„Tulpen für den Kommissar“ ein LandIDEE-Krimi von Susanne Mischke
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„Tulpen für den Kommissar“ ein LandIDEE-Krimi von Susanne Mischke

Für ihre begeisterten Krimi-Leser hat die Autorin Susanne Mischke noch ein besonderes Extra: einen Kurzkrimi, der Lust auf noch mehr Bücher von ihm macht!

Mittwoch, 19. November 2014 von


Tulpen für den Kommissar 
Die Morgensonne blinzelt durch die Gardinen und scheint Hauptkommissar Bodo Völxen ins Gesicht. Es ist Samstag, er könnte ausschlafen, aber er hat einen fürchterlichen Brand. Gestern war das Sommerfest der freiwilligen Feuerwehr, ein Pflichttermin für alle Dorfbewohner, auch für ihn und seine Frau Sabine.  Brummschädelig und etwas kreuzlahm quält er sich die Treppen hinunter und begrüßt den Terrier Oscar, ehe er sich an den Wasserhahn hängt. Schon besser. 
Wie jeden Morgen führt ihn sein erster Gang durch den Garten, der dieses Jahr besonders schön ist, hinüber zur Schafweide. Die Taschen seines Bademantels sind mit Zwieback gefüllt. Unterwegs erleichtert er sich hinter dem Holzschuppen, während Oscar sein Bein an der Regentonne hebt. Auch das gehört zum Morgenritual, doch danach ist plötzlich nichts mehr so wie sonst. Denn als Völxen an der Weide ankommt, steht das Gatter weit offen. Die Schafe haben sich nicht, wie üblich, unter dem Apfelbaum zusammengerottet und sie sind auch nicht im Schafstall. Sie sind weg! Völxen fühlt sich wie vom Blitz getroffen. Hat jemand nachts das Gatter geöffnet? Irren die vier Schafe und Amadeus, der Bock, jetzt im Dorf herum oder, Gott bewahre, auf der Bundesstraße? Panik ergreift ihn, als er plötzlich ein Stück Papier bemerkt, das jemand mit einer Wäscheklammer an den Zaun geheftet hat. Darauf steht eine Handynummer. Sonst nichts. 
So schnell ihn seine Gummistiefel tragen rennt Völxen zurück ins Haus, sucht sein Telefon, wählt die Nummer. „Ja?“ Eine Frauenstimme. 
„Wer sind Sie, wo sind meine Schafe?“
„Wer ich bin, tut nichts zur Sache“, sagt die fremde Stimme. Es scheint eine jüngere Frau zu sein. „Ihren Schafen geht es gut, und Sie bekommen sie zurück, wenn Sie etwas für mich tun.“
„Wie bitte?“
„Es geht um den Überfall auf die Postagentur, letzte Woche. Der, den die Polizei festgenommen hat, ist unschuldig! Ich möchte, dass Sie das beweisen und den wahren Täter finden.“
„Hören Sie mal, junge Frau!“, bellt Völxen in den Hörer. „Ich bin Leiter der Mordkommission und nicht für solche Lappalien …“ Aufgelegt. Völxen flucht, der Terrier verdrückt sich mit angelegten Ohren unter den Küchentisch.
„Was ist denn los?“, fragt Sabine, die leicht verkatert im Türrahmen steht. 
„Was los ist? Jemand hat unsere Schafe entführt!“

Etwa fünfzehn Kilometer weiter nördlich, in einer großen Altbauwohnung in Hannover-Linden, klingelt das Handy von Fernando Rodriguez und reißt ihn aus einem frivolen Traum, in dem seine Kollegin Jule Wedekin eine tragende Rolle spielte. Noch halb im Schlaf nimmt er das Gespräch an. Völxen? Am Samstagmorgen um … halb acht! Sein Chef klingt aufgelöst, faselt etwas von entführten Schafen und einer Handynummer, die er, Fernando, sofort überprüfen soll. 
„Moment!“ Fernando steigt aus dem Bett, taumelt zur Tür und ruft: „Mama! Bring mir sofort einen Stift und Papier!“
„Bin ich dein Dienstmädchen?“, tönt es widerspenstig aus der Küche.
„Es ist der comisario, es ist wichtig!“
„El comisario?“ Schon ist Pedra Rodriguez zur Stelle und reicht ihrem Sohn Block und Kuli. „Was ist denn passiert, wieder ein grässlicher Mord?“
„Sei doch mal still, ich hör ja sonst nichts“, zischt Fernando, während er die Nummer notiert. „Ja, ich kümmere mich darum. – Ja, sofort! – Ehrlich! Ich ruf dich an.“ Er legt auf. „Herrgott noch mal, der und seine verdammten Schafe!“
„Nando! Fluch nicht!“ Pedra Rodriguez bekreuzigt sich und funkelt ihren Sohn böse an. „Denk daran, du hast es dem comisario zu verdanken, dass du als Junge nicht auf die schiefe Bahn …“ Aber Fernando, der diese Leier schon tausendmal gehört hat, knallt ihr die Tür vor der Nase zu. 

„Wenn ich nur wüsste, wie ich heute noch an die Fallakte rankomme“, jammert Völxen, während er ruhelos in der Küche auf und ab tigert. 
„Wozu brauchst du denn eine Fallakte? Frag doch einfach deine Ehefrau!“ Sabine Völxen reicht ihm einen Becher Kaffee und befiehlt ihm, sich hinzusetzen und sich zu beruhigen.
Da ihm im Augenblick auch nichts anderes übrig bleibt, leistet Völxen Gehorsam. 
„Vergangenen Dienstag wurde die Postagentur im Nachbarort überfallen. Du weißt schon, der Schreibwarenladen, der den ganzen Krimskrams führt, den kein Mensch braucht. Diese Agenturen haben meist keinerlei Sicherheitsvorkehrungen, und doch müssen sie Bargeld …“
„Ja, ja, und weiter“, knurrt Völxen gereizt. 
„Die Beute betrug ungefähr neuntausend Euro. Am Donnerstag wurde ein junger Mann verhaftet. Es gab zwei Zeugen. Ein älterer Mann, der gegenüber wohnt und ihn aus dem Laden rennen sah, hat ihn wohl zweifelsfrei anhand der Verbrecherkartei identifiziert. Sein Name ist Buchholz, er war früher der Sargtischler im Dorf.“ 
Völxen nimmt sich vor, seine Kollegin Jule anzurufen und sie zu bitten, dem Herrn einen Besuch abzustatten. 
„Die andere Zeugin ist Frau Lambert, unsere Gärtnerin“, fährt Sabine fort. „Die war dort einkaufen, als es passierte. Sie konnte allerdings nicht viel sehen, weil der Mann eine Maske trug.“
„Was ist mit der Inhaberin des Ladens?“, will Völxen wissen.
„Die hat einen Schock und erinnert sich an gar nichts.“
„Weißt du auch, wer verhaftet wurde?“
„Ja, der Autoschrauber-Alex. Alexander Kreipe. Er hat als Jugendlicher Tankstellen und Kioske überfallen und später eine Filiale der Volksbank. Dafür hat er drei Jahre gesessen. Vor zwei Jahren hat er geheiratet. Er hat einen festen Job in einer Autowerkstatt und eine einjährige Tochter. Es wäre tragisch, wenn er rückfällig geworden wäre.“ Sabine Völxen ist fertig und schaut ihren Mann triumphierend an. „Na, wie war ich?“
„Ich wusste gar nicht, dass du so eine Dorftratsche bist!“
Ehe Sabine ihm sagen kann, was er sie mal könne, klingelt Völxens Handy. 
Es ist Fernando. „Die Nummer gehört zu einer Julia Kreipe, zweiunddreißig, sie wohnt in eurem Kaff, Hinter der Kirche 2. Kann ich jetzt wieder ins Bett?“
„Nein. Finde heraus, ob es in ihrer Verwandtschaft jemanden gibt, der was mit Landwirtschaft zu tun hat.“ Er legt auf und sagt zu Sabine: „Es muss jemand getan haben, der vom Fach ist. Um fünf Schafe zu entführen braucht man einen Transporter, eine Rampe … und außerdem ist mit Amadeus nicht zu spaßen.“
„Wem sagst du das?“, seufzt Sabine. 

„Wissen Sie, ich stand zufällig am Wohnzimmerfenster, weil ich die Blumen gegossen habe. Da sehe ich den Typen aus dem Laden rennen, als wäre der Teufel hinter ihm her. Schnäpschen gefällig, junge Frau?“ Schon pirscht sich der Zeuge Helmut Buchholz, achtundsiebzig Jahre alt und verwitwet, heran, in der einen Hand eine Flasche Doppelkorn, in der anderen zwei Gläser. 
„Aber gern doch“, sagt Kommissarin Jule Wedekin. „Es ist ja schon ... zehn Uhr.“
Seine Hände zittern beim Eingießen, sodass die Hälfte auf dem klebrigen Linoleum landet. „Prösterchen!“ Der Alte hebt sein Glas. Seiner Ausdünstung nach ist es nicht der erste Kurze dieses jungen Tages „Nicht lang schnacken, Kopf in‘ Nacken!“
Was sein muss, muss sein, denkt Jule und kippt den Schnaps hinunter. „Herr Buchholz, es hieß, der Täter habe eine Maske getragen. Wo war die denn, als er den Laden verließ?“
„Jedenfalls nicht mehr auf seinem Kopf. Wie hätte ich den Alex, diesen Tunichtgut, denn sonst erkennen können?“
„Stimmt auch wieder“, räumt Jule ein. „Wo lief der noch mal lang?“
„Genau hier, vor der Bushaltestelle, rannte er über die Straße.“ 
„Sie meinen dort, wo gerade der Mann mit der Aktentasche steht?“
Der Alte späht mit zusammengekniffenen Augen durch die staubige Fensterscheibe. „Ja. Dort, wo der Mann steht.“
Jule betrachtet die junge Frau mit dem Schäferhund, die als einzige Person an der Bushaltestelle wartet. 
„Noch ‘nen Kurzen, Frau Kommissarin? Auf einem Bein steht es sich so schlecht.“

Julia Kreipe ist in Tränen aufgelöst. Das mit den Schafen tue ihr leid, es sei eine Verzweiflungstat gewesen. „Der Alex, mein Mann, hat nichts mit dem Überfall zu tun! Aber er hat halt früher viel Scheiß gebaut, und wenn die dem das anhängen, sieht der unsere Sophie erst wieder, wenn sie eingeschult wird.“ 
Die Kleine sitzt auf einer Decke und nagt sabbernd an einem Stofftier. 
„Und wieso ich? Wieso meine Schafe?“
„Weil Sie der Beste sind. Das erzählt man sich zumindest im Dorf.“ 
Völxen fühlt sich wider Willen ein wenig gebauchpinselt. „Nun ja … Ich nehme an, meine Schafe sind auf dem Biobauernhof Ihres Onkels in der Wedemark?“
Die zarte Blondine zuckt zusammen. „Woher wissen Sie das?“
„Ich bin der Beste, bekanntlich“, versetzt Völxen. „Gnade Ihnen Gott, wenn sie traumatisiert sind!“ Anschließend rät Völxen der Frau, den Anwalt ihres Mannes zu bitten, die Sehkraft des Zeugen Buchholz amtsärztlich untersuchen zu lassen. „Danach ist der Staatsanwalt diesen Zeugen los“, prophezeit er.
„Was ist mit der anderen Zeugin?“
„Die übernehme ich“, antwortet Völxen und steht auf. Als sie ihn zur Tür bringt, bemerkt er, dass sie ein wenig hinkt. „War das …“
„Ihr Schafbock. Ein hinterlistiges Biest! Wollen Sie den wirklich zurückhaben?“

Seit Ulla Lampert den Garten der Völxens unter ihren Fittichen hat, grünt und blüht es schöner denn je. Sie und der Hauptkommissar sind etwa gleichalt und haben sich immer gut verstanden. Aber nun, da Völxen die Frau in deren eigenem Garten antrifft, schaltet sie auf stur. Nein, sie habe den Täter in der Postagentur nicht erkannt. Dass Alex Kreipe entlastet sei, freue sie, aber sie könne Völxen nicht mehr sagen, als dass der Täter mittelgroß, von mittlerer Statur und mittelblond gewesen sei.
„Und seine Stimme?“, fragt Völxen. 
„Die war … normal.“
„Ich glaube Ihnen nicht“, bekennt Völxen rundheraus. „Ich glaube vielmehr, Sie haben aus irgendeinem Grund Angst, mir die Wahrheit zu sagen.“
Da irre er sich, behauptet die Gärtnerin. 
Völxen schüttelt enttäuscht den Kopf. „Schade“, verabschiedet er sich. „Dass Sie einen Straftäter decken, hätte ich nicht von Ihnen gedacht.“
  
In den folgenden Wochen kommt es Völxen so vor, als ginge ihm die Gärtnerin aus dem Weg. Schließlich lässt der Hauptkommissar die Sache auf sich beruhen. Was soll er auch tun? Es ist nicht sein Fall, die Schafe sind heil zurück, die Anklage gegen Alex Kreipe wurde fallen gelassen und vom Biohof in der Wedemark kommt ein intensiv duftendes Paket mit einem großen Laib Ziegenkäse darin.
An Weihnachten erreicht Sabine und Bodo Völxen eine Ansichtskarte aus Schottland: eine grüne Wiese mit einer Schafherde, dahinter erstreckt sich der Ozean. Grüße von Ulla Lampert.
„Ist sie ausgewandert?“, erkundigt sich Völxen. 
„Ja. Ullas Tochter hat als Hostess auf der Messe Eurotier gejobbt und dort einen Schaffarmer von den Orkney Islands kennengelernt. Jetzt sind Mutter und Tochter dort hingezogen.“
„War die Tochter nicht mit einem Kerl aus Bothfeld verheiratet?“  
„Ja, war. Ihr Ex scheint ein übler Typ zu sein. Auch gewalttätig, Ulla hat nie gern darüber gesprochen.“

An einem sonnigen Morgen im März, steht Völxen auf dem Balkon vor dem Schlafzimmer und inspiziert den Garten. Die ersten Tulpen spitzeln hervor. Plötzlich brüllt er: „Sabine!“
Erschrocken kommt seine Frau die Treppe heraufgerannt. „Was ist?“
„Hast du einen Liebhaber?“
„Wie bitte?“
„Wer hat die Tulpen hinterm Haus gesetzt?“
„Ulla Lampert, im vergangenen Herbst. Was stellst du für idiotische Fragen?“
Völxen weist stumm nach unten. Beide starren ins Beet, wo die knospenden Tulpen ein Muster bilden. Nein, es sind Buchstaben: Paul.
„Das ist Ullas Ex-Schwiegersohn“, fällt Sabine ein. „Aber wieso …?“
Völxen grinst und sagt: „Mein Schatz, wie wär‘s, wenn wir Ostern auf die Orkneys fahren würden? Meer, Wind und Schafe ... Und ich könnte dort eine Zeugenaussage aufnehmen.“


Blick ins Buch
Einen Tod musst du sterbenEinen Tod musst du sterben

Kriminalroman

Im Schwarzen Moor bei Hannover machen Jäger einen schrecklichen Fund: Inmitten der düsteren Landschaft liegt die grausam zugerichtete Leiche eines Mannes. Dem Toten wurde das Herz aus dem Leib gerissen. Kommissar Bodo Völxen stößt bei den Ermittlungen schon bald an seine Grenzen. Denn erste Spuren führen zu einer Gruppe von Tierschutzaktivisten, der auch seine Tochter Wanda angehört. Kann er gegen seine eigene Tochter ermitteln? Und weshalb hält sich die Witwe des Verstorbenen in ihren Aussagen so bedeckt?
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Krimis von Susanne Mischke

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