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Der Herr der Ringel

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Die Bewährten

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Der Herr der Ringel — Inhalt

Dies ist die Saga von den Wobbits und dem magischen Ringel, der seinem Träger unvergleichliche modische Ausstrahlung verleiht ... Kaum einer weiß, dass es nicht J.R.R. Tolkien war, der zuerst auf die abwegige Idee kam, einen ganzen Fantasy-Roman über einen Ringel zu verfassen, sondern der Amerikaner Paul Erickson. Zum ersten Mal präsentiert der Autor von "Der Wobbit" die Originalabenteuer des Wobbits Milbo Muffin, auserwählter Träger des Einen Ringel, auf seiner epischen Queste voller unnötiger Lebensgefahren, und von Ranndarf, dem unzuverlässigen und irgendwie unverschämten Zauberer, der ihm die ganze Sache eingebrockt hat ...

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 15.10.2013
Übersetzer: Simon Weinert
336 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-96066-3

Leseprobe zu »Der Herr der Ringel«

Der Prolog des Prologs

Kurzmitteilung
Von: Ladidadiel, Eigentümerin Elbenhotelbetriebe International
Betreff: Milbos Buch möglicherweise nicht ganz akkurat
An: Die Verbündeten der Bonität

 

Die Welt ist im Wandel, und wer mag schon Veränderungen?

Ich spüre es am Wasserkocher, ich rieche es im Pausenraum. Vieles, was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert. Lassen Sie mich das erklären.

Es scheint, dass der ehemalige Subunternehmer/Dieb Milbo Muffin in seinem Buch Einmal Hin- und Rückfahrt, bitte! (erschienen in der [...]

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Der Prolog des Prologs

Kurzmitteilung
Von: Ladidadiel, Eigentümerin Elbenhotelbetriebe International
Betreff: Milbos Buch möglicherweise nicht ganz akkurat
An: Die Verbündeten der Bonität

 

Die Welt ist im Wandel, und wer mag schon Veränderungen?

Ich spüre es am Wasserkocher, ich rieche es im Pausenraum. Vieles, was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert. Lassen Sie mich das erklären.

Es scheint, dass der ehemalige Subunternehmer/Dieb Milbo Muffin in seinem Buch Einmal Hin- und Rückfahrt, bitte! (erschienen in der Wobbit-Presse als Der Wobbit) zwei entscheidende Dinge nicht korrekt beschrieben hat. Dadurch ist viel Verwirrung entstanden, weshalb es einer Klärung bedarf.

Für den Fall, dass jemand bezüglich dieser beiden Dinge im Unklaren ist (hier wende ich mich vor allem an den Zauberer und Projektmanager Ranndarf für den unwahrscheinlichen Fall, dass er diese Mitteilung überhaupt zur Kenntnis nimmt), lassen Sie mich ins Detail gehen.

Zunächst einmal ist der Ring, den Milbo von der Kreatur Go-Lump »gewonnen« hat, nicht einfach bloß irgendein Unsichtbarkeitsring von der Stange, den man schnell mal gegen einen Katastrophenmantel oder eine Schubkarre eintauscht. Sondern er ist in Wahrheit ein Ring und der mächtigste und verderblichste Gegenstand Drittmittelerdes.

Es kommt einem gerade mal wie gestern vor, dass die Wirklich Großen Ringe geschmiedet wurden. Drei wurden den Elben gegeben, klaro, denn damals waren keine besseren Ringe erhältlich. Sieben wurden den Zwergen gegeben, denn die Großväter der Zwerge, die Schöpfer des Lieds »Heiho, heiho, wir sind vergnügt und froh«, zählten ebenfalls sieben. Und neun wurden den Königen der Menschen gegeben, denn die Königinnen der Menschen wollten keine, weil sie Ringe zu protzig fanden.

Doch sie wurden alle reingelegt, denn es wurde noch ein Ring, ein WIRKLICH großer Ring gefertigt. Im Lande Schmoddor, in den Feuern des Schreck-lass-nach-Bergs, setzte der Herr und Geschäftsführer der Versklavungs-, Kredit- und Zerstörungsanstalt Schmoddor, Saubohn, einen Vertrag über das Schmieden eines Superrings auf, um alle anderen Ringe zu beherrschen. In diesen Ring flossen seine Ungeduld, seine Kleinlichkeit und sein Wille, das Unternehmen durch feindliche Übernahmen zu vergrößern. Er hätte es sich niemals leisten können, den Ring in Schmoddor fertigen zu lassen, deshalb heuerte er einen Handwerker aus dem Äußersten Süden an, der konkurrenzlos billig war und ganz alleine arbeitete. Und daher bekam der Ring auch seinen Namen: Der Alleine Ring.

Der Reihe nach wurden die freien Länder Drittmittelerdes durch die Macht des Rings entweder zerstört oder gekauft. Doch einige leisteten Widerstand, indem sie hartnäckig Mengenrabatte forderten. Ein Beinahe Letztes Bündnis von Elben und Menschen, die danach noch viele Male als die Verbündeten der Bonität in Erscheinung treten sollten, zog in die Schlacht gegen die Achse des Bösen.

Scheußlich waren die Orks und Trolle und Marge, gegen die sie stritten. Die Luft war erfüllt von Pfeilen und Kreischen und von kreischenden Pfeilen. Obwohl Sonnenschein bei milden Temperaturen vorhergesagt war, blieb der Himmel unglücklicherweise wolkenverhangen. Der Sieg war nahe, als Saubohn einen seiner seltenen Cameo-Auftritte hinlegte. Obwohl er ein Elb war, sah er aus wie ein Riese mit unbequemer Dornenrüstung. Darunter trug er ein Ringel-T-Shirt und Ringelsocken, was vielleicht seine damalige miese Stimmung erklärt. Allenthalben zerschmetterte er Elben und Menschen. Gerade wollte er Müslipur zerschmettern, den Sohn des verstorbenen Menschenkönigs Ölunddill, doch erst trat er auf Müslipurs Schwert, Nasal, und brach es aus schierer Bösartigkeit entzwei.

Überraschend griff Müslipur nach dem Schwertgriff und tötete Saubohn mit dem Stumpf der Klinge. Niemand weiß genau, wie. Ich habe es selbst nicht mit angesehen. E.On hat mir erzählt, Müslipur hätte Saubohn fies in die Weichteile gestochen, doch andere berichten, in Saubohns Rüstung hätte es eine Sollbruchstelle gegeben, direkt über der linken Brust. Auf jeden Fall verging Saubohn mit einem Schrei: »Du verfluchter Rotzlöffel! Sieh doch nur, was du getan hast! Ich schmelze! Was für’n Ding! Wer hätte gedacht, dass ein armseliges Menschlein wie du meine wunderschöne Schlechtigkeit zerstören könnte? Oh, sieh nur! Ich schwinde! Oh! Oh!«

Seine Rüstung in Übergröße blieb zurück, da Müslipur selbst nach erheblichen Änderungen keine Verwendung dafür hatte. Ebenso das XXL-Ringel-T-Shirt und die Ringelsocken. Doch Müslipur stellte fest, dass sich der Ring auf magische Weise seiner geringeren Größe anpasste. Er hob ihn auf, steckte ihn aber nicht an, vielleicht weil er Handschuhe trug. Andere behaupten, dass er ihn nicht anstecken wollte, weil er wie ein Ehering aussah: »Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich so etwas nie tragen würde.« Aber da er um den Wert der Dinge wusste, behielt er ihn.

Auf dem Heimweg von der Schlacht geriet Müslipur in einen Orkhinterhalt. Die Orks hatten noch nicht mitgekriegt, dass die Schlacht zu Ende war und sich ihr capo di tutte capi in Luft aufgelöst hatte. Müslipur hatte herausgefunden, dass der Alleine Ring ihn unsichtbar machte, deshalb tauchte er in einen nahegelegenen Fluss, um zu entkommen. Was er nicht wusste, war, dass der Alleine Ring ihm nicht die Macht verleihen würde, unter Wasser zu atmen oder seinen Atem unendlich lange anhalten oder in voller Rüstung schwimmen zu können. Er soff ab.

Der Ring schwamm wie eine Muschel. Indem er sich zusammenzog und ausdehnte, stieß er sich im Wasser vorwärts, bis er einen neuen Träger fand, das nervtötendste Geschöpf, das man sich nur vorstellen konnte. Genau weiß es niemand, aber man kann annehmen, dass es so etwas sagte wie: »Ei, sieh da! Dich nenne ich meinen Schatz, sage ich, meinen Schatz!«

Sein Name war Go-Lump. Er war ohnehin schon etwas plemplem, und der Alleine Ring machte ihn noch um einiges plemplemer. Erneut können wir annehmen, dass seine inneren Selbstgespräche, die er immer laut führte, ungefähr folgendermaßen verliefen: »Meins, sag ich, alles meins! Mit deiner Hilfe, mein Schatz, werde ich kleine, schlanke Orks fangen und sie roh verschlingen und werde für die nächsten tausend Jahre in einer Höhle leben! Bua, hahah!« In erster Linie sprach da der Ring aus ihm.

Schließlich wurde dieser vom zuvor erwähnten Dieb Milbo Muffin gestohlen, einem Wobbit aus dem Aualand. Unter Anwendung der Regel »Wer’s findet, darf’s behalten« entwendete er den Ring aus Go-Lumps tristem Heim und steckte ihn in seine Weste. Milbo überliefert uns die letzten Worte, die Go-Lump ihm hinterherrief: »Verdammich! Muffins! Wir hassen, ich sage, wir hassen ihn auf ewig!« Milbo trieb sich nicht lange genug in der Gegend rum, um zu sehen, was als Nächstes passieren würde.

Neben seiner unvollständigen Geschichte des Alleinen Rings sind auch seine Angaben zu Saubohn nicht korrekt. In seinem Buch schreibt Milbo, dass Saubohn laut Ranndarf besiegt worden wäre. Obgleich Ranndarf dies mit Sicherheit behauptet hat, ist die Aussage doch in einem gemeingefährlichen Maße falsch. Es stimmt, dass die Achse des Bösen in der Schlacht geschlagen wurde, es stimmt aber nicht, dass Saubohn von Müslipur getötet wurde. Der dunkle Geschäftsführer war wieder entschmolzen und versuchte, sich ein neues Label zu verpassen: »Der Geisterbetörer.« Doch er wurde vom Weißen Rat aus seiner Bürozentrale im Wüsterwald hinausgeworfen. So geschlagen, begann er erneut zu schmelzen. Ranndarf hätte seine geschmolzenen Überreste eigentlich in einer Kapsel aus Invincibilium verwahren sollen, damit er sich künftig nicht wieder entschmelzen würde, aber der Zauberer war vollauf damit beschäftigt, für ein Siegerportrait zu posen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Alleine Ring viel gefährlicher ist, als es Ranndarf auf dem Schirm hat. Und obwohl er schon zweimal geschmolzen ist, betreibt Saubohn noch immer seine gefährlichen Geschäfte. Wenn Sie Ranndarf sehen, dann geben Sie ihm bitte Bescheid. Es gilt, sogleich Maßnahmen zu ergreifen, um eine Destabilisierung des Marktes zu verhindern, die unser aller Kapital gefährden würde.

 

 

Prolog

Über Wobbits

Dieses Buch handelt weitgehend von Wobbits, und aus seinen Seiten kann ein Leser viel über ihren Charakter und wenig über ihre Geschichte erfahren. Weitere Informationen finden Sie auch in Der Wobbit oder Einmal Hin- und Rückfahrt, bitte! Das Buch ist als Taschenbuch, eBook und Hörbuch im örtlichen Buchhandel wie auch im Onlineversandbuchhandel erhältlich. Bestellen Sie sich Ihr Exemplar jetzt!

 

 

Kapitel I

Ein langerwarteter Brunch

Als Herr Milbo Muffin von Muffend ankündigte, dass er demnächst zur Feier seines neundutzendunddritten Geburtstags ein besonders prächtiges Fest geben wolle, hätte niemand erwartet, dass man auf der Party eines derart reichen Wobbits die Getränke selbst würde bezahlen müssen.

Milbo war sehr reich und sehr absonderlich, und seine Nachbarn sahen ihn schräg an. Vor sechzig Jahren hatte er als Freelancer einen Beraterjob angenommen, bei dem er gegen alle Wahrscheinlichkeit ein Vermögen gemacht hatte. Noch absonderlicher aber erschien die Tatsache, dass er nicht alterte. Mit neunzig war er weitgehend derselbe wie mit fünfzig. Mit neunundneunzig sah er wie einundfünfzig aus. Mit hundert wirkte er wie neunundvierzig. Mit hunderteins wieder wie mit fünfzig. Mit hundertzehn fingen die Nachbarn an zu sagen: »Er war beim Schönheitschirurgen.« Im Stillen aber dachten sie: Er hat ein Bild von sich auf dem Speicher, das an seiner statt altert. Das war lächerlich, denn Milbos Wohnung war der Keller unterhalb eines Schönheitssalons, und jegliche magischen Bildnisse hätte er darin verstecken müssen.

»Dafür wird er bezahlen müssen«, sagten die Leute. »Bestimmt frisst er so ’ne teure Vitaminkur für die Superreichen, denn er ernährt sich katastrophal und treibt keinen Sport. Vitaminkuren sind nicht natürlich, und irgendwann bekommt er die Quittung dafür!«

Doch bisher hatte er keine Quittung bekommen. Obwohl er von Natur aus kleinlich war, hatte Milbo stets großzügig Trink- und Schmiergelder gezahlt, nur um Ruhe vor seinen Nachbarn zu haben. Er machte und empfing Besuche seiner Verwandten (mit Ausnahme der Packein-Muffins) und wurde vom örtlichen Gesindel wegen seiner wirkungsvoll inszenierten, aber erstaunlich seltenen Wohltätigkeitsgesten bewundert. Wie die meisten Tucken – seine Familie mütterlicherseits – hatte er lange keine Freunde, bis seine jüngeren Vettern alt genug waren, um ihn abends zum Rollenspiel zu treffen.

Milbos Lieblingsvetter war der junge Promo Muffin. Seit dem mysteriösen Tod seiner Eltern hatte Promo bei seinen Vettern, den Dandyschmocks von Dandyschloss im Schmockland gelebt. Die Adresse konnte man sich leicht merken.

Als Milbo neunundneunzig wurde, adoptierte er Promo und setzte ihn zu seinem Erben ein. Sie hatten am selben Tag Geburtstag, am 22. September, was Promo für einen zweifelhaften Grund hielt, jemanden zu adoptieren. Und da Promo zu der Zeit noch ein Teenager war, hatte er keinen Bock drauf, mit Milbo gemeinsame Geburtstagsfeten zu feiern. Mit einem Hundertjährigen kann man für gewöhnlich keine geilen Partys feiern, auch wenn er nur wie fünfzig aussieht.

Promo ließ zwölf Jahre gemeinsamer Geburtstagsfeten über sich ergehen, ohne zu merken, dass Milbo etwas recht Außergewöhnliches für seinen dreiunddreißigsten Geburtstag, den Tag seiner Wobbitvolljährigkeit, geplant hatte. Milbo wurde neundutzendunddrei, eine ziemlich tuckenhafte Ausdrucksweise für hundertelf. Selbst der alte Tucke war dank einer Rohkostdiät und hyperbarer Sauerstofftherapie nur 130 geworden. 111 ist für einen Wobbit ein sehr respektables Alter, da Wobbits bereits im mittleren Alter durch Missgeschicke oder schlechte Angewohnheiten zu sterben pflegen.

In Vorfreude auf das große Ereignis standen die Zungen in Muffend und Wasserklau genauso wenig still wie die Schwänze der Hunde in den Tierheimen. Jamjam Kimchi, der landauf, landab als »der Klon« bekannt war, nutzte die Gelegenheit, um seine Anekdoten über die Pflege von Milbos kleinem Vorgarten loszuwerden. Als Milbo zu Geld gekommen war, hatte er die Wohnung unter Virginias Schönheitssalon, die er gemietet hatte, gekauft. Um seiner neuen Rolle als Schaffer von Arbeitsplätzen gerecht zu werden, hatte er Kimchi als Gärtner eingestellt, vor allem, weil sein neuer Diener dann keinerlei Aufgaben in der Wohnung selbst auszuführen hätte.

Kimchi, für den Milbo keine Lohnnebenkosten zahlte, war ein furchtbarer Langweiler. Er war alt, wenn auch jünger als Milbo. Doch da Milbo mysteriöserweise in mittleren Jahren zu verharren schien, gab Kimchi neben ihm einen grantigen alten Opa ab. Der Klon führte sein hohes Alter auf Biergenuss und die Vermeidung von Arbeit zurück. Beidem ging er regelmäßig nach, und zwar in einer kleinen Gaststätte namens Efeubüschel. Er sprach zu einer kleinen Zuhörerschaft, die selbst für Wobbitverhältnisse klein war.

»Promos Geburtstagsparty wird das größte Event, das Muffend je gesehen hat! Ich schwör’s«, lallte Jamjam Kimchi. »Der Herr Milbo ist ein feiner Kerl!«

»Klar ist Milbo ein feiner Kerl«, sagte Väterchen Zwiebelfuß (ein Nachbar des Klons). »Aber wer ist dieser junge Promo Muffin, der bei ihm lebt? Muffin oder nicht, in Wahrheit ist er ein Dandyschmock aus Schmockland, wo die Leute so schräg sind.«

»Du hast recht, Väterchen«, sagte der Klon. »Und ich habe den jungen Promo noch nie mit einem Mädchen ausgehen sehen. Nicht, dass daran etwas Falsches wäre. Die Leute unten in Schmockland überm Dandyweinfluss sind halt schräge Vögel. Trotzdem, so lange sein ›Dad‹ mir meinen Lohn bezahlt, ist auch der Promo ein feiner Kerl.«

»Habe ich euch schon mal erzählt, wie Promos Eltern auf mysteriöse Weise ums Leben kamen?«, sprach der Klon weiter. »Promo hat es mir unter dem strengsten Siegel der Verschwiegenheit erzählt, deshalb müsst ihr den Leuten sagen, dass es ein Geheimnis ist, wenn ihr’s weitererzählt.«

»Was du nicht sagst, Klon!«, meldete sich Ted Sandigwobbit, der Müller von Muffend, der sich immer gern einmischte.

»O doch! Wahrscheinlich haben sie sich gegenseitig umgebracht! Herr Drogi Muffin und die arme Tremula Dandyschmock. Sie fuhren in ihren zweiten Flitterwochen in der Wüsterwald-Waldelbenferienfarm mit dem Tretboot, als das Boot kenterte. Man vermutet, dass sie herumgealbert, vielleicht sogar randaliert haben. Und beide waren irgendwie mit Milbo verwandt. Das ist noch viel mysteriöser.«

»Das hört sich für mich überhaupt nicht mysteriös an«, sagte der Müller, dem man es nur schwer recht machen konnte. »Das ist ja gar keine richtige Geschichte, eher so ’ne Anekdote. Ich hasse diese Tretboote und all das Pedaletreten. Kein Wunder, dass sie reingefallen sind.«

»Wie dem auch sei«, sagte Kimchi, der Klon. »Promo hat bei den Dandyschmocks gelebt, bis Milbo ihn adoptiert hat. Das muss für die Packein-Muffins ein Schock gewesen sein. Erst wird Milbo ewig nicht älter, und dann wird ein zweifelhafter neuer Erbe ernannt.«

»Was ist mit der Sammlung von Tüftenballkarten und all dem Silber und Gold?«, sagte Väterchen. »Und was ist mit dem Plunder?«

»Dem was?«

»Entschuldigt, mit den Klunkern. Was ist mit denen?«

»Er hatte nie irgendwelche Klunker«, sagte Jamjam. »Herr Milbo hat sich immer geweigert, sein Portfolio zu erweitern, und hat sich den vertraglich zugesicherten Anteil ganz in Gold auszahlen lassen. Was seine Tüftenball-Fanartikelsammlung angeht, all seine Tickets, Programmhefte, Merchandiseartikel, Trikots und sogar den einen seltenen Spielball, das alles bekommt Promo. Aber davon kann euch mein Sohn Spam mehr erzählen.«

Jamjams Sohn, Spam Kimchi, folgte in den Fußstapfen seines Vaters, will sagen, er trank Bier und schaute Tüftenballspiele, während er auf Abruf für Herrn Milbo bereitstand. Für Vater und Sohn gab es kaum genug Arbeit im Garten. »Spam ist ein Tüftenballfreak! Er kennt die Regeln besser als ein Schiedsrichter. Aber das Spiel ist nicht mehr dasselbe. All diese neuen Mannschaften haben die Liga kaputtgemacht. Eine einzige Zeitverschwendung, wenn ihr mich fragt. ›Mördergrätschen und angetäuschte Anläufe!‹, sage ich also zu ihm. ›Steckrüben und Schwarzarbeit sind besser für dich und mich! Pass auf, sonst erwischt man dich noch beim Faulenzen‹, sage ich.«

»Du kannst sagen, was du willst, aber dieser Milbo interessiert sich neben Tüftenball für ziemlich merkwürdige Dinge«, sagte Sandigwobbit. »Er empfängt Comicsammler und eigenartige ausländische Musiker. Sogar außerhalb der normalen Geschäftszeiten hat er schon Besuch von Zwergen und diesem alten, selbsternannten ›Zauberer‹ Ranndarf bekommen. Muffend ist ein schräger Ort, und seine Einwohner sind noch schräger. Um genau zu sein, werden sie mit jedem Augenblick schräger.«

»Solltest du nicht in deiner Mühle sein, Herr Sandigwobbit?«, sagte Jamjam. »Ich weiß nur, dass mein Spam zur Party von Herrn Milbo geht. Ich hoffe nur, dass er ein Date mitbringt.«

Die Zeit verging, und ob der junge Promo Muffin es nun mochte oder nicht, es näherte sich der Tag von Milbo Muffins Fest. Ein wunderliches Gefährt (du und ich, wir würden einfach »Wagen« dazu sagen), beladen mit wunderlichen Paketen und Krimskrams schleppte sich den Hügel zu Milbos Wohnung im Muffend-Viertel von Wobbingen hinauf. Gelenkt wurde es von einem wunderlichen Alten, keinem Wobbit. Er trug gewaltige schwarze Stiefel mit Flügelkappen und einen unnötigen, überkandidelten Schal. Sein langer, buschiger Schnauzer stand unter der Krempe seines Huts hervor. Viele Wobbits glaubten, der Schnauzer bestünde aus Nasenhaaren. Auf den Bündeln, dem Wagen und sogar auf dem Pferd prangte ein großes rotes R.

Natürlich war dies Ranndarfs Zeichen, und Ranndarf, der Zauberer, lenkte das Fuhrwerk. In den vielen Jahren seiner Freelance-Tätigkeit hatte er gelernt, wie wichtig eine wiedererkennbare Marke war, weshalb er überall sein Zeichen draufmachte, auch auf Dinge, die ihm nicht gehörten. Im Aualand war er für seine Feuerwerke berühmt wie auch für die Brände und Rauchbelästigungen, die ihnen zuweilen nachfolgten. In der Nebensaison verdingte er sich mehr schlecht als recht als Projektmanager, und Zaubern tat er nur gegen Bargeld auf die Hand. Ein paar junge Wobbitrüpel, an denen der Wagen vorbeirollte, riefen ihm nach: »Wofür steht das ›R‹, Opa? R wie in …« Ranndarf drehte sich schnell um und brachte sie zum Schweigen, indem er dem Anführer einen Bierdeckel mit einer R-Rune drauf gegen den Kopf schnippte.

»Haut ab, ihr Lümmel!«, sagte Ranndarf. »Wo der herkommt, gibt es noch mehr Bierdeckel, und ich scheue mich nicht, sie zu schnippen!«

Vor Milbos Wohnung hinter dem Schönheitssalon, kurz nach dem Abendessen, saßen Milbo und Ranndarf zusammen und rauchten ihre Pfeifen. Dieses schmutzige Laster hatte sich der Wobbit während ihres Projekts mit Theorin Eichenkilt und den Zwergen angewöhnt, und jetzt hatte er Mühe, damit aufzuhören. Er blies gekonnt einen Rauchring, der über dem Garten dahintrieb, den Jamjam und sein Sohn Spam Kimchi ihm für einen Minilohn pflegten. Dann blies Ranndarf mehrere Rauchringe, die miteinander verschlungen die Worte ergaben: Ranndarf, der Zauberer, die All-in-one-Management-Lösung für Ihr Projekt! Die Rauchwolke schwebte dahin und blinkte in verschiedenen Farben.

»Ich glaube, ich brauche Urlaub«, sagte Milbo.

»Urlaub von was?«, sagte Ranndarf. »Seit dem Eichenkilt-Projekt haben Sie keinen einzigen Tag gearbeitet!«

»Dann eben Ferien. Sie kennen meinen Plan, meinen geheimen Plan. Bei der Feier. Meinen kleinen Scherz.«

»Der mit dem Elb und dem Proktologen?«

»Nein«, sagte Milbo. »Nein, der Scherz, bei dem ich mich von meiner eigenen Party davonstehle und die Getränkerechnung den Packein-Muffins überlasse.«

»Ah«, sagte Ranndarf. »Kein wirklicher Scherz. Eher ein Bubenstreich. Wer wird da schon lachen, frage ich mich.«

Am nächsten Tag fuhren noch mehr Gefährte und sogar ein paar Wagen vor dem Schönheitssalon vor. Um das übliche Gegrummel von wegen »Kauf beim Laden um die Ecke!« oder »Unterstützt den Einzelhandel!« zu vermeiden, bedachte Milbo die Kaufleute am Ort mit einer Flut an Bestellungen, obwohl er dadurch die im Aualand gültigen Mehrwertsteuerbeträge abdrücken musste. Großkartons mit Appetithäppchen wurden geliefert, Kisten voller Wein, zahllose Rollen mit Dekoration aus Krepppapier und jedes billige Partyutensil, das man sich nur vorstellen kann.

Bald ergoss sich auch eine Flut von Einladungen. Der Service im Wobbinger Postamt wurde noch langsamer als sonst, und das Postamt in Wasserklau hatte geschlossen, bis genug Wanderarbeiter als Aushilfen aufgetrieben werden konnten. Milbo gab diesen »Gastarbeitern« die Schuld daran, dass er so wenig Antwortpostkarten erhielt. Seine vorfrankierten Antwortkarten mit dem Aufdruck Danke, ich komme bestimmt und bringe eine Begleitperson mit lagen auf zahlreichen Küchentresen und Esstischen in allen Haushalten zwischen Muffend und Muffhöhe herum. Milbo würde nie eine genaue Personenzahl erfahren.

Auf Milbos klappriger Alutür hing nun eine Notiz: 1) Besprechungen nur nach vorheriger Terminabsprache. Und darunter: 2) Terminabsprachen nur im Rahmen einer regulären Besprechung möglich. Milbo wurde noch zurückgezogener als sonst und war andauernd am Pläne- und Ränkeschmieden.

Eines Morgens schreckte ganz Wobbingen wegen einer heftigen Explosion aus dem Schlaf. Sie kam aus einem öffentlichen Park in der Nähe des Schönheitssalons. Als Wobbits aus der Nachbarschaft hineilten, um nachzusehen, entdeckten sie Ranndarf, der vor einem rauchenden Krater stand.

»Das war mal eine feine Zauberei, muss ich schon sagen«, verkündete er. Im Zentrum des gesprengten Gebiets hatten zuvor eine Schaukel, eine Wippe und ein Klettergerüst gestanden. Nachdem die Spielplatzausrüstung in Trümmern lag, wurden von der Straße wagenweise Zelte, Bambusfackeln und Bocciakugeln herangeschafft. Um zu verhindern, dass man sich beim Sheriff beschwerte, und als Entschädigung für durch die Splitter entstandene Schäden zahlte Ranndarf den Familien eine gewisse Summe. Ihm stand von Milbos Seite massenhaft Geld zur Verfügung.

Jamjam Kimchi sollte die Alibigärtnerei eine Weile lang ruhen lassen und stattdessen die Aufsicht über das Aufstellen der Zelte übernehmen. Den Zeltaufstellern stellte er sich mit den Worten vor: »Ich bin der Zeltaufstellungsinspektor, ihr wisst schon, derjenige, der dafür sorgt, dass schwer gearbeitet wird.« Seinen Sohn Spam nannte er Aufstellungskapo, bis Spam ihn darum bat, dies zu unterlassen.

Trotz Jamjams Aufsicht standen die Zelte irgendwann. Aus der Waldelbenferienfarm im Wüsterwald wurden die besten Elbenköche herbeigekarrt, und Zwergeningenieure gruben schon bald hochmoderne Latrinengruben. Die Zwerge schlugen vor, den besonders großen Baum am einen Ende des Parks mit ebenso festlichen wie praktischen Klopapierrollen zu schmücken.

Paul Erickson

Über Paul Erickson

Biografie

Paul Erickson wurde in einer weit, weit entfernten Galaxis geboren und wuchs in einem Internat auf dem Todesstern auf. Unter seinem anspruchsvollen Mathelehrer Darth Winkel und der strengen Internatsleiterin, der Imperatorin, hat er stets gelitten. Auch die Klassenschönste, Prinzessin Leider, war...

Pressestimmen

Geek!

»Paul Erickson, der mit ›Der Wobbit‹ bereits eine nette Tolkien-Parodie geschrieben hat, macht das Lesen wirklich zu einem Vergnügen.«

Zillo Medieaval

»Sehr witzig.«

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