Tripods | Vorwort von Kai Meyer
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John Christophers »Tripods«

Die Kultserie einer ganzen Generation.

Dienstag, 12. Januar 2016 von Piper Verlag


In Buch und Film begeistert die Kultserie von John Christopher bis heute Fans auf der ganzen Welt, so auch Bestsellerautor Kai Meyer:

 

Als noch kein Mensch von All-Age-Literatur sprach, schrieb John Christopher genau das: die perfekte Trilogie für Jung und Alt, phantastisch, unheimlich und irre spannend. Toll, dass es endlich eine Neuausgabe gibt!

Das Beste an der Kindheit – dachte ich als Kind – sind die Geschenke.
Bei mir gab es Bücher. Berge von Büchern.
Die meisten habe ich nie gelesen. »Onkel Toms Hütte«? »Robinson Crusoe«? Irgendein Techniklexikon »ab 6«? Besten Dank und ab ins Regal damit. Spannend fand ich nur Indianer. Darum flog auch das blaue Buch mit dem merkwürdigen Titelbild auf den Stapel all der eingestaubten Präsente, für die man eher artig als begeistert Danke sagt.


Dann kamen die Sommerferien ’77, mir gingen die »Yps«-Hefter aus, die Indianerbücher sowieso. Und da lag »Dreibeinige Monster auf Erdkurs«. Es sollten noch ein paar Monate vergehen, ehe mir der »Krieg der Sterne« die Wild-West-Flausen austreiben würde. Aber Außerirdische kannte ich aus dem Fernsehen und Monster schienen mir per se gar nicht uninteressant. Nur »dreibeinig« klang ein bisschen nach Kinderkram. Warum nicht »menschenfressend«? Oder wenigstens »Todesmonster«? Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe zwei Anläufe gebraucht, ehe John Christophers Trilogie endlich zu meinem Lieblingsbuch wurde. Heute würde ich gern behaupten, der Grund hierfür sei gewesen, dass ich bei einem solchen Titel nicht mit dem eher beschaulichen Anfang auf dem Lande gerechnet hatte. Die Wahrheit aber ist: Die Vorstellung der Apokalypse, die der Landstreicher Ozymandias in seinem Bericht im zweiten Kapitel heraufbeschwört, war mir eine gute Portion zu unheimlich. Vielleicht ging es nur mir so, wahrscheinlich aber auch einer ganzen Menge anderer Kinder jener Zeit: Der Weltuntergang schien damals nie besonders weit entfernt, man hörte von schrecklichen Bomben und von russischen Finsterlingen. Gut und Böse waren haarscharf umrissen uns ich als Kind hätte mir eher einen eigenen Bunker unter dem Haus gewünscht als ein neues Auto.


Beim zweiten Versuch aber hatte mich die Geschichte endlich am Haken. Ich weiß noch, dass ich damals kein anderes Buch so spannend und aufregend fand. Ich quengelte, bis man mir auch den zweiten und dritten Band kaufte und ich endlich erfuhr, wie das Abenteuer ausging. Die Ereignisse in der Stadt aus Gold und Blei, die finale Schlacht – all das war so unendlich aufregender und vor allem fremdartiger als jede Geschichte um Cowboys und Indianer. Der berühmte sense of wonder, wie ihn nur Fantasy und Science Fiction heraufbeschwören können, hat mich damals zum ersten Mal mit voller Breitseite erwischt.


Später gab es andere Lieblingsbücher – »Der Herr der Ringe« – und andere Science-Fiction-Geschichten – »Star Wars« –, die mich stärker beeindruckt haben. Auch hat John Christopher das Genre nicht neu erfunden (es gibt unter Fans eine lange Diskussion darüber, ob die Trilogie nicht eine Art inoffizielle Fortsetzung von H.G. Welles‘ »Krieg der Welten«, ist). Aber es bleibt die Tatsache, dass dies die ersten Romane waren, die mich völlig in eine andere Welt gezogen haben. Und die Bilder in mir heraufbeschworen, die ich bis heute nicht losgeworden bin.

Als ich Jahre später selbst damit begann, Fantasygeschichten zu schreiben, war das mein erstes Ziel: Panoramen des Phantastischen, Eindrücke des Wunderbaren zu erschaffen, die sich in den Köpfen festsetzen. Auch dann noch, wenn Kinder längst Erwachsene sind. Landschaften und Orte, die in der Erinnerung real bleiben; Situationen, die einem vorkommen, als habe man sie selbst erlebt (und ich war in der Stadt der Monster, keine Frage); Kreaturen, deren Riesenschritte auch dann noch im Hinterkopf hallen, wenn die Bücher längst abgegriffen in den Schränken und Kisten liegen.
John Christopher war der Erste, der mir gezeigt hat, wie das geht. Und zweifellos einer der Besten.

Kai Meyer

Science Fiction

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