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Was jeder wissen muss

Bücher für die Allgemeinbildung

Montag, 24. Juli 2017 von Piper Verlag


Geballtes Wissen, um die Welt zu verstehen

In Zeiten von Internet scheint Allgemeinbildung an Bedeutung zu verlieren – alle Antworten sind nur ein paar Klicks entfernt. Was aber ist das Wichtigste aus Kultur, Politik, Geschichte oder Sport?

Unsere Bücher zur Allgemeinbildung sagen Ihnen, was Sie wirklich wissen müssen. Ob fürs Bewerbungstraining oder für Quizshows – verbessern Sie Ihr Allgemeinwissen ohne großen Lernaufwand.

 

Schnell schlau werden

Die größten Städte, die höchsten Berge, Hauptstädte, Bundesländer, die Namen bedeutender Herrscher sowie wichtige historische Daten, bekannte Gemälde und ihre Erschaffer, aber auch die Fußballweltmeister der vergangenen Jahre: Es gibt einfach Dinge, »die weiß man« – und hat sie im entscheidenden Moment oft doch nicht parat.

Gedächtniscoach Peter Kürsteiner schafft Abhilfe und versammelt in diesem Buch das wichtigste Allgemeinwissen aus den Bereichen Geografie, Geschichte, Politik, Wissenschaft und Kulturgeschichte.

Dabei zeigt er, wie wir es uns mit einer einfachen und unterhaltsamen Methode für immer merken können: Kleine Geschichten, die die einzelnen Wissensbausteine miteinander verknüpfen schaffen aus trockenem Faktenwissen spannende und lustige Erzählungen, die sich tief in unserem Gedächtnis einprägen.
 

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Die ultimative Methode des Gedächtniscoachs

Von wann bis wann dauerte der Dreißigjährige Krieg? Welches ist das zweitkleinste deutsche Bundesland und welches der höchste Berg Europas? Kennen Sie die sieben Weltwunder der Antike und können Sie die Namen aller ehemaligen Bundeskanzler fehlerfrei aufzählen? Der Gedächtniscoach Peter Kürsteiner zeigt, wie man Allgemeinwissen tief im Langzeitgedächtnis verankert, sodass man es nie wieder vergisst – und dabei auch noch viel Spaß hat.
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Vorwort

 

Haben Sie sich manchmal gewünscht, Sie hätten mehr Allgemeinwissen? Am besten natürlich, ohne dafür größeren Lernaufwand betrieben zu haben! Haben Sie schon häufiger andere dafür bewundert, dass sie Daten und Fakten mit Leichtigkeit gleichsam aus dem Hut zauberten?
Trifft dies zu, dann haben Sie genau zu dem richtigen Buch gegriffen . Es hat den Anspruch, Ihnen wertvolles und interessantes Allgemeinwissen zu vermitteln, und – ganz nebenbei – möchte ich Sie bei dieser Aufgabe auch noch unterhalten .
Vielleicht fragen Sie sich, was überhaupt zum Allgemeinwissen zählt? Die sieben antiken Weltwunder? Die letzten zehn Bundeskanzler? Hauptstädte von Europa oder sogar die Staaten der USA ? Und was ist mit Sport ? Gehören die Länder, die in den vergangenen Jahren Fußballweltmeister wurden, zum Allgemeinwissen ?
Wahrscheinlich sind Sie sich selbst nicht ganz sicher. Bei einigen Fragen werden Sie vermutlich mit einem Ja geantwortet haben, bei anderen mit einem Nein . Bei der Auswahl habe ich mich danach gerichtet, welche Themen bei der Recherche immer wieder auftraten, welche Anregungen ich von meinen Seminarteilnehmern erhielt oder was mir selbst sehr gut gefallen hat . Die Inhalte wurden so ausgesucht, dass Sie als Leser ein überdurchschnittliches Allgemeinwissen erlangen werden .
Das Besondere an diesem Buch ist die Methode, die ihm zugrunde liegt . Der Text besteht größtenteils aus unterhaltsamen Geschichten, und die Aneignung von Wissen passiert praktisch ohne Anstrengung . Seit über zwanzig Jahren praktiziere ich diese Technik, Tausende von Seminarteilnehmern haben davon profitiert . Auf den ersten Blick erscheinen manche Geschichten umständlich und teils sehr merkwürdig, die Nebenwirkung ist aber, dass wir uns damit Wissen schneller und tiefer in unserem Gedächtnis verankern können .
Diese Methode funktioniert durch das kreative und völlig unlogische »Zusammenkleben« von Informationen, die man sich ansonsten nicht merken kann, weil es bei ihnen keinen logischen Zusammenhang gibt . So haben Namen von Bundeskanzlern, höchsten Bergen oder längsten Flüssen keinerlei Bezug von einem zum nächsten Namen . Also hilft am besten eine Eselsbrücke . Und bei großen komplexen Lerninhalten hilft eine Geschichte, die aus mehreren Eselsbrücken besteht . In der Gedächtniskunst, der Mnemotechnik, wird diese Strategie der systematischen Merkhilfen auch Kettenmethode genannt . Durch die Geschichte werden bei Ihnen im Kopf Bilder erzeugt, und diese Bildgeschichten prägen sich nachweislich viel besser und langfristiger ein als reine Informationen oder Listen .
»Das ist ja ein Umweg!«, werden Sie jetzt vielleicht sagen . Ja, das ist es, aber es ist ein Umweg, der sich rentiert . Würden Sie diese Schleife nicht machen, würden Sie die Informationen nicht so gut behalten – und auch nicht so schnell .
Die Kettenmethode mit ihren Geschichten ist aber nicht die einzige Gedächtnistechnik . Es gibt auch die der Merksätze . Dabei bildet man aus den Anfangsbuchstaben der einzuprägenden Inhalte einen Satz . N-O-S-W für die Himmelsrichtungen Norden, Osten, Süden und Westen wird für Kinder, die es lernen wollen oder sollen, zu: Nie Ohne Seife Waschen . Vermutlich kennen Sie diese Methode und auch einige vergleichbare Merksätze . Ihre Schwierigkeit besteht darin, die Merksätze ins Langzeitgedächtnis zu befördern . Dabei helfen dann wieder leicht kuriose oder verrückte Geschichten, in die die Merksätze eingebettet werden – und natürlich ihre regelmäßige Wiederholung .
Für das Merken von Zahlen gibt es mehrere Methoden . Damit es leicht und schnell funktioniert, habe ich in diesem Buch zwei Methoden ausgewählt, die die Zahlen in Bilder umwandeln . In der ersten Methode wird aus 3 beispielsweise ein Dreirad . Aus 7 die 7 Zwerge und aus 8 die Achterbahn . Die zweite Methode wandelt Ziffern in Buchstaben um . Daraus werden einprägsame Wörter, Eselsbrücken und Geschichten als Merkhilfen gebildet . Diese Methode ist besonders gut für große Zahlenmengen geeignet .

 

Das Buch ist so aufgebaut, dass Sie es nach den einführenden Abschnitten nach Belieben weiterlesen können, wo es Sie gerade interessiert . Sinnvoll ist es natürlich, mit dem ersten Kapitel anzufangen, weil hier der Schwierigkeitsgrad stufenweise steigt und Sie durch die ersten Erfolge Vertrauen in die Methode bekommen . Danach können Sie sich auf die komplexeren Darstellungen und Geschichten leichter einlassen .

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit den Methoden und eine Bereicherung Ihres Allgemeinwissens .

 

Ihr Gedächtniscoach
Peter Kürsteiner

 

1 Einstieg in die Mnemotechnik und einiges zum Allgemeinwissen

 

Wichtig ist, dass Sie zunächst dieses Kapitel lesen, bevor Sie sich an die anderen Hauptkapitel wagen . Schrittweise will ich Sie an die wichtigste Methode der Gedächtniskünstler heranführen, an die Mnemotechnik . Dabei werden Informationen in bildhafte Geschichten umgewandelt, weil wir uns, wie gesagt, diese Art von Geschichten viel leichter und schneller merken können als abstrakte Informationen . Auf den ersten Blick erscheinen sie zwar unlogisch, dennoch folgen sie einer klaren Struktur, damit sie sich direkt und so tief wie möglich in unserem Gedächtnis verankern .
Einer der wichtigsten Aspekte ist der »Auslöser« . Das ist das Stichwort, welches als Zünder für den Rest der Informationen dient . Wollen wir uns die Präsidenten von Amerika merken, ist ein Begriff wie » Weißes Haus « ein guter Auslöser . Lernen wir etwas über Paris, könnte das Wort »Eiffelturm« als Auslöser dienen . Wer die längsten Flüsse behalten will, nimmt sich das »Boot« vor, bei Namen von Bergsteigern könnte »Reinhold Messner« dienlich sein . Damit Sie sofort auf den jeweiligen Auslöser kommen, habe ich sie so einfach wie möglich gewählt . Auch habe ich darauf geachtet, dass jeder Auslöser nur ein einziges Mal vorkommt .
Neben dem Auslöser ist die Technik der Verknüpfung ein maßgeblicher Garant für den Merkerfolg . Damit sich Geschichten gut einprägen und problemlos auch wieder in Erinnerung kommen, ist entscheidend, wie wir mehrere Gegenstände miteinander verketten . Ein Gegenstand sollte immer nur mit dem nächsten verbunden werden, also vom ersten Gegenstand sollte es zum zweiten gehen, vom zweiten zum dritten, vom dritten zum vierten und so weiter. Logischer erscheint es manchmal, diese Reihenfolge zu verlassen . Doch die strikte Vorgehensweise hat sich in der Praxis bewährt . Die Geschichten sind längerfristiger in der richtigen Reihenfolge abrufbar .
Das klingt jetzt vielleicht etwas kompliziert, ist es aber nicht . Es ist einfach ungewohnt .
Was Sie selbst bei der Methode beachten sollten: Die Geschichten prägen sich sofort im Kurzzeitgedächtnis ein, das heißt, nach ein paar Stunden, ja, sogar nach ein bis zwei Tagen haben Sie diese noch präsent . Sollten Sie sie nach dieser Zeitspanne aber nicht mehr wiederholen, werden sie aus Ihrem Gedächtnis verschwinden . Es ist daher ganz wichtig, dass Sie die Geschichten mit den Merkinhalten, die Ihnen wichtig sind, öfter wiederholen . Zum Beispiel, indem Sie Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte mit Ihrem Wissen begeistern .
Prüfen Sie aber vorher, wem Sie – neben dem neuen Wissen – auch die Eselsbrücken erzählen, die »merkwürdigen« Geschichten . Diese werden den meisten ohne Vorwarnung doch etwas sonderbar vorkommen . Nicht, dass man Sie am Ende etwas befremdlich anschaut . Konzentrieren Sie sich daher bei der Weitergabe lieber auf die Fakten . Dann sparen Sie sich komplizierte Erklärungsversuche und komische Blicke .
Ungeübten Lesern, die auf diese Weise ihre Kreativität nur wenig trainiert haben, erscheint eine derartige Herangehensweise erst einmal umständlich . Das liegt daran, dass die bildhafte Verknüpfung wenig trainiert wird, auch nicht häufig in Schulen . Alle Gedächtniskünstler verwenden jedoch solche Methoden, und genauso können Sie damit Ihr Allgemeinwissen vergrößern .

 

Folgende Methoden habe ich ausgewählt, um Ihnen das Allgemeinwissen leichter zu vermitteln:

 

Auslöser methode Stichwörter (Auslöser) werden genutzt, um bestimmte Informationen daran zu verankern.
Ketten methode Mehrere Wörter, Begriffe oder Namen werden kreativ durch eine Geschichte miteinander verbunden.
Loci-Methode An festen Orten werden bestimmte Informationen geistig verankert. So kann beispielsweise an einem bestimmten Teil eines Gebäudes sein Name angeheftet werden.
Schubladenmethode An sogenannte Schubladen (Auslöser) werden neue Informationen » gehängt «. So könnten die 7 Zwerge eine » Schublade « für die siebte Information sein, etwa das Siebte Gebot der Bibel : » Du sollst nicht stehlen. «
Merkwort- Methode Aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter wird ein Merkwort gebildet.
Merksatz- Methode Aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter wird ein Merksatz gebildet.

 

Am häufigsten wird die Kettenmethode verwendet . Lassen Sie sich auf alle Methoden ein, und bei den »verrückten Geschichten « denken Sie erst später darüber nach, was für einen Sinn sie haben könnten . Genießen Sie die Unterhaltung mit der »Nebenwirkung Allgemeinwissen« .
Wir steigen ein mit der Merksatz-Methode, bei der aus mehreren Wörtern die Anfangsbuchstaben zu einem Merksatz zusammengesetzt werden . Dieser Merksatz prägt sich schneller und leichter ein als die Informationen selbst . Versuchen Sie es an diesem Beispiel:

 

Die Ostfriesischen Inseln

 

Ein ostfriesischer Reiseleiter begrüßt die Touristen mit der Frage: »Welcher Seemann liegt bei Nanni im Bett?« Alle Touristen wundern sich über diese seltsame Begrüßung, doch keiner der Angesprochenen reagiert . Der Reiseleiter wiederholt: »Welcher Seemann liegt bei Nanni im Bett?« Erneut erhält er keine Antwort . Dann beginnt er, die Besonderheiten der einzelnen Ostfriesischen Inseln zu erläutern . Er fängt an mit Wangerooge, danach kommt Spiekeroog, schließlich Langeoog, und so weiter. Erst am Ende löst der Reiseleiter auf, dass alle Anfangsbuchstaben seiner Begrüßungsfrage mit den Ostfriesischen Inseln korrespondieren .

 

SatzInsel
Welcher Wangerooge
Seemann Spiekeroog
Liegt Langeoog
Bei Baltrum
Nanni Norderney
Im Juist
Bett Borkum

 

Die Tatsache, dass bei Juist etwas gemogelt wurde, störte keinen der Touristen .

 

Die Planeten unseres Sonnensystems

 

Die gleiche Methode funktioniert bei unserem Planetensystem . Der Merkur ist dem Sonnenrand am nächsten, am weitesten entfernt ist der Neptun . Dazu gibt es einen Merksatz, den man einfach nicht vergessen kann:

 

MerksatzPlaneten
Mein Merkur
Vater Venus
Erklärt Erde
Mir Mars
Jeden Jupiter
Sonntag Saturn
Unseren Uranus
Nachthimmel Neptun

 

Auch hier ist wichtig, dass Sie den Satz so bald wie möglich wiederholen, wenn Sie die Planeten im Kopf behalten wollen .

 

Die fünf Säulen der Gesundheit nach Hippokrates

 

Weiter geht es mit der Auslösermethode . Wir verwenden im nächsten Beispiel die fünf Finger einer Hand als Auslöser, was funktioniert, wenn jeder Finger in einer gewissen Haltung eine andere Bedeutung hat:

 

Beim samstäglichen Einkaufsbummel erregte ein Obst- und Gemüseverkäufer die Aufmerksamkeit einer Marktbesucherin. Der Mann sprang aufgeregt an seinem Stand herum und stellte mit seiner Hand eindrucksvolle Posen dar. Er streckte vor seinem Marktstand mit frischen Produktenaus der Region seinen Daumen nach oben und sagte: »Gute Produkte«, danach deutete er mit dem Zeigefinger auf die Leute im Umfeld und behauptete, auch sie seien für seine Gesundheit verantwortlich. Mit erhobenem Mittelfinger betonte er, dass man sich Zeit für Entspannungnehmen sollte und deshalb dem Stress ruhig mal den Mittelfinger zeigen dürfe. Den Ring vom Ringfinger hielt er sich an die Stirn, als würde er geradean etwas Schönes denken, und abschließend demonstrierte er eindrucksvoll, dass man den kleinen Finger kaum alleine bewegen kann. Danach lüftete er das Geheimnis, dass er nun alle Finger einer Hand mit den wichtigsten Säulen der Gesundheit nach Hippokrates verbunden hatte.

 

AuslöserSäule der Gesundheit
Daumen – am Marktstand nach oben weisend Gute Produkte, gute Lebensmittel
Zeigefinger – aufs Umfeld gerichtet Gesunde Umwelt, gesundes Umfeld
Mittelfinger – dem Stress Entspannung
Ringfinger – den Ring an die Stirn haltend Schöne Gedanken
Kleiner Finger – alleine bewegen Bewegung

 

Die Marktbesucherin war verwundert, als sie noch nach zwei Tagen die Säulen der Gesundheit wusste, wenn sie auf ihre einzelnen Finger schaute . Wie von selbst entstanden in ihrem Kopf immer wieder die Bilder vom Marktschreier und seinen Gesten .

 

Die sieben Weltwunder der Antike

 

Es folgt nun die Kettenmethode . Dabei werden die wichtigsten Stichwörter zu einer Kette zusammengesetzt . Je weniger Sie über den Sinn nachdenken und sich einfach auf die Geschichte einlassen, umso leichter prägen sich die Geschichte und die damit verbundenen Lerninhalte ein:

 

In ihrem Urlaub besuchte ein Ehepaar die Pyramiden von Gizeh nahe Kairo. Unglaublich riesige Bauwerke waren das, die schon vor rund 2500 Jahren vor Christus entstanden waren. Aus dem Staunen kamen sie kaum heraus. Und wie klein müssen die Menschen früher gewesen sein – die Gänge waren nur gebückt begehbar.
In der darauffolgenden Nacht hatte die Ehefrau einen seltsamen Traum :
Sie befand sich zwischen den Pyramiden, und auf einmal stand ein riesiger Kerlvor ihr. Ein richtiger Koloss. Dieser wuchs aber noch weiterhin und wurde zu einer zwölf Meter hohen Bronzestatue, die ganz hell strahlte, wenn die Sonne sich in ihr spiegelte. Der Gigant sprach zu ihr und behauptete, er sei ein Abbild des Sonnengottes Helios und sei 305 vor Christus errichtet worden, nachdem Helios Rhodos vor der Eroberung bewahrt habe. Man nenne ihn seitdem den Koloss von Rhodos. Dann sprang er mit einem riesigen Satz direkt in die stufenweise angeordneten Gärten, die im Irak beheimatet waren und als »hängende Gärten« bezeichnet wurden. In einem dieser Gärten befand sich eine Statue von Zeus, die plötzlich zum Leben erwachte, da sie immer wieder von einem Licht geblendet wurde. Es war das Licht eines Leuchtturms, eines riesigen Leuchtturms, der in Ägypten seine Heimat hatte, in der Nähe von Alexandria, auf der Insel Pharos. Mit einer Lanze in der Hand stolzierte die zwölf Meter große Statue des Zeus zum Leuchtturm und löschte mit der Waffe das Licht. Der Leuchtturm fiel daraufhin auf den Tempel der Jagdgöttin Artemis. In der größten Tempelanlage der Antike fand gerade eine Treibjagd statt, und alle, die die Jagd nicht überlebten, wurden in das Grab des Königs Mausolos gebracht – eine Grabstätte, wo die Mäuse los (Mausolos) waren. Die Ehefrau schaute sich um und stellte auf einmal fest, dass sie sich in der heutigen Türkei befand.
Als sie erwachte, wunderte sie sich über die verrückte Geschichte, die nochmals flüchtig an ihr vorbeihuschte. Angefangen hatte es bei der Pyramide, dann trat der Koloss in Erscheinung, der in die Gärten sprang, danach kam die Statue von Zeus mit der Lanze ins Spiel, weiter die Lanze, die den Leuchtturm zum Einsturz brachte. Der wiederum fiel auf den Tempel, und von dort wurden die Toten zu der Grabstätte gebracht.
Als sie ihrem Ehemann ihren Traum erzählte, machte er große Augen. Er hatte sofort begriffen, dass diese verrückte Geschichte alle sieben antiken Weltwunder enthalten hatte :

 

Pyramiden Die Pyramiden von Gizeh gehören zu den sieben Weltwundern, gleichzeitig dienen sie als Auslöser für die Geschichte.
Riesiger Kerl Der Koloss von Rhodos
Stufenweise angeordnete Gärten Die hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon
Zeus Die Zeusstatue des Phidias von Olympia
Leuchtturm Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria
Tempel Der Tempel der Artemis in Ephesus
Grab Das Grab des Königs Mausolos

 

Die Ehefrau war begeistert von ihrem neu erlangten Allgemeinwissen. Der Reiseleiter wies noch darauf hin, dass von den sieben Weltwundern die Pyramiden von Gizeh am besten erhalten sind und alle anderen nur als Ruinen oder sogar überhaupt nicht mehr existieren.

 

Konnten Sie sich die Geschichte gut merken? Ich habe die Reihenfolge der sieben antiken Weltwunder gegenüber der üblichen Auflistung in der Literatur geändert, weil die Pyramiden ein guter Auslöser sind . Wichtiger als die korrekte Reihenfolge war mir, dass Sie sich sofort an den Auslöser erinnern und die Geschichte leichter merken können . Zur Speicherung im Langzeitgedächtnis bitte an die rechtzeitige Wiederholung denken .

 

Deutsche Bundesländer

 

Um die Kettenmethode zu festigen, folgt jetzt ein Beispiel mit einer etwas längeren Verknüpfungskette . Wichtig ist, dass Sie sich beim Einprägen dieser einzelnen Kettenglieder voll auf die Geschichte konzentrieren und die Bilder vor Ihrem geistigen Auge sehen – so als würden Sie selbst einen Film drehen wollen und hätten das Drehbuch schon im Kopf ausgearbeitet . Je bildhafter Ihre Vorstellung, umso leichter wird sich Ihnen die Geschichte einprägen . Nach dem ersten Einprägen kann es ein, zwei Lücken geben . Dann ist wichtig, dass Sie diese nicht nur wahrnehmen, sondern die Kette an der jeweiligen Stelle durch erneutes Vorstellen der Verbindung » reparieren « :

 

Tim kommt nach Hause. Er ist genervt, weil er sich alle Bundesländer für die Schule merken soll. Seine Mutter, der er von dieser lästigen Aufgabe erzählt, weiß, dass Tim gern Geschichten hört. So verpackt sie einfach die sechzehn Länder der Bundesrepublik in eine spannende und total verrückte Geschichte. Tim ist völlig erstaunt, dass er sich die Namen der Länder sofort merken konnte, schon nach dem ersten Hören der Geschichte. Am nächsten Tag berichtet er voller Begeisterung seinen Mitschülern, die sich trotz intensiver Lernanstrengungen die Bundesländer bisher einfach nicht vollständig merken konnten, von dieser Erfahrung. Jeder will nun die Geschichte von Tims Mutter hören.
»Es fängt an mit einer Landkarte«, erklärt Tim. »Wichtig ist, dass ihr jetzt nur zuhört und erst später die Zuordnung der Bundesländer herstellt. Sonst seid ihr abgelenkt, und es funktioniert nicht mehr so gut. Wenn ihr euch die Sachen auch noch bildhaft ausmalt, statt nur die Ohren zu spitzen, prägen sie sich ganz von selbst ein.

Unterhaltsam, kompakt und fundiert: Ein Überblick über die wichtigsten Nachrichtenthemen unserer Zeit

Die Welt der Nachrichten dreht sich immer schneller, doch viele Themen sind ohne Hintergrundwissen kaum zu verstehen. Zugleich konsumieren wir diese Meldungen oft in abgekürzter Form über Facebook, Twitter und Co.

Die bekannten Nachrichtenmoderatoren Tim Schreder und Jennifer Sieglar liefern Antworten auf alle wichtigen und drängenden Fragen der aktuellen Nachrichtenlage. Egal, ob jung oder alt – wer dieses Buch liest, versteht nicht nur besser, was es mit dem Brexit oder der Eurokrise auf sich hat, sondern auch, wie es dazu gekommen ist.
 

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Ich versteh die Welt nicht mehrIch versteh die Welt nicht mehrIch versteh die Welt nicht mehr

Die wichtigsten Nachrichten verständlich erklärt

Der Islamische Staat verbreitet weltweit Angst und Terror, in den USA wird ein Außenseiter zum Präsident gewählt, aus der Türkei vernimmt man ständig neue Schreckensmeldungen über Präsident Erdoğan und die AfD gewinnt dauernd Wählerstimmen hinzu – die Welt der Nachrichten dreht sich immer schneller, dabei sind viele Themen ohne fundiertes Hintergrundwissen kaum zu verstehen. Zugleich konsumieren viele Menschen diese Meldungen vor allem bruchstückhaft über die sozialen Medien. Hier setzt »Ich versteh die Welt nicht mehr« an und bietet auf verständliche und unterhaltsame Art Hintergründe zu den 24 wichtigsten Nachrichtenthemen unserer Zeit.
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Vorwort

Kein Nachrichtenthema ist so kompliziert, dass man es nicht einfach, verständlich und unterhaltsam erklären kann. Das wissen wir, weil wir seit Jahren nichts anderes tun. Wir beide moderieren Nachrichtensendungen und reisen als Reporter um die Welt, um über Themen aus allen möglichen Ländern zu berichten. Das machen viele Journalisten. Was bei uns besonders ist: Wir arbeiten für eine Kindernachrichtensendung und versuchen Tag für Tag, die komplizierte Welt der Nachrichten für jemanden verständlich zu machen, der kaum Vorwissen mitbringt. Bei einer Nachrichtensendung für ein erwachseneres Publikum, das vom jugendlichen Nachrichtenneuling bis hin zum pensionierten Geschichtsprofessor reicht, ist es extrem schwierig zu entscheiden, welches Vorwissen man voraussetzen kann. Erklärt man zu viel, langweilt man den einen, erklärt man zu wenig, überfordert man den anderen. Die meisten Nachrichtenredaktionen entscheiden sich dazu, viel Wissen vorauszusetzen – vor allem, weil in der tagesaktuellen Berichterstattung häufig die Zeit fehlt, um Hintergründe ausführlich zu erklären. Bei 15 Minuten Sendezeit und dem Anspruch, alles Wichtige zu zeigen, was an einem Tag auf der Welt passiert, wäre das schlichtweg unmöglich. So kann es dazu kommen, dass viele Menschen jeden Tag Nachrichten im Fernsehen gucken, im Radio hören oder in der Zeitung lesen und am Ende nur die Hälfte verstehen. Noch schlimmer ist es, wenn sie irgendwann aus Frust gar keine Nachrichten mehr schauen. Deshalb freuen wir uns besonders, wenn wir Familien treffen, die unsere Sendung schauen. Wir werden dann häufig auch von den Eltern für unsere Berichterstattung gelobt und hören etwas wie: »Ich bin so froh, dass meine Kinder Ihre Sendung gucken – da verstehe dann auch ich endlich mal die Nachrichten!« So entstand die Idee für dieses Buch. Ich versteh die Welt nicht mehr soll dafür sorgen, dass Sie beim nächsten Mal, wenn Sie Nachrichten schauen, mehr verstehen. Wir wollen genau die Hintergründe und Zusammenhänge erklären, für die in der tagesaktuellen Berichterstattung meist kein Platz ist. Dieses Buch richtet sich also an jeden, der neugierig ist und die Welt der Nachrichten ein bisschen besser verstehen will – egal, ob jung oder alt. Wir haben versucht, die Themen so aufzuarbeiten, dass das Lesen dabei auch Spaß macht. Die größte Herausforderung für uns war, dass jedes Thema für sich genommen schon genug Stoff bietet, um darüber ganze Bücher zu schreiben. Deshalb ist unser Anspruch keineswegs, jedes Thema vollständig abzubilden und jeden einzelnen Aspekt daran zu beleuchten. Vielmehr ist es unser Ziel, die Hintergründe und Zusammenhänge zu erklären, die zum Verständnis der aktuellen Situation notwendig sind. Wenn das nächste Mal die Rede ist von der Eurokrise, dem Krieg in Syrien oder dem Brexit, werden Sie hoffentlich nicht nur besser wissen, worum es geht, sondern auch verstehen, wie es dazu gekommen ist. Ebenso wie die einzelnen Kapitel keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, tut es auch das Buch als Ganzes nicht. Natürlich gibt es noch viel mehr Nachrichtenthemen als die, die wir hier behandelt haben. Aber das Buch konnte ja nicht so dick werden, dass es nicht mehr in den Rucksack oder die Strandtasche passt. Wir haben versucht, die Themen auszuwählen, die in den vergangenen Jahren am relevantesten waren und von denen wir glauben, dass sie auch in Zukunft das Nachrichtengeschehen bestimmen werden. Alles, was nach Redaktionsschluss im Mai 2017 passiert ist, hat es nicht mehr in dieses Buch geschafft. Das macht aber nichts, denn wenn unser Plan aufgeht, sind Sie nach der Lektüre so gut gewappnet, dass Sie die allerneuesten Wendungen auch so verstehen. Beim Schreiben war es uns wichtig, dass alle 24 Kapitel auch für sich allein funktionieren. So kann jeder Leser mit den Themen beginnen, die für ihn oder sie am spannendsten sind. Bei der Anordnung der Texte sind wir geografisch vorgegangen und haben räumlich – und somit meist auch inhaltlich – verknüpfte Themen zusammengestellt. Zu guter Letzt möchten wir uns bei vielen Journalisten, Freunden und unseren Redaktionen bedanken, die uns bei der Umsetzung dieses Projekts unterstützt haben und ohne die wir dieses Buch nicht hätten schreiben können. All diese wundervollen Menschen sind ganz am Ende des Buches ausführlich genannt. Bevor Sie nun beginnen zu lesen, möchten wir Ihnen etwas mit auf den Weg geben, was uns auch beim Schreiben dieses Buches immer wieder aufgefallen ist: Kein Nachrichtenthema ist in sich geschlossen und kann für sich allein betrachtet werden – oder andersherum: Alles hängt mit allem zusammen!

Jennifer Sieglar & Tim Schreder

 

Nordkorea

Nordkorea ist eines der umstrittensten Länder der Welt und nahezu vollständig vom Rest der Welt abgeschnitten. Regiert wird das Land von dem Diktator Kim Jong-un, der weltweit immer wieder mit Raketen- und Atomtests für Provokation sorgt. Entstanden ist Nordkorea, als das ehemalige Korea nach dem Zweiten Weltkrieg in Nord und Süd aufgeteilt wurde.

Nordkorea – das ist das Land mit den skurrilen Herrschern, die seit Jahrzehnten für Aufregung sorgen. Da war Kim Il-sung von 1948 bis 1994, dann kam sein Sohn Kim Jong-il bis 2011, und seitdem ist dessen Sohn Kim Jong-un an der Macht. Kim Jong-il war der immer gleich und etwas grimmig guckende Mann, für den man deshalb die Internetseite »Kim Jong-il looking at things« eingerichtet hat, auf der man sehen kann, wie Kim Jong-il von Wassermelonen bis hin zu Fabriken alles gleich teilnahmslos begutachtet. Dabei trägt er meist eine dicke, schwarze Heino-Sonnenbrille. Sein auf ihn folgender Sohn Kim Jong-un ist dagegen schon fast witzig. Mit der eigenartigen Frisur, die aussieht wie eine Kombination aus Undercut, Elvis-Locke und Topfschnitt, guckt er auf der Internetseite »Kim Jong-un looking at things« gerne kräftig lachend auf die Dinge. 2012 löste Kim Jong-un weltweit Gelächter aus, als er bekannt gab, seine Archäologen hätten ein Einhornnest entdeckt. Doch Nordkorea sorgt nicht nur mit Skurrilität für Aufsehen, es ist auch das Land, das Atomraketen testet, deren Reichweite so groß ist, dass sie die USA erreichen könnten. Seit Jahrzehnten mahnen Menschenrechtsorganisationen, dass die Diktatoren in Nordkorea massiv Menschenrechte verletzten. Und was sagt Nordkorea selbst zu all dem? Nicht viel. Nordkorea sieht sich als letzte sozialistische Festung, die es vor dem Gift des Kapitalismus zu verteidigen gilt. Wie kein anderes Land auf der Welt schottet es sich deshalb ab. Bringen wir etwas Licht ins Dunkel.   Um zu verstehen, was heute in Nordkorea vor sich geht, sollten wir einen kurzen Ausflug in die Entstehungsgeschichte des Landes unternehmen und zunächst ein paar Fakten klären. Also von vorne: Offiziell heißt Nordkorea »Demokratische Volksrepublik Korea«, obwohl das Land diktatorisch regiert wird. In Nordkorea leben etwa 24 Millionen Menschen und es gilt als das derzeit restriktivste politische System der Welt. Um es mit den einfachen Worten der Bild-Zeitung zu sagen: Nordkorea ist ein politischer »Steinzeit-Staat«, entfernt vergleichbar mit der ehemaligen DDR. Dass Nordkorea zu einer derart isolierten Festung wurde, liegt in der Entstehungsgeschichte des Landes begründet. Werfen wir also einen Blick zurück in die Vergangenheit. Im Jahr 1910 geriet Korea unter japanische Herrschaft. Japan annektierte das Land und nannte es »Chosen«. So blieb Korea 35 Jahre lang eine Art Kolonie. Dann verlor Japan im Zweiten Weltkrieg und musste schließlich kapitulieren. Was das nun wieder mit Korea zu tun hat? Die Sowjetunion und die USA, Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, besetzten nach der Kapitulation nicht nur Japan, sondern auch die Kolonie Korea. Eine Weile wurde überlegt, was man mit Korea machen sollte. Schließlich entschieden die USA und die Sowjetunion, das Land entlang des 38. Breitengrades aufzuteilen. Der Norden unterstand nun der Sowjetunion, der Süden den Vereinigten Staaten von Amerika. 1948 wurden in Nord- und Südkorea unabhängige Staaten errichtet, welche jeweils die Interessen ihrer Schutzmächte vertreten sollten. Durch die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion verschärften sich auch die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea. Beide Staaten strebten die Kontrolle über das gesamte Land an. Man könnte es – mal wieder – eine recht schwierige Ausgangslage nennen. 1950 wollte Nordkorea seinen Anspruch auf das gesamte Land mit Gewalt durchsetzen und überfiel den Süden. Anschließend herrschte in Korea drei Jahre lang ein brutaler Krieg, in dessen Verlauf fast eine Million Soldaten und etwa drei Millionen Zivilisten getötet wurden. Erst im Juli 1953 einigte man sich auf eine Waffenruhe und das Land wurde erneut entlang des 38. Breitengrades geteilt. Seitdem stehen sich dort zwei verfeindete Nationen gegenüber. Immer wieder kommt es zu Konfrontationen und Provokationen zwischen Nord- und Südkorea und beide Länder investieren viel Geld in ihr Militär, um sich zu verteidigen. Einige Male kam es zu bewaffneten Zwischenfällen an der Grenze, welche Korea nah an einen neuen Krieg brachten. Bis heute wird Südkorea von den USA unterstützt. Auf der anderen Seite hat sich das Verhältnis zwischen der Sowjetunion, später Russland, und Nordkorea verschlechtert. Im Gegensatz zum sozialistischen und autokratischen Nordkorea ist Südkorea heute kapitalistisch, demokratisch und westlich orientiert – es verkörpert all das, was Nordkorea fürchtet. So stehen sich am 38. Breitengrad nicht mehr nur verfeindete Nationen gegenüber, sondern zwei Systeme wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.   Mit der Waffenruhe von 1953 begann die politische Entwicklung hin zu dem Nordkorea, das wir heute kennen. Damals war Kim Il-sung an der Macht, und der nutzte die 1950er Jahre, um seine Führungsposition im Land auszubauen. Politische Gegner wurden systematisch geschwächt und Feinde in sogenannten »Säuberungen« bekämpft oder hingerichtet. Gleichzeitig isolierte sich Nordkorea immer mehr und führte die Chuch’e-Ideologie ein, an deren Erklärung selbst internationale Experten scheitern. Sie sind sich mittlerweile recht einig, dass Chuch’e im Großen und Ganzen ziemlich großer Unsinn ist, um die Autarkie als erklärtes Staatsziel zu rechtfertigen. Um die Stabilität im Land zu wahren und um seine Machtposition auszubauen, arbeitete Kim Il-sung an einem Kult um seine Person. So wurde er von nordkoreanischen Medien nur noch »Großer Führer« genannt – eine Bezeichnung, die in der kommunistischen Bewegung bis dato nur Lenin und Stalin vorbehalten war. Kim Il-sung weitete den Personenkult wie in einer Monarchie auf seine Familie aus, vor allem auch auf seinen Sohn und Nachfolger Kim Jong-il. Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass Kim Il-sung und seine Nachfolger in Nordkorea wie Gottheiten einer Religion verehrt werden. Nach Kim Il-sungs Tod am 8. Juli 1994 wurde eine dreijährige Staatstrauer angeordnet und der Verstorbene zum ewigen Präsidenten erklärt – das Amt soll nie wieder nachbesetzt werden –, und bis heute wird Kim Il-sung in Nordkorea als eine Art vergöttlichte Vaterfigur des Landes verehrt. Das Herrscheramt übernahm sein Sohn Kim Jong-il, und als der starb, übernahm wiederum dessen Sohn Kim Jong-un. Nordkoreas politisches System gleicht demnach einer Art absolutistischer Monarchie. Gleichzeitig ist Nordkorea ein hochmilitarisierter Staat, der riesige Mengen Geld in den Ausbau seiner Streitkräfte steckt – schließlich muss man sich nach eigener Auffassung gegen Südkorea, die USA, Japan und den Rest der kapitalistischen Welt verteidigen.   Wie sieht das Leben der Menschen in Nordkorea aus? Nun, Bildung gibt es für alle und das umsonst! Aber das Ganze hat auch einen Haken. Kinder müssen sich einer Art Gehirnwäsche unterziehen, die sie zu treuen Untergebenen des Führers erzieht und sie auf den Kampf gegen den Rest der Welt vorbereitet. Einem jeden Bürger stehen Nahrungsmittel von den Behörden zu. Allerdings ist Nordkorea durch die Politik der Isolation wirtschaftlich am Boden und auf Hilfe angewiesen. Die knappen Lebensmittel müssen gut verteilt werden, was mal besser und mal schlechter klappt. Immer wieder sind durch Hungersnöte viele Menschen gestorben. Außerdem steht jedem Koreaner eine staatliche Wohnung zu – der Haken: Die Regierung bestimmt wo. Wurde eine Wohnung erst mal zugeteilt, muss man dort sein Leben lang bleiben. Darüber hinaus versucht der Staat, alles einzuschränken, was man irgendwie einschränken kann. Nordkoreaner dürfen das Land nicht verlassen, Medien sind vollständig vom Staat kontrolliert, unangemeldete Demonstrationen und Versammlungen sind natürlich verboten. In Nordkorea ist es nahezu unmöglich, an Informationen aus dem Ausland zu kommen – auf der Rangliste der Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen landete Nordkorea bisher meistens auf dem letzten Platz. Auf dem Papier gibt es die Religionsfreiheit zwar, in der Praxis aber nicht. Auch das nordkoreanische Internet ist vom Rest der Welt weitestgehend abgeschnitten. Innerhalb des Landes kann man nur von der Regierung ausgewählte Websites aufrufen. Wer gegen diese Regeln verstößt, wird hart bestraft, womöglich sogar öffentlich hingerichtet. Außerdem berichten Menschenrechtsorganisationen von Konzentrations-, Arbeits- und Umerziehungslagern, in denen politische Gegner oder Menschen mit anderer Meinung festgehalten werden. Es kursieren Gerüchte, dass Viren und Waffen an Gefangenen getestet werden. Der Staat teilt die Menschen in Nordkorea in drei Gruppen ein: Diejenigen, die zur Führungsriege zählen, diejenigen, die der Führung freundlich gesinnt sind, und diejenigen, die als Skeptiker oder Gegner der Führung gelten. Wer die vergangenen Abschnitte gelesen hat, kann sich selbst denken, dass man es als Mitglied der letzten Gruppe in Nordkorea mit Sicherheit nicht leicht hat.   Nun könnte man zu dem Schluss gelangen, dass die Nordkoreaner todunglücklich sein müssen. Sieht man sich allerdings Fotos oder Videos aus dem Land an, wundert man sich umso mehr. Die Nordkoreaner wirken meistens glücklich, verehren ihre Führer und wenn ein Machthaber stirbt, wird tagelang geweint, als wäre die eigene Mutter gestorben. Das liegt zum Teil sicherlich an den Einschränkungen und Umständen, unter denen diese Bilder entstehen, und sicherlich auch daran, dass die Menschen in Nordkorea eingeschüchtert sind und sich davor fürchten, das System zu kritisieren. Nur wenige Menschen trauen sich, aus Nordkorea zu flüchten. Doch es zeigt vor allem, wie gut Propaganda, Isolation und Gehirnwäsche funktionieren, so gut, dass Menschen daran glauben, in einem großartigen Land mit verehrungswürdigen, gottgleichen Führern zu leben. Vieles über das Land bleibt allerdings Spekulation. So hieß es zum Beispiel eine Zeit lang, die Menschen in Nordkorea müssten alle die gleiche Frisur tragen, bis sich herausstellte, dass das schlicht Quatsch ist.   Auf der Weltbühne sorgt Nordkorea vor allem für Aufsehen, weil es verbotenerweise Atomwaffen baut, testet und damit aller Welt offen droht. Beispiel gefällig? Kim Jong-un ließ einen nuklearen Angriff auf die südkoreanische Hauptstadt Seoul simulieren und verkündete in einem Video zu den Tests stolz: »Nichts und niemand würde überleben!« Ganz offen droht Kim Jong-un mit einer »nuklearen Katastrophe«, sollte es zu einem Krieg mit Südkorea kommen. Nordkorea ist eine Atommacht und besitzt wahrscheinlich mehrere einsatzbereite Kernwaffen und entsprechende Trägersysteme, um diese auch abzuschießen. Damit nicht genug: Nach eigenen Angaben entwickelt Nordkorea im Moment ein Trägersystem, das in der Lage sein soll, Atombomben bis an die Westküste der USA zu schießen. Was zunächst klingt wie purer Wahnsinn, nehmen Experten zunehmend ernst. Gerade erst in den vergangenen Monaten testete Nordkorea immer wieder verbotenerweise Raketen und drohte US-Präsident Donald Trump. Der stationierte zeitweise einen Flugzeugträge nahe Nordkorea, um Kim Jong-un einzuschüchtern – doch den interessierte das wenig. Donald Trump warnte im Anschluss vor einer ernsthaften Bedrohung durch Nordkorea.   Verhandlungen über das Atomwaffenprogramm schließt Nordkorea kategorisch aus. Wenig überraschend hagelt es dafür aus aller Welt Kritik. Nach jedem neuen Test verwarnen die Vereinten Nationen Nordkorea, aber das interessiert Kim Jong-un herzlich wenig. Der macht einfach weiter, was er will, provoziert und behauptet, auf Atomwaffen angewiesen zu sein, um sich gegen die USA und Südkorea zu verteidigen. Die USA wollen das nicht auf sich sitzen lassen und Nordkorea zeigen, wer am längeren Hebel sitzt. Deshalb führen sie immer wieder gemeinsam mit Südkorea Militärübungen in der Region durch und rüsten Südkorea auf, um das Land vor einem möglichen Angriff Nordkoreas zu schützen. Im Jahr 2016 ließen die USA einen Bomber über Nordkorea fliegen, um Kim Jong-un einzuschüchtern. Nach einer weiteren Eskalation im Jahr 2017 schickten die USA kurzerhand einen Flugzeugträger in die Region, um Nordkorea zu drohen. Und selbst China, Nordkoreas letzter strategischer Partner, hat mittlerweile die wirtschaftlichen Verbindungen zu dem Land auf ein Minimum heruntergefahren. Doch auch das hat zu nichts geführt. Nach eigenen Angaben testet Nordkorea im Moment eine Wasserstoffbombe.   Warum niemand das kleine Nordkorea und seine irren Führer stoppt? Nun, die bisherigen Versuche haben gezeigt, dass sich Nordkorea mit diplomatischen Mitteln nicht stoppen lässt. Das Land ignoriert alle Warnungen, und wirtschaftliche Sanktionen, die das Land unter Druck setzen und zum Einlenken bringen sollten, liefen ins Leere. Bliebe zuletzt nur noch die Möglichkeit, die Führung in Nordkorea gewaltsam zu stürzen. Doch so einfach ist das nicht. Zum einen sind da Nordkoreas Atomwaffen, die im Falle eines Kriegs eine unberechenbare Gefahr wären. Man stelle sich nur mal die Konsequenzen vor, wenn man Kim Jong-un in die Enge drängen würde und er aus Verzweiflung tatsächlich eine Atomrakete auf Seoul abschösse. Zum anderen befindet sich Nordkorea in einer geopolitisch schwierigen Lage. Die Nachbarländer Nordkoreas sind nicht gerade beste Freunde. In der gesamten Region gibt es Feindschaften, eine Menge Waffen und wenig Vertrauen. Ein Krieg in Korea könnte deshalb schnell eskalieren, sich ausweiten und zu Kämpfen zwischen den Nachbarländern führen. Und vergessen wir nicht China und die USA, zwei Länder, die nicht gerade die allerbesten Freunde sind. Während die USA Südkorea weiter unterstützen und dort mehrere Militärbasen betreiben, fährt China seine Unterstützung für Nordkorea zurück. Trotzdem ist das Land bis heute eine Art Puffer zwischen Südkorea und den USA auf der einen und China auf der anderen Seite. Würde Nordkorea fallen, käme es wohl zu einer Wiedervereinigung Gesamtkoreas, und möglicherweise würden die USA dann auch im Norden Militärbasen bauen. Dadurch stünden die USA direkt vor Chinas Haustür – nicht gerade eine chinesische Wunschvorstellung und wohl ein Grund, warum China Nordkorea so lange unterstützt hat und das auch heute noch eingeschränkt tut. Weil am Ende niemand ein Interesse an einem Krieg in der Region hat, weniger noch an einem Konflikt zwischen China und den USA, bleibt alles so, wie es ist. Und genau dieses Vakuum nutzt Kim Jong-un aus und spielt weiter mit dem Feuer, bis es irgendwann brennt oder sich die internationale Gemeinschaft doch darüber einig wird, wie man ihm die Streichhölzer wegnehmen kann.

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