Tom Douglas im Portrait
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Der Ermittler aus »Spur des Schweigens«

Tom Douglas im Portrait

Montag, 11. Mai 2015 von Piper Verlag


Tom Douglas ermittelt wieder!

Detective Chief Inspector Tom Douglas aus Rachel Abbotts Krimi »Hintergangen« ermittelt wieder. In »Spur des Schweigens« untersucht er das Verschwinden von Olivia Brookes. Sie und ihre Kinder scheinen spurlos abgetaucht, selbst alle Familienfotos fehlen. Viele Ungereimtheiten machen DCI Douglas das Leben schwer, doch der hartnäckige Ermittler gibt nicht auf ...

Lernen Sie hier die private Seite des Ermittlers kennen!

Rachel Abbott (hier rechts) ist geboren und aufgewachsen in Manchester. Seit 2005 lebt die freiberufliche Webdesignerin und Autorin unter anderem auf der französischen Kanalinsel Alderney.

STECKBRIEF Tom Douglas

Geburtsdatum und -ort

02.12.1969, St Mary’s Hospital, Manchester

Universitätsabschluss

Jura-Diplom an der Durham University

Karriere

1991 – Erster Job bei der Greater Manchester Police
1994 – Beförderung zum Inspector
1999 – Beförderung zum Chief Inspector
2008 – Neuer Job bei der Metropolitan Police London
2011 – Nach einer kurzen Auszeit fängt er wieder bei der Greater Manchester Police an

Aussehen

Tom ist etwa 1,80 groß und hat kurze dunkelblonde Haare. Er hat breite Schultern, und wenn er nicht aufpasst, bekommt er schnell ein Bäuchlein. Er versucht – nicht allzu hart – dagegen anzukämpfen.
Er trägt ungern Anzüge, kommt bei der Arbeit aber manchmal nicht darum herum. Er bevorzugt eine schwarze Lederjacke und dunkle Jeans.

Privatleben

Tom Douglas ist in einem Arbeiterviertel in Manchester bei Vater und Mutter aufgewachsen, die beide bereits verstorben sind.
Er hatte einen älteren Bruder, Jack, der bei einem Speedbootunfall auf tragische Weise ums Leben kam. Mit seiner Computer-Sicherheits-Firma hatte er ein Vermögen gemacht, dass er seinem Bruder Tom vermacht hat.
Im Jahr 2000 hat er Kate geheiratet, die gemeinsame Tochter Lucy wurde im September 2003 geboren. 2007 haben sie sich scheiden lassen.
Jetzt hat Tom eine Beziehung mit Leonora (Leo) Harris. Sie treffen sich schon seit einiger Zeit, aber seit Kurzem scheint es etwas Ernsthaftes zu werden.

Wohnort

Tom lebt in Manchester in einer großen Altbau-Doppelhaushälfte in einem schicken Vorort.
Er besitzt außerdem ein Häuschen in Cheshire, das er als Wochenendhaus nutzt.

Autos

Tom ist ein Autoliebhaber. Als Dienstwagen fährt er einen drei Jahre alten BMW Saloon, privat fährt er einen Lexus Sportwagen. Seine Tochter Lucy liebt es, wenn sie mit offenem Dach fahren. Wenn er in Cheshire ist, bevorzugt er einen alten Land Rover.

Hobbys

Tom liebt Sport – vor allem im Fernsehen – und er hat einen vielseitigen Musikgeschmack. Er hört alles von Natalie Merchant bis Elbow.
Seine Lieblingsbeschäftigung aber ist das Kochen. Vor allem liebt die indische Küche – all die besonderen Gewürze zu kaufen und köstliche mehrgängige Menüs zu kreieren. Er hasst indische Imbissbuden.
Zwar trinkt Tom etwas mehr als er sollte, lebt aber grundsätzlich gesund. Am liebsten trinkt er Rotwein, gelegentlich genehmigt er sich auch einen Whisky.
Bier hat Tom immer mit Jack getrunken. Seit es diese gemeinsamen Abende nicht mehr gibt, trinkt er lieber was anderes.
Als Wochenend-Papa verbringt er so viel Zeit wie möglich mit seiner Tochter Lucy. Ihm graut vor der Zeit, wenn sie alt genug ist, um zu Konzerten zu gehen. Denn sie will unbedingt One Direction sehen!

Blick ins Buch
Spur des SchweigensSpur des Schweigens

Kriminalroman

Olivia Brookes und ihre Kinder sind verschwunden. Spurlos. Handtasche, Handy, Kleidung und Spielsachen sind noch im Haus, doch seltsamerweise fehlen alle Fotos der Vermissten. Inspector Tom Douglas beschäftigt dabei besonders, dass er in einem früheren Fall schon einmal mit Olivia zu tun hatte. Damals waren es ihr Ehemann Robert und die Kinder, die für kurze Zeit unauffindbar waren ...
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PROLOG

Mit einem Lächeln auf den Lippen verließ das Mädchen den lärmerfüllten Pub. Während sie sich gegen die schwere Tür stemmte, bis ein Schwall eiskalter Luft hereinwehte, hatte sie Stimmengewirr und Gelächter in den Ohren. Sie drehte sich um und rief denen, die zufällig in ihre Richtung schauten, ein »  Tschüss  !  « zu. Einige Arme hoben sich, um ihr zum Abschied zuzuwinken, doch die meisten waren damit beschäftigt, ihre Biergläser zu leeren oder die Umstehenden, wild gestikulierend, mit dem neuesten Tratsch zu unterhalten.

Die Tür fiel krachend hinter ihr ins Schloss und trennte das Mädchen abrupt von dem warmen gelben Licht und dem ausgelassenen Geräuschpegel der jungen Kneipengäste. Dunkle Nacht senkte sich über sie. Die plötzliche Stille fühlte sich fast an wie ein Schlag. Einen Moment blieb sie reglos stehen.

Sie erschauderte in der dieses Jahr früh hereingebrochenen winterlichen Kälte, wickelte sich den Schal fester um den Hals und schlang sich die Arme um den Oberkörper, um sich zu wärmen. Sie musste endlich einen Mantel finden, der ihr so gut gefiel, dass sie ihn auch abends zum Ausgehen anziehen würde. Schmunzelnd über ihre Eitelkeit, hielt sie sich vor Augen, dass es bis nach Hause nur eine Viertelstunde Fußmarsch war. Wenn sie schnell genug ging, würde ihr schon warm werden.

Die nächtliche Stille wurde kurz unterbrochen, als die Tür des Pubs erneut aufflog. Von drinnen fiel bernsteinfarbenes Licht auf die feuchten Pflastersteine. Trotz der lauten Musik, die aus der Kneipe hallte, glaubte sie zu hören, dass jemand ihren Namen rief. Doch dann knallte die Tür wieder zu, und es wurde ruhig.

Die wenigen Leute, die in diesem Teil von Manchester noch draußen unterwegs waren, hasteten vorbei und verschwanden auf dem Weg nach Hause in den Seitenstraßen. Offenbar hielten das schauderhafte Wetter und der frühe Kälteeinbruch die Menschen heute im Haus, was nur allzu verständlich war.

Ein paar Meter vor ihr blieb ein Pärchen stehen und küsste sich. Das Mädchen legte dem Jungen die Arme um den Hals und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihren ganzen Körper an ihn schmiegen zu können. Die Nacht fühlte sich gleich viel wärmer an. Lächelnd betrachtete das Mädchen die beiden und dachte daran, wie wundervoll es war, verliebt zu sein. Sie war erst vor Kurzem mit ihrem Freund zusammengezogen. Noch nie zuvor war sie so glücklich gewesen.

Als sie die Kreuzung an der Hauptstraße erreichte, wartete sie am Fußgängerüberweg. Obwohl im Moment kaum Verkehr herrschte, musste man hier, auf einer der wichtigsten Zufahrtsstraßen nach Manchester und wieder hinaus, stets mit Autos rechnen.

Sobald der Weg frei war, hastete das Mädchen weiter in Richtung der ruhigeren Straßen auf der anderen Seite, abseits der Studentenheime und der modernen Wohnhäuser. Sie war begeistert gewesen, dass sie die Wohnung in einem alten viktorianischen Gebäude ergattert hatten. Das gesamte Erdgeschoss gehörte ihnen. Es musste zwar noch einiges getan werden, aber sie arbeiteten daran. Und das Beste war, dass das Haus in einer reizenden, friedlichen, von Bäumen gesäumten Straße stand, wo man seinen Nachbarn nicht auf der Pelle hockte.

Sie bog in die erste Straße ein. In dem kleinen Park rechts von ihr wimmelte es tagsüber von spielenden Kindern. Doch um diese Uhrzeit war er menschenleer. Nur eine Schaukel schwang sanft und lautlos hin und her.

Ihre flachen Schuhe erzeugten auf dem Gehweg kaum ein Geräusch. Sie hatte das seltsame Gefühl, vom Rest der Welt abgeschnitten zu sein. Im Vorbeigehen schaute sie immer wieder auf die Fenster der Häuser, doch die meisten wurden von hohen Hecken geschützt. Die wenigen, die sie sehen konnte, waren schwarz. Das leblose Spiegelbild der Straßenlaternen ließ die Zimmer dahinter unheimlich und verlassen wirken.

Ganz allmählich beschlich sie das Gefühl, dass sie nicht allein war. Es lag nicht an einer einzigen Bewegung, dem Schlurfen eines Schuhs oder einem dunklen Schatten im ­Augenwinkel. Nein, es war etwas anderes: die Gewissheit, dass die Blicke eines anderen Menschen sich in ihren ­Rücken bohrten. Sie war sich ganz sicher.

Sie erstarrte. Ihre Nervenenden begannen zu prickeln. Sollte sie losrennen  ? Oder würde der Unbekannte das als Aufforderung verstehen, sie zu verfolgen und zu packen  ? War es vielleicht eine Lösung, in die nächstbeste Auffahrt einzubiegen ? Aber womöglich holte er sie vorher ein.

Sollte sie ihm zeigen, dass sie ihn bemerkt hatte ? Würde sie eine Reaktion provozieren, wenn sie sich umdrehte ? Sie wusste es nicht.

Doch er war da. Sie konnte nur nicht feststellen, wie nah.

Vorsichtig wandte sie sich um. Die Straße war leer. War er doch nicht hinter ihr ? Irgendwo musste er sein, so viel stand fest. Sie spähte hinüber zum Park und erinnerte sich an die schwingende Schaukel. Womöglich schlich er ja gerade neben ihr her, verborgen vom Gebüsch entlang des unbeleuchteten Pfads.

Im nächsten Moment schoss ihr noch ein Eindruck durch den Kopf: Mitten in dem fröhlichen Getümmel im Pub hatte sie sich eine Sekunde lang beklommen gefühlt. Sie war auf ihrem Barhocker herumgewirbelt und hatte damit gerechnet, einen fremden Mann aufdringlich dicht hinter ihrem Rücken stehen zu sehen. Aber da war niemand; es schaute noch nicht einmal jemand in ihre Richtung. Sie hatte ihr Unbehagen beiseitegeschoben und zugelassen, dass die angenehme Stimmung des Abends das kurze Unwohlsein wegdrückte. Doch es war ganz genauso gewesen wie jetzt in diesem Augen­blick.

Ein paar Meter voraus befand sich ein Eingang zum Park. Wenn da ein Mann war, der sie wirklich überfallen wollte, war das dort die optimale Stelle. Also blieben ihr nur wenige Sekunden, um sich etwas auszudenken. Sie beschloss, sich nichts anmerken zu lassen. Sobald sie auf Höhe des Tors war, würde sie losrennen. Und schreien, falls es nötig wurde.

Zwei Schritte noch, und sie war da. Sie nahm die Arme auseinander und ließ sie zu beiden Seiten sinken. Vor sich konnte sie die Straßenecke sehen, wo es sogar noch dunkler war. Die dicken Stämme der Bäume, die sie eigentlich so sehr liebte, warfen düstere Schatten auf den schmalen Gehweg. Ihre kahlen schwarzen Äste verschmolzen mit dem Nachthimmel.

Eins, zwei – und los !

Sie wagte nicht, in Richtung des offenen Parktors zu schauen. Ihre stampfenden Füße und das Keuchen ihres Atems übertönten die Geräusche eines möglichen Verfolgers.

Nur noch zehn Meter trennten sie von der Ecke, als es geschah. Sie war fast da, fast zu Hause, fast in Sicherheit.

Hinter dem letzten der schwarzen Bäume trat eine dunkle Gestalt hervor und verharrte breitbeinig mitten auf dem Weg, um sie abzufangen.

 

 

TEIL EINS

OLIVIA

KAPITEL1

Das schrille Läuten an der Tür zerreißt die bedrückende Stille im Haus. Ich höre auf, hin und her zu laufen, und schöpfe ­wider alle Vernunft Hoffnung. Könnte das Robert sein ? Hat er seinen Schlüssel vergessen ? Allerdings ist mir klar, dass er es nicht sein kann. Ich weiß nämlich genau, wer es ist.

Es ist die Polizei, und sie ist hier, weil ich sie selbst gerufen habe.

Ich hätte es vorausahnen sollen. Ich hätte Roberts Botschaften besser verstehen müssen. Er hat es mir auf so viele Arten mitgeteilt – nur nicht in Worten. Inzwischen ist es drei Stunden her, dass er mit meinen Babys fort ist. Ich vermisse sie so, dass mir jeder Knochen und Muskel im Körper schmerzt.

Wo sind meine Kinder ?

Hatten sie einen Unfall ? Bitte nicht !

Der Gedanke trifft mich wie ein Boxhieb. In der Schwärze hinter meinen geschlossenen Augenlidern entstehen lebensechte Bilder. Sie verblassen auch nicht, als ich die Augen wieder öffne. Sie liegen auf dem Rücksitz von Roberts Auto in einem Straßengraben, irgendwo an einer dunklen Landstraße. Abgedrängt von einem verrückten Raser. Warten darauf, gefunden zu werden. Ich sehe Blut auf ihrer Stirn, und in Gedanken lausche ich auf Hilfeschreie, bloß als Bestätigung dafür, dass sie noch leben. Aber ich höre nichts. Nur das Vogelgezwitscher, das zum offenen Autofenster hereinweht. Robert kommt nicht vor in diesem Film.

So grauenhaft und beängstigend die Bilder auch sein ­mögen, glaube ich nicht wirklich an einen Unfall. Tief in meinem Herzen weiß ich, dass vermutlich etwas anderes dahintersteckt. Etwas viel Bedrohlicheres.

Als ich aufmache, steht ein junger breitschultriger Con­sta­ble vor mir. In seiner stichwaffensicheren Weste und dem kurzärmeligen Hemd macht er einen unerschütterlich kompetenten Eindruck. Ich kann mir schon denken, was er mich fragen wird. Inzwischen weiß ich, wie der Hase läuft. Es wird genau so sein wie beim letzten Mal.

Ahnt er überhaupt, dass die Olivia Brookes, die heute Abend die Polizei alarmiert hat, und Liv Hunt ein und dieselbe Person sind? Die Liv Hunt, die vor sieben Jahren anrief, weil ihr Freund verschwunden war ? Wird die Vergangheit wieder aufs Tapet kommen ?

Selbst nach all den Jahren habe ich noch immer Albträume von dieser schrecklichen Nacht und wache dann, in kaltem Schweiß gebadet, auf. Mein Freund hatte angerufen, um mir zu sagen, er werde jetzt aus dem Unilabor losgehen. Bis gleich also. Der Fußweg war nicht weit, doch zwei Stunden später war er noch immer nicht da. Ich war außer mir. Ich erinnere mich, wie ich mich an meine kleine Tochter geklammert und ihr ins Ohr geflüstert habe: »  Daddy kommt gleich nach Hause, Schätzchen.  « Nicht, dass Jasmine mich hätte verstehen können. Sie war damals erst zwei Monate alt. Außerdem war es gelogen. Dan kam nicht nach Hause. Ich habe ihn nie wiedergesehen.

Bis jetzt habe ich gedacht, es gäbe nichts Schlimmeres als die Angst in jener Nacht. Das stundenlange Warten und die bange Frage, was meinem geliebten Dan wohl zugestoßen sein mochte.

Ich habe mich geirrt. Diesmal ist es noch viel schlimmer. Diesmal fühlt sich die Todesangst an wie eine harte Kugel, die mir schmerzhaft in Brust, Kopf und Bauch hin und her springt.

Der Polizist will natürlich Einzelheiten hören. Er will verstehen, warum ich mir solche Sorgen mache. Die Kinder sind bei ihrem Vater. Also gibt es doch sicher keinen Grund zur Sorge. Ob ich meinen Mann schon mobil angerufen hätte ? Ich glaube, eine Antwort auf diese Frage erübrigt sich.

Robert ist um sechs losgefahren. Er sagte, er werde mit den Kindern eine Pizza essen gehen. Eigentlich wollte ich mit, aber er hat darauf bestanden, dass er mehr Zeit allein mit ihnen verbringen wolle. Gott, ich schäme mich, es zuzugeben, doch ich war froh. Im Anbetracht meiner Gefühle für Robert hielt ich es für eine gute Vorübung für die Zeit, wenn wir nicht mehr zusammen sein werden. Also ließ ich es zu.

In der ersten Stunde war alles in Ordnung. Ich rechnete nicht mit ihrer Rückkehr und fand genug zu tun, um mich abzulenken. Ich wusste, dass Robert nichts von der Pizza anrühren würde. Sicher würde er allein mit mir zu Abend ­essen wollen, wenn die Kinder im Bett waren. Also fing ich an, ein Chili zu kochen – eines seiner Lieblingsgerichte –, als Danke­schön, weil er etwas mit ihnen unternommen hat.

Nachdem ich alles erledigt hatte, was mir so einfiel, ging ich ins Wohnzimmer. Aber es fühlte sich so leer an. Ich bin stets mit mindestens einem meiner Kinder zusammen, natür­lich außer wenn sie schlafen. Jasmine geht zwar schon zur Schule, doch Freddy ist erst zwei und deshalb den ­ganzen Tag bei mir. Billy geht in den Kindergarten, allerdings nur vormittags.

Das Haus erschien mir wie ausgehöhlt, so als hätte man sämtliche Luft abgesaugt, bis nur noch kalte, schweigende Leere zurückblieb. Als ich das Wohnzimmer mit anderen Augen betrachtete – mit den Augen meines neuen, distanzierten Ich –, wurde mir klar, was für einen sterilen Raum wir hier geschaffen haben. Wir haben das Konzept der Neu­tra­li­tät perfektioniert. Nirgendwo ist auch nur ein Farbklecks oder ein einziger persönlicher Gegenstand zu sehen; kein Kinderfoto oder nutzloser, spontan gekaufter Krimskrams. Jedes Bild wurde bewusst ausgewählt, und zwar nicht wegen seiner emotionalen Ausstrahlung, sondern weil es sich allein schon durch seine Verwechselbarkeit in die nichtssagende Umgebung einfügt. Die Dekorationsobjekte wurden nach Größe angeschafft, um eine vollkommene optische Ausgewogenheit zu erzeugen. Und natürlich duldet Robert keine Spielsachen in diesem Raum.

Wer wohnt eigentlich hier ?

Es könnte ein x-beliebiger Durchschnittsmensch sein. Vielleicht war die Inneneinrichtung Roberts logische Reaktion darauf, dass er zu lange in meiner Wohnung gewohnt hat, wo orangefarbene Wände und smaragdgrüne Überdecken fröhlich Seite an Seite koexistierten. Zumindest verbreiteten diese Farben Freude. Doch was sagt einem das Zimmer hier ?

Gar nichts.

Inzwischen habe ich dem Polizisten sämtliche Fragen beantwortet. Wir haben bereits ausgeschlossen, dass ­Robert nach dem Essen mit den Kindern zu Verwandten oder Freunden gefahren ist. Weder Robert noch ich haben Angehörige. Meine Eltern sind schon vor Jahren gestorben, als Jasmine noch ein Baby war, und Robert hat seinen Vater nie kennengelernt. Als seine Mutter starb, war er noch klein, und Geschwister haben wir auch keine. Das sind die nackten Tatsachen, nichts, wofür wir uns entschieden hätten.

Doch wie kann ich erklären, dass mir kein einziger Freund einfällt, den er möglicherweise mit den Kindern besucht hat ? Wie konnten wir so vereinsamen ? Uns derart isolieren ?

Ich kenne den Grund. Robert will mich allein für sich. Er will mich mit niemandem teilen.

Als er ohne mich etwas mit den Kindern unternehmen wollte, hätte ich schon deshalb gleich Verdacht schöpfen müssen. So etwas tut er nie. Wenn ich nur zugehört, richtig zugehört hätte. Dann hätte ich es vielleicht verhindern können, bevor es zu spät war.

» Olivia «, sagte er. » Es ist doch nichts Seltsames daran, wenn ein Vater mit seinen Kindern zum Pizzaessen fährt, oder ? Schließlich gibt es auch Väter, die ihre Kinder immer nur allein sehen. «

Wollte Robert mir damit etwas mitteilen ? Hat er meine Gefühle erraten ? Bei jedem anderen Mann würde ich denken, er könnte sich vielleicht – nur vielleicht – damit abgefunden haben, dass ich ihn verlasse. Und dass er mir nun beweisen will, wie gut er allein zurechtkommt. Nur, dass ­Robert nicht jeder andere Mann ist. Er ist Robert, und der verhält sich niemals gradlinig.

Ich bin in Gedanken jedes mögliche Szenario durchgegangen, um mir zu erklären, wo sie sein könnten. Und jedes davon erfüllt mich mit Grauen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: die Vorstellung, meine Babys könnten irgendwo verletzt liegen, oder meine andere Furcht. Die, die ich nicht in Worte zu fassen wage.

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