Jedes Wort beeinflußt uns (Videotranskription)
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Dienstag, 08. Oktober 2013 von


Jedes Wort beeinflußt uns (Videotranskription)

Jedes Wort, das wir lesen beeinflusst unseren Körper.

Lesen wir ein Wort, das mit der Jugend in Verbindung steht, gehen wir schneller. Riechen wir den Duft von Zitronen, dann können wir uns besser konzentrieren. Sitzen wir bei einer Verhandlung auf einem harten Stuhl, verhandeln wir härter. Halten wir in einem Gespräch etwas Warmes in unseren Händen, dann nehmen wir unser Gegenüber auch wärmer wahr, sozialer. Wird der Lidschlag bei unserem Gegenüber plötzlich schneller, ist das eine Lüge.

Dies alles geschieht ganz unbewusst, unser Bewusstsein bekommt von diesen Dingen nichts mit. Mein Name ist Jan Becker und ich habe ein neues Buch geschrieben »Du wirst tun, was ich will. Hypnosetechniken für den Alltag.« In diesem Buch beschreibe ich Hypnose und das dahinterliegende Prinzip. Und wie man dieses Prinzip in sein alltägliches Leben integrieren kann. 

Was ist Hypnose? Mit der Hypnose haben wir direkten Zugriff auf unser Unterbewusstsein. Und unser Unterbewusstsein ist der magischte Ort, den wir bereisen können. Dort finden wir Ruhe und Geborgenheit, Klarheit und auch Sicherheit und dort wird aus unserer Phantasie die Realität.

In der Hypnose haben wir direkten Zugriff auf unser wirkliches Potenzial. Wir können unsere Talente steigern und wir können leichter unsere Ziele erreichen. 

Menschen vergessen plötzlich ihre Namen, können nicht mehr vom Stuhl aufstehen, können ihren eigenen Arm nicht mehr beugen oder finden ihren eigenen Mund nicht mehr. Andere kaufen im Supermarkt wie ferngesteuert Dinge ein, die sie eigentlich nicht brauchen. Der komplette Potsdamer Platz in Berlin liegt voll mit hypnotisierten Menschen. Wie ich all dies gemacht habe, erkläre ich in diesem Buch.


Du wirst tun, was ich willDu wirst tun, was ich will

Hypnose-Techniken für den Alltag

Wenn wir in den Supermarkt gehen, kaufen wir, was wir kaufen wollen. Denken wir. In Wirklichkeit kaufen wir, was andere wollen. In vielen Alltagssituationen werden wir manipuliert. Und manipulieren selbst, ob bewusst oder unbewusst. Jan Becker, erfahrener Hypnosetherapeut, legt die Techniken offen, die sich dahinter verbergen und zeigt, wie wir sie gezielt einsetzen können.
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Vorwort

Erinnern Sie sich?

Sie wissen es schon. Irgendwo in Ihrem Inneren :

Alles ist Manipulation. Alles ist Hypnose.

Alles. Jedes Wort. Jedes Bild. Jeder Ton. Jedes Ding. Jeder Mensch.

Ja, auch Ihre pure Anwesenheit wirkt manipulativ. Die Beeinflussung beginnt mit Ihrer Persönlichkeit. Sobald Sie den Raum eines Menschen betreten, verändern Sie sein Verhalten und er das Ihre.

Die Frage ist nicht, ob Sie manipulieren.

Die Frage ist, ob Sie sich dessen bewusst sind und welche Qualität Ihre Beeinflussungen haben.

Wie Sie Ihre Wirkung gestalten und damit die Wirklichkeit. Ihre eigene und die der anderen.

Indem Sie sich die Mechanismen der Hypnose bewusst machen, die ich Ihnen in diesem Buch vorstelle, und sich ihre Techniken aneignen, können Sie Ihre Anwesenheit auf diesem Globus inspirierend, flexibel und mit dem größtmöglichen Nutzen einsetzen. Für sich selbst und für alle anderen.

Sie erkennen, wenn andere Sie manipulieren, bewusst oder unbewusst. Sie können sich entscheiden, nicht manipuliert zu werden. Sie behalten die Fäden in der Hand.

Hypnose ist die Kunst der Manipulation. Aber vor allem ist sie die Kunst der Kommunikation mit der Welt und mit uns selbst. In Worten, Gesten, Bildern.

Wer das weiß, lebt.

Ihr Jan Becker

 

 

»Ich habe nach meiner Kunst geforscht, mich dabei oft in Lebensgefahr begeben. Ich habe mich nicht geschämt, das, was mir nützlich erschien, auch von Vagabunden, Henkern und Barbieren zu lernen. Wir wissen, dass ein Liebhaber weite Wege zurücklegt, um der Frau, die er anbetet, zu begegnen ; wie viel stärker wird der Mann, der die Weisheit liebt, versucht sein, nach seiner göttlichen Geliebten zu forschen. Wir sollten uns nach Wissen umtun, wo immer wir Hoffnung haben, es zu finden, und warum sollte der Mann, der sich auf die Suche danach begibt, verächtlich sein? Wer daheim bleibt, mag reicher werden und behaglicher leben als jener, der auf Wanderschaft geht; aber ich habe weder den Wunsch, behaglich zu leben, noch den, reich zu werden.« Paracelsus

 

1. Kapitel: Hypnose Undercover: Die tagtägliche Verführung – denn Sie wissen nicht, was Sie tun

 

Woran denken Sie, wenn Sie das folgende Wort lesen?

 

HYPNOSE

 

Welche Bilder formen sich in Ihrer Phantasie? Möglicherweise erscheint vor Ihrem inneren Auge ein mysteriöser Varietékünstler mit schwarzem Umhang, weißer Theaterschminke und stechendem Blick, der einen leichtsinnigen Freiwilligen dazu bringt, auf einem Bein zu hüpfen und wie ein Huhn zu gackern. Oder Sie sehen Ihren Arzt, der Sie mittels Hypnosetherapie kürzlich vom Rauchen befreit hat.

Vielleicht ist es auch die Schlange Kaa aus der Zeichentrick-Verfilmung von Rudyard Kiplings Dschungelbuch, die den kleinen Mowgli mithilfe psychedelischer Spiralen in ihren Augen in Trance versetzt? Wer weiß, vielleicht denken Sie an mich, immerhin halten Sie gerade dieses Buch in Händen.

Es gibt kaum jemanden, den dieses faszinierende Wort kalt lässt, das sich vom altgriechischen Begriff für Schlaf hypnos, ableitet.

Genau wegen dieser Assoziationen – Schlaf, Trance, völlige Entspannung – werden die wenigsten von Ihnen dabei ausgerechnet an den nächsten Supermarkt denken. Und doch ist gerade der Supermarkt ein Ort, der uns täglich mittels hypnotischer Techniken manipuliert. Und zwar, ohne dass wir es merken. Das glauben Sie nun vielleicht nicht.

Hypnose im Supermarkt ? Wie soll das denn gehen? Aber haben Sie sich nicht schon mal gewundert, dass Sie viel mehr eingekauft haben, als Sie wollten? Woher Sie plötzlich diese unwiderstehliche Lust auf ein bestimmtes Produkt bekamen? Wieso Sie Dinge nach Hause trugen, die definitiv nicht auf Ihrer Einkaufsliste standen?

Und:Würden Sie mir glauben, wenn ich behaupte, dass ich Sie dazu bringen kann, in einem Supermarkt genau die Produkte zu kaufen, die ich zuvor bestimme – und zwar ohne, dass Sie davon wissen?

 

Den Journalisten der Wissenschaftssendung Terra Xpress gegenüber habe ich jedenfalls genau das behauptet. Und wie Journalisten so sind, wollten sie auch gleich die Probe aufs Exempel machen. In einem Supermarkt in Süddeutschland sollte ich zwei von der Redaktion ausgewählte Personen, einen Mann und eine Frau, dazu bringen, genau die gleichen Dinge in ihren Einkaufswagen zu legen wie diejenigen, die ich zuvor ausgewählt hätte. Man gewährte mir eine Nacht nach Ladenschluss, um den Supermarkt nach meinen Ideen und mit meinen Suggestionen zu präparieren. Eine spannende Herausforderung !

Zunächst machte ich einen Plan. Ich konzentrierte mich auf bestimmte Warengruppen, aus denen die beiden Probanden am nächsten Tag jeweils spontan ein Produkt auswählen sollten. Nachdem der Laden seine Pforten geschlossen hatte, traf ich zunächst eine Auswahl: Ich legte »meine« sieben Produkte in einen Einkaufswagen, der am nächsten Tag zur Kontrolle dienen würde. Dann krempelte ich die Ärmel hoch …

Am nächsten Morgen waren wir – das Team, das mir geholfen hatte, und ich – ein wenig übermüdet. Wir hatten die ganze Nacht geschuftet, um genau die Vorkehrungen zu treffen, die unsere beiden Testkandidaten zu den vorbestimmten Produkten lotsen sollten. Doch die Spannung hielt uns wach. Aufgeregt erwarteten wir die Ankunft der beiden Tester. Dabei sollte ich mich zunächst versteckt halten. Wolfgang und Christine waren beide Mitte 30. Ihnen war erzählt worden, dass es in diesem Test um das Kaufverhalten von Männern und Frauen gehen werde. Von unserem wahren Vorhaben hatten sie nicht die leiseste Ahnung – sonst würde der Test nicht funktionieren.

Die beiden wurden mit Brillenkameras ausgestattet. So konnte ich aus einem in der Nähe geparkten Wagen heraus genau verfolgen, was ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Dann ging es auch schon los. Im Abstand von zehn Minuten starteten die Probanden.

Es war beinahe unheimlich: Wie von mir vorhergesagt, zog es beide Testpersonen wie ferngesteuert sofort zu einer ganz bestimmten Sorte Bio-Äpfel. Dabei standen insgesamt 123 Sorten Obst und Gemüse zur Auswahl! Als Nächstes griffen sie genauso gezielt zu den von mir ausgewählten Bio-Kartoffeln.

Beim Kaffee gab es einen kleinen Stolperer. Mir rutschte kurz das Herz etwas tiefer: Christine ließ sich zwar bei einer Auswahl von insgesamt 244 Sorten ohne Zögern zur von mir präparierten Kaffeemarke verleiten – doch Wolfgang marschierte einfach vorbei. Ich als passionierter Kaffeeliebhaber hatte einfach nicht mit einem Teetrinker gerechnet! Doch schon bei den Brotaufstrichen funktionierte wieder alles wie am Schnürchen. Die Schoko-Sauerkirsch-Marmelade landete in beiden Einkaufswagen. Ebenfalls das von mir ausgewählte Waschmittel und die Bio-Eier. An der Kühltheke mit insgesamt um die 1000 Produkten zur Auswahl griffen beide wie geplant zur Pizza. Wolfgang nahm hier die von mir vorbestimmten Zutaten für eine Do-it-yourself-Pizza – Schinken, vorgeriebener Pizzakäse, Fertigteig und passierte Tomaten. Die Suggestion, die ich dazu angebracht hatte, lautete: »Mach dir deine Pizza« und war vorwiegend auf Männer ausgerichtet. Christine bevorzugte, wie erwartet, stattdessen eine fertige Tiefkühlpizza.

Das Experiment war ein voller Erfolg. Nicht nur die beiden Probanden waren bass erstaunt, als ich sie mit meinem zuvor präparierten Einkaufswagen konfrontierte, in dem »ihre« Waren lagen …

Wie also hatte ich es geschafft, die beiden derart zu manipulieren? Zunächst hatte ich eine freundliche Studentin vor der Supermarkttür platziert, die Unterschriften zum Thema Mülltrennung sammelte und dazu Flyer verteilte. Beide Probanden reagierten darauf positiv und machten mit – sie setzten ihre Unterschrift unter die Liste. Damit geschah genau das, was ich wollte: Christine und Wolfgang waren sofort auf die Themen »Bio« und »Umwelt« gepolt. Unterschwellig meldete sich vielleicht auch das schlechte Gewissen: Trenne ich meinen Müll konsequent? Tu ich wirklich genug für die Umwelt? Das konnte doch gleich beim Einkauf ausgeglichen werden! Allerdings erklärt dies allein aber nicht, warum die zwei zu genau den Bio-Äpfeln und -Kartoffeln griffen, die ich vorherbestimmt hatte. Des Rätsels Lösung: Ich hatte genau über den Äpfeln eine spezielle Lampe installiert, die das Rotspektrum betont. So sieht das Obst unwiderstehlich saftig aus. Bei den Kartoffeln betonte die Lampe die goldgelbe Farbe. Die Farben von Nahrungsmitteln sprechen direkt einen unserer ältesten Instinkte an: das Gespür, gesunde und frische Nahrung zu entdecken. Ohne diesen Sinn hätten unsere Vorfahren nicht überlebt. Im Dschungel der Jäger und Sammler gab es allerdings keine Trickbeleuchtung. Heute sind ganze Kataloge allein solchen Schummellampen gewidmet. Mit ihnen sehen Obst, Käse, Fleisch, Gemüse und Fisch appetitlicher aus, als sie es möglicherweise sind. Dass die Sache so zuverlässig funktioniert, war allerdings sogar für mich überraschend.

Ich hatte außerdem Schilder mit den Worten »Liebe« und »Kraft« am Eingang angebracht. Beide Testpersonen konnten sich nicht erinnern, diese Worte gesehen zu haben. Trotzdem hatten sie zu Produkten gegriffen, neben denen diese Begriffe erneut auftauchten.

Psychologen schätzen, dass wir 90 Prozent der Informationen, die uns umgeben, nur unterbewusst wahrnehmen. Wir können uns mit unserem wachen Bewusstsein lediglich auf etwa drei Dinge zugleich konzentrieren. Man kann sich das Bewusstsein wie Überwachungsbildschirme vorstellen. Auch wenn die Kameras – unser Unterbewusstsein –alles akribisch aufnehmen und speichern, können wir nur auf einige Bildschirme zugleich schauen. Aber auch die restlichen 90 Prozent werden verarbeitet. Sie sind immer da. Wir haben nur in unserem Normalzustand keinen Zugang dazu. Dabei haben diese unterbewussten Wahrnehmungen einen immensen Einfluss auf unsere Gefühle und unser Verhalten. Hypnosetherapeuten wissen und nutzen das; sie können dem Hypnotisierten Details von längst vergessen geglaubten Ereignissen zugänglich machen.

Zurück zum Versuch. An die Lautsprecherdurchsagen, die die Supermarkt-Versuchskaninchen zur Marmelade im Regal geleitet hatten, konnten sich die Testpersonen hinterher ebenfalls nicht bewusst erinnern: »Ja, da war was, aber was? Keine Ahnung!«

Die Lust auf Kaffee befiel Christine, als ihr von einer von mir strategisch platzierten Werbedame eine duftende Tasse zum Probieren angeboten wurde. Sie lehnte zwar ab, legte aber genau die angebotene Kaffeesorte in ihren Einkaufswagen! Neben dem Sinnesreiz – dem Kaffeeduft – kam das einfache Prinzip des Schenkens zum Einsatz, das sogar dann funktioniert, wenn man das Angebot ablehnt: Unbewusst wollte Christine etwas zurückgeben.

Wolfgang wurde während seiner Tour von einem anderen »Kunden« – einem Mitarbeiter aus dem TV-Team – nach der Getränkeabteilung gefragt. Dieser Mann trug ein T-Shirt mit der Aufschrift Power. Hinterher konnte sich Wolfgang zwar an den Mann, aber nicht an das T-Shirt erinnern. Doch als das Wort »Power« über der Truhe mit den Pizzazutaten auftauchte, schlug Wolfgang zu.

Außerdem hatte ich die Waren in Augenhöhe platziert. Das hat zwei Effekte. Einmal sind wir Menschen faul. Wir wollen uns nicht so gern anstrengen und bücken. Darum liegen im Supermarkt die billigen Produkte immer ganz unten in den Regalen. Bequem, wie wir sind, bevorzugen wir die Produkte auf Augenhöhe. Darum platzieren die Supermärkte dort die teuersten Waren.

Wer aufs Geld achten muss, kann sich diese Bequemlichkeit nicht leisten und muss da runter. Der Supermarkt muss sich also keine Sorgen machen, dass er die Billigmarken nicht loswird. Das Bücken hat aber noch einen Effekt: Unsere Laune sinkt, und wir werden pessimistischer. Das lässt zumindest ein Experiment vermuten, das Psychologen mit Studenten durchgeführt haben. Dabei sollte eine Gruppe Probanden Murmeln in einem Regal von unten nach oben sortieren. Eine zweite Gruppe sortierte von oben nach unten.

Anschließend wurden die Studenten gebeten, darüber zu berichten, was ihnen in der vergangenen Woche widerfahren war. Die Gruppe, die von oben nach unten sortieren musste, erinnerte sich hauptsächlich an negative Ereignisse. Der Gruppe, die von unten nach oben sortiert hatte, fielen fast ausschließlich positive Begebenheiten ein. Und das nur, weil sie in eine bestimmte Richtung sortiert hatten.

All diese kleinen Manipulationen waren von mir ganz gezielt eingesetzt worden. Ihre Wirkung entfaltete sich dagegen von anderen völlig unbemerkt: Wolfgang und Christine reagierten allein mit ihrem Unterbewusstsein. Wie in einer Hypnose.

Noch am gleichen Abend rief mich übrigens der Marktleiter des Supermarkts an. Nach dem Test hatten wir zwar alles wieder umgebaut, damit die anderen Supermarkt-Kunden nicht nur »meine« Waren kauften und das restliche Sortiment links liegen ließen. Dabei hatten wir allerdings meine kleinen Veränderungen am Waschmittelregal vergessen. Das Produkt war eigentlich ein Ladenhüter gewesen – und nun restlos ausverkauft …

Übrigens haben natürlich auch die optische Gestaltung des Logos und das Image des Ladens einen psychologischen Effekt auf uns. Zum Beispiel darauf, ob wir das Geschäft ganz allgemein für eher teuer halten oder nicht. Leute, die aufs Geld achten müssen, sind überzeugt, dass sie bei einem Discounter wie Lidl oder Netto deutlich günstiger einkaufen als bei Supermärkten wie Rewe oder Edeka. Bereits die Logos der Discounter wirken wie Sonderangebotsschilder.

Die Waren sind etwas lieblos in Kartons aufgestellt. Alles wirkt dort billig. Aber ist es das auch?

Um das herauszufinden, hat ein TV-Team Anfang 2012 den sogenannten Lidl-Test gemacht. Ein Warenkorb mit 35 Produkten des täglichen Bedarfs wurde zusammengestellt. Siehe da: Der Preisunterschied zwischen dem teuersten Anbieter und dem günstigsten betrug gerade einmal 1,70 Euro: Statt 52,87 Euro bei Lidl bezahlte man 53,57 Euro bei Rewe. Und wenn man nur die günstigen Eigenmarken im Korb einbezog, gab es zwischen allen vier untersuchten Läden sogar gar keinen Preisunterschied. Nicht einen Cent. Alles findet in unserem Kopf statt: ein Spiel mit unseren Erwartungen, bei dem nicht wir es sind, die immer gewinnen.

 

 

Die Hypnose Undercover

Es passiert nicht nur im Supermarkt. Wir alle werden tagtäglich hypnotisiert, und zwar ohne es überhaupt zu merken.

Ich nenne dieses Phänomen »Hypnose Undercover«. Hypnose hat immer etwas damit zu tun, mithilfe bestimmter psychologisch wirksamer Techniken das Unterbewusstsein zu erreichen und suggestiv zu beeinflussen. Wird sie bewusst eingesetzt, ist es das Ziel, den Hypnotisierten dazu zu bringen, dass er etwas tut oder lässt. Zum Beispiel keine Angst mehr vor Spinnen zu haben. Oder in Zukunft nicht mehr zu rauchen. Oder – auf der Bühne – vorübergehend den Arm nicht mehr beugen zu können oder am Sessel festzukleben.

 

Anders als bei einer offenen Hypnose, die ich auf der Bühne präsentiere oder die ich als Hypnosetrainer ausführe, wird bei der Hypnose Undercover das Unterbewusstsein ohne das Einverständnis des Hypnotisierten »betreten«.

Hypnose Undercover hat dabei nichts mit geheimen globalen Verschwörungen zu tun. Hier sind keine Illuminaten- Verbindungen oder gar übersinnliche Kräfte am Werk. Dieses Phänomen beruht ganz einfach auf der Funktionsweise unserer Psyche.

 

 

Die alltägliche Trance

Es beginnt damit, dass wir regelmäßig in Trance fallen, ohne es zu merken. Wenn wir ein Buch lesen und dabei alles um uns vergessen. Wenn wir im Auto durch die Nacht fahren und uns plötzlich fragen: Wo sind eigentlich die letzten 35 Kilometer geblieben? Wenn wir Golf spielen und uns nur auf den Abschlag konzentrieren und sich die Welt auf den kleinen Golfball verengt. Wenn wir Liebe machen. Wenn wir genussvoll essen. Immer wenn wir uns auf eine Sache entspannt fokussieren, geraten wir in einen Trance-Zustand.

Doch Trance ist gar nicht zwingend notwendig, um unser Unterbewusstsein zu programmieren. Wir werden jeden Tag von Dingen beeinflusst, die uns begegnen, ob wir nun in Trance sind oder nicht. Von Bildern, die wir sehen. Wörtern, die wir lesen. Von Gesichtern, in die wir blicken. Diese Beeinflussung geschieht – ob wir wollen oder nicht.

Der bekannteste Hypnosetherapeut unserer Zeit, Milton Erickson, hat ein sehr schönes Beispiel dafür beschrieben, wie das, was uns in unserer Umwelt begegnet, unseren gesunden Menschenverstand mühelos umschiffen und das Unterbewusstsein direkt erreichen kann. Als Kind lebte Erickson in einem Dorf, dessen Bewohner im Winter immer hinunter ins Tal ziehen mussten, weil es oben am Berg zu unwirtlich wurde. Der Weg ins Tal führte über eine breite Straße: auf der einen Seite befand sich der tiefe Abhang, auf der anderen Seite der Berg. Als der kleine Milton dort durch den Schnee hinabstieg, sah er die Fußstapfen der Erwachsenen: Die einzige Fußspur führte ganz knapp an der Schlucht vorbei. Und das, obwohl die Straße breit war und bei genauerem Nachdenken der Weg, der näher am Berg entlangführte, vermutlich deutlich sicherer gewesen wäre. Milton wunderte sich und überlegte kurz. Dann kam ihm eine Idee.

Er trampelte an anderer Stelle selbst einen Pfad in den Schnee und legte sich auf die Lauer. Dabei entdeckte er, dass die nächsten Wanderer nun genau seinen Spuren folgten. An diese Beobachtung erinnerte er sich später. Anhand dieses Beispiels erklärte er seinen Schülern gern das Konzept der Suggestion: eines Vorschlags, dem ohne nachzudenken bereitwillig gefolgt wird. Einer gewollten oder auch unbeabsichtigten Manipulation, die dem Manipulierten nicht bewusst wird. In Sekundenbruchteilen entscheidet unser Unterbewusstsein: Da ist schon einmal jemand gegangen, der Weg muss sicher sein.

Man hat erforscht, wie Menschen sich in Gruppen verhalten, um Unglücke wie bei der Duisburger Love Parade zu vermeiden oder auch Verkehrsstaus auflösen zu können. Dabei stellte man fest, dass Menschen sich wie ein Schwarm verhalten: Einer orientiert sich am anderen. Das geschieht instinktiv und ohne Nachdenken, die Ratio schaltet gar nicht ein.

Auch wenn wir uns in einer kleineren Gruppe befinden, folgen wir instinktiv immer demjenigen, der am ehesten den Eindruck macht zu wissen, wo es langgeht. Das ist derjenige, der am meisten fokussiert wirkt. Ob er wirklich Bescheid weiß, das prüfen wir nicht nach.

 

 

Unser Bild von der Welt ist nicht die Welt

Wie der kleine Milton Erickson tendieren alle Menschen zunächst noch dazu, hinter die Dinge blicken zu wollen. Ein Kind will wissen, wie die Welt tickt. Leider bewahren viele von uns sich diese Neugier nicht. Wir geben uns mit einem Weltbild zufrieden, meistens dem ersten, das uns präsentiert wird. Von unseren Eltern, unserer Umgebung, Freunden, dem »Zeitgeist«. Dann denken wir nicht mehr viel nach, sondern blicken durch diese Schablone auf die Welt, anstatt zu erkennen, dass das Leben komplex und veränderlich ist. Dass es ständiger Auseinandersetzung bedarf, zu der ich Sie mit diesem Buch ermutigen möchte.

Früher übernahmen in unseren Breiten die meisten Menschen das Erklärungsmodell der Kirche. Da gab es einen gütigen Gott, die Erde, die eine Scheibe war, und als Feindbild alle »Ungläubigen«. Letzteres rechtfertigte zum Beispiel blutige Kreuzzüge. Die Ungläubigen hatten aber einfach nur ein anderes Weltbild. Die Nazis präsentierten ein Weltbild, in dem Menschen mit ethnisch-jüdischem Hintergrund oder jüdischem Glauben für alles zum Sündenbock gemacht wurden.

Das Problem dabei ist, dass ein solches Weltbild in unserem Unterbewusstsein als »Wahrheit« verankert wird. Als »so und nicht anders ist die Welt«. Auf der Basis unseres Weltbilds beurteilen wir automatisch, was uns begegnet, ordnen es in »richtig« und »falsch« und »gut« und »böse« ein.

 

Ein Weltbild ist dabei aber nur eine mögliche Perspektive auf die Welt. Doch wir hinterfragen diese nur selten, denn Hinterfragen ist anstrengend, und suchen stattdessen eher nach Bestätigungen für unser Weltbild. Solche Bequemlichkeit kann gefährlich sein, die deutsche Geschichte in den Dreißiger- und Vierzigerjahren ist ein trauriges Beispiel dafür.

Dabei muss ein Weltbild zunächst gar nicht politisch oder religiös sein. Es setzt sich aus vielen kleinen Details zusammen. So lernt zum Beispiel ein Jugendlicher bei uns als Teil seines Weltbildes, dass man arbeiten und Geld verdienen muss, um zu überleben. Das ist Teil unseres Verständnisses davon, wie die Welt funktioniert. Ein Jugendlicher in der Stammeskultur eines Naturvolks, die kein Geld kennt, lernt dagegen, dass er jagen gehen muss, um zu überleben. Es gibt viele Wissenschaftler, von Soziologen bis zu Hirnforschern, die sagen, dass es »die Realität« gar nicht gibt.

Oder besser gesagt: Es mag sie geben, aber wir haben keinen unmittelbaren Zugang zu ihr. Schließlich findet sämtliche Wahrnehmung im Gehirn statt, gefiltert durch unsere Sinnesorgane – und diese Wahrnehmung ist alles andere als objektiv. Sie sieht vor allem, was sie kennt. Als Hypnotiseur kann ich das nur unterschreiben. Eine Definition von Hypnose besagt, dass im Zentrum der menschlichen Psyche letztlich Hypnose steht, weil alles, was wir lernen und was uns ausmacht, auf Suggestion beruht. Hypnose ist damit die Grundlage unseres Verständnisses vom Menschsein, etwas ganz Essenzielles. Das, woran wir glauben und worauf unser Blick gelenkt wird, entscheidet, was wir wahrnehmen. Die Welt ist das, was wir glauben, dass sie ist.

Worauf ich hinauswill: Nichts, wirklich gar nichts, bleibt ohne Folgen für unser Unterbewusstsein. Werbesprüche auf Plakatwänden. Ein Graffiti im Hauseingang. Ein Gedicht, das jemand im Bus auf die Rückenlehne des Sitzes vor uns gekritzelt hat. Ein Aufdruck auf einer Plastiktüte. Ein Logo. Gespräche mit anderen Menschen. Die Nachrichten in der Zeitung. Der traurige Song im iPod. Der fröhliche Song im iPod. Die Facebook-Statusmeldung eines Freundes. Ja, selbst das Geplapper der Moderatoren im Radio macht etwas mit uns. Die Liste ist endlos. All diese Eindrücke stellen unsichtbare Weichen. Wir ziehen unbewusst Querverbindungen und Rückschlüsse. Reagieren, ohne nachzudenken. Ohne zu wissen, dass wir reagieren und nicht agieren. Alle Ereignisse hinterlassen Spuren in unserer Wahrnehmung. Sie leiten uns in bestimmte Richtungen. Sogar unser Körper reagiert – unsere Nerven, unsere Hormone, unser Blutdruck, unsere Muskeln.

 

Natürlich ist ein Gedicht auf der Rückenlehne, ein Trampelpfad in den Bergen oder ein zufällig mitgehörtes Gespräch keine gezielt eingesetzte Kampagne. Letztere findet sich trotzdem genug. Es gibt nämlich Leute, die über diese ganzen Mechanismen ziemlich genau Bescheid wissen und die uns gezielt manipulieren. Werbefachleute. Politische Berater. Kommunikationsexperten. Solche Menschen arbeiten für Leute, die etwas von uns wollen: unser Geld. Unsere Wählerstimme. Unsere Unterstützung. Unsere Zuneigung.

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir erkennen könnten, was mit uns gemacht wird, was da passiert, bevor wir automatisch reagieren? Wenn wir nie mehr zu viel einkaufen oder für etwas Geld ausgeben würden, was wir wirklich nicht brauchen? Wenn wir uns nicht blenden ließen? Und wäre es nicht gut, wenn wir uns mit hypnotischen Techniken sogar selbst so »manipulieren« könnten, dass wir glücklicher, gesünder, sportlicher, erfolgreicher und vielleicht sogar reicher werden – oder was auch immer wir uns wünschen ?

Und wenn wir auch unseren Freunden und unserer Familie helfen könnten? Nicht nur das: Wenn wir damit das Leben eines jedes Menschen schöner machen könnten, der uns begegnet? Wäre das nicht was? Dazu darf ich eine Vorhersage machen: Wenn Sie dieses Buch ausgelesen haben, wäre das alles nicht. Dann ist es. Und das ist schon ein kleines bisschen magisch.

 

Weitere Infos zu Jan Becker und seinen Büchern unter www.piper.de

 

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