Lieferung innerhalb 1-3 Werktage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Gebrauchsanweisung fürs Museum

Gebrauchsanweisung fürs Museum

Taschenbuch
€ 15,00
€ 15,00 inkl. MwSt.
Vorbestellung möglich
In den Warenkorb
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Gebrauchsanweisung fürs Museum — Inhalt

Wie wird ein Gemälde zum Klassiker? Wohin sollte man bei einem Bild als Erstes sehen? Wie viel Zeit für eine Epoche einplanen? Konrad Bernheimer, einer der größten Kunstkenner, lädt dazu ein, den Blick fürs Detail zu üben und mehr zu entdecken, die Intensität der Kunstbetrachtung zu fördern und zu erkennen, was Bilder alles verraten. Er öffnet dem Museumsbesucher die Augen, um sich wirklich mit dem einzelnen Gemälde zu befassen, statt nur die Bildbeschreibungen zu lesen. Er verrät, wann man in weltbekannten Sammlungen, die sonst total überlaufen sind, fast allein ist. Zeigt, welche berühmten Kunstwerke überschätzt sind - und welche zu Unrecht übersehen werden. Warum Kirchen oft die besseren Museen sind. Was Kunsttempel sonst noch zu bieten haben: kühne Architektur, originelle Museumsshops oder raffinierte Küche. Er stellt Mäzene, Sammlerpersönlichkeiten und eine kurze Geschichte der Hängung vor und erzählt von der aufregenden Logistik von Wanderausstellungen.

€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erscheint am 14.10.2019
224 Seiten, Flexcover mit Klappen
EAN 978-3-492-27740-2
Konrad O. Bernheimer

Über Konrad O. Bernheimer

Biografie

Konrad O. Bernheimer, 1950 in Rubio, Venezuela, als Sohn eines deutsch-jüdischen Vaters und einer venezolanisch-katholischen Mutter auf einer Kaffeeplantage geboren, Kunstsammler und -händler. Schon als Kind wurde er von seinem Großvater Otto Bernheimer in die Geschäfte des bekannten Münchner...

Im Gespräch mit Konrad O. Bernheimer

 

Der Autor im Gespräch mit seiner Lektorin Bettina Feldweg

Wenn man in München aufgewachsen ist, hat der Name Bernheimer einen besonderen Klang. Der Ursprung des Erfolgs der Kunsthändler-Dynastie war das große Palais am Lenbachplatz, das Konrad O. Bernheimer in vierter Generation übernahm und hinter sich ließ, um in London ein international angesehener Händler für Alte Meister zu werden. – Nun hat Konrad Bernheimer eine Gebrauchsanweisung fürs Museum verfasst: eine kundige Handreichung für Museumsgänger.

Wovon handelt Ihre Gebrauchsanweisung?

In erster Linie möchte ich dazu beitragen, dass der Museumsbesucher die Augen öffnet und sich wirklich mit dem einzelnen Gemälde befasst, statt nur die Bildbeschreibungen zu lesen. Es geht mir um die Intensität der Kunstbetrachtung, die gerade die Alten Meister so spannend in den Fokus setzen kann – und um deren Einbettung in ihre jeweilige Zeitgeschichte.

Was machen Sie in einem Museum als Erstes?

Den Überblick versuche ich mir vorher zu verschaffen, entweder durch das Blättern in einem Bestandskatalog oder durch den Blick auf die Website des Museums. Dann suche ich mir ein Gebiet aus, auf das ich mich konzentriere. Alles kann man nicht anschauen, man muss Schwerpunkte setzen, sonst ist man am Ende zwar viel gelaufen, hat aber nichts wirklich gesehen. Auch Audioguides können sinnvoll sein, um eine Auswahl zu treffen. Wenn Sie öfter ins Museum gehen, lohnt es sich, dem Freundeskreis beizutreten, weil Sie dann von fachkundigen Führungen profitieren.

Wenn Sie zurückdenken an Ihre Kindheit: Was ist Ihre früheste Erinnerung an einen Museumsbesuch beziehungsweise an ein bestimmtes Gemälde?

Es war mit meinem Großvater in der Alten Pinakothek, und ich muss etwa sechs Jahre alt gewesen sein. Am meisten beeindruckt haben mich: das Porträt Karls V. von Tizian, weil ich mir Sorgen machte wegen der kränklichen Gesichtsfarbe des Kaisers; die Entkleidung Christi von El Greco, weil sich das rote Gewand so schön in der Rüstung des Soldaten spiegelte; und die Alexanderschlacht von Albrecht Altdorfer! Dieses Bild muss einen kleinen Buben einfach begeistern, wie ein Wimmelbild im Kinderbuch.

Was ist Ihre Lieblingsfi gur in der Malerei?

Keine einfache Frage. Ich denke jedoch, es sind wohl die Engel, die in jeder Epoche der Kunstgeschichte in verschiedenen Rollen auftauchen und immer faszinierende Wesen sind. Zum Beispiel bei einer Verkündigung von Fra Angelico oder bei einem genial hinskizzierten Engel von Paul Klee.

Mit welchem Künstler würden Sie gern ein Wochenende verbringen?

Am liebsten mit Peter Paul Rubens, weil er nicht nur wusste, wie man das Leben genießt, sondern auch als Diplomat ein faszinierendes Leben führte. Ich hätte ihn gerne begleitet, als er 1628/29 in Madrid weilte, um dort in geheimer Mission die Friedensverhandlungen zwischen Spanien und England voranzutreiben. Gleichzeitig hat er auch viel gemalt, er hat einige wichtige Porträts geschaffen, aber auch von den Werken Tizians in der königlichen Sammlung Kopien (oder man sollte sagen: seine eigenen Versionen) erstellt. Und er hatte zur Unterstützung in seiner Werkstatt, die ihm König Felipe IV. einrichten ließ, keinen Geringeren als den jungen Diego Velázquez zum Assistenten! Das waren sicher extrem spannende Zeiten.

Welche drei Bilder muss man unbedingt gesehen haben?

Das ist fast so schwierig, wenn nicht unmöglich zu beantworten wie die Frage: Welches Bild würden Sie als erstes retten, wenn die Welt unterginge? Ich versuche es dennoch:

1. Diego Velázquez, Las Meninas, Prado, Madrid:
Für mich eines der bedeutendsten großen Gemälde, die je geschaffen wurden. Velázquez gelingt mit diesem großen Familienporträt der spanischen königlichen Familie etwas vollkommen Neues. Er bezieht den Betrachter des Bildes mit ein ins Geschehen, man wird Teil der dargestellten Szene.

2. Peter Paul Rubens, Selbstporträt mit seiner jungen Frau Isabella Brant in der Geißblattlaube, Alte Pinakothek, München:
Dieses Selbstbildnis als junger glücklicher Ehemann mit seiner frisch angetrauten Braut ist nicht nur eine einzige Liebeserklärung, sondern zeigt auch das Selbstbewusstsein des jungen Meisters, der bereits am Anfang seiner großen Karriere überzeugt. Ein Bild, mit dem man leben möchte.

3. Pablo Picasso, Guernica, im Museo Reina Sofía in Madrid.
Das bedeutendste Gemälde der Moderne. Der Einfluss dieses unglaublichen Bildes auf die Kunstgeschichte ist immens. Picassos laut aufschreiender Protest gegen die Zerstörung der baskischen Stadt Guernica im Spanischen Bürgerkrieg, mit der Darstellung des Leides und der grauenvollen Vernichtung, gehört zu den bewegendsten Kunstwerken.

Welche Ausstellung der letzten Jahre hat Sie besonders begeistert und weshalb?

Auch das ist nicht so einfach zu beantworten, weil es gerade in letzter Zeit eine ganze Reihe von wichtigen und sehr beeindruckenden Schauen gegeben hat. Eine Auswahl:

Leonardo da Vinci in der National Gallery London, Hieronymus Bosch im Prado in Madrid, Pieter Brueghel im Kunsthistorischen Museum in Wien, Florenz und seine Maler in der Alten Pinakothek in München.

Leonardo, weil man dort zum ersten Mal beide Versionen der Felsgrottenmadonna des Meisters – die aus London und aus Paris – in einem Raum zusammen vergleichen konnte. Und wegen vieler anderer Bilder wie z.B. der Dame mit dem Hermelin aus Krakau, die weitaus aufregender ist als die Mona Lisa. – Hieronymus Bosch, weil noch nie zuvor eine so große Ansammlung von Bosch zu erleben war, dem verrücktesten Maler aller Zeiten. – Pieter Brueghel, da wir zu unseren Lebzeiten noch nie fast das ganze Oeuvre sehen konnten. Und es wird auch nie mehr möglich sein. – Die Florentiner Malerei in der Alten Pinakothek, denn dieser Ausstellung liegt eine umfassende Forschungsarbeit zur Malerei jener Zeit zugrunde, die sehr beeindruckt hat. Und weil wir dort erstmals die großartige Grablegung von Sandro Botticelli nach der Restaurierung in all ihrer Pracht bewundern durften.

Kommentare zum Buch

Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden