Die Musik im Roman
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Die Musik im Roman

Montag, 04. März 2013 von Gisa Klönne


Die Musik im Roman

Am Anfang stand ein Nebensatz, auf den ich in den Lebenserinnerungen meiner Großmutter gestoßen war. Als junge Frau hatte sie für den Opernsänger Paul Bender geschwärmt. Vor allem seine Interpretation der Carl-Loewe-Ballade „Der Nöck“ hatte es ihr angetan. Der Nöck ist der Wassermann, das Lied handelt von seiner Zauberkraft. Als ich im Internet eine nachträglich digitalisierte Tonaufnahme aus den 30er-Jahren fand, war dies für mich ein Gänsehautmoment: Die Vergangenheit wurde erfahrbar, lebendig.

Carl Loewe: Der Nöck 

gesungen 1938 von Heinrich Schlusnus


Blick ins Buch
Das Lied der Stare nach dem FrostDas Lied der Stare nach dem Frost

Roman

Seit dem Tod ihres Bruders hat Rixa Hinrichs versucht zu vergessen: ihre Trauer, die stumme Melancholie ihrer Mutter und ihre verpatzte Solo-Karriere als Musikerin. Als Bar-Pianistin reist sie um die Welt, bis der Tod ihrer Mutter sie zurück nach Deutschland holt. Auch diese ist mit dem Auto verunglückt – fast an derselben Stelle wie Jahre zuvor Rixas Bruder. Die Suche nach einer Erklärung führt Rixa in das alte Pfarrhaus ihrer Großeltern nach Mecklenburg, wo ein streng gehütetes Geheimnis seine düsteren Schatten wirft …
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Musik wird zum Leitmotiv

Meine Großmutter liebte den Nöck, mein Großvater hielt sich an Tschaikowskys 5. in e-Moll, die Schicksalssinfonie. Elise und Theodor Retzlaff, die Großeltern-Figuren in meinem Roman, sind zwar nicht meine realen Großeltern, sondern erfunden. Aber deren Musikgeschmack habe ich mir ausgeliehen, und so wurden der Nöck und die Schicksalssinfonie für mich beim Schreiben zu Leitmotiven und zu einer Brücke in die Erlebniswelt meiner Romanfiguren in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts.

Ein Pfarrhaus im ländlichen Mecklenburg um 1930 - man muss sich die Stille dort vergegenwärtigen. Die Abgeschiedenheit. Dieses Auf-sich-selbst-Zurückgeworfen-Sein. Und dann die Bedeutung der Kirchenmusik in den Gottesdiensten, der Hausmusikabende, der gemeinsam gesungenen Lieder, der Musikübertragungen aus dem Rundfunk, die aus dem fernen Berlin hin und wieder dorthin vordrangen. Und erst die Anschaffung des ersten Grammophons ... Wie mag es sich angefühlt haben, als im Nationalsozialismus geliebte Musiker und Komponisten verfemt und verboten wurden?

Peter Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 5 e-Moll

Gustav Mahler Jugendorchester Wien

Klassisches Klavier und Jazzpiano

Rixa Hinrichs heißt die dritte Hauptfigur dieses Romans. Rixa ist die Enkeltochter von Elise und Theodor. Eine Barpianistin mit klassischer Konzertausbildung, die einmal von einer Solokarriere auf großen Bühnen geträumt hatte, bis der Tod ihres Bruders sie aus der Bahn warf. Mein eigenes Können am Klavier reichte bei weitem nicht aus, um Rixa zu erschaffen. Also verbrachte ich Nächte in Hotelbars und ließ mich von der Barpianistin Inka Hellmich in die Geheimnisse ihrer Kunst einweihen, ein zunächst zufällig anwesendes Publikum für sich zu gewinnen. Ich interviewte Musiker und besuchte Jazz-, Rock- und Klassikkonzerte. Ich begann zu singen. Ich beschäftigte mich mit dem Hörsinn, schärfte meine Wahrnehmung für akustische Reize.

Eines Nachts, eher absichtslos, zufällig, entdeckte ich beim Stöbern in meiner CD-Sammlung Franz Schuberts Winterreise wieder und war sofort gebannt. Alles lag darin: dieses verzweifelte Sehnen, diese eisige, stumme mecklenburgische Landschaft in die Rixa zurückkehrt, weil das Familiendrama, das sich dort während der Kriegsjahre ereignet hat, ihr Leben noch immer beeinflusst ...

Franz Schubert: Gute Nacht - Die Winterreise

Peter Schreier Gesang, Christoph Eschenbach Klavier

Das musikalische Spektrum

Musik spielt in all meinen Romanen eine gewisse Rolle, doch DAS LIED DER STARE NACH DEM FROST wäre ohne Musik nicht denkbar. Am Ende habe ich durchgezählt und war überrascht: 85 Rocksongs, Kirchenlieder, Sinfonien, Klavierpartituren von 76 Komponisten und Interpreten aus sechs Jahrhunderten haben Einzug in dieses Buch gehalten. Das Spektrum reicht von Martin Luthers „Vom Himmel hoch da komm ich her“ aus dem Jahr 1539 bis zu „Seven Devils“ von Florence & The Machine im Jahr 2012.

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