Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Ich schau dir zu

Ich schau dir zu

Roman

E-Book
€ 9,99
€ 9,99 inkl. MwSt.
sofort lieferbar
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Ich schau dir zu — Inhalt

Als die junge Künstlerin Ysé den erfahrenen Harry heiratet, scheint ihr Glück perfekt: An der Seite des fünfzehn Jahre älteren Mannes hat die Diplomatentochter endlich ein Zuhause gefunden. Doch mit der Zeit erlischt Harrys Leidenschaft – und er ersinnt ein teuflisches Spiel: Ysé darf sich Liebhaber nehmen, so viele sie will – aber Harry will immer dabei sein, ihr zuschauen bei allem, was sie tut ...

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 14.04.2014
Übersetzt von: Gaby Wurster
160 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-98086-9

Leseprobe zu »Ich schau dir zu«

Harry fasst mich schon lange nicht mehr an. Ich bin zwanzig Jahre jünger als er. Seit fünfzehn Jahren leben wir zusammen. Mein Mann versteht, dass ich weiterhin Bedürfnisse habe. Er will nicht hinters Licht geführt werden: heimliche Treffen, Lügen – das würde er nicht akzeptieren. Er selbst wählt meine Liebhaber aus. Anhand von Fotos und Profilen kontaktiert er sie übers Internet. Er stellt genaue Fragen: Vorspiel, Technik, Ausdauer, eventuell Spielzeug; akzeptiert er Präservative oder nicht, gefällt ihm Schambehaarung oder nicht. Die Kontaktpartner [...]

weiterlesen

Harry fasst mich schon lange nicht mehr an. Ich bin zwanzig Jahre jünger als er. Seit fünfzehn Jahren leben wir zusammen. Mein Mann versteht, dass ich weiterhin Bedürfnisse habe. Er will nicht hinters Licht geführt werden: heimliche Treffen, Lügen – das würde er nicht akzeptieren. Er selbst wählt meine Liebhaber aus. Anhand von Fotos und Profilen kontaktiert er sie übers Internet. Er stellt genaue Fragen: Vorspiel, Technik, Ausdauer, eventuell Spielzeug; akzeptiert er Präservative oder nicht, gefällt ihm Schambehaarung oder nicht. Die Kontaktpartner glauben, sie hätten es mit einer Frau unter dem PseudonymYsé zu tun. Im Gegenzug schickt er ihnen Pics, die er nackt oder in verheißungsvollen Posen von mir aufgenommen hat. Diese Fotositzungen sind unsere einzige Intimität. Er befiehlt, ich gehorche. In solchen Momenten wünsche ich mir nach wie vor, er würde mit mir schlafen. Doch das kommt nie vor. Ich glaube, es gefällt ihm, dass ich frustriert bin. Ich weiß, dass sein Glied noch immer reagiert, aber nicht mehr für mich. Ich hatte Gelegenheit, dies unter sehr speziellen Umständen festzustellen – denen er ein Ende gesetzt hat.

 

Zwischen den Spielen der Kinder und denen der Erwachsenen lag wenig Zeit. Jedoch ausreichend viel, damit es einem Mann gelang, aus mir ein Geschöpf der Lust zu machen, das er nach Belieben manipulieren kann. Mein Vater war Diplomat, meine Mutter Diplomatengattin, und so hat die Familie ständig ihre Koffer gepackt und wieder ausgepackt. Madras, Rom, Singapur, Boston.
Wir waren überall und nirgends daheim. Schulen wurden wieder verlassen, sobald man sich eingewöhnt hatte. Die Freunde blieben zurück, die Kinderfrauen, denen man versprach, immer zu schreiben. Die Verstecke im Garten, die man mit großer Mühe eingerichtet und bald darauf verlassen hatte. Französisch zu Hause, Englisch bei Empfängen, die Sprache der anderen, die Fremdsprache, während der seltenen Momente in Freiheit schnell auf der Straße gelernt und genauso schnell wieder verlernt. Später dann die Jugendlieben, auch die Jungen waren Kinder hoher Beamter, die meisten waren erschreckend langweilig und fügsam. Meine Eltern konnten es nicht glauben, als ich erklärte, ich wolle nicht auf die Universität gehen, sondern mein eigenes Leben leben. Ich war neunzehn, sie konnten es mir nicht verbieten, konnten mir lediglich den Unterhalt verweigern. Während ich Arbeit suchte, zog ich nach Paris zu einer Cousine, die älter war als ich und genauso in Ungnade gefallen war. Ich hatte Glück: Claude Sasky, ein international bekannter Künstler, stellte mich als Sekretärin ein. Den Job bekam ich dank meiner Fremdsprachenkenntnisse. Auch meine Vertrautheit mit der guten Gesellschaft spielte dabei eine Rolle. Wir verstanden uns auf Anhieb. Ich war künstlerisch alles andere als ungeschickt, und mein gesunder Menschenverstand überzeugte ihn: Ich wurde seine Assistentin. Bei ihm lernte ich viel. Er riet mir, bei einer seiner Freundinnen Workshops zu belegen. Ich bereue es nicht, seinem Rat gefolgt zu sein. Bei einer Ausstellung in Basel war ich mit der Koordination des Katalogs betraut.

 

In einem Café in der Rue Guynemer beim Jardin du Luxembourg.
Sie sagen:
»Harry Blin. Ich bin ein bisschen spät dran. Entschul digen Sie. «
Sie setzen sich mir gegenüber. Bestellen einen Kaffee. Aus einem Umschlag ziehen Sie einen dicken Stapel Unterlagen. Ohne uns gegenseitig richtig anzusehen, erwähnen wir die Person, die uns miteinander in Verbindung gebracht hat. Dennoch kennen wir nun ein Gesicht, eine Miene, die Art und Weise, die Hände zu bewegen. Wir entdecken unsere Stimmen, die wir am Telefon gehört haben. Vielleicht stellen wir Vermutungen über unser jeweiliges Alter an. Sie zeigen mir ein Layout. Bilder und Texte. Deshalb sind wir hier. Ich trage ein ärmelloses rotes Kleid. Auf das dunkle Rot fließt mein Haar als dunkler glänzender Bach. Ich habe Farbe bekommen an einem Vorfrühlingsnachmittag, den ich neulich an einem Strand in der Normandie verbracht habe. Sie tragen einen schwarzen Anzug. Der offene Kragen des weißen Hemds entblößt den Ansatz Ihrer Brusthaare. Ich höre Sie sprechen. Als Sie mir Fragen stellen, zwinge ich Sie mit meinen kurzen Antworten, weiterzufragen. Im Moment beobachte ich Sie wirklich. Es ist heiß. Unter meinen Achseln bilden sich feuchte Ränder. Ich achte darauf, dass Sie nichts bemerken. Ich rieche meinen eigenen Geruch ohne jedes Parfüm. Sicherlich würde er auch zu Ihnen dringen, wenn ich mich nur ein wenig vorbeugen würde. Unter dem luftigen Stoff vermuten Sie kleine nackte Brüste, die Warzen leicht zusammengezogen. Rosa oder braun? Sicherlich dunkel wie mein Mund, den Sie ohne Weiteres betrachten können, ohne dass es auffällt. Sie bemerken meine Sandalen, auch sie rot, meine nackten Füße, meine Knöchel. Im Geiste wandert Ihr Blick meine Beine hinauf. Dorthin, wo die Haut am zartesten ist. Sie stellen sich das dunkle Vlies vor, die kleine Schwester des Kopfhaars. Das tintenschwarze Dickicht unter dem Slip. Oder eher den leicht gewölbten Hügel, glatt, unbehaart. Vor Ihrem inneren Auge sehen Sie die anderen Lippen, die malvenfarbenen. Den Spalt. Die Feuchtigkeit in diesem Spalt aufgrund der Hitze. Sie wollen daran riechen. Mit Ihren Fingern diese Glut schöpfen.
Ich sage nichts mehr. Gerade eben habe ich angefangen, feucht zu werden. So feucht, dass ich fürchte, es nicht verbergen zu können. Ich ändere meine Sitzhaltung. Überkreuze die Beine. Es wird noch schlimmer. Ich betrachte Ihre Finger, genauer gesagt, den Mittelfinger, der am tiefsten in mich eindringen würde. Der am geschicktesten darin ist, den Schacht zu erkunden. Und dann den Zeigefinger, der mitspielen, die Klitoris finden, einen glitschigen Kreis darum herum ziehen würde. Um mich zu erregen, mich ungeduldig zu machen. Dieser Finger würde auf dem Knöpfchen verweilen, es reiben. Ich schlucke meinen Speichel hinunter. Ich höre Ihnen nicht mehr zu. Ich bin in meinem Bauch. Meine Hand drückt heimlich darauf. Knapp unterhalb des Nabels. Um mich zu beruhigen. Ihre Stimme dringt nur gedämpft zu mir. Ich will Ihnen meine Zunge in den Mund stecken. Ich will mich auf die Tischkante setzen. Jetzt, hier. Mich weit öffnen, mich mit beiden Händen spreizen, entblößen, was aus mir herausfließt, ohne dass ich etwas dagegen tun könnte. Der Stoff unter mir wird klebrig. Ihr Gesicht genau im Rahmen des klaffenden Dreiecks, Sie beugen sich vor. Ich sehe deutlich Ihre Zunge, die sich einen Weg bahnt, in mich eindringt, hinaufwandert, an dem erigierten Knopf lutscht. Mein Teil ist hart, rot, geschwollen wie das Glied eines Mannes. Ihre Lippen schließen sich darum, saugen und halten dann einen Augenblick inne. Nur einen Augenblick, aber lange genug, dass ich den Verstand verlieren könnte. Sie heben den Blick zu mir. Ihr Gesicht glänzt von meinem Saft. Ich werde dieses ganze Gesicht ablecken. Lassen Sie mich nicht los. Nicht jetzt. Ich kann nicht mehr. Meine Hand an Ihrem Nacken, ich ziehe Sie wieder an mich. Meine Bewegung ist brüsk, fast grob. Sie sind bereit, mein Verlangen zu befriedigen. Während ich so tun muss, als würde ich weiterhin aufmerksam zuhören, überkommt es mich noch heftiger.
Schnell nehmen Sie einen letzten Schluck von Ihrem kalten Kaffee. Sie verabschieden sich. Vielleicht haben Sie mich durchschaut. Sie lassen sich nichts anmerken. Ich bleibe sitzen, schweige.
»Alles in Ordnung?«
»Ja, ja, es ist wohl nur diese Hitze.«
»Gut. Denken Sie noch einmal über das nach, was wir besprochen haben. Ich lasse Ihnen den Entwurf hier. Wenn Sie wollen, können Sie auch andere Vorschläge machen, dann sehen wir uns in zwei Wochen wieder. Abgemacht ? «
Ich nicke.
Wenn Sie nur wüssten!

 

Ich weiß gleich, dass diese Frau mich erregt. Als ich ins Café komme, suche ich sie mit den Augen. Wir sind uns noch nie begegnet. Haben nur telefoniert und uns hier verabredet. Ich sehe sie von Weitem. Sie liest ein Buch, ihre langen Haare verdecken ihr Profil. Ihr enganliegendes rotes Kleid, ihre Sandalen – das wird mir erst danach auffallen.
»Harry Blin. Ich glaube, wir sind verabredet. Entschuldigen Sie die Verspätung.«
»Macht nichts. Ich habe immer etwas dabei, um mir die Wartezeit zu verkürzen.«
Ihre Stimme ist tief und melodisch. Passt zu ihrer eleganten Erscheinung. Die mich anspricht und dabei etwas Undefinierbares durchscheinen lässt, etwas Distanziertes und Sexualisiertes zugleich. Sie hebt den Kopf, doch ich kann ihre Herkunft nicht gleich einordnen. Halb indisch? Mit chinesischem Blut? Sie nicht anzuschauen, anzustarren, zumindest nicht gleich, erfordert einige Konzentration. Ich setze mich neben sie auf die Bank. So kann man die Unterlagen bequemer zusammen durchgehen. Ein gerechtfertigter Trick, der sogleich belohnt wird. Es ist heiß. Sie verströmt einen leichten Geruch, duftet ein wenig nach Ambra. Auf ihrer nackten Schulter liegt ein kaum wahrnehmbarer feuchter Film. Ihre Haut ist gebräunt, fast dunkel. Ich muss mich beherrschen, nicht meine Lippen auf diese Schulter zu drücken. Ich blättere die Seiten um, gebe ein paar reichlich vage Kommentare dazu ab. Sie lächelt nur. Bei diesem Lächeln werden ihre Augen, die nur zwei Schlitze sind, noch schmaler. Um das Schweigen zu füllen, suche ich nach Worten. Sicherlich zu vielen Worten. Mein Schenkel ist nur wenige Millimeter von ihrem entfernt. Als sie in ihrer Tasche nach Zigaretten sucht, nutzte ich das aus und nähere mich ihr. Ich spüre ihre Wärme. Ist ihr Geruch stärker geworden, oder bilde ich mir das ein, weil ich sie unbedingt riechen will? Sie hat die Beine überkreuzt. Zwischen ihrer Taille und ihren Schenkeln bildet der gespannte Stoff ein Dreieck. Kurz sehe ich sie nackt auf der lederbezogenen Bank vor mir: Sie trägt nur diese roten Sandalen. Zwischen den Beinen ein Nest, so schwarz wie ihr Haar. Ich strecke die Hand aus, spreize sanft ihre Beine, ohne dass sie sich wehrt. Sie lässt zu, dass meine Finger ihren Busch streicheln. Die Berührung lässt mein Glied kribbeln. Ich lasse die Hand sinken.
»Hier hätte ich lieber ein größeres Bild und die Bildunterschrift vielleicht am Rand. Wären Sie damit einverstanden ? «
Ihre Stimme holt mich wieder in die Wirklichkeit.
» Ich … ich denke, das ist eine gute Idee. Ich werde sie am Rand anbringen.«
Ich schnuppere an meinen Fingern, enttäuscht, nicht den ersehnten Geruch daran zu riechen. Ich würde damit gern ihren Mund berühren, die Form ihrer Lippen nachzeichnen, ein wenig den Zeigefinger hineinstecken und ihn an ihrer Zunge langsam auf und ab bewegen. Das Oval ihres Mundes saugt meine Finger ein. Ihr schimmernder Speichel bleibt an meinen Fingerknöcheln hängen. Mein Glied schmerzt. Ich fürchte, meine Bedrängnis entgeht ihr nicht. Ich kann nur meine Jacke ausziehen und sie mir auf den Schoß legen. Sie blättert weiter, aber ich glaube, auch sie ist in Gedanken anderswo. Ich bin leicht zu durchschauen, vielleicht sogar entlarvt. Wieder zucke ich zusammen. Diesmal, weil ihr Haar meinen Arm streift.
Mir ist, als würde ich die Ausdünstungen eines Tieres wahrnehmen. Mit einer Handbewegung packe ich das dichte dunkle Büschel und ziehe sie so brutal nach hinten, dass ihr die Tränen kommen. Da ist Härte. Begierde. Hals und Oberkörper bilden einen Bogen. Die Brüste unter ihrem Kleid stehen erregt hervor. Ich lockere meinen Griff. Beiße sie in den Hals. Meine Hände auf ihrer Brust, wo ihr Herz rasend klopft. Sie schieben das Kleid hinauf, wühlen sich in den Slip, spüren diese überraschende Nässe, und mein Sperma spritzt heraus, ohne dass diese Frau mich berührt hätte.
»Und die Titelseite? Ich sehe das Thema nicht«, sagt sie, während sie die Unterlagen zusammensammelt. »Sie erinnern sich – Sasky will eine durchgehende Linie, dasselbe Thema wie auf dem Ausstellungsplakat und der Einladung zur Vernissage.«
» Die Titelseite ? Ach ja, die Titelseite … Ich arbeite noch an mehreren Optionen. Ich schicke Ihnen die Dateien zu, spätestens morgen. Anschließend treffen wir uns wieder. Rufen Sie mich an.«
Ich gehe. Mein Büro ist ganz in der Nähe. Dorthin will ich mich zurückziehen. Die Augen schließen und nur nackte Füße unter dem gekreuzten Steg der Sandalen sehen. Und im Nu kommen.

Über Paule Angélique

Biografie

Paule Angélique, die in Italien und Frankreich lebt, arbeitet als Schriftstellerin, Redakteurin und Model. Sie liebt es zu lesen und zu reisen.

Kommentare zum Buch

Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden