John Boyne und die katholische Kirche
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John Boyne

der Autor von „Der Junge im gestreiften Pyjama“

Mittwoch, 02. Mai 2018 von Piper Verlag


Im Interview spricht John Boyne, Autor des Bestsellers „Der Junge im gestreiften Pyjama“, über seinen Gesellschaftsroman
„Cyril Avery“, seine Recherchearbeit zum Roman und erklärt, warum er Irland als Kulisse gewählt hat. 

Können Sie uns kurz beschreiben – natürlich ohne dabei zu viel zu verraten –, worum es in Ihrem Roman „Cyril Avery“ geht?
Das Buch erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens Cyril, den unehelicher Sohn einer jungen Frau vom Land. Von 1945 bis 2015 verbrachte er sein Leben in Dublin. Cyril ist schwul, und seine Lebensgeschichte spiegelt auch die Irlands wider – wie sich ein Land verändert, weiterentwickelt und im Laufe der Zeit selbstbewusster und fortschrittlicher wird. 

In Ihren Romanen entführen Sie den Leser an die unterschiedlichsten Handlungsorte. So spielt das „Das Haus zur besonderen Verwendung“ beispielsweise im Russischen Zarenreich, „Das Vermächtnis der Montignacs“ in London Anfang des 20. Jahrhunderts und „Die Geschichte der Einsamkeit“ in Ihrer Heimat Irland. Für „Cyril Avery“ haben Sie erneut Irland als Kulisse gewählt. Gab es dafür einen bestimmten Grund?
Ja, den gab es. Ich hatte etwa 18 Monate vor dem Volksentscheid zur gleichgeschlechtlichen Ehe in Irland mit dem Schreiben des Romans begonnen. Ich war beeindruckt davon, wie sich mein Land innerhalb so kurzer Zeit verändert hatte. Homosexualität wurde erst entkriminalisiert, als ich zur Uni ging, und doch waren wir Iren es, die sich innerhalb von 25 Jahren als erstes Land der Welt durch eine öffentliche Abstimmung für die gleichgeschlechtliche Ehe aussprachen. Wie hatten wir es geschafft, so weit zu kommen? Wie hatte sich Irland, diese Bastion des Konservativen und des Katholizismus, so stark verändert? Das war es, was mich interessierte und worüber ich schreiben wollte.

Im Vergleich zu Ihren anderen Romanen schlägt „Cyril Avery“ nicht nur tragische, sondern auch ungewohnt komische Töne an. Wie kam es dazu?
Da es sich um einen recht langen Roman handelte, war ich der Meinung, dass er nicht nur von Leid durchsetzt sein durfte, und so entschloss ich mich, Cyril zu einer ziemlich optimistischen Figur zu machen. Das Leben legt ihm zahlreiche Steine in den Weg, aber er verfällt nicht in Trauer, sondern geht unbeirrt seinen Weg. Darüber hinaus wollte ich auch mit Cyrils Adoptiveltern, Charles und Maude Avery, komische und exzentrische Elemente schaffen, die der Leser vielleicht unterhaltsam findet.

Die Figuren in Ihrem neuen Roman sind sehr facettenreich gezeichnet – insbesondere der Protagonist und Namensgeber des Buches Cyril Avery. Lassen Sie sich bei der Figurenkonzeption von Menschen aus ihrem Umfeld inspirieren? Haben Sie eventuell sogar eigene Erfahrungen oder Charakterzüge in Cyril und seiner Geschichte verarbeitet?
Ich wollte, dass Cyril eher Irland an sich verkörpert als mich selbst. In der ersten Hälfte des Buchs, die zwischen 1945 und 1973 spielt, ist Cyrils sexuelle Identität ebenso mit Angst besetzt wie das Thema Sex an sich, wie jede andere Form von Intimität. Obwohl Cyril nicht religiös ist, ist er Teil einer Gesellschaft, bei der die Kirche im Zentrum aller persönlichen Entscheidungen steht. In der zweiten Hälfte, die von der Zeit zwischen 1980 und 2015 erzählt, ist er stolz auf seine Identität und fürchtet sich nicht mehr.

In den Abschnitten des Buchs, in denen sich Cyril erstmals seiner Sexualität stellt – er hat Angst, da er nicht weiß, wie die Gesellschaft darauf reagieren wird – habe ich meine eigenen Erfahrungen durchaus eingebracht. Für jeden heranwachsenden Menschen, der sich seiner Homosexualität bewusst wird, ist das eine schwierige Phase. Ich habe versucht, möglichst viele meiner eigenen Emotionen einfließen zu lassen.
Alle denken übrigens, dass Maude auf einer realen Person basiert. Aber nein, sie ist lediglich ein Produkt meiner Fantasie! Wobei sie tatsächlich ein gutes Beispiel dafür wäre, wie weibliche Autoren innerhalb des Literaturbetriebs mit der Zeit immer weniger respektiert worden sind.

Sie mussten für den neuen Roman sicherlich weitreichende Recherchen unternehmen. Sind Sie dabei auf Informationen gestoßen, die Sie überrascht oder schockiert haben?
Tatsächlich musste ich nicht im gleichen Umfang recherchieren wie für meine vorherigen Romane, die noch stärker auf historischen Ereignissen aufbauten. Ich habe die Lebensgeschichten homosexueller Menschen in Dublin in den 50er und 60er Jahren erforscht, auch einige Gerichtsprozesse, die zu dieser Zeit stattfanden. Der Abschnitt, der die meiste Recherche erforderte, ist das Kapitel zu New York im Jahr 1987, in der es um die AIDS-Krise geht. In diesem Zusammenhang bin ich auf viele Informationen gestoßen, die für die dortigen Figuren wichtig wurden. Ich glaube, wir sind uns gar nicht mehr bewusst, was für ein Schrecken AIDS damals für die Leute war.

„Klug, humorvoll und gleichzeitig voller Tragik – eine epische Reise durch die jüngste Geschichte Irlands. Ein Autor auf dem Höhepunkt seines Schaffens.“


The Mail on Sunday

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Roman

Seit seiner Geburt steht Cyril Averys Leben unter einem ungünstigen Stern. Als uneheliches Kind hat er nämlich keinen Platz in der konservativen irischen Gesellschaft der 1940er Jahre. Ein exzentrisches Dubliner Ehepaar nimmt ihn in die Familie auf, doch auch dort findet er nicht das Zuhause, nach dem er sich sehnt. In dem katholischen Jungeninternat, auf das sie ihn schicken, lernt er schließlich Julian Woodbead kennen und schließt innige Freundschaft mit ihm. Bis er mehr für den rebellischen Lebemann zu empfinden beginnt und auch dieser Halt für ihn verloren geht. Einsam und verzweifelt verlässt Cyril letztendlich das Land – ohne zu wissen, dass diese Reise über Amsterdam und New York ihn an den Ort führt, nach dem er immer gesucht hat: Heimat.
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„Boynes zorniges Weltbild ist die große Stärke von ›Cyril Avery‹. Die bittere Komik, die der Kindheit des Protagonisten innewohnt, die Energie, das Chaos, die Lebendigkeit und das Grauen – all das bildet das Kernstück eines wirklich herausragenden Romans.“


The Guardian


„Die Geschichte der Einsamkeit“

John Boyne wuchs in Dublin auf. Nach Jahren des Schweigens erzählt er nun über sein Leben im streng katholischen Irland und über seine Probleme mit der irischen katholischen Kirche - und wie diese Thematik in seinem Buch „Die Geschichte der Einsamkeit“ Einzug fand.

»In meinem Schriftstellerleben wurde ich oft gefragt, warum ich meine Romane nicht in Irland spielen lasse. Auf diese Frage hatte ich eine Standardantwort: dass ich nicht über mein eigenes Land schreiben wollte, solange ich keine Geschichte zu erzählen hatte. Nun, da ich ein Buch geschrieben habe, das den Missbrauch von Macht in der irischen katholischen Kirche zum Thema hat, frage ich mich, ob diese Antwort wirklich komplett ehrlich war. Ich habe die letzten zwei Jahre damit verbracht, mich an Erfahrungen aus meinen Kinder- und Teenagertagen zu erinnern und durch Literatur Momente wiederherzustellen, die damals klein erschienen, von denen ich aber viel später gemerkt habe, dass sie mir großen Schaden zugefügt haben. Deshalb denke ich, dass der wahre Grund dafür, dass ich nie über Irland geschrieben habe, im ersten Satz meines Romans erklärt wird:

Ich habe erst begonnen, mich dafür zu schämen, Ire zu sein,
als ich mich schon tief in den mittleren Jahren meines Lebens befand.

Ich wuchs in den Siebziger- und Achtzigerjahren in Dublin auf. Im Nachbarhaus zu unserer Rechten wohnte der Gemeindepriester, zur Linken wohnten acht Nonnen. Ich war Ministrant, ging auf eine katholische Schule und wurde jeden Sonntag mit zur Messe genommen. Ich wusste, dass es in Dublin Protestanten – und Methodisten, Juden und Mormonen – gab, aber ich hatte noch nie einen von ihnen gesehen und wäre wahrscheinlich schreiend weggelaufen, wäre mir einer untergekommen. Sie würden schließlich in die Hölle kommen, das war zumindest, was uns die Priester erzählten. Und solange wir unseren Katechismus auswendig lernten und ein gutes, katholisches Leben führten, würde uns das nicht geschehen.

Die Wichtigkeit des kirchlichen Lebens in meiner Gemeinde zu dieser Zeit kann nicht genug betont werden. Eine Familie, die nicht zur Messe ging, riskierte es, sofort aus allen gesellschaftlichen Kreisen ausgeschlossen zu werden. Einen Priester zum Abendessen zu Gast zu haben war ein Traum, und wenn es tatsächlich geschah, wurde wochenlang zuvor geplant und vorbereitet. Heißt es nicht, die Queen denke, die Welt rieche nach frischer Farbe? Nun, Priester dachten das auch. Das ganze Haus musste saniert werden, bevor einer von ihnen zum Tee kam. Trotz des kriecherischen Gehabes, das vonstattenging, war es dennoch selten, einen wahren Gläubigen zu finden. Jeder wusste, welche Priester die kürzesten Messen lasen, und niemand sagte bei der Beichte jemals die Wahrheit. Ich erinnere mich, dass ich dachte, wenn ich sagte, was wirklich in meinem Kopf vor sich ging, würde ich wahrscheinlich exkommuniziert, verhaftet oder beides.

Also tat ich, was alle taten:
Ich erfand Dinge. Normale, anständige Sünden.

Ich war ein stilles, schüchternes und gut erzogenes Kind, doch wenn ich überhaupt je in Schwierigkeiten geriet, hatten sie immer mit Priestern zu tun. Als achtjähriger Ministrant hatte ich so große Angst vor den Konsequenzen davon, bei der falschen Messe aufgetaucht zu sein, dass ich vor dem Altar heulend zusammenbrach und weggetragen werden musste. Das klingt heutzutage lustig, aber ich erinnere mich noch gut an die völlige Panik davor, was mit mir passieren würde. Ich glaube, ich hatte noch nie so große Angst, weder vorher noch jemals seither.

Mit dreizehn hatte ich das Unglück, einen sadistischen Priester zum Lehrer zu haben, der in seinem Ärmel einen hölzernen Stock trug, an dessen Spitze ein Metallgewicht festgeklebt war. Er nannte diesen Stock Excalibur und schlug mich damit einmal so schrecklich, dass ich zwei Wochen nicht in die Schule konnte. Es war offensichtlich, dass es ihm Spaß machte zu sehen, wie ich vor ihm zusammenbrach.
Ein anderer Priester veranstaltete „gerechte Prozesse“, in denen ein Junge – oftmals ich – für ein Vergehen vor die Klasse gestellt wurde, woraufhin seine Klassenkameraden ihm den Prozess machten und ihn unausweichlich für schuldig befanden. Dann wurde ihm vor allen anderen die Hose heruntergezogen und eine Tracht Prügel verpasst.
Es waren jedoch nicht nur die Priester. Weltliche Lehrer, denen die akzeptierten Praktiken ihrer religiösen Arbeitgeber wohlbekannt waren, konnten ebenfalls für unerfreuliche Taten verantwortlich zeichnen.

All dies und mehr geschah zu dieser Zeit,
und wir wehrten uns nie auch nur im geringsten dagegen.

Wir dachten, sie hätten ein Recht zu tun, was sie wollten, weil sie einen Priesterkragen trugen. Und jetzt fragen sie sich, warum meine Generation so wenig Respekt für sie hat.
Als meine Pubertät und mein unabhängiges Denken in Schwung zu kommen begannen, begegnete ich der Kirche mit größerer Ablehnung. Es ist nicht leicht, ein junger, schwuler Teenager zu sein und gesagt zu bekommen, man sei krank, geistig gestört oder brauche Elektroschocktherapie, besonders wenn derjenige, von dem man es hört, einen am Tag zuvor auf dem Weg ins Klassenzimmer begrapscht hat. Ich bezweifle, dass auch nur einer von ihnen verstand, dass die Art, wie sie Liebe predigten und Hass praktizierten, meine Jugend und die Jugend von Leuten wie mir verdarb und zu ungesunden und verstörenden Beziehungen führte, sobald ich sexuell aktiv wurde.
Ich kämpfe in meinem Leben mit Depressionen – häufigen, immer wiederkehrenden und chemisch unterdrückten – und ich führe sie darauf zurück, dass mir meine Priester und Lehrer das Gefühl gaben, wertlos zu sein und mich bei jeder Gelegenheit herabsetzten und demütigten. Was ironisch ist, wenn man bedenkt, dass ich in allen anderen Lebensbereichen eine äußerst glückliche Kindheit hatte.

Während meiner Jugend reiste Papst Johannes Paul II. in der Luxusklasse durch die Welt und nutzte seine Popularität aus, um Konzepte zu bestärken, die nicht nur veraltet, sondern zerstörerisch und schädlich waren, und badete dabei im Applaus von jungen Leuten, während er gleichzeitig sicherstellte, dass jede einzelne Straftat, die an ihnen begangen wurde, vertuscht wurde. Und dennoch strömten dieses Jahr zehntausende von Menschen auf den Petersplatz, um seine Heiligsprechung zu feiern, ein Verhalten, das kaum zu glauben ist. Wo ist ihr Mitleid?

Wo ist ihre Menschlichkeit?

Je mehr Skandale im Lauf der Jahre ans Licht kamen, desto fester wurde meine Überzeugung, dass es unter ihnen nicht einen einzigen guten Mann gab, und dass es für uns alle besser wäre, sie verschwänden möglichst schnell aus unserem Leben.
Als ich vor fünfzehn Jahren begann, Romane zu veröffentlichen, wusste ich, dass ich darüber nicht schreiben konnte, bis ich erfahren genug war. Und dann erzählte mir eines Tages ein Verwandter, er habe einen jungen Priester gesehen, der vor der Grotte der Kirche von Inchicore niedergeworfen hysterisch weinte, während in der Nähe eine Frau saß – offenbar seine Mutter – und ähnlich verzweifelt war. Warum er dort war, weiß ich nicht, aber ich stellte fest, dass mich das Bild stark berührte. Ich fragte mich, ist er ein Krimineller? Wahrscheinlich. Aber wie hatte er gelitten, als er jung war? Was hatte ihn zu dieser großen inneren Verzweiflung geführt? Und zu meinem Erstaunen verspürte ich etwas, das ich nie erwartet hätte, jemals für einen Priester zu fühlen: Mitleid.

 

Schriftsteller suchen nach den Geschichten,
die noch niemand erzählt hat.

Es wäre sehr einfach, eine Geschichte zu schreiben, die sich um ein Monster dreht, einen unermüdlichen Pädophilen, der sich ohne Reue an Schutzlosen vergeht. Die Herausforderung für mich war es, einen Roman über den anderen Priester zu schreiben, den wahren Priester, den, der sein Leben dem Tun von guten Taten gewidmet hat und sich nun verraten von der Institution sieht, der er alles geopfert hat. Dadurch versuchte ich, Gutes dort zu finden, wo ich mein ganzes Leben lang nur Böses gesehen hatte.

Ich habe viele Priester interviewt, die nicht im Habit aus dem Haus gehen, weil sie befürchten, angespuckt zu werden; und andere, die sich davor fürchten, allein mit einem Kind zu sein, aus Sorge, zu Unrecht angeklagt zu werden. Ihr Schmerz und ihr Mitleid mit Missbrauchsopfern berührten mich und zwangen mich, meine eigenen Vorurteile zu konfrontieren.

Wir dachten, sie hätten ein Recht zu tun, was sie wollten, weil sie einen Priesterkragen trugen. Und jetzt fragen sie sich, warum meine Generation so wenig Respekt für sie hat.
Als meine Pubertät und mein unabhängiges Denken in Schwung zu kommen begannen, begegnete ich der Kirche mit größerer Ablehnung. Es ist nicht leicht, ein junger, schwuler Teenager zu sein und gesagt zu bekommen, man sei krank, geistig gestört oder brauche Elektroschocktherapie, besonders wenn derjenige, von dem man es hört, einen am Tag zuvor auf dem Weg ins Klassenzimmer begrapscht hat. Ich bezweifle, dass auch nur einer von ihnen verstand, dass die Art, wie sie Liebe predigten und Hass praktizierten, meine Jugend und die Jugend von Leuten wie mir verdarb und zu ungesunden und verstörenden Beziehungen führte, sobald ich sexuell aktiv wurde.
Ich kämpfe in meinem Leben mit Depressionen – häufigen, immer wiederkehrenden und chemisch unterdrückten – und ich führe sie darauf zurück, dass mir meine Priester und Lehrer das Gefühl gaben, wertlos zu sein und mich bei jeder Gelegenheit herabsetzten und demütigten. Was ironisch ist, wenn man bedenkt, dass ich in allen anderen Lebensbereichen eine äußerst glückliche Kindheit hatte.

Als ich diesen Roman schrieb, hoffte ich, dass diejenigen, die die Kirche blind gegen alle Kritiker verteidigen, die Untaten erkennen würden, die diese Institution begangen hat, während diejenigen, die sie unablässig verurteilen, akzeptieren könnten, dass es viele anständige Menschen gibt, die in ihr ein gutes Leben gelebt haben.

Es ist eine Geschichte, die die meisten irischen Schriftsteller ignoriert haben, aber sie ist weder als Verteidigung der Kirche geschrieben – am Ende muss der Leser bedenken, inwieweit der Erzähler an den Ereignissen mitschuldig ist, die sich vor ihm abspielen – noch ist sie ein offener Angriff. Es ist einfach nur ein Roman, der die Leser auffordert, das Thema aus einer weiteren Perspektive zu betrachten und die Leben all jener neu zu bewerten, die gelitten haben, sowohl im Innern als auch außerhalb einer der tragenden Säulen der irischen Gesellschaft.«

John Boyne in THE IRISH TIMES. Den Originalartikel finden Sie hier ›

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Roman

Odran Yates kommt 1972 an das renommierte Dubliner „Clonliffe Seminary“, um Priester zu werden. Er kann es kaum erwarten, endlich Gutes zu tun. Vierzig Jahre später ist sein Vertrauen in die katholische Kirche jedoch zutiefst erschüttert. Bestürzt muss er dabei zusehen, wie alte Freunde vor Gericht stehen und ehemalige Würdenträger ins Gefängnis kommen. Erst als bei einem Familientreffen alte Wunden aufgerissen werden, sieht er sich gezwungen, die Ereignisse in seinem Leben in einem anderen Licht zu betrachten und sich einzugestehen, dass er über all die Jahre nicht sehen wollte, was direkt vor seinen Augen geschah.
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Kommentare

1. irischer katholizismus - eine black box?
reinhard fink am 14.12.2015

der anspruchsvolle roman schildert eine zeit rapiden umbruchs in irland. Nachdem Boyne nun mitgeteilt hat, dass seine auseinandersetzung mit dem irischen katholizismus ihre wurzeln in seiner eigenen biographie hat, versteht man den roman noch viel besser. Ich finde es gut, dass neben den eigentlichen tätergestalten der protagonist als einer, der immer wegschaute, so genau dargestellt wird. Denn vermutlich war es immer nur eine minderheit von priestern, welche sich offensiv sexuell an kindern vergriff. Aber die große mehrheit hat weggeschaut, sie haben die bequemlichkeit des täglichen lebens vorgezogen, in der routinemäßig alle dinge an ihrem platz standen, und sie keinen grund sahen, genauer hinzuschauen. Es brauchte erst eine äußerst heftige erschütterung, bevor aufgemerkt wurde, und Boyne bringt diese erschütterung sehr gut rüber. Ich finde, dass Boyne die figur des unbewußten opportunisten, der keine karriereabsichten damit verbindet, recht genau zeichnet. Die anderen, die karrieregeilen opportunisten, kommen ja im roman auch ausgiebig vor, sie steigen auf in der hierarchie. Letzlich handelte es sich um ein totalitäres system, an dem fast alle mitgewirkt haben, auch die kirchenglieder. Ich fand den roman spannend, weil er die charaktere so genau zeichnet, und schließlich gab es eine rapide gesellschaftliche entwicklung in Irland in wenigen jahren, die Boyne darstellt, von der fast kritiklosen akzeptanz der kirchenherrschaft bis zum genauen gegenteil nach den skandalen.

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