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Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank

Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank

Martin Windrow
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Mein Leben mit Mumble

Taschenbuch
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Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank — Inhalt

Eule Mumble war noch ein flauschiges Küken, als Martin Windrow sie bei sich aufnahm. 15 Jahre lang sollten die beiden unzertrennlich bleiben. Anrührend und charmant erzählt der Brite, wie die kleine Eule seinen Alltag auf den Kopf stellt.

Doch sein Buch ist mehr als die herzerwärmende Freundschaft zwischen einem Exzentriker und einer Eule. Windrow liefert zugleich eine kleine Kulturgeschichte der „fliegenden Katzen“ – von Plinius' „schrecklichen Ungeheuern der Nacht“ bis zu den hilfreichen Eulen von Hogwarts.

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 01.08.2016
Übersetzt von: Sabine Hübner
320 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30788-8
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Leseprobe zu „Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank“

„Eulenhaften“ wurde, wäre es unaufrichtig, meine erste ge- scheiterte Beziehung aus den Annalen zu tilgen. Wie die meisten solchen Irrtümer lehrte mich auch jenes Scheitern eine ganze Menge.

 

1

Mann begegnet Eule – Mann verliert Eule – Mann begegnet der Eule seines Lebens

„Ooohh…!“-Faktor handelt es sich natürlich nur um senti- mentalen Anthropomorphismus, aber seine Macht ist nicht zu leugnen, wir kommen nicht dagegen an.

Wir identifizieren uns mit Eulen, weil sie über eine aufrechte Haltung und ein erkennbares Gesicht verfügen. Waldkäuze haben [...]

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„Eulenhaften“ wurde, wäre es unaufrichtig, meine erste ge- scheiterte Beziehung aus den Annalen zu tilgen. Wie die meisten solchen Irrtümer lehrte mich auch jenes Scheitern eine ganze Menge.

 

1

Mann begegnet Eule – Mann verliert Eule – Mann begegnet der Eule seines Lebens

„Ooohh…!“-Faktor handelt es sich natürlich nur um senti- mentalen Anthropomorphismus, aber seine Macht ist nicht zu leugnen, wir kommen nicht dagegen an.

Wir identifizieren uns mit Eulen, weil sie über eine aufrechte Haltung und ein erkennbares Gesicht verfügen. Waldkäuze haben außerdem einen runderen Kopf als Schlei- ereulen und einen runderen Gesichtsschleier mit weicheren Konturen, der weniger aristokratisch wirkt. Ihre dunklen Augen sind verhältnismäßig groß und, anders als die Augen der Schleiereule, nicht durch einen weichen vertikalen Grat überstehender Federn weit voneinander getrennt. Stattdes- sen scheint der spitze „Haaransatz“ aus kurzen, farblich kon- trastierenden Federn, die von der „Stirn“ herunterwachsen, den oberen Rand des Gesichtsschleiers in zwei „Augen-

brauen“ zu unterteilen. Den kurzen hakenförmigen Schna- bel nehmen wir automatisch als „Nase“ wahr.

Die feinen Bewegungen der winzigen dichten Gesichts- federn des Waldkauzes verleihen diesem Gesicht für unser Empfinden mehr Ausdruck als die strenge, herzförmige Maske der Schleiereule. Natürlich entsprechen diese Ände- rungen im Ausdruck keineswegs dem Mienenspiel eines Menschen, aber es sieht zumindest so aus – vergleichbar damit, dass ein keuchender Hund zuweilen zu lächeln scheint. In Ruhehaltung hingekauert und aufgeplustert wie ein Landbrot, sehen Waldkäuze schläfrig-zufrieden und be- haglich aus, und ihr braunes und cremeweißes Gefieder wirkt weicher als das der schnittigeren Schleiereule. Und schließlich steht der Waldkauz in dem Ruf, sich sehr gut als Haustier zu eignen.

Nur ganz kurz spielte ich mit dem Gedanken an eine ma- jestätische (und, was mir wichtiger schien, meist schweig- same) Tyto alba, aber letztlich fiel mir die Wahl leicht; ich wollte auch ein Käuzchen.

* * *

In Großbritannien stehen sämtliche Raubvögel sowie ihre Gelege und Nestlinge strikt unter Naturschutz. Ich sprach mit Dick über meine Pläne, und er telefonierte mit den zu- ständigen Leuten, damit alles gemäß der gesetzlichen For- malitäten abgewickelt wurde. Nach einer Weile erhielten wir Bescheid, und es wurde ein Preis genannt, zu dem ich mir ein Ei reservieren lassen konnte: im kommenden Früh- jahr das erste Ei, das ein Waldkauzweibchen im Gehege eines lizenzierten Raubvogelzüchters legen würde. Ich wagte den Sprung und gab die Bestellung auf.

Offenbar war es wichtig, welches Ei man wählte. In Ge- fangenschaft – wo die Natur unter optimalen Bedingungen nachgeahmt wird, also mit reichlichem Nahrungsangebot – legen die Waldkauzweibchen bis zu fünf Eier. Genau wie in der Natur werden diese Eier zeitversetzt in Intervallen von mindestens zwei, manchmal auch mehr Tagen gelegt. Das Eulenküken, das etwa vier Wochen später aus dem ersten Ei schlüpft, hat von Anfang an einen Vorsprung gegenüber seinen Geschwistern. Mindestens zwei Tage lang, und oft sogar länger, genießt es die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern und muss das Futter mit niemandem teilen. Wenn die Geschwister schlüpfen, ist es bereits größer und stärker als sie, schreit lauter und beharrlicher nach Futter und hat so eine bessere Chance zu gedeihen.

In der Natur ist diese Bevorzugung durch die Vogeleltern besonders in jenen Zeiten ausgeprägt, in denen es an Beute mangelt; so besteht die größte Chance, dass wenigstens ein robustes Küken in guter Verfassung überlebt, um die enorme Aufgabe zu bewältigen, auf sich allein gestellt durch seinen ersten Herbst und Winter zu kommen. Waldkauzküken mögen entzückend aussehen (im Gegensatz zu den geierhaf- ten Babys der Schleiereule), doch in Zuchtanlagen herrscht unter jungen Raubvögeln ein ebenso gnadenloser Konkur- renzkampf wie im Wald, und es geschieht häufig, dass eines oder sogar mehrere der zeitversetzt geschlüpften Küken im Nest umkommen. Und da die Natur nun einmal ist, wie sie ist – und der Appetit der Geschwister unersättlich –, enden diese kleinen Pechvögel in den Mägen der anderen Küken. Es herrscht zudem der Glaube vor, das erste Ei sei weib- lich, da Waldkauzweibchen größer werden als Männchen. Diese Frage ist problematisch, da sich das Geschlecht einer

jungen Eule nur mit intrusiven Untersuchungen und sehr viel Erfahrung bestimmen lässt, nicht einmal durch eine Röntgenaufnahme. Wie alle Vögel verfügen auch Eulen über keine äußeren Genitalien. Eine ausgewachsene weib- liche Eule mag 25 % mehr wiegen als ein männliches Tier, doch bei Jungeulen besteht keinerlei Unterschied in Größe oder Färbung. (Obwohl ich gleich von der Annahme aus- ging, bei meiner Eule handle es sich um ein Waldkauzweib- chen, überzeugte mich erst später, als sie schon ein paar Jahre alt war, ein ganz bestimmtes Verhalten davon, dass es sich tatsächlich um eine „Sie“ handelte.)

* * *

Anfang April 1978 kam die Mitteilung, dass „mein“ Ei ge- legt und aus dem Nest genommen worden sei und nun in einem Inkubator ausgebrütet werde. Etwa vier Wochen spä- ter erfuhr ich, das Küken sei nun erfolgreich geschlüpft und werde vom kleinen Sohn des Züchters aufgezogen. In diesen ersten Wochen müssen die Küken mehrere Male täglich von Hand gefüttert werden, mit irgendwelchen möglichst kleb- rigen Happen, die man aufs Ende eines Streichholzes spießt. Des weiteren erfuhr ich, dass der kleine Junge seinen Dad gefragt hätte, wie er das Käuzchen nennen solle; und als die Antwort lautete, am besten nach etwas, das er total gern möge, habe das Kind kurz nachgedacht und dann verkün- det, es solle „Nutellabrot“ heißen.

Endlich, an einem herrlich sonnigen Samstag Ende Mai, fuhr ich zur Water Farm, um das zweite Kapitel meiner Be- ziehung zu Eulen aufzuschlagen. Es war eine sehr nachdenk- liche Fahrt. Aus irgendeinem freudlosen Winkel meiner Seele fragte andauernd eine leise, skeptische Stimme, ob mir

denn wirklich klar sei, worauf ich mich da erneut einließ – Schmutz, Unannehmlichkeiten, Komplikationen für mein Sozialleben und letztlich eine neue Enttäuschung. Ob es nicht besser wäre, pragmatisch zu sein und einfach zuzuge- ben, dass ich mit Tieren nun mal nicht umgehen könne? Normalerweise vermag mich die Abfahrt vom Bluebell Hill, wenn plötzlich halb Kent unter einem ausgebreitet liegt, auch am tristesten Tag aufzuheitern, doch an jenem sonni- gen Samstag hatte ich keinen Blick dafür.

Die Ankunft auf der Water Farm gestaltete sich wie im- mer sehr entspannt, unter anderem deshalb, weil man dort erst einmal gar nicht beachtet wird. Ein Empfangskomitee gibt es nie; man begegnet den einzelnen Familienmitglie- dern nach und nach auf dem Grundstück – Kaffee trinkend unterm Weidenbaum am Ententeich oder mit einer bäuer- lichen Tätigkeit auf der Schafskoppel beschäftigt. Hinter dem alten Traktorschuppen hört man Schleif- und Bohr- lärm, weil Dick dort an irgendeinem rostigen, von der US-Armee 1945 ausgemusterten Teil eine komplizierte Ope- ration durchführt, und wenn der Lärm dann irgendwann verstummt, weiß man, dass Dick eine Pause einlegt. Ich fand diese Zeitspanne nach der Ankunft schon immer erholsam, weil sie mir Gelegenheit gab, das Dröhnen der Autobahn aus dem Kopf zu kriegen und mich wieder auf menschliche Gespräche einzustimmen. So war es auch an jenem Samstag, und nicht das kleinste Zeichen wies darauf hin, welch fol- genreiche Begegnung mir unmittelbar bevorstand.

Ich: „Wo ist es?“ Dick: „In der Küche.“

Die Tür, die direkt in die große Bauernküche führte, stand wie immer offen, und ich trat in den kühlen Schatten.

Wol döste droben auf dem Buffet vor sich hin und achtete gar nicht auf mich. Ich sah mich suchend um – sicher stand hier irgendwo ein Lebensmittelkarton herum, aus dem, wenn ich mich näherte, erschrecktes Krallentrippeln ertö- nen würde. Aber nichts dergleichen – kein Getrippel, kein Karton.

Auf einer Stuhllehne, am offenen Fenster in der Sonne, saß ein gut zwanzig Zentimeter großes Wesen, das an einen tollpatschigen Spielzeugpinguin mit operierter Nase erin- nerte. Es sah aus, als stecke es in einem einteiligen Strick- overall aus hellgrauem, braun besticktem Flaum mit ange- nähter Sturmhaube. Aus dem Gesichtsloch der Sturmhaube blickten zwei große, glänzend schwarze Augen vertrauens- voll zu mir empor. „Piep“, machte das Flaumbündel leise. Entzückt beugte ich mich vor. Das Bündel zwinkerte mit den pelzigen grauen Augenlidern und sprang dann zielstre- big auf meine rechte Schulter. Es fühlte sich an meiner Wange an wie eine große, warme Pusteblume und duftete wie ein zartes junges Kätzchen. „Piep“, wiederholte es ganz sanft.

* * *

Sonntagabend fuhren wir zusammen nach London zurück. Dick hatte mir diesmal nicht beim Anlegen der Fesseln hel- fen müssen; ich hatte mir geschworen, diesen Vogel niemals anzuketten. Entweder würde er freiwillig zu mir kommen oder gar nicht. Die Eule trat die Reise in einem Karton an, entwischte aber bald und kletterte auf meine Schulter. See- lenruhig meisterte sie diese umwälzend neue Erfahrung. Schon auf halbem Weg nach London hatte sie gelernt, wie man sich in die Kurven legt, um die Balance zu halten, und

manchmal hielt sie sich zart mit dem Schnabel an meinem Ohr fest. Liebe auf den ersten Blick – wenn sie einen spät trifft, dann mit voller Wucht. Mich traf sie mit 34 Jahren, und ich sollte die nächsten fünfzehn Jahre von ihr erfüllt bleiben.

Martin Windrow

Über Martin Windrow

Biografie

Martin Windrow, geboren 1944, ist ein britischer Historiker, Autor und langjähriger Herausgeber bei Osprey Publishing. Er ist Mitglied der Royal Historical Society. Windrow lebt in East Sussex.

Pressestimmen
Ars Medici (CH)

„Die Geschichte einer ungewöhnlichen Beziehung - die uns en passant alles über die Biologie und die Mythologie der Eulen lehrt.“

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