Kind, versprich mir, dass du dich erschießt

Kind, versprich mir, dass du dich erschießt

Der Untergang der kleinen Leute 1945

€ 11,00 inkl. MwSt.

»Huber hat die Selbstlüge aufgedeckt, die zur Katastrophe geführt hat: während des ›Dritten Reichs‹, am Ende des Krieges, in der Nachkriegszeit.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Monatelang brandete 1945 eine Selbstmordwelle durch Deutschland, die Tausende, Frauen, Männer und Kinder, in den Untergang riss. In welchen Abgrund hatten die Menschen geblickt, dass sie angesichts der Befreiung vom Dritten Reich nur im Tod einen Ausweg sahen? Aus der Sicht derer, die das unfassbare Geschehen selbst miterlebt haben, erzählt der Historiker Florian Huber von dem größten Massenselbstmord der deutschen Geschichte und seiner Verdrängung durch die Überlebenden.

 

Am 30. April 1945 schoss sich Adolf Hitler in Berlin eine Kugel in den Kopf. Zur selben Zeit strömten im Städtchen Demmin beim Einmarsch der Roten Armee hunderte Menschen in Flüsse und Wälder, um sich dort umzubringen. Ganze Familien wurden ausgelöscht, Eltern töteten ihre Kinder. Demmin ist nur ein Beispiel unter vielen: Eine Selbstmordepidemie ergriff tausende Menschen im ganzen Land. Basierend auf Tagebüchern, Briefen, Berichten und Erinnerungen erzählt dieses Buch erstmals vom Untergang der kleinen Leute.

 

Die Massenselbstmorde von 1945 sind ein bis heute verdrängtes Kapitel der Zeitgeschichte, für die seelischen Wunden, die Überlebende und Angehörige davontrugen, interessierte sich jahrzehntelang niemand. Beidem, der Selbstmordwelle wie dem Schweigen, Verdrängen und Vergessen, lag dasselbe Motiv zugrunde, die Flucht vor dem Unerträglichen. Die tieferen Ursachen aber verbargen sich in der Innenwelt der Deutschen, die zwölf Jahre lang im emotionalen Ausnahmezustand gelebt hatten. Florian Huber entwickelt die Geschichte der Gemüts- und Gedankenwelt der Menschen im Dritten Reich im Wechsel von historischer Reportage und Mentalitätsstudie – ein fesselnder Blick auf die Gefühle der kleinen Leute, die in ihren Untergang marschierten.

  • € 11,00 [D], € 11,40 [A]
  • Erschienen am 02.05.2016
  • 304 Seiten, Broschur
  • ISBN: 978-3-492-30898-4
 
 

Leseprobe zu »Kind, versprich mir, dass du dich erschießt«

Teil I

Vier Tage in Demmin

 

Fluss ohne Brücken

 

»Wir erreichten gegen Morgen wieder eine Stadt. Demmin.«

 

 

Ganz am Ende der schnurgeraden Allee löste sich der Umriss eines mächtigen Kirchturms aus der Dämmerung. Die Fluchtlinien der Chaussee und das Spalier der Ahornbäume lenkten den Blick auf die Turmspitze, die sich nadelfein in die Höhe reckte. Ein Scherenschnitt vor zartrosa Himmel, wie mit dem Rasiermesser in Seidenpapier geritzt. Schlank und wuchtig, filigran und fest zugleich. Zum ersten Mal fanden Irene Brökers Augen Halt in der Gleichförmigkeit des Tieflandes. Sie musste [...]

mehr

Florian Huber

Florian Huber

Florian Huber, geboren 1967, promovierte als Historiker zur Besatzungspolitik der Briten in Deutschland. Er ist der Autor von historischen Büchern wie »Meine DDR. Leben im anderen Deutschland« und »Schabowskis Irrtum. Das Drama des 9. November«. Als Filmemacher hat Florian Huber preisgekrönte mehr ...

1 Buchblog Veröffentlicht am 28.02.2017 von Piper Verlag / Florian Huber

»Jeden Morgen saß die Vergangenheit mit am Tisch.«

Was hat sich hinter den verschlossenen Haustüren der deutschen Familien in den Fünfzigerjahren abgespielt? Ein Interview mit SPIEGEL-Bestseller Autor Florian Huber, der in seinem neuen Buch einen Blick hinter die Fassade des »goldenen Jahrzehnts« wirft und so den Schlüssel zum Verständnis dieser Zeit und der folgenden Generationen liefert.
Kommentare zum Buch
Kommentieren Sie diesen Beitrag:

(wird nicht angezeigt)

Das könnte Ihnen auch gefallen

404 Seite Email