Interview mit Steffen Möller
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Steffen Möller im Interview

Über Warschau, Reisen und Superspione

Donnerstag, 26. März 2015 von Piper Verlag


Trotz Grippe steht uns Steffen Möller charmant wie eh und je für ein Gespräch zur Verfügung. Mit »Viva Warszawa« will uns der bekennende Fan seine Stadt Warschau näher bringen, obwohl die Polen selbst dieser Begeisterung nicht unbedingt folgen...

Erfahren Sie mehr in diesem Interview.

Wo erreichen wir dich gerade?

Im Vorhof des Deliriums. Seit zwei Wochen Angina, Grippe, Halstabletten, Taschentücher…

Stell dich bitte kurz vor. Was sollte man über dich wissen?

Man sollte wissen, dass ich ein sehr treuer Mensch bin. Zunächst habe ich meine Jugend konsequent in Wuppertal durchgezogen, und zwar bis zum Ende des Zivildienstes. Danach war ich vier kurze Jahre in Berlin ansässig, musste aber bemerken, dass diese Stadt mich nicht brauchte, sie hat genug andere Fans – und seit 21 Jahren wohne ich jetzt in Warschau, und zwar in derselben Wohnung.  Denn Warschau braucht jeden – es gibt hier nur sehr wenige Touristen. Das rührt mich jeden Tag aufs Neue.

Was ist dein Lieblingsort?

Der Eurocity Berlin-Warschau-Express. Ich fahre ständig zwischen meinen beiden Wohnsitzen Berlin und Warschau hin und her, sitze sechs Stunden lang im Speisewagen und lerne viele neue Leute kennen. Dieser Zug – das habe ich oft beobachtet – eignet sich nicht nur als Einstimmung auf einen Warschau-Besuch, sondern auch als Ersatz für Ebay-Kleinanzeigen. Hier werden Antiquitäten gehandelt, aber auch ganze Biographien entschieden, Stichwort Eheanbahnung.

Was hast du bei deinen Reisen / Unternehmungen immer dabei?

Allerlei Ladegeräte, Zahnseide, Laptop und zwei Handys: Eins für Polen, eins für Deutschland. Und jetzt bitte nicht den Satz: „Es gibt doch schon Handys mit zwei SIM-Cards…“

Was ist dein liebstes Buch für unterwegs?

Ich packe gerne alte Regalhüter ein, die schon lange darauf warten, endlich gelesen zu werden. Ich gehöre zu den Leuten, die Bücher auf Vorrat kaufen und nicht behaupten können, ihre ganze Bibliothek gelesen zu haben. Da ich aber viel reise, wird jedes Buch irgendwann weggelesen. Voraussetzung: man darf außer dem Regalhüter nichts anderes in den Koffer tun. Dann wird man den Brocken schon aus Langeweile abends im Hotel doch noch aufschlagen.

Und was ist dein Soundtrack unterwegs?

Oh, das ist eine Hauptfrage meines Lebens, die von Reise zu Reise neu beantwortet wird. Ich bin ständig dabei, meine itunes-Hits aufzuforsten und Kahlschlag im Altbestand zu veranstalten. Im Augenblick habe ich 62 Gigabyte Musik dabei, von A wie Abba bis Z wie Zucchero. 62 Gigabyte ist nicht viel – aber es ist wirklich die Essenz meines derzeitigen Geschmacks, links und rechts habe ich Tausende Gigabyte gelöscht. Furchtbar, wenn der Laptop mal geklaut würde…

Was ist Heimat?

Heimat ist dort, wo du dich selber am sympathischsten findest. Ich persönlich  fühle mich zum Beispiel grundsätzlich in Warschau sympathischer als in Berlin. Sobald ich Polnisch spreche, gebe ich mir mehr Mühe – mit allem, und habe dadurch natürlich auch ein positiveres Feedback von meinen Mitmenschen. Ich bemitleide jeden, der den Ort, wo er aufgewachsen ist, als „Heimat“ bezeichnet. Ein bisschen Unzufriedenheit mit sich selbst macht reiselustiger.

Gib uns deinen wichtigsten Reisetipp:

Lade vor Abfahrt dein Telefon und deine Laptop-Batterien, so dass du es zur Not auch vier Stunden ohne Steckdose aushältst. Und kauf dir im Kiosk am Bahnhof ein Snickers und eine Coladose, für den Fall, dass der Speisewagen mal wieder „aus technischen Gründen“ abgehängt wurde. 

Worum geht es in deinem Buch?

„Viva Warszawa – Polen für Fortgeschrittene“ ist ein subjektiver Warschau-Reiseführer. Ich beschreibe einige Facetten des Warschauer Nachtlebens, zähle einige gute Essgelegenheiten auf, darunter den supercoolen Öko-Food-Basar, erzähle aber auch von meinen holprigen Anfängen hier, von einigen wichtigen Menschen, ohne die ich nicht so viele Jahre da geblieben wäre. Viele Texte drehen sich um die tragische Geschichte Warschaus, vor allem im Zweiten Weltkrieg. Ich bemühe mich dabei, geschichtliche Ereignisse vorzustellen, die man in Deutschland kaum kennt, die aber in Polen zum Allgemeinwissen gehören – wie z.B. die Geschichte des Superspions Ryszard Kukliński, der nach Ansicht der CIA einer der drei wichtigsten Spione im Kalten Krieg war, ein unglaublich kaltblütiger Typ muss das gewesen sein.  Ja, und es gibt natürlich auch Informationen über Europas schönsten Wolkenkratzer, den Zuckerbäckerpalast im Herzen Warschaus…

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