Mascha Vassenas Nachwort zu »Das Mitternachtsversprechen«
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Mascha Vassenas Nachwort zu »Das Mitternachtsversprechen«

Mascha Vassenas Nachwort zu »Das Mitternachtsversprechen«

Montag, 21. November 2016 von Mascha Vassena


Ich besuchte Turin zum ersten Mal ...

in einer eiskalten Dezembernacht im Jahr 2010. Ich war spät angekommen. Mein Gastgeber und Freund Fabrizio führte mich im Dunkeln durch die Stadt. Es war kalt, und ich hatte Hunger, aber Fabrizio wollte mir unbedingt die unterschiedlichen Facetten Turins zeigen wie jemand, der mit Gästen zuerst eine Wohnungsbesichtigung macht, bevor man sich setzt.

Wir überquerten weite Plätze, umgeben von Palästen und Kirchen, schlüpften aus dem Licht der Laternen in dunkle Gassen, die nur aus Ecken und Winkeln zu bestehen schienen. Wir passierten heruntergekommene Buden, vor denen sich junge Männer zusammendrängten und rauchten. Unser Freund riet mir, den Blick abzuwenden. Dann die Markthalle, ein Koloss im Herzen der Stadt, davor ein riesiger Platz, der mit Obstkartons, einzelnen Schuhen, Plastiktüten und Müll aller Art überzogen war – die Reste des größten Marktes in ganz Europa, der sich jeden Abend auflöste, um sich am kommenden Morgen wieder neu zu erheben. Unter unseren Füßen die Gewölbekeller und Tunnel von Turin: ein Netz jahrhundertealter Gänge, in dem angeblich einst Alchemisten nach Erkenntnis suchten und wo angeblich sogar das Tor zur Hölle liegen soll. Wir hätten die ganze Nacht so laufen können, stattdessen tauchten wir in einen Keller ab, in dem uns arabisches Essen, volle Tische, Musik und eine Bauchtänzerin empfingen.

 

Am folgenden Tag eine andere Stadt:

hell, herrschaftlich und freundlich. Endlose Arkadengänge, an jeder Ecke Kaffeehäuser mit alten Stühlen, üppigen Vorhängen und Vitrinen voller Kuchen und Pralinen, wie man sie nirgends sonst in Italien findet. Kleine Designerläden, ein breiter träger Fluss und grüne Hügel, die vom anderen Ufer herüberleuchteten.

Pause im Mulassano, einem Schmuckkästchen von Café mit nur vier oder fünf Tischen, überall Marmor und Messing und geschnitzte Balken. Die Croissants werden auf einer silbernen Etagère serviert. Während ich meinen Kaffee trank, wurde mir bewusst, dass ich eine Geschichte schreiben wollte, die in dieser magischen Stadt spielt. Nur brauchte ich noch einen Funken, um diese Geschichte anzufachen.

In »Das Mitternachtsversprechen« ...

habe ich mir die Frage gestellt, ob man immer beschützen kann, was (oder wen) man liebt, und ob es immer richtig ist, das auch zu tun. Sosehr man sich bemüht, geschehen manchmal Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben. Und manchmal führt der Versuch, um jeden Preis die Kontrolle zu behalten, zu einer Katastrophe.

erhielt für ihre Erzählungen mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Hamburger Förderpreis für Literatur. Nach dem Erfolg von »Das Schattenhaus« und »Das verschlossene Zimmer« erscheint mit »Das Mitternachtsversprechen« ihr dritter Roman bei Piper. Die Autorin lebt seit zehn Jahren am Luganer See.

Mascha Vassenas Roman »Das Mitternachtsversprechen« rankt sich rund um eine lange zurückliegende, folgenschwere Nacht in Turin. Dort führte einst Vera Reisers Großmutter zusammen mit ihrer Schwester ein Kaffeehaus. Auf einem alten Foto entdeckt Vera eine dritte Schwester, von der sie bisher noch nie gehört hat. Um das Geheimnis der verschollenen Aurora zu lüften, macht sie sich auf den Weg zu ihrer Großtante Lidia und fördert bei ihren Nachforschungen Schauriges über die Vergangenheit ihrer Familie zu Tage ...

 

 

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