Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich
Blick ins Buch
Blick ins Buch
Das HexenkreuzDas Hexenkreuz

Das Hexenkreuz

Historischer Roman

Taschenbuch
€ 9,99
E-Book
€ 7,99
€ 9,99 inkl. MwSt.
Lieferzeit 2-3 Werktage
Jetzt kaufen Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen
€ 7,99 inkl. MwSt.
sofort lieferbar
Jetzt kaufen Im Buchshop Ihrer Wahl bestellen
Gratis-Lieferung ab 5,00 €
Geschenk-Service
Versand und Lieferbedingungen

Das Hexenkreuz — Inhalt

Von der Autorin von »Honigtot« und »Marlene «

Rom, 1767: Die Allmacht der Kirche hat ihren Zenit überschritten – weltliche Herrscher, Freimaurer, Illuminaten und kirchliche Orden ringen um die Vorherrschaft. Die Geschwister Emanuele und Emilia geraten mitten hinein in den erbitterten Machtkampf. Emilia ist dem Herzog von Pescara versprochen, flieht jedoch zu ihrem Bruder nach Rom. Dort verliebt sie sich in Emanueles Freund, Francesco. Doch ihre Liebe ist aussichtslos, denn er ist wie Emanuele Jesuit. Die beiden Freunde hüten ein Kirchengeheimnis, das die Grundfesten ihres Glaubens erschüttert. Als sich Emanuele seiner Schwester anvertraut, tritt er damit eine tödliche Lawine los ...

 

Erschienen am 02.06.2017
720 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 978-3-492-30962-2
Erschienen am 02.06.2017
672 Seiten, WMEPUB
ISBN 978-3-492-97472-1

Leseprobe zu »Das Hexenkreuz«

Prolog

Santo Stefano di Sessanio, 1750

Eine Seherin bestimmt die Stunde ihres Todes selbst. Das hatte ihre Mutter Serafina einst selbst gesagt. Warum ließ sie den Tod dann seit Wochen warten? Warum harrte sie so hartnäckig im Diesseits aus, fragte sich die Tochter an ihrem Sterbebett. Litt sie nicht grausame Schmerzen und lag die meiste Zeit über im Delirium? Abermals klammerte sich die alte Seherin an den Arm ihrer Tochter, bäumte sich auf und rief: »Du wirst es erleben! Mit Schimpf und Schande, Blut und Schwert werden die Könige die Gottesdiener [...]

weiterlesen

Prolog

Santo Stefano di Sessanio, 1750

Eine Seherin bestimmt die Stunde ihres Todes selbst. Das hatte ihre Mutter Serafina einst selbst gesagt. Warum ließ sie den Tod dann seit Wochen warten? Warum harrte sie so hartnäckig im Diesseits aus, fragte sich die Tochter an ihrem Sterbebett. Litt sie nicht grausame Schmerzen und lag die meiste Zeit über im Delirium? Abermals klammerte sich die alte Seherin an den Arm ihrer Tochter, bäumte sich auf und rief: »Du wirst es erleben! Mit Schimpf und Schande, Blut und Schwert werden die Könige die Gottesdiener verjagen. Die Kirche wird ihre Macht verlieren …«

»Schh, Mutter.« Behutsam löste sich Donna Elvira von ihr. Sie griff just nach dem Kräutertee, als die Tür zu der einfachen Kate aufgerissen wurde. »Schnell, Donna Elvira. Ihr werdet auf der Burg verlangt. Die Gräfin kommt nieder!«, rief der Stallbursche des Grafen di Stefano.

»Schon?«, entfuhr es der jungen Hebamme. Hastig nahm sie ihren Korb. Ein letzter besorgter Blick auf ihre Mutter, dann eilte Donna Elvira dem Boten hinterher. Sie wusste, dass ihr ein schwerer Kampf bevorstand. Die Gräfin Agostina war nicht mehr jung, und es würde eine Zwillingsgeburt geben.

Tatsächlich zogen sich die Wehen in der gräflichen Kammer lange hin. Erst im schwindenden Licht des zweiten Tages gebar die Gräfin beide Kinder. Zunächst das Mädchen und kurz darauf den Knaben. Donna Elvira band gerade die Nabelschnur des Jungen ab, als ein jäher Schmerz durch ihren Körper jagte. Ihr Kopf fuhr zum Fenster, und für einen Augenblick krümmte sich die Hebamme, als durchlitte sie nun selbst die Qual einer Wehe. »Mutter!«, entfuhr es ihr.

»Ist Euch nicht wohl?«, erkundigte sich die Kammerfrau erschrocken.

Beinahe wie in Trance wandte sich die Hebamme ihr zu: »Nein, es ist gut.« Rasch versorgte sie den Knaben und wickelte ihn fest in frisches Leinen. Danach legte sie der erschöpften Gräfin die Säuglinge in die Arme. »Anna«, wandte sie sich dann an die Kammerfrau, »lauft zum Grafen, und bittet ihn hierher, damit er seine beiden Kinder begrüßen kann. Dann schickt nach Pater Bertolli. Die Kleinen sollten schnell getauft werden. Was ist, was habt Ihr?« Ihr war die unwillige Geste der Bediensteten nicht entgangen.

»Nichts, dieser junge Priester hat nur so kalte Augen. Mich fröstelt richtig bei seinem Anblick. Was für ein Unglück, dass unser guter alter Pfarrer vor zwei Tagen gestorben ist.« Anna bekreuzigte sich und ging.

Pater Bertolli frohlockte. Die Dinge entwickelten sich ganz in seinem Sinne. Er war nach Santo Stefano di Sessanio gesandt worden, um die blasphemischen Äußerungen einer Seherin namens Serafina La Tedesca zu untersuchen. Der Dorfpfarrer hatte den römischen Großinquisitor Giovanni Ganganelli davon unterrichtet. Zunächst hatte er nicht verstanden, warum Ganganelli so sehr an einer raschen Aufklärung gelegen war. Bevor er hinaufgestiegen war – Santo Stefano erwies sich tatsächlich als der höchste Ort Italiens und lag inmitten der unwegsamen Abruzzen –, hatte sich Bertolli deshalb vorsichtig im Tal umgehört. Dabei hatte er etwas höchst Interessantes in Erfahrung gebracht: Giovanni Ganganelli, der aus dieser Gegend stammte, und diese Seherin waren sich schon einmal begegnet! Damals hatte sie dem jungen Priester prophezeit, dass er einmal Papst werden würde. Ha, da war Ganganelli auf die älteste List dieser selbst ernannten Seherinnen hereingefallen. Sie hatte ihm einfach das gesagt, was er gerne hören wollte! Für seinen Geschmack war der Mann sowieso viel zu abergläubisch – wenn man bedachte, dass er der oberste Inquisitor des Kirchenstaates war …

Zu seinem Missvergnügen hatte Bertolli bei der Ankunft feststellen müssen, dass der alte Dorfpfarrer just tags zuvor das Zeitliche gesegnet hatte und für eine Befragung nicht mehr zur Verfügung stand. Stattdessen hatte er den Trauergottesdienst abhalten müssen. Unmittelbar darauf war er zu einer Todkranken gerufen worden, die sich schnell als jene gottlose Hexe Serafina La Tedesca entpuppt hatte!

Er hatte ihr die Sterbesakramente verweigert, sollte das alte Weib ruhig zur Hölle fahren. Er hatte sie auch ein wenig geschüttelt, doch sie hatte ihr Schandmaul nicht aufgemacht. Er war schon halb zur Tür hinaus gewesen, als sich diese angebliche Prophetin plötzlich aufgebäumt und Ganganelli und die heilige Mutter Kirche mit gotteslästerlichen Worten verhöhnt hatte!

Eines war sicher: Diese letzte Prophezeiung der alten Schreckschraube würde Ganganelli so überhaupt nicht schmecken. Doch was diese Hexe konnte, konnte er schon lange: Er würde Ganganelli ganz einfach auch nur das erzählen, was er gerne hören wollte! Aber es sollte natürlich etwas sein, das auch ihm selbst zum Vorteil gereichen würde. Er musste es nur richtig anstellen, damit ihn Ganganelli nicht durchschaute. Der Großinquisitor war vielleicht nicht der Schlaueste, aber für Intrigen besaß er ein Händchen. Noch während er über der geeigneten Strategie brütete, schickte der ansässige Graf nach ihm, damit er seine beiden Neugeborenen taufte. Bertolli erhob sich und unterdrückte einen missmutigen Laut. Die Leute dieser öden Gegend beliebten nach Lust und Laune über ihn zu verfügen, zu sterben und zu gebären. Dabei, überlegte er, blieb Gottes Seelenhandel ausgeglichen: Eine Seele für den Himmel – der Dorfpfarrer, eine Seele für die Hölle – die Hexe, und nun waren zwei neue Erdenbürger angekommen. Ausgerechnet Zwillinge! Plötzlich hielt Bertolli mitten im Schritt inne, ein Geistesblitz hatte ihn getroffen. Das war es! Nun wusste er, wie er den Wortlaut der Prophezeiung zu seinem Vorteil umdeuten konnte.

Zunächst würde er Graf Abelardo di Stefano die angeblichen letzten Worte der Seherin zutragen. Schließlich würde seiner Prophezeiung erst durch weitere Mitwisser eine Bedeutung zuteilwerden!

Pater Bertollis abgewandelte Prophezeiung entwickelte sehr bald ein munteres Eigenleben. Sie stieg mit ihm ins Tal, verbreitete sich dort, und er selbst nahm sie mit nach Rom. Betroffene und Nichtbetroffene interpretierten sie sodann nach Belieben und Präferenzen und forderten damit ahnungslos das Schicksal heraus.

Ohne es geahnt zu haben, hatte Bertolli damit das erste Steinchen ins Getriebe der Kirchenmacht geworfen. Es setzte sich im Mahlwerk fest und begann sein schleichendes Werk.

 

I

Rom, 1764

»Hinfort mit Euch! Aus meinen Augen. Und wagt es ja nicht, Euch jemals wieder innerhalb dieser Mauern blicken zu lassen! Niemals zuvor in meinem Leben wurde ich schlimmer enttäuscht! Ihr seid eine Schande für unseren Stand! Schert Euch weg! Hinaus, hinaus …!«

Die Stimme des Mannes, die durch die spaltbreit geöffnete Tür drang, überschlug sich fast in ihrem Zorn. Es folgten schnelle Trippelschritte, und dann schoss ein ungemein fetter Pater durch die Tür in das Vorzimmer. Die Augen vor Entsetzen geweitet, nahm er den jungen Mann nicht wahr, der sich dort an einem Kohlebecken die Hände wärmte. Mit einem erstickten Schluchzen stürzte er an ihm vorbei.

Betroffen blickte der fremde Besucher ihm hinterher. Wenn er sich nicht irrte, war er eben Zeuge des Rauswurfs des ersten Assistenten des Pater General geworden. Was sollte er jetzt tun? Sich selbst anmelden? Sein Auftrag war dringend. Der quer über seine Brust geschnallte Lederriemen, an dem ein länglicher Briefbehälter hing, wies ihn als Boten aus. Unentschlossen verharrte der junge Mann auf der Stelle. Schließlich löste er den Behälter. Er führte den Vorgang mit größter Behutsamkeit aus, als könnte ihm dieser bei unsachgemäßer Behandlung in den Händen explodieren wie eine falsch geladene Muskete. Er kannte den Inhalt der Depesche. Tatsächlich enthielt sie eine Nachricht von höchster Sprengkraft. Drei Wochen hatte es ihn gekostet, um sie sicher von Paris nach Rom zu befördern. Seine Beine waren schwer, und sein Magen leer.

Das Schriftstück, das er im Auftrag des französischen Provinzials des Jesuitenordens mit sich führte, würde mit Sicherheit nicht zur Besserung der Laune des Pater General beitragen.

Nun erschien der 18. Generalobere des Jesuitenordens, Lorenzo Ricci, höchstselbst im Türrahmen. Seine aufrechte Gestalt verströmte Zorn – was erstaunlich anmutete bei einem Mann, der allseits für sein ausgeglichenes Gemüt bekannt war. »Wer seid Ihr? Und was habt Ihr hier zu suchen?«, blaffte er den Unbekannten an, kaum dass jener in sein Blickfeld geraten war.

Der Bote verneigte sich: »Eure Eminenz, mein Name ist Pater Francesco Colonna, und ich überbringe Euch eine eilige Botschaft aus Paris.« Er streckte seinem Superior das Dokument entgegen. Besser gleich in die saure Frucht beißen …

Ricci hatte das Siegel erkannt und an Ort und Stelle gebrochen. Flink huschten seine kleinen dunklen Augen über das Pergament; die Zornesröte wich alsbald einer jähen Blässe. Er wies den Pater in sein Büro und deutete auf den Armsessel vor seinem Schreibtisch. Er selbst nahm dahinter Platz und legte die Fingerspitzen aneinander. Mehrere Sekunden musterte er sein Gegenüber. Der Bote fühlte sich dabei bis auf den Grund seiner Seele durchleuchtet.

Schließlich murmelte Ricci: »Der junge Colonna, hmm? Ich kenne Euren Vater, den Fürsten. Ein guter Mann.« Erneut hüllte sich der Pater General in Schweigen, dabei finster auf die Nachricht starrend. Unvermittelt schlug er mit der Handfläche darauf. »Was für eine Katastrophe! Portugal zuerst, dann die Königreiche Neapel, Parma, Spanien und nun also Frankreich. Fürwahr, die Bourbonen haben den Untergang der Gesellschaft Jesu beschlossen … Wenn ich daran denke, dass Pater de La Chaize fünfunddreißig lange Jahre Beichtvater des großen Sonnenkönigs Ludwig XIV. war. Er kannte alle seine Geheimnisse! Und nun jagt uns sein Urenkel Ludwig XV. mit Schimpf und Schande aus dem Reich. Dabei habe ich selbst die größte Schuld auf mich geladen. Viel zu lange habe ich auf die Beschwichtigungen des Pater Timoni gehört.«

Der Genannte war für sein Gegenüber kein Unbekannter: Pater Giovanni Timoni war der amtierende römische Provinzial des Jesuitenordens. Er hatte die Lage des Ordens lange verkannt und zu bagatellisieren versucht. Tatsächlich aber hatte man Timonis einzigem Argument – er hatte beteuert, dass Gott selbst zu gegebener Zeit den Orden erretten werde – wenig entgegenzusetzen gehabt. Doch dem Pater General wurde das Warten auf das göttliche Wunder inzwischen zu lang.

»Was könnt Ihr mir über die kursierenden Gerüchte berichten, dass insbesondere der französische Außenminister, Duc de Choiseul, und die Konkubine des Königs, diese Madame Pompadour, das Verbot beim König vorangetrieben haben?«

»Eminenz, sie entsprechen leider der Wahrheit.«

»Furchtbar, einfach furchtbar«, lamentierte Ricci und schüttelte sein Haupt. »Was soll nur mit dieser Welt geschehen, wenn sich nicht nur die weltliche Politik in die kirchlichen Belange einmischt, sondern sich auch noch Frauen dies anmaßen … Betet, mein Sohn, betet für unser Heil. Wir gehen dunklen Zeiten entgegen. Der Teufel hat sein gieriges Haupt erhoben, und ich fürchte, er blickt geradewegs in unsere Richtung.«

Hanni Münzer

Über Hanni Münzer

Biografie

Hanni Münzer, in Wolfratshausen geboren, lebt nach Stationen in Seattle, Stuttgart und Rom heute mit Mann und Hund in Oberbayern.

 

Kommentare zum Buch

Kommentieren Sie diesen Beitrag:
(* Pflichtfeld)
Kommentar senden