Medizinische Fragen als Vorbereitung auf das Arztgespräch
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Mittwoch, 13. März 2013 von David B. Agus


Medizinische Fragen als Vorbereitung auf das Arztgespräch

Diese Checkliste hilft Ihnen bei der Vorbereitung auf Arztbesuche und soll Hinweise liefern, wonach Sie Ihren Arzt fragen sollten. Sie können sich mit dieser Checkliste mit den vielen »Gesundheitsregeln« vertraut machen, die im Buch »Leben ohne Krankheit« zu finden sind.

Gesamtbefinden: Wie geht es Ihnen? Das ist auf jeden Fall die wichtigste Frage, die Sie sich selbst stellen müssen.
Auch wenn es Ihnen heute blendend geht, wie haben Sie sich gestern gefühlt? Geht es Ihnen manchmal schlecht? Gibt es ein Muster? Fällt es Ihnen schwer, morgens aus dem Bett zu kommen?  

Energie: Wie würden Sie Ihre persönliche Energie auf einer Skala von eins bis zehn einstufen? Wie hat sie sich im letzten Jahr verändert?  

Tagesablauf: Wie regelmäßig sind Ihre Essens-, Sport- und Schlafenszeiten? Sind sie jeden Tag gleich oder unterschiedlich?  

Atmung: Fällt Ihnen etwas Ungewöhnliches auf? Hören oder spüren Sie ein Rasseln beim Atmen? Tut es weh, wenn Sie tief einatmen? Müssen Sie dabei husten?
Beantworten Sie diese Fragen sowohl für den Ruhezustand als auch den Zustand nach körperlicher Anstrengung.  

Anstrengung: Wie viel körperliche Anstrengung vertragen Sie, ohne sich unwohl zu fühlen? Hat sich diese Größe im Vergleich zum Vorjahr verändert? Tut Ihnen etwas weh oder fühlt sich merkwürdig an, wenn Sie sich bewegen oder körperlich anstrengen?  

Gehen: Hat sich Ihr Gang in letzter Zeit verändert? Haben Sie neuerdings eine schiefe Körperhaltung, wenn Sie gehen? Beugen Sie sich stärker vor? Fällt es Ihnen schwer, völlig aufrecht zu gehen?  

Körperempfinden: Fühlt sich irgendetwas in Ihrem Körper anders als sonst oder ungewöhnlich an? Wie steht es zum Beispiel mit Ihrem Geruchssinn? Ist er so gut wie immer? Schwächer?  

Haut: Wenn Sie nackt vor dem Spiegel nach ungewöhnlichen Flecken, Gewächsen oder Beulen suchen, finden Sie dann etwas? Hat sich etwas verändert, seitdem Sie zum letzten Mal nachgeschaut haben? Hinterlassen Ihre Sockenbündchen Eindrücke an den Knöcheln?
(Das könnte bedeuten, dass Ihr Herz nicht richtig arbeitet und sich Flüssigkeit im Gewebe ansammelt, was das Risiko einer Thrombose steigert.)  

Haare: Hat sich Ihr Haarwuchs auf irgendeine Weise verändert – Dichte, Brüchigkeit, Verlust/Wachstum und so weiter? Sind Ihre Knöchel haarlos geworden? Das könnte auf eine Durchblutungsstörung hindeuten, besonders bei Männern. Oder wachsen Ihnen Haare an merkwürdigen Stellen, auf den Armen etwa oder im Gesicht?
Das könnte ein Anzeichen für Hormonveränderungen sein, besonders bei Frauen.  

Nägel: Dieses abgestorbene Gewebe verrät eine Menge. Haben sich Ihre Nägel in letzter Zeit verändert, in Form oder Farbe? Verfärbte Nägel können ein Symptom bestimmter Krankheiten sein, zum Beispiel einer einfachen Infektion, aber auch für Diabetes: Wenn Ihre Nägel gelblich gefärbt sind, sollten Sie sich auf Zuckerkrankheit untersuchen lassen. Auch der Eisengehalt lässt sich an den Nägeln ablesen: Ein weißer Halbmond an der Nagelwurzel deutet auf einen ausreichenden Bluteisenspiegel.  

Finger: Schmerzen Ihre Gelenke, wenn Sie die Finger bewegen? Falls Sie eine Frau sind: Ist Ihr Ringfinger länger als der Zeigefinger?
Falls ja, laufen Sie möglicherweise ein doppelt so hohes Risiko, an Arthrose zu erkranken, und zwar laut einer Studie von 2008, die in Arthritis & Rheumatism erschienen ist. Dort wurde auf diesen merkwürdigen Zusammenhang hingewiesen und die Vermutung aufgestellt, dass ein längerer Ringfinger auf eine verstärkte Testosteronexposition im Mutterleib deute. Ein höherer pränataler Testosteronspiegel senkt die Östrogenkonzentration, die entscheidend für die Knochenentwicklung ist.
Wenn Sie ein Mann sind und Ihr Zeigefinger länger als der Ringfinger ist, sinkt Ihr Prostatakrebsrisiko um ein Drittel.  

Gelenke: Schmerzen sie? Eher morgens beim Aufstehen oder nach einem langen Tag? Was hilft gegen Gelenkschmerzen?   Appetit: Unverändert? Stärker? Schwächer? Haben Sie Heißhunger? Wenn ja, worauf?  
Brüste: Wenn Sie eine Frau sind, sehen oder spüren Sie Knoten, Beulen oder Grübchen darin, wenn Sie sie abtasten?  

Verdauung: Irgendetwas Unangenehmes? Brauchen Sie regelmäßig rezeptfreie Medikamente für Ihren Magen oder Ihre Verdauung, Abführmittel oder Ähnliches? Wenn Sie Beschwerden haben, nehmen diese nach dem Essen zu oder ab? Leiden Sie an einer Intoleranz, Überempfindlichkeit oder Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel?   Kopfschmerzen: Haben Sie regelmäßig Kopfschmerzen? Migräneattacken? Wissen Sie, was sie auslöst? Nehmen Sie regelmäßig rezeptfreie Schmerzmittel (z.B. Aspirin oder Ähnliches)?  

Allergien: Haben Sie welche? Haben sie sich im Lauf der Jahre verändert? Wenn ja, wie?  

Schlaf: Schlafen Sie gut? Benötigen Sie mitunter Schlafmittel? Wachen Sie gewöhnlich ausgeruht auf? Wie regelmäßig sind Ihre Schlafenszeiten? Beklagt sich Ihr Partner oder Ihre Partnerin, dass Sie schnarchen? (Schlafapnoe, die sich oft mit Schnarchen äußert, ist heutzutage weitverbreitet und ein bekannter Risikofaktor für Herzinfarkt. Zum Glück ist sie ziemlich gut heilbar.)  

Schmerzen: Fühlen Sie an bestimmten Stellen Unbehagen oder Schmerzen?  

Erkältungen und Grippen: Werden Sie oft krank? Wie oft hatten Sie im vergangenen Jahr Fieber? Wenn Sie krank werden, brauchen Sie dann länger als Ihre Bekannten und Verwandten, um wieder zu genesen? Haben Sie sich dieses Jahr gegen Grippe impfen lassen?  

Stimmung: Wie stabil ist Ihre Laune? Fühlen Sie sich gelegentlich depressiv?   Hormonzyklus: Wenn Sie eine Frau sind, ist Ihr Zyklus regelmäßig? Sind Sie in den Wechseljahren oder in der Menopause?

Krankengeschichte: Welche Diagnosen sind Ihnen bisher gestellt worden? Leiden Sie an chronischen Erkrankungen?  

Stress: Wie hoch würden Sie auf einer Skala von eins bis zehn Ihre Stressbelastung einschätzen? Haben Sie chronischen Stress oder nur gelegentlich? Beeinflusst er Ihren Lebensstil? Wenn es sich um Stress durch Arbeitsbelastung handelt, mögen oder hassen Sie Ihre Arbeit? (Stress durch eine Tätigkeit, die Sie mögen, vertragen Sie nämlich viel besser als Stress durch eine verhasste Arbeit!)  

Gewicht: Sind Sie zufrieden mit Ihrem Gewicht? Wollten Sie es bereits einmal ändern? Was geschah dann? Haben Sie einen Bauch, den Sie nicht loswerden?  

Medikamente (rezeptpflichtig und rezeptfrei): Welche Medikamente nehmen Sie, wogegen, und wie lange bereits? Dazu gehören auch alle Vitamine, Nahrungsmittelergänzungen und gelegentliche Einnahmen wie eine einzelne Kopfschmerztablette dann und wann.  

Gesundheitsvorsorge: Sind Sie auf dem Laufenden mit Ihren Routineuntersuchungen, Checkups, Impfungen und Tests wie Pap-Abstrich und Koloskopie (Darmspiegelung)? Wissen Sie, welche Nahrungsmittel Sie angesichts Ihrer unterliegenden Krankheitsrisikofaktoren essen sollten?  

Gesamtzustand: Wenn Sie auf einer Skala von eins bis zehn angeben sollten, wie wohl Sie sich mit sich selbst fühlen, welchen Wert würden Sie nennen? Welches Zeugnis würden Sie sich selbst ausstellen? Was möchten Sie in Ihrem Leben ändern?  

Anders als andere Fragebögen, die Sie in Büchern und Magazinen finden, gibt es hier am Ende keine Punktebewertung. Die Antworten sind ganz Ihre eigenen. Sie können den Fragenbogen gelegentlich nochmals durchgehen, um zu sehen, was sich bei Ihnen verändert hat. Fragen Sie sich immer wieder: Bin ich so gesund, wie ich gerne sein möchte?


Blick ins Buch
Leben ohne KrankheitLeben ohne Krankheit
Können wir bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben? Sind körperlicher Verfall und Krankheit wirklich unausweichlich? David B. Agus ist einer der renommiertesten Mediziner der USA, vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler und Krebsforscher und zeigt uns, wie eine neue Sichtweise auf unsere Gesundheit uns den Weg ebnet zu jenem bisher unerreichbaren Ziel: einem langen und gesunden Leben. Wir müssen nur unseren Körper genau beobachten, ihn besser kennenlernen und können so Krankheiten aktiv vermeiden lernen.
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Einleitung

 

Randbemerkungen

Wie ein Krebsarzt seiner größten Herausforderung begegnet: alle Krankheiten zu besiegen

 

Wenn du den Frieden willst, verstehe den Krieg.

B. H. Liddell Hart, Strategie (1954)


In den letzten beiden Jahrzehnten habe ich eine eigene Betrachtungsweise für die Beziehung des menschlichen Körpers zu Gesundheit und Krankheit gefunden. Sie hat mir ermöglicht, die bestgehüteten rationalen Ansichten zum Thema Gesundheit infrage zu stellen. Vielleicht ist dies das Ergebnis meiner Arbeit in den letzten 20 Jahren – meines Kampfs gegen den Krebs als Arzt und Forscher. Ich fühle mich, als hinge ich gemeinsam mit meinen Kollegen über dem Rand einer Klippe, wenn ich nach besseren Heilmethoden für diese grassierende Krankheit suche, die auch heute noch weit mehr Opfer fordert, als sie sollte. Krebstherapie ist die riskanteste Sparte der Medizin, weil es, ehrlich gesagt, oft nur wenig Hoffnung auf Heilung gibt und die Behandlung heute noch genauso ineffektiv ist wie seit eh und je. Die Statistiken machen mich wütend, der mangelnde medizinische Fortschritt enttäuscht mich und das rückwärtsgewandte Denken, dem sich die Wissenschaft weiterhin zuwendet und das zweifellos unsere Jagd nach der Wunderwaffe behindert, bringt mich zur Verzweiflung.

Mit diesem Buch möchte ich einen Schritt von dieser Front zurücktreten und über meine Erfahrungen sprechen, die ganz allgemein mit dem Thema Gesundheit zu tun haben. Wie es in einem alten Sprichwort heißt, muss man in den Krieg ziehen, um den Frieden zu verstehen. Der Krieg gegen den Krebs ist in vieler Hinsicht zerstörerisch und hässlich, aber er bringt viele Erfahrungen, die uns helfen können, zukünftige Kriege zu vermeiden und den Frieden auszuweiten. Das Ziel sollte schließlich sein, anstatt Kriege zu gewinnen, keine mehr führen zu müssen. Das gilt besonders in der Medizin.

Einige von Ihnen leiden vielleicht nicht an Krebs, aber ich vermute, auch Sie möchten gerne wissen, wie Sie ihn vermeiden. Außerdem möchten Sie bestimmt wissen, wie Sie jenes anscheinend unfassbare Ziel erreichen, »gesund« zu sein – also das friedvolle Wohlbefinden Ihres Körpers zu maximieren. Genau wie ich bei meiner Tätigkeit bestimmte »Regeln« durchbreche, um neue Theorien über Krebs zu überprüfen, bricht auch dieses Buch »Regeln«, und zwar mit demselben Ziel: um vielleicht Leben zu retten. Ich ahne schon, dass ich damit genau wie bei meinen Vorträgen eine Mischung aus Neugier, Unglauben, Staunen und manchmal Wut auslösen werde, tue es aber trotzdem, und zwar aus ebenso gutem Grund: um Ihr Leben zu verlängern und damit Sie sich in jedem einzelnen Lebensjahr besser fühlen. Was Sie hier lesen, ist, kurz gesagt, etwas anderes als in jedem anderen Gesundheitsratgeber – oder überhaupt in jedem Ratgeber. Es ist einerseits ein Manifest, andererseits aber auch ein Lebensplan.

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und stellen Sie sich vor, wie es wäre, bei guter Gesundheit 100 oder mehr Jahre alt zu werden, bis Ihr Körper eines Tages einfach den Hauptschalter umlegt und sich verabschiedet. Sie sterben friedlich im Schlaf, nachdem Sie am Abend zuvor noch ein Tänzchen hingelegt haben. Sie sterben nicht an einer bestimmten Krankheit, und Sie siechen auch nicht langsam an einer jahre- oder gar jahrzehntelangen Auszehrung dahin. Die meisten Menschen können sich gar nicht vorstellen, den Leiden zu entgehen, die so oft das Leben vorzeitig und oft genug schlagartig beenden. Dennoch möchte ich, dass Sie daran glauben, ein langes, erfülltes, gesundes Leben leben zu können – denn es ist möglich. Das Ende von Krankheit ist näher, als Sie vielleicht denken! Das ist mein Wunsch für Sie. Um diese übermenschliche Leistung zu vollbringen, müssen Sie allerdings den Begriff Gesundheit aus einer neuen Perspektive betrachten und sich einige Grundsätze des Wohlbefindens zu eigen machen, die vermutlich allem widersprechen, was Sie gelernt haben.

Ich gehe davon aus, dass Sie eine vernünftige, überlegt handelnde Persönlichkeit sind. Sie informieren sich und wissen, welche medizinischen Studien gerade in den Schlagzeilen sind. Sie nehmen täglich Ihr Multivitaminpräparat und finden Zeit für ein bisschen Ausgleichssport. Vielleicht machen Sie sich Sorgen wegen der Umweltverschmutzung, der Pestizide und der Qualität des Trinkwassers, das die Wasserwerke liefern. Sie wissen auch, dass Sie eigentlich für mehr Nachtschlaf sorgen und mehr Obst und Gemüse und weniger gesättigte Fettsäuren essen sollten. Aber was ist, wenn ich Ihnen jetzt sage, dass diese universellen Grundsätze womöglich gar nicht stimmen? Was, wenn alles, was Sie über Gesundheit wissen, falsch wäre?

Was ist denn eigentlich Gesundheit? Das ist scheinbar eine einfache Frage, auf die es auch eine einfache Antwort geben sollte. Ist sie eine Zahl, wie Ihr Gewicht oder Ihr Cholesterinspiegel? Oder eine Lebensweise – ein aktives Leben und »gesunde« Ernährung? Ich wünschte, es wäre so einfach. In unserem Zeitalter, in dem wir mit der explosionsartigen Zunahme des medizinischen Wissens längst nicht mehr Schritt halten können, brauchen wir eine neue Methode, um zu entscheiden, was gesund für uns ist. Wenn jemand mit Krebs im fortgeschrittenen Stadium zu mir als Krebsarzt kommt, dann kann ich ihm kaum noch Hoffnung machen. Das sage ich nicht achselzuckend oder hartherzig, sondern, weil es die Wahrheit ist. Ich bin Realist, und die Realität von Krebs und vielen anderen tödlichen Krankheiten ist erschreckend. In einem Zeitalter, in dem wir innerhalb von Sekunden mit einem Mobiltelefon mit beliebigen Menschen weltweit kommunizieren können, ist es eigentlich eine Schande, dass Technologie und Innovation in der medizinischen Forschung und Therapie so altertümlich, überholt und, man kann es ruhig sagen, in manchen Fällen geradezu primitiv geblieben sind.

Ich habe drei Hauptgründe, dieses Buch zu schreiben: Erstens möchte ich ein neues Gesundheitsmodell vorstellen, das Ihre Ansichten über den menschlichen Körper vollkommen verändern wird; zweitens möchte ich zeigen, wie Sie dieses Modell durch geschickte Strategien und praktische Verhaltensweisen auf Ihr eigenes Leben anwenden können; drittens möchte ich Ihnen erstaunliche medizinische Technologien erklären, die entweder bereits zur Verfügung stehen oder sich im Entwicklungsstadium befinden und die Ihnen helfen können, die Lebensqualität und das hohe Alter zu erreichen, die Ihnen zustehen. Mit den in diesem Buch enthüllten Informationen werden Sie einen völlig neuen Weg beginnen, und Ihr Leben wird sich zum Besseren wenden.

Eine Warnung vorweg: Einiges von dem, was ich schreibe, und einige meiner Ratschläge werden Ihnen zunächst nicht gefallen. Sie werden mit Fakten und Konzepten vertraut gemacht, die allem widersprechen, was man Ihnen als »richtig« oder »gesund« beigebracht hat. Meine Ansichten darüber, was einem Menschen Wohlbefinden oder auch Unwohlbefinden bringt, weichen mitunter von der etablierten Denkweise ab. In dieser Hinsicht ist mein Buch ein Manifest im wahrsten Sinne des Wortes – eine kühne Deklaration, die ein neuartiges Bild des Körpers und seiner gewaltigen Mechanismen zeichnet, die ihn entweder stetig zur Gesundheit hin- oder von ihr wegtreiben.

Die Grundannahme des Buches lautet, dass wir alle – ob wir in einem Heilberuf tätig sind oder nicht – seit Jahrzehnten falsch über Gesundheit und den Körper denken. Wir versuchen stets, unseren Begriff vom Körper und seinen Leiden auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren – sei es eine Mutation, ein Bakterium, ein Defizit oder einen Zahlenwert wie Blutdruck oder Blutzucker. Anstatt unseren Körper als das außerordentlich komplexe System zu begreifen, das er ist, suchen wir ständig nach dem einzelnen Gen, das aus der Bahn geraten ist, oder dem »Geheimnis« der Gesundheit. Diese Kurzsichtigkeit hat uns von einer wesentlichen Sichtweise abgebracht, mit der wir uns in diesem Buch befassen wollen und die nicht nur die Art und Weise verändern wird, in der wir uns um uns selbst kümmern, sondern auch die Art und Weise, wie wir die Zukunft von Behandlungsmethoden und mitunter auch von Heilmitteln vorantreiben. Sie hat uns Ärzte auch verführt, unseren hippokratischen Eid zu brechen, nach dem wir dem Patienten nicht schaden dürfen. Denn die Wahrheit ist leider, dass einige Ärzte den Patienten sehr schaden. Das gesamte Konzept, keinen Schaden anzurichten, ist völlig korrumpiert worden; die Medizin ist in eine extreme Position geraten, wo sie nur noch von wenigen Daten gerechtfertigt und von falschen oder unbewiesenen Behauptungen überrannt wird. Und das kann einem Angst machen.

 

Ein Systembegriff wird geboren

Als ich eines Tages im Jahr 2004 vom Cedars-Sinai-Hospital zu meiner Klinik in L.A. unterwegs war, fiel mir im Schaufenster des Krankenhauskiosks die neueste Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Fortune auf. Die Schlagzeile auf dem Titelblatt lautete »Warum wir den Kampf gegen den Krebs verlieren«. Der Artikel dazu stammte von Clifton Leaf, selbst ehemals krebskrank, dessen Leben durch eine Therapie gerettet worden war, die sich noch im klinischen Versuchsstadium befand, als er sich ihr in den 1970er-Jahren als Teenager unterzog. Ich war ziemlich beeindruckt, denn jeder Krebsarzt, der eine solch entmutigende Schlagzeile und einen so wohldurchdachten Essay liest, muss sich in seinem ureigenen Tätigkeitsbereich als Versager fühlen. Als bei Clifton die Hodgkins’sche Krankheit festgestellt wurde, brachten ihn seine Eltern aus New York City in ein Krankenhaus einer anderen Stadt dieses Staates, damit er dort eine damals noch experimentelle Therapie machen konnte, ein ziemlich brutales Verfahren, zu dem auch MOPP gehörte, die erste Kombinationschemotherapie, die erfolgreich gegen diese Krankheit eingesetzt wurde. Sie wurde im Wechsel mit Bestrahlungen durchgeführt, nach denen ihm wiederum die Schilddrüse entfernt werden musste, die irrtümlich mitbestrahlt worden war. Aber die Behandlung führte zur Heilung, und Clifton wurde zu einem Streiter für die Sache der Krebspatienten. Er tritt jetzt weltweit bei großen Fachkonferenzen als Vortragsredner auf und bringt eine erfrischende, leidenschaftliche Note in die wissenschaftliche Diskussion, sowohl als preisgekrönter Journalist wie als energischer Patientenanwalt, dem es darum geht, dass die richtigen Prioritäten gesetzt werden.

Clifton brachte in seinem Artikel mehrere bemerkenswerte Ansichten vor. Am wichtigsten war dabei seine Erklärung, wie wir – als Gesellschaft, aber spezifischer innerhalb der Heilberufe – uns heutzutage der Biologie nähern. In den letzten 50 Jahren haben wir uns darauf konzentriert, die einzelnen Eigenschaften des Krebses zu verstehen, um ihn zu behandeln, anstatt uns direkt zu bemühen, ihn zu kontrollieren. Wir haben vergessen, dass Krebsbehandlung mit Krebsvorsorge beginnt und dass es entscheidend ist, den Krebs bereits im Frühstadium zu entdecken, wenn es eine Chance geben soll, die Krankheit zu verhindern oder zu kontrollieren, bevor sie in ihr tödliches Stadium eintritt. Wenn es der Wissenschaft nur noch um winzige Verbesserungen der Therapie anstatt um einen Durchbruch geht, dann verliert sie ihr Ziel aus den Augen.

Sind wir deshalb im »Krieg« gegen den Krebs innerhalb der letzten fünf Jahrzehnte kaum vorangekommen? Erklärt sich so die immer größere Lücke zwischen den Therapiefortschritten bei Krebs und anderen Krankheiten? Solche bohrenden Fragen fingen an, mich zu beschäftigen. Ich bin schließlich ein Krebsarzt, der gegen Krebs nicht viel ausrichten kann. Die Medizin hat in den letzten 100 Jahren außergewöhnliche Fortschritte gemacht, aber auf meinem Fachgebiet haben sie schon vor Jahrzehnten damit aufgehört.

Unsere Ansichten über das Leben entwickeln sich normalerweise langsam weiter, aber sie können sich auch in einem einzigen Augenblick schlagartig verändern, wenn eine neue Tatsache bekannt wird. Meine Ansichten über Gesundheit begannen sich ernsthaft zu verändern, als ich Cliftons Artikel las, und schlugen dann in ein neues Muster um, als ich eines Abends mit einem Physik-Nobelpreisträger darüber sprach. Im Juli 2009 hatte ich nämlich das Glück, bei einem Abendessen in Aspen, Colorado, Murray Gell-Mann kennenzulernen, den Physiker, der vor fast 50 Jahren die Existenz der Quarks postuliert hat. Dabei handelt es sich um die grundlegenden Bausteine jeglicher Materie im Universum, grundlegender als Elektronen. Murrays Arbeit war ein entscheidender Beitrag zu unserem Verständnis des Aufbaus des Universums auf der subatomaren Ebene. Er erhielt bereits 1969 den Nobelpreis für Physik, auch wenn sein Entwurf erst 1977 experimentell bestätigt wurde.

Mit seinen 79 Jahren hätte Murray kein netterer und fesselnderer Gesprächspartner sein können; dazu kam noch sein ansteckendes Lächeln. Ich verknallte mich sofort – intellektuell gesehen – in seine Lebensfreude und seine Brillanz und lauschte gespannt seinen Erzählungen über seine Tätigkeit in der Physik. Genauso wenig wie Gedanken kann man Quarks sichtbar machen, auch nicht mit der fortgeschrittensten Technologie, und als Murray seine Ideen entwickelte, musste er sich auf abstrakte Daten verlassen und die Existenz der Quarks aus ihnen erschließen. Mein Aha-Erlebnis hatte ich, als er von den komplexen Systemen erzählte, mit denen er es in der Physik zu tun hatte, und von den Modellen, die er konstruierte, um diese Systeme zu verstehen. Warum gingen die Ärzte nicht auch so an die Medizin heran? Warum versuchten wir nicht, mit all den Daten, die wir sammelten, ein Modell zu konstruieren, um Krankheiten und damit umgekehrt auch die Gesundheit zu verstehen? Ich suchte nach einer Modellvorstellung aus der Medizin, die Murrays Quark-Modell entsprach, und fand nichts. Das Wort Onkologe bedeutet wörtlich »jemand, der sich mit Massen oder Tumoren befasst.« Murray definierte bestimmte Massen (wenn auch subatomare) mit physikalischen Begriffen, während ich versuchte, biologische Massen zu verstehen, die mit Abnormität und Chaos zu tun hatten. Ich fragte mich, wie ich Murrays Denkweise auf meine eigene Welt anwenden könnte.

Seit jenem Abend habe ich erfreulicherweise zahlreiche Gelegenheiten zum Meinungsaustausch mit Murray gehabt (und ich habe das Glück, dass er sich als Presidential Professor für Physik und Medizin an der University of Southern California meinem Forschungsteam angeschlossen hat, sodass wir enger zusammenarbeiten können). Trotz des Generationenunterschieds kommen wir so gut wie alte Freunde miteinander aus. So sehr wir das Arbeitsgebiet des jeweils anderen bewundern, fasziniert uns doch auch, wie unsere Denkweisen sich, geprägt von diesen Fachgebieten, voneinander unterscheiden. Als Murray mir geradeheraus sagte: »Betrachte den Krebs als System«, sah ich auf einmal alles ganz anders – den Krebs und unseren Behandlungsansatz; Krankheiten und unseren medizinischen Ansatz allgemein; sogar die Gesundheit insgesamt. Ich konnte der Frage nicht ausweichen: Hält unsere Sichtweise des Krebses uns davon ab, ihn zu heilen? Und hindert uns diese falsche Sichtweise womöglich daran, überhaupt Erfolge in der Medizin zu erzielen?

Wie ich in diesem Buch darlegen werde, halte ich Krebsfrüherkennung für äußerst wichtig. Den Krebs so früh wie möglich festzustellen, ist gegenwärtig unsere einzige Chance, ihn effektiv zu bekämpfen. Wenn wir bestimmten Gesundheitsregeln folgen, können wir die meisten Krebsarten verhindern. Aber das gilt nicht nur für Krebs. Durch zielgerichtete Vorsorge können wir viele Krankheiten abwehren, und darum geht es in diesem Buch.

Um es klar zu sagen: Das vorliegende Werk ist kein »Krebsbuch«. Wir sollten den Krebs weniger als schwere Krankheit und bedrohlichen Feind sehen denn vielmehr als Metapher für die Gesamtheit aller Krankheit in der Welt. Der Krebs ist die am weitesten entwickelte aller Krankheiten. Er ist nicht isoliert. Siddhartha Mukherjee beschreibt ihn als »König aller Krankheiten« – als die Nemesis, die auf jede dritte Frau und jeden zweiten Mann irgendwann in ihrem Leben wartet. All die Intelligenz und all das Geld, die gegenwärtig in die Krebsforschung investiert werden, bewirken in diesem sogenannten Krieg kaum etwas. Es ist an der Zeit, nicht nur unsere Ansichten über den Krebs, sondern auch über Gesundheit und Wohlbefinden an sich zu ändern. Wir brauchen eine radikal andere Denkweise, die uns zu Durchbrüchen auf allen Gebieten der Medizin führen kann. Zu dieser neuen Denkweise gehört auch, dass wir uns anders als bisher um unseren Körper kümmern und für jeden einzelnen Menschen definieren, was Gesundheit eigentlich bedeutet – denn sie bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit.

 

Eine Karriere voller Fragen

Für die Biologie des Menschen interessiere ich mich schon, solange ich denken kann. Als Kind interessierte ich mich früh für die Naturwissenschaften und wollte schon immer in einem Labor arbeiten. Über die Jahre habe ich viele bemerkenswerte Lehrer gehabt, darunter meinen Vater, einen Arzt, der mich immer forderte und wollte, dass ich neugierig blieb. Nachdem ich eine Zeit lang an den National Institutes of Health und dem Johns Hopkins Hospital gearbeitet hatte, wurde es dann Zeit, mich für eine medizinische Fachrichtung zu entscheiden. Onkologe zu werden bedeutete, so erklärte man mir, »Karriereselbstmord«. Man riet mir stattdessen, in die Kardiologie oder die Lungenmedizin zu gehen, wo man »etwas bewirken« könne. Wer Kliniker am Johns Hopkins Hospital gewesen sei, habe Besseres zur Auswahl als das Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York, um sich dort mit Krebsmedizin zu befassen, einem seinerzeit vertrocknenden Zweig der Medizin ohne Hoffnung oder Fortschritt. Ich höre noch, wie mich meine Vorgesetzten von der Hopkins-Klinikleitung fragten, was ich in einem Fachgebiet wolle, in dem man die Patienten vergiftete und es ihnen nicht einmal half. Ich sah das anders und folgte meinem Wunsch, mich auf die Behandlung von Lymphomen zu spezialisieren, bevor ich mich der Erforschung von Prostatakrebs, der klinischen Behandlung und der Medikamenten- und Technologieentwicklung, zuwandte. Ich glaubte nicht, dass die Onkologie eine Sackgasse war. Ganz im Gegenteil sah ich sie als eines der wenigen medizinischen Gebiete, auf denen Ärzte und Patienten die Tradition hinter sich ließen und Risiken eingingen, um mangels Auswahl bessere Behandlungsmethoden zu finden. Ich wollte die im Labor gefundenen Lösungen sofort in der Therapie anwenden können und Anteil an der Zukunft der Krebsmedizin haben.

Ende der 1990er-Jahre gründete ich Oncology.com, seinerzeit das größte Internetforum auf diesem Gebiet. Mein Abenteuer begann gerade erst. Als Andy Grove, der ehemalige CEO und Vorsitzende von Intel und einer meiner liebsten Lehrer, mich drängte, an die Westküste zu gehen, wusste er, dass ich danach strebte, etwas Besonderes zu tun. Ich weiß noch, wie Andy am 13. Mai 1996 auf der Titelseite von Fortune erschien, um im Heft über Diagnose und Behandlung seines Prostatakrebses zu sprechen, einer Krankheit, die viel zu lange totgeschwiegen worden war. Inspiriert von vielen Gesprächen mit ihm und dem Unternehmergeist der Westküste zog ich mit meiner jungen Familie nach Kalifornien, wo ich die Verbindungen zu knüpfen begann, die mich meine Kinderträume erfüllen lassen würden. Ich wurde zum Mitgründer von Applied Proteomics and Navigenics, zwei Firmen für Gesundheit und Wohlbefinden (deren Technologien ich später noch erklären werde); und ich übernahm Führungspositionen an herausragenden Institutionen, unter anderem dem Cedars-Sinai Medical Center, der University of California Los Angeles und der University of Southern California. Ich hatte das Gefühl, dass die Zukunft der Medizin in einer Verbindung von Technologie und Biologie liegen würde und dass ich mich in einer Vielfalt von Projekten in verschiedenen Wirtschaftszweigen engagieren musste, die alle mit meiner eigentlichen Mission verbunden waren, nämlich die Chancen der Patienten zu verbessern und Einfluss auf die Rolle zu nehmen, die Krankheit in unserem Leben spielt. Es ist diese Mission, die mir die Erkenntnis gebracht hat, dass wir in unseren Ansichten über Gesundheit vom Kurs abgekommen sind – und wie wir wieder zurückfinden.

 

Über dieses Buch

Ursprünglich sollte das Buch den Titel Was ist Gesundheit? tragen und damit auf die Schrift Was ist Leben? des bekannten Physikers Erwin Schrödinger von 1944 anspielen, die dem Laien die angeborenen körperlichen Antriebskräfte des Lebens erklären sollte. Ich strich allerdings das Wort »Gesundheit« sofort wieder aus dem Titel, nachdem mir ein Freund in einer E-Mail offen geschrieben hatte: »Für mich klingt ›Gesundheit‹ immer nach etwas, das angeblich gut für mich ist, aber scheußlich schmeckt.« Diese Reaktion auf meinen Titelvorschlag ist gleich ein Beispiel für das Problem, das ich angehen möchte. Unsere gegenwärtigen Ansichten über Gesundheit sind dermaßen von Vorschriften und Hörensagen geprägt, dass wir vergessen haben, worum es eigentlich geht. Mit diesem Buch hoffe ich, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und Energie und Ressourcen auf eine neue Definition von Gesundheit zu konzentrieren.

Eine der wichtigsten Botschaften lautet, dass es in Gesundheitsfragen keine »richtige« Antwort gibt, sondern immer mehrere. Sie müssen selbst entscheiden, was für Sie am besten ist, wobei Sie von Ihren persönlichen Wertvorstellungen, Ihrem individuellen Gesundheitszustand und den Ratschlägen Ihres Arztes ausgehen sollten. Meine Aufgabe ist es dabei, Ihnen mit diesem Buch Verständnishilfen an die Hand zu geben, damit Sie diese Entscheidungen selbst treffen können. Dabei werde ich Fragen ansprechen, die Sie sich wahrscheinlich noch nie gestellt haben. Zum Beispiel:

Wie kann ein kurzer Blick auf die Proteine des Körpers Ihnen auf der Stelle mehr über Ihren Gesundheitszustand sagen als ein Auslesen Ihres genetischen Codes?

Was haben Blutfettsenker wie Sortis® und Crestor® mit der Schweinegrippe und der Alzheimer-Krankheit gemeinsam?

Welche beiden lebensrettenden Produkte, die man für weniger als zehn Dollar in jedem Wal-Mart bekommt, tragen Beamte der US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control and Prevention ständig bei sich?

Stören einige der meistgeschätzten Gesundheitsgaranten wie Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel und sogar frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte den vom Körper bevorzugten Seinszustand?

Wie kann ein Medikament, das nie in Kontakt mit einer Krebszelle kommt, eine ganze Kolonie von Krebszellen auslöschen?

Was ist das Wichtigste, das Sie noch heute tun können, ohne einen Cent dafür auszugeben, das aber Ihre Gesundheit, Ihr Glück und Ihre Langlebigkeit enorm fördern wird?


Mit anderen Worten, was haben wir bisher beim Entschlüsseln des Geheimnisses der Krankheit übersehen? Und was wird Ihren Weg zu robuster und lang dauernder Gesundheit definieren?

Diese Fragen werde ich beantworten. Dafür bedarf es einer gedanklichen Anstrengung und einer Änderung der Sichtweise: Sie müssen Ihren Körper als ein einmalig komplexes Geschöpf verstehen, Ihre Gesundheit selbstständig neu definieren und mithilfe der von mir sogenannten »Metrik« Ihren Gesundheitszustand regelmäßig überprüfen. Ich werde die verschiedenen Möglichkeiten erläutern, wie Sie Ihre Metrik definieren und Ihre Gesundheitsfürsorge personalisieren können. Ein Glas Rotwein pro Tag kann zum Beispiel für die Gesundheit Ihres besten Freundes gut sein, aber bei Ihnen das Risiko für bestimmte Krebsarten steigern. Viele »Rezepte« in diesem Buch sind überraschend praktisch und einfach, etwa der Rat, bequeme Schuhe zu tragen und täglich um dieselbe Zeit zu Mittag zu essen. Dabei möchte ich Sie gleichzeitig zum Nachdenken über zahlreiche heilige Kühe bringen, etwa die Vorstellung, einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel mit Nahrungsmittelzusätzen beheben zu müssen oder mit ein- bis zweistündiger Morgengymnastik einen im Sitzen verbrachten Tag ausgleichen zu können. Ich werde Mythen und Fehlinformationen aufdecken und hoffe, dass es Sie dazu anregt, noch heute praktische Schritte zu unternehmen, die Ihnen ein gesünderes Leben ermöglichen.

Anders als in typischen Diätratgebern, die Ihnen jeden Tag, jede Mahlzeit und jede Kalorie vorschreiben, sind meine Empfehlungen nicht besonders fordernd. Ich möchte Ihnen nicht vorschreiben, wie Sie leben oder was Sie essen sollen. Ich möchte Ihnen auch keine Diagnose stellen. Stattdessen möchte ich Ihnen die Möglichkeit geben, die Kontrolle über Ihren Körper und über Ihre zukünftige Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Die Vorschläge, die Sie hier finden, sind eher Algorithmen für einen Lebensstil – Denkhilfen für die Abwägung der unendlichen Auswahlmöglichkeiten, die wir in unserem Leben haben. Diese Auswahl muss entsprechend unseren Werten und den persönlichen ethischen Ansichten und Verhaltensregeln getroffen werden. Weil es keine einheitliche Antwort auf die Frage gibt, was Gesundheit ist, führen diese Richtlinien zu ebenso vielen »gesunden« Lebensweisen, wie es Leser gibt.

Mein Ziel ist es, Ihnen zu helfen, so gesund wie möglich zu sein, ob Sie gegenwärtig gerade mit einer Krankheit zu kämpfen haben oder nicht. Ich möchte Sie ermutigen, sich Ihr Verständnis von Gesundheit genau anzusehen und Ihren Geist für eine veränderte Sichtweise zu öffnen. Ihr Leben könnte sich dadurch bedeutend verbessern.

Dass wir überhaupt daran erinnert werden müssen, was gesundes Leben heißt, obwohl uns die Medien täglich mit Ratschlägen bombardieren, ist ein deutliches Zeichen unserer Verwirrung. Ich kann nur hoffen, dass Sie beim Lesen dieses Buches nicht nur das Wissen mitbekommen, wie Sie sich der modernen Wissenschaft und Medizin bedienen, um Vorteile daraus zu ziehen, sondern auch die Weisheit, das Gute vom Fragwürdigen zu trennen, um die besten Entscheidungen für sich selbst treffen zu können. Außerdem hoffe ich, dass Ihre Zukunft von der Freiheit der Entscheidung bestimmt sein wird und dass diese Sie, wenn es notwendig ist, auf den Weg der Heilung führt. Nur Sie selbst können Krankheit überwinden.

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