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Wäis Kiani über das Älter werden und die Midlife-Crisis

Montag, 14. Dezember 2015 von Piper Verlag/ Wäis Kiani


Lifestyle-Expertin Wäis Kiani hat ein neues Buch geschrieben: Über die Generation 40 plus, die ständig neue Ängste und Süchte entdecken. Hier erzählt sie von der "Susi-Krise"


Die Susi-Krise

Warum Frauen keine Männer mehr brauchen und sich jetzt langweilen

Stirb Susi! So hieß der Schlachtruf, als Frauen merkten, dass sie sich neben diesen soften Frauenverstehern nicht sexy fühlen und sich den echten Mann zurückwünschten. Doch die Susis haben nicht nur überlebt, sondern sich auch rapide vermehrt und sind schuld an der Susi-Krise: Die Frauen sind attraktiv, klug, selbstbewusst und wissen, was sie wollen. Die Männer haben ihre Haare verloren, lassen sich einen Bauchansatz wachsen und brauchen gleichzeitig wieder soviel Bestätigung und devote Bewunderung wie ein Kleinkind. Da sie die gleichaltrigen Frauen weder mit ihrem Auto noch ihrem Lifestyle beeindrucken können, müssen sie auf junge Mädchen zurückgreifen — lassen es aber perfiderweise so aussehen, als wären die gleichaltrigen Frauen nicht mehr knackig genug. Wäis Kiani erklärt intelligent und humorvoll, warum auch erwachsene Frauen sich immer noch echte Männer wünschen, warum der Susi-Mann nicht ausstirbt, und warum Frauen Männer erst überflüssig machen und sich dann ohne sie zu Tode langweilen. Entlarvend, pointiert und sehr amüsant!
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Intro
Als ich im Jahr 2003 Stirb, Susi!, den Vorläufer dieses Buches, schrieb, hat niemand mit dem gerechnet, was das Buch da­mals auslöste. Ich hatte nur aufgeschrieben, worauf wir Frauen bei Männern stehen und was wir nicht wollen, weil es uns abturnt. Basiert haben meine damaligen Erkenntnisse auf meinen eigenen Erfahrungen seit der Pubertät und meinen Beobachtungen. Den No-go-Typen, das Weichei, den Softie ohne Eier, den nannte ich, nur der Abgrenzung halber: Susi. Stirb, Susi! wurde zum Schlachtruf, und die Anti-Susi, also der echte Mann, wurde als Macho deklariert. Schon war ich die Macho-Freundin und die Männerversteherin.
Jetzt sind wir zehn Jahre weiter, und plötzlich ist alles ganz anders. Wir Frauen sind älter geworden, so wie die Susis und Machos auch. Wir sind das, was man »erwachsen« nennt. Und kommen damit nicht gut zurecht. Was ist los mit den Männern? Und was ist los mit uns Frauen? Wir sind genervt von den Männern, die wir nicht mehr brauchen, um zu überleben, aber das Leben ohne Mann finden wir auch entsetzlich leer und langweilig. Und warum können wir plötzlich mit den Männern in unserem Alter nichts mehr anfangen und die nichts mit uns?
Was ist der Stand der Dinge?
Dieses Buch liefert keine Lösungen. Aber es beantwortet einige Fragen, die wir uns alle im Wandel der Zeit stellen, und es ist ein stabiler Helfer durch die Krise.
Danken möchte ich allen Männern, die mich in den letzten zehn Jahren begleitet und zu diesem Buch inspiriert haben. Ich liebe euch alle!


Wäis Kiani, Ibiza, im Juni 2015

 

 

 

#männer_brauchen

 


Seit den Siebzigerjahren ist es bei uns in Mitteleuropa modern, als Frau unabhängig zu sein. Die moderne Frau braucht keinen Mann, um ihr Leben zu meistern. »Was für eine unabhängige Frau«, wurde anerkennend geraunt, sobald es eine schaffte, ohne die Hilfe eines Mannes die Straße zu überqueren und dabei nicht überfahren zu werden. Unabhängig sein ist cool, abhängig sein das Gegenteil. Offiziell jedenfalls. Frauen sollen und wollen keine Männer mehr brauchen. Denn wer etwas braucht, ist abhängig und nicht frei.
So wurden die Kinder schon im frühen Alter möglichst gleich erzogen. Kleine Mädchen wurden in dieselben Latzhosen und Gummistiefel gesteckt wie kleine Jungen, auch wenn sie lieber Kleidchen mit weiten Röcken (in denen sie sich ganz lange drehen und dann auf den Boden werfen konnten, und dann breitete sich der Rock wie ein Fächer bei Cinderella um sie aus) und alles in Rosa wollten. In den Schulen hatten die Jungen Handarbeitsunterricht und die Mädchen Handwerken. Und was dabei passierte, war erstaunlich: Die Topflappen der Jungen waren genauso schön wie die der Mädchen, und die Jungs hatten großen Spaß am Häkeln und konnten gar nicht genug davon kriegen. Die Mädchen wünschten sich statt rosa Feenkleider mit Flügeln lieber einen soliden Handwerkskasten, den sie überallhin mitnahmen.
Nein, Spaß beiseite, so war es natürlich nicht. Die Jungs konnten die Häkelnadel kaum halten, ihre Topflappen waren wie verknotete Würste, die man nur noch dem Hund zum Zerkauen geben konnte, während sich die Mädchen bis zur letzten Stunde vor den Ferien beim Installieren einer Leuchtdiode zu Tode langweilten und verächtlich zusahen, wie die Jungs mit heraushängender Zunge an den kleinen Lampen und Drähten herummachten und am Ende laut triumphierten, wenn sie den winzigen Schalter betätigten und es blinkte.
An dieser Stelle höre ich förmlich das empörte Geschrei von Millionen Feministinnen in diesen Schuhen, die vorne breiter sind als hinten. Moment, liebe Bequemschuhträgerinnen, beruhigt euch! Es ist nicht so, dass kein Mädchen das Prinzip der Halbleiterdiode versteht, aber die meisten tun es nun einmal nicht, daran kann weder die Emanzipation noch Gott noch ein Gesetz etwas ändern. Oder sagen wir so: Die meisten tun es nicht, weil sie nicht wollen und weil sie sich für andere Dinge interessieren. Aber sie könnten, wenn sie wirklich wollten. Und die Jungen, deren Topflappen wunderschön gleichmäßig gehäkelt sind … nun, was aus denen wird, wissen wir ja. Sie werden sich vermutlich bald an eine Nähmaschine setzen und erst Kleider für ihre Muttis nähen und später Modedesigner werden. Oder sie werden zumindest ihr ganzes Leben davon träumen.
Aber Mädchen brauchen keinen Jungen, die schöne Topflappen häkeln, das können sie selbst, ihre Mutter, ihre Freundin, ihre Schwester oder die Oma besser. Sie brauchen den Typen mit dem totalen Leuchtdioden-Durchblick, der wird gebraucht. Denn in dem Moment, wo er sich über ihre Diodenplatte beugt und an dem fragilen Silberdrahtzeug herumlötet, während das heiße weiche Silber in einem dicken Tropfen vom Lötstab abfällt und sofort fest wird, sieht sie ihn an und denkt: Er hat so schöne lange braune Wimpern, so lange, dass man sie zwischen die Lippen nehmen und küssen möchte … Wenn der Junge ihr dann die Platte hinschiebt und kurz sagt: »Hier, funktioniert!«, wird sie traurig, weil er sich jetzt auf sein Bike schwingen und wegfahren wird, weg von ihr, in sein eigenes aufregendes Jungsleben. Sie geht mit ihm zu den Fahrrädern, er schließt sein schweres Abus-Stahlrohr-Bügelschloss auf, und wenn er dann endlich sagt: »Wollen wir noch irgendwo ein Eis essen?«, ist sie das glücklichste Mädchen der Welt.
Das ist auch genau der Moment, in dem der ganze Handwerksunterricht seiner wahren Bestimmung zugeführt wird: nämlich dem Zusammenführen der Geschlechter im frühen Alter.

 

 

#doppeltes_uebel

 


Frauen sind komisch. Erst mühen sie sich jahrzehntelang ab, kämpfen um ihre Rechte und um Gleichberechtigung und wollen unabhängig sein und bitte keinen Mann mehr zum Leben brauchen. Und wenn es nach vierzig Jahren Geschlechterkampf endlich so ist und sie frei und unabhängig ihr Leben genießen dürfen, ohne dass ihnen die Gesellschaft einen Mann zur Existenzsicherung abverlangt, wünschen sie sich nichts sehnlicher als … einen Mann.
Es ist natürlich so, dass sie nun nicht mehr einen Mann wollen, weil sie einen wollen müssen, sondern weil sie einfach wollen. Es ist sozusagen genetisch in ihnen verankert. Es geht um #liebe, #aufmerksamkeitssucht und #vaginalsucht. Frauen wollen einen Mann, um sich vollkommen oder wenigstens nicht komplett unvollkommen zu fühlen, um sich neben der männlichen Energie besser als Frau zu spüren und durch den Mann zu einer besseren Frau heranreifen zu können. Oder auch, weil sie nur jemanden brauchen, den sie ärgern können.
Männer dagegen brauchen keine Frau, um sich vollkommen zu fühlen. Sie erlangen das Gefühl der Vollkommenheit durch ihre Arbeit, durch #geld und durch die Macht, die sie durch ihren Status erhalten. Frauen brauchen Männer nicht mehr, weil sie deren Status oder #geld brauchen (Ausnahme: die Hochschläferin), sie sind in dieser Hinsicht unabhängig geworden. Aber durch die neue Unabhängigkeit sind auch die Ansprüche entsprechend hoch. Merke: Je unabhängiger, desto schwerer vermittelbar ist die Frau. Denn Männer träumen zwar von einer Beziehung auf #augenhöhe, können diese aber meistens nicht ertragen. Und je unabhängiger die Frau wird, desto unangenehm schlechter drauf wird sie sein, weil sie keinen finden wird, der ihren Ansprüchen gerecht wird.
Dann kommt es zu dem, was man im Volksmund »verbitterte Zitronenmöse« nennt. Al­­so ein doppeltes Übel, das alle Männer noch weiter wegtreibt: kein Mann und schlechte Laune.
Zitronenmösen sagen sich die ganze Zeit, dass sie keinen Mann brauchen. Aber sie wollen in Wahrheit nur eins: in die starken, fleischigen Arme eines Mannes sinken und sich dadurch geliebt und weiblich und unabhängig und gleichwertig fühlen. Aber das zu schaffen ist schwieriger, als einer Katze das Apportieren beizubringen. Denn starke Frauen sind sehr viel stärker als starke Männer. Schwache Frauen sind ja schon stärker als starke Männer – wie viel stärker, belastbarer, selbstbewusster ist erst die starke, unabhängige Frau?
Die Frau, die es geschafft hat, sich durchzubeißen, um in eine Position zu gelangen, in der sie ihr Leben selbst bestimmen und finanzieren kann, ist unglaublich stark geworden durch die vielen Kämpfe, die sie ausfechten und gewinnen musste, bevor sie an diesen Punkt gelangen konnte, der für jeden Mann von Geburt an ganz selbstverständlich ist.
Sobald Frauen in Entscheiderpositionen kommen, stellen sie fest, dass das auch ganz schön lästig und nervig sein kann. Entscheidungen zu treffen ist anstrengend, man muss unangeneh­­me Dinge tun wie Leute motivieren oder ihnen mehr oder weniger schonend beibringen, dass sie die Anforderungen nicht erfüllen. Man muss sich permanent neu beweisen 
und wird ständig von der Angst begleitet, das Level nicht mehr halten zu können und dann zu fallen. Und tatsächlich fällt man oft, und dann muss man damit fertigwerden. Oder da ist diese Angst, von einer Besseren/Jüngeren/Hübscheren ausgestochen zu werden. Die Angst, bloßgestellt zu werden. Vielleicht sogar von einem Mann. Hinzu kommt, dass Frauen grundsätzlich immer mehr können und auch in ihrem Job besser sein müssen als Männer, um fast genauso erfolgreich zu sein. Sie müssen sich mehr einsetzen als Männer, um fast genauso weit zu kommen, und sie müssen mehr vorweisen können, um halb so viel Respekt zu erlangen wie ein Mann in derselben Position. Von #geld gar nicht zu reden, da in höheren Positionen kaum noch jemand über sein Einkommen spricht. Fest steht: Es ist vollkommen normal, dass Männer höher dotiert werden als Frauen, sie dürfen einen größeren Geschäftswagen fahren – und sollen das bitte schön auch (er einen A4; sie einen A1, mehr verlangt sie auch nicht) –, und sie bekommen ein höheres Spesenkonto. Natürlich ist das gesetzlich nicht so festgelegt, und alle Personalchefs und alle Männer werden das abstreiten, aber in der Praxis sieht es hierzulande so aus. Dass es allein eine ernsthafte Debatte gibt, die »Lohndebatte« heißt, sagt schon alles.
Diese Angst und die Ungerechtigkeiten hauen schon im Vorfeld viele Frauen um und entmutigen sie, überhaupt den kämpferischen Weg zu gehen. Was zur Folge hat, dass in den oberen Chefetagen branchendeckend so gut wie keine Frauen zu finden sind. Hinzu kommt, dass man sich als Frau in vielen anderen Bereichen außerhalb des Jobs eben noch stärker behaupten und zusätzlich andere Kämpfe kämpfen muss, zum Beispiel:
 …  den Kampf mit Kollegen oder Vorgesetzten, die eine Frau sexuell attraktiv finden und sich die Frechheit herausnehmen, das ganz offen kundzutun. Ist die Frau so dumm, sich darauf einzulassen, wird sie bald ihren Job verlieren. Lässt sie sich nicht auf die lästigen Avancen ein und erteilt ihm eine Abfuhr, hat sie einen gefährlichen Feind in ihrer Nähe, der dafür sorgen wird, dass sie nicht weiterkommt.
 …  den Kampf der neidischen Kolleginnen, die sich selbst nichts zutrauen und es nicht ertragen, dass ihnen eine andere durch ihren Mut die fetten Früchte wegschnappt.
 …  den Kampf mit der Susi zu Hause. Die erwachsene Susi verdient immer noch nicht genug #geld, hat keinen Waschbrettbauch, fährt kein besonderes Auto und hat natürlich keine echten Eier, sondern nur vorgetäuschte. Das perfekte Opfer für machthungrige Frauen, die sich mehr als eine Susi auf einem klapprigen Fahrrad auf dem Weg zu Lidl nicht zutrauen. Entweder, weil sie sich als Frau in der realen Welt keine Machtposition zutrauen, oder weil sie es gewöhnt sind, die Hosen anzuhaben. Oder weil sie den Kampf um die Rolle desjenigen, der dominieren darf, lieben und das ständige Armdrück-Spiel mit ihrer Susi brauchen, um sich zu spüren. Wobei er dabei natürlich immer verliert, weil sie zur Not zu unlauteren Mitteln greifen. Denn a) ist er ja eine Susi und b) erträgt er nichts. Schon gar keine Kälte, Geschrei und Gezicke. Und weil er natürlich auch, wie alle Männer, eine versteckte #sexist-susi ist, wird er sich aus dem Hinterhalt mies rächen und sich einen jüngeren, anspruchsloseren und unkomplizierteren Ersatz suchen. Am Ende bleiben die Frauen wieder als Verliererinnen und allein auf der Strecke.
 …  den Kampf mit den Männern. Dieser findet nicht statt. Erwachsene Männer kämpfen nicht mit Frauen. Und schon gar nicht mit kampflustigen Frauen. Vielleicht um Frauen mit anderen Männern, aber nie mit Frauen. Und schon gar nicht darum, wer das Sagen hat, denn diese Frage stellt sich bei echten Männern gar nicht. Da gibt es keine Diskussionen, Frau ist entweder Frau, oder Frau geht und andere Frau, die das besser verstanden hat, besetzt ihre Stelle. Das ist sehr bitter, aber leider Fakt. Wenn die Frau sich am Anfang einer Bekanntschaft mit einem Mann klug verstellt, damit der Mann nicht merkt, dass sie in Wahrheit ein machthungriger Drachen ist und ihn nur bezwingen will, wird er sie, kurz nachdem sie sich selbst aus Versehen die liebliche Maske heruntergerissen und ihn Feuer speiend in eine Wolke gehüllt hat, einfach wortlos verlassen. Echte Männer haben keine Nerven und keine Energie für sinnlose Grabenkämpfe mit Frauen. Und sie sehen Frauen zudem auch nicht als bekämpfbare Gegner, weil sie meistens offene #sexist-susis sind. Frauen sind für sie eben Frauen, nicht mehr und nicht weniger. Deswegen bleibt der Traum von einer Beziehung auf #augenhöhe ab vierzig eben nur ein Traum.
 …  den Kampf zu Hause, wenn der Partner weniger erfolgreich ist als sie. Der Mann, der sich neben seiner erfolgreicheren, strahlenderen Frau klein fühlt, greift gern zu unlauteren Methoden, um sich besser zu fühlen. Er quält sie. Und womit kann er sie am besten quälen? Indem er ihre #aufmerksamkeitssucht ausnutzt und sie ignoriert oder zusätzlich eine andere liebt. Quälen und entwürdigen. Das hat Prince Charles mit Lady Diana so gemacht und Ethan Hawke mit Uma Thurman. Und es wird auch jeder andere Mann so tun.
 …  den Kampf mit den Kindern, sofern vorhanden. Karrieremütter müssen sich ständig von Lehrern, Schulleitern und BILD-Kolumnisten vorhalten lassen, dass sie ihre Kinder nicht ausreichend bemuttern.
 …  den Kampf, als Frau gut auszusehen und einen Mann zu finden, der sich das ansieht, da dies allein ihren Wert ausmacht.
 …  den Kampf, sich ständig dafür rechtfertigen zu müssen, keine Kinder zu wollen und keine Ehe zu führen. Eine Frau die keine Familie gründen möchte, sich für Kinder und Ehe nicht interessiert, aber ansonsten vollkommen in Ordnung ist – attraktiv, gesund und glücklich –, ist verdächtig und nicht normal. So modern ist unsere Gesellschaft.
Ja, viele Kämpfe sind das, im täglichen Leben sind es sogar noch viel mehr. It’s a long way to go!

Im Herbst 2015 war in München die Vernissage für mein neues Buch «Die Susi-Krise». Es ist mein viertes Buch und auch mein schwierigstes. Es gibt einen Vorläufer, von dem Sie vielleicht gehört haben: «Stirb, Susi!» war mein erstes Werk und ein sehr grosser Erfolg in Deutschland und auch in der Schweiz.


Ich beschrieb darin den Überdruss der Frauen über die sogenannten Softies, dass die Generation meiner Mütter, die in den 1960er-Jahren besonders emanzipiert sein wollten, ihre Söhne zu Frauenverstehern erzogen und ihnen jegliche Macho-Allüren aberzogen hatten. Und uns Frauen damit einen Haufen Weicheier schenkten. Was zur Folge hatte, dass Frauen sich neben den Softies nicht länger weiblich und sexy fühlen konnten und dadurch immer dominanter und herrischer wurden. Was die weichen Männer zusätzlich schwächte und ängstigte. Ein Teufelskreis!

«Stirb, Susi!» startete vor knapp zehn Jahren die grosse Macho-Debatte und gleichzeitig meine Karriere als Autorin, sehr angenehm. Dann kam vor zwei Jahren das Angebot, eine Fortsetzung zu schreiben: sozusagen «Stirb, Susi!» Reloaded. Ich sass damals gerade in der mallorquinischen Pampa, steckte mitten in meiner zweiten grossen Lebenskrise und hatte zu nichts weniger Lust, als an einem Buch zu schreiben. Meine Lebenskrise äusserte sich nämlich darin, dass ich das Ende des Amüsements akzeptieren musste – und gleichzeitig auch beruflich übersättigt war. Und mich in der Folge auf meine nicht so einsame Insel Mallorca zurückgezogen hatte, um allen und allem den Rücken zu kehren. Ich wollte nur noch meine Ruhe haben, tat also rein gar nichts, schaute aufs Meer und redete mit einer Siamkatze aus der Nachbarschaft. Und als ich anfing zu versuchen, ein Buch daraus zu machen, funktionierte es überhaupt nicht. Ich wusste ja nicht, dass ich in einer Krise war.

Aber keine Angst, mein neues Buch handelt überhaupt nicht von mir. Denn irgendwann kam ich zur – für mich erleichternden – Erkenntnis, dass alle anderen meines Alters, also vierzig plus bis fünfzig, auch in irgendwelchen Krisen stecken, Ängste haben und nicht wissen, wie sich ihr Leben weiter gestalten soll, wenn man schon älter, aber noch nicht uralt ist. Und genau darum geht es in der Susi-Krise.

Denn mir und andern Vierzig-Plusern bleibt nichts anderes übrig, als zu akzeptieren, dass sich unser Leben jetzt ändern wird und ändern muss. Nicht etwa, weil es von uns erwartet wird, sondern weil die meisten Dinge, über die wir uns ein Leben definiert haben, entweder keinen Spass oder keinen Sinn mehr machen. Alles Bisherige ist plötzlich nichtig, und es gibt nichts Neues. Und ich meinerseits merkte: Je intensiver und länger man jung war – oder besser gesagt so gelebt hat wie ein Jugendlicher –, desto härter wird der Absturz. Ausser man geht nach Berlin, in die einzige Stadt der Welt, in der Fünfzigjährige denselben Lebensstil haben wie woanders 25-Jährige und dem Hedonismus frönen, als gäbe es kein Morgen.

Ich verliess die Insel, kehrte zurück in die Zivilisation, begann die Kolumne für das SonntagsBlick Magazin zu schreiben, traf Männer, traf Frauen und merkte: Wir sitzen alle mehr oder weniger im selben Boot, egal ob verheiratet oder Single, mit kleinen oder grossen Kindern oder ohne. Alle haben ihre Probleme, und die meisten haben mit dem anderen Geschlecht zu tun, mit Erfolg, Geld und Körperlichkeiten. Denn alle stehen irgendwann vor dem Spiegel und müssen sehen: Es verändert sich etwas gravierend. Und das macht ihnen, mir, uns Angst. Also fing ich an, meine Freunde und Mitmenschen zu beobachten und diese Beobachtungen zu bündeln.

Die grossen Ängste sind: Kontrollverlustangst, Kalorienangst, Existenzangst, Angst vor Impotenz, Angst vor dem Ende der Welt, Altersangst, Angst vor Krankheiten, Angst vor der sexuellen Zukunft, Angst vor dem Tod. Kommt ihnen eine davon bekannt vor? Oder alle? Nun, dann kennen Sie sicher auch die vielen Süchte, die nur entstehen, um die Ängste zu bekämpfen. Ich nenne ein paar, auf die ich während meiner Feldforschungen zur «Susi-Krise» gestossen bin: Alterssexsucht, Kaufsucht, Alkoholsucht, (digitale) Aufmerksamkeitssucht, Health-Food-Sucht, Detoxsucht, Vaginalsucht, Food-Intolerance-Sucht, Aufspritzsucht (beim Dermatologen), Fitnesssucht, Kontrollsucht, Arbeitssucht. Die Liste ist lang.

Sie sehen, die Lage ist kompliziert. Darüber hinaus scheint in meiner Generation ein Beziehungszyklus zu Ende zu gehen, denn fast täglich werden Trennungen und Scheidungen bekanntgegeben. Was zur Folge hat, dass es noch nie so viele 40-plus-Daters gab. Dank Tinder und Digitaldating haben alle zwischen Pilates, Gym, Dermatologe und Kunstvernissagen die Hände voll zu tun, das reichhaltige Angebot auf dem Markt aufzustöbern und zu testen. Und während der Nachwuchs gerade vom Ex-Partner gehütet wird, stürmen sie freudig die nächste, möglichst kinderlose Bude.

Darüber lesen Sie in meinem neuen Buch. Lesen Sie es, wenn Sie zwischen dreißig und sechzig sind. Lesen Sie es, wenn Sie in der Krise stecken, eine Krise hinter sich haben oder gerade vor sich. Lesen Sie es, wenn Sie sich bei allem langweilen, Ihnen Ihr Leben zum Halse heraushängt, Sie sich nach einem Abenteuer sehnen oder wenn Sie ein disziplinierter Workaholic sind. Lesen Sie es, wenn Ihr Mann Sie wegen einer Jüngeren verlassen hat oder wenn Sie gerne Ihren Mann wegen eines Jüngeren verlassen würden. Lesen Sie es auch, wenn die Mutter Ihrer Kinder Ihnen nach Jahren immer noch die Laune verdirbt und die Neue ständig nach Geld fragt. Und auch, wenn Sie Angst haben, sich nie wieder sexy zu fühlen oder sich nie wieder richtig zu verlieben. Wenn Sie sich nach Romantik sehnen, nach Sicherheit oder nur nach Sex.

Sie werden sich in jedem Fall wiederfinden, das verspreche ich Ihnen, und auch Ihre Frau, Ihre Ex-Frau, Ihre Ex-Freundin. Ihre Kinder und Ihren Zukünftigen. Ich habe die «Susi-Krise» nicht als Helfer durch die Krise geschrieben, sondern als eine Reflexion dessen, was wir auf der Schwelle zum Erwachsenwerden erleben. Ich freue mich darauf zu hören, wie Sie mein Buch finden.

«Sind Menschen älter, aber noch nicht uralt, fehlt es ihnen an tauglichen Ideen, wie das Leben weitergehen soll. Mir ging es genauso»

Der Artikel ist ursprünglich bei SonntagsBlick erschienen.

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