J.M. Peace über »Die Hatz«
Lieferung innerhalb 2-3 Tage
Bezahlmöglichkeiten
Vorbestellung möglich

»Die Hatz« - das packende Debüt der australischen Thriller-Autorin J.M. Peace

Mittwoch, 26. April 2017 von Piper Verlag / J.M. Peace


Woher nehmen Autoren ihre Ideen?

J.M. Peace verrät, was sie zum Schreiben bewegt hat ...

Als ich zwanzig Jahre alt war, wollte ich eine Weltreise unternehmen. Ich habe mein Hab und Gut in einen Rucksack gequetscht und bin von meiner Heimat in Australien nach Deutschland geflogen. Ich bin von deutscher Abstammung und habe sehr viele Verwandte, die ich besuchen konnte. Ich war gut aufgehoben und wurde mit geräucherten Bratwürsten und Knödeln betreut. Aber Verwandtschaft besuchen ist doch keine Weltreise! Ich bin nach einigen Monaten (und Kilos) weitergezogen.

Ich bin alleine gereist. Es hat mir gepasst, nur für mich selber verantwortlich zu sein. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine E-Mails. Meine Eltern haben auf unregelmäßige Anrufe mit schlechter Verbindung gewartet. Ich habe Abenteuer gesucht und bin so gegangen wie es mir gerade gepasst hat. Als ich pleite war, habe ich gejobbt oder für Unterkunft und Essen gearbeitet. Ich habe versucht, alles so billig wie möglich zu machen, so dass ich länger unterwegs sein konnte.

Fast vier Jahre und fast vierzig Länder später bin ich wieder nach Australien zurückgekehrt und als anderer Mensch wieder angekommen. Es war eine hoch interessante Zeit, anspruchsvoll und herausfordernd. Es hat mich als junge Frau gelehrt und geformt. Und irgendwie kam ich unbeschädigt durch jedes Abenteuer.

 

 

»Manchmal denke ich zurück und kriege tatsächlich Gänsehaut«


J.M. Peace

Diese Weltreise liegt jetzt zwanzig Jahre in meiner Vergangenheit. Mein Leben hat sich sehr verändert und manchmal kommt mir die junge Frau, die die Haare nicht gekämmt hat und per Autostopp gefahren ist, wie eine Fremde vor. Ich denke manchmal über die Entscheidungen nach, die ich getroffen habe und kriege tatsächlich Gänsehaut.

Der Grund? Jetzt bin ich selbst eine Mutter und auch seit siebzehn Jahren eine Polizistin in Queensland, Australien. Ich sehe immer wieder, wie gewöhnliche Unternehmungen außerordentliche Auswirkungen haben können. Immer wieder habe ich mir überlegt, was hätte bei meiner Solo-Weltreise schief gehen können? Es hätte ich sein können, die ins falsche Auto eingestiegen ist, oder mit dem falschen Mann weiterreist…

Was hätte ich gemacht? habe ich mich selber gefragt und die Antwort bringt mich wieder nach Deutschland zurück. Ich habe einen Krimi geschrieben. Ich habe meine Lebenserfahrungen mit meinen Polizeikenntnissen zusammengezogen und einen Thriller geschrieben. Es handelt sich um eine Frau, die in das Auto eines Psychopathen einsteigt und um die Polizeiermittlungen, um sie zu finden.

Nach dem Erfolg in Australien wurde mein Buch am 3. April in Deutschland unter dem Titel »Die Hatz« veröffentlicht. Dann habe ich auch die Gelegenheit Deutschland wieder zu besuchen. Dieses Mal wird es anders sein. Dieses Mal schlafe ich in Hotels und fahre mit Taxis.

Ich hoffe es gibt aber noch Bratwürste und Knödel.

Schon als Kind hegte J.M. Peace den Wunsch, Schriftstellerin zu werden, doch nach dem Journalistik-Studium wurde sie Polizistin. Jay lebt mit ihrem Mann, zwei vorlauten Kindern, einem unerzogenen Hund und einem frechen Nymphensittich an der Sunshine Coast. Und obwohl sie immer gern auf Reisen war, ist sie inzwischen froh, wenn sie es wenigstens ab und zu an den Strand schafft. »Die Hatz« ist ihr erster Roman.

Die Hatz

Thriller

Nach einem Streit mit ihrem Lebenspartner verbringt die sechsundzwanzigjährige Samantha Willis den Abend mit einer Freundin. Doch nach dem Besuch in einer Bar wird sie von einem Unbekannten überwältigt, in ein Auto gezerrt und unter Drogen gesetzt. Als sie die Augen aufschlägt, findet sie sich mitten im australischen Busch wieder. Ihr Entführer bietet ihr noch einen Schluck Wasser an, dann macht er Jagd auf sie – wie auch auf andere Frauen zuvor. Eine Jagd auf Leben und Tod! Aber dieses Mal hat sich der Unbekannte das falsche Opfer ausgesucht, denn Sammi ist Polizistin und dreht den Spieß um ...

»Schschsch«, rauschte der Wind, als er durch die Bäume des Yonga State Forest strich. Geheimnisse, die der Wind weiterträgt, sinnierte Sylvia Notting. Sie liebte die nachmittäglichen Ausritte durch den Busch, bei denen sie ihr Pferd gemütlich den holprigen Pfad entlangtraben ließ, während ihr Hund hin und her sprang und überall interessiert schnüffelte. Ziggy, ihr Australian Kelpie, war ein aktives Kerlchen. Er lief auf dem Pfad voraus und rannte wieder zurück, wobei er Vögel und Eidechsen aufscheuchte. Während sie langsam weiterritt, hörte Sylvia, wie er gerade hinter einem riesigen Eukalyptusbaum in der Erde scharrte.

»Ziggy, komm hierher«, rief Sylvia.

Der Hund kam durch das Gestrüpp gestürmt und sprang unmittelbar vor ihr auf den Weg; er trug etwas Großes in seinem Maul. Das war nicht einfach nur irgendein Stock. Sylvia zügelte ihr Pferd und schwang sich aus dem Sattel.

»Hierher, Ziggy«, rief sie und streckte die Hand aus. Der Hund senkte den Kopf und wich ihrem Blick aus, ganz offensichtlich war er alles andere als glücklich darüber, seinen Fund abgeben zu müssen. Sylvia packte das Ding und zog kurz daran, bis Ziggy es freigab. Sie drehte das recht farblose Objekt hin und her.

Ein Knochen. Sylvia war fasziniert.

Genauer gesagt handelte es sich um eine Scapula.

Ein Schulterblatt.

 

Freitag, 16:04 Uhr

»Fahr zur Hölle!«, schrie Sammi. Sie drehte sich auf dem Absatz um und stürmte ins Schlafzimmer.

»Da bin ich schon längst!«, brüllte Gavin zurück.

Sammi schlug die Schlafzimmertür so fest zu, dass die alten Flügelfenster klirrten. Sie hörte, wie die Hintertür zuknallte, und wusste, dass Gavin mit seinen Laufschuhen und der Hundeleine ausgerüstet loszog. Dies war seine gewohnte Methode, um sich abzureagieren, wenn sie sich mal wieder gestritten hatten. Er würde eine marathonähnliche Strecke joggen, bis sein Ärger verraucht war. Sammi war ziemlich sicher, dass sich zumindest ihr Hund über ihre Streitereien freute, weil er die ausgiebigen Gassirunden liebte.

Sie waren erst seit etwas mehr als drei Jahren zusammen und stritten sich schon seit etwas weniger als drei Jahren. Keiner von ihnen beiden nahm es je persönlich. Es hatte etwas für sich, sich anzuschreien und Luft abzulassen, anstatt alles herunterzuschlucken. Sogar die Nachbarn wussten mittlerweile, dass sie es getrost ignorieren konnten, wenn es wieder einmal Krach gab zwischen Gavin und Sammi.

Meist war die Verstimmung nicht von langer Dauer. Ein paar Stunden gingen sie einander aus dem Weg; Gavin joggte los, während Sammi bei einer Freundin über Gavin Dampf abließ. Sie war aufbrausend, doch nachdem der erste Ärger verflogen war, betrachtete sie alles realistisch, und die Sache war erledigt.

Dieses Mal war es jedoch anders.

Er war zu weit gegangen mit seinem Versuch, ihr Leben zu kontrollieren und ihre Unabhängigkeit zu untergraben. Seine Arroganz brachte sie zur Weißglut. Um damit klarzukommen, brauchte sie mehr Abstand zwischen ihnen, als das örtliche Café bieten konnte.

Mit dem Gefühl, immer noch rot zu sehen, stopfte sie ein paar Kleidungsstücke in eine Tasche. Sammi musste sich beruhigen – und das ging nur mit Abstand von Gavin, weit weg von der Kleinstadt Angel’s Crossing. Nachdem sie die Tasche gepackt hatte, fuhr sie rückwärts aus der Einfahrt heraus, wobei die Reifen ein wenig auf dem Schotter durchdrehten. Mit laut aufgedrehtem, plärrendem Autoradio fuhr sie in Richtung Süden.

Sammi warf einen Blick auf die Uhr. Zwanzig nach vier. Schon während sie ihre Tasche gepackt hatte, war ihr klar gewesen, wohin sie fahren würde. Sobald sie den Stadtrand hinter sich gelassen hatte, rief sie Candy an. Es war Freitagnachmittag, und Sammi konnte sich bildlich vorstellen, wie Candy darauf reagieren würde, dass sie sich auf dem Weg zu ihr befand.

»Juhu, Mädelsabend!«, rief Candy, deren Stimme nun vor Aufregung in die Höhe stieg.

Candy war eine alte Schulfreundin, die Einzige, mit der Sammi in Kontakt geblieben war. Ihre Lebenswege hatten sich zwar in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt, doch sie besaßen abgesehen von der gemeinsamen Vergangenheit genügend Gemeinsamkeiten, um die Freundschaft aufrechtzuerhalten. Candy war Single und lebte immer noch das Leben, das Sammi nach der Ausbildung hinter sich gelassen hatte. Für Candy bestand das Leben aus Partys, Alkohol und Männern, normalerweise in genau dieser Reihenfolge und so oft wie möglich.

»Wie lange ist es her, seit wir das das letzte Mal gemacht haben?«, fragte Candy. »Das wird super! Wir donnern uns auf und betrinken uns ganz gepflegt. Am Ende der Nacht wirst du nur noch sagen: ›Gavin? Wer ist das noch mal?‹«

Mit Candy auszugehen, war wie eine Reise in die Vergangenheit – in eine Zeit, in der es für Sammi weder ihre Arbeit, die Beziehung noch ein Darlehen gegeben hatte. Bis vor ein paar Jahren hatte jeder Freitagabend so ausgesehen – zwei Mädchen, die abends auf die Piste gingen und es ordentlich krachen ließen. Am nächsten Morgen hatten sie sich dann selbst bestraft, indem sie joggen gingen und die Sünden der Nacht zuvor ausschwitzten.

Sammi war solide und sesshaft geworden und bedauerte ihre Wahl keinen Tag. Aber manchmal spürte sie den Drang, sich einfach einmal gehen zu lassen, aus dem Alltagstrott auszubrechen und einen Abend lang so zu tun, als sei sie eine andere Person. Dies kam mittlerweile nicht mehr so oft vor, insbesondere nicht, wenn sie am nächsten Tag arbeiten musste.

Was sie daran erinnerte, dass ihre nächste Schicht am Folgetag um 12 Uhr mittags begann. Schnell rechnete sie nach und bezog dabei die etwas mehr als dreistündige Fahrt von Candys Haus bis nach Angel’s Crossing ein. Sie würde am nächsten Morgen um 8:30 Uhr losmüssen, zu Hause dann kurz unter die Dusche springen und anschließend zur Arbeit fahren. Da sie wusste, wie Candys Nächte normalerweise endeten, würde sie mit drei oder vier Stunden Schlaf auskommen müssen. Na gut, sie würde eben sehr viel Kaffee brauchen und auf einen ruhigen Tag hoffen. Es war höchste Zeit, einen draufzumachen. Den Jungs bei der Arbeit würde es egal sein, solange sie zum Dienst kam – jeder hatte ab und an mal einen trägen Tag.

»Wann bist du hier? Ich habe etwa in einer Stunde Feierabend«, erklärte Candy.

»Ich bin gerade erst losgefahren. Ich werde gegen halb acht da sein.«

»Okay, dann habe ich die Margaritas im Mixer und Aretha im CD-Player. Bis gleich!«

Candy jauchzte immer noch, als Sammi auflegte. Sie musste grinsen und lehnte sich dann auf ihrem Fahrersitz zurück. Das war genau das, was sie brauchte.

 

Freitag, 18:20 Uhr

Mit einem nassen Handtuch um die Hüfte und strubbeligem, in alle Richtungen abstehendem Haar legte Gavin die Füße auf den Couchtisch und ließ beim Öffnen der Bierflasche den Schnappverschluss knallen. Wahrscheinlich hätte Sammi sich darüber aufgeregt, wenn sie gesehen hätte, dass es dabei auf die Couch spritzte, doch er war immer noch verärgert darüber, wie sie eben in die Luft gegangen war.

Was für ein Theater! Dabei hatte er lediglich versucht, praktisch zu denken. Manchmal bekam sie einfach alles in den falschen Hals. Er hatte einzig und allein vorgeschlagen, ihre Bankkonten zusammenzulegen, doch sie hatte getan, als wollte er ihr das ganze Geld wegnehmen. Dabei war es nichts anderes als eine Sache des gesunden Menschenverstandes; es wäre so viel einfacher, Miete und Rechnungen zu bezahlen.

Sie waren jetzt seit drei Jahren zusammen, und sie vertraute ihm immer noch nicht? Oder sah keine gemeinsame Zukunft für sie beide? Dabei passten sie perfekt zueinander. Er liebte ihre Abenteuerlust und ihre Bereitwilligkeit, alles auszuprobieren. Sie besaßen sogar das gleiche Temperament – die Gemüter waren schnell erhitzt, aber der Unmut hielt nie lange an.

Gavin war beinahe zwei Stunden lang durch die Außenbezirke des Ortes gelaufen, um Sammi Zeit und Raum zu lassen, und er war schon ein wenig erstaunt darüber, dass bei seiner Rückkehr ihr Auto nicht mehr in der Einfahrt stand. Sammi hatte ihm nicht einmal eine Nachricht dagelassen.

Er wartete eine Weile. Dieses Mal würde er es definitiv Sammi überlassen, den ersten Schritt zu tun, um alles wieder ins Lot zu bringen. Immerhin war sie diejenige gewesen, die überreagiert hatte.

Nachdem er einen weiteren Schluck Bier getrunken hatte, rülpste er laut, weil niemand da war, der ihn dafür gerügt hätte.

 

Freitag, 19:30 Uhr

Wenn man mit Candy ausging, brauchte man rubinroten Lippenstift, Durchhaltevermögen und eine Leber aus Stahl. Candy liebte Männer – alle – und schien nicht nach Mr. Right Ausschau zu halten. Sowohl emotional als auch geografisch waren die Freundinnen auseinandergedriftet, als Sammi sich mit Gavin häuslich niedergelassen hatte. Obwohl sie regelmäßig miteinander telefonierten und sich Textnachrichten schickten, sahen sie einander nur selten persönlich, und wenn, dann schloss sich Sammi kaum je Candys Ausgehplänen wie dem heutigen an. Aber es fiel beiden leicht, immer wieder da anzuknüpfen, wo sie beim letzten Mal stehen geblieben waren.

Candy war stolz auf ihr Aussehen. Sie mochte durchaus zu betrunken sein, um sich um zwei Uhr in der Frühe an die eigene Adresse zu erinnern, aber sie konnte in diesem Zustand immer noch ihr Make-up auffrischen. Darum überraschte es Sammi auch nicht, als Candy ihr die Tür öffnete und aussah, als hätte sie gerade einen Beauty Spa verlassen. Nach der mehr als dreistündigen Autofahrt kam Sammi sich dagegen richtig ungepflegt und verschwitzt vor.

»Hey, Süße!«, rief Candy und nahm sie in den Arm. »Du siehst aus, als könntest du einen Drink gebrauchen. Was für ein Glück, dass ich hier gerade einen für dich habe!«

Sammi lächelte. »Ah, du weißt, was zu tun ist, damit ich meinen Ärger vergesse.«

»Schieß los, was ist passiert?«, fragte Candy.

Sammi seufzte. »Nur das Gewohnte. Gavin hat sich mal wieder wie ein Mistkerl verhalten. Ich muss Dampf ablassen.«

»Ist es aus zwischen euch?«, fragte Candy, in deren Stimme ein Hauch von Ungeduld schwang. Sammi war überzeugt, dass Candy sie als Single mit offenen Armen begrüßen würde.

Sammi sah sie überrascht an. »Natürlich nicht. Es war nichts weiter als eine kleine Auseinandersetzung. Im Grunde war gar nichts. Ich wollte heute Nacht einfach nur woanders sein und mich mal austoben.«

»Na, da bist du bei mir an der richtigen Adresse«, grinste Candy. »Ich mag Gavin, aber mit dir war’s lustiger, bevor du ihn kennengelernt hast.«

Sammi lächelte. »Nur damit wir uns verstehen – ich bin immer noch mit Gavin zusammen, und ich werde heute Nacht nicht irgendeinen Typen aufgabeln. Wir haben uns nicht getrennt, ich nehme mir lediglich eine kleine Auszeit. Eine einzige Nacht.«

»So …« Candy malte mit dem Finger ein Herz in das Schwitzwasser an ihrem Glas. »Gavin ist also der Richtige?«

Sofort nickte Sammi. »Ja. Ich könnte mir nicht vorstellen, mit einem anderen zusammen zu sein. Es ist alles so selbstverständlich«, erwiderte sie.

»Du sagst das, als sei das etwas Gutes«, entgegnete Candy.

»Das ist es auch«, nickte Sammi, überrascht von ihrer eigenen Reaktion. »Es ist so selbstverständlich, weil wir einfach zusammenpassen. Wir können uns aufeinander verlassen und uns vertrauen. Ich habe keine Lust auf Peinlichkeiten, Nerviges oder komische Geheimnisse. Mit Gavin zusammen zu sein, ist wie zu Hause in die Lieblingspantoffeln hineinzuschlüpfen.«

»Wenn du jetzt noch irgendwas Schmalziges darüber sagst, dass er dein bester Freund ist, muss ich dir leider ’ne Ohrfeige verpassen«, kreischte Candy.

Sammi lachte. »Ich glaube, Liebe ist nun mal schmalzig … solange du nicht im Spiel bist«, sagte sie, nur zum Teil als Stichelei in Candys Richtung gemeint.

Candy stöhnte und verdrehte die Augen.

»Ich wusste, es würde dir nicht passen«, fuhr Sammi fort. »Aber das ist genau das, wonach ich suche. Das sollte ich ihm wirklich sagen.« Das Bedauern in ihrer Stimme überraschte sie selbst.

»Wage es ja nicht, dir unseren Ausgehabend auszureden!«, warnte Candy. »Du bist jetzt hier bei mir. Erinnerst du dich noch daran, was du eben über die Auszeit für eine Nacht gesagt hast?«

Sammi lächelte. »Alles gut. Ich werde mir ein paar Drinks genehmigen, ein wenig tanzen und dann schmutzige Kommentare über die Jungs ablassen, die dich abschleppen wollen. Und morgen Mittag bin ich dann wieder bei der Arbeit«, erklärte sie.

Candy lachte, ein Kichern, das aus ihr herausplatzte und ziemlich ansteckend war. »Na gut, passt schon. Ich nehme, was ich bekommen kann. Wollen wir morgen früh den Kater wegjoggen?«, fragte sie.

»Willst du um sechs Uhr aufstehen?«, erwiderte Sammi.

»Nee«, winkte Candy ab. »Jetzt sieh dir uns einmal an: Wie es scheint, werden wir erwachsen.«

Es war ungefähr Viertel vor acht, als Gavin das erste Mal anrief. Obwohl ihre Wut während der langen Fahrt längst verraucht war, sah Sammi sich immer noch nicht in der Lage, ans Handy zu gehen, als sein Name auf dem Display auftauchte. Sie hatte sich jetzt darauf eingestellt, auszugehen und Party zu machen – ein Telefonat mit Gavin würde jede Partystimmung zunichtemachen.

Candy musterte sie erwartungsvoll, als Sammi das Handy in die Hand nahm und es wieder zurücklegte.

»Er kann ruhig auf die Mailbox sprechen«, sagte sie.

Candy beugte sich vor und stieß mit ihr an. »Braves Mädchen. Gut gemacht!«

Nachdem das Handy nun zum vierten Mal klingelte, seit sie sich fertig machten, wusste Sammi, dass sie ihn nicht länger ignorieren konnte. Sie wollte sich vorbeugen, doch Candy war schneller und schnappte sich das Handy.

»Ich will ihn nur kurz wissen lassen, dass es mir gut geht und ich heute Nacht nicht nach Hause komme. Ich will nicht, dass er sich Sorgen macht«, erklärte Sammi und streckte die Hand nach dem Handy aus.

»Ich lasse nicht zu, dass er dich dazu überredet, sofort wieder nach Hause zu kommen«, entgegnete Candy. »Überlass das mir.« Sie drückte auf die grüne Taste.

»Gavin, Süßer, Sammi ist heute Nacht bei mir. Du kannst sie morgen zurückhaben«, erklärte sie kichernd. »Das spielt keine Rolle. Wir gehen heute Abend aus, sie kommt vor morgen nicht nach Hause zurück, und nichts, was du tust oder sagst, wird irgendetwas daran ändern, denn du kannst jetzt nicht mit ihr reden. Wir sind voll und ganz damit beschäftigt, Spaß zu haben, du kannst also damit aufhören, anzurufen. Sie kommt morgen nach Hause … mach dir keine Sorgen. Tschüss, mein Lieber!«

Sammi grinste breit.

Candy legte das Handy auf den Tisch. »Alles geklärt. Du darfst den Rest des Abends nicht mehr an Gavin denken – das ist verboten! Heute Abend gibt es nur noch dich und mich und die heißen Sahneschnitten von Brisbane!«

Ein weiteres Mal erhoben sie die Gläser und stießen an.

Kommentare

Kommentieren Sie diesen Beitrag:

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtangaben und müssen ausgefüllt werden.

Themen
Kategorien
Themenspecial
24. Juli 2018
Sommerzeit ist Lesezeit!
Endlich Zeit um sich in einen Liegestuhl zu werfen, sich im Gras zu sonnen, auf der Luftmatratze im Wasser zu treiben, einfach die Beine hochzulegen ... und zu lesen! Gewinnen Sie mit uns beste Sommerunterhaltung!
Buchblog
22. Juni 2018
Ein Provence-Krimi
Anthony Coles erzählt, wie er dazu kam, seinen ersten Roman »Ein Gentleman in Arles« zu schreiben.
Themenspecial
01. Juni 2018
»Dieses Buch macht süchtig.« Marie Claire
Publikumsliebling Guillaume Musso stellt seinen neuen Roman »Das Atelier in Paris« vor. Lernen Sie sein neues Meisterwerk kennen und gewinnen Sie eine Reise nach Paris.