Interview mit Richard Phillips
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Mittwoch, 09. April 2014 von


Interview mit Richard Phillips

Richard, erst mal vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Kannst du uns ein wenig über dich und deinen Werdegang zum Schriftsteller erzählen?

Ich wurde in Roswell, Neumexiko, geboren und verbrachte in der Nähe dieses Ortes meine Kindheit und Jugend. 1975 erhielt ich an der winzigen Highschool von Capitan, Neumexiko, mein Abschlussdiplom — als einer von gerade einmal zwölf Absolventen in diesem Jahrgang. Es folgte eine Ausbildung zum Army Ranger an der Militärakademie in West Point.

1982 kam ich im Rahmen des Militärdienstes nach Würzburg. Meine Frau und meine Tochter, die den Umzug mitmachten, wohnten damals im nahen Rottendorf. Während meiner Armeezeit waren wir außerdem in Mannheim, Bitburg und Hanau stationiert. Kein Wunder also, dass Deutschland und den Deutschen bis heute meine besondere Liebe gilt.

1989 erwarb ich an der Naval Post Graduate School den Master in Atomphysik und verbrachte die nächsten drei Jahre bis zum Ende meiner Dienstpflicht mit militärischen Forschungsprojekten am Lawrence Livermore National Laboratory. Seit dieser Zeit arbeite ich für eine Reihe privater Unternehmen, die im Auftrag des Militärs Robot-Systemsteuerungen und Simulationssoftware entwickeln.

Ich war schon immer ein begeisterter Leser und spielte bereits in den 1990ern mit dem Gedanken, selbst einen Fantasy- oder Science-Fiction-Roman zu schreiben. Allerdings kam mir erst während eines Hawaii-Urlaubs im Jahr 2004 die Idee zu meiner Trilogie „The Rho Agenda“ und ich begann mit den Arbeiten am ersten Band Das Zweite Schiff.

Zunächst veröffentlichte ich die beiden ersten Bände meiner „Rho-Agenda“-Trilogie im Selbstverlag, und das kam so:

Als ich Das Zweite Schiff vollendet hatte, stieß ich erst mal auf die typischen Hindernisse, die sich vor jedem freien Autor auftürmen. Wenn du keinen der bekannteren Verlage an der Hand hast, bringst du dein Werk — außer in ein paar lokalen Buchhandlungen — kaum unter die Leute. An einen bekannten Verlag wiederum kommst du nur durch einen Agenten, der gute Beziehungen und Kontakte unterhält. Wenn du aber versuchst, einen Agenten zu finden, verschwindet dein Manuskript garantiert unter einem riesigen Berg unverlangter Einsendungen. Vielleicht hast du ja Glück. Ein einflussreicher Agent liest dein Werk und findet es auch noch toll. Aber höchstwahrscheinlich schaffst du es nie an der Hürde des elektronischen Papierkorbs vorbei.

Nachdem ich mir den Kopf an dieser Mauer eingerannt hatte, beschloss ich, die beiden Bände Das Zweite Schiff und Immun auf eigene Faust für den Amazon Kindle zu veröffentlichen. Anfangs setzte ich nur ein paar Exemplare im Monat ab, aber allmählich gingen die Verkaufszahlen in die Höhe, wohl vor allem dank des besonderen Kategorisierungssystems, das es Lesern ermöglicht, auch Werke neuer Autoren zu finden. Meine Bücher schafften es in einigen Science-Fiction-Unterkategorien bis in die Top-100-Listen, insbesondere in den Bereichen Techno-Thriller und High-Tech-Sci-Fi. Dort entdeckten immer mehr Leute die Romane, die in der Folge auf den jeweiligen Bestsellerlisten immer höher kletterten.

Sobald Das Zweite Schiff und Immun die Top Ten der Sci-Fi-Subkategorien erreicht hatten, tauchten sie auch in den Top-100-Listen der größeren Kategorien und schließlich in den Top 100 der Gesamtkategorie Science Fiction auf. Der Leserzustrom hielt an, und im Januar 2011 fand ich mich auf Amazon.com tatsächlich als Bestseller Nummer 1 und 2 in der Kategorie Science Fiction und Fantasy.

Als ich im Februar 2011 das fertige Manuskript meines dritten „Rho-Agenda“-Bands in Händen hielt, war eine schwierige Entscheidung zu treffen. Sollte ich den bisher so erfolgreichen Weg fortsetzen oder doch noch einmal versuchen, einen Agenten zu finden? Fest stand, dass mit einem derartigen Wechsel Kosten und Nachteile verbunden waren: Ich hätte keine Kontrolle mehr über den Zeitpunkt der Veröffentlichung, ich müsste mich mit einem geringeren Autorenhonorar zufriedengeben und davon noch einen Anteil an meinen Agenten abführen. Auf der Plus-Seite bot die traditionelle Variante weit größere Absatzmöglichkeiten, Lektorate und Redaktionen auf höchstem Niveau und eine internationale Marketingplattform. Nach längerem Abwägen wählte ich den traditionellen Weg, der mir die Chance eröffnete, meine Romane international zu vermarkten. Ich schloss einen Vertrag mit der bekannten Literaturagentur Janklow & Nesbit, die mittlerweile großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit mir bekundete.

Dann begann das Wartespiel. Mein Agent bot die Trilogie einer Reihe von Verlagshäusern an und einigte sich schließlich im Prinzip mit 47 North. Es verging erneut eine ganze Weile, bis die Anwälte auch das Kleingedruckte des Kontrakts ausgehandelt hatten. Im März 2012 schließlich kam der krönende Abschluss. Ich unterzeichnete den Vertrag, der 47 North das Recht einräumte, die ge­samte „Rho-Agenda“-Trilogie sowohl in den USA wie auch international im Druck-, eBook- und Hörbuch-Format zu verbreiten.

Es ist mir eine besondere Freude, dass meine „Rho-Agenda“-Trilogie nun in deutscher Übersetzung im Piper Verlag erscheint. Es war eine lange Reise, die mich letzten Endes zurück in das Land führte, in das ich mich in den frühen 1980er Jahren verliebt hatte.

Wovon handelt der Roman Das Zweite Schiff?

Das Zweite Schiff ist wie gesagt der erste Band der „Rho-Agenda“-Trilogie. Die Romane handeln von zwei Sternenschiffen, die bei einem Gefecht über dem amerikanischen Südwesten abgestürzt waren, sowie den unterschiedlichen Ansichten und Zielen der verfeindeten Außerirdischen, die in den beiden schwer beschädigten Schiffen fortleben.

Die Protagonisten der Geschichte sind drei außerordentlich ahnungslose Highschool-Studenten, die zufällig auf das titelgebende Zweite Schiff stoßen und sich von ihrer Neugier dazu verleiten lassen, sein Inneres auf eigene Faust zu erforschen. Damit setzen sie — ähnlich wie Kinder, die eine geladene Pistole finden — eine Kette gefährlicher Ereignisse in Gang, die ihr bis dahin sorgloses Leben zerstören. Paradoxerweise begeht mein Bösewicht Dr. Donald Stephenson den gleichen Fehler: Unter dem Deckmantel des von der US-Regierung geförderten Rho-Projekts untersucht er die fremden Technologien, die das Potenzial haben, das Ökosystem unseres Planeten so zu verändern, dass er die Aufmerksamkeit einer Rasse weckt, gegen die wir Menschen nicht bestehen können.

Deine Trilogie ist eine Mischung aus Entwicklungsroman, Science Fiction, Mystery und Thriller. War das von Anfang an so geplant, oder hat sich das erst im Lauf der Arbeit entwickelt? Anders gefragt: Wie gehst du beim Schreiben deiner Romane vor?

Als ich mit der Arbeit an der „Rho-Agenda“-Trilogie begann, wollte ich eine moderne Science-Fiction-Story erzählen, die verdeutlicht, welche verborgenen Gefahren in all den bahnbrechenden neuen Technologien lauern. Und das Ganze sollte in mehrfacher Hinsicht ein Entwicklungsroman werden. Zum einen handelt die Geschichte vom Erwachsenwerden meiner drei jugendlichen Protagonisten, die im Verlauf der Geschichte aus ihrer vertrauten Welt gerissen werden und sich in einer Situation wiederfinden, in der nichts mehr so ist, wie es war — ähnlich übrigens wie Soldaten, die sich, völlig unvorbereitet, in höllischen Kriegen weit weg von daheim bewähren müssen. Zum anderen schildert die Story die Entwicklung unserer jungen Rasse, die das Augenmerk sehr viel älterer und gefährlicherer Zivilisationen auf sich lenkt. Die Mystery- und Thriller-Aspekte haben sich während des Schreibens mehr oder weniger von selbst ergeben.

Bevor ich zu schreiben beginne, skizziere ich grundsätzlich den Erzählstrang mit Hauptplot und mehreren Subplots. Aber sobald es ans Ausschmücken geht, werfe ich schon mal einen Blick hinter verborgene Türen und in unbekannte Seitengassen. Diese kurzen Streifzüge in fremdes Terrain führen oft zu überraschenden Nebenschauplätzen mit ihren eigenen Helden und Schurken. So wurde das Spezialagenten-Team der NSA, Jack „The Ripper“ Gregory und Janet Price, die in Kapitel 30 von Das Zweite Schiff ihren ersten Auftritt hatten, zu einem festen Bestandteil der Handlung — und kamen so gut an, dass ich den Auftrag erhielt, sie als Protagonisten von drei eigenen Romanen zu verwenden, die meiner Trilogie vorangestellt werden sollen.

„The Rho Agenda“ ist in den USA ein absoluter Bestseller und erhält überall begeisterte Kritiken. Weshalb kommen Romane, die von Außerirdischen handeln, nie aus der Mode?

Vor ein paar Jahren durfte ich drei Tage lang an einem „Story“-Seminar des großartigen Robert McKee teilnehmen. Während einer Diskussionsrunde erklärte eine meiner Mitstudentinnen, sie lasse sich von der Schönheit der Natur zu ihren Storys inspirieren. Der Kommentar Robert McKees hat sich tief in mein Gedächtnis eingegraben: „Lassen Sie sich eines gesagt sein: Die Natur ist ein herzloses Teufelsweib.“

Da jede Story im Wesentlichen einen Konflikt beschreibt, bietet es sich an, mit der Natur zu beginnen.

Die Geschichte unseres Planeten ist im übertragenen Sinn reich an Invasionen von außen. Krankheiten werden im Allgemeinen von fremden Mikroorganismen verursacht, die einen Wirtskörper überfallen. Wenn bestimmte Pflanzen von einem Ökosystem in ein anderes gelangen, verdrängen sie häufig die einheimischen Arten und übernehmen deren Lebensraum. Das Gleiche gilt für Insekten oder andere Tiere, die sich in Gegenden ausbreiten, in denen sie keine natürlichen Feinde haben. Die Invasoren richten in den eroberten Gebieten verheerende Schäden an. Sie kümmern sich nicht im Geringsten um das Wohl der Arten oder Rassen, die sie beiseite schieben. Das alles ist schlicht die Manifestation dessen, was wir als „Überleben des Stärkeren“ kennen und das für mich die Frage aufwirft: Können wir von einer weit höher entwickelten außerirdischen Rasse ein anderes Verhalten erwarten?

Aus diesem Grund gebe ich sowohl meiner früheren Mitstudentin als auch dem großen Robert McKee recht: Die grausamen Gesetze der Natur könnten weit über unseren kleinen Planeten hinaus reichen — und das wiederum finde ich einen echt fesselnden Gedanken.

Glaubst du selbst an UFOs und Außerirdische?

Ich weiß nicht, ob jemals UFOs die Erde besucht haben, obwohl das sicherlich einige Rätsel dieser Welt erklären würde. Da auf unserem Planeten intelligentes Leben existiert, steht zu erwarten, dass dies in unserer Galaxis und dem noch größeren Universum keine einmalige Erscheinung ist. Und angesichts der Unmengen von Sternen und Planeten liegt die Vermutung nahe, dass viele der Fremdwelten-Zivilisationen weit höher entwickelt sind als unsere Rasse.

Gibt es bereits Pläne, die Bücher zu verfilmen oder als TV-Serie herauszubringen?

Wir führen Verhandlungen, aber noch ist nichts entschieden. Ich würde mich freuen, „The Rho Agenda“ in einer Film- oder Fernsehfassung zu sehen, aber nur dann, wenn der Stoff wirklich gekonnt umgesetzt wird.

Was ist dein nächstes Projekt?

Im Moment arbeite ich an den drei Einzelromanen, die in der Zeit vor der „Rho-Agenda“-Trilogie angesiedelt sind und in deren Mittelpunkt der Spezialagent Jack „The Ripper“ Gregory steht. Das Manuskript des ersten Romans Once Dead, der übrigens in Deutschland spielt, ist bereits fertig, am zweiten Band Nine-Tenths of the Law schreibe ich gerade mit vollem Einsatz. Damit die Leser keine langen Wartezeiten zwischen dem Erscheinen der einzelnen Werke in Kauf nehmen müssen, ist geplant, die drei Romane gemeinsam Ende 2014 zu veröffentlichen.

Wie können deine Leser Kontakt mit dir aufnehmen?

Da ist zum einen meine Website http://www.SecondShip.com. Dann gibt es einen Blog unter http://rhoagenda.me, auf dem ich gelegentlich Leseproben und Updates poste. Darüber hinaus können Fans meine Twitter-Einträge auf @RhoAgenda mitverfolgen. Und wer immer mir eine E-Mail schicken möchte, erreicht mich unter der Adresse richard.phillips(at)secondship.net. Ich versuche jede Mail zu beantworten, sofern es sich zeitlich ermöglichen lässt.

Herzlichen Dank, Richard, dass du dir so viel Zeit für uns genommen hast.

Das habe ich wirklich gern gemacht. Ich freue mich schon auf das Erscheinen der deutschen „Rho-Agenda“-Ausgabe.


Das zweite Schiff
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Rho Agenda 1

Im Jahr 1947 landete ein Raumschiff im US-Bundesstaat New Mexico – und verschwand sofort hinter den unüberwindlichen Mauern eines Geheimlabors. Seit diesem Tag hat das amerikanische Militär die außerirdische Technik erforscht, um sie für eigene Zwecke zu nutzen. Das sogenannte Rho-Projekt drang nie an die Öffentlichkeit. Nun, über sechzig Jahre später, glaubt die Regierung, alles über das fremde Schiff zu wissen. Doch dies ist ein fataler Irrtum. Denn es gibt ein zweites Schiff, das über Jahrzehnte in einem abgelegenen Canyon verschollen war. Und als drei Studenten es zufällig entdecken, stoßen sie auf ein Geheimnis, das alles infrage stellt, woran die Menschheit je geglaubt hat ...
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Kommentare

1. ONCE DEAD
Patrick am 24.07.2015

Super Bücher! Bin bei Band zwei und freu mich auf das dritte Buch jetzt schon. Wann wird es den " once dead" in deutscher Fassung geben?

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