Dingen.

 

Emma stützte den Ellbogen auf den Koffer neben ihr. Sie war monatelang auf Reisen gewesen, aber während sich der Routemaster-Doppeldecker der Linie 22 durch den Mittagsverkehr auf der King’s Road quälte, spürte sie, wie all die Zeit von ihr abfiel. Es war ein typischer kühler, grauer Londoner Tag, ein leichter Herbstwind blies Laub über die Gehsteige. Nichts hatte sich geändert, nur sie selbst. Die Übelkeit, die sie seit Monaten verfolgte, stieg wieder in ihr auf, und sie wühlte in ihrer Tasche nach einem Pfefferminzbonbon. Das Futter war zerrissen, und während sie Libertys Brief las, fuhr sie mit dem Zeigefinger am Saum entlang, suchte jedoch vergeblich. Schon hundert Mal hatte sie mit gezücktem Stift die letzte Seite im Notizbuch ihrer Mutter aufgeschlagen, war jedoch erstarrt, unfähig, an der Stelle weiterzuschreiben, wo Liberty aufgehört hatte. Nichts kam ihr wundervoll genug vor. Ein letztes Mal überflog Emma den Brief. Sie hatte nur diesen einen mit auf ihre Reisen genommen und ihn so oft gelesen, dass das Papier an den Falzen schon auseinanderbrach. Die Briefe warteten in einem schwarzen Lackkästchen in Libertys Werkstatt auf sie, ungeöffnet. Nachdem das Testament ihrer Mutter verlesen worden und Joe abgereist war, war Emma stundenlang dagesessen und hatte im Licht der Morgendämmerung, das durch das schräge Glasdach fiel, das Kästchen angestarrt. Sie hatte es in die Mitte von Libertys Tisch gestellt – einer eigens gebauten »Parfümeur-Orgel«, umgeben von mehrstufigen Regalen mit Flaschen, die je eine Duftnote enthielten. So hatte Liberty Emma ihr Handwerk beigebracht – sie sollte sich jede Essenz als musikalische Note vorstellen, jedes Fläschchen auf der Orgel als Taste. Hier hatte Liberty all ihre Meisterstücke komponiert, hier hatte Emma als Kind gespielt. An diesem Ort spürte sie die Präsenz ihrer Mutter immer noch am meisten.

 

Das Klirren der Milchflaschen, die geliefert wurden, hatte sie schließlich endgültig aufgeweckt, und sie hatte den Deckel des Kästchens abgenommen. Sie war sich nicht ganz sicher, was sie von Liberty erwartete – eine Konfettiexplosion, eine zusammengerollte Papierschlange, die ihr entgegensprang. Sie lachte erleichtert, als sie feststellte, dass ihre Mutter das Kistchen innen einfach leuchtend orange angemalt hatte – ihre Lieblingsfarbe. Mit zitternder Hand nahm sie das obenauf liegende lose Blatt ab. Darunter befand sich ein Päckchen Briefe, zusammengebunden mit einer kirschroten Samtschleife, und das kleine schwarze Notizbuch. Auf dem ersten Umschlag stand »Über die Familie«. Als Emma den dazugehörenden Brief von ihrer Mutter las, stiegen ihr Tränen in die Augen.

 

Ich hab dich lieb, Em. Ich bin so unglaublich stolz auf die Frau, zu der du geworden bist. Die Vorstellung, dich zu verlassen, ist unerträglich, aber du musst wissen, dass meine Liebe dich überallhin begleitet und immer bei dir sein wird. Ich weiß, dass die Liebe weiterlebt.

Kuss, Mama

 

An diesem Morgen war sie versucht gewesen, gleich alle Umschläge aufzureißen, Libertys Worte hungrig zu verschlingen. Schon diesen einen Brief immer wieder zu lesen brachte sie ihr näher. Aber sie wartete. Als sie Freya erzählte, sie habe beschlossen, die Briefe in London zu lassen, solange sie unterwegs war, hatte Freya gelacht.

»Das ist deine Entscheidung, Em«, sagte sie. »Du hast dir schon als Kind immer deine Naschereien aufgehoben. Ich kenne niemanden, der sich einen Schokoriegel so lange aufgespart hat.«

Emma holte tief Luft und blickte aus dem Fenster. Zu ihrer Haltestelle war es nicht mehr weit. Vielleicht sollte ich mal damit aufhören, das Beste bis zum Schluss aufzuheben, dachte sie. Sie faltete den Brief zusammen, steckte ihn in das Moleskine-Notizbuch ihrer Mutter, das sie auf dem Schoß liegen hatte, und blätterte weiter durch die in Libertys extravaganter Handschrift beschriebenen Seiten. Einzelne Wörter sprangen ihr entgegen – »Neroli«, »duende«,

»Leidenschaft«. Ihre Mutter hatte Zeitungsausschnitte neben ihre Notizen und Rezepte für die neuen Parfüms, an denen sie arbeitete, geklebt – Bilder von Orangenhainen und leuchtend blauem Himmel, eine vergilbte Zeitungsanzeige für eine Ausstellung von Robert Capa. Es war das berühmte Bild »Der fallende Soldat, Tod eines spanischen Legionisten«. Emma fuhr mit dem Finger über das Gesicht des Soldaten und fragte sich, was er wohl in dem Augenblick gedacht hatte, in dem der Tod ihn erwischte, als er den Abhang hinunterlief. Sie fragte sich, was er im Fallen gesehen hatte. Als sie das Papier berührte, spürte sie etwas darunter. Sie blätterte zur nächsten Seite und entdeckte den kleinsten Umschlag, den Liberty in das Kästchen mit den Briefen gelegt hatte. Ihre Mutter hatte eine Adresse darauf geschrieben: Villa del Valle, La Pobla, Valencia, Spanien. In dem Umschlag befand sich lediglich ein alter Schlüssel. Ich muss Freya fragen, ob sie etwas darüber weiß, dachte sie. Nachdem sie diesen Umschlag geöffnet hatte, hatte Emma die ganze Nacht wach gelegen, mit dem Schlüssel gespielt und sich alles Mögliche ausgemalt. Typisch Mum, dachte sie und erinnerte sich an all die Entdeckungsreisen, auf die Liberty sie als Kind mitgenommen hatte, die Hinweise, die sie für Emma ausgelegt hatte, damit sie versteckte Geschenke fand. Die Jagd, die Vorfreude, das hatte ihr immer mehr Spaß gemacht als das Geschenk selbst. Emma lächelte traurig, als sie den Umschlag wieder in dem Notizbuch verstaute.

Emma blätterte weiter, entdeckte das melancholische, abgeklärte Gesicht einer Madonna, das Bild einer weiß getünchten Wand, überwachsen mit leuchtenden Bougainvilleen. Die Notizen wurden gegen Ende spärlicher, die Handschrift weniger sicher. Sie spürte, dass Liberty zurückgeblickt hatte, genauso wie nach vorn. Neben einem aufgeklebten Etikett von »Chérie Farouche«, dem Parfum, das Liberty zu Emmas achtzehntem Geburtstag kreiert hatte, hatte sie geschrieben: »Es gibt Düfte, frisch wie Kinderwangen, süß wie Oboen, grün wie frisches Laub – Baudelaire.« Es war immer noch Emmas unverkennbarer Duft. An ihr roch es zunächst wie Regen in einem Garten, frisch und betörend, und wenn dann die grünen Kopfnoten verflogen, dachte Emma an Erde, an das Blumenpflücken im Wald mit ihrer Mutter. Die Herznote, bestehend aus Maiglöckchen und Jasmin, vermischte sich perfekt mit der Basis aus Sandelholz und Moschus. Liberty sagte immer, der Duft sei genau wie sie – schüchtern, aber überraschend stürmisch. In dieser Seite steckte ein Foto von Liberty mit Emma als Baby. Emma blätterte weiter, und eine unerträgliche Sehnsucht packte sie, als sie das schöne, offene Lächeln ihrer Mutter betrachtete. Emma verharrte bei der letzten Zeichnung ihrer Mutter, vom neuen Liberty Temple Parfumflakon. Hastig hatte sie daruntergeschrieben: »Jasmin? Orangenblüte, ja!«

Dann kamen die quälenden Leerstellen. Die leeren Seiten, die ihre Mutter ihr zum Vollschreiben übrig gelassen hatte. Emma blinzelte, während sie das Goldfiligranmedaillon betastete, das sie um den Hals trug. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass die Rückkehr nach Hause sie so mitnehmen würde. Monatelang hatte sie sich eingeredet, dass sie damit zurechtkäme, während sie durch endlose Besprechungen schlafwandelte. Länder und Hotelzimmer gingen ihr wie in einem Kaleidoskop durch den Kopf. Instinktiv legte sie die Hand auf die sanfte Schwellung ihres Bauchs. Etwas Wundervolles, dachte sie. Sie holte einen Stift aus der Tasche, strich die erste leere Seite glatt und schrieb: »Spanien.«

 

 

Madrid, September 1936

 

»Qué pasa? Wie war die Besprechung?« Rosa schlenderte auf das Café zu, die Hand auf der Waffe an ihrem Gürtel. Sie war gekleidet wie ein republikanischer Milizsoldat, aber ihre Bewegungen hatten den Rhythmus und die Präzision einer Flamencotänzerin, und ihr eng gegürteter Overall offenbarte eine Taille, die so schmal war wie die eines Kindes. Sie blickte über die gepflasterte Gasse zu den Barrikaden hin. Drei Männer kauerten dort vor einem einzigen Teller mit Essen, über ihnen wehte die rot-gelb-violette Flagge der Republikaner. An den Hauswänden in der Straße klebten knallige Revolutionsplakate.

»Defendeos Contra Fascismo!«, verkündete eines, unter Knochen in der Form eines Hakenkreuzes. Rosa rückte ihr Barett zurecht und strich sich ihre kurz geschnittenen schwarzen Haare glatt. Jordi saß auf der Kühlerhaube des alten Busses und wartete im Sonnenschein auf sie. Er bewachte eine Schafherde, die Richtung Valencia durch die Stadt getrieben wurde, um den Schlachtfeldern zu entfliehen. Als er ihre Stimme hörte, wandte er sich um. Sein dunkles, gegeltes Haar schimmerte. Er sah sie, sprang ab und reckte zum Gruß die Faust in die Luft.

»Señorita Montez. Mi compañero.« Er grinste und zog sie in

seine Arme. »Mi amor«, murmelte er und küsste sie. »Du hast nicht viel verpasst. Irgendein Anarchist aus Valencia hat die Kommunisten verärgert.« Mit den Lippen streifte er ihr über den Hals. »Er will nicht, dass die Russen sich einmischen – spanische Angelegenheiten betreffen nur die Spanier, das hat er in seiner Rede gesagt.« Jordi schüttelte den Kopf. »Sag das mal zu Hitler und Mussolini. Sie bewaffnen Francos Truppen

– welche Hoffnung haben wir Republikaner denn ohne die

Russen?«

Sie stiegen die Steintreppen in den Schatten des Kellercafés hinunter. Im Hintergrund war Musik zu hören: »... the music goes round and round and it comes out here ...« Jordi hielt ihr die Augen zu.

»Was machst du da?«, fragte sie lächelnd.

»Ich habe etwas für dich.« Jordi zog eine lange goldene Kette aus der Tasche und legte sie ihr um den Hals. »Alles Gute zum Geburtstag.« Er küsste die weichen Locken in ihrem Nacken.

»Ich dachte schon, du hättest es vergessen!« Rosa blickte auf das goldene Medaillon und schnappte nach Luft. »Das ist wunderschön, Jordi. Wie konntest du dir das leisten?«

»Es gehörte meiner Mutter. Ich habe es letzten Sommer in Valencia einfach genommen, als Vicente gerade nicht hingeschaut hat. Uff ...« Er krümmte sich, als sie ihm in den Magen boxte. »Er wird es nicht merken! Mein Bruder interessiert sich nur für Geld – hätte er es gesehen, hätte er es verkauft. Mamá fand immer, es sei zu gut, um es zu tragen.« Vorsichtig öffnete er den Filigrananhänger. »Ich glaube, früher hat man es für Parfum verwendet.« Rosa roch daran, nahm einen längst verflogenen Duft wahr. »Aber ich habe unsere Bilder hineingesteckt.«

Rosa erkannte die Studioaufnahmen, die sie vor ein paar Monaten hatten machen lassen. Sie waren sorgfältig zugeschnitten worden, sodass sie in den goldenen Rahmen passten. »Es ist wirklich wunderschön.« Sie küsste ihn, lange, schmeckte das Salz auf seinen heißen Lippen, seiner Haut.

»Versprich mir, dass du es tragen wirst«, sagte er leise. »Was auch passiert, wir werden dadurch immer zusammen sein.«

»Nichts kann uns voneinander trennen, Jordi.«

»Nein«, sagte er und legte ihr die Hand auf den Bauch.

»Ich will nicht, dass du weiter mit uns kämpfst. Sobald ich kann, bringe ich dich nach Valencia. Vicente kümmert sich um dich.« Er nahm eine der letzten wilden Rosen aus einem Marmeladenglas auf der Bar und steckte sie ihr ins Knopfloch.

»Ich gehe nicht.« Rosa grub die Hände in die Taschen ihres Overalls. »Ich kann immer noch kämpfen. Wir sind zusammen. Das ist genug.«

Jordi wandte sich um, um seinen Freund Marco zu umarmen, der bei der Bar stand. Rosa lauschte den Gesprächsfetzen, die von den voll besetzten Mittagstischen herübertrieben, sah zu, wie die Kellnerin sich geschickt zwischen den vielen hoffnungsvollen, einsamen Händen der Soldaten hindurchschlängelte.

»Valencia ist im Moment sicher«, sagte einer der Soldaten.

»Die Stadt ist voller Hafenarbeiter, die der CNT-Gewerkschaft gegenüber loyal sind, und in der Huerta sind lauter reiche Bauern, die den Kopf gesenkt halten und weiterhin in aller Ruhe Reis und Orangen in ihren kleinen Höfen anbauen.«

»Reis und Orangen!« Marco lachte und stieß Jordi an.

»Da solltest du dich bestens auskennen.«

»Ich bin kein Bauer! Ich bin ein recordatore.« Jordi sprang mit der Leichtigkeit einer Katze auf die Bar, und die Leute an den Tischen johlten und klatschten. »Ich bin der größte Stierspringer in ganz Spanien!« Rosa zog ihn lachend herunter. Jordi strich sich die Haare aus den Augen. »Mein Vater, der war Bauer.« Er legte den Arm um Rosa. »Er war ein Landbesitzer, der sein Land verloren hat. Seine Unzufriedenheit hat er mit Cognac hinuntergespült und meinen Bruder auf Lebenszeit verdorben. Vicente ist ein gescheiterter Matador, ein unglücklicher Schlachter, der sich für einen Aristokraten hält. Bis drei oder vier Uhr trinkt er im Café, schläft ein paar Stunden, versorgt die Damen des Dorfes mit Schweinebäuchen ...«

»Nicht nur damit, was man so hört«, murmelte Marco.

»Du willst, dass ich bei diesem Mann wohne?« Rosa lachte unbehaglich.

Jordi zuckte die Schultern. »Es wird sicherer sein als hier. Vicente ist kein político – er steht zwischen den Fronten. Aber er ist mein Bruder, und ich liebe ihn. Ich war eine kleine Überraschung für meine Eltern – sie dachten, nach allem, was meine Mutter bei Vicentes Geburt mitgemacht hat, könnte sie keine Kinder mehr bekommen. Als ich heranwuchs, war er ein Gott für mich.« Jordi wandte sich zu ihr. »Du solltest ihn sehen. Ja, jetzt ist er kahl, und sein Bart und seine Brusthaare sind grau, aber wenn er jeden Tag nach der Siesta hinunter zum See geht, um zu schwimmen, und seinen rosa Bademantel ablegt, dann hat das noch etwas von der Arena, vom Beifall der Zuschauermenge ...« Er beugte sich näher zu ihr und flüsterte ihr ins Ohr: »Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem Marco und ich ihm hinterherspioniert haben. Er vögelte die Frau des Postmeisters auf der Glastheke, er hielt den Kopf gesenkt wie ein Stier, die Hose hing ihm um die Knöchel. Seine Hände hoben sich dunkel von ihren Orangenhautschenkeln ab ...«

Rosa kicherte. »Du nimmst mich auf den Arm!«

»Nein! Warte, bis du ihn am See siehst. Vicente steht so da

...« Jordi reckte die Brust vor, stellte sich breitbeinig hin, legte die Hände auf die Hüften und blickte langsam von links nach rechts. »Alle Frauen beten ihn an. Er fasziniert sie mit seinen Geschichten von den toros. Wenn er seinen Bademantel fallen lässt wie ein Seidencape ...« Jordi tat so, als würde er es wegschleudern. »Wenn er dann Luft holt wie ein Stier, dann ist er immer noch Vicente der Große.«

»Das stimmt«, sagte Marco. »Er hatte die Hälfte aller

Frauen im Dorf.«

»Warum hat ihn noch kein wütender Ehemann erschossen?«, fragte Rosa.

»Die Männer haben entweder Angst vor ihm, oder sie bewundern ihn.« Marco nahm einen Schluck. »Ich glaube, das Mal von Vicentes goldenen Schneidezähnen auf dem Körper einer Frau ist für manche Männer wie eine Auszeichnung!« Während die alten Freunde Geschichten über Jordis älteren Bruder austauschten, verzog Rosa die Stirn und widmete sich wieder den Gesprächen um sie herum.

»Zumindest werden sie jetzt nicht vom Osten her Richtung Madrid vorrücken«, sagte ein Soldat. Rosa dachte an den Westen, an den Lärm der Schlacht. Ihr rauschte das Blut noch in den Ohren, ein schrilles Pfeifen wie ein Nachhall der Explosionen.

»Wir werden sie an den anderen Fronten aufhalten, und die

Straße nach Valencia ist frei.«

»Wusstest du, dass sie die Gemälde aus dem Prado auslagern?«

»Hast du gehört, was die Rechten behaupten? Die Roten vergewaltigen Nonnen ...«

»Und was ist mit General Queipo de Llanos Radiomeldungen aus Sevilla? Hast du nicht gehört, dass er seinen Truppen die Frauen von Madrid als Belohnung angeboten hat, wenn sie die Stadt plündern?«

Rosas Blick fiel auf das polierte Holz der Bar, während sich die Gespräche vermischten.

»Queipo de Llano sagt, für jeden Mann, den wir töten, tötet er mindestens zehn.«

Jordi wirbelte herum, um das Gespräch zu unterbrechen. »Deshalb können wir sie nicht gewinnen lassen, compañero. Ja, es gibt Gräueltaten auf beiden Seiten – immerhin herrscht Krieg –, aber Franco wird halb Spanien zerstören, wenn er muss. Sie werfen ganze Dörfer Felswände hinunter.«

»Angeblich organisieren die Falangisten Pferdejagden auf

Bauern«, rief jemand zu Jordi hinüber.

»Das kann ich mir gut vorstellen«, sagte er. »Ich höre ständig Berichte darüber, dass diese Faschisten die Städte ›aufräumen‹, nachdem die Truppen durchgezogen sind, und mit ihren Freundinnen in den Autos ihrer Eltern durch die Gegend rasen und Pistolen abfeuern, als wäre es einfach nur ein Spiel.«

Das Spiel des Lebens, dachte Rosa.

»Das ist kein Spiel!«, rief sie. »Lasst sie kommen, aber kämpft auf Augenhöhe.«

 

Als im Café Beifallsrufe erklangen, wandte sich Rosa ab. Sie spürte, dass Jordi sie beobachtete. »Jordi, ich finde diese Grausamkeit unerträglich«, sagte sie. »Was ist das für eine Welt, in die unser Kind geboren wird?«

Er nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände. »Eine gute Welt. Für unser Kind kämpfen wir für ein freies Spanien, für ein besseres Spanien. Hab keine Angst. Die Nationalisten müssen den Arbeitern Angst einjagen – nur auf diese Art werden sie gewinnen, durch Furcht. Deshalb stellen sie die Leichen zur Schau, deshalb erlauben sie den Leuten, Imbissstände an Hinrichtungsstätten aufzubauen. Für sie ist das ein heiliger Kreuzzug, und sie wollen uns in Angst und Schrecken versetzen. Aber das sind auch nur Menschen, und wir werden gewinnen.«

Rosa blickte auf, als eine Gruppe Männer die Treppe, heruntergelaufen kam und von Jubelrufen und in die Höhe gereckten Fäusten begrüßt wurde. Der Erste der Männer hob den Arm, die Silhouette zeichnete sich vor dem Licht ab.

»Viva la República! Viva la Libertad!«, brüllte Robert

Capa.

»Hey, Capa!«, rief Jordi und umarmte ihn. »Gratuliere! Alle reden von dem Bild ›Der fallende Soldat‹. Jetzt wird die Welt auf Spanien aufmerksam.«

Capa zuckte die Schultern. »Das war ein Glückstreffer.«

»Kennst du meine Freundin schon? Das ist Rosa.« Jordi wandte sich an den Barkeeper. »Etwas zu trinken für meine Freunde.«

»Nein, lass mich.« Capa warf eine Rolle Geldscheine auf die Bar.

»Wer sind diese Leute?«, flüsterte Rosa Jordi zu.

»Fotografen, Journalisten«, sagte Jordi. »Capa hat mich vor einer Weile fotografiert. Sie werden der Welt die Wahrheit über Spanien sagen.«

»Und wir haben verdammt recht«, sagte Capa. Er wandte sich Rosa zu, küsste ihr die Hand und hob den Kopf, sodass er ihr in die Augen sehen konnte. »Du kannst dich glücklich schätzen, Jordi. Ich würde deine Freundin gerne fotografieren.«

»Wohl kaum«, sagte sie.

»Warum, hast du Angst, ich könnte dir die Seele stehlen?«

»Ich glaube nicht, dass es meine Seele ist, für die du dich interessierst.«

Capas Lachen erinnerte sie an eine schnurrende Katze. Er blinzelte Jordi zu. »Wie gesagt, du kannst dich glücklich schätzen.«

»Das tue ich. Und gerade im Moment brauchen wir alles Glück, das wir bekommen können, Capa.«

 

 

London, 11. September 2001

 

Emma sprang vom Bus auf den Gehsteig. Auf den Stufen des Standesamts von Chelsea trieben Rosen- und Goldeschenblätter wie kleine Herzen mit gekreuzten Knochen. In ihrem schwarzen wehenden Mantel bahnte sie sich einen Weg durch die Menge, und die Absätze ihrer polierten braunen Stiefel klackerten, während sie ihren silbernen Koffer mit den flatternden Anhängern der Fluglinien hinter sich herzog. Sie blieb kurz stehen, um das frisch verheiratete Paar zu betrachten, das sich im Eingang umarmte. Als der Jubel der versammelten Freunde erklang, ging sie weiter. Das hätten wir sein können, dachte sie und wühlte in ihrer Tasche nach ihrem Handy, das gerade klingelte.

»Emma Temple, hallo.« Sie klemmte sich das Handy zwischen Ohr und Schulter, während sie in die Flood Street einbog.

»Gott sei Dank, ich habe mir solche Sorgen gemacht. Bist du schon zu Hause?«, fragte Freya.

»Gerade angekommen.« Lächelnd blieb sie vor den Chelsea Manor Studios stehen. Eine Gruppe junger holländischer Touristen machte Fotos am Eingang. Sie traten zur Seite, um sie vorbeizulassen, und einer der Jungen trug ihr den Koffer hinauf zur Tür. »Danke«, sagte sie.

»Ist Sergeant Pepper, ja?«, fragte der Junge. »Die Beatles?«

»Ja, genau. Sie haben das Bild für das Cover im Atelier meiner Mutter aufgenommen.« Vom Jetlag war es Emma schwindelig, ihre Augen waren gerötet und brannten. Sie wollte nichts als ins Bett, aber die jungen Gesichter rührten sie. »Gib her, lass mich das machen.« Sie winkte ihm, ihr die Kamera zu reichen, und machte ein Bild von den Teenagern. Als sie davongingen, lehnte sie sich an den Türrahmen und hielt sich das Handy ans andere Ohr. »Tut mir leid. Ich bin gerade eben angekommen. Der Flug hatte Verspätung.«

»Wir haben alle deine Sachen reingebracht. Es herrscht ein bisschen ein Durcheinander, fürchte ich, aber im Atelier war das nie anders, nicht einmal, als deine Mutter noch lebte.« Freya hielt inne. »Deine Kisten habe ich nicht ausgepackt. Ich dachte, du würdest vielleicht gerne ein paar von Libertys Sachen wegwerfen, bevor du richtig einziehst?«

»Kein Grund zur Eile. Danke, dass du dich um alles gekümmert hast. Ich konnte einfach nicht zurück ins Haus.« Sie runzelte die Stirn. »Sie ist also eingezogen?«

»Delilah?« Freyas Stimme wurde härter. »Ja. Unsere Ms Stafford hat keine Zeit verschwendet, obwohl es mich nicht überraschen würde, wenn sie Joe zwingen würde, zu verkaufen und in die Staaten zu ziehen ...«

»Wie geht es ihm?«, unterbrach Emma sie.

»Gut, es geht ihm gut. Um dich mache ich mir Sorgen. Warst du schon beim Arzt?«

»Freya ...«

»Alles gut, hier ist niemand. Sie sind alle beim Mittagessen. Ich habe es keiner Menschenseele erzählt, versprochen.«

»Das soll auch so bleiben, zumindest, bis ich mit Joe geredet habe.«

»Was für ein verdammtes Chaos«, sagte Freya. »Ich könnte sie umbringen, ernsthaft. Delilah war immer ein Kuckuck im Nest. Ich habe seit Wochen kein Wort mehr mit ihr gesprochen, nicht, seit du weg bist. Die Atmosphäre im Büro war fürchterlich.«

»Das kann ich mir vorstellen. Es tut mir leid, dass nun alle darin verwickelt werden.«

»Wofür entschuldigst du dich? Nichts von alldem ist deine Schuld, Emma. Und ich sage dir immer, dass du, verdammt noch mal, zu nett bist. Wenn ich mir überlege, was sie dir angetan hat. Diese Frau hat sich in die Firma hineingedrängt, und dann ...«

»Sie hat ihn nicht gezwungen, sich für sie zu entscheiden. Joe hatte die Wahl.«

»Ich weiß, es ist nicht gerade christlich von mir, aber ich kann es kaum erwarten, ihren Gesichtsausdruck zu sehen, wenn sie herausfindet, dass du von ihm schwanger bist.«

Emma hockte sich auf ihren Koffer und lehnte müde den Kopf an die Wand. »Ich freue mich natürlich auf das Baby, aber ich kann nicht behaupten, ich wäre stolz. Wir hatten uns bereits getrennt, als wir ...« Emma dachte an den Tag zurück, an dem das Testament ihrer Mutter verlesen worden war.

»Aber gerade erst. Es ist völlig verständlich, dass ihr einander gebraucht habt. Ich hoffe ... Nun, hoffen wir, dass er zur Vernunft kommt.«

»Es ist zu spät, Freya. Als er in dieser Nacht zu mir kam, dachte ich, er hätte sich für mich entschieden.« Emma machte eine Pause. »Deshalb musste ich weg. Ich komme mir total idiotisch vor.«

»Nein. Du bist weit davon entfernt. Ach, es bricht mir das Herz. Ihr beide wart praktisch noch Kinder, als ihr euch kennengelernt habt.«

»Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn ich ihn geheiratet hätte.«

»Unsinn.«

»Joe war immer konservativer als wir.«

»Nein, Delilah ist seit Jahren hinter ihm her.« Freya schnalzte verärgert mit der Zunge. »Sie besaß doch glatt die Unverschämtheit, zu behaupten, dass sie als Erste mit ihm zusammen war und du ihn ihr weggenommen hättest!«

»Ich hoffe, sie hat dir nicht das Leben schwer gemacht, während ich weg war?«

»Mach dir keine Sorgen um mich, meine Liebe. Ich habe

Ms Stafford im Griff – meine Katze hat mehr Charakter als sie.«

»Sie waren jedenfalls nur befreundet, als ich sie an der Columbia kennengelernt habe.« Emma runzelte die Stirn. Sie hatte sich immer gefragt, ob das wirklich stimmte. »Weißt du, was er gesagt hat, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe? Er war sich unsicher. Er hat gesagt, er liebt uns beide.«

Freya brummte etwas vor sich hin, dann sagte sie: »Joe ist nicht der Typ für komplizierte Herzensangelegenheiten. Er weiß nicht, was er tut, und das mit deiner Mutter macht ihm noch zu schaffen.«

Emma rieb sich den Nasenrücken. »Er war genauso niedergeschmettert wie wir, als Mum schließlich gestorben ist. «

»Sie standen einander sehr nah. Irgendwie bin ich ja froh, dass Liberty das alles nicht mitbekommen musste, aber sie wäre liebend gerne Großmutter geworden. Bei dem Gedanken daran, Urgroßmutter zu werden, fühle ich mich wirklich uralt

...« Freya hielt den Hörer zu und sprach gedämpft mit jemandem. »Hör zu, das Büro füllt sich wieder. Kommst du rüber?«

»Bald. Erst mal will ich unter die Dusche.« Sie schwieg kurz. »Ich sollte Joe wohl anrufen.«

»Er ist in New York. Beziehungsweise: Sie sind in New

York.«

»Delilah hat ihn begleitet?«

»Natürlich«, sagte Freya. »Sie konnte es doch nicht riskieren, dass der Deal platzt, oder? Nicht jetzt, wo sie das Geld riechen kann. Ich hoffe, du übereilst das nicht. Du musst die Firma nicht verkaufen, das weißt du.«

Emma seufzte. »Ja, ich weiß. Aber hier ist nun nichts mehr für mich zu tun. Wir haben Jahre damit verbracht, das Geschäft aufzubauen, aber das Angebot der Amerikaner ist zu gut, um es auszuschlagen. Es ist ein klarer Schnitt.«

»Deine Mutter wäre sehr unglücklich. Sie wollte immer, dass es ein Familienbetrieb ist, und sie hätte die Firma in ihrem Testament niemals zwischen euch allen aufgeteilt, wenn sie gewusst hätte, was Delilah vorhat.«

»Was kann ich schon tun? Ich fand, es wäre besser, wenn sie nichts von der Affäre weiß.« Emma schloss die Augen.

»Ich bin froh, dass sie es nicht wusste. Jedenfalls haben Joe und Delilah nun ein gemeinsames Kontrollinteresse.

Wir können nichts tun. Sobald wir verkauft haben, kann ich mir etwas Neues suchen.«

»Glaubst du? Die Amerikaner werden sicherlich wollen, dass du bleibst, das ist dir klar – Liberty hat dich zum Gesicht der Firma gemacht.«

»Ich war nur fürs Auge. Die Marke haben wir alle zusammen aufgebaut.« Traurig schaute Emma die Straße hinunter. Fünfjährige aus der Hill-House-Schule gingen in Zweierreihen an ihr vorbei. Wie oft war sie mit Liberty Hand in Hand von der Schule nach Hause gegangen? All diese wertvollen, unbeachteten Augenblicke, sie sind vorüber. Emma spürte einen Kloß in der Kehle, und Tränen traten ihr in die Augen. Ganz egal, wie schwer sie gerade arbeitete, Liberty war stets da gewesen, um sie abzuholen – zwar oft zu spät, aber sie kam immer. Das war ihre Zeit, nach der Schule und frühmorgens, nur dann hatte Emma ihre Mutter ganz für sich allein. Hin und zurück, hunderte Male, und ich kann mich nur an ein paar wenige Augenblicke erinnern.

»Es ist einfach unglaublich schade, nachdem wir so viel dafür gearbeitet haben.«

»Hm? Nein, es ist Zeit für einen Neuanfang. Hey – endlich kannst du dich zur Ruhe setzen«, neckte Emma ihre Großmutter, während sie in ihrer speckigen Mulberry-Handtasche nach ihren Schlüsseln suchte.

»Ich?« Freya lachte kurz und tief. »Das hat Charles auch gesagt. Dazu wird es nie kommen. Die Arbeit hält mich am Laufen. Wenn ich nicht mehr im Büro herumwirtschaften und allen im Weg umgehen kann, was soll ich dann mit mir anfangen?«

Emma lächelte. Liberty hatte nie das Herz gehabt, Freya zu zwingen, in den Ruhestand zu gehen. »Wie geht es Charles?«

»Wie immer.«

»Es tut mir leid, dass ich letzten Monat nicht zu deinem

Geburtstag hier war.«

»Ich würde lieber vergessen, dass ich vierundachtzig bin, meine Liebe. Komm doch vorbei, und iss einen Happen mit uns!«

»Danke, aber ich hole mir ein Sandwich aus dem Café. Ich will hier so schnell wie möglich alles erledigen, und dann ab nach Spanien. Ich brauche einen Neuanfang.«

»Ja«, sagte Freya nachdenklich, »darüber müssen wir uns dringend noch unterhalten.«

»Fang bitte nicht damit an.« Emma runzelte die Stirn. »Ich weiß, du kannst dich ganz und gar nicht mit der Idee anfreunden, aber es ist genau das, was ich brauche. Ich hatte keine Ahnung, dass Mum dort unten ein Haus gekauft hat.«

»Liebes, es ist ganz anders, als du es dir vorstellst. Ich weiß, du – du stellst dir eine himmlische kleine Finca vor, über und über mit Jasmin bewachsen.«

»Nein, das stimmt nicht.« Natürlich tat sie es doch.

»Spanien ...« Freya hielt inne. »Nun ja, ich war ziemlich überrascht damals, als deine Mutter mir erzählte, dass sie das Haus gekauft hat.«

»Warum kommst du nicht mit? Du solltest auch mal Pause machen.«

»Nein«, sagte Freya bestimmt. »Charles und ich haben uns geschworen, Spanien nie wieder zu betreten, nicht nach allem, was dort geschehen ist.«

»Was ist denn geschehen? Keiner von euch hat je erzählt ...«

»Das ist jetzt nicht wichtig«, unterbrach Freya sie. »Es ist eine Ewigkeit her.«

»Aber hast du eine Ahnung, warum sich Mum ausgerechnet Valencia ausgesucht hat? Dort warst du als Krankenschwester, oder?«

»Valencia, Madrid ...« Freya räusperte sich. »Wir sind viel herumgekommen, wo auch immer man uns brauchte.«

»Ich finde, es hört sich wunderbar an. Ich habe im Internet darüber gelesen. Man nennt es den spanischen Garten Eden.« Emma dachte unwillkürlich an Orangenhaine, die nach Neroli dufteten, Gärten voller Jasmin und kühle Kirchen, in denen es nach Weihrauch roch.

»Natürlich weiß ich das«, entgegnete Freya barsch. »Das ist eine lächerliche Idee. Ich weiß nicht, was sich Liberty dabei gedacht hat. Nach dem, was sie gesagt hat, hat seit Jahrzehnten kein Mensch mehr etwas an dem Haus gemacht. Wahrscheinlich ist es einsturzgefährdet, und du hast mit dem Baby alle Hände voll zu tun. Du bist verrückt! Du hast keine Ahnung, wie viel Arbeit ein Kind macht. Du brauchst Familie um dich herum.«

»Ich ...« Emma hielt inne. »Ich muss das machen.« Sie hörte, wie Freya tief Luft holte.

»Du bist genauso stur wie deine Mutter.«

»Ich weiß.« Emma blickte die Straße hinunter, während die letzten Schulkinder verschwanden. »Ich weiß, ich kann es durchziehen. Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, und dank Mum habe ich immer gespart. Ich kann es mir leisten, ein paar Monate freizunehmen, mir Hilfe zu engagieren, um das Haus in Ordnung zu bringen, vielleicht sogar jemanden, der mir mit dem Baby hilft.«

»Ich weiß, ich weiß. Du bist ein vernünftiges Mädchen, schon immer.«

»Ich verspreche dir, dass ich immer wieder hin und her fahre. Ich will es einfach als Ferienhaus benutzen, es ist also nicht so, als würde ich dir dein Enkelkind wegnehmen.«

Freya schwieg. »Natürlich. Hör zu, ich will nicht streiten, jetzt, da du gerade nach Hause gekommen bist. Komm vorbei, sobald du dich eingerichtet hast.«

»Das mache ich.«

»Ich hab dich lieb, Em«, sagte Freya.

»Ich dich auch, Grammy.«

Freya überlegte. »Das hast du seit Jahren nicht mehr zu mir gesagt.«

»Danke, für alles«, sagte Emma und spielte mit dem goldenen Medaillon, das sie um den Hals trug. Sie wickelte sich die Kette um den Finger. »Ohne dich hätte ich das alles nicht geschafft, aber jetzt brauche ich einen Neuanfang.«

 

 

 

Kommentare

1.
mariesuisse am 29.07.2013

vielen dank! nun noch die faulheit, bequemlichkeit überwinden, sich disziplinieren und los geht's

2. Danke - habe die Anregungen aufgenommen und hoffentlich gut umgesetzt
Christof Wolf am 06.07.2015

Die Tipps und Ratschläge waren sehr wertvoll. Habe zwar schon vier Bücher auf dem Markt, doch bei meinen Manuskripten 5 und 6 habe ich mich an die genannten Regeln gehalten: herausgekommen ist ein Thriller mit dem Titel "Blutakademie" und ein historischer Roman, der im letzten Jahrhundert spielt: "Frollein Erika und das blutige Sternenbannerhalstuch". Jetzt muss ich nur noch die Leute von Piper überzeugen, sich meine Storys anzusehen. Ha!

3. Danke!!
;-) am 31.08.2015

Ich bin zwar erst 13, aber ich schreibe auch gerade einen roman. Wehe, ihr lacht über mich!! Danke für die Tipps. Ich versuch sie einzuhalten;)

4. Toll! DAnke für die Tipps!
:) am 16.10.2015

Ich bin auch erst 12, und schreibe auch ein Roman. Mit diesen Tipps bin ich wesentlich weiter gekommen! Danke!
Ich kann sie leider nicht immer einhalten.

5. Vom großen Glück, ein Buch zu schreiben
Gabriele Reiß am 28.10.2015

Danke für die wertvollen Anregungen!
Seit 12 Jahren bin ich schreibsüchtig. Der Tanz mit den Worten macht mich glücklich und ich lese mit eigenen Augen, dass mich die Übung weiterbringt.
In den letzten 4 Jahren habe ich hart an meinem Reisebericht gearbeitet und lese schon seit Monaten aus dem Manuskript öffentlich vor. Ich weiß, dass ich Sie nicht beeindrucken kann, wenn ich erzähle, dass die Liste derer, die das künftige Buch kaufen wollen, immer länger wird. Trotzdem erwähne ich es, weil es nun mal so ist.
Ich träume nicht von dem großen Wurf (wenn er käme, würde ich ihn allerdings nicht abwehren) - ich träume davon, bei Piper-Malik zu veröffentlichen! Die Bücher Ihres Verlages/Ihrer Autoren haben mich mein Leben lang begleitet.
Nun liegt meine Mappe in dem gigantischen 'Stapel' der nicht erbetenen Manuskripte und wartet darauf, geprüft zu werden. In der Zwischenzeit arbeite ich weiter an meiner Reisegeschichte, damit sie Tag für Tag besser wird. Von nix kommt nix, wie man weiß...

6. Klingt sehr inspirierend
Nathalie am 01.12.2015

So also die Anleitung haben wir nun nur noch die Idee finden und die Rechtschreibung in den Griff kriegen.

Den wer will schon ein Buch mit 1000 Fehlern.

7. Danke
Marie am 26.12.2015

Ich bin erst zwölf und habe seit 1 Jahr ein buch geschrieben. Bei den Tipps hab ich sie ohne zu lesen eingehalten. Normaler weiße bin ich sehr faul nur diesmal war ich diszipiniert. Deswegen habe ich irgendwie angst das mein Buch schlecht ist. Immerhin stecken so viele meiner Emotionen darin. Aber ich probiere es mal. Seit ich klein bin, war mein größter Traum an einen Buchladen vorbei zugehen und im Schaufenster steht mein Buch.

8. Schöne Inspiration, leider bleibt die Verlagssuche weiterhin ein Disaster.
Silvia Stede am 05.01.2016

Das alles sind wahrhaft wertvolle Ratschläge. Doch leider hat mich, die ich seit frühester Kindheit schreibe, auch die Umsetzung selbiger, bis zum heutigen Tage nicht weitergebracht. Ich schreibe nicht nur viel, sondern lese auch entsprechend. Bücher sind meine Leidenschaft. Mit mittlerweile 44 Jahren bin ich gerade dabei, meinen vierten Roman zu vollenden. Und ich weiß, es gibt durchaus erfolgreiche Autoren, die schlechter schreiben als ich. Das alles liegt ja auch im Auge des Betrachters. Dennoch erscheint es mir unbegreiflich, wie steinig der Weg für junge Autoren ist, ein entsprechendes Verlagshaus zu finden. Seit nun mehr 30 Jahren schicke ich meine Bücher und Gedichte ein. Ohne Erfolg. Ich bin sicher, die meisten Manuskripte landen ungelesen im Papierkorb. Wie soll da die Chance auf Erfolg bestehen, wenn selbst die kleinen Verlage mittlerweile davon abraten Manuskripte einzusenden?
Nein, trotz der gutgemeinten Ratschläge, ist es so gut wie unmöglich einen Fuß in die Tür eines ansprechenden Verlagshauses zu bekommen.
Trotzdem, allen Suchenden weiterhin viel Glück.

9. Nette Ratschläge, doch bin ich leider derselben Meinung wie @Silvia Stede
T.K. Alice am 15.02.2016

Ich habe nun diese Tipps durch Zufall entdeckt und einmal neugierig hinein gesehen - es sieht wirklich vielversprechend aus, für all jene, die das Schreiben gerade beginnen wollen. Hilfreiche Tipps, durchaus.
Doch die meisten, wie ich feststellen muss, habe ich auf meine Weise auch schon ganz allein entdeckt - oder habe einfach meine eigene Weise, die bereits seit einer Weile gut für mich funktioniert. Allerdings ist das auch gar nicht das Problem.
Nein, es ist eher derselbe Wermutstropfen, den auch die kommentierende Dame Nummer 8 entdeckt zu haben scheint. Ich selbst muss natürlich anmerken, noch nicht gar so lange zu schreiben - jedoch entwickle ich in meinem Kopf bereits Geschichten, seit ich sieben Jahre alt war. Nun schreibe ich seit etwas über zwei Jahren und sitze gerade an meinem 3. Roman (simultan schreibe ich an mehreren davon, jedoch hauptsächlich an einem bestimmten - zwei Weitere sind bereits beendet) und ja, mit meinen 19 1/2 Jahren habe ich bestimmt noch eine Weile Zeit, doch das Traurige ist in der Tat, dass Verlage immer seltener Bücher annehmen. Der erste Roman, welchen ich beendet hatte, wurde von einer professionellen Literatur Agentur am Telefon abgespeist, tatsächlich beleidigt und das alles nur, weil es um Engel, Werwölfe und Co. ging, und das der Meinung dieser Frau nach, einfach nicht "originell" genug war. Klar, nun bin ich unbekannte Self-Publisherin und somit ist das Buch jetzt nicht der große Überflieger, doch kann ich durchaus sagen, dass die Geschichte sogar einen herben Kritiker durch Originalität überzeugte - also gewisse Punkte, die einfach neu waren. Während die Frau von der Agentur nicht einmal eine Textprobe sehen wollte, was meiner Meinung nach zur Einstufung einer Geschichte schlichtweg essentiell ist.
Ich will nun nicht sagen, dass ich auch besser bin als viele bekannte Buchautoren - vielleicht habe ich einfach nicht denselben Mut und das Selbstvertrauen wir @Silvia Stede, oder bin nur realistisch - aber es gibt Leute die meine Geschichten lieben und jene die Sagen, sie kennen durchaus Bücher bei Verlagen, die schlechter sind und nicht verstehen, warum meiner ersten Beiden abgelehnt wurden. Gut, ich habe es auch nicht oft versucht und war schnell klein zu kriegen, daher kann ich auch hier nicht dieselbe Erfahrung aufweisen wie meine Vorrednerin, doch ich möchte damit einfach sagen, wie einfach es heutzutage ist, von einem Verlag abgelehnt zu werden.
Besonders interessant finde ich an dieser Stelle de Tipp, zu schreiben was das Herz einem sagt anstatt zu schreiben, was der Markt vielleicht gerade verlangt - denn Tatsache ist, das man in den meisten Fällen behandelt wird, als hätte man Müll eine neue Form verliehen, wenn man mit etwas ankommt, dass der Markt derer Meinung nach gerade nicht verlangt...
Tut mir leid für die rauen Worte, doch so fühlt es sich meist an.

Ich weiß auch nicht, weshalb ich das kommentiere - doch ich fühlte mich einfach dazu gezwungen, da ich diesen Umstand doch als sehr traurig befinde.
Ansonsten sind das hier, wie gesagt, für Anfänger, oder Schreiber die nicht recht wissen wie sie es besser anstellen können, sehr gute Tipps, denke ich. Nur ist es, nachdem der Roman erst einmal geschrieben wurde, schwer etwas damit anzufangen. Auf Seiten im Internet wird er vermutlich nur in der Masse untergehen - und bei Verlagen hat man meist noch sehr viel weniger Glück. Was bleibt einem dann, um nicht damit unglücklich zu werden?

Aber nun gut, bei weitem genug gesagt - auch ich wünsche allen Suchenden, weiterhin viel Glück.

10. Echt gute Tipps!
Selina am 17.12.2016

Ich schreibe schon seit ich klein bin und habe einen eigenen Ordner voller Ideen. Mein Problem sind wie man merkt nicht die Ideen sondern das Genre. Ich fange immer wieder neu an breche ab und fange mit einem neuem Thema wieder an. So geht das hin und her, heute schreibe ich über eine Elbin mit Entdeckerdrang der ihr durch ihren Vater unterdrückt wird und gestern schrieb ich noch an einem Drama über ein verhaltensgestörtes Mädchen das sich finden muss. Meistens bekomme ich eine Schreibblockade und weiß einfach nicht wie ich bis zu dem Punkt den ich vor Augen habe weiterschreiben kann. Aber die Tipps waren trotzdem hilfreich!

11. Herrje, warum schreiben so viele ?
Eduard Moriz am 25.12.2016

Verlage suchen nicht das Normale. Von der schwer verkäuflichen Midlist sind die Programme voll. Und die meisten Autoren bewegen sich darunter.
Sie suchen das Besondere.
Alles beginnt mit einer eigenen, eigenartigen Sprache.
Engel + Werwölfe - geschenkt. Jeder Lektor und Agent fängt an zu lesen, wenn er einen Grund dafür hat. Irgendwas Eingeschicktes wird weggeklickt.
Also: Warum ist dies origineller, witziger, spannender, klüger, ergreifender oder was auch immer als alles, was es längst zigtausendfach gibt?
Me too - hat keine Chance.

12. Und manchmal bringt einen der Zufall auf eine Seite im unendlich großen Internet und motiviert , endlich mit dem Schreiben zu beginnen. Danke für die Motivation!!!
ursula am 31.12.2016

Vielen Dank für die Inspiration. Ich werde gleich mit Elan meine erste Protagonistin entwickeln und wir werden sehen wohin die Reise führt:)

13. Es ist nicht die Motivation, sondern die Motivation aufrecht zu erhalten. Diese Tipps sind klasse!
Robbe am 10.01.2017

Motivation ist sehr wichtig, wenn man die Idee hat einen Roman zu schreiben. Ich persönlich scheitere nicht an der Idee oder an der Kunst zu schreiben, sondern an der Zeit, an der Motivation, an der Disziplin. Seit fast 7 Jahren sitze ich an meiner Geschichte. Ich bin kein Kind von einfachen Dingen, sondern jeder Satz muss bei mir perfekt klingen. Das ist mein größtes Problem. Ich bin ein Fantasy Fan und ja meine Geschichte ist ein riesiges Fantasy Abenteuer mit allem was dazu gehört. Ich bin nun wieder dran und mein Ziel ist es, die Geschichte zu ende zu bringen und mal sehen was passiert. Ob man einen Verlag findet oder nicht ist einfach nur Glück und wenn man an seine Träume glaubt sollte man nie aufgeben finde ich. Daher wünsche ich allen weiterhin viel Glück. (Ps der beste Tipp fürs Schreiben meiner Meinung nach, ist der Ort. Ein Ort an dem man sich super super gut fühlt ist das Geheimnis) ;-)

14. Dankeschön
Sabrina KIEFNER am 06.04.2017

Diese Seite war für mich sehr inspirierend. Habe mich sozusagen warmgeschrieben und einen Roman mit autobiographischen Zügen als E-book verlegt, aber für mein neues Projekt einer Biographie über eine hochinteressante Frau suche ich noch nach der unfehlbaren Methode. Die Tips, wie "Action" aufgeteilt wurde und wie wichtig das erste Kapitel ist, helfen mir weiter. Das Schreiben ist eine einsame Angelegenheit, aber es hat eine befreiende Wirkung.

15. Veröffentlichung müsste mir egal sein
Danny Selby am 09.05.2017

Man lebt nur einmal. Ha! Verstanden? Die Zeit läuft nur in eine Richtung! Und wenn ich sie auf Dinge verwende, die nutzlos sind, die keinen Sinn machen, die mich abhalten, dann verschwende ich die Zeit. Wenn also das Schreiben per se nicht schon als sinnvoll, als Erlösung betrachtet wird, dann muss ich es nicht machen. Und bloß, weil es keiner veröffentlichen will? Da hätten sich schon andere Schriftsteller beklagen können, die heute zur Weltliteratur zählen. Eine frohe Zeit beim Schreiben wünsche ich und ja, Strukturen sind sinnvolle Hilfestellung. Danke dafür!

16. Danke für die Tips!
Hatsune Miku am 30.05.2017

Für mich ist es am schwersten erst mal eine Idee zu finden, mit der ich auch wirklich das Gefühl habe durchstarten zu können. Oft habe ich das Bedürfnis, meine Gedanken und Gefühle in einem Roman auszudrücken. Doch wie schreibt man einen Roman, wenn seine Ideen nicht ernst genommen werden? Es heißt, man soll mit dem Herzen schreiben und nicht das, was der Markt verlangt. Aber wie soll man sich denn für sein eigenes Buch begeistern können, wenn es nur als lose Zettel im Regal einstaubt und man weiß, dass es niemals jemand außer einem selbst lesen wird?
Ich finde diese Gedanken sehr bedrückend aber hoffe trotzdem, dass wenn ich einestages zum schreiben komme, ich auch mein eigenes Buch irgendwann mal in einem Schaufenster sehen kann. Ich bin mir sicher, die Tips werden mir dabei helfen, meinen Traum eines Tages zu verwirklichen. ; )

17. Danke, für diese Worte!
Raphael H. Schillinger am 21.07.2017

Heute ist es soweit und ich werde meine Disziplin neu entdecken. Für die geteilten Worte in diesem Forum, bedanke ich mich recht Herzlichen. Dennoch muss ich ein paar Aussagen und deren Einstellung meine Kritik zu wenden. Es ist belanglos, Menschen mit einer lebenden Fantasie, durch eigenen Misserfolg unsicher zu stimmen. Ja,seien es nur 2 % die einen großen Verlag überzeugen können,das ich durchaus verstehen kann. Liegt das nunmehr an der eigenen Einstellung zum Erfolg. Ich kämpfe seit Jahren in einer Situation,die mir all zu fremd erscheint und nehme man die Aspekte der weiter Bildung und der aufgeweckten Neugier so wird man den Erfolg für sich selbst entdecken. Ein Buch oder eine Geschichte sind meiner Meinung nach,keine Erzählung die man einfach mal ließt um sich zu verkriechen oder von seiner negativen Einstellung in der eigenen Situation der Gegenwart abzulenken. So bin ich erfolgreich in dem was ich tun werde und entwickle mich weiter. Das Vorhaben großes Geld zu machen sollte nicht der Anregung dienen.
"erzähle dir deine eigene Geschichte"

18. Verträumte Vorstellung, Realität ist anders
Peter Rentzsch am 17.08.2017

Klingt logisch und spannend. Nur, Verlage gehen sehr kommerziell an die Auslese, was der Autor der Empfehlung nach wohl nicht tun soll. Er sollte sich selbst treu sein, ehrlich und seiner Vorstellung treu. Der Piper Verlag war schon oft mein Favorit, auch heute. Trotzdem halte ich mich vorerst zurück, ...weil ich meine besten 20 Seiten abliefern soll. Woher weiß ich welche Seiten ich weniger mag? Da wünschte ich mir eher, die ganze Datei zu verlangen, um Stellen im Exposé nachschlagen zu können. Allein die Charaktere Beschreibungen der Anta- und Protagonisten Bedarf in jedem Manuskript ehrlich 15 Seiten. 1 bis 2 Seiten für ein Exposé klingt nach Überfliegen in der Mittagspause. Tatsächlich hat niemand mehr Zeit, die Rosinen aus dem Kuchen zu picken. Doch meistens ist der große Kuchen besser als die wenigen Rosinen. Daher wünschte ich mir für jeden Verlag eine Abteilung für die Einlese/Auslese um die Self Publizie Verlage zu minimieren, die wohl zu den größten Konkurrenten gehören und den Markt schwächen.

19. selbstverlag Buch veröffentlichen
Melitta am 10.09.2017

Hallo ,

auch ich zwirbel schon lange an meinen 500 Seiten herum die ich bisher schon geschrieben habe. Mir gelingt es nicht die einzelnen Kapitel zu verknüpfen und soweiter. Aber eigentlich wollte ich auf die Leute hier eingehen die Probleme haben mit Verlagen ihr Buch zu veröffentlichen. Habt ihr es schon einmal mit einem selbstverlag /self publishing Verlag probiert . Das ist vielleicht eine möglichkeit sein Buch zu veröffentlichen . Wenn ich fertig werden würde würde ich es gerne selber darüber versuchen. Vielleicht konnte ich mit dem Beitrag helfen/ Ich weiss nicht ob ich einen Selbstverlag hier nennen darf deswegen guckt euch im Netz um. Viel Erfolg. Melitta

20. Mein erster Blick auf eine Verlagsseite
Beate am 27.02.2018

Menschenskinder! Auch ich schreibe seit meinem 16. Lebensjahr an Ideen und brachte nie etwas fertig (Ich werde in diesem Jahr 40!). Nun sieht es so aus, als könne mein erster (fertiger) Roman endlich ans Licht der Öffentlichkeit. Die Tipps von oben werde ich beim Bearbeiten der Abgabefassung berücksichtigen und hoffe inständig, dass sich mein Traum, eines Tages mein eigenes Buch aus dem Regal eines Buchladens zu ziehen, innerhalb der nächsten Jahre erfüllt. Auch - und das sagt selbst meine Schwester - wenn es mittlerweile so viele Neuerscheinungen auf dem Markt und noch sehr viel mehr eingereichte Manuskripte gibt und man schon froh sein kann, wenn mal 10.000 Exemplare von einem Buch verkauft werden und man noch laaange nicht vom Schreiben leben kann.
Wer wissen möchte, was einen guten Roman oder eine besondere Geschichte ausmacht, sollte Klassiker lesen wie z.B. 'Moby Dick' oder 'Die Tochter aus Elfenland'. Es ist immer auch die Besonderheit der Sprache, die Atmosphäre schafft. Fehlerfreiheit ist eine Grundbedingung. Und Einfachheit.
Am Schreiben fasziniert mich vorallem, dass sich die Charaktere wie von selbst weiterentwickeln und man daher oft gar nicht anders kann, sie auf diese oder jene Weise handeln zu lassen. Man kann dabei soviel mehr über sich und das Leben erfahren. Ich lebe in allen meinen Figuren!

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