
Tage in Weiß - eBook-Ausgabe
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„Eine berührende Erzählung über den Alltag eines Arztes“
Münchner MerkurBeschreibung
Mit existenzieller Tiefe und literarischer Lakonie erzählt Rainer Jund Geschichten, die uns alle betreffen. Weil sie uns zeigen, was wir sind: ein Wunder, verletzlich, ein Mensch.
Eine aparte Kunsthistorikerin und ihr Mann auf Hochzeitsreise in Florenz. Zwischen dem größten Glück und der Katastrophe geht etwas verloren – die Selbstverständlichkeit des Lebens. Eine abrupte Gehirnblutung ändert für die Frau alles. Immer an ihrer Seite ein Klinik-Arzt, der in der Unfassbarkeit seines Alltags alles erlebt: Momente der Empathie, das bloße Funktionieren im Notfall, als er einem kleinen Jungen nach…
Mit existenzieller Tiefe und literarischer Lakonie erzählt Rainer Jund Geschichten, die uns alle betreffen. Weil sie uns zeigen, was wir sind: ein Wunder, verletzlich, ein Mensch.
Eine aparte Kunsthistorikerin und ihr Mann auf Hochzeitsreise in Florenz. Zwischen dem größten Glück und der Katastrophe geht etwas verloren – die Selbstverständlichkeit des Lebens. Eine abrupte Gehirnblutung ändert für die Frau alles. Immer an ihrer Seite ein Klinik-Arzt, der in der Unfassbarkeit seines Alltags alles erlebt: Momente der Empathie, das bloße Funktionieren im Notfall, als er einem kleinen Jungen nach einer Mandel-OP das Leben rettet, die Zartheit des Abschieds einer alten Frau von ihrem geliebten Ehemann und das Wunder der Geburt.
Über Rainer Jund
Aus „Tage in Weiß“
Prolog
Als ich an seinem Krankenbett saß, ich war Student, lief das Radio, und es roch ein wenig nach Nikotin und Männersocken. Der Mann hatte gelbe Haare, keine Zähne mehr, und an der Stelle, an der normalerweise die Bindehaut ist, war eine ledrige, trübe Membran, durch die sich die Adern wie durch einen Fledermausflügel schlängelten. Er konnte nicht mit mir sprechen, da unterhalb des verwucherten Kehlkopfs eine Kanüle in seinem Hals steckte. Es war meine Aufgabe, sie ab und zu von zähem Schleim zu befreien und die Luftröhre des Alten abzusaugen. Dabei hustete er [...]
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Herr Jund, Sie arbeiten hauptberuflich seit vielen Jahren als Arzt. Was brachte Sie dazu darüber ein literarisches Buch zu schreiben?
Ich wollte mehr erforschen, die Flächen dahinter illuminieren und die Besonderheit, die Dichte und auch die Poesie beschreiben, die die Medizin ausmacht. Und damit uns Menschen ausmacht, denn Medizin handelt in erster Linie vom Menschen und dessen Fragilität. Die Sehnsüchte und die Auflehnung lassen sich für mich nur literarisch bewältigen. Aufhören zu schreiben, würde für mich auch bedeuten, mit dem Hinhören aufzuhören, die Entdeckung zu stoppen.
Das bedeutet, die Geschichten Ihrer Erzählungen sind alle wirklich so passiert?
Keine der Geschichten ist auf einem bodenlosen Loch – aus dem Nichts – konstruiert, alle könnten sich medizinisch und soziologisch exakt so ereignet haben. Sie hätten so geschehen können und es gibt noch unendlich viele andere. Spielt es dann eine Rolle, ob die Figuren und ihre Hoffnung, ihre Erlösung oder ihr Leid, auf dem Papier identisch mit realen Begebenheiten in der Klinik waren? Es war eher ein Mikroskopieren: Ich habe versucht, die Wirklichkeit, egal wie sie gewesen ist, in verschiedenen Vergrößerungen zu durchleuchten.
Ihre Figuren erleben sehr unterschiedliche Situationen: Momente der Heilung, Momente des Verlusts – wie verändert sich als Arzt der Blick auf den Menschen?
Der Blick ist am Anfang unbedarft und neugierig, voller Motivation, das zu lernen, was man zur Erfüllung seiner Aufgaben braucht. Schnell lernt man zu fokussieren, nimmt einen millimetergroßen anatomischen Bezirk des Menschen in den Blick, und erst später das große Ganze. Überwindet man die ersten Erfolge, die Technik, die Routine, wird der Horizont frei. Demut und Respekt tauchen auf.
Und ist die Literatur besonders geeignet, diesem neuen Blick Ausdruck zu verleihen?
Wir ahnen, dass unser Wissen immer unvollendet bleiben wird. Das ist der Grund, warum das Träumen, das Lesen und das Schreiben so wichtig sind. Die unbedingte Hingabe an das Leben, der bedingungslose Wunsch, untersuchen und helfen zu wollen - übrigens ureigene ärztliche Ideale - lassen sich literarisch ordentlich beschreiben. Nur mit Hilfe literarischer Formen kann ich die Figuren aus den Geschichten reanimieren und ihnen ermöglichen, mit dem Leser weiterzuleben und einen Teil der Rätsel, die das Dasein für uns birgt, zu entschlüsseln.
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