Warum ich dieses Buch geschrieben habe
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Montag, 24. August 2015 von Michael Schmidt-Salomon


Warum ich dieses Buch geschrieben habe

Michael Schmidt-Salamon über die Gründe, das Buch »Hoffnung Mensch« zu schreiben.

»Eines der ersten philosophischen Bücher, die mir in meiner Jugend in die Hände fielen, war Erich Fromms (1900–1980) Jenseits der Illusionen. Als ich diese Schrift zum ersten Mal las, begeisterte mich die darin enthaltene Ideologiekritik, doch das »humanistische Glaubensbekenntnis«, mit dem Fromm sein Buch beendete, schreckte mich ab. Heute sehe ich das anders:

Ich bewundere Fromms Mut, sich wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust, dem er als deutscher Jude nur knapp entkommen war, so offensiv zum Glauben an die Menschheit zu bekennen. Viel leichter wäre es gewesen, wenn er es bei der Kritik belassen hätte. Denn wer es wagt, darzulegen, woran er im positiven Sinne glaubt, steht nackt da und ist Angriffen sehr viel ungeschützter ausgeliefert.

Heute begreife ich auch, dass Fromm seinen Glauben an die »Vervollkommnungsfähigkeit« des Menschen nicht formulierte, um die alten theistischen Religionen durch eine neue humanistische Religion zu ersetzen. Es ging ihm vielmehr – und das Gleiche lässt sich auch über Julian Huxley sagen – um eine Konversion des Religiösen, um einen kulturellen Transformationsprozess, der die humanen, lebensbejahenden Impulse aufgreift und die inhumanen, lebensfeindlichen Elemente abbaut, die sich im Verlauf der kulturellen Evolution in religiösen (wie nichtreligiösen) Traditionen ausgebildet haben.

Mir scheint, dass wir eine solche Konversion zur Menschlichkeit heute dringender benötigen als je zuvor. Es ist daher an der Zeit, die kulturellen Schatzkammern zu öffnen und mit neuem Geist zu erfüllen. 

Nicht zuletzt aus diesem Grund habe ich am Ende des Manifests des evolutionären Humanismus den Zehn Geboten »Zehn Angebote« gegenübergestellt und Jenseits von Gut und Böse mit einer alternativen Paradiesgeschichte abgeschlossen.«


Blick ins Buch
Hoffnung MenschHoffnung Mensch

Eine bessere Welt ist möglich

Ist der Mensch tatsächlich nur ein »fataler Irrläufer der Natur«, um den es nicht schade wäre, würde er von der Erde verschwinden? Nein, sagt Philosoph und Bestsellerautor Michael Schmidt-Salomon: Denn die biologische und kulturelle Entwicklung unserer Spezies zeigt, dass wir das Potential haben, immer besser, immer »humaner« zu werden. Ein beeindruckendes, Augen öffnendes Plädoyer für den Glauben an die Menschheit.
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Vorwort: Abschied vom Zynismus

Es ist so leicht, Zyniker zu sein. Unendlich viele Gründe sprechen dafür, die Menschheit zu verachten. Man werfe nur einen Blick in die Geschichte. Oder in die Reality-Soaps, die Tag für Tag über unsere Bildschirme flimmern. Haben diejenigen nicht furchtbar recht, die den Menschen als »fatalen Irrläufer der Evolution« beschreiben? Wäre es nicht ein Segen für die Erde, wenn sie sich endlich von dem »Krebsgeschwür Menschheit« befreien könnte? Sollten wir dem »Untier Mensch« auch nur eine müde Träne nachweinen?

Sätze wie diese gehen uns leicht von der Hand. Wie auch könnten wir angesichts der unzähligen Belege, die unsere Unzulänglichkeit, unsere Wahnanfälligkeit, unsere Grausamkeit dokumentieren, den Glauben an die Menschheit aufrechterhalten? Nicht ohne Grund ist der Zynismus die große intellektuelle Verführung für jeden, der sich ernsthaft mit der Geschichte und Gegenwart unserer unglückseligen Spezies beschäftigt. Denn er verhindert bereits im Ansatz die schmerzliche Diskrepanz zwischen den hochtrabenden Idealen, die wir vertreten, und den bitteren Realitäten, die wir erzeugen, indem er die hehren Ideale von vornherein als utopisch verwirft. Subjektiv ist das durchaus entlastend: Wer den Glauben an die Menschheit ohnehin verloren hat, kann durch nichts und niemanden mehr enttäuscht werden.

Durch seine Illusionslosigkeit wirkt der Zyniker reif, überlegen, abgeklärt, ja: vernünftig – und doch beruht gerade der Zynismus auf einer totalen Bankrotterklärung der Vernunft, nämlich der Überzeugung, dass rationale Argumente nichts, aber auch rein gar nichts am Lauf der Dinge ändern können. Zyniker zu sein bedeutet, vorauseilend vor der Irrationalität der Welt zu kapitulieren, um sich den eigentlichen Herausforderungen des Menschseins gar nicht erst stellen zu müssen. Warum auch sollte man sich für »höhere Ziele« einsetzen, wenn man sowieso davon ausgehen muss, dass sich ein solcher Einsatz niemals lohnt? Das zynische Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen: »Rien ne va plus!« / »Nichts geht mehr!«, kichern die selbstzufriedenen Bankrotteure der Vernunft – erleichtert, dass ihnen die Bürde, Geschichte humaner zu gestalten, von der schmalen Schulter genommen wurde.

Zyniker sind auf einem Auge blind, weshalb sie nur die Schattenseite der menschlichen Existenz erkennen können. Tragischerweise wirkt diese Wahrnehmungsverzerrung im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Denn wer ohnehin nicht damit rechnet, dass sich die Verhältnisse je zum Besseren hin ändern können, wird auch nichts dafür tun, dass sie sich je zum Besseren hin ändern werden, wodurch die ursprüngliche, zynische Annahme bestätigt wird. Ein Teufelskreis.

Michelangelo (1475–1564) hatte recht mit seiner Aussage: »Die größte Gefahr für die meisten von uns ist nicht, dass wir hohe Ziele anstreben und sie verfehlen, sondern dass wir uns zu niedrige setzen und sie erreichen.« Dies gilt für uns als Individuen, aber auch für die menschliche Spezies als Ganzes: Wenn wir unsere Potenziale unterschätzen, werden wir sie auch nicht entfalten können und notgedrungen unter unseren Möglichkeiten leben. Daher sollten wir uns davor hüten, uns selbst in zynischer Weise kleinzureden.

Die beste Medizin gegen die vorauseilende Resignation des Zynismus besteht darin, sich an jenen zu orientieren, die die besten Seiten der Menschheit zum Vorschein gebracht haben – und genau darum wird es im Weiteren gehen: Thematisierte mein letztes Buch Keine Macht den Doofen die unerträgliche Penetranz menschlicher Dummheit in Geschichte und Gegenwart, handelt dieses von der heilenden Wirkung menschlicher Klugheit, von der Güte, dem Einfühlungsvermögen, der Kreativität, durch die sich unsere oft verkannte Spezies eben auch auszeichnet. Denn so seltsam es auch klingen mag: Von seiner Veranlagung her ist der Mensch das mitfühlendste, klügste, phantasiebegabteste, humorvollste Tier auf dem gesamten Planeten.

Die Natur hat uns ganz besondere Talente in die Wiege gelegt, auch wenn wir es bisher nur selten verstanden haben, diese Talente sinnvoll zu nutzen. Doch wenn dies geschah, kam es zu jenen wunderbaren Momenten, in denen die Natur sich gewissermaßen selbst überschritt. »Mutter Natur« war dies freilich völlig schnuppe – uns aber sollte es keinesfalls egal sein: Immerhin hat die Evolution Jahrmilliarden gebraucht, um ein Wesen hervorzubringen, das in der Lage ist, den evolutionären Prozess zu durchschauen. Schon allein deshalb wäre es schade um uns, würden wir vorzeitig von der Bühne des Lebens abtreten.

Wer dies verneint und glaubt, man müsse der Menschheit bei ihrem finalen Abgang keine müde Träne nachweinen, hat, wie ich meine, die großartigen Seiten unserer Spezies nur noch nicht entdeckt. Dem will dieses Buch entgegenwirken. Es zeigt auf, welch phantastische Leistungen der Mensch in Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Technik erbracht hat, wie aufopferungsvoll sich viele unserer Artgenossen darum bemühten, diese Welt zu einem besseren, gerechteren Ort zu machen, und mit wie viel Anstand, Würde und Tapferkeit die meisten von uns ihr Leben meistern.

Kurzum: Ich werde darlegen, dass es trotz aller Irrungen und Wirrungen der Geschichte unendlich viele Gründe gibt, die Menschheit zu achten. Und vielleicht, ja vielleicht, wird es dem einen oder anderen nach der Lektüre dieses Buchs dann doch ein wenig schwerer fallen, Zyniker zu sein. Die Hoffnung, so heißt es, stirbt stets zuletzt …

 

 

Teil 1 Die bedrängte Spezies

Kapitel 1 Das tragische Tier: Von den Nöten des Menschseins

Es ist nicht leicht, Mensch zu sein. Denn wir müssen in dem Bewusstsein leben, dass nichts von dem, was wir lieben, Bestand haben wird. Wir wissen, dass am Ende unserer Tage ein Kampf auf uns wartet, der nicht zu gewinnen ist – ein Schicksal, dem auch unsere Kinder und Kindeskinder nicht entrinnen werden. Und schon bald nach unserem Tod wird sich niemand mehr daran erinnern können, wer wir waren, worauf wir hofften und wie sehr wir uns darum bemühten, unserem Leben einen halbwegs tragfähigen Sinn zu verleihen. Kaum sind wir fort, wird es so sein, als ob es uns nie gegeben hätte.

Das tragische Los des Menschen ist oft beklagt worden. Man denke nur an die berühmten Worte, die William Shakespeare (1564–1616) seinem Macbeth in den Mund legte: »Das Leben ist nichts als ein wandelnder Schatten; ein armer Schauspieler, der seine Stunde auf der Bühne stolziert und sich quält und dann nicht mehr gehört wird: Es ist eine Geschichte, von einem Idioten erzählt, voller Schall und Raserei, ohne Bedeutung.«

Arthur Schopenhauer (1788–1860) formulierte es noch etwas drastischer: Wer sich das irdische Dasein »mit seinen stündlichen, täglichen, wöchentlichen und jährlichen, kleinen, größeren und großen Widerwärtigkeiten, mit seinen getäuschten Hoffnungen und seinen alle Berechnungen vereitelnden Unfällen« vergegenwärtige, der müsse zwangsläufig zu der Überzeugung gelangen, »dass gar nichts unseres Strebens, Treibens und Ringens wert sei, dass alle Güter nichtig seien, die Welt an allen Ecken bankrott, und das Leben ein Geschäft, das nicht die Kosten deckt«. Und so sei das Leben der meisten Menschen nichts weiter als ein »mattes Sehnen und Quälen, ein träumerisches Taumeln durch die vier Lebensalter hindurch zum Tode, unter Begleitung einer Reihe trivialer Gedanken«.

Gewiss: Nicht jeder wird die Situation des Menschen so düster beurteilen, wie es Schopenhauer, der Großmeister des philosophischen Pessimismus, getan hat. Dennoch lässt sich die fundamentale Tragik der menschlichen Existenz nicht leugnen: Das Universum, in das wir hineingeboren werden, ist offensichtlich nicht darauf ausgelegt, uns besonders angenehme Rahmenbedingungen zu bescheren. Im Gegenteil: Wir sind nicht nur – wie alle »höheren« Lebensformen auf der Erde – mit allen erdenklichen Arten des physischen und psychischen Leids konfrontiert, wir wissen zudem, dass wir diesen Übeln letztlich nicht entgehen können – wie sehr wir uns auch anstrengen mögen. Diese Ausweglosigkeit zu ertragen, ohne zu verzweifeln, ist keine Lappalie – und es grenzt fast schon an ein Wunder, dass die meisten Menschen ihr Leben trotz allem so tapfer meistern, ohne dem Irrsinn zu verfallen.

Will man ein faires Urteil über die Menschheit fällen, so darf man die besonderen Herausforderungen nicht außer Acht lassen, die das Leben an uns stellt. Denn erst vor dem Hintergrund der »kleinen, größeren und großen Widerwärtigkeiten« des Daseins, von denen Arthur Schopenhauer sprach, wird verständlich, was es bedeutet, Mensch zu sein.

 

Die Erfahrung des Absurden

Benjamin Button, als Greis geboren, wurde mit zunehmendem Alter immer jünger, bis er schließlich als 85-jähriger Säugling in den Armen seiner ehemaligen Geliebten Daisy starb. Die Handlung des amerikanischen Spielfilms Der seltsame Fall des Benjamin Button5 fasziniert gerade deshalb, weil er unseren Erfahrungen so fundamental widerspricht. Denn natürlich wissen wir, dass das Altern ein unumkehrbarer biologischer Prozess ist. Die Stationen unseres Lebens sind fest vorgegeben: Wir entwickeln uns vom Säugling zum Kleinkind, vom Kind zum Jugendlichen, vom Erwachsenen zum Greis – niemals in die entgegengesetzte Richtung.

Dass die Geschichte des Benjamin Button dennoch nachvollziehbar ist, hängt damit zusammen, dass sich die beiden Pole unseres Lebens in grotesker Weise gleichen – nicht nur, weil der Greis am Ende unter Umständen ähnlich hilflos ist wie der Säugling am Anfang, sondern auch, weil er unweigerlich auf jenen Zustand des Nichtseins zusteuert, aus dem der Säugling hervorgegangen ist: Haben wir zuvor über Jahrmilliarden noch nicht existiert, werden wir danach über Jahrmilliarden nicht mehr existieren. Der verschwindend kleine Spalt, der die beiden gewaltigen Zeiträume unserer Nichtexistenz voneinander trennt, markiert das, was wir unser Leben nennen.

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