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Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg

Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg

Warum man sich nicht jeden Spaß verderben lassen sollte

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Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg — Inhalt

Eine humorvolle Kampfansage an alle Heuchler

Fast-Food essen, Faulenzen, Trash-Fernsehen gucken – alle tun es, aber keiner gibt es gerne zu. Denn irgendwo steht immer ein Empörungsbeauftragter, der uns ein schlechtes Gewissen macht, weil wir am Wochenende schon wieder kein Tierheim gerettet, nebenbei einen Dreitausender bestiegen und eine Vernissage mit Benefizaktion besucht haben. Auch der gekaufte Geburtstagskuchen wird von ihnen missbilligend betrachtet und die Urlaubspläne sowieso. Aber keine Panik! Statt auf die schlechtgelaunten Tugendwächter zu hören, sollte man lieber unkorrekt das Leben genießen! Von Altglasrecycling bis Zumba tanzen verraten die Autoren in 55 unkorrekten Geschichten, wie man anständig unanständig ist.

€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 12.05.2014
208 Seiten, WMEPUB
EAN 978-3-492-96678-8

Leseprobe zu »Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg«

Für immer daneben!

 

 

Es ist längst nicht mehr zu übersehen: Die Welt wird immer besser. Eine Frau ist Kanzlerin, jeder reduziert seinen ökologischen Fußabdruck, und Nervensägen heißen neuerdings »Wutbürger«. Ist die Welt vielleicht inzwischen so gut geworden, dass man sich noch so sehr anstrengen kann und trotzdem alles falsch macht? Egal, wie liebevoll man sich um seinen Hund kümmert – erzählt der Nachbar erst von seiner Initiative für verwahrloste spanische Streuner, fühlt man sich in etwa so, als konkurriere man mit einem verstaubten Dia-Vortrag [...]

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Für immer daneben!

 

 

Es ist längst nicht mehr zu übersehen: Die Welt wird immer besser. Eine Frau ist Kanzlerin, jeder reduziert seinen ökologischen Fußabdruck, und Nervensägen heißen neuerdings »Wutbürger«. Ist die Welt vielleicht inzwischen so gut geworden, dass man sich noch so sehr anstrengen kann und trotzdem alles falsch macht? Egal, wie liebevoll man sich um seinen Hund kümmert – erzählt der Nachbar erst von seiner Initiative für verwahrloste spanische Streuner, fühlt man sich in etwa so, als konkurriere man mit einem verstaubten Dia-Vortrag gegen eine Stunt-Show mit Pyrotechnik. Es ist derselbe Nachbar, der missbilligend den Kopf schüttelt, als ich einen Kasten Bier in die Wohnung trage.

»Wissen Sie, wie schädlich Alkohol ist?«, fragt er, während er sein farbig sortiertes Altpapier fester an sich drückt.

Ganze 27 Minuten ertrage ich mit interessiertem Gesichtsausdruck seinen Vortrag und bin mir am Ende nicht sicher: Sollte ich vor lauter Schuldgefühlen am besten sofort mit der Schrotflinte im Schuppen verschwinden – oder geht mir der Tugendwächter einfach nur so auf die Nerven, dass ich froh sein kann, ihn bisher noch nie in meine Wohnung gelassen zu haben? Wieso auch? Ich habe nicht einmal biologisch-dynamisches Gebäck anzubieten!

»So«, sage ich, »muss um neun bei der Arbeit sein!«

Er habe es auch eilig, schließlich habe die Tochter von Yussuf geheiratet, so heiße sein Gemüsetürke, und er habe versprochen, auf ein Stück Baklava vorbeizukommen. Damit springt er in sein Hybridauto und ist weg.

Endlich am Arbeitsplatz angekommen, wird das Butterbrot aus der Folie gewickelt. Der »Lieblingskollege« meldet sich: »Oh, das ist ja wohl das Grausamste, was du der Umwelt antun kannst!« Dann grummelt er noch etwas wie »Wegwerfgesellschaft« und greift zu seiner Butterbrotdose, die so riecht, als hätte sie schon sein Großvater benutzt. Was für eine Ökobilanz! Das mögen gut 10 000 Butterbrote gewesen sein, die in dieser Dose ihren sicheren, CO2-freien Weg zum Arbeitsplatz gefunden haben.

»Ist das Brot etwa mit Gluten?«, möchte er noch wissen.

»Nee, mit Pute, Käse und ’nem Tröpfchen Remoulade …«

Endlich Feierabend. Eigentlich möchte ich es mir nach einem langen Tag gemütlich machen und mich für den Rest des Abends tot stellen. Doch keine Chance. Der Superpapi aus der zweiten Etage steht im Hauseingang und berichtet ungefragt, dass er seine Kinder erst von der bilingualen Kita abgeholt und dann zum japanischen Ausdruckstanz gebracht habe.

Seine Kinder heißen so ähnlich wie Messerset und Balalaika. Mit dem Jungen spricht er nur spanisch; er selber kommt aus Bottrop, redet aber nicht gern darüber.

Noch bevor sich die rettende Fahrstuhltür schließen kann, erinnert er mich daran, dass das Künstler-Ehepaar von oben zum Barbecue, was früher noch Grillen hieß, auf die Dachterrasse geladen habe.

Wenn die Kinder im Bett seien, also gegen halb elf.

Da muss ich wohl hin, denn es wird gar nicht gern gesehen, wenn man sich grundlos von der Gruppe absondert.

Zu meiner Überraschung gibt es neben einer Unmenge an Couscous und Bio-Hirsebällchen sogar Essbares, also Fleisch, auf dieser Terrassenparty.

Unter eifrigem Nicken in die Runde betont der Gastgeber, dass er aus moralischen Gründen eigentlich komplett auf Fleisch verzichte. Aber in diesem speziellen Fall kenne er den Bauern und könne uns versichern, dass dieses Rind ein absolut erfülltes Leben gehabt habe.

Da er aber auch ein Fan von »bewusstem« Essen ist, war für jeden nur ein Würstchen da.

Also haue ich mir das Würstchen »bewusst« hinter die Kiemen und stelle schon nach fünf Minuten fest, dass ich doch lieber »viel« als »bewusst« gegessen hätte.

Ich lerne einiges an einem solchen Abend:

Dass französische Filme besser sind.

Dass es DEN Islam nicht gibt, aber DEN Banker und DEN Manager hingegen schon.

Dass Schulnoten für Kinder komplett sinnlos sind.

Dass man eigentlich nur ARTE, niemals aber RTL schauen darf.

Dass diese simplen Amerikaner keine Kultur besitzen.

Die Stimmung droht zu kippen, als ich frage, ob denn Plastikspielzeug wirklich so schlecht sei für Kinder.

Noch bevor Superpapi zu einer ausführlichen Antwort ausholen kann, melden sich glücklicherweise Messerset und Balalaika via Babyfon.

Mit den Worten »Ich mache mir ein bisschen Sorgen, die beiden hatten heute Morgen sehr harten Stuhl« verlässt er tief beunruhigt die Runde.

Gegen Mitternacht gibt einem die heimische Couch-Fernseher-Kombination endlich das ersehnte, wohlig warme Gefühl, nichts mehr falsch machen zu können. Er könnte nun eigentlich vorbei sein, der alltägliche Kampf um die moralische Deutungshoheit. Wären da nicht die Talkshows.

Mit wöchentlich rund 120 Talk-Formaten, also ungefähr 7200 Minuten Sendezeit, geht die politisch korrekte Terrassenparty auf dem Bildschirm weiter. Stellen wir uns mal vor, was man an einem beliebigen Fernsehabend so zu sehen bekommt:

Peter Scholl-Latour erklärt, worüber er gerne mit sich selbst in der Sendung reden würde, er ruft irgendwas mit »USA«, »Israel«, »Säbelrasseln«.

Das Publikum tobt.

Weitergezappt.

Veronica Ferres berichtet von ihrer harten Kindheit »zwischen Kartoffel- und Kohlendreck« und darüber, wie oft sie als junge Frau wegen ihrer Körpergröße von 1,78 gehänselt wurde.

Dann sagt sie Sätze wie »Wir müssen mit der Förderung unserer Kinder viel früher anfangen!«.

Das Publikum tobt.

Weitergezappt.

Norbert Blüm ist bis auf die Kante seines Stuhles vorgerückt, schaut andächtig auf seine ausgebreiteten Arme und skandiert: »Einmal Opelaner, immer Opelaner!«

Das Publikum tobt.

Weitergezappt.

Richard David Precht erklärt uns, warum wir keine Egoisten sein sollten.

Das Publikum tobt.

Weitergezappt.

Sahra Wagenknecht schreit: »Gerechtigkeit!«.

Das Publikum tobt.

Weitergezappt.

Eine blonde Frau im grünen Jackett fordert »ein Ende dieses verdammten Krieges« – und noch bevor das Publikum toben kann, wird der Fernseher ausgemacht.

Nach der bewussten Wurst habe ich immer noch Hunger, also ab ins Auto und zum nächsten McDonald’s.

Im grellen Neonlicht, das einem stets den typischen McDonald’s-Wasserleichen-Look verpasst, passiert dann das Schlimmste, was einem nur zustoßen kann, wenn man den Burger bereits aus dem dünnen Papier geschält hat und in beiden Händen hält, um herzhaft reinzubeißen. Ich frage mich: Ist das Brötchen etwa mit Gluten? Wie vom Blitz getroffen, lasse ich meinen Burger zurück ins dünne Papier fallen.

Ich atme schneller, fühle mich krank, infiziert.

Woher kommt es nur, dieses grausame Gefühl, nicht zu genügen, mit allem, was Spaß macht, gegen irgendein ungeschriebenes Sittenwächtergesetz zu verstoßen? Nach Mitternacht gibt es nur eine Person, die mir jetzt noch helfen könnte. Ich greife, immer noch laut atmend, zu meinem Telefon.

»Hey Dominic! Immer noch wach?«

»Samira, du musst mir helfen …«

»Erzähl, was ist passiert?«

»Ich sitze gerade bei McDonald’s, habe einen Big Mac in der Hand und kann plötzlich nicht mehr reinbeißen.

Der ganze Müll, der Treibhauseffekt, die toten Tiere, die Arbeitsbedingungen … es geht einfach nicht mehr.«

»Ich weiß.«

»Und als ich eben bei meinen Nachbarn einen Witz über den Dalai Lama machen wollte, da haben mich alle so böse angesehen …«

»Ich weiß.«

»Und im Fernsehen hat der Hannes Jaenicke eben erzählt …«

»Ich weiß.«

»Und wenn mein Nachbar erfährt, dass ich mein Buntglas manchmal ins Weißglas werfe …«

»Ich weiß.«

»Ist es wirklich schon so schlimm?«

»Schlimmer!«

Es ist längst nicht mehr zu übersehen: Die Konsens-Lawine hat uns still und heimlich überrollt und nahezu jeden Winkel unseres Lebens besetzt. Wir haben den Mut, anzuecken, in die Vitrine gestellt und tragen unsere Übermoral wie eine zweite Haut. Es gibt eben kaum einen einfacheren Weg, Bewunderung, Schulterklopfen und Applaus zu ernten, als mit nachgeplapperten Wohlfühlthesen.

Wenn wir unsere Lust am Diskurs und unseren Mut zur Konfrontation komplett aufgeben, werden wir zu Menschen, die alles richtig machen, immer recht haben – und vor lauter Gutmenschentum absolut spaßfrei sind.

Mit diesem Buch wollen wir deshalb Mut zum Fehltritt machen und von den schönsten Fettnäpfchen und Moralverfehlungen erzählen, mit denen man sich das Leben schöner machen kann. Und wir wollen verraten, warum wir unseren Mitmenschen einen großen Gefallen tun, wenn wir endlich damit aufhören, so gut sein zu wollen. Denn es ist eine Kunst, anständig unanständig zu sein!

Dominic Boeer

Über Dominic Boeer

Biografie

Dominic Boeer, geboren 1978 in Lippstadt, entwickelt als politischer Berater strategische Konzepte für Landtagsfraktionen und Parteien.

Samira El Ouassil

Über Samira El Ouassil

Biografie

Samira El Ouassil, 1985 in München geboren, studierte Kommunikationswissenschaften und kandidierte 2008 als Kanzlerkandidatin des Satire-Magazins Titanic für Die PARTEI.

Pressestimmen

TV Movie

»Entlarvend und witzig!«

Freie Presse

»Amüsant.«

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