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Eine feine Gesellschaft

Eine feine Gesellschaft

Skandale und Intrigen an Europas Königs- und Kaiserhäusern

Taschenbuch
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Eine feine Gesellschaft — Inhalt

Verhängnisvolle Heiratsallianzen, heimliche Liebesabenteuer, Luxus-Callgirls, gepeinigte Kinder, skrupellose Erzieher, gelangweilte Thronfolger und Playboy-Prinzen: Europas Königs-und Kaiserhöfe im 19. Jahrhundert waren »eine feine Gesellschaft«. Zahllose Affären erschütterten die europäischen Herrscherhäuser und das neue Phänomen der Massenmedien lieferte den schockierten Untertanen immer neue Skandal- und Klatschgeschichten.

Martina Winkelhofer führt den Leser hinter die höfischen Kulissen und erzählt spannend und detailreich von Europas Dynastien am Vorabend des Ersten Weltkrieges.

 

€ 11,00 [D], € 11,40 [A]
Erschienen am 01.08.2016
304 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-30881-6

Leseprobe zu »Eine feine Gesellschaft«

Vorwort

 

Schmutzige« Briefe kursierten am Kaiserhof und blamierten die Vornehmsten der Gesellschaft. Anonyme Pamphlete berichteten von ausschweifenden Orgien und einem mysteriösen Wunderheiler. Ein Thronfolger wurde vor Gericht geladen. Eine Kronprinzessin ging mit dem Hauslehrer durch, eine Königstocher klagte vor Gericht ihr Erbe ein und die teuersten Kurtisanen Europas rühmten sich, Kaisern und Königen ihre Preise für eine Nacht mit ihnen zu diktieren. Prinzen weigerten sich zunehmend, ihrer hohen Stellung wegen auf Liebe zu verzichten, und brachten [...]

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Vorwort

 

Schmutzige« Briefe kursierten am Kaiserhof und blamierten die Vornehmsten der Gesellschaft. Anonyme Pamphlete berichteten von ausschweifenden Orgien und einem mysteriösen Wunderheiler. Ein Thronfolger wurde vor Gericht geladen. Eine Kronprinzessin ging mit dem Hauslehrer durch, eine Königstocher klagte vor Gericht ihr Erbe ein und die teuersten Kurtisanen Europas rühmten sich, Kaisern und Königen ihre Preise für eine Nacht mit ihnen zu diktieren. Prinzen weigerten sich zunehmend, ihrer hohen Stellung wegen auf Liebe zu verzichten, und brachten damit dynastische Heiratsallianzen zu Fall. Und viele Prinzessinnen pochten zunehmend auf ihr Recht auf persönliches Glück und ein Mindestmaß an Freiheit. Dazu kamen noch unzählige Ehedramen, skandalöse Affären und dramatische Zustände in den königlichen und kaiserlichen Kinderstuben.

In den letzten Jahrzehnten vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs häuften sich Skandale an Europas Königs- und Kaiserhäusern dramatisch. Sie alle trugen eine enorme gesellschaftliche Sprengkraft in sich. Gekrönte Häupter in ganz Europa schienen die hohen Ansprüche, die ihre Stellung verlangte, nicht mehr erfüllen zu können. Dazu gesellte sich eine zunehmend selbstbewusster werdende Öffentlichkeit, die nicht mehr bereit war, über skandalöses Verhalten ihrer Monarchen hinwegzusehen. Und die neu aufkommenden Massenmedien zerrten ab nun Pikantes und Skandalöses aus Europas Königshäusern ins gleißende Schweinwerferlicht, so dass nun jeder geradezu eingeladen wurde, sich ein Urteil über jene zu bilden, die an der Spitze der alteuropäischen Gesellschaftspyramide standen.

 

Lange Zeit galten Skandale nicht als geeignetes Forschungsobjekt. Zu banal schien eine nähere Beschäftigung mit königlichem Fehlverhalten. Doch seit einiger Zeit rücken Skandale in den Fokus der Forschung. Denn sie stehen für wesentlich mehr als nur schlechtes Benehmen der Eliten: Skandale zeigen Schmerzgrenzen einer Gesellschaft und einer Zeit auf. Skandale signalisieren, wo alt hergebrachtes Verhalten oder Selbstverständnis nicht mehr akzeptiert wird. Skandale stehen deshalb auch immer für gesellschaftliche Veränderungen. Sie sind ein Indikator dafür, was eine Gesellschaft noch bereit ist zu akzeptieren – und was eben nicht mehr. Sie erzählen von menschlichen Schwächen, die das Potenzial in sich bergen, ganze gesellschaftliche und politische Systeme ins Wanken zu bringen.

Aber, ist das nicht alles viel zu privat? Welche Relevanz haben häusliche Skandale oder ein skandalöses Privatleben in Europas Herrscherhäusern? Die Antwort ergibt sich aus der Sonderstellung, die Könige und Kaiser im alten Europa einnahmen. Ein Monarch stand deshalb an der Spitze eines Landes, weil ihn der Zufall der Geburt – oder, je nach Lesart, die göttliche Vorsehung – an diese Position gebracht hatte, die Frage der Qualifikation wurde nicht gestellt. Und genau deshalb konnten Monarchen auch nicht auf eine Trennung zwischen öffentlicher und privater Person plädieren. Sie konnten ihre Rolle nicht ablegen wie ein abgewählter Politiker und sich ins Privatleben zurückziehen, denn sie verkörperten die Monarchie. Damit hatte jede einzelne ihrer Handlungen, ob politisch oder privat, weitreichende Konsequenzen. Das Leben der gekrönten Häupter und ihrer Familien spielte sich immer mehr unter den kritischen Augen ihrer Untertanen ab. Und je gefährdeter ihr Thron wurde, desto besser mussten sich Royals den Erwartungen ihrer Bürger anpassen.

Es ist aber auch eine Geschichte des »Obenbleibens« in einer Welt, die sich rasant änderte, und handelt von den Schwierigkeiten, die eigenen Traditionen an eine neue Zeit anzupassen. Damit wird ein vermeintlich altes Thema wieder aktuell: Wie gehen Menschen mit politischen und gesellschaftlichen Veränderungen um? An welchen Werten soll man festhalten, wenn eine Neuorientierung gefragt ist? Im Fall der gekrönten Häupter hieß das: Ist die traditionelle königliche Kindererziehung überhaupt noch zeitgemäß? Kann man dynastische Heiratsvorgaben einfach so über den Haufen werfen? Wie lebt man unter dem Vergrößerungsglas der Medien? Und, muss ein Monarch auch in einer immer freier werdenden Gesellschaft stets Vorbild sein?

 

Dieses Buch will europäische Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählen. Nicht die große Politik des ausklingenden alten Europas, sondern deren Protagonisten und ihre privaten Irrungen sollen im Mittelpunkt stehen. Denn es waren die Könige und Kaiser, die bis zum Ersten Weltkrieg das Schicksal dieses Kontinents formten. Vieles, das auf den ersten Blick privat scheint, ist eben nicht privat, sondern hat weitreichenden Einfluss auf die Gesellschaft. Wenn sich etwa ein Monarch nicht an die strikten Heiratsvorgaben seiner Dynastie hielt oder wenn ein katholisches Herrscherhaus Scheidungen zuließ, dann handelte es sich eben nicht nur um individuelle Fehlleistungen, sondern um viel mehr: um den Verlust der Glaubwürdigkeit. Und Glaubwürdigkeit war die einzige Währung, mit der Monarchen im Zeitalter der aufkommenden Demokratisierung noch punkten konnten.

Nicht eine abstrakte und theoretische Einführung in die Sozialgeschichte von Europas Herrscherhäusern war das Ziel der vorliegenden Arbeit, vielmehr sollte dem Leser ein Einblick in das private Leben der Mitglieder der europäischen Herrscherhäuser mit all ihren Widersprüchen geboten werden. Es wird von Menschen erzählt, die zwar mit dem sprichwörtlich goldenen Löffel aufgewachsen sind, persönlich aber manchmal tragisch versagten. Von Menschen, die eine Vorbildfunktion einnehmen sollten, an den Vorgaben ihrer hohen Stellung aber oftmals scheiterten. Es handelt aber auch von Menschen, die nicht mehr bereit waren, für ihr Land und ihre Dynastie auf persönliches Glück (und manchmal auch nur auf Vergnügen) zu verzichten – und damit oftmals weitreichende Krisen auslösten.

 

In diesem privaten Spannungsfeld wurde das Schicksal des alten Europa besiegelt – nicht zuletzt deshalb lohnt es sich, einen Blick hinter die Kulissen der europäischen Herrscherhäuser zu werfen.

Wien, Oktober 2014

Martina Winkelhofer

Über Martina Winkelhofer

Biografie

Martina Winkelhofer, Dr. phil. für Geschichte und Kunstgeschichte (Universität Wien), ist Expertin für die Geschichte der Habsburgermonarchie und die Familiengeschichte europäischer Herrscherhäuser. Sie hat Standardwerke zum franzisko-josephinischen Kaiserhof und zur Alltagsgeschichte des Adels...

Pressestimmen

Schnüss - Das Bonner Stadtmagazin

»So interessant (...), dass man noch tüchtig was lernt beim Blicken hinter die Kulissen.«

Inhaltsangabe

Inhalt

Vorwort

Einleitung – Götterdämmerung

1 »Ich hatte keine Kindheit«

Das tägliche Grauen in königlichen und kaiserlichen Kinderstuben

Die sechsfache Mörderin als Amme des Thronfolgers – Alkohol und Beruhigungsmittel – Keine Zeit für Muttergefühle – Die Prinzessin und die Milchkuh – Liebevolle Mütter sind rar – Erziehung ist Chefsache – Abhärtung muss sein – »Wir sind nicht im zoologischen Garten!« – Fehlende Qualitätskontrolle – Gefahr in der Kinderstube – Rohrstock und Züchtigung – Das »Erziehungsobjekt« – »Niemand ist immer brav« – Ein Geburtsfehler und seine Folgen – »Animalische Bäder« – Wenn Erziehung im Fiasko endet – Der sadistische Erzieher – Geschädigte Kinder – Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

2 Von schwarzen Schafen und »unfähigen« Prinzen

Thronfolger als Playboys

Ein Kronprinz als Operettenstar – Süßes Nichtstun & seichte Vergnügen – Schmeichelei und Selbstüberschätzung – Leben in der Warteschleife – »Unpassende« Freunde – Der Thronfolger und die Köchin – Vierzig Jahre Warten auf den Thron – »Haben Sie nicht gemerkt, dass der Zarewitsch ein Dummkopf ist?« – Eine eifersüchtige Mutter und der Geheimdienst – »Nichts als ein unreifer Schuljunge« – Ein niederländischer Thronfolger in der Pariser Halbwelt – »Prinz von Zitrone« und Édouard Manets »Nana« – Vergnügen statt Regierungsaufgaben – Die größten Schürzenjäger ihrer Zeit – Uneheliche Kinder und Imageprobleme

3 »Man wird begutachtet wie ein Pferd«

Das dynastische Heiratskarussell

Mit der Geliebten zur Verlobung – Liebe ist kein Heiratskriterium – »Auf die Knie und danket Gott!« – »Heiratsprojekt Bertie« –
Auf der Suche nach der schönsten Prinzessin – Wenn Bräute weitergereicht werden –»Einem Kaiser gibt man keinen Korb!« – Prinzessinnen und der königliche Heiratsmarkt – Widerspenstige Bräute – »Den soll ich heiraten? Das fällt mir nicht ein!« – Hochzeitsnacht als Schockerlebnis – Der Balkankönig und seine »schwarzen Perlen« – Wenn der Kindersegen ausbleibt – Eine mysteriöse Schwangerschaft – Trennung von Tisch und Bett – Scheidungen – Die letzte arrangierte Ehe in Europas Königshäusern

4 Liebe oder Skandal?

Unstandesgemäße Ehen und heimliche Lebenspartner

Romantische Zeitenwende – »Ehe light« mit Erbverzicht – Imageschäden – Zar Alexander II. und Katja – Pikanter Briefwechsel – »Welch grenzenlose Unverschämtheit« – Ein Attentat beendet die Macht der »heimlichen« Kaiserin – Der italienische König und die Soldatentochter – »La bella Rosina« – Hähnchen mit Trüffel als Beziehungskitt – Der österreichische Thronfolger kämpft um eine Liebesehe – Der Großherzog und die schöne Alexandrine – Eine heimliche Hochzeit löst einen Skandal aus –Der belgische König und die Prostituierte – Ein russischer Großfürst heiratet eine Anarchistin – Ein Diener als Lebensgefährte der Queen

5 Leidenschaft gegen Geld

Kurtisanen, Halbweltdamen und Callgirls


Die Mätresse ist tot, es lebe die Kurtisane! – »Verdorbene Frauenzimmer« – Die Kameliendame – Caroline Otéro, die Königs-Kurtisane – Gekrönte Häupter und Milliardäre als Kunden – Die drei Grazien – »Mimi« will lieber schlafen, anstatt den König zu empfangen – Cléo de Mérode, die Jahrhundertschönheit – Der König ist zu hässlich – Pikante Verleumdungsklage – Das »Giftkästchen« der toten Kokotte – Die schöne Spionin im Bett des Kaisers – Das Bordell der Könige – Der Wiener Callgirl-Ring – Die Hure mit Herz – Kontaktbörse Ballett – Die Primaballerina Matilda Kschessinskaja – Beste Kundin bei Fabergé – »Professionelle Schönheiten«

6 Wenn Frauen rebellieren

Skandalöse Prinzessinnen

Was bei Frauen ein Skandal, ist bei Männern fast normal – Untreue zum Fünf-Uhr-Tee – Angst vor Kuckuckskindern – Die Glamourprinzessin und der bigotte Hof – Die Affäre mit dem Lehrer – Flucht in die Schweiz – Kidnappingversuch durch Geheimagenten – Angst vor der Irrenanstalt – Das Volk will seine Kronprinzessin zurück – Eine belgische Königstochter, ein Liebhaber und jede Menge Schulden – Entmündigung und Kerker – Die Presse stellt Fragen – Gerichtskampf um das Erbe – Die rumänische Kronprinzessin und der Leutnant – »Du hast schwer gesündigt« – Schuld ist der Ehemann – Der Liebhaber wird zum Mentor – Ménage à trois auf dem Thron

7 »Schmutzige Geschichten«

Royale Skandale, kritische Medien und PR-Desaster

Royals und die neuen Massenmedien – Ein gehörnter Ehemann und ein peinliches Scheidungsverfahren – Ein künftiger König als Zeuge der Anklage – Nächtliches »Korridorkriechen« – Erpressungsversuche – Der »Königliche Bakkarat-Skandal« – Verbotenes Glückspiel und ein Verleumdungsprozess – Der Beginn der »Yellow Press« – Sexparty im Jagdschloss – Schmutzige Briefe und pornographische Fotos –
Von »Herzog-Rammlern« und »flotten Lottchen« – Der »Kotze«-Skandal – Drei Duelle und ein Toter – Champagner in der Festungshaft – Das Parlament debattiert über die Sitten der Hofgesellschaft

8 Ein Wunderheiler, gefährliche Gerüchte und das Ende der Zarenherrschaft

Eine Dynastie feiert sich selbst – Opfer der eigenen Propaganda – Eine harmonische Ehe – Über tausend Tote bei der Krönung – Der Zar provoziert ein Machtvakuum – »Wir müssen uns die Liebe des Volkes nicht erarbeiten« – Die unheilbare Krankheit des einzigen Thronerben – Der mysteriöse Rasputin – Prostituierte, Alkohol und das Geheimnis von Rasputins übernatürlicher Potenz – Das Wunder von Spała – »Lieber ein Rasputin als zehn hysterische Anfälle jeden Tag« – Pornographische Pamphlete – Vergiftet, erschossen, ertränkt – Die Ermordung der Zarenfamilie – »Die Skandale konnten die Nation nur zutiefst erschüttern«

Ausklang – »Macht Euch Euren Dreck alleine!«
Quellen und Literatur
Anmerkungen
Namenregister
Abbildungsnachweis

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