Liebe im Alter
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Gemeinsam glücklich
älter werden?

Montag, 08. Februar 2016 von Gina Bucher / Piper Verlag


Liebe ist …

Wie denkt man mit 60, 70, 80 über die Liebe? Sind die Schmetterlinge noch da, hofft man noch auf sie – und was kommt, wenn sie verflogen sind?

Gestellt habe ich diese Fragen Menschen über 60, die mir aus ihrem Leben erzählten. Also Menschen wie du und ich, nur älter und erfahrener als ich. Traf ich auf dem Heimweg von solchen Gesprächen Gleichaltrige, fragten sie oft neugierig, manchmal durchaus spöttisch: «Und, hast du dabei etwas gelernt?» Tatsächlich: Ja.

Zum Beispiel habe ich gelernt, dass man zuerst einmal selbst entscheidet, welche Erinnerungen an die Liebe bleiben und welche nicht. Dass man im Alter einen milderen Blick auf das Leben bekommt, als wenn man mitten drin steht. Das liegt sicherlich daran, dass man durch die zeitliche Distanz relativeren kann, sich an Einzelnes gerne erinnert und anderes – oft guten Gewissens – verdrängen kann. So lassen sich ganze Liebesgeschichten im Rückblick aufs Wesentliche reduzieren: »Die Trennung war hart, ich habe vieles falsch gemacht. Aber wir telefonieren immer noch.«

Die Geschichten zeigen auch, dass die Liebe unabhängig vom Alter kommt und geht – und dass sich aber die Liebe mit 85 anders, freier anfühlt, weil man nicht mehr an den Beruf und an die Familie denken muss. Dass man sich in den Jahren davor im aufreibenden Alltag zwischen Beruf und Familie schnell aus den Augen verlieren kann. Dass das mit dem Happy End komplizierter ist, als es uns Hollywood weismachen will – denn kaum ein Ehepaar wacht nach der Hochzeit jeden Morgen glücklich nebeneinander auf.

Für die Liebe gibt es keine Garantie, nie, auch nach fünfzig Jahren Ehe nicht. Aber sie kann lange nachwirken, auch wenn sie nur kurz währte. Und viele Erfahrungen zeigen auch, dass eine Trennung nicht nur wehtun muss, sondern einen auch weiterbringen kann.

Und dass von Liebesgeschichten nicht zuletzt oft ein verlegenes Achselzucken oder ein banales Stichwort bleibt. Ernüchternd ist das nicht, sondern vielmehr beruhigend, weil sie eine Liebesgeschichte nicht zum Wunder verklärt – unter Umständen kann ein Glas Orangensaft oder ein kaputtes Münztelefon als Auslöser genügen, um die große Liebe zu finden.


Blick ins Buch
Ich trug ein grünes Kleid, der Rest war SchicksalIch trug ein grünes Kleid, der Rest war Schicksal

Geschichten von der Liebe

Was bleibt am Ende von der Liebe? Die Journalistin Gina Bucher hat mit vielen Menschen zwischen 60 und 95 gesprochen und lässt diese von der Liebe erzählen, die sie erlebt, vielleicht immer gesucht und manchmal auch nie gefunden haben. Gibt es die eine große Liebe? Wie sind die Befragten mit Krisen umgegangen, wie haben sie ihr Leben bewältigt, wenn der geliebte Mensch gestorben ist? Die Geschichten verdichten sich zu einem Psychogramm der Lebenserfahrung. Sie geben viele kluge Antworten auf die Frage, was eine glückliche Beziehung eigentlich ausmacht und zeigen: Verlieben kann man sich immer wieder!
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