The Club - Playlist
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Die Songs zum heißesten
Gefühlssturm des Jahres

Mittwoch, 23. März 2016 von Lauren Rowe


»Wenn ich ihn schon nicht wirklich haben kann, dann muss ich eben die Musik aufdrehen, meine Augen schließen und mir eine Welt ausmalen, in der all das möglich ist.«


Sarah

Bestsellerautorin Lauren Rowe hat die Songs zur prickelnden Story von Jonas und Sarah zusammengestellt: laurenrowebooks.com/playlist/

Blick ins Buch
The Club – MatchThe Club – MatchThe Club – Match

Roman

Nach ihrem gemeinsamen Kurzurlaub müssen sich Jonas und Sarah neuen Herausforderungen stellen. Zum einen steht ihre frische Liebe immer wieder auf der Kippe, zum anderen ist Sarahs Leben plötzlich in Gefahr, denn der Club hat ihren Verrat nicht vergessen. Jonas will sie in Sicherheit wissen und überredet sie, bei ihm einzuziehen. Doch schon bald erkennt Sarah ihn fast nicht wieder. Immer wieder verlässt er unter fadenscheinigen Vorwänden die Wohnung, und schließlich kann Sarah nicht mehr anders: Sie schnüffelt in seinem Handy herum – und stellt zu ihrem Entsetzen fest, dass er an dem Abend ein Club-Match hat …
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Jonas

 

In meinem Wohnzimmer stehen zwei zitternde Frauen – und das meine ich nicht anzüglich. Nein, Sarah und Kat haben eine Heidenangst, weil ihre Wohnungen geplündert und ihre Computer gestohlen worden sind – zweifellos von den Wichsern aus dem Club. Natürlich fragen sie sich, ob das alles war oder ob die heutigen Ereignisse nur die Spitze des Eisbergs waren. Dass sie total verstört sind, kann ich ihnen nicht verdenken. Jetzt, wo Sarah die Wahrheit über den Club kennt – und der Club davon Wind bekommen hat –, sind diese Arschlöcher wahrscheinlich zu allem bereit, um ihren weltweiten und überaus ertragreichen Prostitutionsring zu schützen. Ich werde nicht herumsitzen und abwarten, was geschieht. Nein, ich werde diese Arschlöcher umlegen!

Wie genau das laufen soll, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.

Nur, dass ich gnadenlos sein werde und eine endgültige Lösung finden muss. Basta. Zumindest hoffe ich, dass mir das gelingt.

Fuck.

Vermutlich werde ich das allein nicht schaffen – ich bin es nun einmal nicht gewöhnt, den Superhelden zu spielen. Aber wenn mein Bruder erst mal hier ist und wir unsere magischen Zwillingskräfte kombinieren – also Joshs Brillanz mit meinem Gehirn – und dann auch noch seinen Hackerkumpel mit ins Boot holen (wer auch immer das sein mag!), kann uns nichts und niemand mehr aufhalten. Das weiß ich.

Wie konnte nur alles so schnell aus dem Ruder laufen? Noch vor einer Stunde waren Sarah und ich auf Wolke sieben, kamen gerade von unserem traumhaften Trip nach Belize zurück, sind die Treppen zu ihrer Wohnung hinaufgeschwebt, waren wie berauscht voneinander und vom Leben. Schließlich hatten wir in den vergangenen Tagen jegliche Form von Ekstase erlebt. Sind Wasserfälle hinaufgeklettert, in dunkle Abgründe gesprungen und haben in unserem Baumhaus wieder und wieder den Mount Everest erklommen, in unserem Kokon für zwei. Und die ganze Zeit wurde immer offensichtlicher, dass wir füreinander bestimmt sind.

Als ich mit Sarah in Belize war, war ich ... Ich kriege immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke ... glücklich. Absolut glücklich, und zwar zum ersten Mal in meinem Leben – oder zumindest zum ersten Mal, seit ich sieben war.

Sarahs nackten Körper die ganze Nacht an meinem zu spüren, sie überall zu berühren und ihr in die großen braunen Augen zu sehen, während ich mit ihr schlafe; auf dem Balkon unseres Baumhauses zu sitzen und ihre Hand zu halten und den Geräuschen des Dschungels zu lauschen; stundenlang über alles und nichts zu sprechen und so heftig zu lachen, dass ich Seitenstechen davon bekommen habe; mir von ihr ordentlich den Kopf waschen zu lassen und ihr Dinge zu erzählen, die kein anderer von mir weiß – also selbst das, wofür ich mich sehr schäme –; oder auch nur fasziniert dabei zuzusehen, wie sie eine Mango vertilgt. Eigentlich war es vollkommen egal, was wir gemacht haben. Dank dieser Frau habe ich begonnen, an Einhörner, den Schatz am Ende des Regenbogens und sogar an den Valentinstag zu glauben – letzten Endes also doch! (Vielleicht sollte ich Hallmark und Lifetime ein Kärtchen schicken, auf dem steht: Okay, ihr habt gewonnen!) Was Sarah und ich in Belize erlebt haben, war nicht weniger als das Reich der Ideen, der ideale Zustand, so wie Platon ihn beschrieben hat.

Und zack, kaum sind wir zurück in Seattle, kriegen wir schon voll eins auf die Nase. Sarahs Wohnung ist komplett verwüstet, und man hat ihren Computer gestohlen. Und jetzt hat sie furchtbare Angst, und ich stehe da wie der letzte Trottel, die Kinnlade heruntergeklappt, und überlege fieberhaft, was Superman in einer solchen Situation wohl täte.

Ich brauche eine idiotensichere Strategie, um den Club in die Enge zu treiben. Bestimmt fällt mir was ein, sobald Josh hier ist, aber gerade bin ich viel zu aufgewühlt für gute Ideen. Etwas Besseres, als meine Arme um Sarah zu legen und so zärtlich, wie es nur geht, mit ihr zu schlafen, während ich ihr ins Ohr flüstere, dass ich sie liebe, fällt mir nicht ein.

In der Limousine hätte ich die Gelegenheit gehabt, ihr die drei magischen Worte zu sagen, aber ich war natürlich wieder einmal zu feige dafür. Ich wollte es ja gern, doch mein Herz hat fürchterlich geklopft, und außerdem waren wir gerade auf dem Weg zu Kat. Ich wollte ihr meine Liebe nun mal viel lieber dann gestehen, wenn ich ihr gleichzeitig auch zeigen kann, wie viel sie mir bedeutet. Zwei Minuten später sprang dann auch schon Kat in den Wagen, und die beiden haben sich schluchzend aneinandergeklammert. Da war es natürlich zu spät dafür.

Okay, ich hab es vermasselt. Ich gebe es ja zu.

Und jetzt sind wir mit Kat im Schlepptau in mein Haus gekommen, und ich stehe mit meiner üblichen sarahbedingten Erektion da. Ich kriege die Vorstellung, wie wir miteinander schlafen und ich ihr sage, dass ich sie liebe, einfach nicht aus meinem Kopf. Vermutlich ist Sex allerdings gerade das Letzte, woran Sarah denkt. Sie braucht jetzt einen starken Mann, der sie beschützt. Weiß ich doch. Aber ich kann einfach nicht anders – sie turnt mich wahnsinnig an, ganz egal, was gerade los ist.

Ich sehe hinüber zu den Ladys, die jetzt auf dem Sofa sitzen und sich leise unterhalten. Sarah sieht ziemlich mitgenommen aus, und Kat hat beruhigend den Arm um sie gelegt. Ja, die beiden wirken wirklich erschöpft. Besonders Sarah, die den ganzen Tag unterwegs war.

Es geht jetzt nur darum, ihr zu helfen. Irgendwie muss ich es schaffen, meinen Verstand von meinem unersättlichen Körper zu trennen. Muss nach der vollkommenen Version des Jonas Faraday streben und die Idee meiner selbst im Blick behalten. Ja. Halte dir stets die Ideen vor Augen. Ich atme tief durch. Halte dir stets die Ideen vor Augen.

»Kann ich euch Mädels was zu trinken anbieten?«, frage ich etwas kraftlos. »Oder was zu essen?«

Sarah schüttelt den Kopf und öffnet den Mund, um etwas zu sagen.

»Hast du Tequila da?«, erkundigt sich Kat.

Ich grinse, schließlich hat Sarah mir schon eine Menge von ihrer besten Freundin erzählt.

»Ich weiß nicht genau, ich schaue mal nach«, sage ich. Ich selbst trinke nie welchen, aber Josh liebt Tequila. Bestimmt hat er hier irgendwo ein Fläschchen verstaut.

Ich linse zu Sarah, und sie wirft mir ein schwaches Lächeln zu. Obwohl sie müde sein muss, ist ihr Blick voller Wärme. Oder ... Moment mal. Sehe ich da etwa Feuer in ihren Augen?

Ich versuche zu grinsen, bin aber zu unruhig. Als ich merke, wie meine Mundwinkel zu zucken beginnen, wende ich mich ab. Wenn wir doch jetzt nur allein wären und dieser verdammte Club uns nicht das Leben schwer machen würde.

Wären wir doch noch in Belize!

Ich mache mich auf den Weg in die Küche, um herauszufinden, welchen Schnaps Josh mir wohl dagelassen haben mag. Bingo. In einem Eckschrank steht eine große Flasche exquisiter Tequila. Hätte ich mir denken können: für meinen lieben Bruder nur das Beste.

Ich krame nach ein paar Schnapsgläsern und höre, wie Sarah und Kat sich im Wohnzimmer leise unterhalten. Ihre Stimmen klingen ängstlich und sehr verstört. Tja, das Feuer in Sarahs Augen habe ich mir anscheinend nur eingebildet. Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Nein, es darf jetzt nicht um mich gehen, sondern nur um das, was sie braucht.

Die ganze Situation ist wirklich total vertrackt. Warum bin ich dem Club nur beigetreten? Und wieso zur Hölle habe ich mit Stacy der Fakerin geschlafen? O Mann. Außerdem hätte ich Sarah ihren Computer mit nach Belize nehmen lassen sollen! Und wieso nur habe ich nicht auf ihre Intuition vertraut?

Von Anfang an, selbst noch vor ihrem Zusammenstoß mit Stacy auf der Bar-Toilette, hat Sarah gesagt, dass ihr Regelverstoß Konsequenzen haben würde. Sie klang ganz so, als wäre es eine Todsünde, mich gegen den Willen des Clubs privat zu kontaktieren. »Du hast doch nicht gegen die Kirche aufbegehrt, sondern gegen den Club. Das ist immer noch ein großer Unterschied«, habe ich damals geschnaubt und die Situation komplett missverstanden. Sarah ist wahnsinnig clever, ich hätte sie wirklich ernst nehmen sollen, ganz egal, worum es geht. Wenn ich ihr doch nur richtig zugehört hätte, anstatt mit meinem Schwanz herumzuwedeln und so zu tun, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen – dann wäre das alles nicht passiert.

Leider geht es schon schlecht los: Ich finde keine Schnapsgläser. Dann eben Saftgläser. Ob sich in meinem Kühlschrank wohl noch irgendwo eine Limette versteckt hat? Fehlanzeige. Also gieße ich uns drei doppelte Shots in die Gläser, schnappe mir einen Salzstreuer und gehe zurück ins Wohnzimmer, um den Ladys ihre Drinks zu überreichen.

»Eine Limette hatte ich nicht mehr«, sage ich. »Sorry.«

»Cheers«, meint Kat. »Auf dich, Jonas. Besten Dank für die Gastfreundschaft!« Sie hebt das Glas. »Freut mich übrigens, dich kennenzulernen.«

»Mich auch! Du bist wirklich genau so, wie Sarah dich beschrieben hat.«

Sarah grinst mich an, weil sie sich gut daran erinnert, was sie über Kat gesagt hat: »Sie ist ein wildes Partygirl mit einem Herzen aus Gold.«

Wir stoßen an. »Tut mir leid, dass wir uns auf diese Weise kennenlernen müssen«, sage ich.

»Na ja, zumindest lerne ich dich jetzt richtig kennen – und spioniere dich nicht nur aus.« Sie verstummt, wahrscheinlich ist ihr aufgefallen, dass sie mitten in ein Fettnäpfchen getreten ist.

Wunderbar. Ja, Sarah, ich habe Stacy die Fakerin gevögelt, nachdem ihr mich in der Pine Box ausspioniert habt. Und ja, im Nachhinein hat sich diese Frau leider als Prostituierte entpuppt. Danke, dass du mich dran erinnerst, während du meinen sündhaft teuren Tequila schlürfst – und das auch noch vor meiner Freundin!

Ich suche in Sarahs Gesicht nach irgendwelchen Anzeichen von Scham, Demütigung oder Schmerz.

Kat wird rot wie eine Tomate. »Sorry!«, murmelt sie.

Sarah legt eine Hand auf ihren Arm. »Ist schon okay!« Sie sieht mich eindringlich an. »Die Sache ist mir piepegal.« Sie zuckt mit den Schultern. »Ehrlich.«

Ah, das ist meine umwerfende Sarah!

Ich habe sie schon ganz zu Beginn gefragt, ob sie die lange Parade von Frauen, mit denen ich bereits geschlafen habe, einfach vergessen kann. Genauso wie all die Frauen mit Purpurarmband, mit denen ich mich dank meiner Mitgliedschaft im Club hätte amüsieren können. Sarah hat es mir versprochen und hat auch nie einen Rückzieher gemacht oder damit gehadert. Nicht ein Mal. Weil meine Sarah einfach einmalig ist.

Kat flüstert ihr etwas ins Ohr, und Sarah nickt grinsend.

Ich habe natürlich nichts gegen Kat persönlich, aber warum muss sie jetzt hier sein? Ich würde Sarah am liebsten auf der Stelle die Kleider vom Leib reißen und mit ihr schlafen. Leider aber macht mir Kat, die mich mit demselben belustigten Blick bedenkt, wie ich ihn von Josh nur allzu gut kenne, da einen Strich durch die Rechnung.

»Stößchen!«, sagt sie, leckt das Salz von ihrer Hand und trinkt den Tequila auf ex. »Geiles Zeug!«

Ich tue es ihr gleich und bin überrascht, dass der Tequila sehr viel milder und besser schmeckt als in meiner Erinnerung.

Sarah allerdings scheint keine Lust auf den Drink zu haben. Stattdessen starrt sie mich an wie eine Raubkatze.

Irgendetwas in ihrem verführerischen Blick lässt meine Haut kribbeln. Ich bilde mir den doch nicht ein?

»Willst du nicht mal trinken?«, sagt Kat zu ihr und gibt ihr einen leichten Knuff.

Ohne den Blick von mir abzuwenden, kippt Sarah ein bisschen Salz auf ihren Handrücken und leckt es langsam ab. Dann hebt sie das Glas an ihre vollen Lippen und kippt den Tequila in einem Zug hinunter, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Anschließend fährt sie sich mit der Zungenspitze über die Lippen und grinst mich siegessicher an.

Heilige Scheiße, ich habe sofort einen Ständer bekommen. Ich habe sie noch nie zuvor einen Shot trinken sehen. Wie sie diesen Tequila hinuntergeschluckt hat – das war so sexy, dass ich liebend gern das Getränk gewesen wäre. Oder die Kante ihres Glases. Oder nein: das Salz.

Sie stellt ihr leeres Glas auf dem Couchtisch ab, lehnt sich zurück und legt die Hände hinter ihren Kopf. Das ist eine absolute Mackerpose – eine Haltung, die ein CEO-Manager während einer richtig harten Verhandlung einnehmen würde –, und es macht mich wahnsinnig an.

Ich erwidere ihren schmachtenden Blick.

Einer ihrer Mundwinkel hebt sich.

»Wann kommt Josh denn hier an?«, erkundigt sich Kat und geht mir damit schon wieder auf den Geist.

»In etwa drei Stunden«, sage ich nach einem Blick auf meine Armbanduhr. »Sein Flieger ist gerade in L.A. gestartet.«

Sarah seufzt tief und wirft mir einen lasziven Blick zu, während sie mit Kat spricht. »Bist du müde, Kat?«

Mein Körper steht regelrecht unter Strom.

Kat schüttelt den Kopf und will schon etwas erwidern, aber Sarah schneidet ihr sofort das Wort ab.

»Ich bin nämlich hundemüde.« Sie sieht mich an, als wollte sie mich bei lebendigem Leib verschlingen. »Wahrscheinlich werde ich schön heiß duschen und mich dann noch mal ins Bett verkriechen, bis Josh kommt.«

»Oh, klar«, sagt Kat. »Ich habe total vergessen, dass ihr zwei heute den ganzen Tag unterwegs wart. Ihr müsst völlig erledigt sein.«

Sarah erhebt sich und sieht mich unnachgiebig an. »Hast du ein Zimmer für Kat?«

»Na klar! Soll ich’s dir zeigen, Kat? Oder soll ich dir vorher noch was zu essen besorgen?«

Sarah seufzt laut und deutlich und sieht mich finster an, während sie die Hände in ihre Hüften stemmt.

»Cool, ich habe tatsächlich –«, setzt Kat an, aber Sarah unterbricht sie knallhart.

»Warum zeigst du Kat nicht direkt ihr Zimmer? Wir essen dann später. Ist das okay, Kat?« Sarah funkelt Kat an und hebt ihre Augenbrauen.

Kat erwidert Sarahs Blick und wirkt plötzlich ein wenig eingeschüchtert.

»Ähm, klar«, sagt sie langsam, ehe ihr ein Licht aufgeht und sie breit grinst. »Oh. Logisch! Ich werde in der Küche bestimmt ein bisschen Obst oder Cracker finden, um den ersten Hunger zu stillen. Und ihr zwei ... ruht euch mal schön aus!«

»Wenn du wirklich schlimmen Hunger hast, dann –«

»Manometer, Jonas, ich bin voller Moskitoschutz und Flugzeugmief«, sagt Sarah und kann ihre Gereiztheit nicht länger verbergen. »Ich brauche jetzt dringend eine lange, heiße Dusche! Und zwar sofort!«

Kat lacht. »Jonas, normalerweise bist du doch sicherlich nicht so schwer von Begriff, oder?«

Ich spüre, wie ich rot anlaufe.

»Nee, ist er nicht! Eigentlich ist er sogar ein ziemlich aufgewecktes Bürschchen«, meint Sarah und verdreht die Augen.

»Wenn du das sagst.«

Meine Wangen glühen. Genau deswegen hasse ich Partys! Und Dreier. Und Menschenansammlungen. Am besten komme ich klar, wenn ich mit jemandem allein bin. Ich werfe Sarah einen entschuldigenden Blick zu, aber es hilft nichts.

Ich räuspere mich. »Okay, dann komm, Kat.« Ich greife nach ihrem Koffer. »Am anderen Ende des Hauses habe ich ein wunderbares Zimmer für dich – mit jeder Menge Privatsphäre.«

»Super«, sagt Sarah und rauscht so schnell aus dem Zimmer, dass Kat zu kichern beginnt.

»Komm schon, Jonas«, sagt sie. »Ich fürchte wirklich um deine Sicherheit, wenn du diese Frau noch länger warten lässt.«

 

 

Jonas

 

Ich stehe in der Tür zum Gästezimmer und gebe mein Bestes, um möglichst entspannt zu wirken und keinen Herzinfarkt zu bekommen. Gerade will ich nichts lieber, als sofort zu Sarah zu gehen. Wenn ich mir vorstelle, was sie wohl gerade in meinem Zimmer macht, beginnt alles an mir zu kribbeln. Trotzdem kann ich einfach nicht unhöflich einer Frau gegenüber sein, ganz egal, in was für einer Situation ich mich auch befinden mag. Außerdem ist es allein meine Schuld, dass Kat hier ist.

Ich habe dafür gesorgt, dass sie frische Handtücher in ihrem Bad hat, und ihr gesagt, dass sie sich wie zu Hause fühlen und sich einfach bedienen soll. Dann habe ich ihr noch erklärt, wie die Fernbedienung funktioniert, denn die ist ganz schön tricky. Außerdem habe ich ihr gezeigt, wie man sich an meinem Computer als Gast anmeldet, damit sie ihre E-Mails checken kann, oder was auch immer sie sonst gern tun möchte. Ich werde dafür sorgen, dass meine Assistentin die zwei gestohlenen Laptop-Modelle nachkauft und sie morgen direkt zu mir nach Hause liefern lässt.

»Also, ist so weit alles okay bei dir?«, frage ich und höre, wie das Blut in meinen Ohren rauscht.

»Alles super. Und jetzt ab mit dir. Je länger du Sarah warten lässt, desto gefährlicher wird es für dich!« Sie lacht.

Ohne etwas zu erwidern, drehe ich mich um und verziehe mich.

»Toi, toi, toi!«, ruft sie mir nach. Ich eile durchs Wohnzimmer in Richtung meines Schlafzimmers, das am anderen Ende des Hauses liegt. Mein Ständer pocht, und mein Herz rast. Ich werde jetzt mit der einzigen Frau, die ich je geliebt habe, schlafen. Langsam und zärtlich, und während ich das tue, werde ich ihr ins Ohr flüstern, dass ich sie liebe. Immer wieder. Ich werde in ihrer Vollkommenheit schwelgen, ihre Köstlichkeit voll auskosten, und wenn sie dann kommt (mittlerweile gelingt ihr das wirklich gut!), werde ich diesen Satz noch einmal wiederholen, vielleicht, während ich selbst meinen Orgasmus habe. Das habe ich noch nie gemacht – und es hat gute Chancen, so etwas wie mein neuer Heiliger Gral zu werden.

Frauen haben die drei besonderen Worte durchaus schon zu mir gesagt, aber ich habe ihre Liebeserklärungen nie erwidert. Eigentlich hatte ich sogar mein Leben lang Angst davor, habe diesen Satz gemieden wie die Pest. Hauptsächlich deshalb, weil alle Beziehungen und Flirts, die ich je hatte, letztlich an ihm gescheitert sind. Welche Frau sagt diese Worte schon gern zu einem Mann, ohne die entsprechende Antwort zu bekommen? Keine, richtig. Selbst wenn sie sich um Geduld bemüht und einen auf Mutter Teresa macht – das Ende ist unvermeidbar, sobald dieser Satz in der Welt ist. Sobald klar ist, dass nur eine Person emotional involviert ist.

Jetzt aber will ich diesen Satz sagen, verdammt noch mal! Und ich will, dass Sarah es auch tut. Wie wird es sich wohl anfühlen?

Ich kann es kaum erwarten!

Moment. Plötzlich kommt mir ein Gedanke, der mich mitten im Flur stehen bleiben lässt. Was, wenn Sarah den Satz nicht erwidert? Sofort wird mir flau im Magen.

Nein, so was darf ich nicht denken. Wir haben uns in Belize gesagt, was wir füreinander empfinden.

»Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit«, habe ich gemeint. Viel klarer kann man sich doch kaum ausdrücken, oder? Und sie hat etwas erwidert wie: »Du machst mich auch total verrückt.«

Und dann habe ich ihr den Muse-Song vorgespielt, den ich mir für den Moment aufgespart habe, in dem ich mit der Frau schlafe, die ich liebe. Mann, das war echt unglaublich. Madness.

Mittlerweile ist mein Ständer steinhart.

Ja, wir haben es uns definitiv gesagt. Und jetzt werden wir den nächsten Schritt zusammen tun. Wir werden die heiligen Worte aussprechen.

Und was, wenn sie Angst davor hat? Oder noch nicht bereit dafür ist? Oder zu ... unsicher ist?

Nein, nein, nein! Das alles flüstern mir meine Dämonen zu, und auf die darf ich auf keinen Fall hören!

Meine vor langer Zeit attestierte »Angst vor Zurückweisung aufgrund eines Kindheitstraumas« sitzt tief, wie meine Therapeutin mir damals erklärt hat, als es um mich herum immer dunkler wurde und das unheimliche Geflüster begann. Manchmal schlägt der verrückte Teil in mir voll zu, und dagegen muss ich stets gewappnet sein. Ich muss gegen ihn ankämpfen und darf ihn nicht die Überhand gewinnen lassen. Ich weiß doch, dass sie mich liebt. Und ich liebe sie auch. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ich darf jetzt nicht die Nerven verlieren.

Und auch über meinen Körper sollte ich dringend die Kontrolle behalten. Schließlich ist Sarah gerade erschöpft und sehr verletzlich. Der Tag heute muss ganz schön traumatisierend für sie gewesen sein. Da sollte ich zärtlich sein und es langsam angehen lassen. Dafür sorgen, dass sie sich geborgen und geliebt fühlt – das ist das Allerwichtigste. Ich will, dass es eine schöne Erinnerung für sie ist, und für mich natürlich auch. Ja, ich werde sie mit Seidenhandschuhen anfassen und ihr huldigen.

Ich werde ihr Gesicht mit kleinen Küsschen bedecken, so wie sie das immer bei mir macht, und währenddessen zu ihr sagen: »›Liebe ist die Sehnsucht nach der Ganzheit, und das Streben nach der Ganzheit wird Liebe genannt.‹«

Ich öffne die Tür zu meinem Schlafzimmer und bebe vor Erwartung.

Sie ist nicht im Zimmer, aber ich höre aus dem Bad das Rauschen der Dusche. Ihre Klamotten hat sie so auf dem Boden verteilt, dass sie ziemlich eindeutig Richtung Bad führen. Mein Herz hämmert in meiner Brust. Ich reiße mir die Kleidung vom Leib und pfeffere sie auf den Boden.

Als ich die Badezimmertür öffne, sehe ich Sarah mit dem Rücken zu mir dastehen und ihren glänzenden, vom heißen Wasser geröteten Körper mit einem Waschlappen abreiben. Ihr langes dunkles Haar klebt an ihrem Rücken, und das Wasser strömt an ihr hinab. Seifenreste gleiten wie Schneeflocken über ihren Rücken und ihren unglaublich runden Hintern.

Einen Moment lang stehe ich einfach nur da und genieße den Anblick. Sie ist wirklich die Weiblichkeit in Person, die Idee einer Frau, die es irgendwie in unsere sinnlich erfahrbare Welt geschafft hat, wie ein Geschenk. Ein Geschenk, das all den unvollkommenen und erschöpften Massen Hoffnung und Ansporn geben und mich anturnen soll.

Und sie gehört mir. Mir, mir, mir!

Sie dreht sich um und sieht mir in die Augen.

»Apropos schwer von Begriff! Ich will schon den ganzen Tag nichts anderes, als mit dir zu schlafen, mein Großer!«, meint sie lächelnd.

Ich strahle sie an, ohne mich von der Stelle zu bewegen. Sie ist so unglaublich schön!

Sie legt den Kopf schief, sodass das Wasser über ihren Hals rinnt, während sie mit dem Waschlappen an ihren Brüsten entlangfährt.

Sie ist perfekt. Diesen Moment will ich nie vergessen. Ich liebe diese Frau, und das werde ich ihr jetzt sagen.

Sarah legt den Waschlappen auf den Sims und streicht über ihren Bauch und ihre Hüften, während sie sich verführerisch über die Lippen leckt.

»Na? Kommst du, oder was?«

Ich lächle. »Lass mich dich noch einen Moment einfach ansehen, Baby. Ich will diesen Augenblick nicht vergessen.«

»Ah, das ist aber niedlich«, meint sie sarkastisch. »Weißt du denn nicht, dass man eine wollüstige Frau nicht warten lassen soll?«

»Werde ich mir merken!« Ich trete in die Dusche und umarme meine nasse Sarah. »Sag das noch mal.« Ich küsse sie, und sie lacht ihr raues Lachen.

»Wollüstig!«, sagt sie und drückt ihre Lippen auf meine.

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The Club – LoveThe Club – LoveThe Club – Love

Roman

Sarah hat nur knapp überlebt. Nachdem ihre Wunden verheilt sind, beschließt sie zusammen mit Jonas, den Club endgültig zu Fall zu bringen. Nichts darf jemals wieder zwischen ihnen stehen. Deshalb folgen sie der Spur nach Las Vegas, wo ein riskantes Spiel beginnt, bei dem Sarah und Jonas einander vollkommen vertrauen müssen, wenn sie das kriminelle Netzwerk ein für alle Mal zerschlagen wollen. Doch dann stellt sich heraus, dass die Machenschaften des Clubs noch viel tiefer reichen, als sie je ahnen konnten ...
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Jonas

 

Ich will sie nicht loslassen, aber sie zerren mich von ihr weg. Mit weit aufgerissenen Augen stolpere ich zurück. Mein T-Shirt ist voller Blut. So viel Blut. Überall.

»Kein Puls«, sagt einer der Männer, der ihr Handgelenk festhält. Dann legt er den Finger auf ihren Hals. »Nichts«, meint er stirnrunzelnd. »Verdammt. Ihre Halsschlagader ist durchtrennt worden.« Er schüttelt den Kopf.

»Was für eine Bestie«, setzt ein anderer Mann an, verstummt dann aber und sieht zu mir herüber. »Schafft ihn hier raus. Er sollte das nicht mit ansehen müssen.«

Die Männer tragen allesamt Feuerwehrskluft – aber hier brennt es nicht, also sind es wohl keine Feuerwehrmänner.

»Ihre Körpertemperatur ist stark abgesunken. Ich schätze, seit gut fünfzehn, zwanzig Minuten.«

»Ich liebe dich, Mommy«, habe ich zu ihr gesagt. Aber sie hat zum ersten Mal nicht geantwortet. Sonst hat sie immer dasselbe erwidert: »Ich liebe dich auch, Baby – mein kostbares Baby.« Warum nicht dieses Mal? Und warum sieht sie mich nicht an? Stattdessen starrt sie unentwegt aus dem Fenster. Ich folge ihrem Blick und sehe den Krankenwagen, der vor unserem Haus steht. Das Blaulicht auf dem Dach wirbelt geräuschlos im Kreis. Da höre ich in der Ferne die Sirenen, die immer näher kommen. Eigentlich mag ich diesen lauter werdenden Klang. Es ist toll, wenn die Polizei einen richtig fiesen Schurken jagt oder ein riesiges Feuerwehrauto an unserem Wagen vorbeizischt. Mommy sagt, man muss beim Geräusch der Sirenen sofort rechts ranfahren.

»Da sind sie, die Retter in ihrer roten Rüstung!«, singt sie immer, wenn die Feuerwehr vorbeifährt. Aber heute bleibt sie stumm.

Und heute mag ich den Klang der Sirenen gar nicht gern.

Ich verkrümele mich in eine Ecke des Zimmers, setze mich auf den Boden und schaukle hin und her. Ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebe, und sie hat nicht geantwortet. Und sie schaut mich nicht an. Sie schaut aus dem Fenster. Sie blinzelt nicht mal. Ganz bestimmt ist sie sauer, dass ich sie nicht gerettet habe.

»Ist das deine Mutter, Kleiner?«, fragt einer der Männer und beugt sich zu mir herunter.

Meine Stimme funktioniert nicht.

Sie ist meine Mommy.

»War da noch jemand im Haus?«

Ich wollte allein mit ihr sein. Ich wollte sie ganz für mich haben. Ich wollte, dass ihre Schmerzen verschwinden. Ich war ein schlechter Junge.

»Wir sind hier, um dir zu helfen, mein Sohn. Nicht, um dir wehzutun. Wir sind Sanitäter, weißt du? Die Polizisten kommen auch gleich.«

Ich schlucke hart.

Ich bin im Schrank geblieben, weil ich dachte, dass ich ihr mit meinen Zauberhänden helfen könnte, wenn der große Mann weg ist. Aber die Zauberkraft ist verschwunden. Ich weiß nicht, warum. Ich war böse.

»Wie heißt du?«, fragt ein anderer Mann.

»Schafft ihn hier raus«, sagt jemand. »Er sollte das nicht mit ansehen müssen.«

Der Mann, der sich zu mir herabbeugt, winkt ab.

»An dir ist Blut, Kleiner«, sagt er leise. »Ich muss sichergehen, dass es nicht von dir stammt. Hat dir jemand wehgetan?«

Er greift nach meiner Hand, aber ich reiße mich los und renne zu ihr, um mich auf sie zu werfen. Mir ist egal, dass sie voller Blut ist. Ich halte sie mit aller Kraft fest. Sie können mich nicht von ihr trennen! Vielleicht kommt meine Zauberkraft ja zurück, wenn ich es nur lang genug probiere. Vielleicht habe ich mir einfach nicht genug Mühe gegeben, und sie hört auf, aus dem Fenster zu starren, wenn die Magie wieder funktioniert. Vielleicht muss ich nur oft genug sagen, dass ich sie liebe – und dann blinzelt sie und sagt: »Ich liebe dich auch, Baby. Mein kostbares Baby.«

 

Ich liege auf meinem Bett, auf meiner Baseball-Bettwäsche. Neben mir liegt Josh auf seiner Fußball-Bettwäsche. Normalerweise dreht er durch, wenn er die Baseballgarnitur nicht haben darf, aber dieses Mal hat er sie mir ohne Murren überlassen.

»Wenn du magst, kannst du sie jede Nacht haben«, hat er gesagt. »Von jetzt an darfst du aussuchen.«

Noch vor einer Woche hätte ich mich darüber wahnsinnig gefreut. Aber jetzt ist es mir vollkommen egal. Mir ist alles egal. Sogar, ob ich jemals wieder sprechen werde. Vor einer Woche ist Mommy für immer verschwunden, und seitdem habe ich keinen Mucks von mir gegeben. Das Letzte, was ich gesagt habe, war: »Ich liebe dich, Mommy.« Dabei habe ich sie umarmt, geküsst und mit meinen magischen Händen gestreichelt, die nicht mehr magisch sind. Und ich habe beschlossen, dass dies die letzten Worte sind, die mir jemals über die Lippen kommen.

Als der Polizist mich gefragt hat, wie der große Mann aussah, habe ich nichts gesagt. Selbst als ich hörte, wie Daddy in seinem Arbeitszimmer geweint hat, habe ich nichts gesagt. Und auch nicht, als ich einen Albtraum hatte, in dem der Mann erst meiner Mommy die Kehle durchgeschnitten und mich dann verfolgt hat. Ich bin sogar stumm geblieben, als Daddy uns erzählt hat, dass der böse Mann der Freund von Marielas Schwester war, und Daddy am Telefon zu Onkel William gesagt hat, dass er ihn umbringen will.

Ich setze mich im Bett auf, als ich unten im Foyer Marielas Stimme höre. Ich weiß, dass Mariela im Foyer steht, weil ihre Stimme ganz laut ist und hallt, und das ist nur in diesem Raum so. Denn eigentlich hat Mariela eine sehr leise Stimme.

Ich linse hinüber zu Josh, der tief und fest schläft. Vielleicht sollte ich ihn wecken, damit er Mariela begrüßen kann? Aber nein, sie gehört mir. Ich bin derjenige, der mit ihr in der Küche sitzt und quatscht, während sie venezolanisches Essen kocht. Ich helfe ihr dabei, die Töpfe zu spülen, und höre ihren schönen spanischen Liedern zu. Ich mag es, wenn sie ihre Hände ins Spülbecken taucht und ihre braune Haut danach glatt und glänzend ist, so wie die Karamellsoße auf dem Eisbecher. Marielas Haut ist weich und zart und schön. Wenn sie singt, berühre ich ihren Arm manchmal mit meinen Fingerspitzen, schließe die Augen und streichle sie. Auch ihre Augen sind schön – wie Schokoladenbonbons. Ich liebe ihr Funkeln.

»Señor, por favor!«, ruft sie.

Ich springe aus dem Bett und stürze aus meinem Zimmer. Es ist das erste Mal, dass ich aufstehe, seit Mommy für immer verschwunden ist. Meine Beine fühlen sich steif an und tun weh. Eigentlich hatte ich mir ja geschworen, nie wieder aufzustehen, aber ich will meine Mariela sehen. Auch wenn ich damit meinen Schwur breche. Vielleicht kann ich ja eine neue Regel erfinden, die besagt, dass ich wegen Mariela immer aufstehen darf. So schnell ich kann, flitze ich die Treppe hinunter. Ich kann es kaum erwarten, dass sie mich wieder »Jonasito« nennt oder mir eins ihrer schönen Lieder vorsingt.

Als ich aber Daddys Stimme höre, bleibe ich mitten auf der Treppe stehen.

»Verschwinde!«, sagt er in einem richtig fiesen Tonfall. »Sonst rufe ich die Polizei!«

»No, Señor! Por favor!«, schluchzt Mariela. »Dios bendiga a la señora. Por favor, déjeme ver a mis bebes. Los quiero.« Lassen Sie mich meine Babys sehen! Ich liebe sie.

»Du hast doch diesem Hurensohn gesagt, dass wir bei dem Footballspiel sind! Da hättest du sie ja ebenso gut gleich selbst umbringen können!«

Jetzt schreit Mariela richtig. »No, Señor! Ay, Dios mio, señor. No sabía! Lo juro por Dios.« Jetzt mischt Mariela auch englische Brocken in ihre Sätze. »Bitte, Señor. Ich liebe meine Babys! Son como mis hijos.« Sie sind wie Söhne für mich.

»Señor, bitte. Esta es mi familia.« Das hier ist meine Familie.

»Raus! Verschwinde, verdammt noch mal!«, ruft mein Dad.

Wenn er so wütend ist, besonders, wenn er Mommy oder Mariela anschreit, dann weiß ich, dass ich mich von ihm fernhalten sollte. Aber das ist mir jetzt egal. Ich will Mariela sehen.

Ich renne die Stufen hinunter, laufe quer durchs Foyer und werfe mich ihr in die Arme. Sobald sie mich sieht, beginnt sie zu kreischen und drückt mich an sich. Sie umarmt mich so fest, dass ich kaum noch atmen kann.

Zum ersten Mal, seit Mommy weg ist, spreche ich. »Te quiero, Mariela.« Meine Stimme klingt kratzig.

»Ay, mi hijo«, erwidert sie. »Pobrecito, Jonasito. Te quiero.«

Eigentlich wollte ich, dass meine letzten Worte »Ich liebe dich, Mommy« lauten. Aber ich finde, es zählt nicht, wenn ich etwas auf Spanisch zu Mariela sage, auch wenn es »Ich liebe dich« bedeutet. Spanisch ist nicht wirklich echt, es ist meine Geheimsprache mit Mariela, eine Art So-tun-als-ob. Nicht mal Daddy, der vermutlich der klügste Mann der Welt ist, versteht Spanisch. Deswegen breche ich damit sicher nicht meine Regel.

Daddy brüllt wieder, dass Mariela gehen soll, und ich klammere mich an ihrem Rock fest. »No me dejes, Mariela.« Verlass mich nicht.

»Te quiero, Jonasito.« Mariela weint jetzt heftig. »Te quiero siempre, pobrecito bebe.« Ich werde dich immer lieb haben.

»No me dejes, Mariela.«

»Mariela?« Es ist Josh. Er muss ihre Stimme gehört haben und aufgewacht sein. Schon stürmt er auf sie zu und umarmt sie.

Mariela kniet sich hin und drückt ihn an sich, während ich mich an ihre Schultern klammere.

»Te quiero«, sagt sie zu Josh. »Te quiero, bebe.«

Josh versteht die Geheimsprache zwar ebenfalls, spricht sie aber nicht so gut. »Ich liebe dich auch«, schluchzt er.

»Zeit zu gehen«, sagt Daddy laut und greift nach dem Telefon. »Ich rufe jetzt die Polizei.«

Mariela umschließt Joshs Gesicht mit ihren Händen (was mich ein bisschen neidisch macht) und weint noch stärker. »Cuida a su hermanito«, sagt Mariela zu Josh. »Sabes que él es lo sensitivo.« Kümmere dich um deinen Bruder. Du weißt, wie sensibel er ist.

»Okay, Mariela«, sagt Josh. »Das mache ich.«

»Te quiero«, sage ich. »No me dejes.« Verlass mich nicht.

»O Jonasito«, sagt Mariela. »Te quiero, bebe.«

Sie versucht, mich zu umarmen, aber Daddy zieht sie von mir weg und zerrt sie zur Haustür.

Ich schreie ihren Namen. Ich sage ihr wieder, dass ich sie liebe. Ich weine und weine. Aber was ich auch tue, Daddy schickt Mariela weg und sorgt dafür, dass sie nie wieder zurückkehrt.

 

 

 

Jonas

 

Sie sieht so blass aus.

»Ihr Blutdruck liegt bei neunzig zu fünfzig«, sagt einer der Rettungssanitäter. Sie bilden einen Kreis um sie, sodass neben ihr kein Platz für mich bleibt. Im Krankenwagen ist es ziemlich eng, also sitze ich zu ihren Füßen und umklammere ihre Knöchel.

»Wie heißt sie?«, fragt einer der Sanitäter.

Ich sehe, wie sein Mund sich bewegt, höre sogar die Worte, die er sagt. Aber ich kann nichts erwidern. Ich habe versprochen, dass ich sie beschütze, dass ich niemals zulasse, dass jemand ihr wehtut. Und dann saß ich in diesem verdammten Seminarraum und habe ihrer Musik gelauscht, während sie auf der Toilette um ihr Leben gekämpft hat.

Ein Sanitäter hält etwas an ihren Hals und an ihren Hinterkopf. Ein anderer etwas an ihre Rippen. Und in ihrem Arm steckt eine Infusionsnadel.

»Wie heißt sie?«, fragt der Mann erneut.

Ich will antworten, aber meine Stimme funktioniert nicht mehr.

»Wie alt ist sie?«

Ich schlucke hart, bin nicht bereit, die geistige Umnachtung wieder die Oberhand gewinnen zu lassen. Ich bin jetzt stärker, bin ein anderer. Sarah braucht mich jetzt.

»Sarah Cruz. Vierundzwanzig.«

Sie stöhnt, und ihre Augenlider flattern.

Der Sanitäter rückt beiseite, sodass ich mich über sie beugen und mein Gesicht an ihres drücken kann.

Sie schaut verängstigt, und plötzlich rinnt eine Träne über ihre Wange.

»Jonas?«, flüstert sie so leise, dass man sie kaum hören kann. Dennoch reißt mich diese kleine Frage aus meinen dunklen Gedanken, und ich bin voll und ganz bei meiner kostbaren Sarah, meinem Baby. Ja, ein Wort von ihr hat genügt, um den Wahnsinn zu vertreiben.

»Ich bin da, Süße. Wir sind gerade auf dem Weg ins Krankenhaus. Alles wird gut.«

»Aber der Unterricht beginnt doch in fünf Minuten«, meint sie. »Ich muss los.«

»Wissen Sie, wie Sie heißen?«, erkundigt sich der Sanitäter.

Sie sieht ihn ausdruckslos an. »Jonas?«

»Ich bin da.«

»Setzen Sie sich, Sir.«

»Ich bin da, Baby«, sage ich und setze mich. »Lass die Leute ihre Arbeit machen.« Ich unterdrücke ein Schluchzen.

»Wissen Sie, wie Sie heißen?«, wiederholt der Sanitäter.

Sie macht große Augen.

»Wissen Sie, wie Sie heißen?«

Sie gibt keine Antwort, ist immer noch unglaublich blass.

Mein Herz hämmert gegen meinen Brustkorb.

»Wissen Sie, welcher Tag heute ist?«

»Verfassungsrecht.«

»Wissen Sie, wo Sie sind?«

»Wer sind Sie?«, fragt sie den Sanitäter.

»Ich bin Michael, ein Rettungssanitäter. Ich bringe Sie ins Krankenhaus. Können Sie sich daran erinnern, was passiert ist?«

Sie stöhnt. »In fünf Minuten beginnt der Unterricht! Lassen Sie mich gehen.« Sie ist auf der Bahre festgeschnallt.

»Halt still, Sarah. Du bist verletzt. Bitte beweg dich nicht! Wir fahren ins Krankenhaus. Sag ihnen, wie du heißt.«

Sie sieht mich an. »Jonas?«

»Ich bin da, Baby.«

Sie bricht in Tränen aus. »Bitte geh nicht weg!«

»Ich werde dich niemals verlassen! Ich bin da.« Wieder unterdrücke ich ein Schluchzen. Ich hab ihr doch versprochen, dass ich sie beschütze und dafür sorge, dass ihr nichts zustößt! »Ich bleibe bei dir. Versprochen, Baby.«

Der Krankenwagen hält an, und die Tür schwingt auf. Schon ist sie von Ärzten umringt, die sie mit sich nehmen. Ich jogge neben ihrer Bahre den Flur entlang, bis mich jemand vor einer Schwingtür aufhält.

»Wie heißt sie?«

»Sarah Cruz. C-R-U-Z.«

»Alter?«

»Vierundzwanzig.«

»Sind irgendwelche Allergien gegen Medikamente bekannt?«

»Sie hat nie was erwähnt.«

»Wissen Sie, ob sie heute ein Medikament eingenommen hat? Ganz egal, was?«

Ich schüttle den Kopf. »Nein, nichts.«

»Hat sie irgendwelche Erkrankungen?«

Ich schüttle den Kopf. »Nein.«

»Sind Sie ihr Ehemann?«

Jetzt zittere ich am ganzen Körper. »Ja.«

 

Fünf Minuten später – oder sind es fünf Stunden? – kommt endlich jemand im Wartezimmer auf mich zu.

»Wir führen gerade einige Tests durch«, erklärt mir ein Typ, der einen OP-Kittel trägt. Sein Blick fällt auf mein T-Shirt.

»Wurden Sie verletzt?«

Ich schüttle den Kopf.

»Das ist also ihr Blut?«

Ich nicke.

»Sie ist bei Bewusstsein und kann sprechen. Sind Sie Jonas?«

Ich nicke.

»Sie fragt die ganze Zeit nach Ihnen.« Er lächelt mich mitfühlend an. »Wir bringen Sie so bald wie möglich zu ihr, damit Sie ihre Hand halten können. Haben Sie ein wenig Geduld. Wir testen gerade, wie schwerwiegend ihre Verletzungen sind.«

Ich nicke wieder.

»Warten Sie einfach hier.«

Der Arzt geht, und ich setze mich wieder hin. Noch immer zittere ich wie Espenlaub und kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Je länger ich hier sitze, desto mehr drifte ich ab. Ich habe doch versprochen, sie zu beschützen! Und ich habe versagt. Ich drehe durch. Ich brauche Josh!

Schnell greife ich in meine Hosentasche, aber mein Telefon ist nicht da. Und auswendig kenne ich Joshs Nummer nicht. Normalerweise drücke ich einfach nur auf dem Display auf seinen Namen, und schon höre ich seine Stimme.

Mein Verstand verabschiedet sich. Er flirrt und wabert durch das Weltall und gibt sein Bestes, der geistigen Umnachtung zu entkommen. Leider scheitert er dabei kläglich.

Blick ins Buch
The Club – JoyThe Club – JoyThe Club – Joy

Roman

Nachdem Sarah und Jonas den »Club« zu Fall gebracht haben, genießen sie jetzt ihr wohlverdientes Happy End. Sie heiraten, sind glücklich, und Sarah ist schon bald schwanger – mit Zwillingen. Alles wäre perfekt, wenn Jonas nicht von Ängsten gequält würde. Er befürchtet, dass die Vergangenheit sie doch noch einholen könnte und dass Sarah und den Babys etwas zustoßen könnte. Mit der Zeit sieht er aber ein, dass seine Sorgen ganz normal sind und er sich nicht von ihnen beherrschen lassen darf. Doch dann geschieht das Unfassbare: Die Zwillinge kommen zu früh auf die Welt, und die Geburt verläuft so kompliziert, dass Jonas sich plötzlich mit seinem schlimmsten Albtraum konfrontiert sieht ...
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Jonas

 

Sie kichert. »Jonas.«

»Was? Ich muss mich so viel wie möglich mit deinen Brüsten beschäftigen, bevor sie in ein paar Monaten tabu für mich sind.«

»Sie sind zurzeit äußerst empfindlich. Also geh behutsam mit ihnen um.«

»Ich kann mich nicht zurückhalten, Baby. Sie sind einfach unwiderstehlich.« Ich nehme ihren Nippel in meinen Mund und sauge fest daran.

Sarah quietscht auf. »Ah! Sei vorsichtig, Jonas. Sie sind empfindlich.«

»Ach ja?«

»Ja.« Aber ihre Wangen glühen, dagegen kann sie nichts tun.

»Du meinst, ich soll das hier langsamer angehen?« Jetzt sauge ich fest an ihrem anderen Nippel.

Sarah quietscht erneut auf. »Vorsichtig!« Sie lacht. »Ich weiß nicht, ob ich es liebe oder hasse.«

»Du weißt, dass du es liebst.« Ich setze mich aufrecht hin und betrachte ihren nackten Körper auf dem Bett. »O Mann, Sarah. Ich muss dich zurzeit nur ansehen, und schon habe ich einen riesigen Ständer.«

»Zurzeit?«

»Pst. Mach einfach mit.«

»Tut mir leid.«

»Mein Schwanz ist allein durch deinen Anblick gerade sieben Zentimeter länger geworden.« Mein Penis zuckt. »Deine Brüste passten immer gut in meine Hände, und jetzt schau dich an.« Ich umfasse ihre Brüste mit meinen Händen und bewundere, wie sie daraus hervorquellen.

Sie blickt auf ihre Brüste in meinen Händen. »Ich bin die lateinamerikanische Anna Nicole Smith.«

»Du bist ein verdammter Botticelli, Baby – Die Geburt der Venus. Schau dich doch nur mal an.«

»Ich schau mich ja an. Das sind zwei richtig große Brüste.«

»Jetzt ist mein Schwanz gleich noch mal zwei Zentimeter länger geworden. Du bist Demeter, Baby.« Ich blicke auf meinen steifen Penis hinab. »O Mann, hast du schon mal so einen Ständer gesehen?«

»Jeden Tag, seit ich dich getroffen habe.«

»Nein, Baby. Sieh genauer hin. Diesmal ist es anders.«

Sarah schaut sich meinen Penis mit weit aufgerissenen Augen übertrieben genau an.

»Das ist kein normaler Ständer. Das ist ein Koloss – eine Offenbarung. Die göttliche Idee eines Ständers.«

Sie lacht. »Ich dachte, du stehst nicht so auf Busen.«

»Wie kommst du denn darauf?«

»Keine Ahnung. Vielleicht durch deine Zahnabdrücke auf meinem Hintern?«

»Mhm. Da fällt mir was ein. Ich habe Hunger auf albóndigas.« Ich greife um sie herum und packe ihre rechte Pobacke. Dabei kralle ich meine Finger gierig in das sexy Tattoo, das sie sich für mich in Thailand hat stechen lassen, und sie jauchzt laut auf. Aber als ich ihren Körper umdrehen will, um ihr in den Hintern zu beißen, so wie immer, bevor ich mich an die Arbeit mache, schnappt sie nach Luft und zuckt zusammen.

Ich lasse sie los und rutsche ein Stück weg. Mein Puls wird sofort schneller. »Sarah?«

Ihre Augen sind geschlossen. Sie runzelt die Stirn, legt ihre Hand auf den runden Bauch und zuckt erneut zusammen.

»Habe ich dir wehgetan?« Ich richte mich abrupt auf, und mein Herzschlag pocht in meinen Ohren. »Sarah?«

»Mir geht es gut.« Sie zuckt ein drittes Mal und rollt sich auf dem Bett zusammen.

Mit flachem Atem stehe ich auf. »Sarah, sprich mit mir. Sag mir, was los ist.«

Einen Augenblick lang sagt sie kein einziges Wort, es sind die längsten fünf Sekunden meines Lebens. Ich bin kurz davor, ihren nackten Körper hochzuheben und sie ins Krankenhaus zu fahren, da öffnet sie ihre Augen wieder und atmet erleichtert aus. »Mir geht’s gut«, sagt sie, und ihr Körper entspannt sich sichtlich. »Wow, das war krass.« Sie blickt mich mitfühlend an. »Oje, du siehst aus, als würdest du gleich in Ohnmacht fallen. Tut mir leid.«

»Was war denn los?«

»Das verrückte Äffchen hat direkt auf einem Nerv Zumba getanzt, das ist alles.« Sie grinst mich schief an. »Der Schmerz hat mir für einen Augenblick den Atem geraubt. Aber jetzt ist alles wieder gut. Er hat seine Position verändert.« Sie klopft mit der Hand neben sich aufs Bett. »Setz dich wieder hin, Liebling. Erzähl mir mehr von deinem außergewöhnlichen Ständer.«

Ich setze mich wieder neben sie aufs Bett und atme laut und deutlich aus. O Gott. Dafür bin ich nicht geschaffen. Mein Herz rast immer noch. Ich fahre mit den Händen über mein Gesicht. »Zieh dich an. Ich bringe dich ins Krankenhaus.«

Sie lacht. »Nein, Jonas. Ich habe am Dienstag sowieso einen Termin bei der Ärztin. Keine Sorge.«

»Lass uns lieber auf Nummer sicher gehen.«

»Mir geht es gut. Es wird nur langsam eng dadrinnen, das ist alles. Vier Arme und Beine und Ellbogen und Füße und zwei Köpfe – in meinem Bauch ist einfach ganz schön viel los.« Sie nimmt meine Hand und drückt sie. »Du musst dir keine Sorgen machen.«

Ich atme laut aus. »Ich halte das keine acht Wochen mehr aus.«

»Hey, vielleicht sind es nur noch sechs Wochen, wenn die Ärztin sie wie angekündigt früher holt.«

»Egal, auch das schaffe ich nicht.«

»Mach etwas Musik an, Baby«, sagt sie sanft. »Beruhige dich.«

Ich atme tief ein und aus. Mein Baby kennt mich so gut. Ich hole meinen Laptop und durchsuche kurz die Musikdateien. Ich entscheide mich für »Only for the Night« von den Rx Bandits. Mit dieser Band kann ein Kerl nichts falsch machen.

»Gute Wahl«, sagt Sarah.

Mein Herz schlägt immer noch zu schnell. Ich bleibe sitzen und lausche einen Moment lang der Musik, die mich wie durch Zauberhand beruhigt.

»Oh«, sagt Sarah plötzlich und legt ihre Hand erneut auf ihren Bauch. Meine Gelassenheit verschwindet augenblicklich wieder.

Sie lacht. »Das verrückte Äffchen hat sich jetzt für Kickboxen entschieden. Autsch!«

Ich seufze laut auf. Herr im Himmel.

Sie nimmt meine Hand und legt sie auf ihren Bauch. »Kannst du es fühlen?«

Es dauert nur ein paar Sekunden, bevor ich spüre, wie mir jemand einen Tritt gegen die Handfläche verpasst. »Wow.«

»Mit dem hier werden wir alle Hände voll zu tun haben.« Sie grinst. »Der wird bestimmt eine harte Nuss.«

Ich lege meine Hand auf die andere Seite ihres Bauches und versuche, dort ein Lebenszeichen zu spüren. »Was macht das andere?«

»Das gechillte Äffchen sitzt wie immer da, trinkt ein Bier, sieht sich ein Spiel im Fernsehen an und lacht über seinen Bruder: Entspann dich, Mann.« Sie ahmt Joshs süffisanten Gesichtsausdruck exakt nach. »Du lässt dich immer so schnell auf die Palme bringen, Bro.« Sie bricht in Gelächter aus.

»Das war eine ziemlich gute Imitation«, sage ich und lege meine Hände um ihren Bauch. »Hat sich das gechillte Äffchen schon bewegt? Ich spüre hier nämlich gar nichts.«

»Ja, Liebling. Er ist noch da. Keine Sorge.«

Ich atme erleichtert aus. »Du musst übrigens damit aufhören, immer ›er‹ und ›Bruder‹ zu sagen. Wir sollten uns nicht zu sehr auf ein Geschlecht versteifen. Glückseligkeit wird geboren aus der Abwesenheit von Erwartung.«

»Platon?«

»Nein, Jonas Faraday.«

Sie schenkt mir ihr verschmitztes Grinsen. »Ich werde keines meiner Äffchen ›es‹ nennen. Sie sind Äffchen, keine Goldfische.«

»Na gut, aber dann sag wenigstens die Hälfte der Zeit ›sie‹ zu ihnen, damit uns die Götter nicht wegen hemmungsloser Selbstüberschätzung bestrafen.«

Sie lehnt sich zurück, verschränkt ihre Arme hinter dem Kopf und setzt dabei ihre fantastischen Brüste in Szene. »Das ist keine hemmungslose Selbstüberschätzung, das ist mütterliche Intuition. Ich spüre es bis in die Knochen, dass in mir zwei kleine Faraday-Jungs heranwachsen.« Sie sieht reumütig an die Decke. »Gott steh uns bei.«

Ich streiche erneut über ihre Kurven und versuche, mein rasendes Herz zu beruhigen.

»Wenn du Angst hast, dass wir uns auf das falsche Geschlecht einstellen«, sagt sie, »dann lass uns doch einfach Dr. Johnston fragen.«

»Nein.« Ich beuge mich hinunter und küsse sie auf den Bauch.

Sarah fährt mit ihrer Hand durch mein Haar. »Aber wenn wir das Geschlecht wüssten, dann könnte ich endlich die Wände im Kinderzimmer bemalen und –«

»Nein.« Jetzt arbeiten sich meine Lippen von ihrem Bauchnabel runter in Richtung ihres OAM-Tattoos vor.

»Ach, komm schon, Jonas. Bitte.«

Ich blicke zu ihr auf. »Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich geduldig, meine Liebe. Du solltest mir applaudieren und mich nicht ausbremsen.«

»Aber ich könnte das Gemälde und alles andere schon vorberei-«

»Nein«, sage ich bestimmt. »Wir werden uns überraschen lassen. So, wie es die Natur vorgesehen hat. Ende der Diskussion.«

Sie seufzt. »Ende der Diskussion«, flüstert sie und verdreht dabei ihre Augen. »Eine weitere Runde süßer Vorfreude, die mir von Jonas Faraday gewährt wird.«

Ich antworte nicht. Sie missversteht mich, und das ist auch gut so. Es geht mir nicht um noch mehr süße Vorfreude für uns beide – nicht im Geringsten. Ich bin einfach nur realistisch – oder habe vielmehr einen gewissen Selbsterhaltungstrieb. Die Wahrheit ist, Sarah und ich hatten die letzten drei Jahre eine wahnsinnig tolle Zeit. Mit meiner sexy Frau verheiratet zu sein ist besser, als ich es mir hätte träumen lassen. Noch dazu ist Climb and Conquer schon längst über unser ambitioniertes Dreijahresziel hinausgeschossen. Aber egal, wie gut es das Leben in letzter Zeit auch mit mir gemeint hat, ich bin immer noch Jonas Faraday, was bedeutet, dass mein Glück nicht ewig währen wird. Das ist einfach so. Mit irgendetwas werde ich dafür bezahlen müssen, und ich habe eine Heidenangst davor, dass dieses »irgendetwas« die zwei kleinen Äffchen sind, die gerade in Sarahs Bauch heranwachsen. Ein Ehemann sollte seiner schwangeren Frau allerdings niemals sagen, dass er überzeugt davon ist, dass am Ende ihrer Schwangerschaft nicht grenzenlose Freude, sondern unbändiges Leid auf sie warten, und deshalb habe ich Sarah noch nichts von meinen düsteren Vorahnungen erzählt.

Die Angst überkommt mich erst seit ungefähr einem Monat. Am Anfang von Sarahs Schwangerschaft haben sich meine inneren Dämonen noch still verhalten. Als Sarah mich zum ersten Mal gefragt hat, was ich davon halten würde, es mit einem kleinen Babyäffchen zu versuchen, habe ich keine Sekunde lang gezögert und »Ja, verdammt!« gerufen. Und als mir Sarah ein paar Monate später jauchzend in die Arme gesprungen ist und gesagt hat, dass zwei rosa Striche auf dem Test erschienen seien, da habe ich mit ihr zusammen vor Glück geweint.

Erst als die Ärztin uns gesagt hat, dass Sarah mit Zwillingen schwanger ist, erschien ein Bild vor meinem inneren Auge, das seither nicht mehr verschwinden will. Mir ist plötzlich klar geworden, was ich in Zukunft alles verlieren könnte. In meinem immer wiederkehrenden Tagtraum oder was es auch sein mag, kuschelt sich Sarah mit zwei kleinen Mädchen – zwei dunkelhaarigen Schönheiten mit der olivfarbenen Haut und den strahlenden Augen ihrer Mutter – in unser Bett und erzählt ihnen auf Spanisch eine Gutenachtgeschichte. Diese Szene raubt mir den Atem, aber was mich wirklich umhaut, ist die Art, wie die Mädchen an den Lippen ihrer Mutter hängen, während Sarah sie voller Liebe anschaut. Bevor sich diese Vision in meinem Kopf eingenistet hat, dachte ich, das Leben mit Sarah sei das Höchste, was der Mensch erreichen kann. Aber jetzt weiß ich, dass es sogar noch besser geht – und der Gedanke, dass ich das, was ich in meiner Vision gesehen habe, verlieren könnte, bereitet mir Todesangst.

Ich habe immer wieder versucht, dieses Bild aus meinem Kopf zu bekommen, in der Hoffnung, mir damit unsägliches Leid und den sicheren Wahnsinn zu ersparen, wenn das Glück mich schließlich wieder verlässt (was auf jeden Fall passieren wird, schließlich geht es hier um mich), aber es hilft nichts. Ich habe die göttliche Idee meines grenzenlosen Glücks gesehen, und das kann ich nicht mehr rückgängig machen. Es ist, als würde ich mich daran erinnern, wie sich die kleinen Mädchen an Sarah kuscheln, und es mir nicht bloß vorstellen. Und je länger ich darauf warte, dass das Unheil über mich hereinbricht, desto größer werden meine Ängste. Sie verschwinden nur noch in den glücklichen Momenten, in denen Sarah und ich allein in unserem Kokon für zwei sind.

»Also, mein Liebster«, sagt Sarah und fährt mir wieder mit ihrer Hand durchs Haar. »Es gibt etwas, worüber ich mit dir reden will.«

Ich höre auf, ihr Tattoo zu küssen, und atme tief ein und aus. In der Geschichte der Menschheit hat eine angenehme Unterhaltung mit einer Frau noch nie mit diesen Worten begonnen. Ich blicke zu ihr auf. Bitte, lieber Gott, lass sie jetzt nicht über unsere Gefühle sprechen – ich habe einen Wahnsinnsständer und will einfach nur mit meiner wunderschönen, schwangeren Frau schlafen, um die Ängste in mir zu verdrängen.

Sie grinst mich mit erröteten Wangen an, ihre Nippel sind hart. »Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber meine Hormone spielen seit geraumer Zeit etwas verrückt«, sagt sie.

Ist das eine Falle? Ich müsste taub, stumm und blind sein, wenn ich Sarahs starkes sexuelles Verlangen nicht bemerkt hätte – eine nette Nebenerscheinung der Schwangerschaft, der ich mich nur allzu gern füge.

»Um es auf den Punkt zu bringen«, fährt sie fort, »den ganzen letzten Monat habe ich mir gewünscht, dass mein Ehemann mich nimmt, als würde ich ihm zwanzig Dollar schulden, aber er tut es einfach nicht.«

Ich runzle die Stirn.

Sie lacht. »Habe ich jetzt deine Aufmerksamkeit, mein süßer Jonas?«

»Auf jeden Fall. Ich verschenke nicht einfach so zwanzig Dollar.«

»Also, hier ist der Deal, Göttergatte. Seit Monaten gehst du jetzt schon extrem behutsam mit mir um, was absolut verständlich und auch furchtbar süß von dir ist. Ja, ich weiß, dass Dr. Johnston gesagt hat, wir sollen es im letzten Drittel nicht zu arg treiben, was auch immer das bedeutet. Und ja, ich bin ebenfalls der Meinung, dass wir unsere armen kleinen Babys nicht mit deinem monströsen Penis malträtieren sollten, aber ich denke wirklich, dass du es mit der Behutsamkeit ein bisschen zu genau nimmst. Ich sage das aus Liebe zu dir – halt, nein, das ist eine Lüge. Ich bin einfach nur geil, und ich finde, es ist Zeit für wilden animalischen Sex mit deiner schwangeren Frau.« Sie klopft sich auf den Bauch. »Ich bin ein Wasserball, Baby. Komm schon, spiel mit mir.«

Für einen Moment verschlägt es mir die Sprache. Ich muss erst mal verarbeiten, was sie da gerade gesagt hat.

»Ich hätte mal wieder Lust auf den Bogen. Das war doch super, oder? Diese Stellung haben wir schon lange nicht mehr ausprobiert. Oder der Liegestuhl? Oder vielleicht der Pile Driver?«

Ich deute auf ihren Bauch. »Das ist momentan so gut wie unmöglich. Was hältst du davon, wenn wir auf diese genialen Ideen in ungefähr acht Wochen noch mal zurückkommen?«

Sie beißt sich auf die Lippe. »Okay, aber ich fühle mich ein bisschen vernachlässigt. Ich dachte, wir könnten vielleicht irgendetwas finden, das wenigstens annähernd so verrückt ist. Wie wäre es mit einem Rollenspiel? Wir könnten so tun, als wären wir in Thailand, ich bin außer Rand und Band, und du bist total sauer auf mich.«

Ich öffne meinen Mund und schließe ihn sofort wieder. Ich kann nicht fassen, dass sie jetzt Thailand erwähnt. Ich war nicht »total sauer« auf sie in Thailand, ich war absolut in Rage. Selbst wenn ich wollte, könnte ich diesen Zorn nicht nachspielen.

»Wir können natürlich nicht genau das machen, was wir in Thailand gemacht haben«, sagt sie kichernd. »Danach konnte ich kaum noch laufen. Ich habe Thailand nur erwähnt, damit wir eine Idee davon bekommen, was mir vorschwebt.« Sie beißt sich wieder auf die Lippe.

Ich hole tief Luft. Ich weiß, worauf Sarah wirklich hinauswill, und das ist nicht mein Zorn. Sie will, dass ich sie wieder fessle, auch wenn sie es offenbar nicht laut aussprechen mag, schließlich weiß sie, was für ein heikles Thema Bondage für mich aufgrund meiner Vergangenheit ist. Ich bringe kein Wort heraus. Ich bin mir nicht sicher, was ich von dieser seltsamen Nacht in Thailand halten soll. Ich dachte immer, es sei ein einmaliges Erlebnis gewesen, das sich aus der Situation heraus ergeben hat. Das Einzige, worüber ich mir in Bezug auf diese Nacht in Bangkok sicher bin, ist, dass Mr 2Real, dieser verdammte Hurensohn, sich selbst ficken kann.

Als ich nicht antworte, kaut sie auf der Innenseite ihrer Wange herum.

Was genau erwartet sie jetzt von mir? Sie ist fast im neunten Monat schwanger mit Zwillingen. »Wir müssen uns nur noch acht weitere Wochen gedulden, Baby«, sage ich sanft. »Dann gehört dein Hintern wieder mir.«

Sie beißt sich auf den Finger und zieht einen Schmollmund. »Ich will ja auch auf Nummer sicher gehen, aber vielleicht finden wir trotzdem eine Möglichkeit für wilden animalischen Sex? So etwas wie eine sichere Version von Rio vielleicht?«

»Sarah, es gibt keine sichere Version von Rio. In Rio war ich total betrunken«, sage ich sachlich.

Sie lacht. »Das heißt aber nicht, dass es nicht unglaublich geil war.«

»Überlass das von jetzt an mir, okay, Baby? Ich habe gehört, was du gesagt hast, und ich werde mich darum kümmern. Mach dir keine Gedanken.«

»Es ist doch aber die reinste Ironie, dass mich diese ganzen Hormone so unglaublich geil machen und wir das nicht in vollen Zügen auskosten können. Wie dieses alte Sprichwort: ›Die Jugend ist an die Jugendlichen verschwendet.‹«

»Sch.« Ich küsse ihren Hals, und sie seufzt genussvoll.

Sie packt mich am Haar und zieht fest daran. »Du wirst ein Schlupfloch in den Anweisungen der Ärztin finden, okay?«

»Mein Baby will also ein Schlupfloch, ja?« Meine Küsse wandern von ihrem Hals zu ihren Brüsten. »Jetzt verstehe ich.«

»O ja, bitte. Biete mir ein Schlupfloch, Baby.« Sie streckt mir ihren Oberkörper entgegen, als ich mit der Zunge um ihren Nippel fahre. »Schluuupfloooch«, sagt sie.

Wir müssen beide lachen. Seit einiger Zeit machen wir uns gegenseitig mit Wörtern heiß, die schmutzig klingen, es aber nicht sind. »O Baby, ich liebe deinen Dirty Talk«, flüstere ich. Ich wandere mit meiner Zunge von ihren Brüsten zu ihrem Bauch und liebkose ihre Haut.

Sie stöhnt. »Schluuupfloooch.«

Gott, ich liebe diese Frau. Ich blicke zu ihr hinauf. »Pst ... jetzt wird nicht mehr geredet. Jetzt wird losgelegt.«

Ihre Augen leuchten auf. »Jetzt wird losgelegt.«

Ich drücke ihre Beine auseinander und platziere mich zwischen ihnen.

»Wirst du mich jetzt nehmen, als würde ich dir zwanzig Dollar schulden?«

»Ich werde dich nehmen, als würdest du mir hundert Dollar schulden. Verkauf dich niemals unter Wert, Baby.«

Sie lacht.

»Und jetzt sei leise.« Ich deute auf meinen Penis. »Mein Schwanz ist nämlich um weitere fünf Zentimeter gewachsen, während wir hier sitzen und darüber reden, miteinander zu schlafen, anstatt es einfach zu tun.«

»Bei dieser unvorhergesehenen Wachstumsrate wird dein Ständer am Abend in New York City angekommen sein.«

»Und morgen früh in London.«

Sie nickt bestimmt. »Okay, Baby. Lass uns weitermachen mit diesem halb wilden Sex, der zu den Anweisungen der Ärztin passt, mir aber trotzdem das Gefühl gibt, ein richtig dreckiges Mädchen zu sein.«

»Danke, lieber Gott.« Ich verdrehe die Augen.

Sarah kichert.

Ich wende mich zu meinem Computer auf dem Nachttisch um und suche nach der richtigen Musik. Mein Penis pocht erwartungsvoll.

»Spiel ›You Owe Me‹«, sagt Sarah.

»Was ist das?«

»Hip-Hop. Ich glaube, von NAS. Wenn du dir deine wunderschöne Frau schon vornehmen willst, als würde sie dir hundert Dollar schulden, dann brauchst du auch die perfekte Hintergrundmusik dazu.«

»Du und dein verdammter Hip-Hop, OAM Cruz.« Ich suche weiter und schüttle meinen Kopf. »Merk dir meine Worte: Ich werde niemals im Leben zu Hip-Hop-Musik mit dir schlafen.«

Sie lacht.

Ich entscheide mich für »R U Mine« von den Arctic Monkeys, drücke auf Play und drehe mich wieder zu ihr um. »Du bist wunderschön. Sieh dich nur an. O Mann.« Ich krieche zu ihr und sauge an ihrem Ohrläppchen. »Mach dich bereit, Baby.«

Sie kichert glücklich.

»Du wirst dich so unglaublich gut fühlen«, flüstere ich und dringe mit meinen Fingern in ihr feuchtes Loch ein. »Du wirst dich nicht einmal mehr an Thailand oder Rio erinnern.«

Sie gibt einen Laut von sich, der mir sagt, dass ihr diese Idee gefällt.

»Oder an deinen eigenen Namen.«

»Ja, bitte. Danke«, keucht sie.

Ich krabble wieder zwischen ihre Beine und spreize sanft ihre Oberschenkel. Sie atmet tief ein und bereitet sich darauf vor, was gleich kommen wird (oder besser, wer gleich kommen wird).

Ich küsse eine Zeit lang die Innenseiten ihrer Oberschenkel, um ihre Vorfreude in die Länge zu ziehen. Dann bahnen sich meine Lippen langsam einen Weg zu ihrer Öffnung. Aber bevor ich dort ankomme, dringe ich noch mal mit meinen Fingern in sie ein und streichle über die verräterisch raue Stelle in ihr. Nachdem ich ein paar Sekunden lang ihren G-Punkt genau so fest massiert habe, wie sie es liebt, lodert sie auf, als hätte ich ihre innere Flamme hochgedreht.

»Bitte«, keucht sie und streckt ihren Rücken durch, während sie ihre Finger ins Bettlaken krallt.

»Bitte, was?«

Sie sagt etwas Unzusammenhängendes. Ich spüre, wie sich ihr G-Punkt unter meinen Fingerspitzen aufbläht wie ein Wasserballon. O Gott, wie ich dieses Gefühl liebe. Ich weiß, was mein Baby mag – sogar noch besser, als sie selbst es weiß. »Willst du, dass ich dich lecke?«, flüstere ich, und mein warmer Atem streift über ihre Pussy, während meine Fingerspitzen sie weiterbearbeiten.

Sie stöhnt.

Ich erhöhe den Druck tief in ihr drin, und sie zieht sich keuchend vor Lust zusammen.

»Bitte darum«, flüstere ich.

Sie drückt ihren Rücken durch und stößt einen hohen Laut aus.

»Bitte mich darum«, wiederhole ich, während meine Finger sich mit absoluter Präzision bewegen.

»Bitte«, stöhnt sie.

»Bitte, was?« Ich habe sie sprichwörtlich in der Hand, und ich kenne kein besseres Gefühl als das. Meine Schwanzspitze ist bereits feucht. Ihre Lust zu sehen macht mich jedes Mal wahnsinnig an.

Sie antwortet mit einem noch lauteren Stöhnen.

Ich erhöhe den Druck und die Geschwindigkeit meiner Finger noch mehr, und sie verliert förmlich den Verstand unter meinen Berührungen.

Ihr Körper beginnt, sich um meine Finger zusammenzuziehen. Ich kann ihren nahenden Orgasmus fühlen. Ich beuge mich nach vorn und lecke an der köstlichen Haut, die meine Finger umschließt, gebe aber Acht, dass ich ihre Klit nicht berühre. Sie ruft etwas Unverständliches und schlägt um sich. Ich fahre mit der Zunge um ihre Öffnung herum, und sie stöhnt lustvoll auf.

Ihre Muskeln um meine Finger zucken bereits. Das war einfach.

»Flehe mich an, du schmutziges Mädchen«, befehle ich ihr.

»Bitte«, keucht sie.

»Okay, Baby. Aber nur, weil du mich so nett darum gebeten hast.«

Ihr Bauch ist im Weg, deshalb dauert es ein bisschen länger, bis ich den richtigen Winkel für meine Zunge und meine Hand gefunden habe, aber ich bin ein zielstrebiger und ehrgeiziger Typ, also gelingt mir auch das. Gott sei Dank, denn in dem Moment, in dem meine Zunge ihre empfindliche Stelle berührt, zuckt sie zusammen vor Lust. Es dauert nur eineinhalb Minuten, bis für diese Frau Weihnachten und Geburtstag zusammenfallen: ein gleichzeitiger klitoraler und vaginaler Orgasmus. Absolut fantastisch – und eine ganz neue Erfahrung für meinen kleinen Mount Everest.

Ich darf keine Sekunde verlieren. Sie darf sich nicht wieder sammeln. Das hier ist einfach zu gut. Ich drücke sie auf die Seite, presse mich von hinten an sie und flüstere ihr ins Ohr: »Mach dich bereit, durchgenommen zu werden, mein schmutziges Mädchen.« Ich lehne mich zurück und nehme eine Tube Gleitgel vom Nachttisch. Dann dringe ich gleichzeitig und ohne Vorwarnung mit meinem Penis in ihr feuchtes Loch und mit meinem eingeölten Finger in ihren Hintern ein. Mit meiner freien Hand massiere ich ihre Klit.

Ha! Meine Frau verliert tatsächlich sofort ihren Verstand. So viel also zu ihrem Gerede von vorhin. Wann wird sie endlich begreifen, dass sie die Kunst des Geschlechtsverkehrs mir überlassen soll?

»Du wirst nicht kommen, bevor ich es dir sage«, flüstere ich ihr mit heiserer Stimme ins Ohr. Ich bin so heiß, dass ich das Gefühl habe, gleich zu explodieren. Nichts macht mich mehr an, als zu hören, wie sie abgeht.

Sie keucht und zieht sich innerlich zusammen, aber sie hält durch.

»Du wirst kommen, wenn ich es dir erlaube«, sage ich und stoße langsam in sie hinein, während ich jeden Zentimeter von ihr bearbeite. Sie schnappt nach Luft. »Erst wenn ich es dir erlaube. Denn du gehörst mir, schmutziges Mädchen.«

Sie stößt wilde Laute aus. Diese Frau wird noch halb Seattle aufwecken, und ich liebe es.

»Jetzt«, stöhnt sie, und ihr ganzer Körper zuckt unkontrolliert.

»Noch nicht.«

Sie keucht.

Ich fahre damit fort, langsam in sie einzudringen – ganz langsam, denn egal, wie sehr mein Mädchen auch danach verlangt, ich werde jetzt auf keinen Fall etwas Riskantes tun. Gleichzeitig bewegen sich meine Finger unermüdlich weiter. »Du wirst erst kommen, wenn ich es dir sage, Baby.«

Sie stöhnt und zuckt heftig unter meinen Berührungen.

»Erst wenn ich sage, dass du kommen darfst.«

Sie stöhnt erneut. Shit, sie ist kurz davor. Ich wünschte, das hier könnte Stunden dauern, so gut ist es. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, wenn ich an ihr Gerede von vorhin denke. Diese Frau gehört mir. Sie tut genau das, was ich ihr befehle. »Flehe mich an«, sage ich leise und streng.

»Bitte«, keucht sie erneut.

Ich beiße leicht in ihr Ohr. »Das gefällt dir, oder, Baby?«

Sie ist dabei, die Kontrolle zu verlieren.

»Wirst du in Zukunft deinen Mund halten und mich tun lassen, worin ich gut bin?«

»Ja.«

»Du fühlst dich herrlich an, Baby«, flüstere ich in ihr Ohr und stoße ein bisschen fester zu.

Sie gibt diesen ganz bestimmten Laut von sich, und ich weiß, sie kann sich nicht mehr länger zurückhalten. Genauso wenig wie ich.

»Du wirst kommen, wenn ich es dir sage, und zwar noch heftiger als beim letzten Mal.«

»Mhmm.«

»Du wirst so heftig kommen, dass du fast ohnmächtig wirst.«

Sie gibt das heißeste Geräusch von sich, das ich je gehört habe, und nun kann auch ich es nicht mehr länger aushalten. »Jetzt, Baby«, flüstere ich ihr ins Ohr. »Genau jetzt.«

Sie atmet hörbar aus, und augenblicklich zieht sich ihr Hintern um meinen Finger und ihr Loch um meinen Penis zusammen, während ihre Klit unter meinen Fingerspitzen zuckt. Alles auf einmal. Dieser Orgasmus ist so unglaublich – und so einzigartig, um ehrlich zu sein, egal, wie gut ich auch bin –, dass ich ebenfalls die Kontrolle verliere und gemeinsam mit ihr komme.

Als wir uns nach einem Moment wieder beruhigt haben, küsse ich das Tattoo auf ihrem Hintern. »Du gehörst mir«, sage ich. »Ich besitze dich.«

»Das hoffe ich«, sagt sie leise. »Ansonsten würde ich das Tattoo auf meinem Hintern unter größten Schmerzen wieder entfernen lassen müssen.«

Ich krabble über ihren erschlafften Körper und lege mich auf die Seite, um sie ansehen zu können. Ihr Gesicht ist schweißbedeckt. Ihre Augen sind geschlossen. Sie streichelt über ihren Bauch. Im Moment ist sie fix und fertig. Verdammt, ich bin gut darin. Ich würde mir am liebsten selbst auf die Schulter klopfen. Ich schwöre, es gibt niemanden, der das hier besser kann als ich, selbst wenn meine Göttin fast im neunten Monat schwanger ist mit Zwillingen.

»Wow, wow, wow«, sagt sie leise. »Das war unglaublich. Ich denke, das war der beste Orgasmus meines Lebens. Im Ernst.«

In diesen Momenten finde ich sie am allerschönsten – im Nachglanz der totalen sexuellen Befriedigung. Ich berühre ihr wunderschönes Gesicht.

»Wow«, sagt sie erneut und grinst breit. »Du bist jetzt bestimmt mächtig stolz auf dich, vor allem weil ich vorher noch so große Reden geschwungen habe.«

»O ja, das bin ich. Der Samurai ist in Bestform, auch wenn er aufgrund höherer Gewalt nur begrenzt kämpfen kann.«

»Na, nicht unbedingt aufgrund höherer Gewalt. Du bist schließlich derjenige, der in erster Linie dafür verantwortlich ist.« Sie tätschelt ihren Bauch und seufzt zufrieden. »Den Äffchen dadrinnen hat es genauso gut gefallen wie mir. Vielleicht sogar noch besser. Während du mit mir geschlafen hast, haben sie dadrinnen Purzelbäume geschlagen und sind total ausgeflippt. Aber in dem Moment, in dem dieser Wahnsinnsorgasmus mich überkommen hat, sind sie sofort still geworden, als hätten sie sich nach einem langen Arbeitstag in die wohlverdiente Badewanne gesetzt.«

»Das ist mal eine interessante Mischung an Metaphern. Gehen Affen zur Arbeit? Und wenn ja, entspannen sie sich dann nach einem langen Tag wirklich in der Badewanne?«

Sie lacht. »Na gut, du hast recht. Dann sind sie halt still geworden, als hätten sie sich nach einer Unmenge an Abschlussprüfungen in einen Massagestuhl gesetzt.«

Ich muss lachen.

»Wie auch immer, du hast einen Superjob gemacht.« Sie kichert.

»Kluges Mädchen.« Ich berühre ihren Bauch. »Ich kann mir nicht im Geringsten vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn zwei menschliche Wesen in einem heranwachsen.«

»Das kannst du wirklich nicht.« Sie seufzt erneut glücklich. »Es ist ziemlich cool.«

Ich hatte eigentlich nicht vor, das zu tun – zumindest nicht, bevor ich mir nicht hundertprozentig sicher bin, dass ich das damit verbundene stille Versprechen halten kann –, aber plötzlich kann ich nicht mehr widerstehen. »Warte einen Moment«, sage ich. »Ich habe eine kleine Überraschung für dich, meine Metaphern mischende Sexgöttin.« Ich stehe auf und will zu meinem Kleiderschrank gehen.

»Hey, wackel mit deinem Po für mich«, ruft sie mir wie immer hinterher. Und ich belohne sie mit einem kleinen Hüftschwung, während ich an ihr vorbeigehe.

Hinter mir jauchzt sie vor Freude. »Sexy!«

Ich muss lachen. Diese Frau ist so leicht glücklich zu machen.

Ich greife nach einer großen Schachtel in der hintersten Ecke meines Schranks und gehe wieder zurück zum Bett.

»Was ist das?«, fragt Sarah und beäugt die Schachtel.

»Mach sie auf und finde es heraus.«

Blick ins Buch
The Club – KissThe Club – Kiss

Roman

Playboy Josh Faraday ist es gewohnt, zu bekommen, was er will. Und als Nächstes steht Sarahs beste Freundin auf seiner Liste – Kat Morgan, das wilde Partygirl. Wer auch immer behauptet, Liebe sei genügsam, ist diesen beiden noch nicht begegnet. Josh und Kat pokern gerne hoch. Was wäre die Liebe auch ohne Vorspiel und hohen Spieleinsatz? Doch wie lange können sie dem jeweils anderen widerstehen? Wer wird der Versuchung als Erstes nachgeben? Ein verführerisches Wechselbad der Gefühle beginnt. Aber ist es ein Spiel mit Chance auf Wiederholung, oder ist der Einsatz zu hoch?
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Josh

Verdammt noch mal! Was hat Jonas jetzt schon wieder? Ich mache mir solche Sorgen, dass es kaum auszuhalten ist. Ich blicke aus dem Fenster meiner Limousine und bin mit derselben Angst erfüllt, die mich immer überkommt, wenn Jonas mich mit dieser unverholenen Panik in der Stimme anruft. Natürlich habe ich nach seinem Anruf alles stehen und liegen lassen und sofort den nächsten Flug nach Seattle genommen. Aber anders als sonst habe ich dieses Mal nicht die leiseste Ahnung, warum Jonas so panisch ist. Und das wiederum macht mich panisch. »Hey!«, rufe ich dem Fahrer zu. »Könnten Sie bitte einen Sender suchen, auf dem etwas Ruhigeres läuft?« Das Lied, das mir gerade in den Ohren dröhnt, ist »I’m Too Sexy« von Right Said Fred – definitiv nicht das Richtige, um meine Nerven zu beruhigen. »Wie wäre es damit?«, sagt der Fahrer und wechselt den Radiosender. Hier läuft »Mad World« von Tears for Fears. »Ja«, sage ich und grinse in mich hinein. »Lassen Sie das an. Danke.« Als mein Bruder mich vorhin angerufen hat, habe ich angenommen, dass Jonas von seiner Reise nach Belize mit der tollsten Frau der Welt zurückgekommen war – mit der einzigartigen, magischen und mystischen Sarah Cruz, für die er sich in den Server der Universität von Washington eingehackt hat, obwohl er sie noch nie zuvor gesehen hatte – und mir vorschwärmen will, wie toll sie doch ist. Aber in dem Moment, in dem ich seine Stimme gehört habe, war mir sofort klar, dass er mir nicht von seiner neuen Flamme erzählen will. Ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmt. Ganz und gar nicht stimmt. »Geht es dir gut? Geht es Sarah gut?«, habe ich ihn mit einem mulmigen Gefühl im Bauch gefragt. »Ja, mir geht es gut. Die Reise war unglaublich – Sarah ist unglaublich«, hat Jonas geantwortet. Aber bevor ich erleichtert ausatmen konnte, hat er etwas gesagt, das mich total verwirrt hat. »Es ist der Club, Josh. Das Ganze ist ein reiner Betrug – ein Riesenschwindel. Ich glaube, Sarah ist in Gefahr, ich meine ... ernsthaft in Gefahr.« Was zum Teufel? Ich hatte keine Ahnung, was das heißen sollte. Mad World – eine verrückte Welt –, wie wahr. Es ist jetzt schon über drei Stunden her, seit Jonas mich angerufen und mir diese seltsamen Dinge gesagt hat, und ich habe immer noch nicht herausgefunden, was er damit gemeint haben könnte. Der Club ist ein Schwindel? Nein, Jonas, das ist er nicht. Zufällig weiß ich aus eigener Erfahrung, dass er das hundertprozentig nicht ist. Ich kann persönlich bestätigen, dass ich meine Anmeldung ausgefüllt, mein Geld gezahlt und genau das bekommen habe, wonach ich verlangt habe. Bis ins kleinste Detail, in mehreren Städten, einen gesamten wunderbaren und erlösenden Monat lang. Was ist daran Betrug? Wahrscheinlich hat Jonas einfach nur nicht das bekommen, wonach er verlangt hat. So wie ich ihn kenne, wollte er eine magische Kombination aus Zirkus, der Philosophieabteilung von Yale und American Ninja Warrior. Und jetzt glaubt er, er wurde reingelegt. Ich denke, es ist eher ein typischer Fall von »nicht die anderen sind das Problem, sondern du«. Als ich Jonas zum ersten Mal vom Club erzählt habe, hätte ich ihm Folgendes sagen sollen: Bro, wenn du deine Anmeldung ausfüllst, ist weniger mehr. Frag einfach nach den ein oder zwei Dingen, für die du sterben würdest, und belass es dabei. Mehr geht in einem Monat sowieso nicht, glaub mir. Verlang nicht zu viel. Ich schüttle meinen Kopf. Jonas kann einfach nicht mit Frauen – das konnte er noch nie. Nicht, dass sie sich ihm nicht alle an den Hals werfen würden, sobald sie ihn sehen – natürlich tun sie das. Wo er auch ist, lassen die Frauen förmlich für ihn die Hosen runter. Aber dann macht er seinen verdammten Mund auf und fängt an, Platon zu zitieren und in Rätseln zu sprechen, und dabei guckt er wie ein Serienmörder, und dann rennen sie alle schreiend davon. (Gott allein weiß, wie er diese Sarah dazu gebracht hat, so lange bei ihm zu bleiben ... Aber vielleicht steht sie ja auf Platon, wer weiß.) Nehmen wir mal an, der Club wäre tatsächlich irgendein Schwindelverein (was nicht der Fall ist): Warum sollte Jonas’ neue Freundin deswegen in Gefahr sein, in ernsthafter Gefahr? Ich verstehe das einfach nicht. Das Einzige, was mir dazu einfällt, ist, dass Jonas Sarah vielleicht im Club kennengelernt hat. Aber das ergibt keinen Sinn. Als ich Jonas vor Kurzem nach seiner Mitgliedschaft gefragt habe, hat er geantwortet, dass er sich zwar angemeldet, dann aber vollkommen darauf konzentriert hat, seine mysteriöse Jurastudentin flachzulegen. Ich merke gerade, dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann. Ich blicke aus dem Autofenster und lausche eine Minute lang dem Lied. Ehrlich gesagt mache ich mir Sorgen, dass Jonas wieder eine Art psychischen Zusammenbruch haben könnte. Aber warum jetzt? Soweit ich weiß, ging es meinem Bruder in letzter Zeit fantastisch. Als wir letzte Woche diese ganzen Verhandlungen wegen der neuen Kletterhallen geführt haben, war er in Topform. Er hat jeden von seinen Ideen überzeugt und alle um den kleinen Finger gewickelt. Und er hat super ausgesehen – wesentlich besser als ich, muss ich zugeben. Ja, er konnte die drei Tage, die ich mit ihm zusammen war, nicht aufhören, über diese Sarah zu reden. Das ist so untypisch für ihn, dass ich zuerst gedacht habe, er würde mich verarschen. Aber als ich merkte, dass er es absolut ernst meint, hat mich das nicht beunruhigt. Im Gegenteil – ich habe mich für ihn gefreut. Doch jetzt frage ich mich, ob seine Besessenheit von ihr ein Zeichen dafür gewesen war, dass in seinem Kopf etwas nicht stimmt. Eigentlich war ich ja ein bisschen besorgt, als er mich angerufen und darum gebeten hat, irgendeine Frau ausfindig zu machen, die ihm eine E-Mail geschrieben hat. (Jonas’ Besessenheit von irgendetwas ist kein gutes Zeichen für seine mentale Gesundheit.) Aber zu meiner großen Erleichterung und Überraschung hat sich herausgestellt, dass die mystische Sarah Cruz alle Mühe wert war und ein wirklich fantastisches Mädchen ist. Als ich sie während unserer gemeinsamen Fahrt zum Flughafen kennengelernt habe, dachte ich mir, dass sie die Frau sein könnte, die das Beste in meinem Bruder zum Vorschein bringt. Sie ist wirklich umwerfend. Und ich gebe zu, dass ich die körperliche Anziehungskraft zwischen den beiden nur allzu gut nachvollziehen kann. Was zum Teufel ist also in den vier Tagen seit unserer Fahrt passiert? Was hat Jonas so aufgewühlt? Die Innenstadt von Seattle zieht am Autofenster vorbei. Ich hole tief Luft und schüttle den Kopf. Ich mache mir wirklich Sorgen. Ich wünschte einfach, ich könnte verstehen, was in Jonas vorgeht. Und was der Club damit zu tun hat. Und Sarah. Ich schüttle erneut den Kopf. Warum denkt Jonas, dass sie in ernsthafter Gefahr ist? Mein Handy vibriert, eine neue Nachricht. Hey, Josh, lese ich. Laaaaange nichts mehr von dir gehört. Wie geht es dir, Baby? LOL! Ich schmunzle überrascht. Ich hätte nicht damit gerechnet (und es mir auch nicht gewünscht, um ehrlich zu sein), diesen Namen noch einmal auf meinem Handy zu sehen. Doch die Nachricht ist von Jennifer LeMonde. Ich muss zugeben, ich war überwältigt von der Ahnentafel (und dem heißen Körper) dieser Frau, als wir vier oder fünf Monate lang miteinander ausgegangen sind. Damals war ich dreiundzwanzig, und ich schiebe das auf meine Jugend und die Tatsache, dass ich die Hälfte der Zeit völlig bekifft gewesen bin. Aber als die anfängliche Anziehungskraft und die Bewunderung für ihren Vater, den Grammy-Gewinner, und ihre Mutter, die Oscar-Gewinnerin, erst einmal verblasst war – ganz zu schweigen von der Wirkung des Haschischs –, habe ich schnell erkannt, dass Jenn das langweiligste Mädchen auf der ganzen Welt ist. Das war der Moment, in dem ich beschloss, mich zusammenzureißen, nicht mehr zu kiffen und mich ernsthaft meinen Familienpflichten zu widmen. Und seitdem gehe ich diesen Weg. Abgesehen von der einen oder anderen wilden Party auf Kurzurlauben, die ich mir in den letzten Jahren gegönnt habe (und die ich auch nicht bereue). Um ehrlich zu sein, haben mir diese kleinen Aussetzer sogar dabei geholfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Und ich muss auf dem richtigen Weg bleiben – nicht nur für mich, sondern auch für Jonas. Schließlich können wir uns nicht beide am Rande eines Nervenzusammenbruchs befinden, und diesen Part hat Jonas schon vor langer Zeit für sich beansprucht. Hey, Jenn, tippe ich. Lang ist’s her. Wie geht’s? Hast du mitbekommen, was Isabel in letzter Zeit so macht? OMG! Ja. Wer hat das nicht? Ich freue mich für sie, tippe ich. Das meine ich ernst. Soweit ich mich an sie erinnere, ist Isabel ein nettes Mädchen. Zumindest war sie es vor sieben Jahren. Ich freue mich wirklich für sie, dass ihr Traum, ein Star zu werden, in Erfüllung gegangen ist. Das Studio hat Isabel für die ganze nächste Woche ein verdammtes Schloss in St. Tropez gemietet, um ihren Nummer-eins-Film zu feiern!, schreibt Jenn. Mann, ein richtiges Schloss! Da musste ich daran denken, wie wir alle zusammen in Cannes gefeiert haben – weißt du noch? Obwohl, je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir, dass du dich wahrscheinlich nicht mehr erinnern kannst! LOL!!! Sie schickt noch ein paar Weinglas-Emojis, ein Marihuanablatt und ein Smiley mit Sonnenbrille hinterher. Wie auch immer, Isabel lädt wieder eine Menge Leute ein, um mit ihr in dem Schloss in Frankreich zu feiern (habe ich schon erwähnt, dass es ein richtiges Schloss ist?!), und sie wollte wissen, ob du und Reed vielleicht mitkommen wollt. Sozusagen eine Art Mini-Wiedersehensfeier. Es wäre wie in alten Zeiten! LOL! Das nächste Emoji soll wohl eine tanzende Katze darstellen, wobei ich den Sinn dahinter nicht verstehe. Ich starre einen Moment lang auf mein Handy und schüttle den Kopf. Ich bin nicht im Geringsten interessiert. Sorry. Ich bin wegen eines Familiennotfalls in Seattle, schreibe ich. Werde hier eine Weile nicht wegkommen, muss meinem Bruder helfen. Außerdem bin ich mittlerweile ein alter Mann, Jenn. Du würdest mich gar nicht wiedererkennen. Ich jage jetzt Kinder von meinem Rasen. Ich habe ziemlich hart gearbeitet, um das Familienunternehmen aufzubauen. Aber frag Reed ruhig, ob er mitkommen will. Ich schicke dir seine Nummer. Und bitte richte Isabel meine Glückwünsche zu ihrem Erfolg aus, fahre ich fort. Ich freue mich wirklich riesig für sie. Ich habe vor Kurzem erst gelesen, dass sie den People’s-Choice-Award oder so gewonnen hat. Ha! Fantastisch. Sie ist America’s Sweetheart! Ja, das ist sie wirklich. Sie hat’s echt drauf. Sie tritt sogar in Jimmy Fallons Talkshow auf, wenn sie aus Frankreich zurück ist! Kannst du dir das vorstellen? Sie ist total aufgeregt! Ich habe ihr Gesicht heute auf einem Plakat am Flughafen von L.A. gesehen. Richte ihr aus, dass ihre Brüste toll geworden sind. Ihr Schönheitschirurg hat gute Arbeit geleistet. Oder ist das Photoshop? Kein Photoshop. Die sind echt unecht. Und brandneu. Sie wird sich freuen, dass es dir aufgefallen ist. Ist dir auch ihre Nase aufgefallen? (Die höfliche Antwort darauf wäre ein Nein. Haha!) Sie sieht fabelhaft aus. Von Kopf bis Fuß. Sag ihr das. Aber sie war schon immer hübsch. Ach, hör schon auf, Josh. Da muss ich ja gleich wieder daran denken, was für ein Charmeur du bist. Ich würde dich sooooo gerne wiedersehen! Bist du dir sicher, dass du es nicht einrichten kannst? Bitte? Ich sorge auch dafür, dass du so richtig auf deine Kosten kommst. Sie schickt mir ein zwinkerndes Smiley. Ich verziehe das Gesicht. Das ist doch lächerlich. Jennifer LeMonde schert sich einen Dreck um mich. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Mit Anfang zwanzig sind wir ein paar Monate lang miteinander ausgegangen. Das kann man nicht gerade als Seelenverwandtschaft bezeichnen. Offensichtlich geht es hier eher darum, dass Isabel Reed unbedingt wiedersehen möchte. Ich nehme an, dass Isabel Jenn gebeten hat, Reed mit allen Mitteln nach Frankreich zu locken. Ich bin nur der Köder. Als ich auf ihre letzte Nachricht nicht sofort antworte, schickt sie gleich die nächste. Was, wenn ich dir verspreche, kein Bikinioberteil zu tragen, während wir dort sind? Ich weiß doch noch, wie sehr dir meine süße Oberweite gefallen hat. Sie fügt noch ein Bikini-Emoji und einen Kussmund hinzu. Und sie sind immer noch vollkommen natürlich, Baby! Zwinkerndes Smiley. Sorry, ich kann nicht. Wie schon gesagt, Notfall in der Familie, schreibe ich. Aber denken tue ich Folgendes: Ich bin dreißig Jahre alt, verdammt. Jenn, glaubst du wirklich, ich fliege um die halbe Welt, nur um ein paar Brüste zu sehen? (Auch wenn sie zugegebenermaßen wirklich perfekt sind.) Schade. Trauriges Smiley. Ich hab dich und deinen Bruder vor Kurzem auf so einem Zeitschriftencover gesehen. Beim Anblick der Wunderzwillinge bin ich gleich ganz feucht geworden. Ihr solltet Filmstars werden. Danke. Na gut. Schreib mir, falls sich was ändern sollte. Ich hoffe, du entscheidest dich noch um. Wie ich schon sagte, Notfall in der Familie, tippe ich. Sorry. Ok, wenn es mit Frankreich nichts wird, müssen wir uns unbedingt bald woanders wiedersehen. Ich denke in letzter Zeit oft an dich. Und an den Spaß, den wir zusammen hatten. Sie schickt mir einen Kussmund. Wenn du dich mit mir triffst, wirst du es nicht bereuen, Josh. Noch ein zwinkerndes Smiley. Ich verdrehe die Augen. War sie schon immer so nervig? Ich habe dieser Frau gerade geschrieben, dass es einen Notfall in meiner Familie gibt und dass mein Bruder mich braucht – und anstatt zu fragen, ob alles in Ordnung ist, versucht sie nur, mich ins Bett zu bekommen? Ich habe ihr geschrieben, dass ich hart für mein Familienunternehmen gearbeitet habe, und sie hat sich nicht einmal nach Details erkundigt. Das zeigt nur, dass die Beziehung, die wir damals hatten, nicht tiefgründig gewesen sein kann. Die Limousine hält an, und ich blicke von meinem Telefon auf. Ich bin in Jonas’ Einfahrt. Verdammt. Für einen Moment hatte ich tatsächlich vergessen, wohin ich fahre. Ich hole tief Luft. Was auch immer auf der anderen Seite von Jonas’ Eingangstür auf mich wartet, es ist bestimmt nichts Gutes. Das spüre ich.

 

Josh

In dem Augenblick, in dem ich durch seine Tür trete, springt mein Bruder auf mich zu wie ein Labrador Retriever und zieht sein neues Spielzeug (Sarah) hinter sich her. »Hey«, sage ich und stelle meine Tasche ab, während ich Jonas umarme. »Und hallo, Sarah Cruz.« Ich umarme sie ebenfalls. »Toll, dich wiederzusehen.« »Gewöhn dich besser daran«, sagt Jonas. Offensichtlich freut er sich ungemein über diese Worte. »Also, was zum Teufel geht hier vor sich?«, frage ich und bereite mich auf das Schlimmste vor. Jonas stöhnt. »Es ist alles so vertrackt, Mann.« Mein Magen verkrampft sich. Ich setze mich auf die Couch. »Raus damit, Bro.« Jonas setzt sich neben mich und fährt sich mit der Hand durchs Haar. Er sieht so aus, als würde er zu einem Monolog ansetzen, aber bevor er auch nur ein Wort sagen kann, geht die Badezimmertür auf der anderen Seite des Raums auf und eine blonde Mähne schiebt sich in mein Sichtfeld. Mein Blick richtet sich auf die Bewegung – mir war nicht bewusst, dass außer Jonas, Sarah und mir noch jemand hier ist – und wandert dann abwesend wieder zurück zu Jonas. Doch plötzlich verarbeitet mein Gehirn diese blonde Perfektion, die meine Augen gerade wahrgenommen haben, und mein Blick schnellt wieder zu der atemberaubenden Frau, die sich mir jetzt nähert. O mein Gott. Wer ist sie? Die Frau, die auf mich zukommt, ist das schönste Wesen, das mir in meinem ganzen Leben begegnet ist, ohne Ausnahme. Sagt der Kerl, der kurz mit Miss Universe zusammen war und zurzeit mit einem Victoria’s-Secret-Model ins Bett geht, wann immer beide gleichzeitig in Los Angeles sind. Diese Frau ist ... o Mann. Genau so würde ich mir meine Traumfrau zusammenbauen, wenn ich es könnte. Und sie kommt direkt auf mich zu und grinst mich an, als könnte sie meine Gedanken lesen. Sie muss ein Model sein. Oder eine Schauspielerin. Natürlich ist sie das. Was sollte sie sonst sein, so wie sie aussieht? Fuck. Herr im Himmel. Miss Perfect geht ohne zu zögern auf mich zu. »Ich bin Kat«, sagt sie und streckt mir ihre Hand entgegen. »Sarahs beste Freundin.« Sie hat himmelblaue Augen. Und ihr langes Haar ist so blond, dass ich kaum noch Luft bekomme – und es scheint naturblond zu sein. Und – o mein Gott, das darf nicht wahr sein – sie hat ein winziges Grübchen an ihrem Kinn. Das war schon immer meine Achillesferse – seit ich vor vielen Jahren auf der Party zu Reeds einundzwanzigstem Geburtstag mit Jessica Simpson rumgemacht habe. »Josh«, sage ich und nehme ihre Hand. »Ich bin Jonas’ Bruder.« »Ich weiß«, sagt sie grinsend. »Ich hab den Artikel gelesen.« Sie deutet in Richtung Couchtisch. Ich folge ihrem Blick, um zu sehen, welchen Artikel sie meint. Natürlich meint sie den, in dem Jonas als eine Art tiefgründiger Poet dargestellt wird, der aus Dreck Gold machen kann, und ich als ein riesiger Vollidiot mit Stroh im Hirn. »Ich hoffe sehr, dass du ein bisschen vielschichtiger bist, als der Artikel behauptet«, sagt Kat und funkelt mich mit ihren blauen Augen an. Ich werfe Jonas einen Blick zu und hoffe, er steht mir bei, indem er so etwas sagt wie: »Ach, der Reporter wollte nur seinen Artikel verkaufen«. Oder vielleicht auch: »Wir dachten, wir würden ein seriöses Interview über Faraday & Sons geben, aber es hat sich herausgestellt, dass es nur Mist für die Boulevardpresse war«. Doch Jonas kommt mir mit keinem Wort zu Hilfe. Natürlich tut er das nicht, dieses Arschloch. Jetzt, da er die Frau seiner Träume gefunden hat, sieht er mich nur allzu gerne im Netz einer Frau zappeln, die aussieht wie mein wahr gewordener Traum. »Wenn man dem Artikel glauben darf«, fährt Kat fort und grinst mich frech an, »ist Jonas der rätselhafte Investment-Wunderkind-Zwilling, während du einfach nur ein Playboy bist.« Ich muss lachen. Dieses Mädchen sieht nicht nur atemberaubend aus, sie ist auch noch frech. Und ich liebe vorlaute Frauen. »Das steht da drin?«, frage ich, obwohl ich genau weiß, was in dem Artikel steht. »In vielen verschiedenen Variationen, ja«, sagt sie und zieht eine Augenbraue nach oben. »Hm«, sage ich und runzle die Stirn. »Interessant. Und wenn jemand einen Artikel über dich schreiben würde, welche Vereinfachungen kämen da vor?« Sie beißt sich auf die Lippe. »Nun, ich wäre wohl das wilde Partygirl mit einem Herzen aus Gold.« Sie wirft Sarah einen Blick zu, und die beiden lächeln sich an. O Mann. Diese Frau ist einfach zu viel für mich. Meine Haut kribbelt, als hätte ich gerade einen doppelten Tequila gekippt. »Wieso bekommst du einen ganzen Satz als Beschreibung, und ich nur ein Wort?«, frage ich. Sie zuckt mit den Schultern. »Okay, dann bin ich eben das wilde Partygirl.« »Das sind aber zwei Worte«, sage ich. Kat zieht erneut eine Augenbraue nach oben. »Na, in diesem hypothetischen Artikel würde man das eben mit Bindestrich schreiben«, schnurrt sie förmlich. In meiner Hose regt sich etwas. Sie grinst mich an. Sie weiß genau, dass sich die Spinne in ihrem eigenen Netz gefangen hat. Aber ich nehme an, das ist keine neue Erfahrung für sie. »Was geht hier also vor sich, Wildes-Partygirl mit Bindestrich?«, frage ich. »Ich nehme mal an, dass wir nicht hier sind, um eine Party zu feiern?« »Nein, leider nicht«, sagt Kat locker. »Wobei ich vorhin den Tequila probieren durfte – besten Dank dafür!« Sie zieht ihre Mundwinkel nach oben, und ich verspüre das dringende Bedürfnis, sie zu küssen. »Ich bin eigentlich nur hier, um Sarah zu unterstützen«, sagt sie. »... und irgendwie bin ich auch eine Art Flüchtling.« Sie blickt Jonas finster an. »Obwohl ich ja vermute, dass Jonas in diesem Punkt ein wenig übervorsichtig ist.« »Ein Flüchtling?«, frage ich alarmiert. »Was zum Teufel ist denn los?« Jonas grunzt. »Setz dich.« Ich setze mich mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend. Ich habe wirklich nicht den blassesten Schimmer, was er mir erzählen wird. Was zum Teufel haben Sarah und Kat mit dem zu tun, was hier vor sich geht? Worin besteht die Verbindung? Jonas holt tief Luft und fängt mit einer Geschichte an, die mir augenblicklich Kopfschmerzen bereitet. Sarah hat für den Club gearbeitet? Und sie war Jonas’ Aufnahmeassistentin – diejenige, die seine Anmeldung gelesen hat? Heilige Scheiße! Also ist die kleine Miss Sarah Cruz bei Weitem nicht die naive Jurastudentin, für die ich sie gehalten habe. Aber Jonas ist anscheinend immer noch nicht fertig. Sarah hat Jonas gemailt, nachdem sie seine Anmeldung gelesen hat? Und deshalb musste er sie unbedingt kennenlernen? O mein Gott. Das ist zu viel. Was zum Teufel hat die kleine Miss Sarah Cruz in dieser E-Mail an Jonas geschrieben? Und was zum Teufel hat er in seiner Anmeldung geschrieben, dass sie überhaupt auf ihn aufmerksam geworden ist? Die Geschichte geht noch weiter. Ich kann es einfach nicht glauben. Eine Frau mit einem purpurfarbenen Armband ist aufgetaucht, um sich mit Jonas zu treffen, bevor er Sarah überhaupt kennengelernt hat – Moment, ich dachte, Jonas hätte gesagt, er wäre nie wirklich Mitglied im Club gewesen? –, und dann hat sich dieselbe Frau mit einem gelben Armband mit einem anderen Mann getroffen? Und Jonas weiß das alles, weil Sarah und Kat an den beiden Treffen Spion gespielt haben! Wow, wow, wow. Sarah hat Jonas bei einem Treffen mit einer Frau aus dem Club hinterherspioniert? Heilige Scheiße. Und trotzdem sitzt sie jetzt hier und blickt Jonas an, als könne er übers Wasser laufen? Das ist mal eine aufgeschlossene Frau! Ich frage mich, ob Kat genauso aufgeschlossen ist wie ihre Freundin. Ich schaue Sarah an, und sie wirft mir einen einnehmenden Blick zu, der nur als trottelig-bezaubernd bezeichnet werden kann. Ich muss laut lachen. Wenn diese Frau verrückt ist, dann bin ich schüchtern und intellektuell. O Mann, Sarah ist wirklich ein Trottel, durch und durch. Und es ist kein Wunder, dass mein Trottel von einem Bruder total auf sie steht. »... also dachte ich mir, wir könnten den Club durch E-Mails auffliegen lassen«, sagt Jonas. »Hast du eigentlich irgendwelche E-Mails von denen aufgehoben?«, fragt er mich. Na toll. Danke, Jonas. Mein Bruder tut gerade sein Bestes, um zu verhindern, dass ich mit der schönsten Frau der Welt im Bett lande. Ich werfe Kat einen Blick zu und werde augenblicklich rot. Sie starrt mich an. Oh. Schön. Kat ist von der Enthüllung, dass ich Mitglied im Club war, gar nicht angewidert. Im Gegenteil, es scheint sie anzumachen. Sehr schön. Ich räuspere mich. »Ich weiß nicht, ob ich noch E-Mails von ihnen habe«, sage ich. »Meine Mitgliedschaft ist jetzt ungefähr sieben Monate her, und normalerweise hebe ich E-Mails nicht länger als drei Monate auf.« »Scheiße«, sagt Jonas. »Es wäre gut gewesen, etwas gegen sie in der Hand zu haben.« Jonas fährt fort und erklärt mir, dass er und Sarah aus Belize zurückgekommen sind und die Wohnung von Sarah und Kat verwüstet vorgefunden haben. Außerdem sind ihre Computer gestohlen worden, was in Jonas’ Augen dafür spricht, dass der Club vor nichts haltmacht – auch nicht vor körperlicher Gewalt. Er ist der Meinung, der Club wird alles in seiner Macht Stehende tun, um die beiden Frauen davon abzuhalten, eine für ihn offensichtliche Tatsache an die Öffentlichkeit zu bringen: nämlich dass der Club nichts weiter ist als ein globaler Prostitutionsring. Ich antworte nicht – zum einen, weil ich Jonas’ Begründung erst verarbeiten muss, zum anderen, weil Kat so verdammt heiß ist, dass es mir schwerfällt, in ihrer Gegenwart klar zu denken. Ich frage mich, ob Kat einen Freund hat. Bitte, lieber Gott, lass sie keinen festen Freund haben. O scheiße – was, wenn sie verheiratet ist? Ich schiele auf ihren Finger. Kein Ehering. Zum Glück. Wohnt sie hier in Seattle? Ja, wahrscheinlich schon, Jonas hat ja gesagt, dass sie und Sarah zusammenwohnen. Hm. Wenn Kat in dieser Stadt wohnt, ist sie vielleicht doch kein Model. Ich frage mich, was sie für einen Beruf hat. Ist sie ... Oh. Jonas starrt mich an, als erwarte er eine Antwort von mir. Mist. Ich habe keine Ahnung, was er in den letzten Minuten gesagt hat. »Hm«, sage ich schließlich und versuche, nachdenklich zu schauen. »Interessant.« Jonas holt tief Luft, anscheinend ist er mit meiner Antwort unzufrieden. Aber was zum Teufel erwartet er von mir? Ich kann nicht jedem einzelnen seiner wirren Gedankenzüge folgen, schon gar nicht, wenn eine Frau wie Kat nur ein paar Meter entfernt sitzt und mich ansieht, als würde sie darüber nachdenken, mir einen zu blasen. Außerdem finde ich es ziemlich offensichtlich, dass Jonas die ganze Situation falsch einschätzt oder zumindest überreagiert. Selbst wenn Sarah und Kat eine Tussi mit einem gelben Armband gesehen haben, ein paar Tage nachdem sie mit einem purpurfarbenen Armband mit Jonas im Bett war ... deswegen geht ja nicht gleich die Welt unter, oder? Es könnte auch einfach nur bedeuten, dass einige Frauen in dem Club verschiedene Farben zugeteilt kriegen. Warum ist das so eine große Sache? Es gibt schließlich Menschen mit verschiedenen Vorlieben. Oder vielleicht hat eine von Jonas’ Exfreundinnen herausgefunden, dass er jetzt mit Sarah ausgeht. Und sie ist durchgedreht und hat aus lauter Eifersucht Sarahs Wohnung total zerstört (und hat dann das Gleiche mit der Wohnung ihrer besten Freundin getan?). Auch wenn sich das sehr weit hergeholt anhört, es klingt nicht verrückter als der Gedanke, dass irgendein Schläger es auf Sarah und Kat abgesehen hat, nur weil die beiden beobachtet haben, dass eine Frau zwei verschiedenfarbige Armbänder getragen hat. Jonas starrt mich schon wieder an und will anscheinend etwas von mir hören. Ich räuspere mich. »Wow«, sage ich. Aber er sieht mich immer noch abwartend an – genau wie Sarah und Kat. »Ganz glauben kann ich das ja nicht, Bro«, füge ich hinzu. »Ich habe ein paar wirklich coole Frauen im Club kennengelernt.« Und das ist die Wahrheit. Aber in dem Moment, in dem ich es ausspreche, merke ich, wie dämlich es klingt. Ich werfe einen Blick auf Kat und habe den Eindruck, dass sie sauer ist. Sie ist also fasziniert, dass ich Mitglied in einem teuren Sexclub war, aber dass ich meine kurze Zeit in dem Club tatsächlich auch genossen habe, macht sie sauer? ... Ha! Ich kann jetzt schon sagen, dass diese Frau kompliziert ist. »Wie lange warst du denn dabei, Josh?«, fragt mich Sarah. »Einen Monat«, antworte ich. »Und du hast deine gesamte Mitgliedschaftsdauer ... erfolgreich genutzt?« O Mann. Sarah gehen die Worte kaum über die Lippen. Dieses Mädchen ist wirklich süß – und absolut naiv. Irgendwie lustig, wenn man bedenkt, dass sie Anmeldungen in einem Sexclub bearbeitet hat. »O ja, auf jeden Fall«, sage ich und blicke grinsend zu Kat. Vielleicht sollte ich nicht grinsen, aber ich kann nicht anders. Ich genieße es irgendwie, dass alles, was ich über den Club sage, eine Reaktion bei Kat hervorruft. Und außerdem war mein Monat im Club wirklich eine geile Zeit. Ich habe genau das gemacht, was der Doktor empfohlen hat, nachdem mir Emma das Herz rausgerissen und es in den Mixer geworfen hat. Ich muss sagen, eine Zeit lang mit so vielen Frauen wie möglich zu schlafen, ist wirklich das beste Heilmittel gegen ein gebrochenes Herz. Genau das habe ich damals gebraucht. Hinzu kam, dass sich ein paar der Frauen, mit denen ich während dieses Monats geschlafen habe, danach noch mit mir in meinem Hotelzimmer unterhalten haben und ich ihnen mein Herz ausschütten konnte. Normalerweise hätte ich so etwas nie gemacht – ich bin ja schließlich nicht so ein Weichei wie Jonas –, aber irgendwie war es beruhigend zu wissen, dass ich keine dieser Frauen jemals wiedersehen würde. Also habe ich mich komplett gehen lassen. Und am Ende dieses aufregenden Monats voller Sex und ausgelebten Fantasien und unerwarteten Herz-Ausschüttens habe ich mich endlich wieder wie ich selbst gefühlt. Ich konnte damit aufhören, mich wie ein Schlappschwanz mit Liebeskummer zu benehmen. Ich habe nie jemandem von meinem Monat im Club erzählt. Nur Jonas habe ich vorgeschlagen, dort einzutreten (wenn es jemanden gibt, der sich glücklich vögeln muss, dann ist es verdammt noch mal mein Bruder). Aber jetzt, da es offen angesprochen wurde vor Sarah und Kat (besonders vor Kat), werde ich mich nicht dafür schämen. Ich war Single. Es hat Spaß gemacht und war unbeschreiblich erlösend. So wie ich das sehe, muss ich mich für meine Zeit im Club in keiner Weise schämen. Kann schon sein, dass einige dieser Frauen Nutten waren. Wie sonst hätte mir der Club alle meine Wünsche bis ins kleinste Detail erfüllen können? Aber ich glaube nicht, dass alle Nutten waren. Ein paar von ihnen waren wahrscheinlich einfach nur auf der Suche nach einem wohlhabenden Mann mit großem Schwanz. »Es kann echt nicht sein, dass das nur Prostituierte sind«, sage ich, aber schon während die Worte meinen Mund verlassen, merke ich, dass ich sie nicht wirklich glaube. Ehrlich gesagt war es mir schon beim Ausfüllen meiner Anmeldung egal, wie der Club meine Wünsche erfüllt – Hauptsache, sie wurden erfüllt. Wenn sich also herausstellen sollte, dass ich im Club ausschließlich mit Prostituierten im Bett war, dann gut ... sie waren alle ihr Geld wert. Und sogar noch mehr. Ich für meinen Teil musste etwas tun, um Emma zu vergessen. Und mich mit ein paar supercoolen, unvoreingenommenen, verdammt heißen Girls zu vergnügen, war um einiges billiger (und sehr viel mehr Fun) als eine einmonatige Therapie. »Die Mädels waren alle supercool«, sage ich schließlich. Punkt. Sarah rümpft die Nase. »Alle, ja? Na, Julia Roberts ist in Pretty Woman auch supercool.« Ich muss lachen. O mein Gott, ich liebe diese Frau, wirklich. »Punkt für dich«, gebe ich zu. Ich werfe Jonas einen Blick zu, der besagt Sie ist wirklich süß, Bro, aber sein Blick ist im Moment kalt wie Eis. Scheiße. Ich kenne diesen Blick. Er bedeutet, dass mein Bruder drauf und dran ist, die Fassung zu verlieren. »Wie viele Frauen schaffst du denn so pro Monat?«, wirft Kat plötzlich ein. Unsere Blicke treffen sich, und ja, es steht ihr förmlich ins Gesicht geschrieben: Sie will mich. Und wie sie mich will. Ich muss grinsen, während es in meiner Hose beim Anblick des unverhohlenen Verlangens auf ihrem Gesicht zu pochen beginnt. »Ich meine ...«, stottert Kat, fährt aber nicht fort. Ich starre sie weiter an. Ich will, dass sie noch mehr sagt, dass sie mit offenen Karten spielt. Aber das tut sie nicht. Sie beißt sich auf die Lippe. »Ein paar«, sage ich schließlich langsam. O ja, das wird ein Spaß. Sarah seufzt leise auf, was meine Aufmerksamkeit wieder von Kats wunderschönem Gesicht ablenkt. »Josh, hast du deine Mitgliedschaft eigentlich auch mal in Seattle ... genutzt?«, fragt sie mich, und ihr Blick verfinstert sich. Am liebsten würde ich loslachen bei Sarahs Gesichtsausdruck. Diese Frau ist so verdammt süß. Ich nicke. »Ein Mal, ja.« Ich blicke sie finster an, aber eigentlich nur, um es ihr gleichzutun. Denn offensichtlich schockiert sie der Gedanke, dass Jonas und ich uns unwissentlich dieselbe Frau in Seattle geteilt haben könnten. Soweit ich weiß, haben Jonas und ich nie mit derselben Frau geschlafen, und der Gedanke gefällt mir auch nicht besonders. Aber falls wir tatsächlich zufällig mit derselben Frau im Bett gewesen sein sollten, mit einer Frau, die uns beiden nichts bedeutet hat und die nur ein One-Night-Stand für uns war, dann wäre auch das nicht das Ende der Welt. »Brünett. Strahlend blaue Augen – die blausten Augen, die du je gesehen hast. Blasse Haut«, sagt Jonas und klingt, als würde er die Aufstellung bei einem Seahawks-Spiel runterleiern. »Körbchengröße C. Perfekte Zähne. Superheißer Körper.« Er blickt Sarah entschuldigend an. »Sorry, Baby.« »Schon okay«, sagt Sarah und scheint es tatsächlich so zu meinen. Das ist der Beweis: Sarah ist der absolute Wahnsinn. Wenn es etwas gibt, das ich nicht ausstehen kann, dann sind es eifersüchtige Frauen. »Nein«, sage ich. »Das passt nicht.« Ehrlich gesagt kann ich mich an die Frau aus Seattle gar nicht mehr richtig erinnern. Der ganze Monat im Club ist irgendwie verschwommen. Aber nach Jonas’ Beschreibung ist klar, dass wir nicht mit derselben Frau im Bett waren. »Als ich meine Bewerbung ausgefüllt habe«, fahre ich fort und blicke Kat an, »habe ich nur ...« Der Ausdruck auf Kats Gesicht lässt mich mitten im Satz innehalten. Sie sitzt auf der Kante ihres Stuhls und scheint in Erwartung dessen, was ich gleich sagen werde, die Luft anzuhalten. Ha! Mit was genau rechnet sie denn? Eigentlich wollte ich nur etwas Harmloses sagen, aber offensichtlich erwartet Kat eher etwas Erregendes oder sogar etwas wirklich Versautes. Und ich will nicht derjenige sein, der ihre Fantasie zerstört. Ganz im Gegenteil, es kann nur in meinem eigenen Interesse sein, der Fantasie dieser Frau keine Grenzen zu setzen. »Gott sei Dank, Bro«, sage ich und blicke ihn übertrieben erleichtert an. »Das wäre ja fast so gewesen, als hätten wir miteinander geschlafen.« Ich erschaudere zum Spaß bei dem Gedanken. Jonas wirft mir seinen typischen verächtlichen Blick zu. »Darum geht es doch jetzt überhaupt nicht«, fährt er mich an. »Wichtig ist nur, dass diese Wichser Sarah und Kat auf dem Kieker haben und wir nicht wissen, ob das jetzt schon alles war oder erst der Anfang.« Ich lehne mich auf der Couch zurück und seufze. Jawohl, mein Bauchgefühl sagt mir, dass Jonas hier überreagiert – vielleicht weil er Sarah unterbewusst beeindrucken will. »Ich weiß nicht«, sage ich und lege die Hände hinter meinen Kopf. Jonas steht auf und lässt eine wütende Tirade los. Ups, jetzt ist er wirklich auf hundertachtzig. »Jetzt setz dich hin!«, wiederhole ich wie ein Mantra auf sein übertriebenes Theater hin, aber er hört mir nicht zu. »Lass uns bitte mal eine Minute vernünftig darüber reden.« »Oh, du willst mir was von Vernunft erzählen, ja?« Jonas kocht. »Ausgerechnet der Typ, der sich mal eben einen Lamborghini kauft, weil seine Freundin ihn sitzen gelassen hat?« Ich verdrehe die Augen. Danke, Jonas. Zuerst plaudert mein bescheuerter Bruder aus, dass ich in einem Sexclub war, und jetzt macht er mich fertig, weil ich so ein Weichei war, nachdem Emma mich wegen diesem Krawatten tragenden Arschloch verlassen hat? Wirklich sehr nett. Bis zu diesem Moment fand ich die Show meines bescheuerten Bruders ziemlich unterhaltsam, hatte sogar etwas Mitleid mit ihm, doch jetzt würde ich ihn am liebsten erwürgen. Aber da ich der vernünftige Zwilling in diesem Duo bin, gelingt es mir irgendwie, mich zu beherrschen. So wie immer. »Ich sage doch nur, dass ich es nicht weiß – das ist alles!«, erwidere ich zähneknirschend. »Ich widerspreche dir doch gar nicht, also beruhig dich.« Aber natürlich beruhigt sich Jonas nicht. Er tut überhaupt nichts, was annähernd rational wäre. Warum? Weil er Jonas ist, und das gibt ihm anscheinend für den Rest seines Lebens einen Freipass zum Verrücktsein, während ich hier sitze und dafür sorge, dass er keinen Nervenzusammenbruch bekommt. Auch wenn mich das an manchen Tagen richtig viel Mühe kostet. Danke auch. Ich muss zehn Minuten lang wie auf ein Kind auf Jonas einreden, bevor er sich endlich hinsetzt und tief Luft holt. »Okay«, sage ich und hole ebenfalls tief Luft. Lieber Gott, gib mir Kraft. »Lass uns nachdenken. Was soll es denn bringen, der gesamten Organisation das Handwerk zu legen? Im Ernst, überleg doch mal – das wäre wirklich eine Menge Arbeit und würde uns wahrscheinlich total überfordern. Klar, wir müssen Kat und Sarah beschützen.« Ich lächle erst Sarah und dann Kat zu. »Werden wir auch, versprochen. Aber was interessieren uns die sonstigen Machenschaften des Clubs?« Jonas rutscht auf seinem Stuhl umher. Er denkt nach. Das ist gut. Wir machen Fortschritte. Ich atme noch mal tief ein. »Warum gleich so übertreiben?«, fahre ich fort. »Also, der Club bietet einen gewissen Service an – und zwar einen sehr guten, wie ich erfahren durfte. Okay, vielleicht trügt der Schein ein wenig, vielleicht verkaufen sie den Leuten ein Märchen, aber macht Disneyland das nicht auch? Schau mal, die Menschen könnten überall Achterbahn fahren. Aber nein, sie wollen lieber zehnmal mehr bezahlen und es in Disneyland machen. Warum? Weil das Gesicht von Mickymaus auf die Waggons gepinselt ist.« Jonas’ Blick könnte im Moment Diamanten entzweischneiden. »Vielleicht geht’s den Kerlen, die sich im Club anmelden, ja genauso! Vielleicht wollen sie dafür sogar tonnenweise Geld zum Fenster rausschmeißen.« Ich versuche, Jonas eine andere Sichtweise zu vermitteln. Darin ist er nämlich nicht besonders gut. Aber anscheinend funktioniert das nicht. Ich habe den letzten Satz noch nicht ganz beendet, da will er schon wieder aus der Haut fahren. Sarah mischt sich ein und spricht für ihn. »Josh«, sagt sie und legt ihre Hand sanft auf Jonas’ Unterarm. »Es geht hier doch um Vorspiegelung falscher Tatsachen. Wenn du dir ein Ticket für Disneyland kaufst, dann weißt du, dass es um eine Achterbahnfahrt in einem Mickymaus-Waggon geht. Die Clubmitglieder hingegen haben keine Ahnung, worauf sie sich da einlassen.« Jetzt bin ich vollkommen verwirrt. Was redet sie denn da? Warum sollte jemand dem Club beitreten, wenn er nicht in einem Mickymaus-Waggon fahren will? Das ist alles, was den Club jemals ausmachen wird – ein Waggon voller Süßigkeiten. Nicht mehr und nicht weniger. Eine ungesunde, aber köstliche Diät aus purem Zucker, die man über einen bestimmten Zeitraum hinweg macht, obwohl man weiß, wie ungesund sie ist. Ich meine, nur ein Idiot kann glauben, dass er sich den Rest seines Lebens bloß noch von Süßigkeiten ernähren wird, oder? Ich warte, dass Sarah fortfährt, aber anscheinend war das alles, was sie zu sagen hatte. Sie setzt sich wieder auf die Couch und faltet ihre Hände im Schoß. »Was meinst du damit?«, frage ich. Jonas atmet hörbar aus. »Na, sie meint, dass nicht jeder so gestört ist wie du und ich.« Er räuspert sich. »Oder zumindest wie ich. Dich scheint ja dieses dämliche Buch geheilt zu haben.« Ich muss laut auflachen. Das ist gut.

Blick ins Buch
The Club – DesireThe Club – Desire

Roman

Während Josh und Kat gemeinsam mit ihren Freunden dem Club das Handwerk legen, wird die Anziehungskraft zwischen ihnen zur Zerreißprobe. Auch wenn der Playboy nicht genug von Kat bekommen kann und er mehr in ihr sieht als ein Partygirl, hemmt ihn seine Bindungsangst. Dass sein Bruder Jonas heiratet, setzt Josh zusätzlich unter Druck. Doch Kat wünscht sich nichts sehnlicher als eine feste Beziehung. Aber noch sind nicht alle Geheimnisse offengelegt. Wird das junge Glück sich daran die Finger verbrennen? Die heißeste Versuchung geht in die nächste Runde …
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Kat

Die Tür von Jonas’ und Sarahs Suite schließt sich hinter Josh, und ich halte vor Aufregung den Atem an, als ich auf Joshs Laptop blicke. Jetzt ist es so weit. Ich kann es kaum glauben. Endlich werde ich Joshs Anmeldung für den Club lesen. Endlich, nach all den Spielchen. Meine Brust zieht sich zusammen. Ich habe ein mulmiges Gefühl im Magen. Warum um alles in der Welt fällt es Josh so schwer, sie mir zu zeigen? Nun, ich nehme an, das werde ich jetzt herausfinden.

Name?

Joshua William Faraday, schreibt er. Oh, ich wusste gar nicht, dass Joshs zweiter Vorname William ist. Mein Herz schlägt schneller, als ich seinen vollen Namen lese.

Sie werden im Zuge des Anmeldevorgangs gebeten, sich auf drei unterschiedliche Arten auszuweisen. Im Club sind Nicknames bei der Anmeldung strengstens untersagt. Während Ihrer Interaktion mit anderen Clubmitgliedern dürfen Sie aber aus Diskretionsgründen ein Pseudonym benutzen, wenn Sie das möchten.

Okay, schreibt er.

Alter?

29, schreibt er.

Ich halte inne und überlege. Josh ist dreißig. Ich frage mich, wann er Geburtstag hat. Ich würde nur allzu gern sein Sternzeichen kennen. O Mann, es wäre furchtbar, wenn unsere Sternzeichen nicht zusammenpassen würden.

Beschreiben Sie Ihren Körperbau in wenigen Stichpunkten.

Ich bin 1,85 m groß und wiege 86 kg. Ich habe braunes Haar und blaue Augen und bin an Oberkörper und Armen tätowiert. Ich ziehe es vor, nicht über die Bedeutungen meiner Tätowierungen zu sprechen. Sagen Sie das bitte jeder Frau, mit der Sie mich zusammenführen. Ich trainiere ziemlich viel, um mich fit zu halten, fährt er fort. Ich glaube daran, dass der erste Eindruck alles ist. Deshalb versuche ich jedes Mal, einen möglichst guten ersten Eindruck zu erwecken. Um eines klarzustellen: Ich melde mich nicht beim Club an, weil ich in irgendeiner Art und Weise Minderwertigkeitskomplexe in Bezug auf mein Aussehen habe (das habe ich nämlich nicht) oder weil ich Frauen nicht ohne Hilfe anmachen kann (das kann ich nämlich).

Ich muss grinsen. Auch wenn Josh irgendwie ziemlich selbstgefällig ist, finde ich ihn verdammt sexy.

Für die Vervollständigung der Anmeldung bitten wir Sie um drei aktuelle Fotografien: ein Porträt, eine Ganzkörperaufnahme und eine Fotografie, auf der Sie in Ihrer typischen Alltagskleidung zu sehen sind. Selbstverständlich können Sie sich in Bezug auf die Bilder auf absolute Diskretion unsererseits verlassen.

Oh, das muss ich sehen. Ich scrolle nach unten, wahrscheinlich hat Josh die Fotos am Ende des Dokuments angehängt. Hat er nicht. Ich scrolle wieder an den Anfang und versuche, einen Hinweis darauf zu finden, wo sie sein könnten – nichts. Verdammt! Ich hole mein Handy raus. Josh geht sofort ran. »Wow, das ging aber schnell«, sagt er. »Ich betrete gerade erst das Casino.« »Wo sind deine Fotos?« »Meine Fotos?« »Ja, deine drei Fotos, die du der Anmeldung hinzufügen musstest.« »Oh, meine Fotos.« Er überlegt kurz. »Warum willst du sie sehen? Du weißt doch, wie ich aussehe.« »Ich will sie einfach sehen.« »Aber du hast bereits jeden Zentimeter meines Körpers gesehen – sogar mein YOLO-Tattoo, verdammt.« Er lacht. »Ganz zu schweigen von meinen Eiern.« Jetzt muss auch ich lachen. »Ja, die kenne ich nur allzu gut. Aber ich will die Fotos trotzdem sehen.« Er seufzt. »Wie wäre es damit? Ich komme zurück und lasse dich drei Fotos von mir machen – in welcher Pose auch immer. Das wird unser ganz persönliches Fotoshooting, Baby.« »Klingt lustig. Ich merke es mir für ein andermal. Aber zuerst will ich die drei Fotos sehen.« Er grummelt. »Aber warum?« »Weil ich wissen will, welche Fotos du ausgewählt hast, um dich in einem Sexclub anzumelden.« Kurzes Schweigen. »Du bist so eine Nervensäge, weißt du das? Eine Terroristin und eine fürchterliche Nervensäge.« »Ich hab’s dir doch gesagt, ich bin Skorpion. Wir sind extrem willensstark. Und außerdem haben wir einen unverhältnismäßigen Gerechtigkeitssinn. Und ich habe dir auch drei Fotos von mir geschickt – Deal ist Deal.« Er lacht. »O mein Gott, diese Fotos, Kat.« »Haben sie dir gefallen?« »Sie waren großartig. Das eine von dir in Unterwäsche war verdammt scharf – und bei dem anderen, auf dem du so getan hast, als würdest du ins Klo kotzen, habe ich mir fast in die Hose gemacht vor Lachen. Du bist unheimlich witzig.« »Danke. Du bist auch ziemlich witzig. Aber deswegen lasse ich dich trotzdem nicht vom Haken, mein Freund. Diese Fotos sind Teil deiner Anmeldung. Also sind sie auch Teil deines Versprechens.« Er brummt. »Na gut. Kennst du dich mit einem Mac aus?« »Ja, ich habe selbst einen. Ein Geschenk von deinem Bruder übrigens.« »Mein Bruder hat dir einen Mac geschenkt?« »Ja, um den zu ersetzen, der mir vom Club gestohlen wurde.« »Das war aber nett von ihm. Ich wusste gar nicht, dass Jonas so nett sein kann.« »Ja, er war supernett zu mir. Und jetzt hör auf abzulenken. Wo sind die Fotos?« »Gut, du musst auf der linken Seite des Bildschirms auf Fotos klicken.« »Jep, okay.« »Siehst du den Ordner mit ...«, sagt Josh, aber ich höre den Rest seines Satzes schon nicht mehr. Etwas auf Joshs Desktop lenkt meine Aufmerksamkeit auf sich: ein Ordner mit dem Namen Krankes Arschloch. Ein Ordner mit einem solchen Namen könnte genauso gut Öffne mich, Kat heißen. »Siehst du ihn?«, fragt Josh. »Mhm«, sage ich und klicke auf den Ordner Krankes Arschloch. O mein Gott! Ich sehe Fotos von nackten Frauen vor mir – ziemlich vielen nackten Frauen. Sie sind alle blond, wahnsinnig hübsch und in Pornostarposen. »Kat? Bist du noch da?« »Ja, ich bin hier«, sage ich und scrolle durch die Fotos. Es sind bestimmt zwanzig verschiedene Frauen. »Josh, wer sind diese ganzen Blondinen?« »Was?«, fragt er, und seine Stimme klingt plötzlich schroff. »Die Pornostars in dem Ordner mit dem Namen Krankes Arschloch?« »Herrgott noch mal! Mach das sofort wieder zu, Kat! Das ist privat!« »Wer sind sie?« »Ich habe dir nicht erlaubt, mein privates Zeug zu durchwühlen. Mach diesen Ordner sofort wieder zu. Jetzt, verdammt!« »Immer mit der Ruhe. Du stehst also auf Pornos – du bist ja so pervers.« Ich lache, aber er stimmt nicht mit ein. »Komm schon. Sag mir einfach, wer sie sind. Ist doch nichts dabei.« »Das ist ein absoluter Vertrauensbruch. Nicht zu entschuldigen.« Ich ignoriere seine Wut. Das ist eine sehr effektive Taktik, die ich mir über die Jahre hinweg bei meinen Brüdern abgeschaut habe. Ruhig bleiben, wenn der andere wütend ist, und dann einfach immer wieder abstreiten, etwas Falsches getan zu haben. Bis die Person, die wütend auf dich ist, einfach vergisst, worüber sie sich eigentlich aufgeregt hat. »Sind die Fotos aus dem Internet, oder kennst du diese Frauen tatsächlich?«, frage ich ruhig. Einen Moment lang sagt er gar nichts. »Das ist doch verrückt«, brummt er, aber seine Wut scheint sich etwas zu legen. »Ich will offiziell Beschwerde einreichen«, sagt er. Ich lache. »Bei wem?« »Bei der ... bei der hiesigen Anstandsbehörde.« »Okay, notiert. Beschwerde registriert.« »Du bist der Teufel in Person.« »Ja, das bin ich. Aber das wusstest du bereits. Und es hat dir gefallen. Und wenn du willst, dass ich dir noch einmal einen blase, dann solltest du jetzt besser meine Frage beantworten.« Wie aus dem Nichts ist seine Wut wieder da. »Nein!«, brüllt er. »Lass mich hier und jetzt eines klarstellen: Ich toleriere keine Form von sexueller Erpressung in einer Beziehung. Das ist ein absolutes No-Go. Willst du mir einen blasen? Bitte, dann tu es. Willst du mir keinen blasen? Dann lass es sein. Aber benutze Sex nicht als eine Art Waffe, um mich zu manipulieren. Das hasse ich wie die Pest.« Das Herz rutscht mir in die Hose – aber nicht, weil Josh wütend auf mich ist (das ist mir egal), sondern weil er gesagt hat, dass er keine Form von sexueller Erpressung in einer Beziehung toleriert. Haben Josh und ich etwa eine Beziehung? »Mein Gott«, bringe ich hervor. »Reagierst du da nicht ein bisschen über?« »Ich reagiere nicht über«, antwortet Josh. »Ich hasse diesen Scheiß wirklich.« »Okay, okay, schon gut. Es tut mir leid. Ich werde so etwas nie wieder sagen. Zufrieden?« »Ja. Danke. Ich hasse das.« »Gut, ich hab’s verstanden. Aber ich muss sagen, ich finde, deine Ansprache ist pure Ironie, wenn man bedenkt, dass ich dich die ganze Zeit sexuell erpresst habe, damit du mir deine Anmeldung zeigst.« Er hält inne. »Hey, Moment – das hast du wirklich gemacht. Das war ziemlich mies von dir.« »Ja, aber es hat funktioniert.« Er ist einen Moment lang still, und ich grinse von einem Ohr zum anderen. »Also«, sage ich. »Du hast meine Frage noch nicht beantwortet, Playboy. Wer sind diese ganzen blonden Playmates?« Er gibt ein frustriertes Geräusch von sich. »Ich hatte gehofft, du hättest es in der Zwischenzeit vergessen.« »Keine Chance. Ich bin Skorpion. Wir vergessen nicht. Also, wer sind sie?« »Du hast nicht das Recht, in diesem Ordner herumzuschnüffeln, Kat. Mach ihn zu.« Ich antworte nicht – ich bin zu beschäftigt damit, mir die Fotos anzuschauen. »Hallo? Madame Terroristin? Hast du mich gehört? Mach den Ordner zu. Du gehst zu weit.« »Ja, ich habe dich gehört. Und ich würde deinen Befehl ja befolgen, das würde ich wirklich, aber die Sache ist die: Ich befinde mich gewissermaßen in einem Dilemma.« »Und das wäre?« »Es ist eine Art Zwickmühle.« »Habe ich aus irgendeinem Grund den Eindruck erweckt, ich hätte das Vokabular eines Sechstklässlers? Ich weiß, was ein Dilemma ist – ich frage dich nur, warum genau du dich in einem befindest.« Ich kriege dieses Grinsen einfach nicht mehr aus meinem Gesicht. »Nun ja, auf der einen Seite«, sage ich, »würde ich deiner Bitte gerne nachkommen, denn eigentlich bin ich ein ziemlich netter Mensch – auch wenn ich mich in deiner Gegenwart nicht so benehme. Außerdem denke ich, dass du recht hast. Es war sehr, sehr böse von mir, ohne deine Erlaubnis in deinem privaten Zeug rumzuschnüffeln.« »Danke. Und auf der anderen Seite?« »Na ja, auf der anderen Seite bin ich gerne ein bisschen böse.« Josh macht ein sexy Geräusch. »Oh. Nun ja, das ist wirklich ein Dilemma. Was könnten wir denn da nur machen?« »Ich weiß nicht. Ich habe mich noch nicht entschieden. Vielleicht schaue ich einfach durch deinen perversen Ordner mit den blonden Pornostars, während ich darüber nachdenke.« Ich scrolle weiter durch die Fotos, und mein Grinsen wird immer breiter. »Diese Frauen sehen alle gleich aus, Josh«, sage ich, während ich die Fotos betrachte. »Du stehst wohl auf einen bestimmten Typ, wie?« »Ich mag eben, was ich mag.« »Wer sind sie?« Er hält kurz inne und holt dann tief Luft. »Es sind einfach nur Frauen, die ich mal getroffen habe.« »Getroffen? Ich wette, du hast dich nicht nur mit ihnen getroffen.« Er antwortet nicht. »Hast du mit all diesen Frauen geschlafen?« »Wirfst du mir jetzt vor, eine männliche Hure zu sein?« »Nein. Ich bin der letzte Mensch auf der Welt, der jemanden als Hure bezeichnen würde.« »Du weißt schon, dass du mir deine Anmeldung gegeben hast, damit ich mich sicher genug fühle, dir meine geheimsten, perversesten Gedanken anzuvertrauen, oder? Du hast mich mit emotionaler Intimität geködert, Kat.« »O Mist, das stimmt. Ich hätte dich warnen sollen: In emotionaler Intimität bin ich nicht besonders gut. Aber ich arbeite daran, versprochen.« »Jetzt wirst du meine Mauern nie einreißen können«, scherzt Josh. »Verdammt. Was soll’s?« Ich zucke mit den Schultern, und er lacht. »Also, wer hat diese ganzen Fotos gemacht? Du?« »Nein.« »Nein? Oh, ich dachte, du würdest Ja sagen. Hast du irgendeins davon gemacht?« »Spielen wir das lustige Zwanzig-Fragen-Spiel, oder wie?« »Ja. Das macht Spaß, findest du nicht?« »Nein.« »Komm schon. Ich habe immer noch neunzehn Fragen.« »Neunzehn? Ha! Eher zehn. Und das ist noch großzügig berechnet.« »Also zehn. Hast du persönlich eines von diesen Fotos gemacht?« Er atmet laut aus. »Nur eines.« »Oh, das ist eine interessante Antwort. Nicht, was ich erwartet hätte. Ich dachte, alle oder keines.« Plötzlich fällt mir ein, dass Sarah gesagt hat, Oksana habe alle Mädchen im Club fotografiert. »Jetzt hab ich’s«, sage ich. »Sind das die Frauen, mit denen du während deiner Mitgliedschaft im Club geschlafen hast?« Josh seufzt laut. »Korrekt. Alle bis auf zwei.« »Also, jetzt bin ich noch verwirrter. Du meinst, bis auf zwei waren alle diese Frauen im Club – oder fehlen zwei aus dem Club, mit denen du geschlafen hast?« »Dein Gehirn ist angsteinflößend, Kat. Du bist wie Henn, nur in einem anderen Kontext. Du bist ein Männerhacker.« Ich muss lachen. »Danke. Und jetzt beantworte bitte meine Frage.« Er atmet hörbar ein. »Jede Frau aus dem Club ist auf den Fotos – plus zwei, die keine Mitglieder im Club waren.« »Ah, sehr interessant. Zwei Bonusfrauen aus dem echten Leben. Das wird ja immer verwirrender. Welche beiden waren nicht im Club? Und warum hast du sie mit den anderen in diesen Ordner getan?« »Hast du nicht langsam keine Fragen mehr übrig?« »Nein.« Ich denke kurz nach. »Acht habe ich noch.« Er schnaubt. »Und du hast eine der beiden Frauen selbst fotografiert, nicht beide?« »Korrekt.« »Hm. Das bedeutet, dass die andere dir das Foto geschickt hat?« »Korrekt. Und jetzt hast du offiziell keine Fragen mehr übrig.« »So ein Quatsch. Ich habe immer noch mindestens acht übrig.« »Acht? Du hast mit zehn begonnen und schon gefühlte fünfzig Fragen gestellt.« »Ich habe Unterfragen zu den Fragen gestellt, Josh. Unterfragen zählen nicht als eigene Fragen.« Er brummt vor sich hin. »Also los, welche dieser hübschen Damen hast du selbst fotografiert? Und warum hast du sie mit all den anderen in einen Ordner namens Krankes Arschloch gesteckt?« »Kein Kommentar.« »Ach, komm schon.« »Du hast meine Anmeldung. Sie ist es, die ich dir versprochen habe – nicht mehr. Das lustige Zwanzig-Fragen-Spiel ist jetzt offiziell vorbei.« »Das ist nicht fair.« »Das ist fair – und wenn nicht, tja, das Leben ist so.« »Sag mir nur noch, warum du all diese Fotos hast, dann lasse ich dich in Ruhe. Versprochen.« Josh atmet scharf ein. »Okay, Madame Terroristin. Gut.« Er murmelt etwas Unverständliches zu sich selbst. »Ich habe in meiner Anmeldung nach einem bestimmten Typ Frau verlangt, also hat der Club mir Fotos von potenziellen Frauen geschickt, um sicherzugehen, dass sie meinen Wünschen entsprechen. Am Ende meiner einmonatigen Mitgliedschaft wusste ich nicht, was ich mit all den Fotos tun soll, also habe ich sie in einen Ordner gesteckt.« »Den du Krankes Arschloch genannt hast.« Er antwortet nicht. »Und du hattest keine Ahnung, dass diese Frauen Prostituierte sind, bevor Jonas es dir gesagt hat?« Josh überlegt. »In meiner Anmeldung habe ich ziemlich genau beschrieben, was ich mir vorstelle. Also habe ich angenommen, dass sie eine Art Arrangement getroffen haben, um mir meine Wünsche zu erfüllen – aber sicher war ich mir nicht. Nur weil eine Frau bereit ist, sich mit einem reichen Typen in einem Hotel zu treffen und ihm seine kranken Fantasien zu erfüllen, muss sie noch keine Prostituierte sein, oder?« Ich denke kurz darüber nach. »Nein«, sage ich schließlich. »Nicht zwingend. Vor allem nicht, wenn der Typ so aussieht wie du.« »Danke. Aber mal im Ernst, mir war es egal, ob die Frauen dafür bezahlt wurden – ich wollte es nicht wissen. Ich wollte einfach nur einen Monat lang der Realität entfliehen. Ich war nicht auf der Suche nach einer Seelenverwandten.« »Und du hast nach Blondinen verlangt?« »Kat«, sagt er leise. »Du hast meine Anmeldung. Lies sie einfach. Keine Fragen mehr.« Sein ernster Tonfall überrascht mich. Ich dachte, wir scherzen einfach miteinander herum. »Okay. Es tut mir leid.« »Ist schon in Ordnung.« Ich warte einen kurzen Moment. »Aber kann ich dir noch eine winzig kleine Frage stellen? Im Namen der emotionalen Intimität?« Jetzt muss er doch wieder lachen. »Was?«, fragt er. »Danke. Wow, wir werden gut in emotionaler Intimität, Josh. Wir sind fast schon Meister darin.« Er lacht wieder. »Das ist keine emotionale Intimität, Kat – das ist die reinste Folter.« »Ich bin mir fast sicher, dass das ein und dasselbe ist«, sage ich. »Aber nur fast sicher.« Jetzt lacht er aus vollem Herzen, was ich als gutes Zeichen werte. »Okay, Madame Terroristin, wie lautet Ihre letzte Frage?« »Schläfst du ausschließlich mit Blondinen – oder galt das nur für die Zeit im Club? Und bringt der Sex mit blonden Frauen das kranke Arschloch in dir zum Vorschein?« Er scheint kurz nachzudenken. »Das sind zwei Fragen.« »Tut mir leid, ich konnte nicht anders.« »Okay, wir machen einen Deal: Ich beantworte dir noch diese zwei Fragen, und dann ist diese Vernehmung offiziell beendet.« »Okay.« »Ich schlafe nicht nur mit blonden Frauen. Ich war schon mit Frauen unterschiedlichster Form, Größe, Hautfarbe, Herkunft und Haarfarbe im Bett, und ich habe es immer genossen. Sehr genossen, um die Wahrheit zu sagen.« »Danke, so viele Informationen wollte ich gar nicht.« »Und nein, ich habe keinen seltsamen Komplex, bei dem ich mich in ein krankes Arschloch verwandle, wenn ich mit einer blonden Frau schlafe. Ja, ich habe im Club speziell nach blonden Frauen verlangt, weil der Club mir meine Fantasien erfüllen und mir dabei helfen sollte, der Realität zu entfliehen. Und nenn mich unkreativ oder banal, aber wenn es darum geht, meine Fantasien auszuleben, vor allem im Club, dann ist es das, was ich will: eine Blondine. Warum? Ich weiß es nicht. So bin ich halt gestrickt – ich habe definitiv einen Typ.« Er gibt einen Laut von sich, der mir signalisiert, dass er fertig ist mit Reden. »Danke«, sage ich leise und scrolle wieder durch die Fotos. »Ja, ich würde auch sagen, dass du definitiv einen Typ hast.« Ich schnaube auf. »Also eigentlich sehen sie alle aus wie ...« Ich halte mitten im Satz inne. Heilige Scheiße! Eine lange Pause entsteht. »Ja, Kat«, sagt Josh schließlich. Er atmet hörbar aus. »Sie sehen alle aus wie du.« Er hat meine Gedanken gelesen. Ich muss hart schlucken. »Weniger attraktive Versionen von dir natürlich«, fährt er leise fort. »Sie sind alles Möchtegern-Kats. Du bist das, was mein Bruder die ›göttliche Idee‹ nennt.« Mein ganzer Körper fängt zu kribbeln an. »Die ›göttliche Idee‹?«, sage ich und schnappe nach Luft. »Was ist das?« Er stöhnt laut auf. »Ich kann nicht glauben, dass ich das jetzt gesagt habe. Es ist dieses Platon-Zeug, von dem mein Bruder immer faselt. Vergiss, dass ich das jemals gesagt habe. Ich würde meinem Bruder am liebsten jedes Mal die Augen auskratzen, wenn er das sagt, und jetzt sage ich es selbst. Aaahh ...« Ich presse mein Handy ans Ohr, und mein Atem geht schneller. »Was bedeutet das, Josh?«, frage ich leise. »Was immer es auch bedeutet, es lässt meinen ganzen Körper kribbeln.« »Es bedeutet nur, dass du die Originalschablone bist und jede andere eine Kopie ist.« Er gibt einen lauten Seufzer von sich. »Du weißt schon, als wärst du die Original-Gucci-Tasche, und jede andere ist eine dieser Fälschungen, die sie auf den New Yorker Gehwegen verkaufen.« Das muss ich erst mal sacken lassen. Ich war noch nie in New York, aber seine Metapher ist unmissverständlich. »Bedeutet das, ich mache dich mehr zu einem kranken Arschloch als jede andere?« Er stöhnt frustriert auf. »Du machst mich nicht zu einem kranken Arschloch – niemand tut das. Jemand, den ich mochte, hat mich einmal als krankes Arschloch bezeichnet, und ich war sauer auf sie, als ich diesen Ordner erstellt habe, das ist alles. Ich habe ihr mit diesem Ordnernamen sozusagen den Mittelfinger gezeigt, verstehst du?« Während Josh redet, schaue ich mir weiter die Fotos an. Da ist eine Frau, zu der ich immer wieder zurückkomme. Sie macht keine Pose oder versucht so sexy wie die anderen zu sein – aber ihre Schüchternheit lässt sie nur noch anziehender wirken. Plötzlich besteht für mich kein Zweifel mehr daran, dass sie diejenige ist, die Josh selbst fotografiert hat – und wenn meine detektivischen Sensoren richtig funktionieren, ist auch sie diejenige, die Josh ein krankes Arschloch genannt hat. »Was ist mit der Schüchternen?«, frage ich. »Die Schüchterne?« »Diejenige, die sich offensichtlich nicht wohl dabei gefühlt hat, nackt zu posieren? Sie sieht für mich schon ziemlich wie die göttliche Idee aus. Ist sie diejenige, die du selbst fotografiert hast?« Ich muss schlucken. »Ist sie deine Exfreundin?« Er antwortet nicht. »Hat sie dich als krankes Arschloch bezeichnet?« »Mach den Ordner jetzt zu, Kat«, sagt er leise und sehr ernst. »Die Vernehmung ist vorbei.« Ich bekomme eine Gänsehaut. Er macht keine Scherze mehr. Mist. Er klingt wirklich sauer. »Okay, ich habe ihn geschlossen«, sage ich und mache den Ordner zu. »Ich muss los«, sagt er schroff. »Viel Spaß beim Lesen.« »Nein, warte. Bitte, Josh, warte.« Sein wütender Tonfall lässt mich erschaudern. Ich bin offensichtlich zu weit gegangen. »Es tut mir leid, Josh. Manchmal gehe ich zu weit. Das ist ein großes Manko an mir.« Josh muss trotz allem auflachen. Ich beiße mir auf die Lippe und grinse ins Telefon. »Es tut mir leid – ich wollte nichts Böses.« »Sagt die Frau mit dem Bombengürtel um die Brust.« Er holt tief Luft. »Jetzt lies einfach meine blöde Anmeldung, okay? Ich halte das nicht mehr aus. Diese Anspannung bringt mich noch um. Lies sie und triff deine Entscheidung.« »Meine Entscheidung?« Er hält kurz inne. »Ob du noch mit mir schlafen willst oder nicht«, sagt er schließlich. »Ach ja, stimmt«, sage ich. »Nun ja, eine Frau muss doch wissen, ob sie an eine Ziege gekettet aufwachen wird oder nicht.« »Nein, an einen Esel.« »Ja, richtig. Also eine Frau muss solche Dinge wissen.« »Du kannst nie wissen, in wen ich mich verwandle. Ich bin halt ein krankes Arschloch.« »Sagt wer?« Er antwortet nicht. »Die Schüchterne?« »Ja.« »Ist das Emma?« »Ja.« »Also, Josh, ich habe deine Anmeldung noch nicht gelesen, aber ich kann dir jetzt schon sagen, dass Emma totalen Blödsinn geredet hat.« Er gibt einen überraschten Laut von sich. Ich räuspere mich. »Kommen wir zum eigentlichen Grund meines Anrufs«, sage ich. »Wo sind die drei Fotos, die du an deine Anmeldung angehängt hast?« »Nun ja, Kat, seltsamerweise befinden sie sich in einem Ordner mit dem Namen Fotos Club-Anmeldung. Stell dir vor.« »O mein Gott, das ergibt so viel mehr Sinn, als sie in einen Ordner mit dem Namen Krankes Arschloch zu stecken.« Josh seufzt. »Hey, kann ich nicht einfach hochkommen? Ich dachte, ich würde so weit weg wie möglich sein wollen, wenn du meine Anmeldung liest, aber plötzlich möchte ich währenddessen viel lieber neben dir sitzen und deinen Gesichtsausdruck sehen.« Mein Herz macht einen Sprung. »Hast du vielleicht vor, mich auf irgendeine Art und Weise abzulenken, Joshua William Faraday?« »Vielleicht.« Ich grinse breit ins Telefon. »Ja, ich denke, das ist eine tolle Idee«, sage ich. »Beweg deinen tätowierten Arsch hierher, Playboy. Wir lesen das verdammte Ding gemeinsam – Zeile für Zeile. Und vielleicht, wenn du ganz nett zu mir bist, darfst du mich auch davon ablenken.« Ich kann förmlich hören, wie er grinst. »Ich bin gleich da«, sagt er.

Blick ins Buch
The Club – PassionThe Club – Passion

Roman

Das herzzerreißende Finale der »The Club«-Reihe! Seit sich Kat und Josh kennen, ist ihr Leben wilder und leidenschaftlicher als je zuvor. Die beiden genießen die unendlichen Möglichkeiten ihrer Liebe, und Kats größter Wunsch ist es, in ihrer Beziehung den nächsten Schritt zu gehen. Ein Streit hat jedoch genau das Gegenteil zur Folge – und als Kat erfährt, dass sie ein Kind erwartet, liegt ihr Leben plötzlich in Scherben. Wie wird der freiheitsliebende Playboy auf diese Nachricht reagieren? Schließlich hatte er deutlich gemacht, dass er keine Kinder haben will. Ist es das Ende ihrer Liebe – oder womöglich der Beginn von etwas ganz Großem? Teil 3 um Kat Morgan und Josh Faraday
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Josh
Ich stolpere aus dem Walmart (das einzige Geschäft, in dem man um dreiundzwanzig Uhr fünfundvierzig noch Elektroartikel kaufen kann) und gehe über den Parkplatz zum Auto. In der schwarzen Limousine lasse ich mich auf den Rücksitz fallen. »Danke fürs Warten«, murmle ich.
»Haben Sie alles bekommen?«, fragt der Fahrer.
Ich halte die Plastiktüte mit meinen Einkäufen hoch.
»Wohin jetzt?«
Ich nenne ihm die Adresse von Kats Apartment, und er startet den Motor.
Als das Auto vom Parkplatz fährt, hole ich eine Flasche Jack Daniels aus der Tüte und nehme einen Schluck.
Der Fahrer wirft mir einen Blick durch den Rückspiegel zu, sagt aber zum Glück nichts über den Whiskey.
Mann, ich habe es heute Abend wirklich vermasselt. Mir war nicht klar, wie schlimm es für Kat sein würde, dass ich ihr nicht von meinem Umzug nach Seattle erzählt habe. Zu sehen, wie Kat sich die Augen aus dem Kopf heult – wegen etwas, das ich getan habe (oder besser gesagt nicht getan habe) –, hat mir fast das Herz zerrissen. Jede ihrer Tränen hat sich angefühlt wie ein Messer in meiner Brust.
»Ich hätte es an deiner Stelle gar nicht erwarten können, es dir zu erzählen«, hat Kat vor der Karaokebar zu mir gesagt. »Du wärst die erste Person gewesen, die ich angerufen hätte.«
Bis zu diesem Moment dachte ich, meine temperamentvolle kleine Terroristin reagiert mal wieder über und hat ihre Emotionen nicht mehr unter Kontrolle. Aber in der Sekunde, in der diese Worte wie Pfeile aus Kats Mund geschossen kamen, wusste ich, dass sie mich so sehr treffen, weil sie die Wahrheit sind. Wenn Kat ein Haus in L.A. kaufen und es mir nicht erzählen würde, wäre ich auch am Boden zerstört.
Und genau das scheint Kat jetzt zu sein. Tatsächlich sieht es sogar so aus, als wäre sie für immer mit mir fertig, auch wenn sie es nicht so direkt gesagt hat. Bevor sie in ihre Wohnung ging, forderte sie ein paar Tage Pause, um »sich zu sammeln und darüber nachzudenken, was sie fühlt«. Und um »herauszufinden, ob sie überreagiert hat«. Aber der Blick in ihrem Gesicht sah nicht danach aus, als wäre sie der Meinung, überreagiert zu haben.
»Okay«, sagte ich leise, auch wenn ich sie eigentlich so leidenschaftlich küssen wollte, dass es ihr Kurzzeitgedächtnis löscht. »Nimm dir die Zeit. Ich rufe dich in ein paar Tagen an.« Das habe ich in dem Moment auch wirklich so gemeint. Ich wollte sie wirklich in Ruhe lassen. Einer Frau hinterherzulaufen ist schließlich nicht mein Stil. Aber nach nur einer Stunde allein in meinem Hotelzimmer, in der ich Whiskey getrunken und auf die Space Needle gestarrt habe – und mir von Adele die Ohren habe volljammern lassen –, konnte ich nicht mehr nur herumsitzen. Ich musste etwas tun, damit sie mir verzeiht.
Also schrieb ich Kat ein paarmal und bat sie, mich anzurufen, aber sie hat nicht geantwortet. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen und rief selbst an – so viel zum Hinterherlaufen. Mein Anruf wurde direkt auf die Mailbox umgeleitet. Schließlich habe ich die Arschbacken zusammengekniffen und Kat eine Nachricht hinterlassen, was ich nur als erbärmlich bezeichnen kann. Aber trotzdem habe ich keinen Mucks von hier gehört. Da habe ich Panik bekommen und den Drang verspürt, Kat zu erklären, dass ich total verrückt und süchtig nach ihr bin – dass ich nicht genug von ihr kriegen kann. Das war der Moment, in dem mir meine brillante Idee gekommen ist.
Ich nehme meinen neuen tragbaren CD-Spieler aus der Walmart-Tüte und packe ihn aus. Er ist viel kleiner und moderner als der altmodische Ghettoblaster, den ich mir vorgestellt hatte, aber manchmal muss man nehmen, was man kriegt – vor allem an einem Freitag um kurz vor Mitternacht.
Die Limousine kommt bei Kats Haus an.
»Parken Sie einfach in der Einfahrt«, sage ich zum Fahrer. Ich gebe ihm mein Handy. »Verbinden Sie das bitte mit Ihrer Stereoanlage – ich habe einen Song darauf.«
Der Fahrer blickt mich verständnislos und etwas verärgert an. »Es ist nach Mitternacht, Sir. Wir können in einer Wohngegend keine laute Musik hören.«
Ich stecke dem Kerl ein paar Hundert-Dollar-Scheine zu. »Kommen Sie schon, Mann. Ich muss eine Frau zurückgewinnen. Ich habe es vermasselt, und jetzt will ich, dass sie mir verzeiht.«
Der Fahrer nimmt mein Geld. »Der Song ist schon bereit?«
»Ja. Drücken Sie einfach auf mein Zeichen hin auf Play und drehen die Lautstärke voll auf.«
»Voll aufdrehen? Sir, ich kann wirklich nicht …«
Ich gebe ihm noch mehr Hunderter. »Tun Sie es einfach«, blaffe ich ihn an. »Ich übernehme die volle Verantwortung.«
Ohne auf die Antwort des Fahrers zu warten, steige ich aus dem Auto, den CD-Player in der einen, meinen brandneuen Trenchcoat vom Walmart in der anderen Hand.
Ich kann nicht glauben, dass ich das mache. Gab es einen bestimmten Moment, in dem ich Kat meinen Schwanz und meine Eier übergeben habe, oder habe ich ihr meine Männlichkeit in kleinen Happen gereicht – so, wie ich sie in der Sexhöhle mit Erdnussbutter-Marmeladen-Sandwich gefüttert habe? Egal, diese Frau bekommt jetzt jedenfalls meine Kronjuwelen auf dem Silbertablett serviert.
Ich stelle den CD-Player auf den Boden, damit ich mir den Trenchcoat anziehen kann, und als ich mich davon überzeugt habe, dass ich genauso aussehe wie John Cusack, hole ich tief Luft, hebe meinen improvisierten Ghettoblaster über den Kopf und signalisiere dem Fahrer, dass er die Musik anmachen soll.
Peter Gabriels »In Your Eyes« dröhnt aus den Boxen des Autos.
Ich stehe stocksteif da, halte den Ghettoblaster über meinen Kopf und warte.
Keine Kat. Was zur Hölle …? Sie muss die laute Musik doch hören. Ihre Wohnung geht auf die Straße raus.
Ich warte weiter mit dem CD-Player über dem Kopf.
Immer noch keine Kat.
Scheiße.
Die pure Verzweiflung überkommt mich. Wird sie mich wirklich ignorieren? Ich lege ihr hier mein Herz zu Füßen, verdammt.
Moment. Was, wenn Kat die Musik hört, aber eins und eins nicht zusammenzählt? Was, wenn sie denkt, ein betrunkenes Arschloch ist in seinem Auto eingeschlafen und hat den Oldies-Sender viel zu laut aufgedreht? Schnell gehe ich zur Limousine zurück.
»Geben Sie mir mein Handy«, sage ich. »Ich werde ihr eine Nachricht schreiben.«
Der Fahrer reicht mir das Handy, so weit es mit dem Kabel geht, und ich beuge mich über ihn und schreibe Kat eine Nachricht. Komm raus, Kitty Kat. Hier steht ein begossener Pudel mit eingezogenem Schwanz. Ich drücke auf Senden und nehme wieder meine Position ein.
Ein paar Sekunden später kommt ein halb nackter, bierbäuchiger Kerl mit Kippe und Bierdose aus dem Wohnhaus.
»Was soll das, Mann?«, schreit er. »Ich habe da drinnen ein Baby, das schlafen will.«
»Ich mache für mein Mädchen einen auf Teen Lover«, sage ich. »Ich will sie zurückgewinnen.«
Der Kerl schaut mich an, als hätte ich ihm gerade eröffnet, dass ich keinen Penis habe.
»Ich habe keine andere Wahl«, fahre ich fort. »Mein Mädchen ist ein Unikat, Mann.«
Der Kerl nickt und nimmt einen langen Zug von seiner Zigarette. »Und sie mag diesen Film, wie? Den mit dem Ghettoblaster?«
Ich verdrehe die Augen. »Sie findet ihn romantisch.«
Der Kerl lacht herzlich und tritt ein paar Schritte zurück – offenbar, um mich in den Mittelpunkt zu rücken. »Das muss ich sehen«, murmelt er.
Eine brünette Frau tritt aus einem der Apartments und blickt mich verärgert an. Aber als sie mich sieht, werden ihre Gesichtszüge plötzlich ganz weich. Sie verschwindet schnell wieder in ihrer Wohnung, nur um ein paar Sekunden später mit einer anderen Frau im Schlepptau wieder herauszukommen. Und auch die zweite Frau scheint dahinzuschmelzen, als sie mich sieht. Es freut mich ja, dass diese beiden Frauen mich süß finden, aber für sie mache ich das hier nicht. Wo zum Teufel ist Kat? Schläft sie vielleicht schon? Oder ist sie gerade unter der Dusche? Hat sie meine Nachricht nicht gelesen?
Meine Arme werden langsam schwer. Ich hätte nicht gedacht, dass ich sie so lange hochhalten muss.
Ich verlagere mein Gewicht. In dem Film steckt die Frau ihren Kopf sofort aus dem Fenster, oder? Warum braucht Kat so lange, um rauszukommen und mich von meinem Elend zu erlösen?
Das Gesicht eines Mannes erscheint in einem der Fenster. Er sagt etwas zu jemandem hinter sich, und einen Moment später kommt ein zweites Gesicht dazu, das mich auslacht.
Sollen sie doch lachen, verdammt. Solange Kat mir verzeiht, kann die ganze Welt mich auslachen. Ich will die Sache nur wieder geradebiegen – ich will, dass sie versteht, dass es nichts mit ihr zu tun hatte, dass ich ihr nicht von dem Umzug nach Seattle erzählt habe.
»Hey, Sir«, sagt der Fahrer über die Musik hinweg. »Ich denke nicht, dass sie nach draußen kommt.«
Ich nehme den CD-Player runter und drehe mich zu ihm um. Mein Herz schlägt wie wild.
»Sie hat Ihnen geantwortet«, fährt der Fahrer fort. Er deutet auf mein Handy.
Ich gehe zum Auto, nehme mein Telefon in die Hand, und mir fallen fast die Augen aus dem Kopf.
Ich mache hier keinen auf stur oder spiele die Terroristin. Ich kann dich heute Nacht nicht sehen oder mit dir reden. Bitte gib mir ein paar Tage, damit ich mir über ein paar Dinge klar werden kann.

Kat
»Happy Birthday to youuu!«, singen alle, und Colby bläst die dreißig Kerzen auf seinem Karottenkuchen aus.
»Danke, ihr Lieben«, sagt er. »Der Kuchen sieht hervorragend aus, Dax.«
Mom nimmt die Kerzen von Colbys Kuchen und schneidet für jeden ein Stück ab, während Dax Eiskugeln formt.
»Für mich keins«, sage ich, als Mom mir ein großes Stück anbietet.
»Geht es dir gut, Liebes?«, fragt sie. »Du siehst ein bisschen fertig aus.« Sie gibt Ryan das Stück, das für mich gedacht war.
»Mir geht’s gut. Ich war nur gestern Abend mit Freunden in einer Karaokebar«, sage ich. »Den letzten Martini hätte ich nicht mehr trinken sollen.«
Mom wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu. »Ich hoffe, du bist nicht gefahren?«, sagt sie. Sie gibt Keane ein großes Stück Kuchen.
»Nope«, sage ich.
»Und wer auch immer gefahren ist, hat nicht getrunken?«
»Richtig«, sage ich.
»Niemals trinken und fahren«, sagt Mom streng. Sie schneidet meinem Vater ein auffällig dünnes Stück ab. »Installier einfach dieses Uber-Ding auf deinem Handy, und sie holen dich überall ab.«
»Du meinst die Uber-App, Mom?«, fragt Dax und blickt mich amüsiert an.
»Ja. Es heißt Uber. Sie holen einen ab, wo man will.«
»Wow. Das klingt ja toll, Mom«, sage ich und erwidere Dax’ Blick. Sie ist so süß.
»Hast du gestern Abend deine Karaoke-Spezialität zum Besten gegeben?«, fragt Keane. Er legt sich die Hand aufs Herz und singt voller Inbrunst den Refrain von »Total Eclipse of the Heart«.
»Natürlich«, antworte ich. Ich werfe mir die Haare über die Schulter. »Und ich war fantastisch.«
»Du hast mich also hintergangen?«, fragt Ryan. »Ich bin am Boden zerstört.«
»Sorry, Ry«, sage ich. »Die Gelegenheit hat sich ergeben, und ich musste sie beim Schopf packen. Ich dachte, du würdest das verstehen.«
»Nein, das verstehe ich nicht«, sagt Ryan. »Das ist unser Ding, Kum Shot.«
»Hör auf mit diesen bescheuerten Spitznamen«, sagt Mom. »Du weißt, dass ich das hasse.«
»Sorry, Mom«, sagt Ryan. »Aber ich denke, du solltest diesem Ebenezer Sploodge hier drüben besser erklären, dass es nicht nett ist, mir mit einer rostigen Klinge ins Herz zu stechen.«
»Ach, komm schon«, sage ich. »Ich konnte mir diese Chance nicht entgehen lassen. YOLO, Bruderherz. So läuft es halt.«
Ryan schnaubt und sieht richtig angepisst aus.
»YOLO«, murmelt Dax verächtlich. »Ich würde das Genie, das diesen Ausdruck erfunden hat, am liebsten erwürgen.«
»Was bedeutet YOLO?«, fragt Dad, während er fröhlich auf seinem kleinen Stück Kuchen rumkaut.
»You only live once – Du lebst nur einmal«, antwortet Dax mit gerümpfter Nase.
»Ach, Carpe Diem ist wohl heutzutage nicht mehr cool genug für die Kids, wie?«, sagt Dad.
»Das hat zu viele Buchstaben«, sagt Mom und nimmt etwas von dem Eis. »Heutzutage wird alles abgekürzt, Liebling. ›LOL! OMG!‹« Sie reißt ihre Arme nach oben und ahmt einen Teenager in einer Shoppingmall nach.
Derby Field! Namibia!, denke ich, und mein Herz beginnt wild zu schlagen.
»Und wer hat gestern Abend meinen Part gesungen?«, fragt Ryan. »Wer immer es auch war, ich wette, er ist nicht einmal annähernd an das hier herangekommen.« Er schmettert aus voller Kehle die Zeile »Turn Around, Bright Eyes«.
Ich muss lachen. Ryan bringt mich immer zum Lachen, egal, wie schlecht ich gelaunt bin. »Du hast recht. Der Kerl, der es mit mir gesungen hat, hätte keine Chance gegen dich.«
»Wer ist denn der Idiot, der es gewagt hat, sich in mein Karaoke-Territorium zu begeben?«, fragt Ryan und stopft sich eine Gabel voll Kuchen in den Mund.
»Sprache, Ry«, sagt Mom. »Bitte, Schatz.«
»Nur so ein Typ, mit dem ich mich treffe«, sage ich. »Sarahs Freunds Zwillingsbruder.«
»Wow. Das ist mal eine Possessivkette«, sagt Keane.
»Der Zwillingsbruder von Sarahs neuem Freund«, berichtige ich mich.
»Ja, das habe ich schon verstanden, Proteinshake. Das war nur ein Witz«, sagt Keane. Er verdreht die Augen. »So dumm bin ich auch wieder nicht.«
»Tut mir leid«, sage ich.
Keane zwinkert mir zu. Er ist anscheinend nicht wirklich gekränkt.
»Du triffst dich mit jemandem?«, fragt Ryan.
Ich nicke.
»Wie heißt er?«
»Josh Faraday«, sage ich.
»Auch bekannt als der Porno-King Sir J. W. Faraday«, sagt Dax ehrfürchtig, und ich werfe ihm einen bösen Blick zu.
»Was?«, sagt Mom. »Du triffst dich mit einem Pornokönig?«
»Nein.« Wenn Blicke töten könnten, würde Dax auf der Stelle vom Stuhl fallen. »Dax ist ein Arschloch.«
»Kat«, sagt Mom und verdreht die Augen. »Sprache. Kommt schon, Leute, nicht am Tisch. Bitte. Können wir nicht wenigstens so tun, als wäre das ein zivilisiertes Geburtstagsessen?«
»Tut mir leid, Mom.« Ich klimpere mit den Wimpern. »Dax ist ein Blödmann.«
»Danke«, sagt Mom. »Das ist meine kleine Lady. Bitte benehmt euch.«
»Immer, Mommy«, sage ich mit zuckersüßer Stimme.
»Immer«, stimmen meine Brüder gespielt unterwürfig zu.
»Hey, keine Pornokönige, Kitty«, sagt Dad. »Das weißt du.«
»Natürlich, geliebter Patriarch«, sage ich. »Ich kenne die Regeln. Wir alle kennen sie. Man geht nicht mit Pornokönigen, Pornostars, Zuhältern, Huren, Schwerverbrechern, Junkies oder Strippern aus.« Bei dem letzten Wort werfe ich Keane einen verstohlenen Blick zu, und er grinst breit. Wir Geschwister wissen alle, dass Keane in letzter Zeit sein Geld als die Morgan-Version von Magic Mike verdient (einen Dollarschein nach dem anderen), aber unsere Eltern haben keine Ahnung. »Keine Sorge, Dad«, fahre ich fort. »Josh ist kein Pornokönig oder Zuhälter. Er leitet zusammen mit seinem Bruder und seinem Onkel eine Investmentfirma oder so etwas. Er ist ein respektiertes Mitglied unserer Gesellschaft, das verspreche ich dir.«
»Ach, ist das dieser Typ aus Las Vegas, von dem du mir erzählt hast?«, fragt Mom.
»Ja«, sage ich. »Aber er kommt nicht aus Las Vegas, Mom. Er kommt eigentlich aus Seattle und lebt jetzt in L.A.«
»Sollte er nicht heute mit zum Essen kommen?«, fragt Colby.
»Stimmt«, sagt meine Mutter. »Das habe ich ja ganz vergessen. Warum ist er nicht mitgekommen?«
»Ihm ist bei der Arbeit etwas dazwischengekommen, und er musste zurück nach L.A.« Meine Wangen glühen bei dieser Lüge. »Er hat gesagt, ich soll Colby alles Gute zum Geburtstag wünschen, und es tut ihm wirklich leid, dass er die Party verpasst. Vor allem tut es ihm leid, dass er deine Spaghetti nicht probieren kann, Mom. Ich habe ihm erzählt, dass sie legendär sind.«
Mom grinst.
»Keine Sorge. Du wirst Josh bestimmt bald kennenlernen«, sage ich und lächle meine Mutter an, obwohl es mir innerlich den Magen umdreht. Wenn man bedenkt, dass er der Vater deines Enkelkindes sein wird.
»Verdammt«, sagt Dax. »Ich habe mich schon so darauf gefreut, zu checken, ob J. W. Faraday wirklich so gut aussieht.« Dax wendet sich an alle. »Ich habe ein Foto von dem Typen gesehen, und er ist sogar noch hübscher als Ry – ob ihr es glaubt oder nicht.«
Keane schnaubt. »Pff. Keiner ist hübscher als unser Ry.«
»Fick dich, Peen«, sagt Ryan. »Ich hab es dir schon tausendmal gesagt: Ich bin nicht hübsch, ich bin überragend gut aussehend.«
»Sprache«, sagt Mom. »Mein Gott, ich komme mir vor wie unter einer Meute Seemänner. Was habe ich falsch gemacht? Nenn Keane nicht so.«
»Sorry, Mom«, sagt Ryan. Er wendet sich wieder an Keane. »Wie wäre es dann mit Peenelope Cruz? Ist das besser, Mom?«
Dad bricht in schallendes Gelächter aus, und meine Mutter wirft ihm einen bösen Blick zu.
»Das ist lustig«, sagt Dad entschuldigend und lacht immer noch.
»Ich finde es schade, dass Josh dieses Mal nicht kommen konnte«, sagt Mom, und an mich gewandt fügt sie hinzu: »Sag ihm bitte, dass er hier immer willkommen ist. Ich werde ihm auf jeden Fall meine legendären Spaghetti machen, wenn er es einmal zu uns schafft.«
»Danke, das werde ich ihm sagen.« Gleich nachdem ich ihm erzählt habe, dass ich ein Kind von ihm erwarte.
Mein Blick wandert ziellos um den Tisch herum und landet auf Colbys hübschem Gesicht. Er starrt mich wissend an, als könne er meine Gedanken lesen. Ich werde knallrot.
»Mir tut es auch leid, dass Josh heute nicht kommen konnte«, sagt er trocken. »Ich weiß, du hast dich darauf gefreut, ihn uns vorzustellen.«
»Ist schon okay«, presse ich hervor, und Tränen treten mir in die Augen. »Vielleicht ein anderes Mal.«
Colby sieht mir noch lange in die Augen, bevor er seine Aufmerksamkeit schließlich auf Dax richtet und sich noch mal für den Kuchen bedankt.
»Ich hatte gehofft, der Kuchen würde deine Stimmung so heben, dass du mir morgen deinen Truck leihst«, sagt Dax. »Ich muss ein paar Sachen fahren«
Colby kichert. »Klar. Aber nur ein paar Stunden. Ich brauche ihn auch noch.«
»Danke, Bro.«
»Und danke für die Spaghetti, Mom«, sagt Colby. »Sie waren fantastisch wie immer.«
»Gern geschehen, mein Schatz. Ich habe dir eine Extraportion Sauce zum Einfrieren gemacht. Das Geburtstagskind kriegt immer eine Extraportion.«
»Danke, Mom.«
»Kriege ich auch eine Extraportion, Mom?«, fragt Keane. »Ich habe mich in letzter Zeit nur von Taco Bell ernährt.«
Mom lacht. »Ja, für dich habe ich auch eine Extraportion gemacht, Keaney – und für Kitty Kat. Sie stehen im Kühlschrank.«
»Was ist mit mir?«, fragt Ryan. »Bekommt dein Lieblingskind etwa keine Extraportion?«
»Du hast das letzte Mal eine bekommen«, sagt Mom. »Und übrigens seid ihr alle meine Lieblingskinder.«
»Keane hat letztes Mal auch eine Extraportion bekommen«, beschwert Dax sich.
»Ja, das stimmt«, sagt Ryan. »Und das Mal davor auch. Warum kriegt Keane immer Extraportionen?«
Mom nimmt Keanes Hand. »Weil Keane sie immer braucht.«
Wir rollen alle mit den Augen, und Keane wirft uns einen bösen Blick zu. »Danke, dass du mich verstehst, liebste Mutter«, sagt er und grinst sie breit an. »Du sorgst außerordentlich gut für uns alle.«
Wir verdrehen wieder die Augen – sogar Dad.
»Hört auf damit«, sagt Mom. »Ich weiß, dass Keane ein Schleimer ist – ich bin ja nicht blöd.«
Alle lachen, auch Keane.
»Aber das ist egal. Der Junge braucht Extraportionen. Er kann nicht einmal Wasser kochen.«
»Und wessen Schuld ist das?«, sagt Dax. »Was ist denn mit persönlicher Verantwortung?«
»Du bist zu gutmütig, Mom«, sagt Ryan. »So einfach ist das.«
»Hör nicht auf sie, Mom. Du hast vollkommen recht«, sagt Keane.
Mom drückt wieder Keanes Hand. »Ich bin die Erste, die zugibt, dass sie jeden von euch anders behandelt. Für jeden Einzelnen von euch bin ich genau die Mutter, die er braucht.« Sie blickt Keane liebevoll an. »Und was Extraportionen angeht – die braucht Keane.«
Wir brechen alle in schallendes Gelächter aus.
»Schluss jetzt«, sagt Mom streng. »Kein Streit mehr über Extraportionen.«
Wir grummeln einen Moment lang vor uns hin, besonders Ryan.
»Hey, Ry, du kannst meine Extraportion haben«, sage ich. »Ich brauche sie nicht.«
»Nein, ist schon okay«, sagt er. »Ich kann ohne schlechtes Gewissen die Extraportion von Peenelope Cruz stehlen, aber ich werde sie nicht von Spunky Kat stehlen. Ich kann warten.«
Moms Gesichtsausdruck hellt sich auf. »Spunky Kat? Das heißt so viel wie beherzt, oder? Endlich mal ein netter Spitzname. War das denn so schwer?«
Ryans Blick ist unbezahlbar. »Nein, geliebte Mutter«, sagt er andächtig. »Das war es nicht. Eigentlich war es sogar ziemlich einfach.«
Mom blickt mich liebevoll an. »Das gefällt mir. Das passt zu unserer Kitty Kat. Spunky Kat. Mir fällt kein Wort ein, das sie besser beschreiben würde als ›beherzt‹.«
Meine Brüder kriegen sich gar nicht mehr ein, denn jeder außer Mom weiß, dass Spunk auch Sperma bedeutet.
»Ja«, sagt Ryan mit bebenden Nasenflügeln. »Das ist unsere Kitty Kat: voll mit Spunk!«
Wir lachen Tränen. Nur unsere süße, ahnungslose Mutter nicht, die von diesem umgangssprachlichen Wort noch nie etwas gehört hat.
»Was?«, fragt Mom mit großen Augen. »Was ist so lustig? Habe ich etwas nicht kapiert?«
»Ich erkläre es dir später«, sagt Dad und wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel.
»Was denn?«
Dad schüttelt den Kopf. »Ich erkläre es dir später, Louise.«
Aber wir alle wissen, dass er Mom überhaupt nichts erklären wird. Niemand, auch Dad nicht, würde auch nur im Traum daran denken, unserem wahnsinnig komischen Captain Morgan in den Rücken zu fallen. Dafür ist er einfach zu unterhaltsam.
»Wann ist dein nächster Auftritt, Dax?«, fragt Dad in dem Versuch, das Thema zu wechseln. »Vielleicht könnte ich ja kommen.«
»Klar, Dad. Am Freitag spielen wir in diesem Irish Pub in Downtown, und am Samstag spielen wir auf einem Straßenfest in Bremerton …«
Normalerweise verschlinge ich jedes Detail über Dax’ Auftritte, aber jetzt kann ich mich kaum auf seine Worte konzentrieren – nicht, wenn mein ältester Bruder mich mit seinen Blicken durchbohrt. Er sieht mich so mitfühlend an, dass meine Augen sich mit Tränen füllen. Ich schaue weg, und meine Unterlippe zittert. Verdammt, dieser Colby. Obwohl Josh gar nicht hier ist, spürt er, dass etwas nicht stimmt.
Wie auf Kommando vibriert auch noch mein Handy. Eine Textnachricht von Josh. Bist du bei Colbys Geburtstagsessen?
Ich muss mich zusammenreißen, um nicht vor Verzweiflung laut aufzuschreien. Erst gestern Abend habe ich ihm gesagt, dass ich Zeit zum Nachdenken brauche. Was soll sich denn in den letzten vierundzwanzig Stunden geändert haben? (Okay, ehrlich gesagt hat sich alles geändert, aber das weiß Josh ja nicht. Und ehrlich gesagt will ich jetzt noch viel weniger mit ihm reden, nicht mehr.) Ich brauche Sarah. Mit ihr zu sprechen, hilft mir immer, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Aber leider ist das keine Option – zumindest nicht für die nächsten Wochen. Am Montag fangen ihre Abschlussprüfungen an, und direkt danach fliegt sie nach Griechenland, um sich zu verloben (was sie noch nicht weiß).
Ich richte meine Aufmerksamkeit wieder auf die Unterhaltung am Tisch. Ryan und Colby reden über die zweite Staffel von True Detective.
»Ich sage ja auch, dass sie nicht so gut ist wie die erste Staffel«, sagt Colby. »Aber ich verstehe trotzdem nicht, warum die Leute es jetzt so in den Dreck ziehen. Es ist immer noch eine der besten Serien im Fernsehen.«
»Die erste Staffel war nur so unglaublich gut«, sagt Ryan. »Danach hatte man wahnsinnig hohe Erwartungen.«
Versprich wenig, biete viel. Das ist eines von Joshs Lebensmottos. Hat er mir deshalb nicht von seinem Umzug nach Seattle erzählt? Weil er mir nicht zu viel versprechen wollte? Wahrscheinlich. Vielleicht sollte ich es genauso machen und ihm erst mal nicht von dem Baby erzählen. In den ersten drei Monaten stehen die Chancen für eine Fehlgeburt relativ hoch (vor allem, wenn man bedenkt, was ich alles getrunken und geraucht habe – und wie oft ich auf dem Sybian geritten bin).
Wenn die Natur ihren Weg geht und diese Schwangerschaft gar nicht bestehen bleibt, wäre es doch bescheuert, wenn ich Josh schon davon erzählt hätte. Und falls ich das Kind doch nicht verlieren und Josh Faradays Nachwuchs auf die Welt bringen sollte – o mein Gott! –, dann habe ich noch jede Menge Zeit, ihm davon zu erzählen.
Wenn ich denken würde, dass Josh eine Abtreibung von mir verlangen würde, dann hätte ich mehr Zeitdruck. Aber dank einer sehr tiefgründigen Unterhaltung über Religion und Spiritualität weiß ich, dass der katholisch erzogene Josh das nie von mir verlangen würde. Für mich selbst habe ich diese Möglichkeit nach langem Überlegen auch ausgeschlossen. Es macht also keinen Unterschied, ob ich Josh jetzt oder in einem Monat von dem Baby in meinem Bauch erzähle.
Ein Gefühl der Ruhe überkommt mich.
Es ist entschieden: Ich warte einen Monat ab und sage Josh nichts – nur für den Fall, dass die Natur die Sache in der Zwischenzeit selbst in die Hand nimmt. Und so lange werde ich einfach versuchen, nicht daran zu denken (abgesehen von den Schwangerschaftsvitaminen, die ich nehmen muss, und von den Fachzeitschriften, die ich mir kaufen werde).
Ja. Das ist der Plan.
Okay.
Puh.
Ich hole tief Luft und wende mich wieder der Unterhaltung am Tisch zu.
»Es hat sich also herausgestellt, dass es nur ein kleines Buschfeuer war«, sagt Colby. »Und wir waren alle für die Apokalypse ausgestattet.«
Alle lachen.
»Ich werde immer so nervös, wenn du zu einem Einsatz musst«, sagt Mom zu Colby.
»Ich weiß, Mom. Aber ich würde nichts anderes mit meinem Leben tun wollen. Ich liebe meine Arbeit bei der Feuerwehr.«
»Das weiß ich, Schatz. Wir sind so stolz auf dich.«
Ich sehe auf mein Handy und starre Joshs Nachricht an. Vielleicht sollte ich antworten.
Ja, ich bin bei meiner Familie, schreibe ich. Wir essen gerade Dax’ Karottenkuchen, der übrigens KÖSTLICH schmeckt. Zu schade, dass du ihn verpasst. Ich drücke auf Senden und blicke vom Handy auf. »Hey, Mom. Kannst du mir vielleicht doch ein kleines Stück vom Kuchen abschneiden?«
»Sicher«, sagt Mom. »Heißt das, dir geht es wieder ein bisschen besser?«
»Mhm.«
Mein Handy vibriert. Ich wollte ja kommen, aber du hast mich wieder AUSGELADEN, schreibt Josh und fügt ein trauriges Smiley an.
Bist du in L.A.?, frage ich.
Ja. Ich habe den ersten Flug heute Morgen genommen. Noch ein trauriges Smiley. Hast du deiner Familie erzählt, warum ich nicht da bin?
Nein, ich habe berufliche Gründe vorgeschoben.
Warum hast du ihnen nicht erzählt, dass ich ein Riesenarschloch bin?
Weil es sie nichts angeht, dass du ein Riesenarschloch bist, antworte ich. WAS DU BIST.
Meine Familie lacht lauthals über etwas, das Keane gerade erzählt.
Ich blicke hoch und sehe, dass Colby mich mitfühlend anstarrt. Schon wieder.
»Entschuldigt mich«, sage ich und springe vom Tisch auf. Ich will ins Büro meiner Mutter, um dort weiter ungestört mit Josh chatten zu können, aber die plötzliche Bewegung ist nicht gut für meinen Magen. Also biege ich schnell Richtung Bad ab.
Und tschüss, Karottenkuchen.
Ganz toll.
Bis jetzt macht es richtig Spaß, eine werdende Mutter zu sein.
Ich wasche mir den Mund aus und spritze mir kaltes Wasser ins Gesicht. Dann setze ich mich auf den Badewannenrand und lege meinen Kopf in die Hände. Ich kann nicht glauben, dass mir das passiert. Gestern habe ich meinen Job gekündigt und geplant, die nächsten paar Jahre damit zu verbringen, mein eigenes Geschäft aufzuziehen. Aber stattdessen werde ich die nächsten achtzehn Jahre damit verbringen, ein nicht geplantes Kind großzuziehen. Ohne es zu wollen, habe ich Josh genau das angetan, wovor er so große Angst hat. Und das auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem er sich noch so unsicher über unsere Zukunft als Paar ist, dass er mir nicht mal von seinem Umzug erzählt hat.
Das ist ein absoluter Albtraum.
Mein Handy vibriert. Mit tränenverschleiertem Blick lese ich Joshs Nachricht.

Das Riesenarschloch hat dir gerade einen Erste-Klasse-Flug nach L.A. gebucht. Ich verstehe, dass es dich verletzt hat, dass ich dir nicht von meinem Umzug nach Seattle erzählt habe. Das ist absolut verständlich. Aber ich werde nicht zulassen, dass du mich damit für immer quälst. Du hast genau fünf Tage Zeit, um über alles nachzudenken und dich zu sammeln, Madame Terroristin. Am Donnerstag werde ich deinen süßen kleinen Hintern einfliegen und dir keine andere Wahl lassen, als mir zu verzeihen.

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