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A Whisper of Stars (A Whisper of Stars 2)

Tami Fischer
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„Wie auch schon im ersten Band ist das, was Tami Fischer hier erschaffen hat, wirklich etwas Einzigartiges. Ihre Gedankengänge, die Verknüpfungen, die sie hier in das Buch mit eingebaut hat und all die wertvollen und beeindruckenden Details - all das habe ich ich schon im vorherigen Band wahnsinnig faszinierend gefunden und auch diesmal ging es mir nicht anders damit.“ - charlie_books

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A Whisper of Stars (A Whisper of Stars 2) — Inhalt

Liebe, Sternenstaub & ein erschütternder Verrat 

Die Suche nach dem Sternenstaub führt Olivia und ihre Freunde nach Neuseeland. Doch dort erwarten sie nicht nur Geheimnisse und neue Verbündete: Gefährliche Träume suchen Olivia heim, und ein rätselhafter Bann lässt sie verstummen, sobald sie versucht, über sie zu sprechen. Nicht einmal Jamie, der ihr Herz höher schlagen lässt, schafft es, Olivia zu helfen. Als sich die Ereignisse auf einmal überschlagen, steht viel mehr auf dem Spiel als ihr aller Leben. Olivia muss sich entscheiden, was ihr wichtiger ist: ihr Herz, ihre Seele oder das Richtige zu tun …

€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 31.03.2022
336 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-70592-9
Download Cover
€ 12,99 [D], € 12,99 [A]
Erschienen am 31.03.2022
336 Seiten, WMePub
EAN 978-3-492-99835-2
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Leseprobe zu „A Whisper of Stars (A Whisper of Stars 2)“

1. Kapitel


Keuchend schlug ich die Augen auf. Ein Nebel aus Schmerz umgab mich sowie eine dünne Wolldecke, die sich in meinen Beinen verheddert hatte. Einen Moment lang war ich vollkommen desorientiert, wusste nicht, wo ich hinblicken sollte. Ich befand mich noch immer im Wohnzimmer und noch immer lief der Fernseher vor mir. Allerdings war es nicht mehr die Dokumentation über eine mexikanische Pferderanch, sondern sah eher aus wie eine Dokumentation über Vögel.

Mein Körper war schwer wie ein Sack voller Steine. Er war steif und schmerzte, als hätte ich [...]

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1. Kapitel


Keuchend schlug ich die Augen auf. Ein Nebel aus Schmerz umgab mich sowie eine dünne Wolldecke, die sich in meinen Beinen verheddert hatte. Einen Moment lang war ich vollkommen desorientiert, wusste nicht, wo ich hinblicken sollte. Ich befand mich noch immer im Wohnzimmer und noch immer lief der Fernseher vor mir. Allerdings war es nicht mehr die Dokumentation über eine mexikanische Pferderanch, sondern sah eher aus wie eine Dokumentation über Vögel.

Mein Körper war schwer wie ein Sack voller Steine. Er war steif und schmerzte, als hätte ich einen schweren Marsch hinter mir.

Ich zwang mich, mich aufzusetzen, was bei dem weichen Polster des Sofas gar nicht so einfach war, und strich mir mit dem Handrücken über die nasse Stirn. Was auch immer ich geträumt hatte, mein Atem war so flach und schnell, dass mir schwindelig war. Mehr noch als das. Mir war schlecht.

Ein unsägliches Brennen erfüllte meinen Geist, dass mich von Kopf bis Fuß zittern ließ. Es war eine Art von Erschöpfung, an die ich mich traurigerweise allmählich gewöhnte. Immerhin kämpfte ich damit nicht erst seit ein paar Tagen, sondern nun schon fast zwei Wochen. Zwei Wochen, seit wir aus Flagstaff in Arizona aufgebrochen und nach Neuseeland geflogen waren. Und ganze vier Wochen seit den Geschehnissen in der Zone des Mächtigen Aldebaran. Man sollte doch meinen, dass ich mich allmählich besser fühlen sollte, da ich nun schon seit zwei Wochen nichts anderes tat, als mich auszuruhen. Doch es wurde nicht besser. Genauer gesagt war sogar das Gegenteil der Fall.

Was auch immer mit mir geschah, es wurde mit jedem Tag schlimmer. Ich fühlte mich deplatziert und gefährlich losgelöst von allem um mich herum. So, als wäre mein Geist kurz davor, sich gänzlich von meinem Körper zu trennen.

Deshalb öffnete ich auch mit ungeschickten Fingern das kleine Ledersäckchen, das ich um den Hals trug, und griff hinein.

Ich stöhnte vor Erleichterung, als meine Fingerspitzen mit dem dunklen Sand in Berührung kamen. Sternenstaub. Vibrierende, kühle Kraft durchströmte mich, erdete mich, floss über mich hinweg und legte sich um meinen Geist, bis er regelrecht dazu gezwungen war, wieder mit meinem Körper zusammenzuwachsen. Das war die Macht, die Aldebaran innewohnte. Verwunderlich war das nicht, immerhin manifestierten sich die Kräfte des Sterns in unserer Welt im Element Erde. Das Ledersäckchen war Jenkins’ Idee gewesen; damit ich an den Sternenstaub gelangen konnte, wann immer ich ihn brauchte. Und das war nicht gerade selten.

Allmählich verlangsamte sich mein Puls und der Nebel aus Schmerz in meinem Kopf lichtete sich ein wenig. Zurück blieb eine drückende Erschöpfung – und ein dumpfes Stechen hinter meinen Schläfen. Jeden Tag war es das Gleiche. Ich wachte auf, panisch, verschwitzt und ausgelaugt, und berührte Aldebarans Sternenstaub. Und nie hatte ich auch nur den leisesten Schimmer davon, was ich träumte, was der Grund dafür war, dass sich mein gesamter Körper im Fluchtmodus befand. Ich konnte also den ganzen Tag über nichts anderes tun, als mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Seit ich Jamies Seele gerettet hatte … war ich krank. Ich war der Grund, weshalb wir absolut nichts unternehmen konnten, obwohl wir es eigentlich mussten. Weil die Uhr tickte. Uns blieben nur noch etwa zehn Monate, dann würde ein Stern auf Hawaiki fallen – auf Jènnye, wie meine Heimatinsel eigentlich hieß. Und dieser Stern würde das Siegel brechen, mit welchem die Hydrus, neun dunkle, machtvolle Sterne, seit über tausend Jahren eingesperrt waren. Sie würden freikommen und die ganze Welt in Chaos stürzen – wenn sie nicht jemand aufhielt. Und da kamen wir Beschenkte ins Spiel; das waren Finn, Jamie, ich und eine unbekannte vierte Person, die wir bisher noch nicht gefunden hatten. Denn als Nachfahren der vier Krieger, die einst dafür gesorgt hatten, dass die Hydrus eingesperrt wurden, war es unsere Aufgabe, unser Erbe, sie nach ihrem Ausbruch erneut in die Höhlen der Insel einzusperren. Selbst wenn ich bei voller Gesundheit gewesen wäre, selbst wenn wir jede freie Minute aufs Härteste trainiert, nach der vierten beschenkten Person und nach den Zonen gesucht hätten, in welchen der Sternenstaub der Mächtigen versteckt war, wäre es vermutlich eine Sache der Unmöglichkeit geblieben. Obwohl der Sternenstaub aller fünf Mächtigen nach und nach das Erbe von uns vier Beschenkten wecken und die Begabten stärker machen würde.

Doch nicht einmal unser Bestes konnten wir nun geben. Wegen mir. Keiner von uns hätte gedacht, dass meine Seele und mein Geist so lange brauchen würden, um sich zu erholen. Ehrlich gesagt traute ich mich gar nicht, vor den anderen zuzugeben, dass ich bisher noch überhaupt gar keine Besserung hatte feststellen können, sondern nur Verschlechterungen.

Verzweiflung schnürte mir den Hals zu und ich schloss die Augen. Könnte ich mich doch nur erinnern. Wüsste ich doch nur, was ich eigentlich träumte. Vielleicht würde es mir dabei helfen, endlich zu heilen.

Mit einem Seufzen schaltete ich den Fernseher aus und kämpfte mich auf die Beine. Eine Bewegung, die das Pochen in meinem Kopf noch stechender werden ließ. Durch die geschlossenen großen Fenster drangen Kampfgeräusche, weshalb ich zu ihnen trat und in den riesigen Innenhof des alten Anwesens hinausblickte, in welchem wir nun wohnten. Die anderen trainierten. Nicht nur die Begabten aus Flagstaff, die uns hierher nach Neuseeland begleitet hatten, sondern auch Finnley. Mein bester Freund.

Ich beobachtete, wie er und Gregor auf einer Fläche aus blauen Trainingsmatten standen. Finn nutzte die Kräfte, die er von seinem Mächtigen Aldebaran bekommen hatte. Er stand da, wortwörtlich wie ein Fels, und Gregor hatte keine Chance, Finn zu bewegen. Und das, obwohl Greg wirklich groß war und mit Abstand der muskulöseste Mensch, den ich je gesehen hatte. Kein Schlag ließ Finn zusammenzucken und es war wirklich beängstigend, mit welcher Intensität und Brutalität Gregor auf ihn einschlug. Er nahm sogar Anlauf und rannte gegen Finn, was jede verriegelte Tür aufgebrochen hätte. Doch stattdessen sackte Greg zu Boden. Sein Angriff hatte denselben Effekt auf Finn, als hätte er ein Papierkügelchen aus einem Blasrohr auf ihn abgeschossen. Selbst von meiner Position am Fenster im zweiten Stock konnte ich Gregors wehleidiges Brüllen hören und ich sah das begeisterte Grinsen meines besten Freundes, der nach wie vor unbewegt dastand. Finn hatte es sich so sehr gewünscht, seine Kräfte zu beherrschen, und seit wir den Sternenstaub in Aldebarans Zone gefunden und Finn ihn berührt hatte, war die Verbindung zwischen ihm und seinem Mächtigen, zwischen ihm und seinem Element, unglaublich stark. Vor einer Weile hatte er mir gesagt, dass sich seine Kräfte seitdem anfühlten, als wären sie ein weiterer Körperteil, ein Teil seines Seins, so selbstverständlich wie das Vorhandensein der eigenen Gedanken. Als er es mir erzählt hatte, hatte ich gelächelt und genickt, auch wenn ich es nicht wirklich verstand. Denn ich konnte meine Kräfte seit den Geschehnissen in der Zone nicht mehr nutzen. Auch nur nach einem einzigen Wassertropfen zu tasten, erfüllte meinen Geist mit einem brutalen, stechenden Schmerz. Es war, als wäre mein Geist eine nässende Wunde, und jede Berührung von mir, jeder Versuch, ihn zu nutzen, war wie Salz, das ich in diese Wunde streute.

Ich ließ meinen Blick weitergleiten, zu dem großen sandigen Feld, das mit vier brennenden Fackeln umgeben war. Dort trainierte Fire ihre Kräfte. Sie machte fließende Bewegungen mit ihren Händen und Armen, wobei mit jeder Bewegung warme goldene Flammen durch die Luft schossen. Sie schien regelrecht zu tanzen. Die Luft um sie herum flimmerte vor Hitze und ich konnte sehen, wie verschwitzt sie bereits war. Ob vor Anstrengung oder wegen der Nähe zum Feuer, konnte ich allerdings nicht sagen. Nicht nur wir, die Beschenkten der Mächtigen, waren durch die Berührung des Sternenstaubs von Aldebaran stärker geworden, sondern alle aus unserer Gruppe. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, hätte ich wohl auch jede Sekunde damit verbracht, meine Kräfte zu benutzen. Deshalb brachte ich es auch nicht über das Herz, zum flachen großen Wasserbecken zu blicken, in welchem Ozlo, einer der Antares-Begabten, gerade das funkelnde Wasser durch die Luft rauschen ließ.

Mit steifen Schritten wandte ich mich vom Fenster ab und setzte mich zurück auf das Sofa. Ich freute mich für meine Freunde. Doch es schmerzte mich auch, sie trainieren zu sehen. So sehr. Es war nicht fair. Ich hätte auch dort unten sein und mit ihnen trainieren sollen. Uns allen waren die Hände gebunden, und das nur wegen mir. Tagtäglich tat ich kaum etwas anderes, als zu lesen, zu schlafen oder vor dem Fernseher zu sitzen. Ich hatte bisher auch kaum etwas von Neuseeland zu sehen bekommen, was eine Schande war. Immerhin waren wir schon eine ganze Weile hier. In den ersten Tagen konnte ich wenigstens noch kurze Spaziergänge machen, über grüne wild bewachsene Pfade, die um das riesige ehemalige Begabtenhaus führten, in dem wir momentan untergekommen waren. Mit Blick auf leuchtend grüne Hügel, einer verschneiten Bergkette am Horizont – und dem Meer, ganz in der Nähe. Mein Zustand hinderte mich inzwischen jedoch daran, auch nur das Haus zu verlassen. War ich erst einmal all die Stufen des Anwesens hinabgelaufen, war ich so müde und erschöpft, dass ich es nicht einmal durch den geräumigen Eingangsbereich schaffte. Gerade noch so gelang es mir, mich zurück in mein Schlafzimmer im ersten Stock zu schleppen, ehe ich in komatösen Schlaf fiel. Schlaf, der genauso wenig wohltuend war wie an all den anderen Tagen der vergangenen Wochen.

Ein Klopfen an der Tür ließ mich zusammenfahren. Ich stöhnte auf, als der Kopfschmerz durch die plötzliche Bewegung noch stechender wurde.

„Ich bin wach“, krächzte ich, ohne mich umzudrehen. Ich wusste, dass es Jenkins war, noch bevor er die Tür hinter sich schloss oder auch nur etwas sagen konnte.

„Wie fühlst du dich?“, fragte er und trat einen Moment später in mein Blickfeld. Er trug ein Silbertablett auf den Händen und deutete mit einem Nicken darauf. „Ich habe dir Tee und ein wenig Suppe gebracht. Und ein paar Schmerztabletten.“

„Danke“, murmelte ich und unterdrückte ein Gähnen, während er das Tablett auf dem hölzernen Couchtisch abstellte. „Und mir geht’s okay. Ich bin nur müde.“ Die Lüge war mehr als offensichtlich, aber Jenkins kommentierte sie nicht oder hakte nach. Er schenkte mir ein mitfühlendes Lächeln, das von der langen hässlichen Narbe, die sich gerötet von seiner Schläfe aus über die linke Wange zog, zu einer Grimasse verzerrt wurde. „Trink den Tee. Ich habe es heute mit einer neuen Mischung probiert, vielleicht hilft er dabei, deinen Geist zu besänftigen.“

Ich konnte es mir nicht verkneifen, das Gesicht zu verziehen. „Aber nicht die gleichen Kräuter wie gestern, oder?“

„Nein“, sagte er erheitert. Er goss eine Tasse ein und reichte sie mir. Es war nicht zu übersehen, wie sehr meine Hand bebte, als ich auf die dampfende Flüssigkeit blies, um sie abzukühlen. Gestern und die Tage zuvor hatte meine Hand noch nicht so sehr gezittert, wenn er mir seinen Tee gereicht hatte, und ich war mir sicher, dass ich nicht die Einzige war, der das auffiel.

„Fühlst du dich stark genug, um mit unserem Unterricht fortzufahren?“, fragte Jenkins vorsichtig.

Ich nickte und trank einen Schluck – nur um gleich darauf angewidert das Gesicht zu verziehen. „Bah! Bei den Sternen, Jenkins, was um alles in der Welt ist das?“ Der Tee war so bitter und erdig, dass sich alle meine Geschmacksknospen zusammenzogen und mein Magen rumorte.

Er lächelte schief. „Man gewöhnt sich an den Geschmack. Es ist die Rinde einer seltenen Pflanze aus dem Amazonas. Ich bin bei meinen Recherchen auf sie gestoßen. Wenn wir Glück haben, wird dadurch deine Heilung beschleunigt.“

Ich starrte ihn ungläubig an. Dann blickte ich auf das dampfende, eklige Gebräu in der Tasse, ehe ich die Luft anhielt, die Augen zusammenkniff und einen weiteren Schluck nahm. Ich schüttelte mich, während mir eine Gänsehaut den Rücken hinunterkroch. Der Kopfschmerz oder mein schmerzender Geist waren natürlich nicht auf magische Weise geheilt. Wäre auch zu schön gewesen.

„Okay, fangen wir an“, sagte ich und stellte die Tasse vor mir auf dem Couchtisch ab. Wann immer Jenkins Zeit hatte, kam er zu mir, um mich zu unterrichten. Wenn ich körperlich bereits nutzlos war, konnte ich wenigstens ein wenig mehr über die Sterne lernen. An Wissensdurst mangelte es mir jedenfalls nicht. Manchmal hielt er mir einen Vortrag und ich machte mir Notizen, die ich anschließend auswendig lernte. Wenn ich jedoch zu unkonzentriert und erschöpft war, um zeitgleich zuzuhören, zu verstehen und zu schreiben, bereitete er mir auch Kärtchen vor oder markierte mir mit bunten Klebezetteln Stellen in Büchern. Bücher, die er zu alledem auch noch selbst geschrieben hatte. Manchmal vergaß ich, wie alt Lloyd Jenkins war – nämlich mehrere Hundert Jahre. Und was für eine lebende Legende er war.

„Beginnen wir mit einer einfachen Frage“, sagte Jenkins und faltete die Hände ineinander. „Wie lauten die Namen der fünf Mächtigen und welche Kräfte verleihen sie ihren Beschenkten?“

Ich musste lächeln. Diese Frage stellte er nicht zum ersten Mal. Die ersten Male war es mir noch kompliziert vorgekommen, mittlerweile war das Wissen für mich selbstverständlich geworden. „Jènnye ist der mächtigste Stern“, sagte ich. „Sie hat keine Beschenkten oder Begabten im herkömmlichen Sinne. Dafür hat sie aber den Hütern und Wächtern Fähigkeiten verliehen, die der Geheimhaltung unserer Existenz dienen. Mein Mächtiger Antares ist der Winterstern. Auf unserer Ebene, in unserer Welt, manifestieren sich seine Kräfte in Form von Wasser. Regulus ist der Sommerstern und seine Kräfte manifestieren sich in Form von Feuer. Aldebaran ist der Herbststern, mit Kräften, die sich in Form des Elements Erde manifestieren, und Pollux ist der Frühlingsstern, dessen Kräfte sich in Form von Luft manifestieren.“

Jenkins lächelte. „Langsam geht es in Fleisch und Blut über, nicht wahr? Kannst du mir auch sagen, worin sich die Kräfte von Begabten und Beschenkten unterscheiden?“

Ich nickte und massierte mir geistesabwesend die Schläfen. „Begabte verfügen nur über einen kleinen Teil der Kräfte. Bei den meisten Begabten äußern sich ihre Kräfte nur auf eine einzige Weise.“

„Genauer bitte.“

„Antares’ Begabte können nicht gleichzeitig die heilenden Kräfte des Wassers benutzen und die Kraft besitzen, das Wasser zu formen und zu bewegen. Entweder oder. Bei …“ Ich schloss die Augen, als ein plötzlicher stechender Schmerz in meinem Hinterkopf aufblitzte. Eine Welle der Übelkeit erfasste mich und ich atmete scharf ein. Tief durchatmen. Es ist gleich vorbei. „Bei den Begabten der anderen Mächtigen verhält es sich gleich. Aldebaran-Begabte können nicht gleichzeitig übermenschlich stark sein und die Erde beherrschen, Regulus-Begabte können keine Druckwellen erzeugen und zugleich das Feuer beherrschen und Pollux-Begabte können nicht die Luft beherrschen und gleichzeitig die Fähigkeit haben zu fliegen.“ Bisher waren wir noch keinen Pollux-Begabten begegnet, weshalb ich mir noch nicht recht vorstellen konnte, einen Menschen fliegen zu sehen. Es klang wie etwas so Magisches, dass es nur Geschichten entspringen konnte.

Jenkins nickte zufrieden. „Sehr gut, Olivia. Wie entstehen denn Begabte?“

Vermutlich hatte Jenkins bemerkt, wie schwer es mir fiel, mich zu konzentrieren, und fragte deshalb die einfachsten Fragen, um mich nicht zu belasten. Es störte mich jedoch nicht, dass er das tat, ganz im Gegenteil. Ich war froh drum.

„Begabte entstehen durch das Sternenlicht der Mächtigen, das durch die Ebene der Sterne in unsere Ebene scheint. Wenn ungeborene Kinder und Kinder unter dem ersten Lebensjahr in den unsichtbaren Schein dieser Strahlen geraten, können sie die Kräfte absorbieren. Das macht sie zu Begabten. Niemand weiß ganz genau, wo sich diese Strahlen befinden, aber schätzungsweise gibt es Tausende von ihnen, weil es auch viele Tausende Begabte gibt auf der Welt.“

„Wie viele?“

Ich runzelte die Stirn. Verflucht. Ich war nicht gut darin, mir Zahlen zu merken. „Äh. Zehntausend?“

„Eher etwa dreihundertfünfzigtausend.“

„Oh“, murmelte ich und ließ mich tiefer ins Polster sinken. Das Pochen in meinem Kopf wurde schlimmer und ich schloss die Augen. Erneut öffnete ich das Ledersäckchen um meinen Hals und berührte Aldebarans Sternenstaub darin. Ich lauschte den Geräuschen aus dem Innenhof, die dumpf durch die Scheiben zu uns drangen.

„Olivia?“, fragte Jenkins leise. „Ist alles in Ordnung?“

Ich atmete langsam aus, auch wenn ich lieber geschnaubt hätte. Wäre ich nicht dermaßen erschöpft gewesen, hätte ich wohl gescherzt. Doch dafür fehlte mir die Kraft. Mir blieb nur die Wahrheit.

„Ich bin nutzlos, Jenkins“, flüsterte ich. „Wegen mir werden wir es nicht schaffen, die Zonen zu finden.“

„Du bist nicht nutzlos. Du bist krank und musst dich erholen, damit du wieder gesund wirst“, sagte er mitfühlend. Er berührte mich an der Schulter. Nicht fest, aber bestimmend. „Verletzungen, ganz besonders am menschlichen Nervensystem, heilen auch nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit. Wer kann schon sagen, wie lange der Geist oder die Seele brauchen?“

„Das ist ja das Problem“, sagte ich und sah ihn an. Verstohlen betrachtete ich die lange Narbe auf seiner Wange, wandte dann den Blick ab und strich gedankenverloren mit den Fingerspitzen über meine Taotus am linken Unterarm. „Wer weiß, vielleicht werde ich ja nie wieder gesund.“

Etwas huschte über seine Miene, was mir verriet, dass er auch schon darüber nachgedacht hatte. Dieser flüchtige Augenblick, diese Tatsache allein erfüllte mich mit Hoffnungslosigkeit.

„Du wirst wieder gesund, Olivia“, sagte er mit eiserner Überzeugung. Die Frage war nur, wollte er mich oder sich selbst davon überzeugen? Er wies auf meine Tasse. „Trink den Tee. Wenn wir Glück haben, hilft er dir tatsächlich.“

Ich nickte, auch wenn mir nur beim Gedanken an das Gebräu schlecht wurde.

„Ich denke, dass wir den restlichen Unterricht verschieben sollten. Ruh dich ein wenig aus. Heute Abend können wir weitermachen, wenn du dich erholt hast.“

„Gerne“, erwiderte ich und rang mir ein Lächeln ab. Ich war mir allerdings sicher. Es würde mir heute Abend nicht besser gehen. Und würde ich nun wieder einschlafen …

Mein Magen verknotete sich. Verflucht. War es normal, Angst davor zu haben einzuschlafen?

Jenkins erhob sich. Ich zwang mich, erneut nach dem furchtbaren Gebräu zu greifen und einen Schluck zu trinken, während er zur Tür ging.

Anschließend rollte ich mich auf dem Sofa zusammen und zog mir die dünne Wolldecke bis unter das Kinn. Eine Sache stand fest: Nie und nimmer hätte ich mir vorstellen können, dass unser Abenteuer, diese Reise und die unmögliche Suche nach Sternenstaub, auf diese Weise enden würde.

Oder dass ich letztendlich für das Ende der Welt verantwortlich sein würde.

Tami Fischer

Über Tami Fischer

Biografie

Tami Fischer ist doppelte Waage und wurde 1996 in Hessen geboren. Sie lebt für romantische und fantastische Literatur und hat seit ihrer Kindheit eine Schwäche für den Sternenhimmel. Ihr Bestseller „Burning Bridges“ erlangte Gold beim Lovelybooks Leserpreis 2019 in der Kategorie „Deutschsprachiges...

Pressestimmen
charlie_books

„Wie auch schon im ersten Band ist das, was Tami Fischer hier erschaffen hat, wirklich etwas Einzigartiges. Ihre Gedankengänge, die Verknüpfungen, die sie hier in das Buch mit eingebaut hat und all die wertvollen und beeindruckenden Details - all das habe ich ich schon im vorherigen Band wahnsinnig faszinierend gefunden und auch diesmal ging es mir nicht anders damit.“

mandys_buecherecke

„Die Autorin schreibt atmosphärisch, emotional und bildhaft.“

bluetenzeilen

„Tami Fischer hat mit diesem Buch eine unglaublich tiefgreifende, spannende Fortsetzung geschrieben, die mich wieder einmal absolut mitreißen konnte!“

herzimbuch

„Schon Band 1 habe ich innerhalb kürzester Zeit durchgesuchtet und auch der zweite Teil war vor meinem Lesesog nicht sicher. Ständig gab es neue Überraschungen, neuen Nervenkitzel, der mich zwang immer weiterzulesen und dafür gesorgt hat, dass ich dieses Buch nicht aus der Hand legen konnte. Große, große Liebe für die Handlung.“

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