Interview mit Sara Blædel
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Montag, 30. Juni 2014 von


Interview mit Sara Blædel

Die dänische Krimiautorin über ihren neuen Roman, die Arbeit als Schriftstellerin und ihre Deutschkenntnisse

Piper Verlag: Sara, bitte erzählen Sie uns etwas über Ihre Protagonistin – wer ist Louise Rick?

Sara Blædel: In vielerlei Hinsicht haben Louise und ich denselben Antrieb – sie geht in ihrer Arbeit völlig auf und taucht in jeden Fall ganz und gar ein. Die menschlichen Schicksale, denen sie begegnet, nimmt sie sich sehr zu Herzen. Außerdem wird Louise von einem starken Gerechtigkeitssinn angetrieben. Aber im Grunde ist sie nur eine gewöhnliche Frau mit einem sehr ungewöhnlichen Job.

PV: „Die vergessenen Mädchen“ markiert ein neues Kapitel in Louises Leben, denn sie tritt einen neuen Job in der Vermisstenstelle an – welche Auswirkungen hat diese Veränderung auf Louises Leben?

SB: Der Wechsel von der Mordkommission zur Vermisstenstelle ist für Louise ein großer Schritt, doch glücklicherweise arbeitet sie dort auch mit vielen ihrer alten Kollegen zusammen. Aber als ihr neuer Kollege Eik Nordström auftaucht, verändert sich doch so einiges. Eik ist Louises exaktes Gegenteil – er ist locker, einfühlsam und ziemlich unorganisiert. Louise kann nicht verbergen, dass er sie in den Wahnsinn treibt, doch Eik stört sich nicht daran, dass sie mit harten Bandagen kämpft. Am Anfang jedenfalls … :) Doch es gibt auch noch einige Konstanten in Louises Leben. Die Journalistin Camilla zählt wie Louises Nachbar Marvin zu ihrer selbsterwählten Familie. Gerade Camilla ist von großer Bedeutung für Louises Karriere und ihr Privatleben.

PV:Können Sie uns etwas über den Fall verraten, an dem Louise in „Die vergessenen Mädchen“ arbeitet?

SB:  Dieser Fall ist etwas Besonderes, weil er auf Dingen basiert, die in Dänemark tatsächlich passiert sind. In den Sechziger-  und Siebzigerjahren kam es immer wieder vor, dass Menschen von ihren Familien oder den Behörden in Psychiatrien abgeschoben und dort geradezu versteckt wurden. Nach und nach begreifen Louise Rick und ihr Team, dass diese entsetzlichen Taten auch heute noch relevant sein könnten.

PV:Würden Sie uns noch einen kleinen Ausblick auf Louises nächsten Fall geben? Was erwartet sie nach „Die vergessenen Mädchen“?

SB: Am Ende von „Die vergessenen Mädchen“ bleibt Louise mit einer Frage zurück, die ihr ganzes Leben verändern kann: Hat ihr Freund sich vor einigen Jahren gar nicht selbst das Leben genommen? War er es nicht selbst, der sich damals, am Tag nach dem Einzug in das gemeinsame Haus, die Schlinge um den Hals gelegt hat? Diese Frage ist nun alles, woran Louise denken kann, und sie ist fest entschlossen, die Wahrheit herauszufinden. Das nächste Buch  beginnt damit, dass Louise nach einer persönlichen Auszeit in ihr Büro in der Vermisstenstelle zurückkehrt. Dort wird sie bereits von ihrem neuen Bürokollegen erwartet: einem verwundeten, gutmütigen Deutschen Schäferhund, den Eik unter seine Fittiche genommen hat. Auch ein neuer Fall lässt nicht lange auf sich warten: Ein fünfzehnjähriger Junge wird vermisst. Er stammt auch Louises Heimatstadt Hvalsø, und so wittert sie die Gelegenheit, den Fall mit ihren eigenen Ermittlungen zum Tod ihres Freundes zu verbinden – doch es wird sich herausstellen, dass das keine kluge Entscheidung ist. Zurück in der Gegend, in der Louise den Großteil ihres Lebens verbracht hat, begegnen wir vielen Charakteren aus ihrer Vergangenheit, zum Beispiel der Familie ihres verstorbenen Freundes und Kim, dem Hauptkommissar des Holbæker Polizeipräsidiums. Und natürlich spielt auch die Journalistin Camilla Lind, Louises langjährige Seelenverwandte, wieder eine große Rolle. In einem Geflecht aus Ungesagtem, gefährlichen Machenschaften und Geheimnissen versucht Louise der Wahrheit auf die Spur zu kommen und deckt ein Netzwerk auf, in dem Bruderschaft mehr zählt als Blutsverwandtschaft.

PV:Wie sind Sie Schriftstellerin geworden? Wollten Sie schon immer mit Schreiben Ihr Geld verdienen?

SB: Ich habe schon als Kind gerne Gruselgeschichten erzählt und bin einfach ein sehr neugieriger Mensch, der im Kopf ständig verschiedene Szenarien durchspielt. Da ist immer diese kleine Stimme, die flüstert: „Was wäre, wenn …?“ Die ersten Krimis, die ich gelesen habe, waren Enid Blytons „Fünf Freunde“. Und da an war ich von der Kriminalliteratur gefangen. In den Neunzigerjahren habe ich einen kleinen Verlag gegründet, der auf Spannungsromane spezialisiert war, doch damals war dieses Genre noch weniger „in Mode“ als heute. Es vergingen noch einige Jahre, ehe ich selbst zu schreiben begann. Aber im Grunde gab es schon damals kein Zurück mehr – ich liebe gute Krimis einfach.

PV:Hätten Sie manchmal Lust, etwas ganz anderes zu schreiben, eine romantische Komödie zum Beispiel?

SB: Nein :) Aber als Journalistin habe ich natürlich viele völlig unterschiedliche Artikel und Berichte geschrieben, und auch ein Buch über Prinzessin Anne-Marie.

PV:Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher? Was inspiriert Sie?

SB: Eine Idee kann überall und jederzeit auftauchen  – beim Zeitunglesen, unter der Dusche, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe. Die Idee zu „Die vergessenen Mädchen“ kam mir durch eine Artikelreihe in einer Zeitung zu den Zuständen und Gepflogenheiten in den dänischen Psychiatrien in den Sechziger- und Siebzigerjahren. Ich war total geschockt, und sofort begannen sich in meinem Kopf Geschichten zu entwickeln. Ich wollte mehr darüber erfahren. In den Artikeln fand ich auch einige Interviews mit ehemaligen Patienten, Angehörigen und Sozialarbeitern. Was ich las, war wirklich verstörend. Es ist noch nicht so lange her, dass geistig Behinderte in unserem Land als anstößig betrachtet wurden. Und noch immer gibt es viele Menschen, deren Leben durch dieses grauenhaften Fehlverhalten in der Vergangenheit gezeichnet ist. Wir können sehr froh darüber sein, dass sich die Lage in unserem Land so sehr zum Besseren gewendet hat. Es darf nie wieder soweit kommen, dass Menschen so herabwürdigend behandelt werden.

PV:Wie lange brauchen Sie, um ein Buch zu schreiben – von der ersten Idee zum fertigen Manuskript?

SB: Das ist unterschiedlich. Die allererste Idee kann schon Jahre lang in meinem Kopf herumgeschwirrt sein, bevor ich sie tatsächlich aufschreibe. Mit einigen macht es Spaß, sie nebenher immer weiterzuentwickeln. Andere kommen einfach so aus dem Nichts und sind schon fertig. Die echte Arbeit beginnt, wenn ich entscheiden muss, auf welcher Idee ich den nächsten Roman aufbauen will. Und ich verbringe SEHR viel Zeit mit thematischer Recherche. Erst danach fange ich an, die Handlung zu entwickeln, und erst wenn alles fest steht und perfekt stimmt, beginnt das Schreiben. Dabei fühle ich mich oft wie im Rausch, und  manchmal geht der eigentliche Schreibprozess sogar am schnellsten. Es kann viel Spaß machen, aber es gibt auch Tage, an denen ich mürrisch und schlecht gelaunt bin – meistens dann, wenn ich in der Geschichte gerade jemanden umgebracht habe :) Aber um es einmal auf den Punkt zu bringen: Nach der Recherche und Konzeptentwicklung brauche ich für das Schreiben eines Buchs etwa sechs Monate.

PV:Skandinavien ist ein Traumreiseziel vieler Deutscher – wohin würden Sie gerne einmal in den Urlaub fahren?

SB: Ich LIEBE Reisen und reise sehr viel. Wenn man in einem Land lebt, dass fast sechs Monate des Jahres kalt, dunkel und wolkenverhangen ist, dann sehnt man sich automatisch nach wärmeren Gefilden. Im Frühling und Sommer ist Dänemark wunderschön, aber sobald es Oktober wird, träume ich von sonnigeren Plätzen. Ich bin auch schon viel herumgekommen in der Welt. Letztes Weihnachten habe ich zum Beispiel in Mexiko gefeiert.

PV:Waren Sie schon mal in Deutschland, und sprechen Sie vielleicht sogar ein paar Wörter Deutsch?

SB: Ja, ich war schon einige Male in Deutschland. Leider habe ich noch längst nicht alles gesehen, was ich gerne sehen würde, aber ich war schon in Berlin, Hamburg, Köln und Bonn. Ich kenne viele Wörter auf Deutsch und verstehe meist auch ein bisschen was, aber wirklich sprechen kann ich es leider nicht. Ich bin auf einer Insel namens Sjælland aufgewachsen, auf der auch Kopenhagen liegt, und die Verbindung zu Deutschland ist dort nicht so stark wie etwa in Jütland. Im Süden Jütlands schauen die Leute deutsches Fernsehen, bei mir hingegen liefen schwedische Sender. Aber vielleicht werde ich Deutsch noch irgendwann lernen … es ist nie zu spät :)


Steckbrief Louise Rick

Hauptfigur in Sara Blædels Krimi „Die vergessenen Mädchen“ ist die Kopenhagener Kommissarin Louise Rick:

Geburtstag: 2. Oktober 1972

Geburtsort: Kopenhagen. Im Alter von 11 Jahren mit ihren Eltern nach Hvalsø umgezogen.

Wohnort: Frederiksberg, ein Vorort von Kopenhagen.

Beruf: Leiterin einer Sondereinheit der Kopenhagener Vermisstenstelle, die sich um Vermisstenfälle kümmert, bei denen ein krimineller Hintergrund vermutet wird.

Beruflicher Werdegang: Nach der Polizeischule trat Louise in den Dienst der Kopenhagener Polizei ein. Ab 2003 arbeitete sie als Kommissarin bei der Mordkommission, anschließend übernahm sie die Leitung der neugegründeten Sondereinheit der Vermisstenstelle.

Besondere Kennzeichen: Leidenschaftlich, engagiert, besitzt enormen beruflichen Ehrgeiz. Sportlich und clever.

Hobbys: Ihr Hund Dina und der Schrebergarten, den sie sich mit ihrem Nachbarn teilt.

Louise mag: Zeit mit ihrem Sohn Jonas, mit Camilla und deren Sohn Markus verbringen. Manchmal ist sie aber auch gern allein.

Louise hasst: Mädchenabende und alles girliehafte. Ihre Selbstzweifel. Unentschlossene und träge Menschen.

Blick ins Buch
Die vergessenen MädchenDie vergessenen Mädchen

Kriminalroman

In einem abgelegenen Waldstück wird die Leiche einer Frau gefunden. Eine lange Narbe in ihrem Gesicht sollte es Kommissarin Louise Rick einfach machen, die Tote zu identifizieren, doch niemand meldet sie als vermisst. Louises Ermittlungen führen sie tiefer in die eigene Vergangenheit, als ihr lieb ist, und so manches Geheimnis, das lange im Wald verborgen lag, kommt endlich zutage …
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