Wie Alpharüden umdenken
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W.A.U. – Wie Alpharüden umdenken

Die 10 Management-Regeln meines Chefs des Hundes

Mittwoch, 16. September 2015 von Christian Kortmann


Lesen Sie mehr über das Erfolgsgeheimnis meines Chefs des Hundes

1. Wähle bei Meetings den besten Platz: unter dem Tisch.

 

2. Begrüße deine Mitarbeiter zu Wochenbeginn besonders herzlich: Montagmorgens braucht jeder ein bisschen Liebe.

 

3. Serviere E-Mails nur zweimal täglich: vormittags als kleinen und nachmittags als großen Napf.

 

4. In Gehaltsgesprächen sollst du zuhören, mit dem Schwanz wedeln und eine Belohnung verteilen.

 

5. Geh an jedem Arbeitstag dreimal an die frische Luft.

 

6. Habe Respekt, aber niemals Angst vor dem Dax.

 

7. Verschließe ruhig die Augen, aber halte die Ohren immer offen.

 

8. Mäßige dein Tempo: Chefjahre zählen mehr als Hundejahre.

 

9. Wenn jemand ein Stöckchen wirft: Apportiere es immer oder nie.

 

10. Stärke die Meute in der Krise.

Über die Autoren:

Christian Kortmann, Jahrgang 1974, veröffentlichte neben Essays und Reportagen zwei Romane, »Der Läufer« (2009) und »Das menschliche Optimum« (2012).

 

Die Illustrationen stammen von Andreas Jeutter, geboren 1972, der als Art Director und Illustrator wie Christian Kortmann in Stuttgart lebt.

Blick ins Buch
Mein Chef der Hund
Ich arbeite jetzt bei Papenburger. Da ist seit kurzem ein Hund der Chef. Quereinsteiger. Die haben ewig lang gesucht, und sein Profil hat wohl am besten gepasst. Er trägt einen grauen Anzug mit Weste, keine Schuhe, aber Manschettenknöpfe. Und unter dem Hemdkragen quillt ein wenig braunes Fell hervor. Er weiß, wie man motiviert, bei Meetings liegt er meistens mit einem Stapel Akten unter dem Tisch und lässt sich kraulen. Unser Team arbeitet ohne Störung besser, die Ergebnisse beweisen es, und wir fühlen uns alle pudelwohl in der Abteilung. Sein großer Traum ist es, sich eines Tages selbständig zu machen, mit einer Firma für Hundelimonade. Doch nach dieser schlimmen Mittagspause neulich wird es dazu wohl nicht mehr kommen .... Der Chef ein Hund? Aber ja - lesen Sie selbst: eine kurze, urkomische und zugleich melancholische Geschichte von einem Hund, der unser Büroleben menschlich macht.
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I

Ich hatte es tatsächlich getan und einfach gekündigt. Das sorgte bei allen, denen ich es erzählte, für großes Staunen.
» Gekündigt? «, fragten sie. » Ohne etwas Neues in Aussicht zu haben? Ist das in diesen Zeiten denn nicht riskant? «
» Ging nicht anders «, sagte ich, » hab ’ne schwere Chef-Allergie. «
Da traf ich auf der Straße zufällig einen Bekannten.
» Hör mal «, sagte mein Bekannter, » pro­­bier’s doch bei Papenburger, das könnte was für dich sein, dort ist jetzt ein Hund Chef geworden. «
» Ein Hund? «, fragte ich.
» Ja, ein Hund. Quereinsteiger. Haben ewig lang gesucht. Mit Headhunter und so weiter. Und sein Profil hat wohl am besten gepasst. «

Ich hatte gelesen, dass man in Bewerbungen dem neuen Chef nicht vorauseilend nach dem Mund reden sollte. Man sollte so sein, wie man wirklich war. Also gab ich im ­Lebenslauf unter Hobby » längere Spaziergänge « an, weil es nicht gelogen war.

Ich schickte die Bewerbung an die Personalabteilung von Papenburger, ein paar Tage später klingelte das Telefon: » Wir würden Sie gerne persönlich kennenlernen «, sagte eine freundliche Frauenstimme. » Könnten Sie vorbeikommen? «
» Soll ich irgendwas Besonderes mitbringen? «, fragte ich.
» Nein, was denn? «, fragte sie und lachte. » Kommen Sie einfach zu uns ins Büro. Würde es Ihnen gleich morgen passen? «

Ich fuhr zur Zentrale von Papenburger, einem Hochhaus, das mitten in der Stadt lag. Hinter einer kniehohen Mauer befand sich eine kleine Rasenfläche. Durch eine große Drehtür trat ich ins Gebäude. Ich ging zum Empfang und wurde in den 27. Stock geschickt.
Zugegeben, ein bisschen nervös war ich schon. Ich kannte Hunde nur von der Straße und aus dem Privatleben. Da kam ich eigentlich immer gut mit ihnen aus. Aber andere Chefs waren ja auch ganz anders, wenn man sie zufällig im Urlaub, am Tiefkühlregal oder auf der Straße traf.

» Freut mich, Sie kennenzulernen «, sagte die Sekretärin.
Sie war ein Mensch, wie auch alle anderen Mitarbeiter, ihr Chef aber war ein echter Exot.
» Gehen Sie durch, er erwartet Sie schon «, sagte sie und öffnete die Tür des Chef-
büros.
Der Hund saß am Schreibtisch und unterschrieb eine Reihe von Unterlagen. Er trug einen grauen Anzug mit Weste und eine dunkelblaue Krawatte mit weißen Punkten. Er hatte sie locker gebunden, aus dem ge­öffneten Hemdkragen quoll ein wenig braunes Fell hervor. Keine Schuhe, aber goldene Manschettenknöpfe. Die Brille mit den ­kreisrunden Gläsern hatte er hoch in die Stirn geschoben, die Bügel klemmten hinter den Schlappohren. Auf dem Schreibtisch stand ein Foto seiner Familie. Seine Frau trug eine rosafarbene Schleife im Haar, sein Sohn hatte ungewöhnlich große Pfoten.

Zur Begrüßung stand der Hund auf und schüttelte mir die Hand. Wenn er nicht mein Chef gewesen wäre, würde ich sagen: Er gab Pfötchen. Ich dachte erst, er hätte ein paar Gummibonbons in seiner Hand ver­gessen, aber es waren eben die Ballen seiner Pfoten. Seine tiefschwarze, feucht glänzende Nase zuckte nach links und nach rechts, zuckte nach oben und nach unten, während ich seine Pfote schüttelte. Er schloss ein paarmal für wenige Sekunden die Augen und wedelte mit dem Schwanz, der hinten aus der Hose hervorragte und noch dumpf gegen das Stuhlbein schlug, als wir schon am Tisch in seinem Büro Platz genommen hatten.
» Wasser? «, fragte er, schenkte uns aus ­einer gläsernen Karaffe großzügig ein und trank selbst einige von dezentem Schlabbern begleitete Schlucke.
» Ah, herrliches Wasser «, sagte er, » ist ganz frisch! «
Dann blätterte er durch meine Bewerbungsmappe.
» So, so, Sie haben also gekündigt. «
Ich hatte den Eindruck, dass er bei der » Spaziergang «-Stelle im Lebenslauf einen Moment lang verharrte.
» Das sieht ja alles ganz gut aus. Dann ­wollen wir es mal miteinander versuchen «, sagte er und lächelte mich mit leicht zur Seite ­geneigtem Kopf an.
Seine Stimme klang tief und beruhigend. Allerdings waren manche Worte leicht vernuschelt, als hätte er eine Socke oder einen Pantoffel im Maul.
» Wie, das war’s schon? «, fragte ich. » Wollen Sie nicht wissen, was meine größte Schwäche ist und wo ich mich in fünf Jahren sehe? «
Er hatte sich auf seinem Stuhl zurückgelehnt, um sich lang und genüsslich mit der Pfote hinterm Ohr zu kratzen.
» Kommen Sie einfach am Montagmorgen um neun «, sagte mein neuer Chef der Hund. » Wir werden uns weiter beschnuppern und besser kennenlernen. Mal sehen, wo wir dann in fünf Jahren sind. «

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