Manaus und Bahia Spielorte bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien
Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich

Mittwoch, 04. Juni 2014 von


Manaus und Bahia Spielorte bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien

Manaus im Regenwald und Bahia mit endlos weißem Sandstrand an der Küste: Landschaftlich und kulturell - unterschiedlicher könnten diese beiden WM-Spielorte kaum sein.

Manaus:

Begonnen hatte unsere Tour mit dem NGO-Konzern Greenpeace in Manaus, dem Zentrum der amazonischen Möglichkeiten und Gefahren. Die Millionenstadt am Rio Negro wurde einst mit Kautschuk reich, das Denkmal der Gummibarone ist das filmreife Teatro Amazonas mit seinem Marmor und Mahagoni. Besucher müssen die Schuhe ausziehen, damit das Parkett nicht zerkratzt, und können gegenüber im skurrilen Hotel » Taj Mahal « übernachten. Werner Herzogs Fitzcarraldo träumte in diesem Opernhaus, ehe er sein Schiff über den Berg zerren ließ. Christoph Schlingensief inszenierte darin den » Fliegenden Holländer «. Das zeitgenössische Manaus ist WM-Stadt, Boomtown und Freihandelszone, in den Fabriken werden unter anderem Motorräder für BMW montiert, ein Wildwuchs der Globalisierung. Die Urwaldmetropole leidet unter Staus und Schmutz, hinter Mauern verbirgt sich das streng bewachte Büro von Greenpeace. Aber als wir am internationalen Flughafen mit der einmotorigen » Amazon Edge « abheben, dieser fliegenden Version der » Rainbow Warrior «, da wird es zunächst wunderbar friedlich.

Wir fliegen erst stundenlang Richtung Südosten, über einen grünen Teppich mit blauen Schlangenlinien. Phantastische Muster, wie gemalt. Der Bundesstaat Amazonas ist noch weitgehend intakt. » Unsere Perle «, sagt Paulo Adario, unser Chefbegleiter von Greenpeace.

Bahia:

Allein der Name. Bahia. Klingt nach Magie, Trommeln, Tanz, Strand, Ekstase, Kokosöl. Und bei weniger romantischer Betrachtung auch nach Ausbeutung, Rückständigkeit, Gewalt. Bahia ist bunter, schwärzer, greller, intensiver, stolzer, würziger und verwirrender als andere Teile der Nation. Zu Bahia zählen einige der besten und ärmsten Adressen Brasiliens, schäbige Hütten stehen nicht weit entfernt von palmbestandenen Traumstränden wie Praia do Forte, Itacaré, Boipeba, Trancoso, Arraial d’Ajuda oder Costa do Sauípe, wo die Fifa Ende 2013 die WM-Gruppen ausloste. Da sind Landschaften und Menschen wie aus den Büchern von Jorge Amado, geboren 1912 als Sohn eines Kakaofarmers und gestorben 2001. Bahia hat einige der besten Schriftsteller, Musiker, Tänzer und Sportler Brasiliens hervorgebracht und feiert den intensivsten Karneval. Bahia ist das schwarze Herz des Landes, die neuere Geschichte begann mit gnadenloser Unterjochung.

Die Kolonialmacht warf die einheimische Bevölkerung nieder und ließ sie Zuckerrohr, Kakao und Tabak ernten, bald wurden Schiffe voller Nachschub aus Afrika angeschleppt. Bis zur Abschaffung 1888 brachte Portugal Millionen Sklaven nach Brasilien, die meisten von ihnen in nordöstliche Agrargebiete wie Bahia. Heute haben mehr als neun von zehn Baianos eine dunkle Hautfarbe, landesweit sind es knapp acht Prozent. Es bestimmt eine gewöhnlich hellhäutige Elite, aber die Erben der Zwangsarbeiter haben abgesehen von den Machtstrukturen fast alles geprägt. Die Religion, die Küche, die Musik.

Da sind die schwarzen Frauen mit den weißen Gewändern, die Baianas, hinter ihnen steckt mehr als Folklore. An ihren Ständen braten lokale Klassiker wie acarajé, frittierte Teigbällchen aus gemahlenen Bohnen und Shrimps, ausgebacken im Palmöl dendê, gefüllt mit Zwiebeln, Tomaten, Krevetten und serviert mit scharfer Paprikasoße. Für die Fußball-WM 2014 wollte der Weltverband FIFA in einem weiteren Anflug von Kolonialismus Bahias Lieblingssnacks in Stadionnähe verbieten lassen, wegen der Sponsoren wie McDonald’s vermutlich. Das wäre so ähnlich, als würde man in Deutschland die Bratwurst aus dem Dunstkreis der Tribünen verbannen.


Kommentare

Kommentieren Sie diesen Beitrag:

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtangaben und müssen ausgefüllt werden.