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Hansemann, geh du voran

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Hansemann, geh du voran — Inhalt

Tusch! Ilse Gräfin von Bredow wird neunzig. Und kredenzt ihren Lesern eine brandneue Erzählung aus ihrer Feder. Warmherzig und augenzwinkernd wie gewohnt erzählt sie von einem ganz besonderen Teddybären – und beweist ein weiteres Mal, dass es keine Zweite gibt wie sie: die Grande Dame des Humors! »Das Leben steckt voller Überraschungen!« – Das wusste damals schon Kusine Reinhild, als Teile eines abgeschossenen Flugzeugs durch den Schornstein sausten und in ihrer Bratpfanne landeten. Nicht weniger verblüffend ist die Geschichte von Evchen, die ihren Teddy Hansemann auf eine Reise an den Polarkreis schickt – allein! Da auch Evchen nicht mehr die Jüngste ist, diagnostiziert ihre Kusine einsetzende Demenz. Und denkt zurück an die gemeinsamen Kindertage, als sie und Evchen – und natürlich der Teddy Hansemann – einen Sommer lang den Landsitz ihrer Verwandten unsicher machten …

€ 8,99 [D], € 8,99 [A]
Erschienen am 28.02.2012
48 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-95538-6

Leseprobe zu »Hansemann, geh du voran«

Ich hätte besser zuhören sollen. Aber an diesem denkwürdigen Tag überfiel mich – wie immer im unpassendsten Moment – eine plötzliche Müdigkeit, und ich bekam nur die Hälfte mit von dem, was Evchen mir da erzählte. Außerdem werde ich leider mit zunehmendem Alter immer begriffsstutziger, besonders dann, wenn es sich um Dinge handelt, die für mich ein Buch mit sieben Siegeln sind. Umso größer war meine Verblüffung, als ich dann endlich herausbekam, worum es bei ihrem Gerede eigentlich gegangen war. Aber wie Cousine Reinhild damals schon so richtig [...]

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Ich hätte besser zuhören sollen. Aber an diesem denkwürdigen Tag überfiel mich – wie immer im unpassendsten Moment – eine plötzliche Müdigkeit, und ich bekam nur die Hälfte mit von dem, was Evchen mir da erzählte. Außerdem werde ich leider mit zunehmendem Alter immer begriffsstutziger, besonders dann, wenn es sich um Dinge handelt, die für mich ein Buch mit sieben Siegeln sind. Umso größer war meine Verblüffung, als ich dann endlich herausbekam, worum es bei ihrem Gerede eigentlich gegangen war. Aber wie Cousine Reinhild damals schon so richtig bemerkte, als Teile eines abgeschossenen Flugzeugs durch ihren Schornstein sausten und in ihrer Bratpfanne landeten: »Das Leben steckt voller Überraschungen. «
Evchen und ich stammen, zumindest was die Anzahl ihrer Mitglieder betrifft, aus einer stattlichen Familie. Damals gab es eben reichlich Nachwuchs. Nur waren die Zeiten schlecht, als meine Generation auf den Wickeltischen landete. Aber die Verwandtschaft hielt zusammen, und es war Sitte, dass die Kinder, bei deren Eltern Schmalhans Küchenmeister war, in den Ferien von den Betuchteren zum Auffuttern aufs Land eingeladen wurden. Ob arm oder reich, was die Kindererziehung betraf, machte man damals keine Unterschiede, überall galten dieselben Prinzipien, die man in Sprüche verpackte wie: Was auf den Tisch kommt, wird gegessen; Kinder sieht man, aber man hört sie nicht; Was Hänschen nicht lernt … Doch an allererster Stelle stand: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not – ein Grundsatz, der sich zuweilen als töricht erweisen kann, wie die Inflation uns lehrte.
Der eiserne Grundsatz der Sparsamkeit galt leider auch für unsere Klamotten. Denn obwohl wir kaum reisten, befand sich unsere Kleidung ständig auf Wanderschaft und kehrte erst nach einigen Jahren mehrfach geflickt zu ihrer Stammfamilie zurück, um dessen jüngstem Spross zu dienen. Das Wiedersehen löste bei uns nicht gerade Freude aus, was meist mit dem beliebtesten Satz der Kindererziehung kommentiert wurde: Hab dich nicht so.
»Hab dich nicht so«, sagte auch mein ältester Bruder zu mir, als ich seine ausgebleichte Matrosenbluse auftragen musste und mich beschwerte, darin hätten bereits die Motten Ballett getanzt. Nur das deswegen viel beneidete Evchen blieb von der Zumutung der Wanderkleidung verschont. Sie war einfach zu groß und hatte schon als Kind fast Gardemaß.
Ich sah diese Cousine zum ersten Mal, als wir beide etwa neun Jahre alt waren und in den Ferien gemeinsam zu Onkel und Tante aufs Land geschickt wurden. Ich zeigte mich angesichts dieser Einladung wenig begeistert. Unsere Gastgeber hatten drei Söhne, deren Bekanntschaft zu machen mir nicht gerade verlockend erschien. Meine älteren Brüder reichten mir. Außerdem war ich ein Mamakind und klebte mit Ausdauer an meiner Mutter. Und schließlich war mir Evchen völlig fremd, auch wenn ich bereits viel von ihr gehört hatte, denn sie war in der Verwandtschaft ein beliebtes Gesprächsthema, und ein Kind hat nun mal lange Ohren.
Der Nachwuchs in meiner Familie war überwiegend mittelgroß, dunkelhaarig, sehr redselig und machte aus seinem Herzen keine Mördergrube, sodass heftige Auseinandersetzungen mit den Geschwistern zur Tagesordnung gehörten. Natürlich gab es hin und wieder eine Abweichung von dieser Norm, aber im Großen und Ganzen fiel das nicht sehr ins Gewicht. Nur Evchen war eine wirkliche Ausnahme. Sie war blond, blauäugig, hatte schaufelartige Hände, kräftige Oberarme, große Füße und tat das, was sich unsere Eltern sehnlichst von uns wünschten: Sie hielt den Mund.
Als Onkel Kurt, genannt der Veteran, weil er angeblich schon im Deutsch-Französischen-Krieg von 1870 mitgekämpft hatte, sich bei ihren Eltern einquartierte, musterte er Evchen interessiert, nannte sie eine »bildhübsche Walküre« und prophezeite den Eltern, dass sie mit diesem Mädchen noch ihr blaues Wunder erleben würden. Was genau er darunter verstand, ließ er allerdings offen.
Onkel Kurt war unverheiratet geblieben, obwohl er äußerst charmant war. Wo Bartel den Most holt, wusste er vielleicht nicht, dafür aber, wo bei seinen jeweiligen Gastgebern der Cognac stand. Trotz seiner Zuneigung zum Alkohol erfreute er sich großer Beliebtheit, besonders bei den älteren Damen, denen er Komplimente machte und – was die Ehemänner längst nicht mehr taten – stundenlang zuhörte. Auch hielt er exzellente Tischreden und interessierte sich brennend für den Familienklatsch, zu dem er gern diese oder jene Anekdote hinzufügte. Generationen überdauernde Familiengeschichten entstehen meist nur durch vage Vermutungen, die dann durch ihre ständige Wiederholung allmählich zur Tatsache werden.
So erging es auch Evchens Mutter, als die Leute über sie zu tratschen begannen. War da nicht …? Hatte da nicht …? Gab es da nicht damals diese sagenhafte Hochzeit in Schweden, zu der sie ohne ihren Ehemann gefahren war, weil der Gatte, von einer Grippe heimgesucht, das Bett hüten musste? Hatte sie da nicht auffallend oft mit einem blonden Hünen getanzt, und blieb sie nicht unverhältnismäßig lang in diesem Land, fast vierzehn Tage? Irgendetwas bleibt immer hängen. So erging es auch dieser harmlosen Person, die, ganz die untadelige Hausfrau und gute Mutter, eher ein folgsames, sanftes Lamm war als ein wilder Käfer. Und dann neun Monate später – nun ja, gute acht Monate – diese Tochter! Irgendwie passten hier Deckel und Topf nicht zusammen, und eines wusste man ja: Stille Wasser sind tief. Kein Wunder also, dass im Gegensatz zu uns alltäglichen Geschöpfen Evchen und das Rätsel, das sie aufgab, zum Familienthema wurden.
Unsere Gastgeber, die uns für die Ferien auf ihre Klitsche eingeladen hatten, empfingen uns mit großer Herzlichkeit, wenn auch, wie Evchen und ich schnell feststellten, ihre Söhne von der flegelhaften Sorte waren. Schon ihre Mienen verhießen nichts Gutes.
Das Zimmer, in dem meine Cousine und ich untergebracht wurden, war recht gemütlich. Während wir unsere Koffer auspackten, musterte ich Evchen verstohlen. Das war nun also meine berühmte Cousine. Bis zu dem Moment hatten wir noch kein Wort miteinander gewechselt, aber dann drehte sie sich plötzlich zu mir um und hielt mir einen Teddy entgegen. Sie ließ ihn eine Verbeugung machen und sagte mit verstellter Stimme: »Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle. Hansemann mein Name. «
Ich lachte, ergriff meine Puppe und zirpte: »Angenehm, ich heiße Rosi.«

Ilse Gräfin von Bredow

Über Ilse Gräfin von Bredow

Biografie

Ilse Gräfin von Bredow wurde 1922 in Teichenau/Schlesien geboren. Sie wuchs im Forsthaus von Lochow in der märkischen Heide auf und besuchte später ein Internat. Während des Krieges war sie im Arbeitsdienst und musste Kriegshilfsdienst leisten. Seit Anfang der Fünfzigerjahre des letzten...

Pressestimmen

Märkische Allgemeine

»Durchweg liebenswert.«

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