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Anna – Mitternachtsküsse für eine Lady (Eine Saison zum Verlieben 2) Anna – Mitternachtsküsse für eine Lady (Eine Saison zum Verlieben 2) - eBook-Ausgabe

Jennifer Adams
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Roman

— Regency-Romance in Deutschland

„Erwartet habe ich eine ruhige, gemütliche, entspannte Geschichte, die mich einlullt – und genau das habe ich auch bekommen! ????“ - beccasbibliotheca

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Anna – Mitternachtsküsse für eine Lady (Eine Saison zum Verlieben 2) — Inhalt

Eine Saison in Baden-Baden voller Bälle und heimlicher Rendezvous

Baden-Baden 1831: Die Ballsaison beginnt, und Anna von Krebern wartet auf ihren Verlobten, Lord Dallingham, der seit Monaten in Ägypten weilt. Ohne ihre Freundin Elise ist die Langeweile groß, bis Anna bei einem nächtlichen Spaziergang im Garten deren Bruder Franz von Freyberg über den Weg läuft. Fortan finden Anna und Franz immer wieder heimlich Gelegenheiten für private Gespräche. Ihr Herzklopfen versucht Anna dabei zu ignorieren. Schließlich ist sie verlobt, und der Bruder ihrer besten Freundin, der sie von Kind an kennt, wird sich wohl kaum für sie interessieren … oder?


Noch mehr von Jennifer Adams:

Elise - Die Lady und ihre Verehrer (Eine Saison zum Verlieben 1)

€ 15,00 [D], € 15,50 [A]
Erschienen am 27.07.2023
368 Seiten, Klappenbroschur
EAN 978-3-492-06418-7
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€ 9,99 [D], € 9,99 [A]
Erschienen am 27.07.2023
368 Seiten
EAN 978-3-492-60489-5
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Leseprobe zu „Anna – Mitternachtsküsse für eine Lady (Eine Saison zum Verlieben 2)“

1


Dearest Anna,

zu meinem großen Bedauern wird sich die Abreise hier in Kairo um etwa zehn Tage verzögern. Ich kann mir vorstellen, dass dies für Dich keine erfreuliche Nachricht ist. Es hat sich für mich jedoch die wunderbare Möglichkeit ergeben, einen sehr renommierten Gentleman zu treffen, der an der Einrichtung des neu erstehenden Britischen Museums beteiligt sein wird. Er kommt in drei oder vier Tagen nach Ägypten und wird sich mindestens ein halbes Jahr hier aufhalten, sodass dies auf absehbare Zeit die einzige Gelegenheit für mich sein wird, mit [...]

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1


Dearest Anna,

zu meinem großen Bedauern wird sich die Abreise hier in Kairo um etwa zehn Tage verzögern. Ich kann mir vorstellen, dass dies für Dich keine erfreuliche Nachricht ist. Es hat sich für mich jedoch die wunderbare Möglichkeit ergeben, einen sehr renommierten Gentleman zu treffen, der an der Einrichtung des neu erstehenden Britischen Museums beteiligt sein wird. Er kommt in drei oder vier Tagen nach Ägypten und wird sich mindestens ein halbes Jahr hier aufhalten, sodass dies auf absehbare Zeit die einzige Gelegenheit für mich sein wird, mit ihm über meine eigenen kleinen archäologischen Funde zu sprechen und seine Expertise in Anspruch zu nehmen.

Ich hoffe, my dear, Du bist nicht allzu enttäuscht, aber wir hatten unseren Heiratstermin ja ohnehin bereits in den August verschoben, weil die erforderliche Dauer meiner Rückreise zu Dir nach Baden-Baden nicht gut einzuschätzen ist. Diese ganz kleine weitere Verzögerung dürfte somit keine Auswirkungen auf unsere Pläne haben. Ich werde Dich selbstverständlich wie bisher auch stets über meine Zwischenstationen auf dem Laufenden halten.

Bald feiern wir dann ein Wiedersehen, und ich werde Dir mit Freuden genauestens erzählen, was ich auf meiner Reise durch Italien, Griechenland und Ägypten gesehen habe, sodass Du an allen Erlebnissen und Erkenntnissen teilhaben kannst. Zudem bringe ich einige Zeichnungen mit, die ich hier erstanden habe. Sie werden Dir gewiss einen hervorragenden Eindruck der Kunstschätze dieser Länder vermitteln.

Ich freue mich schon sehr darauf, Dein liebes Gesicht wiederzusehen und unter der vergleichsweise milden Sonne Badens mit Dir die Lichtentaler Allee entlangzupromenieren.

Richte Deinen Eltern meine herzlichsten Grüße aus.

In liebevoller Verbundenheit

Dein

Henry

 

Anna von Krebern ließ den Brief sinken. Sooft sie ihn auch las, die Worte ihres Verlobten vermochten es nicht, den Knoten der Enttäuschung aufzulösen, der ihr Innerstes zusammenschnürte, seit Henry den Hochzeitstermin zum ersten Mal verschoben hatte. Ja, natürlich war es wichtig für ihn, den Earl of Dallingham, alle Gelegenheiten und Möglichkeiten zum wissenschaftlichen Austausch wahrzunehmen, solange er am Mittelmeer weilte, aber sie hatte doch gehofft, zumindest dieser Brief würde endlich davon sprechen, dass er sich auf der Rückreise befand.

Davon, dass er sich darauf freute, sie zu heiraten und sie mitzunehmen in sein Heimatland.

Oder wenigstens davon, dass er sich nach ihr sehnte, so wie in seinen ersten Nachrichten, nachdem er Baden-Baden verlassen hatte.

Anna seufzte tief. Seit der Verlobung im letzten Sommer war so viel Zeit vergangen – manchmal wusste sie kaum noch, wie Henry aussah. Zum Glück hatte er ihr eine Miniatur mit seinem Abbild hinterlassen, das sie gelegentlich ansehen konnte.

Sie faltete den Brief sorgfältig zusammen und steckte ihn in ihr Handarbeitskörbchen, das sie griffbereit neben sich auf der Bank im kleinen Gartenpavillon platziert hatte. Sie würde noch ein Weilchen häkeln, um sich die Zeit zu vertreiben, bis ihre Gesellschafterin, Fräulein Nachtheim, ihre Mittagsruhe beendet hatte. Die alte Dame konnte mit Annas Energie längst nicht mehr mithalten, aber eigentlich hatten ja auch alle gedacht, dass Anna schon zu Beginn des Sommers verheiratet sein würde und das Fräulein somit ihren Dienst in der Familie beenden könnte. Stattdessen war nun der Termin im August gewählt worden. Und wie es aussah, würde Henry es erst kurz vor der Hochzeit zurück nach Baden-Baden schaffen …

Wenn wenigstens Elise bereits im benachbarten Sommerpalais der von Freybergs weilen würde! Doch ihre Freundin Elise war nicht mehr die Comtesse von Freyberg, sondern die Freifrau von Hohenhorn und wollte nicht ohne ihren geliebten Gatten sein. Die beiden würden erst später im Sommer nach Baden kommen können, da Philipp durch seinen Beruf als Anwalt gebunden war.

Zu eurer Hochzeit sind wir jedoch ganz gewiss da, hatte Elise geschrieben.

Bis dahin war es noch so lang …

Anna nahm das angefangene Umschlagtuch aus dem Korb, fasste die Häkelnadel und schlang das dünne violette Garn um ihren linken Zeigefinger. Das gewählte Spitzenmuster war nicht ganz einfach, und sie musste sich konzentrieren, um keine Fehler zu machen. So lenkte sie das Handarbeiten zumindest ein bisschen von ihrer Langeweile ab.

„Baronesse?“

Erleichtert drehte Anna sich um. „Fräulein Nachtheim. Haben Sie sich ein wenig ausgeruht?“

Annas ehemalige Gouvernante, die im vergangenen Jahr die Funktion einer Gesellschafterin und Anstandsdame übernommen hatte, nickte.

„Wie schön.“ Anna faltete die Häkelarbeit wieder zusammen. „Dann lassen Sie uns zum Trinkbrunnen gehen. Im Badeblatt habe ich gelesen, dass die von Bindheims gestern angekommen sind. Ich würde Frieda von Bindheim sehr gerne wiedertreffen, und um diese Uhrzeit dürfte sie dort sein.“

Fräulein Nachtheim lächelte verständnisvoll. „Da weder Ihre älteren Geschwister noch die Familie von Freyberg vor Ort sind, wird es gewiss schön für Sie sein, wieder eine Freundin zu sehen. Junge Leute brauchen Gesellschaft.“

Anna stimmte höflich zu und packte ihre Handarbeit in den Korb. Obwohl sie Frieda von Bindheim nicht gerade als Freundin bezeichnen würde, hatten sie doch im vergangenen Sommer recht viel Zeit miteinander verbracht. Frieda war eine eher stille junge Frau und keineswegs ein Ersatz für Elise, mit der Anna praktisch zusammen aufgewachsen war, aber wie sagten die Engländer? Beggars can’t be choosers. Bettler können nicht wählerisch sein.

 

Der erste Bekannte, auf den Anna im Wandelgang der Trinkhalle hinter der Stiftskirche traf, war Louis de Charville.

„Ma chère Anna!“, rief er aus, eilte ihr entgegen, ergriff ihre Hände und gab ihr zwei französische Begrüßungsküsschen auf die Wangen. „Ich bin gerade erst eingetroffen, und schon darf ich mich an Ihrem herzerfrischenden Anblick erfreuen!“

Aus dem Augenwinkel sah Anna, wie Fräulein Nachtheim die Brauen hob und unwillkürlich ein klein wenig näher neben sie trat. Doch da ihr Schützling bereits verlobt war, fühlte das Fräulein sich glücklicherweise nicht bemüßigt, weiter einzugreifen.

„Louis, Sie sind auch wieder hier?“, erkundigte Anna sich nach dem Offensichtlichen.

„Mais oui, wo anders kann man den Sommer verbringen als in Baden? Wo anders gibt es solch wunderbare Bälle und solch hübsche Damen?“ Sein Blick glitt kurz zu einer Unbekannten, deren Schutenhut mit auffällig hohen weißen Federn geschmückt war.

„Wie wahr“, bemerkte Anna trocken und erinnerte sich an Louis de Charvilles eher hölzerne Tanzschritte. Im vergangenen Sommer hatte sie ihn gelegentlich von Elise abgelenkt, die er sehr verehrt hatte. Und nicht immer war das ein Vergnügen gewesen.

„Darf ich für den Ball am nächsten Samstag gleich einen Tanz mit Ihnen reservieren?“, fragte Louis. „Oder ist dann der gute Henry bereits zurück und behält Sie ganz für sich allein?“

„Nein, ein wenig wird es noch dauern, bis er aus Ägypten zurückkehrt. Die Reise ist doch weit.“

„Ägypten!“, rief Louis überrascht aus. „Ich dachte, er wäre im vergangenen Herbst nach Italien aufgebrochen.“

„Das war nur die Anfangsstation auf seiner Reise, aber … oh, ich sehe gerade, dort kommt meine liebe Freundin Frieda. Ich muss sie unbedingt begrüßen, sie ist gestern erst angereist, und wir hatten noch keine Gelegenheit zu plaudern.“

Anna versuchte, sich ihre Erleichterung über die sich bietende Fluchtmöglichkeit nicht anmerken zu lassen. Sie hatte keine Lust, weiter über Henrys Abwesenheit zu sprechen. Es schien das einzige Gesprächsthema zu sein, das die Leute interessierte. Vor allem aber hatte sie keine Lust, dass dieser Mann mit zwei linken Füßen sich schon im Voraus einen Tanz beim nächsten Ball reservierte. Als Dame war es ihr nicht erlaubt, eine solche Bitte abzulehnen. Vergaß dagegen ein Herr, wen er um einen Tanz gebeten hatte, und ließ die Dame stehen, wurde das ohne ein Wimpernzucken akzeptiert. Leider hatte Louis ein ausgezeichnetes Gedächtnis.

Mit einem freundlichen Kopfnicken verabschiedete sich Anna aus dem Gespräch und ließ sowohl Louis de Charville als auch Fräulein Nachtheim einfach stehen.

 

Frieda von Bindheim nippte vorsichtig an ihrem abgeflachten Badeglas und beobachtete die umstehenden Gäste, die angeregte Konversation betrieben. Dass ihre Mutter gerade im Gespräch mit einem älteren, verwitweten Freiherrn aus Crefeld wieder einmal Friedas Loblied sang, war schrecklich peinlich. Aber nachdem es Frau von Bindheim in der vergangenen Saison nicht gelungen war, ihre Tochter mit einem der jungen Herren zu verloben, schien sie in diesem Jahr auch reifere Jahrgänge in ihre Pläne mit einzubeziehen. Schließlich ging es bei einer Ehe in erster Linie um ein standesgemäßes Geschäft.

Frieda unterdrückte ein Seufzen und trank einen weiteren Schluck des heilenden heißen Wassers, als sie einer plötzlichen Bewegung im Wandelgang gewahr wurde. Eine Frau in einem hellgrünen Kleid schien zielstrebig auf sie zuzukommen. Sie kniff leicht die Augen zusammen, um besser sehen zu können. War das nicht Anna von Krebern?

„Frieda, meine Liebe, endlich!“, rief Anna so laut, dass sich einige der Badegäste umsahen.

Frieda errötete. Eine solch überaus herzliche Begrüßung war unerwartet und fast ein bisschen peinlich. Doch Anna lächelte hocherfreut, sodass Frieda einfach zurücklächeln musste. Und dann schloss Anna sie kurz in die Arme, deutete links und rechts Wangenküsschen an und zog sie dabei ein wenig zur Seite.

„Entschuldigen Sie meinen Überschwang …“

„Nein, nein“, sagte Frieda schnell. „Ich freue mich sehr, Sie zu sehen, Anna.“

„Ich freue mich auch. Außerdem musste ich den guten Monsieur de Charville loswerden. Er will beim nächsten Ball unbedingt mit mir tanzen.“ Anna hob die Brauen und spitzte den Mund, und Frieda konnte kaum ihr Lachen über die Grimasse zurückhalten.

„Ich verstehe.“

So nett und gut aussehend der junge Franzose auch war, er war weder ein guter Tänzer noch ein interessanter Gesprächspartner. Wobei die meisten Männer ohnehin nichts wirklich Bemerkenswertes zu erzählen hatten, sondern allein zwischen Nichtigkeiten und mehr oder minder faden Komplimenten wechselten. Eine rühmliche Ausnahme – neben einem anderen Herrn, der Friedas Herz im Geheimen höherschlagen ließ – war der englische Lord gewesen, der sich gegen Ende der letzten Saison mit Anna von Krebern verlobt hatte. Frieda konnte sich eines kleinen neidischen Stichs nicht erwehren.

„Sollen wir ein wenig dort hinübergehen?“, fragte Anna und deutete auf die andere Seite der länglichen Halle, die von der nachmittäglichen Sonne beschienen und daher deutlich leerer war.

„Gerne. Ich sage meiner Mutter Bescheid.“

Frieda stellte sich so dicht neben Frau von Bindheim, dass diese sie nicht übersehen konnte und ihr Gespräch unterbrach.

„Mama, ich wandle ein wenig mit Anna von Krebern zum Brunnen und durch die Halle, wenn ich darf“, sagte Frieda mit gesenktem Blick.

„Aber ja doch, mein Kind“, flötete ihre Mutter. „Geh nur mit der Baronesse, ich sehe, sie hat ja noch gar kein Wasser.“

Frieda knickste erleichtert und beeilte sich, dem Umfeld ihrer Mama und des Freiherrn zu entkommen.

„Ist Ihre Familie auch hier am Brunnen?“, fragte sie aufatmend, als Anna kurz darauf ihr Glas füllen ließ.

Anna schüttelte den Kopf. „Ich bin mit meiner Gesellschafterin gekommen. Die sitzt nun gewiss irgendwo herum und ruht sich von dem steilen Anstieg hierherauf aus. Mein Vater hat heute irgendwelche geschäftlichen Gespräche, und Maman ist leidend. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mein Bruder Otto und seine Frau ihre Anreise verschoben haben. Und meine Schwester Mine kommt in diesem Jahr auch nicht in unsere Sommervilla.“ Sie beugte sich ein wenig näher zu Frieda und flüsterte: „Sie ist in delikaten Umständen.“

Frieda riss die Augen auf. Darüber sprach man doch nicht!

„Es ist auf jeden Fall derzeit furchtbar langweilig“, fuhr Anna fort, „und ich war sehr erfreut, Ihren Namen unter den Neuankömmlingen im Badeblatt zu entdecken. Vielleicht finden wir ja zusammen wieder ein paar neue Bekannte, mit denen wir Ausflüge und Spaziergänge machen können wie im letzten Jahr.“

„Das wäre schön.“

„Nicht wahr? Einen Herrn haben wir sogar bereits: Louis de Charville. Und Franz und Julius von Freyberg dürften auch in Bälde anreisen.“

„Und Ihr Verlobter, Lord Dallingham?“

„Der weilt noch in Ägypten.“ Ein Schatten schien über Annas Gesicht zu gleiten, dann kehrte ihr Lächeln zurück. „Ich fürchte, ich kann froh sein, wenn Henry es schafft, rechtzeitig zu unserer Hochzeit in Baden einzutreffen.“



2


Erst mit Einbruch der Dämmerung erreichte die Kutsche die kleine Stadt Baden an dem Flüsschen Oos, und Franz atmete auf. Er hatte schon vor Stunden im Sommerpalais seiner Familie eintreffen wollen, doch eine gebrochene Achse und eine aufwendige Reparatur hatten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Franz lächelte. Es war Zeit zum Aussteigen. Er klopfte an die Decke der Kutsche, und nach einem kräftigen „Brrr“ hielten die Pferde.

„Ich schaue noch bei einem Freund vorbei und gehe den Rest dann zu Fuß“, gab Franz dem Kutscher Bescheid. „Fahren Sie schon hinauf und geben das Gepäck zum Auspacken an die Dienerschaft. Man braucht nicht auf mich zu warten.“

Eigentlich hätte Franz sich gerne noch frisch gemacht, bevor er Emmy besuchte, aber sie war von ihrer Arbeit immer recht früh müde. Da wollte er sie später nicht aus ihrem wohlverdienten Schlaf reißen. Auch konnte er nicht länger warten. Zu sehr sehnte er sich nach ihrem weichen, anschmiegsamen Körper, ihren runden Brüsten und ihrer offenen Lust, wenn er sie …

Schon bei dem Gedanken an die gleich bevorstehenden Wonnen spürte er eine wohlbekannte Regung. Es war einfach zu lange her!

Einen so enthaltsamen Winter wie den vergangenen hatte er seit Jahren nicht erlebt. Nach dem Skandal im letzten Frühsommer hatte er in Heidelberg, wo er sein Studium der Jurisprudenz absolvierte, kein neues Techtelmechtel gewagt. Und die hübsche Küchenmagd Sofie, die ihrem jungen Herrn bei seinen Aufenthalten auf Schloss Freyberg gerne gelegentlich zu Willen gewesen war, hatte ihre Stellung gekündigt. Sie war durch ein verkniffen aussehendes Mädchen ersetzt worden, das immer, wenn es nichts mit den Händen zu tun hatte, seinen Rosenkranz zückte.

Aber nun war Franz zurück im herrlichen sommerlichen Baden. Er hatte seinen Universitätsabschluss in der Tasche und würde alle Vergnügungen nachholen, die er versäumt hatte: Glücksspiel, Bälle, Konzerte und Nächte mit seiner Geliebten.

Beschwingten Schrittes ging er die schmale Straße der Altstadt hinauf und bog in den Hof ein, wo Emmy ihn durch die Hintertür einzulassen pflegte. Eine schwarz-weiße Katze saß auf dem Holzstoß an der Hauswand und musterte ihn aufmerksam.

„Bonjour, Madame.“ Franz grinste übermütig. „Ist die schöne Emmy daheim?“

Die Katze blieb regungslos sitzen, nicht einmal ihre Augen blinzelten.

Mit ungebremstem Schwung wandte sich Franz zu den geschlossenen Fensterläden, hinter denen er Emmys Schlafzimmer wusste, und klopfte leise an. Er musste nicht lange warten, bis sich die Tür öffnete und er an der immer noch ungerührt starrenden Katze vorbei ins Haus treten konnte.

„Emmy!“ Er schloss sie in die Arme und zog sie an sich. Sein Mund suchte den ihren und liebkoste die willigen, vollen Lippen seiner Geliebten.

Doch anders als sonst, wenn er sie besuchte, trug sie heute ihr Kleid mit dem festen Mieder und kein weiches Hemd, das seinen Händen kaum Widerstand bot und schnell abgelegt war.

„Hast du meinen Brief nicht bekommen?“, fragte Franz zwischen zwei Küssen, dann machte er sich daran, die Schnürung ihres Kleides zu öffnen, um leichter ihre warme Haut erreichen zu können.

Emmy wich zurück, sodass sie an die Wand des Flurs stieß, und schien etwas sagen zu wollen. Doch mit einem Mal packte sie Franz’ Nacken und zog seinen Kopf zu sich. Ihr Kuss war nun wild und herausfordernd, wie er es von ihr kannte, und er fühlte ihre Hand an seinem Hosenlatz. Während sie sein vor Vorfreude hartes Glied befreite, schob Franz ihre Röcke nach oben.

Sie hob ein Bein, um sich ihm zu öffnen, und schlang es um ihn. Was für ein Empfang! Warme Feuchte erwartete ihn, in die er mit Begeisterung stieß. Leider war es viel zu schnell vorbei.

Emmy lachte leise.

„Ich habe dich so vermisst“, flüsterte Franz und knabberte an ihrem Ohrläppchen, während sie sich aus seiner Umarmung wand und ihre Röcke glatt strich.

Sie wartete, bis er seine Hose wieder in Ordnung gebracht hatte.

„Komm mit“, sagte sie dann. Statt wie sonst ins Schlafzimmer führte sie ihn heute in ihre gute Stube und bot ihm einen Platz an.

Verblüfft setzte er sich aufs Kanapee und sah ihr zu, wie sie zwei Weingläser aus dem Schrank holte, sie auf das Beistelltischchen stellte und dann hinausging. Ihre Schritte entfernten sich, und es war auf einmal schrecklich still im Haus.

Franz lauschte. Ein Schrei, ein Fauchen – war das die Katze, die er gesehen hatte? Laute Männerstimmen, eine davon begann zu singen: „Auf, auf zum fröhlichen Jagen, auf in die grüne Heid …“

„Du meinst wohl die Heidi!“, grölte eine andere und löste mehrstimmiges Gelächter aus.

Franz sah zur Tür, wo nun Emmy mit einem Krug Wein in der Hand erschien. Sie musste ihn im Keller geholt haben, wo, wie er wusste, ein kleines Fass ihres Onkels stand, der in der Nähe einige Weinberge besaß.

Sie trat in die Stube und goss ihnen beiden ein.

„Komm, setz dich zu mir“, sagte Franz und klopfte mit der flachen Hand neben sich aufs Kanapee.

Emmy lächelte, schüttelte jedoch den Kopf und holte sich einen Stuhl, auf dem sie ein Stück entfernt von ihm Platz nahm. Sie hob ihr Glas, nickte ihm zu und wartete, bis auch er seinen Wein in der Hand hielt und mit ihr anstieß. „Du darfst mir gratulieren“, sagte sie. „Ich werde heiraten.“

Franz ließ das Glas sinken, ohne getrunken zu haben. Er konnte unmöglich richtig gehört haben!

Ungerührt von seiner Fassungslosigkeit, nahm Emmy einen Schluck, nickte zufrieden und sah ihm in die Augen. „Ich wollte es dir selber sagen, nicht in einem Brief schreiben.“

„Ja aber, aber … du hast immer gesagt, du willst nicht mehr heiraten. Dass du froh bist, Witwe zu sein und deine kleinen Freiheiten zu haben.“

Emmy zuckte mit den Achseln.

Franz beugte sich zu ihr. „Und was wird jetzt aus uns? Ich kann doch nicht …“

„Das siehst du ganz richtig“, unterbrach sie ihn ernst. „Dies eben war ein Abschied. Du kannst mich natürlich nicht mehr besuchen kommen.“

„Emmy, aber meine Gefühle für dich sind aufrichtig und …“

„Mach dir nichts vor, Franz. Es ist völlig egal, was wir füreinander empfinden mögen. Wir hatten zwei schöne Sommer miteinander, und die sind jetzt eben vorbei. Ich heirate den Jakob, der ist ein ehrlicher und fleißiger Zimmermann. Er liebt mich und wird mich gut behandeln. Und du …“ Sie zögerte und trank erneut von ihrem Wein. „Du wirst dir früher oder später ein standesgemäßes Fräulein suchen, es heiraten und den nächsten kleinen Erbgrafen zeugen.“

„Aber …“

„Trink deinen Wein, lieber Franz. Oder schmeckt er dir nicht?“

Nein, hätte Franz am liebsten gerufen. Nein, er schmeckt mir nicht. Genauso wenig, wie es mir schmeckt, dass du irgendeinen Zimmermann namens Jakob heiraten willst!

Natürlich hatte Emmy recht. Aber es tat weh, dass sie ihre wunderbare Liaison so überraschend beendete. Eigentlich hatte er immer gedacht, dass er eines Tages derjenige sein würde, der ihr sagen würde, dass es vorbei war.

Franz’ Blick ruhte auf Emmys Busen, den er eben noch liebkost hatte. So nah und dennoch so fern unter dem karierten Baumwollstoff.

„Weißt du“, sagte sie leise. „Ich kann nicht immer monatelang warten, bis du mich endlich wieder besuchst. Das passt nicht zu mir. Und Kinder hätte ich doch auch gerne. Das verstehst du, gell?“

Franz nickte. Das verstand er wirklich. Aber es tat weh. Es tat so unerwartet weh!

Er leerte sein Glas in einem Zug und griff nach dem Krug, um sich nachzuschenken. Emmy hielt ihm das ihre hin, und er füllte auch dieses. Stumm saßen sie zusammen, bis der Krug leer war und Franz sich schließlich erhob.

Schweigend begleitete Emmy ihn zur Hintertür und öffnete sie.

„Emmy, ich …“ Er sah ihr in die Augen.

Sie lächelte. „Geh, mein lieber Franz. Es ist gut so.“

Franz nickte stumm und verließ Emmys Hof, ohne sich noch einmal umzusehen.

Jennifer Adams

Über Jennifer Adams

Biografie

Jennifer Adams arbeitete als Übersetzerin und Sprachlehrerin und lebt heute als Autorin im Rheinland. Die Liebe zu Regency-Romanen begleitet sie seit Jahren. In ihrem Buch setzt sie auf deutsche Schauplätze und blendet bei Liebesszenen nicht aus.

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