William Kent Krueger Interview
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Der letzte Sommer vor dem Erwachsensein

Interview zu „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ 

„Für eine Zeit waren wir glücklich“

William Kent Krueger

Von der Freude und Traurigkeit des Erwachsenwerdens, vom Ende der Unschuld und von der Kraft der Anteilnahme – ein leuchtender Roman!

Im Sommer des Jahres 1961 kommt der Tod in vielen Formen nach New Bremen. Als Unfall. Als Selbstmord. Und als Mord. Zusammen mit seinem kleinen Bruder Jake scheint der dreizehnjährige Frank immer am falschen Ort zu sein – oder am richtigen, schließlich liefert eine Leiche auch Stoff für gute Geschichten. Bis das Sterben auch Franks Familie heimsucht. Plötzlich tut sich vor den Brüdern die ganze Welt der Erwachsenen auf, und der Tod fordert von allen eine Entscheidung: für die Familie, die Freunde und das Leben.

 

„›Für eine kurze Zeit waren wir glücklich‹ ist ein Roman, der das Leben seines Erzählers und seiner Leser gleichermaßen verändert.“

Kirkus Reviews

Interview mit dem Autor

„Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ gehört nicht zu Ihrer Bestseller-Reihe um den Sheriff Cork O’Connor. Was hat Sie dazu gebracht, diesen neuen Roman zu schreiben?

Als mir die Geschichte von „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ in den Sinn kam, konnte ich nicht anders. So einfach war das. Schon lange habe ich einen Roman schreiben wollen, der es mir erlaubt, mich mit der Vergangenheit, das heißt mit einer Zeit zu beschäftigen, die mein eigenes Leben geprägt hat. Außerdem wollte ich etwas schreiben, das es mir erlaubt, mich mit dem Thema Spiritualität auseinanderzusetzen, das mir schon immer wichtig war. Als Frank Drum, der Sohn des Pfarrers und der Erzähler des Romans, in meiner Vorstellung Gestalt annahm, schien „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ mir direkt vom Himmel in den Schoß zu fallen. Es hat mich dermaßen gefesselt, dass ich es einfach zu Papier bringen musste.

 

Gibt es ein Erlebnis in Ihrer Jugend, das Sie als Wendepunkt Ihres Lebens bezeichnen würden?

Absolut. Das war der Sommer, als ich dreizehn Jahre alt war. Mein Vater hatte viele Jahre lang die Personalabteilung einer großen Ölgesellschaft mit Sitz in Ohio geleitet. Doch in diesem Sommer wurde er entlassen, weil seine eigenen Werte den Vorstellungen der Firma diametral entgegenstanden. Er beschloss, wieder als Englischlehrer in einer Highschool zu arbeiten, wie es sowieso schon immer seine Leidenschaft gewesen war. So zogen wir nach Hood River, einer Kleinstadt östlich der Cascade Mountains in Oregon. Das Leben der Familie Krueger war von da an nicht wiederzuerkennen, und wir fragten uns alle, was die Zukunft wohl noch für uns bereithalten würde. Mein Vater sorgte sich auch, ob er unsere Familie mit seinem Gehalt als Lehrer wirklich versorgen könne. Und meine Mutter befürchtete, dass die Enge einer Kleinstadt uns alle ersticken würde. Als Sohn eines Lehrers stand ich außerdem unter ständiger Beobachtung, wie ich schnell bemerkte. Doch letztlich stellte sich dieser Umzug als die beste Erfahrung meines Lebens heraus. Vieles davon habe ich wiederverwendet, als ich New Bremen in „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ entwarf. Weil es sich um eine so prägende Zeit meines Lebens handelt, fiel es mir auch leicht, meine eigenen Eindrücke als Jugendlicher anzuzapfen und sie Frank Drum mitzugeben.

 

Wie gelingt es Ihnen, immer wieder so interessante Themen für Ihre Bücher zu finden? Was genau hat Sie zu diesem Roman inspiriert?

Wenn Sie einmal akzeptiert haben, dass Sie ein Geschichtenerzähler sind, ist es, als würde sich vor Ihnen eine Tür öffnen, aus der die Geschichten nur so herausströmen. Sie kommen aus allen möglichen Ecken Ihres Lebens: aus der eigenen Erfahrung und aus den Erfahrungen, die andere mit Ihnen verbinden, aus der Geschichte Ihrer Familie und aus Zeitungsartikeln. Manchmal liegen sie auch einfach in der Luft. Die eigentliche Frage ist, welche dieser Geschichten Sie erzählen wollen und welche Sie am meisten anzieht. Als New Bremen sich in meinem Kopf zu einer Stadt zusammenbraute, als Frank Drum eine Stimme bekam und ich die ersten Sätze der Geschichte hörte, die er erzählen würde, war ich sofort dabei: „Das große Sterben des damaligen Sommers begann mit dem Tod eines Kindes …“.

(…)

 

Sie beherrschen es meisterhaft, Zeit und Ort Ihrer Romane zu entwerfen. Aber auch das Innenleben Ihrer Figuren wird in „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ so anschaulich beschrieben. Hat Ihr eigenes Leben Ihnen als Vorlage gedient?

In gewisser Weise handelt es sich dabei um meine Familie. Mein Vater war zwar kein Pfarrer in einer Kleinstadt, aber immerhin ein idealistischer Englischlehrer. Meine Mutter war ebenfalls Musikerin – und nicht gerade glücklich. Meine Geschwister standen mir sehr nahe, trotz des großen Altersunterschieds, durch den wir in der Kleinstadt, in der mein Vater nun unterrichtete, ganz unterschiedliche Erfahrungen machten. Ich habe versucht, all dies in die Geschichte der Drums einfließen zu lassen.

 

Warum haben Sie sich entschieden, nur anzudeuten, was Nathan und Gus im Krieg erlebt haben?

Ich bin in der Nachkriegszeit aufgewachsen. Mein Vater hatte, wie die meisten Väter der Kinder, die ich kannte, im Krieg gekämpft. Die Narben waren nicht immer sichtbar, aber sie waren da. Mein Vater kam sehr mitgenommen aus dem Krieg zurück, und ich wusste, dass er danach eine furchtbare Schuld mit sich herumtrug, die er nie ganz mit uns Kindern geteilt hat. Der Vater eines guten Freundes aus dem College hatte auf der U.S.S. Indianapolis gedient, einem der Kriegsschiffe, die auf dem Pazifik unterwegs waren. Von seiner Crew wurden nach den eigentlichen Kämpfen so viele Soldaten von Haien angegriffen und getötet. Mein Freund erzählte mir, dass sein Vater nachts oft von seinen eigenen Schreien aufwachte. Damals gab es die Posttraumatische Belastungsstörung als Diagnose noch nicht, und unsere Väter sprachen selten über ihre Erlebnisse. Ursprünglich hatte ich vor, meine Leser in „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ in das einzuweihen, was Nathan Drum und Gus umtreibt. Doch am Ende entschied ich mich dafür, es nicht bis ins Letzte zu erklären, in der Hoffnung, dass die Geister, die die beiden heimsuchen, so den Geistern ähnlicher würden, die alle unsere Väter heimgesucht haben.

 

Haben Sie sich beim Schreiben am meisten mit Frank identifiziert? Oder mit Jake?

Da bin ich hin- und hergerissen. Ich habe Frank viel von meinen eigenen Gefühlen mitgegeben, war aber selbst in Wirklichkeit der jüngere Bruder, sodass ich haargenau wusste, wie sich das anfühlt. Vermutlich haben sie beide etwas von mir und doch zugleich ihr eigenes Leben. Mir war es wichtig, die tiefe Liebe zu zeigen, die diese beiden Brüder verbindet. Ihre Beziehung ist in vielerlei Hinsicht das Fundament von „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“.

 

Wird es einen weiteren Roman mit den Figuren aus „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ geben? Worauf dürfen sich Ihre Leser als nächstes freuen?

„Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ war immer als alleinstehender Roman gedacht. Ich plane also nicht, noch einmal über die Familie der Drums zu schreiben. Aber ich hatte schon immer die Idee, noch mehr Geschichten im Süden von Minnesota anzusiedeln, in einer vergangenen Zeit. Deswegen schreibe ich momentan an einem Text, der als eine Art Schwesterroman von „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“ gelten kann. Er heißt „This Tender Land“ und spielt 1957 in einem Ort namens Black Earth County. Bis er erscheint, wird es aber noch eine Weile dauern.

 

Übersetzung: Franziska Zintzsch. Die Originalfassung dieses Interview finden Sie auf: http://www.williamkentkrueger.com/readers.

Für eine kurze Zeit waren wir glücklichFür eine kurze Zeit waren wir glücklich

Roman

Von der Freude und Traurigkeit des Erwachsenwerdens, vom Ende der Unschuld und von der Kraft der Anteilnahme – ein leuchtender Roman!Im Sommer des Jahres 1961 kommt der Tod in vielen Formen nach New Bremen. Als Unfall. Als Selbstmord. Und als Mord. Zusammen mit seinem kleinen Bruder Jake scheint der dreizehnjährige Frank immer am falschen Ort zu sein – oder am richtigen, schließlich liefert eine Leiche auch Stoff für gute Geschichten. Bis das Sterben auch Franks Familie heimsucht. Plötzlich tut sich vor den Brüdern die ganze Welt der Erwachsenen auf, und der Tod fordert von allen eine Entscheidung: für die Familie, die Freunde und das Leben.
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